Buchmesse Frankfurt 2017

Buchmesse Frankfurt 2017 – Wir kommen!

22. September 2017
Buchmesse Frankfurt 2017

Wir sind selber ganz erstaunt, denn dieses Jahr werden wir tatsächlich ganz offiziell – auf der
Buchmesse in Frankfurt sein.

Wer uns aus unseren Anfängen kennt, der wird wissen, dass wir die Buchmesse immer eher inkognito besucht haben. Treffen mit einer Übersetzerin, Kontakt zu Agenten und Lektoren, Gespräche mit Partnerverlagen. Alles ganz unauffällig.

Verlage haben ja normalerweise Stände, an denen sie stehen. Nun sind wir aber ein Verlags-Label, eigentlich immer in Bewegung und noch dazu ein kleines Team. Und tasten uns an den ersten Messeauftritt daher erstmal mit einem Event heran. Event, ja, das passt irgendwie zu uns und unserem Leben, dass manchmal fast nur aus Events zu bestehen scheint.

Einladung von ebook.de

Buchmesse 2017 - Red Bug BooksWie wir euch ja schon erzählt haben, verstehen wir uns mit dem Team von Tolino-Media sehr gut. Wir gehören nicht zu den Amazon-Gegnern – wie könnten wir?! – aber wir haben uns wirklich sehr gefreut, dass eine deutsche Plattform entstanden ist, die ein wenig mit Amazon mithalten kann und zudem auf die E-Book-Qualität achtet. Daher freuen wir uns sehr, dass uns ebook.de zu einem Meet & Greet geladen hat.

14.10.2017

13.30 Uhr

Meet & Greet

Stand H4 Halle 3.0

Film.Love.Story – Flying Moon

Was bringen wir mit? Die Neuauflage unseres ersten E-Book-Jugendbuches, die Film.Love.Story-Serie Flying Moon. Und den zweiten Teil: Lasse.

Für alle, sich fragen, wann denn – endlich – der 3. Teil kommt – freut euch auf Anfang November und Premiere, den  3. Teil der Flying Moon – Serie!

Natürlich ist die Autorin Katrin (Bongard) da, signiert Bücher und Autogrammkarten, liest aus Flying Moon und erzählt. Denn – das allermeiste aus den Flying Moon- Bänden hat sie selber auf die ein oder andere Weise erlebt, da sie seit 20 jahren im Filmgeschäft arbeitet und drei Kinder hat, die als Jungschauspieler angefangen haben und nun alles sehr erfolgreich beim Film sind. (Tochter Amber Bongard könnt ihr gerade im 3. Teil der Ostwind-Reihe als schlagfertige Freundin Fanny sehen).
Flying Moon erscheint bei Red Bug Books, also ist auch Uwe (Carow), Verleger und Fels in der Brandung dabei, ist für alle Fragen zu Büchern und Film offen und hat Goodies und den Hoodie (Kaputzenpulli) dabei …

Hoodieverlosung, Lesezeichen, Leseproben

Flying Moon Premiere… denn wir verlosen einen unserer wunderschönen Red Bug Hoodies unter allen, die den Weg zu unserem Event finden (Lose bereiten wir vor, also nur noch einen Stift mitbringen).

Außerdem hat eBook.de Lesezeichen gedruckt und wir erstellen gerade noch eine schöne Leseprobe zum 3. Band von Flying Moon – alles zum Mitnehmen.

Über unserer Vorbereitungen und den Stand der Dinge bis zur Buchmesse berichten wir ab jetzt mit Filmen und Posts immer Montags, Mittwochs und Freitags auf Facebook und für Fragen sind wir natürlich auch immer offen.

Wer den roten Bug übrigens schon am Freitag über die Messe laufen sieht, weil wir auf unsere geheimen Treffen einfach nicht verzichten wollen, darf uns selbstverständlich gerne ansprechen!

Wir freuen usn auf euch :))

Die Redbugx

Martin Luther 2017

Martin Luther #38 Die Craftsbeer Revolution

21. September 2017
Martin Luther und die Craftsbeer Revolution

Ich bin keine Biertrinkerin. Als wir Anfang des Jahres beschlossen, als Dreierteam über Luther zu bloggen, da habe ich mal im Netz nachgesehen, was da sonst noch so ist. Der erste Artikel, auf den ich gestoßen bin, handelte von Luther und Bier. Ich meine – ernsthaft? Gibt es da nicht genug andere Themen? Oder anders gesagt: Müssen wir den Leuten Luther über Bier nahebringen? Dem Lieblingsgetränk der Deutschen? Ist er so unbeliebt, dass wir die Themen dermaßen an der Haaren herbeiziehen müssen, um die Leute für Luther zu interessieren?

38 Blogbeiträge später bin ich sehr viel weiser. Nein, mir gehen nicht die Ideen aus. Vielleicht hat es mich einfach auch nur so lange beschäftigt, was an dem Thema Luther und Bier so interessant sein soll. Ja, er hat gerne Bier getrunken! Ja, er hat viele Trinksprüche über Bier verfasst! Ja, er hat sogar selber Bier gebraut. Und ja, heute habe ich den Hook für diese Story gefunden und sie heißt: Craftsbeer Revolution.

Reinheitsgebot

Das (bayrische) Reinheitsgebot für Bier ist aus dem Jahr 1516 – ein Jahr vor dem Anschlag der Thesen in Wittenberg. Die von Leonhard von Eck verfasste neue Landesordnung wurde am 23. April 1516 durch die bayerischen Herzöge Wilhelm IV. und Ludwig X. in Ingolstadt erlassen. Darin heißt es:

Wo aber einer nicht Märzen sondern anderes Bier brauen oder sonstwie haben würde, soll er es keineswegs höher als um einen Pfennig die Maß ausschenken und verkaufen. Ganz besonders wollen wir, dass forthin allenthalben in unseren Städten, Märkten und auf dem Lande zu keinem Bier mehr Stücke als allein Gerste, Hopfen und Wasser verwendet und gebraucht werden sollen. Wer diese unsere Anordnung wissentlich übertritt und nicht einhält, dem soll von seiner Gerichtsobrigkeit zur Strafe dieses Fass Bier, so oft es vorkommt, unnachsichtlich weggenommen werden. ( Wikipedia)

Bier war damals kein Genussmittel, sondern ein Getränk. Besser als das nicht ganz saubere Wasser (weil aufgekocht) und viel billiger als Wein (was ein Genussmittel war). Es rein zu halten, hatte viele Gründe. Zum Beispiel regulativ wirtschaftliche oder es ging um die Sicherstellung der Lebensmittelversorgung: Die Bäcker sollten Roggen und Weizen verwenden, die Bierbrauer bitte nur den beruhigenden Hopfen.

Der Ethnopharmakologe Christian Rätsch sieht im bayerischen Reinheitsgebot auch ein frühes Drogengesetz: Es bestehe der Verdacht, dass vor allem der Gebrauch heidnischer Ritualpflanzen unterdrückt werden sollte. So sind z. B. Bilsenkraut, Sumpfporst, Tollkirschen, Schlafmohn, Muskatnuss oder Wermut als psychoaktive Bierzusätze im mittelalterlichen Deutschland belegt. (Wikipedia)

Jeder hat so seine Gründe – für die Reinheit des Bieres, der Lehre, des Glaubens …

Das Gesetz hielt nicht lange und schon 1551 durfte dem Bier wieder Koriander und Lorbeer beigesetzt werden, ab 1616 waren in Bayern auch Kümmel und Wacholder zugelassen. An was erinnert mich das?

Genau.

Die Craftsbeer Revolution

Ich bin sehr für Revolutionen. Wir Menschen, mich eingeschlossen, tun uns schwer mit Veränderungen. Und wenn sich nichts bewegt, muss man manchmal einfach loslegen. Nicht warten, sondern handeln. Das muss ja nicht immer gleich blutig werden …

Letzten Samstag hat uns Matt von Sweetwood Films, ein befreudeter amerikanischer Dokumentarfilmer, zu der Preview seiner Dokumentation BEER JESUS eingeladen. BEER JESUS erzählt die Geschichte von Greg, einem der erfolgreichsten Craftsbeer Brauer in den USA, der in Berlin die Brauerei und das Restaurant Stone Brewing  aufgebaut hat. Letzten Samstag haben sie einjährigen Geburtstag gefeiert und den Film – erstmal nur in kleinem Kreis – gezeigt.

Craftsbeer Revolution

Wir hatten mit unseren VIP-Karten Zugang zu unendlich vielen Craftsbeer-Sorten und der Erkenntnis, dass Bier mehr sein kann, als Gerste und Hopfen und Wasser. Wen das genauer interessiert, hier ein Video zum Craft Beer, der Craftbeer Revolution, denn die Bewegung kam nicht erst mit Greg, sondern ist schon eine Weile in Deutschland angekommen. Craftsbeer-Anhänger haben Hipsterbärte und tragen Karohemden und kämpfen leidenschaftlich gegen Reinheitsgebot und billiges Bier und für ein gutes, handwerklich gemachtes Bier in vielen Geschmacksrichtungen.

Was hat das mit Luther zu tun? Nun, ich sehe da einen ähnlichen Prozess – von einer Reformation zum neuen Glauben. Von einem verwässertere, selbstverständlich gewordenden Abfertigung eines Kults/Ritual (ich nenne Biertrinken jetzt mal Kult) zurück zu einem besonneneren, reflektierteren Umgang mit diesem Brauch. Brauch, Kult, Ritual – klar bin ich hier beim Glauben.

Von einer kleinen Bewegung zu einer neuen Kultur

Denn für Greg, den Beer Jesus, ist Craftsbeer nicht nur ein neues Produkt. Es geht um eine neue Einstellung. Bier ist zu billig, Bier wird industriell hergestellt, man beruft sich auf das Reinheitsgebot, aber eigentlich … achtet keiner mehr auf Qualität. Warum ist Bier so billig? Wie kann das gehen? Warum achten wir nicht auf mehr Qualtität – nicht nur beim Bier, überhaupt in unserem Leben. Sollen wir nicht ein wenig genauer hinsehen? Stimmt, er hat recht. Lieber ein gutes Bier als ein schal gewordenes Reinheitsgebot. Erneuerung des Glaubens! Sein Hausbier heißt übrigens Arrogant Bastard. Jep, so sind die Craftsbrauer.Craftsbeer Revolution

Luther wäre da wohl sehr dabei gewesen. Nicht nur, weil er 1532 zu seiner Hochzeit das Nutzungsrecht für das frühere Augustinerkloster in Wittenberg geschenkt bekam und damit als Hausbesitzer das Braurecht bekam. Auch weil er für Erneuerung war. Rituale und Gebote hinterfragt hat. Ständig.

Braugeheimnis und Glaubenskämpfe

Wie war denn das normale Bier zu Luthers Zeiten? Nun, da gab es einmal das Alltagsbier, ein Dünnbier und eher wässrig. Wenn man gefeiert hat, dann hat man Einbecker getrunken, angeblich Luthers Lieblingsbier. Die Einbecker in Hamburg hatten ein besonderes Brauverfahren (mit Malz) erfunden, das das Bier haltbarer machte, damit transportfähig wurde und auch kräftiger war. Das Rezept kam aus dem Mittelalter und wurde in Einbeck streng geheim gehalten. 1529 wurde Einbeck protestantisch und das Einbecker Bier für die Katholiken zum Ketzerbier. Und hier eine kurze dramaturgische Pause: Ketzerbier? Echt jetzt? Bier ist wohl doch eine sehr viel ernstere Angelegenheit, als ich dachte.

Nach diesem Einbecker-Geheimrezept wurde übrigens bis 1540 gebraut, bis die Stadt Einbeck niederbrannte. Ironischerweise kam es zu dem Brand da sich die katholischen Patrizer der Stadt in eine Auseinandersetzung mit den eher protestantischen Handwerkern gerieten und an mehren Stellen der Stadt Brände gelegt wurden. Durch den Brand konnte das Einbeck nicht mehr geliefert weden, da die ganze Dokumentation des Brauwesens verloren ging. So war das also mit Luthers Lieblingsbier. Aber er hat zu diesem Zeitpunkt ja schon sein eigenes Starkbier gebraut.

Heute gibt es Lutherbier, Luther auf dem Etikett – und keine Ahnung, wie das passieren konnte. Denn es ist ja nicht so, dass man Luther einfach so von damals nach heute transportieren könnte. Weder sein Bier, noch seine Philosophie oder Glaubenseinstellung.

Tja. Luther, Reformation und Bier hängen wohl doch irgendwie viel mehr zusammen als ich dachte, also: Willkommen in der Craftsbeer Revolution!

 

 

7 Wege ein Buch zu schreiben

7 Wege ein Buch zu schreiben #3 Kreatives Schreiben

20. September 2017
Kreatives Schreiben – was ist das genau?

Okay, ja, es hört sich einfach gut an. Nicht Schreiben-schreiben, was irgendwie nach Pflicht und Arbeit klingt, sondern Kreatives Schreiben! Da fallen einem Tonklumpen ein, auf die man einschlagen und die man bearbeiten kann oder bunte Tücher, mit denen man frei durch den Raum tanzt. Wir sind kreativ! Keine (Schreib-)regeln, was für eine Befreiung!

Nur um das zu klären: Abgesehen von dem, was einem so bei kreativem Schreiben einfällt und wie offen man diesen Begriff verstehen will, gibt es auch eine Definition. Was man eigentlich nur wissen braucht, wenn man mit Schreibfachleuten zusammensitzt oder Schreibunterricht geben will. Für alle anderen zur Klärung:

Kreatives Schreiben ist eine Bezeichnung für Schreibansätze, die davon ausgehen, dass Schreiben ein kreativ-sprachlicher Prozess ist, zu dem jeder Mensch methodisch angeleitet werden kann. Kreatives Schreiben geht damit über klassischen Schreibunterricht hinaus, indem der Schwerpunkt auf den Prozess des Schreibens selbst gelegt und „durch assoziative, gestaltende und überarbeitende Methoden trainiert“wird. (Wikipedia)

Kreatives ScheibenJa, stimmt, das ist sehr vage. Irgendwie unklar. Ich habe darüber schon mal eher grundsätzlich gebloggt, aber heute nehme ich das mal ein wenig auseinander. Oder anders gesagt, konzentriere mich auf „assoziative und gestaltende“ Methoden, das Spiel mit der Sprache und ein paar Tricks und Kniffe, mit denen man sich freischreibt. Alle anderen Aspekte des Kreativen Schreibens lasse ich mal beiseite, bzw. vertage sie auf die nächsten Wochen.

Was bedeutet Kreatives Schreiben?

Okay, es gibt diese Tage, da hört sich alles, was ich schreibe ganz fürchterlich an. Steif und mechanisch und langweilig. Als ob ich einem Vortrag zuhören würde, dabei will ich doch eigentlich diese aufgeregte, gemütliche, intime, knisternde, erhebende Stimmung erzeugen, die mir auch beim Schreiben so viel Spaß macht. Meist bin ich überarbeitet oder einfach – uninspiriert. Dann helfen mir die Tricks und Kniffe des Kreativen Schreibens. Nicht mehr in Worten und Sätzen und in Kapiteln zu denken, sondern in Wortklängen und Satzwellen, in Farben und Tönen, ohne einen Gedanken an Sinn und Plot und Abgabetermin und sogar meine Charaktere einfach – draulosschreiben.

Einfach drauflos

Kreatives SchreibenEinfach drauflos heißt, ohne Nachzudenken. Ohne zu kritisieren oder zu urteilen. Es fließen zu lassen. Für viele ist es eine Methode, anzufangen oder Schreibblockaden zu lösen, doch warum nicht ein ganzes Buch auf diese Art schreiben? Sich nie Regeln unterwerfen, immer nur das aufzuschreiben, was einem gerade in den Sinn kommt, sich alle Freiheiten nehmen? Geht das? Wird das Ergebnis dann nicht – kompletter Unsinn sein? Nä, erstaunlicherweise nicht. Vertraut mir, am Ende ist alles viel braver, als man denkt. Gerade, was einem beim Aufschreiben noch vollkommen konfus vorkommt, kann mit ein paar Einschüben am Ende ein guter Text werden.

Außerdem – wir leben in postmodernen Zeiten. In denen gibt es hyperrealisitische Bilder, aber auch Maler, die Farbklecks auf der Leinwand verteilen. Es gibt klassische Orchestermusik – und Punk. Es gibt das klassische Ballett und Free Dance. Und – hey – so ist es auch in der Literatur. Klar, die Grenze zwischen Kunst und Kauderwelsch (wo kam dieses Wort gerade her??) ist sehr schmal, aber wenn ihr merkt, dass dies eure Methode ist, mit der ihr eure Idee aufgeschrieben bekommt, dann ist Kreatives Schreiben perfekt – und alle anderen sollten eben ihr Ding machen. Udn damit das jetzt nicht so vage bleibt, wie der Begriff, hier ein paar genauere Anleitungen.

Assoziatives Schreiben

Assoziation kommt von lateinisch associare „vereinigen, verbinden, verknüpfen, vernetzen“. In diesem Fall Worte und Gedanken. Nehmen wir an, ich will etwas über Wasser schreiben. Fantasy. Für Kinder. Und statt mich mit all den Fragen – Wassernixen? Meeresgötter? Meerjungfrauen? herumzuplagen, schreibe ich auf, was mir geade einfällt. Zu Wasser.

Es ist nass und eigentlich kann ich es nicht leiden. Als Kind habe ich vom Tauchen immer Ohrenschmerzen bekommen und einmal ist mein Vater einfach zusammen mit mir untergetaucht, weil ich so ein Schisshase war. Das war schrecklich und hat die Sache nicht besser gemacht. Eigentlich wirklich ein ganz schlechtes Beispiel für Erziehung und …

Okay, das war Realtime kreatives Schreiben. Das, was so aus mir herausgeflossen ist. Ist das Schreibmaterial? Irgendwie sinnvoll? Wozu? Hm. Ich würde sagen, so ganz nebenbei habe ich meine Geschichte gefunden. Ein Mädchen, das Angst vor dem Wasser hat. Vielleicht erzählt sie diese Geschichte sogar am Anfang, falls das Buch für ältere Kinder ist. Oder … und so weiter. Assoziatives Schreiben heißt, sich von einem Bild, einem Wort, einer Idee, einer Erinnerung zur nächsten zu bewegen, ohne zu urteilen.

Innere Bilder

Kreatives SchreibenEs geht auch mit inneren Bildern. Statt zu schreiben, schließe ich erst einmal die Augen. Hände anwärmen, über die Augenhöhlen legen, damit es richtig dunkel wird. Kinotime. Alles ist schwarz, also frage ich: An welchem Ort sehe ich mein Geschichte beginnen? Wo wäre ich jetzt gerade gerne? (An dieser Stelle schließe ich die Augen):  Das erste Bild, das in mir auftaucht, ist ein realer Ort. Die Biosphäre in Potsdam, die  … und genau hier fange ich nun an zu schreiben. Dabei halte ich das innere Bild im Blick und versuche nicht oder wenig auf den Text zu sehen.

Ich gehe über die Hängebrücke. Unter mir Palmen, das Geräusch von fließendem Wasser, Vogelgezwitscher. Ist das echt? Ich bin mir nicht sicher, besonders, als ich einen Lautsprecher entdecke. Klar, das hier ist eine Art Botanischer Garten, aber eigentlich nur eine Halle. Ich erinnere mich an die Ausstellung zu den Schmetterlingensarten an diesem Ort, Schmetterlinge, die alle frei herumflogen. War das so? Und dann der Geruch. Nach Modder, aber diese angenehme Art, moderig, tropisch, lehmig, süßlich. Als ob jeden Moment eine Ananas im Gebüsch auftauchen könnte oder eine Schlange. Ja, mit gelben Augen. Dschungelbuch …  

Texte, die mit inneren Bildern entstehen, sind erstaunlich anschaulich. Und genau das will man als Autor erreichen. Bilder sehen, Bilder beim Leser erzeugen. Bilder, die einem beim Schreiben helfen.

Von Gefühlen leiten lassen

Wenn ich emotional schreiben will, werde ich das nicht mit einem sachlichen Stil erreichen. Warum also nicht gleich mit einem Gefühl beginnen? Sagen wir … Zufriedenheit. Ich spüre in mir nach, wie fühlt sich das an? Wann habe ich das Gefühl, sehr zufrieden zu sein? Ich bin zufrieden …

… nachdem ich Sex hatte, eindeutig. Dieses satte Gefühl, nichts mehr tun zu brauchen. Diese Ruhe im Kopf und das leichte Hungergefühl im Magen, als hätte man sooooo viel geleistet. Ja, die Menschheit vorangebracht. Oder es versucht. Die entspannten Muskeln, die glatte Hautoberfläche, die träge Müdigkeit. Danach kann ich so gut schlafen. Ahhh, so gut schlafen. 

(Musste das sein, Katrin? Aber so ist das, wenn man sich gehen lässt ;) Okay, was mach ich damit? Was soll das? Hm, na ja, meine Protagonisten haben öfter Sex und wenn ich eine Szene nach dem Sex beschreibe, kam es mir noch nie in den Sinn, sie aus dem Blickwinkel Zufriedenheit zu schreiben. Dabei – lag es so nah.

Für wen ist Kreatives Schreiben?

Für wen ist Kreatives Schreiben geeignet? Ich würde ja jetzt gerne sagen: für alle, aber vermutlich eignet es sich für bestimmte Menschen besser. Wieder mal eher für die Tagträumer. Was braucht man?

  • Zeit
  • Ruhe
  • Entspannung
  • Spaß an  Spielen
  • Einen großen Wortschatz
  • Die Fähigkeit zu visionieren (also sich innere Bilder vorzustellen)
  • Fantasie
  • Mut, sich auf Gefühle einzulassen

Kreatives SchreibenJa, auch Mut, denn Gefühle haben ist eine Sache, aber über sie zu sprechen oder schreiben eine andere. Hilfreich sind auch schöne Farben in der Umgebung, ein Blumenstrauß, nette Dinge, Bilder, Postkarten oder kleine Sachen, die einen inspirieren und an etwas erinnern. Oder – Musik.

Vom Kreativen Schreiben zum Buch

Und wie wird aus all dem dann ein Buch? Nun, durch eine liebevolle Überarbeitung. Und zwar sobald man etwas Abstand zu seinem Geschriebenen gewonnen hat. Abstand ist wichtig, damit man nicht gleich urteilt und den Text objektiver angehen kann. Und habt keine Angst davor, dass die Geschichte keinen Plot oder Plotpoints hat, das ist bei dieser Methode nicht so wichtig. Auch die Leser begeben sich eher auf eine Lesereise durch die Gedanken des Autors und seiner Bilder. Eher nicht für einen Thriller geeignet, aber es gibt ja noch andere Genres.

Eine Form des Kreativen Schreibens ist das biografische Schreiben. Und wenn ich biografisch sage, dann meine ich nicht, dass man seine Biografie schreibt. Eher, dass man in sich und seiner Vergangenheit und seinem Leben nach Geschichten sucht und sie dann mehr oder weniger genau weiterverarbeitet. Wie das geht? Sage ich euch dann nächste Woche.

Bis dahin

xoxo

Katrin

#redbugwriting #rbpub #amwriting

 

Martin Luther 2017

Martin Luther #37 Kleiner Katechismus

14. September 2017

Ich bin gern zum Konfi gegangen. Damals in den frühen Siebzigern. Zwei Jahre lang, einmal die Woche plus Sonntags in die Kirche. Im Gegensatz zum Gymnasium wurden Jungs und Mädchen gemeinsam unterrichtet. Schon spannend! Damals.

Und unser Pfarrer und sein Vikar, die den Unterricht abhielten, waren definitiv cooler als die meisten Lehrer auf der Schule.

Da hab ich dann auch zum ersten Mal den Kleinen Katechismus in der Hand gehabt. Was ist das?

Ja, das ist die Frage. Die Frage, die in diesem kleinen Heftchen ständig gestellt wird. Von Luther gestellt wurde. Er hat dieses kleine Sammlung 1529 verfasst, die die Grundlagen des christlichen Glaubens, wie er ihn sah, erläutern sollte. Und er hatte eine klare Zielgruppe: Pfarrer und Hausvorstände sollten grundlegende, kurze und knappe Erläuterungen zum christlichen Glauben und den neuen reformatorischen Erkenntnissen erhalten. Um sie dann an ihre Gemeinden oder Familien weitergeben zu können.

»Die klagenswerte, elende Not« habe ihn »gezwungen und gedrungen« die »christliche Lehre in eine solche kleine, schlichte, einfache Form zu bringen.« In seiner Vorrede zum Kleinen Katechismus beklagt er den »Jammer«, den er auf seinen Visitationsreisen erlebt hat. »Der ungelehrte Mann weiß doch gar nichts von der christlichen Lehre, besonders auf den Dörfern, und viele Pfarrer sind sehr ungeschickt und untüchtig zu lehren. Und doch wollen sie alle Christen sein, getauft sein und die heiligen Sakramente genießen, obwohl sie weder das Vaterunser noch das Glaubensbekenntnis oder die Zehn Gebote kennen.«

Im kleinen Katechismus werden also die Zehn Gebote, das Glaubensbekenntnis, das Vaterunser und die drei Sakramente Taufe, Abendmahl und Beichte aufgeführt und erläutert. Sie werden wortwörtlich wiedergegeben und nach jedem Satz stellt Luther dann die Frage: Was ist das? Um dann eine kurze Erläuterung zu geben.

Das war so erfolgreich, dass noch knapp fünfhundert Jahre später evangelische Pfarrer damit ihre Konfirmanden unterrichten.

Luther hatte ja die in der Katholischen Kirche üblichen sieben Sakramente, Taufe, Eucharistie, Firmung, Ehe, Buße, Priesterweihe und Krankensalbung auf drei reduziert: Taufe, Abendmahl und Beichte .

Seltsamerweise hatte er nichts gegen die Säuglingstaufe einzuwenden, obwohl er in der Vorrede zum Kleinen Katechismus schreibt, man solle »niemanden zum Glauben oder zum Sakrament zwingen, auch kein Gesetz, noch Zeit, noch Stätte bestimmen. (…) Aber wir wollen so predigen, dass sie sich selbst, ohne unser Gesetz, drängen.« Ihm war schon klar, dass ihm ohne Kindstaufe einige Schäfchen verlorengehen würden. Er war aber vehement gegen die Erwachsenentaufe, (darüber in einem der nächsten Beiträge) und auch die Firmung hatte er allerdings als Sakrament gestrichen.

Warum saß ich dann im Konfirmationsunterricht? Klar, damit ich mich etwas auskannte in dem Verein, in den ich durch die Taufe aufgenommen worden war und zu dem ich mich jetzt nach zwei Jahren Unterricht noch einmal bekennen sollte. Na ja mit vierzehn war das damals auch noch keine so bewusste Entscheidung. Und niemand hätte sich im Ernst gegen die Konfirmation entschieden. Es waren alle da. (siehe Beitragsbild). Sähe heute schon etwas anders aus.

Vor diesem schönen Gruppenbild (in den Siebzigern wurde nicht hinterfragt, wieso die Jungs vorne stehen) gab es allerdings eine Prüfung. Wir sollten nicht nur sagen, okay jetzt wo wir einmal getauft sind bleiben wir dabei, nein wir sollten geprüft werden. Geprüft darauf, ob wir auch alle Glaubenssätze gelernt und verstanden haben. Als hätten sie wirklich jemand rausgeschmissen. Es wurde also vor der Gemeinde eine Prüfung abgehalten. Anwesend waren hauptsächlich die Verwandten der Konfirmanden. Die meisten seit Jahren das erste Mal wieder in einer Kirche.

Ich hatte meine 192 Strophen aus dem Gesangbuch gelernt (wie blöd kann man sein, als hätte die im Ernst jemand abgefragt) und konnte auch den Kleinen Katechismus auswendig. Bei jeder Frage also, bäng Finger hoch. Bloß nicht ungefragt drankommen, wenn man es vielleicht doch nicht weiß. Und abtauchen wie in der Schule, vor so vielen Leuten, geht ja nicht so richtig. Nach zehn Minuten dreimal was gesagt und … Entspannung. Jetzt wird er mich nicht mehr fragen. Wir sind zu viele.

Interessant, dass Luther sich auch hier und also der Konfirmationsunterricht noch fünfhundert Jahre später auf das Wort verlässt. Darauf, dass man Texte kennt und Erläuterungen dazu versteht. Wie hätte so eine Prüfung ausgesehen, wenn man Meditationsunterricht gehabt hätte?

 

7 Wege ein Buch zu schreiben

7 Wege ein Buch zu schreiben #2 Recherche

13. September 2017
Recherche oder die Suche nach dem Thema

Heute geht es um – Recherche. Trocken, öde, langweilig? Nö. Doch leider von vielen Autoren schändlich vernachlässigt. Da wird am Porsche der Kofferraum hinten aufgemacht (obwohl da der Motor ist) oder über Nachtclubs oder Bars geschrieben, ohne jemals dort gewesen zu sein. Gerade wenn man cool sein will, wird es superpeinlich, wenn man sich nicht auskennt. Recherche ist eigentlich immer wichtig, wenn man ein Buch schreibt, egal ob ein Sachbuch, einen Thriller oder eine Liebesgeschichte. Das nur vorweg, denn jetzt geht es darum, wie man ein Buch mit Recherche beginnt. Und ja, vielleicht erstaunlich, aber damit kann man beginnen.

Am Anfang war – die Recherche

Sagen wir, ihr habt überhaupt keine Ahnung, worüber ihr schreiben wollt. Absolut blank. Ihr habt kein Thema, keine Handlung, keine Ahnung? Nicht schlimm. Fangt mit einem Ort an – New York oder Unterschleißheim. Fangt mit einem Event an – Weihnachten oder ein Begräbnis. Fangt mit einem Charakter an. Einem schrägen oder ganz braven. Gebt ihm oder ihr einen Beruf, eine Tätigkeit, die euch interessiert. Feuerwehrmann oder Poledancerin. Gebt ihm oder ihr Dinge: Ein Haus, ein Auto, Freunde. Und, hey, ihr steckt sofort drin in der Recherche: Wo und wie ist das in New York? Wie läuft ein Begräbnis ab? Wie geht Poledance?

Denn Ach, von Feuerwehrleuten verstehe ich nichts, ich lass meinen Chakrater doch besser bei der Bank arbeiten, da arbeite ich auch – könnte ziemlich langweilig werden. Begebt ihr euch aber auf die Recherche, und findet etwas über den Beruf des Feuerwehrmannes/frau heraus oder eure kleines Dorf, dann wird es spannend. Was? Die Feuerwehrleute haben auch eine Stange, an der sie sich herunterrutschen lassen? Dann könnte doch der Feuerwehrmann auf eine Poledancerin treffen und dann … und so weiter. Denn das ist das Grandiose an der Recherche. Sie liefert euch Themen und interessante Infos einfach so, on the go.

Google oder legwork – wie geht Recherche?

Wahnsinn, in was für einer Zeit wir leben. Wir brauchen uns eigentlich überhaupt nicht mehr aus dem Haus zu bewegen, um das meiste zu tun, wofür wir früher, nun, dann doch mal vor die Tür gehen mussten. Schriftsteller finden das, als ausgewiesene Stubenhocker, besonders grandios:

Im Gegensatz zu meinen Helden bin ich nie in Ostdeutschland gewesen und habe die Reise nur mit Google Maps unternommen. Da kann man von oben nicht sehen, wie hoch die Berge sind. Aber ich war nie ein großer Freund der Recherche. (Wolfgang Herrendorf zu „Tschick“, FAZ)

Ja, das geht. Und auch wenn Herrendorf sagt, er sei kein großer Freund der Recherche, dann hat er aber doch recheriert. Im Netz. So macht man das heute. Sehr angenehm muss ich sagen. Ich liebe es, wenn ich beim Schreiben nicht aufstehen muss und in einem Buch nachschlagen, sondern einfach nur ein paar Klicks von der nächsten Info entfernt bin. Trotzdem kann und sollte man sich manchmal einen Weg nicht ersparen.

Raus in das Leben

Es ist großartig zu googeln. Aber wenn Herrendorf mal in die Gegend gereist wäre, die er in Tschick beschreibt, dann wäre ihm der Geruch aufgefallen. Der Staub, die Art, wie die Luft schmeckt und wie die Leute dort so drauf sind. Und das hätte seinem Buch – ich sag’s einfach – gutgetan. Manchmal sollte man einfach rausgehen.

Im 4.Teil der Loving-Serie geht es unter anderem um ein (Musik)Festival. Ich finde, das passt in die Zeit um zwanzig, Ich erinnere mich an meine Festivalzeiten. Genial. Und weil ich meinen Schreibtisch auch nicht so gerne verlasse, habe ich gegoogelt. Das geht ziemlich gut, da es viele Videos gibt und Fotos und Berichte und so weiter. Trotzdem war ich nicht so ganz zufrieden. Eher zufällig hat meine Tochter Amber für unsere Familie Karten für ein großes Theaterfestival in der Nähe von Berlin geholt. Und zwar schon sehr früh, denn die sind schnell ausverkauft.

Obwohl ich kurz vorher natürlich wieder dachte, was mache ich da überhaupt?, bin ich mitgefahren. Zelten, Musik bis früh in den Morgen, eine Komposttoilette. Freunde, dass kann man sich nicht ausdenken oder googeln. Das muss man erlebt haben. Die Leute, die herumlaufenden Kinder, die grandiosen Theateraufführungen, die kleine Gigs zwischendurch. Die Gespräche über Drogen beim Warten auf die Dusche. Ich könnte jetzt ein ganzes Buch über ein Festival schreiben und habe tatsächlich beschlossen, das Thema oder besser die Location für den 4. Loving-Band (Loving 4 you) noch stärker auszunutzen. Ein Sommer voller Festivals. Warum nicht? Wer den dritten Band gelesen hat, weiß, dass es genug schwere Themen gibt, also ist ein Gegengewicht gut.

Fakten und Historisches

Bücher, die in der Vergangenheit spielen oder einen historischen Hintergrund haben, würde ich sogar grundsätzlich mit einer Recherche beginnen. Die kann manchmal sehr lange dauern. Ken Follett recherchiert angeblich bis zu einem Jahr, bevor er einen Roman beginnt und hat dafür sogar einen Recherchespezialisten, der 1000 Dollar die Stunde bekommt. Okay … Nr. 6 seiner Schreibregeln lautet:

Schriftsteller sind keine gesegneten Stenografen, die ein göttliches Diktat empfangen. Deshalb musst du so lange recherchieren, bis du mit dem Stoff vertraut bist, intim wie Haut auf Haut. (Ken Follett. WELT)

Aber auch er liebt das Netz. Als man ihn fragte, ob er beim schreiben irgendwelche Stimulanzen braucht, war seine Antwort:

Ja, Google Earth. Dieses Programm ist für uns Schriftsteller die großartigste Erfindung aller Zeiten. Ich brauche zur Stimulierung meiner Fantasie einen visuellen Eindruck eines Dorfes in Bayern oder Sibirien? Klick, hier ist er! (Ken Follett. WELT)

Und wer sollte mit Recherche beginnen?

Ein Buch mit Recherche zu beginne, ist eindeutig etwas für Menschen, die es gerne sortiert und geordnet haben. Die in der Lage sind, sich eine übersichtliche Datei mit Fakten anzulegen oder ein geniales Schreibprogramm wie Scrivener zu bedienen, welches man mit Fakten vollladen kann, während man schreibt. Recherche ist etwas für alle, die gerne forschen, die Geocoaching lieben oder Schatzsuche. Die keine Hustenanfälle in staubigen Archiven bekommen und keine Hemmungen haben, jemanden mal nach etwas zu fragen. Auch, wenn es persönlich ist. Ich würde sagen, hilfreich ist:

  • Strukuriertes Denken
  • Wissenschaftliches Arbeiten
  • Lust, das Haus zu verlassen
  • Mut, Fragen zu stellen
  • Lust auf Archive, Akten, Bibliotheken
  • Zeit
  • Geduld
  • Lust auf fremde Sprachen, alte Karten
  • Abenteuerlust
  • Neugierde
  • Spass an der Suche
Recherche – erche -erche

Ruft Recherche in euer Leben und es wird lange weiterhallen. Denn es gibt da ein paar Dinge, die fallen mir immer wieder auf. Wenn man sich erstmal auf eine Frage einlässt, dann kommen die Informationen darüber von ganz allein in das Leben. Vielleicht, weil die Antennen für das Thema schon aufgestellt sind. Denkt an irgendetwas: vegan, Militär, Blitzschlag – ich wette, euch fallen in nächster Zeit viele Berichte über dieses Thema auf. Kurz, das Gehirn vollbringt da wieder sein Wunderwerk und hilft mit, wenn wir uns auf die Suche begeben. Warum das so ist, könnte ich jetzt recherchieren … aber wer weiß, wo mich dass dann hinführt. Oder – eigentlich weiß ich es: in ein Labyrinth von Antworten und neuen Fragen.

Das ist etwas, was ich sehr liebe: Wenn man in seinem Recherche-Modus ist, stößt man auf immer neue Informationen, die einen zu weiteren Entdeckungen führen und so weiter. Und jede Entdeckung ist nicht nur ein Fakt, sondern eigentlich auch schon wieder eine Idee für eine Szene oder eine Handlung, einen Dialog. Irgendwann setzt sich so auf einmal auch die Handlung zusammen, die einem vorher einfach nicht eingefallen ist. Vielleicht, weil sie sich aus den Fakten und Informationen ergeben musste.

Wenn du also ratlos bist, womit du dein Buch beginnen willst, verlass dich auf deine Spürnase. Denk an eine Sache, die dich interessiert und dann leg los.

Nächste Woche beschäftige ich mich mit Kreativem Schreiben. Ein Begriff, der oft sehr allgemein verwendet wird, aber eine ganz bestimmte Bedeutung hat. Kreatives Schreiben eigent sich ganz hervorragend, wenn man ein Buch beginnen will. Wie das geht, erzähle ich nächste Woche.

Was recherchiert ihr gerade?

xoxo

Katrin

#redbugwriting #amwriting #rbpub

 

Martin Luther 2017

Martin Luther #36 Martinstag

8. September 2017
martinstag

Im Nebel eines kalten Novemberabends stapfte ich, tief in Gedanken versunken, durch den Schlosspark Charlottenburg. Der kalte Kies unter meinen Stiefeln knirschte leise und die Umrisse der Bäume verschwammen mit dem Dunkelblau des Himmels. Von irgendwoher konnte ich die Straße hören, ein schlammiges Rauschen am Rande meiner Wahrnehmung. Ansonsten lag eine unheimliche Stille über dem Park. Der Winter hatte seine Besucher fest im Griff. Ich hatte die Hände in den Taschen vergraben.Trabte wie in Trance zum Takt meiner eigenen Schritte. Mein Ziel war das Schloss. Einen Blick auf die milchig weiße Fassade zu werfen, die gespensterhaft im Zwielicht leuchtete. Plötzlich hielt ich an. Ruckartig und überrascht von meiner eigenen Existenz. Ich hatte etwas gehört.

Ein Knacken und Knistern, dicht hinter mir. Nervös spähte ich um mich herum, in die dichter werdende Finsternis. Doch nichts. Vielleicht, war es nur das Knacken meiner Gedanken gewesen, die sich einen Weg durch meine Synapsen fraßen. Kopfschüttelnd ging ich weiter. Die Schultern hochgezogen, das Karussell wieder angeschmissen. Ich war gerade um die Ecke gebogen und sah das Schloss mit seiner dunklen Kuppel in meinem Sichtfeld auftauchen, da riss mich erneut ein Geräusch aus dem Takt. Jetzt hatte ich es ganz deutlich gehört. Ein Flüstern und Raunen. Leise aber bestimmt. Ich fuhr herum. Hinter mir rauschten die Bäume. Dunkle Schatten. Lachten mich aus. Eine Weile lang stand ich so da. Starrte blicklos in die Landschaft, die langsam von der Dunkelheit verschluckt wurde. Eine Gänsehaut kroch mir über den Nacken, ich schauderte, vergrub das Kinn im Schal. Was soll’s. Ich wollte zum Schloss. Es gab einen ganz bestimmten Punkt, von dem aus man sich direkt gegenüber vom großen Fenster befand, in dem in der Weihnachtszeit ein Baum blinkte. Jetzt war da nur Dunkelheit.

Ich stellte mich, mit den Stiefelspitzen auf dem Rasen, an meine Position und begutachtete das große Gebäude. Wie seltsam leer ein unbewohntes Schloss aussah. Es knackte erneut. Und dieses Mal jagte mir das Geräusch einen Schauer über den Rücken, der mich in Bewegung setzte. Ohne dass ich verstand was ich tat, war ich schon losgerannt. Die kalten Hände zu Fäusten geballt. Heiße und kalte Schauer jagten mich bis zu einem Punkt hinter den Bäumen, an dem ich keuchend inne hielt. Ich zog mir die Mütze tiefer über die Ohren. Mein Herz klopfte wild. Hier war ich in Sicherheit. Und dann sah ich sie. Erst eins, tauchte in weiter Entfernung aus dem Wald auf. Dann ein zweites. Und während ich noch dastand und mein Atem hektische kleine Wölkchen vor meinem Gesicht bildete, folgten drei, vier, fünf. Eine ganze Gruppe von baumelnden körperlosen Lichtern, die in stummer Prozession durch den Park wandelten. Ich spähte hinüber. Und musste grinsen.

Hinter jedem gelben Licht sah ich ein kleines Gesicht, mit konzentrierter Miene auf die kleine Kerze spähend, die an einem langen Holzstock befestigt in der selbstgebastelten Laterne brannte. Große, lange Schatten begleiteten die vielen ernsten Träger, lachten und plauderten und sangen den Text vor, der zwischen Rotznasengeschniefe und Thermoskannengeläut immer wiederholt wurde.
Meins ist ausgegangen Papa! Ein atemloses Keuchen, schockiertes in die Lampe spähen. Dann das Zischen eines Feuerzeugs. Magie. Die Laterne leuchtet.

Die Prozession zieht jetzt dicht an mir vorüber und ich trete einen Schritt zurück, als würde ich ihnen Platz machen. Dabei kann keiner mich sehen, in der Dunkelheit hinter den Bäumen. Ich trete auf einen Ast, der leise knackend zerbricht. Das Mädchen dreht sich um. Starrt mit weit offenen Augen in die Richtung aus der das Geräusch gekommen ist. Dann wendet sie sich ab, schmiegt sich an Papas Arm. Laterne, Laterne klingt es noch lange in meinen Ohren wieder. Während ich, seltsam glücklich, durch den dunklen Park nach Hause wandere.

Martinstag

Martin Luther wurde an einem Tag getauft, der zu seinerzeit  den Anfang der Fastenzeit markierte. Das letzte Große Festessen bevor bis Weihnachten gefastet wurde. Und gleichzeitig war Martini, das Ende des Bauernwirtschaftsjahres, das Vieh wurde von den Weiden geholt und die Steuern waren fällig. Irgendwie passend, dass Martins Namenstag einen Tag kennzeichnet, der traditionell das Ende einer ertragreichen Sommerzeit und den Anfang des strengen Winters einläutete. Stellen und Verträge liefen bis zu diesen Tag aus, und die Festlichkeiten waren der Abschied vom warmen Überschwang des Sommers. Ab jetzt waren Zahlungen zu entrichten, sittsam zu fasten und in der Stille des Winters nachzudenken. Ein Neuanfang.

7 Wege ein Buch zu schreiben

7 Wege ein Buch zu schreiben #1 All in my head

6. September 2017
Ein Buch schreiben

Nach vielen Beiträgen über das Schreiben, wie man schreibt, wie man plottet, starke Charaktere erfindet, auf Ideen kommt oder in den richtigen Workflow – fiel mir auf, dass es für die meisten, die ein Buch schreiben wollen, immer noch das Schwierigste ist, ein Buch zu beginnen. Also anzufangen zu schreiben. Also dachte ich mir, okay, dann gebe ich einfach mal ein paar Tipps, wie man anfangen kann. Und im gleichen Moment wurde mir klar, dass es sooo viele verschiedene Möglichkeiten gibt, ein Buch zu beginnen, dass ich vielleicht darüber bloggen sollte.

Also, voilà, meine Blogreihe über die 7 verschiedenen Arten ein Buch zu schreiben. Am Ende dieser Blogreihe gibt es dann einen schönen Fragebogen/Test, mit dem ihr herausfinden könnt, welches für euch die beste Methode ist, ein Buch zu schreiben. Wird das anstrengend? Wird das mühsam? Nein, ganz im Gegenteil. Lehnt euch zurück und genießt die Reise in die Köpfe verschiedener Schriftsteller und Denkweisen. Lasst euch inspirieren von Ideen und Tricks, findet heraus, wie ihr so tickt, was euch Spaß macht, wie ihr EUER erstes Buch schreiben wollt. Let’s go.

Wie beginne ich ein Buch?

Ich habe mich mal zurückerinnert an die Zeit, als ich mein erstes Buch geschrieben habe. Um es gleich zu sagen: Sein zwanzigstes Buch schreibt man ganz anders als sein erstes Buch. Das ist fast so wie beim Kinderkriegen, wobei zwanzig Kinder, nun ja … Daher sind allerdings auch die Tipps von erfahrenen Schriftstellern zwar sehr inspirierend, treffen aber oft nicht den Punkt. Klar, irgendwann weiß man, dass es gut ist, sich eine Struktur anzulegen, zu plotten oder was auch ímmer, aber am Anfang hat man ganz andere Probleme. Man will überhaupt erstmal – anfangen.

Als ich dann so darüber nachdachte, wann genau ich mein erste Buch begonnen habe, da wurde mir klar, dass es nicht erst der Moment war, als ich mich an den Schreibtisch gesetzt habe. Oder die Datei eröffnet, oder mir auch nur Notizen gemacht habe. Nein, meine Reise begann viel früher – im Kopf. Und genau auf diese Reise nehme ich euch jetzt in diesem ersten Blogbeitrag mit. Ein Buch – das überwiegend im Kopf entsteht.

Ausdenken und vorstellen

Ich bin gut darin, mir Dinge auszudenken. Das ist vermutlich ein Grund, warum ich überhaupt angefangen habe, Bücher zu schreiben. Ich habe mir schon als Kind Spiele ausgedacht, da ich mir gerne Was-wäre-wenn-Situationen überlege. Kurz: Tatsächlich beginne ich mit meinen Geschichten und Büchern in meiner Vorstellung. Bevor ich mir irgendeine Notiz mache, bevor ich mir einen Plan mache, bevor ich plotte oder  drauflosschreibe, denke ich über Situationen, Charaktere und eine gute Story nach. Baue um und verschiebe, durchdenke und verwerfe. Wie geht das?

Kopfarbeit

Wenn man viel mit dem Kopf arbeitet, dann muss es ein paar wichtige Bedingungen geben, damit man gut nachdenken, mit Ideen herumspielen, oder einfach nur vor sich hinträumen kann. Zum Beispiel Ruhe. Oder einen geschützten Ort. Wichtig ist auch, dass der Kopf frei ist. Sorgen, Kummer und Angst sind die absoluten Feinde kreativer Gedanken. Natürlich kann man gerade diese Gefühle oft schlecht unter Kontrolle bekommen. Nach einem Arbeitstag fällt es schwer, abzuschalten. Da ist es einfacher, sich einen Film anzusehen, statt einen eigenen in seinem Kopf ablaufen zu lassen. Also helft eurem Kopf bei der Arbeit. Bereitet Kopf und Körper vor. Gebt ihm eine Massage, eine Meditation, schöne Musik zum Entspannen, vielleicht ein Glas Rotwein. Schafft ideale Kopf-Arbeits-Bedingungen und genießt eure Kopfzeit.

In meinem Kopf …

…herrscht nicht die wunderbare Ordnung, die ich gerne hätte. Und das ist gut so. Manchmal spiegelt mein Schreibtisch meine Gedanken und alles, was mir gerde durch den Kopf geht, ganz gut wieder. Komplettes Chaos. Ist das schlimm? Nicht unbedingt. Klar, ist es gut, wenn man in Strukturen denken kann. Das wird man brauchen. Aber das kreative Chos im Kopf ist gar nicht so schlecht,  denn es unterscheidet sich sehr von dem Chaos auf meinem Schreibtisch. Es hat einen entscheidenden Vorteile: Der Kopf sortiert für mich. Keine Ahnung, wie das geht. Aber auf wundersame Weise bleiben am Ende nur die guten Ideen übrig, die weniger guten scheinen sich in Luft aufzulösen.

Ein eindeutiger Vorteil an der Arbeit im Kopf ist daher nicht nur die Umweltverträglichkeit, sondern auch die Zeitersparnis. Statt sich mit Ideen auf dem Papier oder Computer herumzuschlagen, die nicht funktionieren, wird der Kopf sie einfach  – verdrängen, vergessen, aussortieren. Besonders empfehle ich diese Methode daher den Tagträumern und Chaoten unter euch. Was für euer alltägliches Leben der Horror ist – Termin beim Zahnarzt vergessen, die Steuererklärung verdrängt – ist für eure kreative Arbeit ein Segen. Ungute Dinge, schlechte Ideen, nicht funktionierende Stories – lösen sich einfach in Vergessen auf.

Gedanken sind frei

Es gibt diesen Tipp von vielen Autoren: Hab immer etwas zu schreiben dabei, damit du dir deine wunderbaren Ideen gleich notieren kannst. Ich habe das eine zeitlang sehr intensiv getan und dann meine so wertvollen Aufzeichnungen später nie lesen können. Und festgestellt, dass mich meine Notizen auch nie wieder interessiert haben. Mein Kopf hatte längst weitergedacht, den Abfall beseitigt, die brillanten Ideen in einen Extraordner gepackt. Wo ist die grandiose Idee auf dem Zettel? Nun, entweder sie hat überlebt oder sie ist untergegangen. Ganz unabhängig davon, ob ich sie aufgeschrieben habe oder nicht. Vertraut eurem Denken.

Checkliste für die Kopfarbeit

Okay, Zeit für eine Checkliste. Gehört ihr zu den Autoren, die ihr Buch im Kopf beginnen sollten? Was braucht ihr?

  • Vorstellungskraft
  • Phantasie
  • Logisches Denken
  • Ein gutes Gedächtnis
  • Lust zu träumen
  • Zeit zum Nachdenken
  • Ruhe zum Abschalten
  • Einen sicheren Ort
Und dann das Buch schreiben

Ja, klar. Irgendwann will das Buch aus dem Kopf heraus und dann muss man mit dem Aufschreiben anfangen. Wie lange ist das? Hm. Es gibt Autoren, die denken jahrelang über ihr Buchprojekt nach und schreiben es erst auf, wenn sie alles genau im Kopf durchdacht haben. Andere – wie ich – wollen die Idee eher grob umrissen haben, damit im Schreibprozess noch genug Freiraum ist. In der Regel spürt man, wenn eine Idee aufs Papier will. Durch das Denken kommt dann nichts Neues mehr hinzu, man wiederholt sich, langweilt sich vielleicht sogar beim Nachdenken über sein Projekt. Der nächste Arbeitschritt steht an, jetzt heißt es: Buch schreiben.

All in my head

Ich habe zurzeit drei angefangene und zwei angedachte Buchserien – und alle schwirren in meinem Kopf herum. Was könnte passieren, wer wird wichtig werden, was muss ich hier noch gemacht werden? Das Gehirn ist großartig, es schafft so etwas und arbeitet im Hintergrund für mich weiter, während ich hier sitze und einen Blogbeitrag schreibe oder gleich weiter an meinem derzeitigen Buchprojekt schreibe. Vermutlich ist es auch ein Training, das mich mittlerweile sehr unabhängig macht. Denn unter bestimmten  Bedingungen kann ich fast überall arbeiten. Wenn ich irgendwo anstehen muss, beim Radfahren, beim Spazierengehen oder als Mitfahrer auf dem Motorrad. Ist das nicht großartig!

Vielleicht gehört ihr ja zu den Autoren, die ihr Buchprojekt die ganze Zeit im Kopf haben und sich ständig ermahnen: Schreib es doch mal auf! Keine Sorge, denn vielleicht braucht der Kopf/das Buch noch etwas. Vertraut eurem Kopf, vertraut – euch!

Nächste Woche folgt dann gleich das Kontrast-Konzept. Wie beginnt ihr ein Buch mit Recherche? Sucht also erst alle Fakten und Daten und das Wissen zusammen, das ihr für eurer Buch braucht. Ist das langweilig? Ganz und gar nicht. Aber das erkläre ich in der nächsten Woche genauer.

Wie beginnt ihr ein Buch oder einen Blogartikel?

xoxo

Katrin

#rbpub #amwriting #redbugwriting

 

 

Martin Luther 2017

Martin Luther #35 Musik

31. August 2017
Musik oder the drum is everything

Ich erinnere mich an eine Zeit in meinem Leben, so um Zwanzig. Ich wohnte sehr mönchisch in einer winzigen 1-Zimmer-Wohnung im Süden von Berlin und studierte Kunstgeschichte und Theologie. Was Lebensphasen angeht bin ich sehr strikt, was vorbei ist, ist vorbei und in diesem Zuge fand ich es sinnvoll, mich von ein paar Spielsachen zu trennen, die nicht mehr in mein Leben passten oder zu der vorherigen, sehr viel wilderen Phase gehörten. Mein Motorcross-Motorrad zum Beispiel und mein Schlagzeug.

Damals, in einer Zeit (noch fast) ohne Internet und Handys, verkaufte man Dinge in Berlin ganz einfach über die 2. Hand. Eine dicke, wöchentlich erscheinende Zeitung mit Kleinanzeigen (okay, das kommt mir jetzt auch so weit weg wie das 16. Jahrhundert vor …). Also habe ich das Schlagzeug dort annonciert und mich dann wieder an meinen Schreibtisch begeben und Latein und Griechisch und Hebräisch gelernt. Bis der Anruf kam. Festnetz versteht sich. Ein aufgeregter, junger Typ, im Hintergrund Kneipengeräusche.

„Ich will das Schlagzeug. Ist es noch da? Ich kauf es. Ich brauch es heute. Kann ich es abholen?“

„Äh …“

( Es war Winter, es war spät, ich wohnte am Ende der damaligen Berliner Welt und was war mit … um den Preis handeln?)

„Ich habe einen Gitarristen getroffen, wir müssen heute proben.“

Okay. Da war sie. Die KUNST. Die Leidenschaft eines echten Musikers, der sein Schlagzeug verkaufen musste, weil er das Geld brauchte. Und dann an einem dieser Abende diesen Gitarristen trifft und mit ihm spielen MUSS. So sind Künstler, ich verstand das sofort. (Auch wenn meine Künstlerseele sich zu der Zeit in Enthaltsamkeit übte.)

Theologie und Musik

„Nach der Theologie kann keine Kunst der Musik gleichkommen, weil allein sie neben der Theologie das gewährt, was an anderer Stelle nur die Theologie schafft, nämlich Ruhe und Frieden der Seele.“ (Luther 1530 in einem Brief an den Hofmusiker Ludwig Senfl. Quelle: Schilling)

Okay, Theologie galt als Kunst. Aber Ruhe und Frieden? Das ist nicht gerade das erste, was uns einfällt, wenn wir an Luther denken. Oder an (Rock)Musik. Aber man versteht ja, wie es gemeint ist: Musik tut gut.

Für Luther gehörte sie von Anfang an zum Leben und zur Ausbildung dazu. In der Schulzeit war er Kurrendesänger, was bedeutete, dass er mit anderen Chormitgliedern herumzog und bei Hochzeiten oder Beerdigungen gegen Geld sang. Und später im Studium in Erfurt war Musik Teil des Lehrplans.

„Ich liebe die Musik“

Hans Holbein der Jüngere

Luther spielte Querflöte und Laute. Eine Laute ist eine Art Gitarre, die den Gesang begleitet und damals etwa die heutige Bedeutung des Klaviers hatte. Die Laute war vielseitig, Solo- oder Orchesterinstrument, wurde zu Hause oder in der Kirche gespielt. Wenn man wie Luther die Kunst des „Absetzen“ beherrschte, also Melodien anderer Instrumente für die Laute umschreiben konnte, dann hatte man Zugang zu allen Musikstücken der Zeit. Im Lutherhaus wurde viel gesungen und musiziert, meist nach dem Abendessen und mehrstimmig.

Musik und Gottesdienst

„Damit das Wort Gottes auch durch Gesang unter den Leuten bleibt.“

Schon sehr früh – ab 1523 – komponierte Luther Lieder für den Gottesdienst. Er wollte den ganzen Ablauf des Gottesdienstes – und die Lieder gehörten dazu – verändern. Sowohl in der Melodie als auch in der Sprache strebte er eine Vereinfachung und mehr Verständlichkeit an. Die Bibel verständlicher machen, den Ablauf und Sinn des Gottesdienst verständlicher machen – das gleiche Ziel.

Ende 1523 teilte Luther Spalatin mit:

Ich habe den Plan… muttersprachliche Psalmen für das Volk zu schaffen, das heißt geistliche Lieder damit das Wort Gottes auch durch Gesang unter den Leuten bleibt. (zitiert nach Schilling, S. 545)

Zwischen 1524 und 29 erschien das erste Wittenberger Gemeindegesangbuch. Schilling nennt es eine Neuerung von ungeheurer Wirkmacht, aber das wissen wir ja, wenn wir gelegentlich mal in die Kirche gehen. It’s all one song – und Luther hat kräftig mitgedichtet und komponiert. Er war nicht unbedingt sehr begabt, kritisieren Musikwissenschaftler. Luther hat das von sich selber nie behauptet. Es ging ihm beim Komponieren auch nicht hauptsächlich um die Kunst, mehr um die Botschaft. Und die musste raus. Aber ich finde, genau diese Haltung schon sehr künstlerisch. Dieses „ich muss“, wie ich überhaupt denke, dass Luther viel mehr Künstler war als man so denkt oder zumindest ich dachte.

Berliner Süden, im Winter anno 1985 oder so

Sie kamen dann gleich zu zweit, der Gitarrist und der Schlagzeuger. Es musste noch die Nacht sein, die Verhandlungen waren für mich sehr einfach, da nicht verhandelt wurde, man MUSSTE spielen, sofort, also das Schlagzeug kaufen. Geld irgendwie zusammengekratzt. Kannte ich auch. Andererseits habe ich die künstlerische Notlage auch nicht ausgenutzt. Fast fiebrig glänzende Augen, hektisches Einpacken. Sie riefen dann noch aus der Stadt an, es fehlte eine Stange, aber ich habe sie nicht mehr gefunden.

Verzicht und Freude

Irgendwie hat mich das aber damals sehr berührt. Dieser Versuch, von der Sache=Kunst loszukommen, vernünftig zu werden, jetzt endlich mal die Musik sein zu lassen und dann – muss es doch wieder sein.

Denn egal, wie klösterlich ich leben wollte, irgendwann kam die Kunst auch bei mir wieder vorbei. Unausweichlich.

Luther hat seine Laute beim Eintritt ins Kloster verkauft. Auch er hat sich die Laute später zurückerobert, für sich erkannt, dass zu viel Frömmigkeit nicht der richtige Weg sein kann – und er Musik einfach braucht. Sie Teil seines Glaubens ist und damit auch Teil seines Lebens sein muss.

„Wer aber nicht davon singen und sagen will, das ist ein zeichen, dass ers nicht gleubet und nicht ins new föliche Testament, Sondern unter das faule, unlustige Testament gehöret. (Schilling, S. 545)

Und wer will das schon :)

Wer sich noch weiter für das Thema Luther & Musik interessiert, kann sich die Podcasts auf NDR2  anhören, in denen einmal im Monat ein Lied von Luther ausführlich vorgestellt wird.

Buchblogger, Mindful Monday

Wie schreibe ich eine gute Rezension? #1 Mal ganz allgemein …

28. August 2017
Was ist eine Rezension überhaupt?

Eine Buchrezension (lat. recensio Musterung) oder auch Besprechung ist eine Form der Kritik, die ein – digitales oder in Print vorliegendes – Buch behandelt. In einer Rezension werden Inhalte (Bücher) ihrer Entwicklung nach beschrieben, analysiert und, meist an fachlichen Normen orientiert, bewertet. (siehe auch Wikipedia)

Okay, das klingt hochtrabend und irgendwie auch unklar. Behandelt? An fachlichen Normen orientiert? Sag ich nicht einfach nur meine MEINUNG über ein Buch? Äh – nicht ganz. Oder zumindest ist mit REZENSION etwas anderes gemeint, als „nur seine Meinung“ zu sagen.

Buchblogger & Buchkritiker

Wie ihr wisst, sind wir große Fans von Buchbloggern. Warum? Wir lieben kreative Menschen, die ihr Leben selbst in die Hand nehmen, einen Blog gestalten, Bücher lesen, sich eine eigene Meinung bilden und diese mit der Welt teilen. Das allein ist nämlich schon eine ganze Menge und macht unserer Welt bunter und interessanter. Unsere Lieblingsblogger schreiben dazu noch großartige Rezensionen. Gekonnt, unabhängig, ehrlich, gut formuliert. Mit ein Grund, warum es unsere Lieblingsblogger sind.

Aber – was vielleicht verwunderlich ist – da wir ein Label/Verlag sind – wir lieben die meisten Buchblogger nicht unbedingt für ihre Rezensionen. Egal, ob sie uns 1 oder 5 Sterne geben. Warum? Nun, viele Buchblogger haben wenig Ahnung von Literatur oder gutem Schreiben. Wie können sie gute Bücher überhaupt bewerten? Trotzdem verteilen sie fleißig Sternchen und denen sieht man nicht an, ob es nur Meinung-Sternchen oder Rezensions-Sternchen sind. Ja, manchmal ärgert man sich über diese subjektiven Bewertungssysteme. Oder dass eine Rezension mit etlichen Fehlern verfasst wird und sich in der Rezension über einen gefundenen Rechtschreibfehler in einem Buch beschwert wird. Puuuuhhhh!

Okay, jetzt ist es raus. Hasst uns dafür, dass wir es aussprechen, aber im Grunde, sind wir ja nicht die ersten, die es ansprechen. Doch – es geht hier nicht um Kritik, sondern um Diskussion und Fortschritt  an diesem und noch ein paar weiteren Mindful Mondays.

Los geht’s!

Buchblogger und Literaturkritiker

Um das gleich zu sagen: Wir sind absolut keine Fans von Literaturkritikern, die sich über Buchblogger lustig machen, weil sie die Grammatik nicht beherrschen oder Herzchen und Teddybärchen verteilen.Von oben herab. Wenn man sich in einer Zeitung mit hoher Auflage über Blogger lustig macht, dann ist das nicht besonders fein. Okay, richtig sorgen muss man sich deshalb auch nicht, denn irgendwann wird die Internet- Community zurückschlagen und diese Kritiker zu Dinosauriern erklären – und wir wissen ja, was mit denen passiert ist …

Aber Kritik im allgemeinen ist ja nicht schlecht, sondern kann jedem von uns helfen, besser zu werden. So sehen Autoren die Kritik an ihren Büchern an: Als großartiges Feedback zu ihren Geschichten. Und wie ist es nun mit der Kritik an den Buchbloggern?

Wie geht man mit Kritk um?

Immer wieder geraten Buchblogger in die Kritik, weil sie keine altehrwürdige Haltung zur Literatur haben. Aber – kann nicht jeder so über Bücher schreiben, wie er mag? Ja, eigentlich schon, finden wir. Nur müssen Buchblogger sich dann eben auch gefallen lassen, dass sie genauso kritisiert werden, wie sie andere kritisieren. Großartigerweise leben wir ja in einem Land, in dem eine freie Meinung UND sie zu äußern möglich und erwünscht ist. Juuuhuuu! Kritik kann hilfreich oder gemein sein. Wir bevorzugen ganz eindeutig hilfreiche Kritik.

Die Verteidigung der Buchblogger

Katharina Herrman, die sich selber Vordenkerin der postfaktischen Literaturkritik nennt, und schon mit dieser Definition zeigt, dass sie den Literaturkritikern intellektuell gewachsen ist, hat ausführlich über all die Gründe für die Kritik der Literaturwelt an Buchbloggern gebloggt. Da ist großartig, finden wir. Alle Achtung! Aber leider zielt dieser Artikel auf Leser, die sich mit wissenschaftlichem Denken, Schreiben und Argumentieren auskennen und ist daher gerade nicht für die oft sehr jungen Buchblogger geeignet, die sie in ihrem Artikel aus gesellschaftskritischen Gründen verteidigt.

Anders gesagt: Mit ihrem Text ist es ein wenig so, als ob man der Anwältin der Buchblogger vor Gericht zuhört, kein Wort ihres Rechts-Deutsch versteht und nur hofft, dass alle Blogger am Ende freigesprochen werden.

Geht es nicht verständlicher?

Wieso, weshalb, warum, wer nicht fragt …

Ist ja immer etwas blöd, wenn man etwas kritisiert, aber keine Lösungen anbietet. Okay. Also wollen wir Lösungen anbieten. Doch zuerst einmal vielleicht ganz grundsätzlich …

Ihr redet hier über Rezensionen. Was ist denn, wenn ich einfach nur meine Meinung über Bücher mitteilen will?

Ist ja vollkommen okay. Unser Rat ist allerdings: Dann nenne es besser nicht Rezension. Nicht nur, um die Kritik der Literaturkenner zu vermeiden, sondern auch, um die Leser nicht zu verwirren. Denn wenn Du eine Rezension schreibst und nur deine Meinung abgibst, dann ist das, als ob Du Ratgeber auf ein Buch schreibst und der Inhalt Fantasy ist. Irgendwie eine Mogelpackung.

Na gut, okay. Also wieso soll ich überhaupt eine richtige, echte Rezension schreiben? 

Klar muss niemand. Aber es gibt schon ein paar Gründe um eine gute Rezension zu schreiben und nicht nur seine Meinung abzugeben. Einer heißt: REZENSIONS-Exempare. Man beachte: Es heißt nicht MEINUNGS-Exemplare. Wenn du also als Blogger gerne regelmäßig von Verlagen Bücher zugesandt bekommen möchtest, solltest du deine Meinung besser in eine Rezension fassen.

Ein weiterer Grund ist: Du erreichst auch Leser, die an mehr als deiner persönlichen Meinung interessiert sind. Die gerne ganz sachliche Gründe wissen wollen, weshalb Du ein Buch schlecht oder gut bewertest.

Und: Du lernst Bücher nach mehr als einer Kategorie (gefällt mir oder gefällt mir nicht) zu bewerten. Wirst also schlauer, was im Leben grundsätzlich hilfreich sein kann.

Wie schreibt man nun also eine gute Rezension?

Okay, das ist natürlich die Masterfrage. Und es schließen sich gleich gaaaanz viele weitere Fragen an:

  • Was gehört in eine Rezension und was nicht?
  • Wie baue ich sie auf?
  • Womit beginne ich und was kommt ans Ende?
  • Was muss in einer Rezension alles über das Buch, den Autor, den Verlag genannt werden?
  • Gehört meine eigene Meinung in eine Rezension?
  • Wie grenze ich meine eigene Meinung von der sachlichen Kritik am Buch ab?
  • Wie wichtig ist sind gute Formulierungen in einer Rezension?
  • Warum sollte ich auf Rechtschreibfehler achten?
  • Warum sollte ich meinen (echten) Namen unter eine Rezension setzen?
  • Was ist ein gutes Bewertungssystem?

Ja, okay, dafür werden WIR jetzt mal in den Ring steigen, also recherchieren und diese Fragen und weitere Fragen in den nächsten Wochen sehr genau beantworten. Damit zumindet alle, die eine gute Rezension schreiben wollen, es auch lernen können und besser verstehen, was Verlage sich von Buchbloggern wünschen. Und eingeschlossen. Das machen wir vielleicht nicht jeden Montag, aber mindestestens einmal monatlich am Mindful Monday. Parallel werden wir eine Checkliste für gute Rezensionen erstellen, die man als EXTRA herunterladen kann. Coming soon.

Wie immer gilt: Rückmeldungen und Kritik machen unsere Arbeit nicht nur leichter, sondern auch besser. Also gebt gerne eure Meinung ab!

Was uns besonders interessiert: Was gehört für dich in eine gute Rezension?

Love & respect

Die Redbugx

 

Starke Charaktere

Starke Charaktere #7 Trickster

27. August 2017
Das Leben ist ein Spiel …

Okay, Trickster, wer oder was soll das sein? Schauen wir mal als erstes auf die Griechische Mythologie. Dort sind Trickster Figuren/Wesen Charaktere, Götter/Halbgötter, die mit Hilfe von Tricks die Ordnung im (göttlichen) Universum durcheinanderbringen.

Die typischen Trickster sind an ihrem zwiespältigen Charakter zu erkennen. Auf der einen Seite brechen sie die Regeln, um den Menschen Gutes zu tun, auf der anderen Seite jedoch auch, um Konflikte (meist zwischen den Göttern) zu provozieren. (Wikipedia)

TricksterEin ganz typischer Trickster ist Loki. Obwohl der nordische Gott Sohn eines Riesen ist, gilt er als Asengott und um es nicht unnötig kompliziert zu machen, lassen wir es mal so. Wobei – genau diese Ambivalenz macht diese Charkatere aus! Irgendwie sind sie ständig mehr als eine Person und auf ihre Loyalität kann man selten zählen . Loki hilft den Göttern, spielt ihnen aber auch Streiche und nimmt dafür auch gerne mal die Form eines Lachses oder einer Fliege an. Ja, genau. Sehr lustig – wenn man nicht betroffen ist.

Eigenschaften der Trickster

Eigenschaften? Uhh, genau hier wird es schwammig. Warum sich klar definieren lassen, wenn sich nicht festzulegen doch gerade der Spaß an der Sache ist?

„Der schiere Reichtum an Tricksterphänomenen kann einen leicht dazu verführen, dass der Trickster undefinierbar sei. Zu definieren heisst Grenzen zu ziehen, und Trickster scheinen erstaunlich resistent zu sein gegen Eingrenzungen. Sie sind zwanghafte Grenzübertreter.“ ( William J. Hynes/William G. Doty, „Mythical Trickster Figures: Contours, Contexts, and Criticisms“, Tuscaloosa 1993, S. 33.)

Ein Trickster/Gauner oder Schwindler, ist eben gerade jemand, der den Wechsel seiner Persönlichkeit zur Kunst entwickelt hat. Denkt an den Joker im Kartenspiel: Ein Trickster kann alles sein. Und weil er so oft die Form wechselt, hat er meist auch einen zwiespältigen Charakter.

Es gibt auch eine freundlichere Sichtweise. In der sind sie Kulturheroen, also Helden/Götter, die eine Kulturtechnik erfinden oder übermitteln. Denkt an Prometheus. Oft finden die (anderen) Götter das gar nicht so gut. Feuer, Ackerbau … Wollen wir wirklich, dass die Menschen jetzt auch noch das Feuer haben? So richtig gut machen sie den Job da unten auf der Erde nicht, also … think about! Und ja, bis heute können wir darüber streiten, ob uns Fortschritt weiterbringt oder Schaden anrichtet. Vermutlich beides, sagt der Trickster, der nicht einsieht, warum er sich entscheiden muss.

Funktion der Trickster

In Geschichten haben Trickstercharaktere bestimmte Funktionen.

  • Aufdecken von Heuchelei
  • Zeigen der wahren Motive
  • Schwächen offenbaren
  • Ego des Helden durch Humor stutzen
  • Eingreifen in unklaren Situationen
  • Prozesse (wieder) in Gang bringen
  • Entspannung durch Humor und Komik
  • Betrug aufdecken
  • Falschheit aufzeigen

Trickster bringen nicht nur Spaß und Unterhaltung, sondern Prüfen den Helden und seine Motive. Für mich ist Ron in Harry Potter nicht nur ein Freund, sondern auch ein Trickster. Jemand, der viel Komik in die Situationen bringt, der aber nicht so dumm ist, wie er manchmal tut und sehr wohl seine eigenen Stärken hat. (Zum Beispiel Schach spielen kann …)

Trickster sollte man nicht unterschätzen. Manchmal sind sie sogar attrkativer als die Helden, deren Edelmut und Größe auch etwas langweilig werden können.

Shakespeare hattte das schon genau raus und daher kommen bei ihm Trickstercharaktere gerne und oft in seinen Theaterstücken vor. Ja, genau, Puk aus dem Sommernachtstraum, ist so einer. Ein Daemon oder eine Elfe, worüber man sich nicht so genau klar ist, aber das kennen wir ja schon.

Ich mag Tricksterfiguren, weil sie meist ganz direkt ihre Meinung sagen. Für mich ist Kolja aus „Kissing one more“ einem Trickster sehr ähnlich, da er ein doppeltes Spiel spielt. Ihn zum Helden einer Geschichte zu machen, hat richtig viel Spaß gemacht.

Okay, das war meine letzter Beitrag zu starken Charakteren. Im August mache ich einen (Schreib-)urlaub und im September gibt es neue Blogbeiträge. Wenn ihr Wünsche oder Vorschläge für Themen habt, kommentiert gerne.

Eine gute Zeit!

xoxo

Katrin

#redbugwriting #rbpub #amwriting