Martin Luther 2017

Martin Luther #41 Entscheidungen

12. Oktober 2017
Entscheidungen
Gehorsam

19. Mai 1505

Und fühlt es sich nicht gut an, jetzt ein ordentlicher Jurastudent zu sein? In Erfurt. Zivilrecht. Der Vater findet es großartig. Und es hat ja auch was Angenehmes, wenn einem die Entscheidungen abgenommen werden. Vater hat den Plan. Man studiert die oberitalienischen Rechtsgelehrten und deren Kommentare zum römischen Zivilrecht. Eine Sammlung von Meinungen – zum Recht. 100 000 Glossen, also Anmerkungen, die das römische Zivilrecht – auslegen. Geht es nicht eindeutiger?

Luther, damals noch Luder, ist einundzwanzig. Was ist eigentlich wichtig im Leben? Er will es ganz genau wissen, nicht in 100 000 Varianten. Wenn es doch auf den Tod hinausläuft und der ziemlich schnell kommen kann. Zum Beispiel durch eine Pestepidemie, wie sie 1504-05 Erfurt herrschte. Eine Krankheit, von der man weder wusste, wie sie sich verbreitete, noch wie man sie zu behandeln hatte. Die trotz Feuern in den Straßen, weil die Luft – vielleicht – verpestet war – oder dem Essig, den man sich über den Körper kippte, ständig wiederkam.

„Was blähst du dich auf in deinem Stolz. Staub bist du und Staub musst du werden, ein verfaulter Kadaver, die Speise der Würmer.“ Was auf dem Grabmal des Kardinals La Grange steht, trifft die damalige Überzeugung. Es kann sehr schnell vorbei sein.

Angst

Wann trifft man Entscheidungen? Schwierige Entscheidungen am besten unter Druck, in Not. Wenn man sich zum Beispiel mit dem Degen, den man als Student tragen durfte, die Schlagader am Bein aufschneidet. Und fast verblutet. Wie blöd kann man sein? Und dann ganz zufrieden im Krankenbett: Luder lernt Laute. Auch eine Art, Entscheidungen zu treffen oder treffen zu lassen.

Vergleiche

Gerechtigkeit Holbein 1537Ist das wirklich gut, was ich mache? Tue ich das Richtige? Da gibt es diese zwei Juraprofessoren und das Gerücht: Auf dem Totenbett sollen beide inständig ihre Berufswahl bereut haben. Weil man als Mönch besser streben könne, mit Zuversicht und Glaube, statt mit 100 000 Auslegungen des Zivilrechts. Da ist doch was dran, oder?

Ratschläge

Ende Juni 1505

Der Vater hat eine andere Vorstellung vom Leben. Den Dingen, die anstehen: Zum Beispiel die Heirat. Rückblickend sieht Luther das so: Der Vater wollte ihn durch eine ehrenvolle Heirat fesseln. Und darum reist Luder nach Hause, zu Fuß, mitten im Studium, wir kennen alle diese Krisen. Mit einundzwanzig hat man keine Zeit, auf das Ende des Semesters zu warten. Das Leben steht an. Das muss geklärt werden.

Luder: „Das Jurastudium ist nichts für mich.“

Vater: „Du hast ja noch nicht einmal richtig angefangen.“

Luder: „Es fühlt sich einfach nicht richtig an.“

Vater: „Studier erst einmal weiter, dann werden wir schon sehen.“

Verarbeitung

Der Rückweg, zurück nach Erfurt, irgendwie ist man geschlagen. Wie soll man wissen, was richtig ist? Mit Einundzwanzig hat man keine Erfahrung. Nur so eine Ahnung, was sich gut oder nicht so gut anfühlt. Also macht man, was einem gesagt wird. Und es fühlt sich … nicht gut an. Alles abwägen und durchkauen und sich durch den Kopf gehen lassen. Zeit hat man ja genug, man ist zu Fuß. Das dauert also. Und dann das Gewitter. Also echt jetzt, auch das noch, muss das sein?

Es ist ja ganz klar, wenn man anderen gehorcht, wie soll man dann glücklich werden? Das Gewitter, ein Zeichen, in Stotternheim am 2. Juli 1505.

Belegt eigentlich nur durch Luther selbst: In der Tischrede von 1539 erzählte er, wie er von einem Blitz niedergesreckt in Angst und Schrecken gesagt habe: „Hilf du Sankt Anna, ich will ein Mönch werden.“

EntscheidungenEigene Entscheidung

Nur zwei Monate nach Beginn des Jurastudiums tritt Luder ins Kloster ein. In nur zwei Wochen löst Luder sein Quartier auf, verschenkt seine Sachen, unterrichtet die Freunde, die ihn dann auch – nach einer letzten Feier mit Lautenspiel – ins Kloster begleiten. Die Eltern erfahren erst nachträglich davon.

Rechtfertigung

Zwei Jahre nach dieser Entscheidung erklärt Luder dem Vater am Rande seiner Primizfeier, also seiner ersten Messe, er sei durch Angst und Schrecken vor seinem baldigen Tod ins Kloster gezwungen worden. Übersinnliche Kräfte. Also nicht freiwillig. Irgendwie ist das so besser für den Vater zu verdauen. Kein richtiger Ungehorsam. Und sie glauben es beide. Übersinnliche Kräfte – Luder denkt an Gott, der Vater eher an den Teufel.

Entschuldigung

1521 sieht das alles schon wieder anders aus. Ins Kloster zu gehen – aus einem reformatorischen Standpunkt heraus kann das nur ein Fehler gewesen sein. Auf der Wartburg verfasst Luther ein Schreiben „Über das Mönchsgelübde“. Das Vorwort ist an den Vater gerichtet: Luther bittet um Verzeihung für das Aufgeben des Jurastudium und den Eintritt ins Kloster. War wohl doch eher der Teufel, der ihn da geritten hat. Sorry.

Legitimation

Da es auf Latein verfasst war, was der Vater nicht verstand, war dieses Entschuldigung wohl eher an eine Öffentlichkeit gerichtet, für die Klosterbesuch und Reformation nicht gut zusammenpassten. Denen musste man diese Entscheidung erklären. Rückblickend will es Luther gerne so aussehen lassen, als hätte die katholische Kirche ihn mit Angst und Schrecken und falschen Heilsversprechungen ins Kloster gelockt. Das klingt besser, oder?

Verantwortung

Aber niemand hat Luder gezwungen, im Kloster zu bleiben. Eigentlich – und selbst die Kirche hätte ihm da Recht gegeben – sind Entscheidungen, die unter Angst getroffen werden, nämlich nicht bindend. Seine Studienkollegen haben es Luder immer wieder gesagt: Du kommst raus aus der Kiste! Aber Luder wollte nicht. Bemühte sich sogar außergewöhnlich stark ein guter Mönch zu sein. Im Kloster hieß es, er wolle 12 Kegel treffen, wo doch nur 9 stünden. Leistungsfrömmigkeit nennt man das heute.

Also standen neue Entscheidungen an … und 100 000 Arten, diese zu interpretieren.

(Quelle: Schilling)

7 Wege ein Buch zu schreiben

7 Wege ein Buch zu schreiben #6 Mit Planung

11. Oktober 2017
Planung_Katrin Bongard
Buch nach Plan

Ich habe ja eigentlich schon sehr oft darüber geschrieben. Also wie man sein Buch dramaturgisch durchplant oder wie man sich einen Arbeitsplan erstellt, um sich nicht immer ablenken zu lassen.Und jetzt kommt sozusagen der Masterplan. Ein Buch, das man komplett durchplant, von der Idee bis zu den Schreibzeiten. Um es gleich zu sagen: Es ist eher etwas für Schreib- und Arbeitsprofis, denn auch gut zu planen und vor allem sich gut in einen Plan einzufügen, ist ein Training. Wie so oft gibt es eine gute Seite an dieser Methode und eine nicht so gute. Spielen wir das Ganze mal durch. Also: Los geht’s, von A-Z oder besser von Z wie Zeitpunkt bis A wie anfangen.

Grobe Planung
  • Zeitpunkt: Es muss nicht unbedingt ein Zeitpunkt sein, an dem ihr viel Zeit habt, aber es sollte eine ruhige Zeit sein. Nicht unbedingt, wenn ihr mitten in einer Scheidung steckt oder keine Wohnung habt. Ein Gefängnisaufenthalt bietet sich dagegen an oder wenn ihr gerade ein Kind bekommen habt, das sehr viel schläft.
  • Ziel: Es ist gut sich am Anfang zu fragen, welches Ziel ihr mit dem Buch verfolgt. Wollt ihr viel Geld verdienen? Oder eure Geschichte in die Welt bringen? Ist es ein Hobby? Oder ernährt ihre eure Familie damit. Kommt es nicht darauf an, wie viel Geld ihr mit dem Buch verdienen wollt, seit ihr ganz frei in der Wahl des Themas, der Idee, des Genres. Wenn nicht …
  • Genre: Wenn man schon plant – warum dann nicht ganz pragmatisch? Thriller laufen am besten. Auf der ganzen Welt. Nicht euer Genre? Nun, auch gut funktionieren Liebesromane und historische Romane. Hier habt ihr auch die breiteste Leserschaft.
  • Wie veröffentlichen? Seid ihr geduldig? Könnt ihr warten? Dann geht den Weg einer Verlagsveröffentlichung. Wollt ihr euer Buch lieber schnell herausbringen – dann wählt Selfpublishing.

Warum sollte man all diese Punkte vorab planen? Nun, sie erleichtern das Schreiben enorm. Wenn ihr eure Ziele kennt, also den Ort, wo ihr euer Buch später sehen wollt, eure Zielgruppe (Leser). Es ist gut zu wissen, welches (Verkaufs)ziel ihr mit dem Buch verfolgt. Denn jede Entscheidung, die ihr danach trefft, wird von diesen Vorentscheidungen abhängen. Mehr dazu.

Okay, jetzt werdet ihr konkreter.

Form und Inhalt
  • Idee: Habt ihr noch keine Idee, macht euch auf die Suche, lasst euch inspirieren. Bitte klaut keine Ideen, das ist schwach und ärgerlich und fällt irgendwann auf. Ein No Go. Kann man Ideen planen? Klar, in dem man alte Ideen recycelt oder neu aufgießt. Passiert ständig. Besser noch gleich mit einer eigenen Idee starten. Mehr dazu.
  • Titel und Autorename: Ich sag’s ja immer wieder: Pseudonyme sind nichts für Künstler und wenn man Literatur schreibt, sollte man dazu stehen. Mit seinem Namen. Aber – wer sein Buch als Produkte sieht, der sollte dieses Produkt auch gut planen. Ein wohlklingender Autorenname gehört dann ebenso dazu, wie ein eingängiger oder reißerischer Titel.
  • Perspektive: Okay, aus welcher Perspektive wollt ihr eure Geschichte erzählen? Bei einem historischen Roman bietet sich eine unabhängige Perspektive besser an, bei einem Liebesroman kann es auch die ICH-Perspektive sein. Plant gut und sinnvoll. Und dann legt euch – fest!
  • Länge des Buches: Veröffentlicht ihr im Verlag, will der natürlich wissen, wie dick (und teuer) das Buch wird. Aber auch sonst ist es gut, die Länge eures Buches zu kennen, um zu entscheiden, wo ihr eure dramaturgischen Wendepunkte setzt. Habt ihr keine Ahnung, wie lang das Buch insgesamt wird, verplaudert ihr euch vielleicht, die Spannung geht verloren, das Buch – wird langweilig.
  • Kapitellänge: Wenn ihr wisst, wie lang das Buch insgesamt wird (sagen wir 400 Seiten), dann könnt ihr entscheiden, wie viele Kapitel es haben soll. Macht die Kapitel nicht zu lang und achtet auf eine etwa gleiche Länge der Kapitel.
  • Sprachhöhe und Stil: Richtet die Komplexheit eurer Sprache (falls ihr die Wahl habt) sorgfältig auf eure Zielgruppe, das Genre und Thema des Buches aus. Wird es ein hochphilosophischer Roman – muss die Sprachhöhe das auch einlösen. Ein erotischer Roman – sollte besser eingängiger und einfacher geschrieben sein.
  • Struktur: Jetzt ist es Zeit, dem Buch eine dramaturgische Struktur zu geben. Ihr schreibt lieber einfach drauflos? Aber hier geht es um Planung und deshalb wird auch das Buch – durchgeplant. Methoden gibt es genug. Sucht euch die Beste aus. Strukturiert und plant nicht nur grob, sondern bis in die Kapitel, ja bis in die Abschnitte eures Buches hinein. Mehr dazu.
  • Arbeitplan: Ihr wisst was ihr schreibt, ihr habt das Buch durchgeplant, jetzt entscheidet ihr, wie viel ihr am Tag schreibt. Eine Seite? Oder zehn? Ein Arbeitsplan hilft euch, den Überblick über euren Arbeitsfortschritt zu halten. Mehr dazu.
  • Anfangen: Wenn ihr anfangt zu schreiben, ist es nun ein wenig wie „Malen nach Zahlen“. Alles durchgeplant – jetzt ausfüllen.
PlanungPlanung

 

Ist es so einfach? Nein. Ich denke, es erfordert sehr viel Disziplin und auch eine sehr nüchterne Herangehensweise, die für die meisten – gerade bei einer kreativen Tätigkeit wie Schreiben – gar nicht so einfach zu finden ist. Also:

Wer schreibt am besten mit Planung?
  • rationale Menschen
  • Pragmatiker
  • Menschen, die Ordnung lieben
  • und Listen
  • ängstliche Menschen
  • Schreibprofis
  • Arbeitsprofis

Diese Methode ist nichts für alle diejenigen, die mit dem Schreiben in die Tiefe ihres Unterbewusstseins vordringen wollen, alte Muster aufspüren und erneuern oder ihre Kreativität wecken wollen. Dies ist eher etwas für Menschen, die das Schreiben von Büchern als (Brot-)Job ansehen. Ein wenig von dieser Haltung sollte sich allerdings jeder abschneiden, da gut durchgeplante oder überhaupt sehr pragmatisch am Lesergeschmack orientierte Bücher sehr beliebt bei der Leserschaft sind. Werft nur mal einen Blick in die Bestsellerlisten und schaut euch an, wie diese Autoren arbeiten. Wie geschickt sie ihr Pseudonym, ihre Idee, ihre Titel gewählt haben. Glaubt nicht, dass das Zufall ist. Klar, ist das nicht sehr romantisch. Und in der Regel sind diese Bücher auch nicht sehr lange auf dem Markt. Doch – ein wenig (mehr) Erfolg tut jedem/r AutorIn gut.

Deadline und Planung

Termine und Deadlines können einen schnell in eine Schockstarre versetzen. Alles ist viel zu viel und unmöglich zu schaffen. Hier hilft mehr Planung. Auch, wenn ihr euch ein sehr hohes Ziel setzt, wie einen Blogbeitrag täglich zu schreiben, oder ein Buch in einem Monat fertigzustellen, ist Planung ein gutes Mittel, um den Überblick zu behalten und Ordnung im Kopf herzustellen.

Planungsphasen

Nach meiner Erfahrung gibt es bei jedem Projekt Planungsphasen. Manchmal ist es gut, sich klarzumachen, in welcher Phase man sich befindet, um seine Forstschritte zu wertschätzen:

  1. Die Idee im Kopf: Sie wird hin- und hergewälzt, bis sie klar und deutlich vor einem steht: Ja, so könnte es gehen.
  2. Die Notiz auf dem Zettel: Meist handschriftlich, weil sich ständig etwas ändert. Man streicht durch, korrigiert.
  3. Der ausgearbeitete Plan: Gerne auf dem Computer, ausgedruckt, farbig unterlegt, in Boxen gebändigt, eingerahmt.

Aber Achtung: Pläne sind dazu da, überarbeitet zu werden. Am besten ständig. Ich habe manchmal nach 200 Seiten noch die Perspektive an einem Buch geändert, weil ich einfach nicht reingekommen bin. Oder habe die Namen der Hauptfiguren mitten beim Schreiben geändert (passiert mir übrigens häufig). Pläne sind nicht dazu da, strikt und eisern eingehalten zu werden. Sie leben.

Planung

Nächste Woche gibt es den letzten der 7 Beiträge – vor dem abschließenden Test, in dem ihr herausfinden könnt, welche Scheibmethode am besten zu euch passt. In Beitrag 7 wird es um das Schreiben mit Co-AutorInnnen gehen. Geht das schneller? Ist das besser?

Bis dahin!

xoxo

Katrin

#rbpub #redbugwriting #amwriting

 

 

 

Martin Luther 2017

Martin Luther #40 Luther und Maria

5. Oktober 2017
luther und maria

Als Luther über seinen Schriften brütet, sticht sein einsames Profil vor dem lichtdurchfluteten Fenster scharf hervor. Einer, das Kinn in die Hand gestützt, die Stirn gerunzelt. Blättern. Lesen. Blättern. Trocknete Fingerkuppen über dem weichen Pergament. Hin und wieder schließt er die Augen. Der Kopf knetet die Wörter. Walkt die Sätze.

Es ist eine stille, einsame Arbeit. Den Glauben zu formen, der vom Wort ausgeht.

Martin Luther findet in der Schrift seine Befreiung. Und überträgt diese auf seine Leserschaft. Wenn du zum Wort zurückkommen kannst, bist du auf niemanden angewiesen. All die Heiligen und Aberheiligen werden einfach ausgelassen und die Stimme Gottes kann dich direkt erreichen. Du brauchst keine Bilder und kein Spektakel. Es reicht, dass du mit klarem Verstand bei der Sache bis. Und wenn die Nachrichten dir einleuchten, gilt es pragmatisch mit ihnen umzugehen. Demütig, ausdauernd und bodenständig.

Der Glaube Luthers existiert jenseits von goldenen Kruzifixen, Engelsgesang und Götzenbildern. Es ist ein intellektueller Glaube. Fast eine Wissenschaft. Zum ersten Mal können Christen aufatmen, die Last des Katholischen Krempels von ihrer Brust gehoben. Aber fehlt da nicht was?

Die heilige Mutter

In der Katholischen Kirche spielt Maria eine große Rolle. Die heilige Mutter. Eine Königin in eigenem Recht. Die Ikone, mit dem speckigen Jesuskindlein auf dem Schoß. Die Nährende, Schützende, Glücksbringerin. Ein unbeflecktes Mädchen und eine weise Mutter zugleich. In ihr vermischen sich sämtliche Ansprüche an Weiblichkeit. Reinheit, Großzügigkeit, Frömmigkeit, Gehorsam.

Jemand kommt zu dir, schlägt mit den Flügeln und sagt, du sollst ein Kind empfangen ohne einen Mann zu erkennen. Und du nickst und bist froh. Und wenn dein Kind sich einen eigenen Weg durch die Marktgänger bahnt und im Tempel mit den Priestern schwatzt, dann stellst du elegant den Einkaufskorb auf die Tempelschwelle, bekreuzigst dich und sagst mit Nachsicht in der Stimme, „Ach Jesus…hier steckst du also.“ Und wenn er dann zu dir gelaufen kommt und seine warme Hand in deine legt, dann nickst du den Priestern höflich zu und gehst nicht zu schnell und nicht zu langsam deines Wegs, den schwatzenden Jesus an deiner Seite.

Du gibst ihm Proviant mit, wenn er auf Reisen geht, winkst bis der Esel außer Sichtweise ist. Und als das Gewicht, deines toten Sohnes auf deinen Schenkeln lastet und sein Kopf in deinen Händen leblos hin und herrollt, könnten deine Tränen Perlen sein, die an einem silbernen Faden aus deinen Augen rollen und kullernd auf deine Kutte kleckern. Und wenn rauskommt, dass der Stein vor seinem Grab beiseite gerollt ist, wunderst du dich nicht im Geringtsen. „Ach Jesus…“ seufzt du leise, während er auf einer Wolke gleißenden Lichts in den Himmel steigt. Und du blinzelst in die helle Ferne und meinst die Wärme auf deinen Wangen spüren zu können, genau wie an dem Tag, an dem du nur kurz an der Lilie schnuppern wolltest.

Marienverehrung

Eine aberwitzige Milde und erschreckende Hingabe geht von Maria aus, eine stille Macht über ihr eigenes Hoheitsgebiet. Für immer diejenige die den Gottessohn geboren hat. Es ist kein Wunder, das Söhne in katholisch geprägten Gegenden ihre Mütter verehren. Wer Maria mit dem Sternenkranz und einem roten Mantel unter dem die ganze Menschheit Platz hat, auf ihrem Sitz in den Wolken thronen sieht, der kann nicht anders als ehrfurchtsvoll zu ihnen aufzublicken, diesen fruchtbaren Gefäßen göttlichen Lebens.

Luthers Maria

Im evangelischen Glauben, nimmt Maria eine weniger romantische Form an. Die Mutter Gottes, ja. Aber keine Heilige. Einfach jemand, den Gott auserkoren hat um sie als Medium zu benutzen, als Hüterin des Jesuskindes in jungen Jahren und Versinnbildlichung einwandfreier Frömmigkeit.

Luther geht von Christus aus, dem Alleingänger und Sündenlöscher. Er hadert mit Gott, dem strengen Vater. Quält sich durch Fragen des Gehorsams und der Pflicht. Alle Fürsorge und Aufsicht wird Gott zugesprochen, die Erlösung Jesus. Maria spielt eine Nebenrolle.

Aber ohne Heilige kann es ganz schön einsam werden. Ohne Anbetung, langweilig, ohne die Mutter, kalt auf der Welt. Man denkt sich frei, betet sich lose. Aber es gibt niemanden, der hinter dir steht und dich betrachtet, mit liebevollem Blick und einer aufmunternden Geste. Keine, die dir eine warme Hand auf die Schulter legt und stirnrunzelnd auf dein Gekritzel hinab blickt. Und dir sagt, dass sie stolz auf dich ist, auch wenn du dir ziemlich sicher bist, dass sie nicht ein Wort von dem lesen kann, was du geschrieben hast. Deine Auseinandersetzung ist mit Gott. Dem Schulleiter des Glaubens. Nicht mit Maria, einer bloßen Männin.

Männlich und weiblich

Macht die Spärlichkeit von Marias Glanz, die evangelische Kirche zu einer männlichen?

Ist die Katholische Kirche eine Manifestation „typisch“ weiblicher Grundsätze? Die Betonung der Gemeinschaft, die starken Emotionen, das Sinnliche des Gottesdiensts?

Ist es fair, von Maria nur als zufällige Statistin im Leben Christi zu sprechen? Macht es Sinn, sie wie eine Heilige zu verehren? Was ist mit Marias Einfluss auf Jesus? Ein Empath, wenn es es je einen gab. Was hat Maria ihm mitgegeben, als Urbild der Frau? Ist Jesus nicht, eine bemerkenswert weiblich angehauchte Persönlickeit, zwischen all den Rittern und Schlächtern?

Die Rollen von Männern und Frauen in der Gesellschaft sind im stetigen Wandel, in ständiger Erweiterung. Heilige sind die ersten Stars, Vorbilder, nach deren Vollkommenheit es zu streben gilt. Wen wir bewundern, anbeten oder um Hilfe rufen, sagt viel über unsere Einstellung zum Leben aus. Ich bin gespannt, wie die Bilder von Männern und Frauen innerhalb der Kirchen weiter wachsen.

7 Wege ein Buch zu schreiben

7 Wege ein Buch zu schreiben #5 Mit Deadline

4. Oktober 2017
Deadline
Deadline

Mein erstes Buch habe ich ohne echte Deadline geschrieben. Mein Manuskript war fertig, ging ins Lektorat, kam zurück, ich überarbeitete, es kam zurück, ich gab ab. Klar, in meinem Vertrag gab es einen Termin und der war eng, aber ich fühlte mich sicher. Immerhin hatte das Manuskript einen Preis gewonnen, also war es im Großen und Ganzen okay. Deadline? Ehrlich gesagt hatte ich keine Ahnung, was das bedeutete.

Als Deadline (englisch „Todeslinie“; ein Zeitpunkt, der nicht überschritten werden darf, zu Deutsch etwa „Galgenfrist“) bezeichnet man den Ablaufzeitpunkt einer Frist oder Fälligkeit oder das Schließen eines Zeitfensters. (Wikipedia)

Wenn ich heute über das Schreibn mit Deadline schreibe, dann weiß ich es besser. Schreiben mit Deadline ist etwas ganz Besonderes. Es kann sowohl der blanke Horror als auch ein Segen sein und ich habe beides erlebt.

Schreiben ist (auch) ein Handwerk

Weil Schreiben sehr viel mit Handwerkszeug zu tun hat, also Umgang mit Sprache, Worten und letztendlich auch mit dem Schreibgerät, ist es doch logisch, oder? Man kann den Umfang einer Arbeit ganz einfach berechnen. Für eine Seite brauche ich 3 Stunden, macht für 300 Seiten 900 Stunden, wenn ich am Tag 6 Stunden schreibe und so weiter. Ist das nicht wunderbar? Im Prinzip schon. Ein Traum, wenn es so einfach wäre. Wenn Schreiben eine Tätigkeit wäre, die man erledigen könnte, wie Löcher in Stoff zu stanzen oder Kartoffeln zu pflanzen. Nun, so einfach ist es nicht. Zumindest nicht, wenn man mehr möchte, als oberflächliche Sätze und Handlungen und Charaktere erschaffen. Das ist auch der Grund, warum sich DEADLINE für viele Autoren schlecht anfühlt. Sehr bedrohlich. Sehr unangenehm.

Und gleichzeitig wissen wir Autoren es ja alle: Wenn man uns so lange schreiben lässt, bis wir zufrieden sind, bis wir denken, es geht nicht besser, dann … kann es ewig dauern.

Schreiben und Termine

Schreiben mit Dealine ist ein besonderes Schreiben. Und das auch, wenn man kein Verlagsautor ist. Denn irgendwo gibt es immer einen Zeitpunkt, der einen zwingt, fertig zu werden. In letzter Konsequenz der Tod, vor dem man spätestens sein Buch beendet haben sollte. Vielleicht ist es aber auch das Sabbatjahr, das ihr euch genommen habt, um euer Buch zu schreiben oder der Termin, wenn das Bankkonto so leer ist, und ihr den zweiten Abschlag, den es vom Verlag erst nach Abgabe eures ganzen Manuskripts gibt, braucht.

Das Schreiben mit Deadline hat Vor- und Nachteile. Arbeitet ihr im Verlag, dann wird es immer eine Deadline geben. Klar, der Verlag will ja auch wissen, wann er das Buch herausbringen kann. Und rechnet zurück, wann die Lektorin das Manuskript bekommt und wann es von dort ins Korrektorat muss und dann in die Herstellung. Da kann es schon mal sein, dass man sein Manuskript ein Jahr oder länger vor dem Erscheinungstermin abgeben muss.

Vorteile der Deadline

Okay, ich liebe Abgabetermine. Und noch mehr liebe ich Veröffentlichungstermine. Bei Verlagen sieht das meist so aus, wenn das Exposé angenommen ist.

Lektorin: Wann könntest du denn mit xy-Buch fertig sein?

ICH (hektisches Nachdenken): Drei Monate? Oder vier.

Lektorin: Also WIR bräuchten das Manuskript spätestens in einem Jahr.

Was dann passierte ist meist, dass ich mich anderen Dingen zuwende. Ein Jahr??? Hallo? Ich nehme andere Projekte in Angriff. Nun, ein Jahr geht schneller rum als man denkt. Zweieinhalb Monate vor der Abgabe liege ich also schweißgebadet im Bett und überlege, wie ich das schaffen kann. Und schaffe es. Immer. Keine Ahnung wie. Denn das ist der Vorteil einer Deadline: Man bringt sich auf den Punkt, denkt konstruktiv über seine Story, die Handlung, den Stil nach. Auch realistischer. Nimmt Abküzungen, kommt auf neue geniale Ideen, findet einen Weg durch den Dschungel. Irgendwie. Ohne Deadline? Hm, hätte ich wohl immer noch nicht angefangen.

Nachteile der Deadline

Ich erinnere mich an einen Spitzentitel. Es dauerte ewig, bis das Exposé angenommen wurde. Und der Ababetermin lag irgendwann in einer sehr unbeschriebenen Zukunft. Als ich das Manuskript dann endlich beenden musste, hatte ich jedes Interesse an dem Stoff verloren. Über die Zeit war das Mojo verschwunden. Ich musste mich neu einarbeiten. Dazu kam der Druck, dass ein Spitzentitel wirklich außergewöhnlich gut sein sollte. Aber die wenigsten kreativen Dinge lassen sich auf Komando und mit Abgabetermin gut machen. Zu viel Druck nimmt die Freude und die Kreativität, die Schreiblust bleibt auf der Strecke. Die Deadline fühlte sich wirklich so an. Ich dachte, ich würde entweder erschöpft auf der Ziellinie zusammenbrechen oder es gar nicht schaffen.

Eine Deadline rechnet künstlerische Krisen nicht ein. Sie geht von einer Schreib-maschine aus. Davon, dass man Kreativität in ein Zeitraster klemmen kann. Nein, kann man nicht.

Also – für  wen ist das was?

Ihr kennt diese Leute … vielleicht gehört ihr selber zu ihnen. Ohne einen klaren Abgabetermin läuft gar nichts. Wenn die keinen exakten Termin haben, wird es nie etwas mit der Arbeit, der Reise, was auch immer. Und dann gibt es die Leute, die wunderbar mit einer Deadline umgehen können und sie als sportliche Herausforderung sogar brauchen. Yeah, sag mir, wann es fertig sein muss! Gib mir einen Termin! Dementsprechend bunt gemischt ist die Gruppe von Leuten, die am besten mit Deadline schreiben können oder sollten, nämlich alle:

  • die Pläne und Struktur lieben
  • die gut mit Zeitdruck umgehen können
  • die ihre Bücher gerne gut durchplanen
  • die Zwischenziele setzen können
  • gerne auf ein Ziel hinarbeiten
  • Absprachen lieben
  • mit Kompromissen leben können
  • denen es leichtfällt, bei komplexen Vorgängen den Überblick zu behalten

Und auf der anderen Seite alle:

  • die zu Chaos und Unstrukturiertheit neigen
  • gerne zu spät kommen und trödeln
  • Aufgaben immer wieder verschieben
  • sich bei größeren Projekten leicht verlieren
  • Versprechen oft brechen
  • Perfektionisten
  • die bei Aufgaben oder Tätigkeiten kein Ende finden
Eigene und fremde Deadline

Ein großer Vorteil des Selfpublishing ist die Freiheit, seine Bücher und Texte genau dann zu veröffentlichen, wann man will. Doch machen wir uns nichts vor, manche Termine sind besser, manche schlechter. Ein Weihnachtsbuch sollte VOR Weihnachten fertig sein. Für die Sommerferien bieten sich Sommerbücher an. Alles was im Schnee spielt, passt dann weniger gut. Kurz: Selbst wenn ihr euch eure Dealine selber setzen könnt, ist die Freiheit eingeschränkt. Und wenn ihr die Deadline gesetzt habt, dann ist die Freiheit – weg.

Denn entweder schafft ihr euren Termin einzuhalten oder nicht. Und das fühlt sich nicht gut an. Und ganz ohne Deadline schreiben? Kann leicht zu einem Projekt werden, das nie beendet wird.

Und – Abgabe!

Eine Lektorin erzählte mir einmal, wie viele Bücher trotz Vertrag und Vorschuss von den Autoren nicht beendet werden. Ich konnte es nicht fassen. Wie kann jemand diese Chance vorbeigehen lassen? Auf der andere Seite verschätze ich mich sehr oft, was ich alles schaffen kann. Fremde Deadlines (von Verlagen und Produzenten) halte ich strikt ein, eigene Deadlines sprenge ich gerne in die Luft. Das hat meinen Respekt vor Abgabeterminen wieder vergrößert. Die eigenen Dämonen erkennen und besiegen – dabei kann eine Deadline sehr gut helfen.

Mittlerweile weiß ich, dass für mich zu einer Deadline unbedingte eine gute Buchplanung gehört. Für mich ein perfekte Kombination. Denn wenn ich einen Plan habe, weiß ich, wann ich von ihm abweiche. Was okay ist, wenn ich dann umplane. Oder rechtzeitig verschiebe. Das betrifft sowohl das  Planen der Arbeitzeiten, als auch das Planen des Buches. Und darum wird es nächste Woche gehen: Wie schreibe ich ein Buch – mit und nach Plan?

Bis dahin viel Spaß beim Schreiben

xoxo

Katrin

#redbugwriting #rbpub #amwriting

Martin Luther 2017

Martin Luther #39 Was war Luthers Motivation?

28. September 2017
Motivation Luther

Was machen wir nicht alles aus Angst. Aus Angst vor schlechten Noten in der Schule, aus Angst keinen Job zu bekommen, seinen Job zu verlieren, aus Angst vor strafenden, beleidigten oder uninteressierten Eltern, aus Angst vor Fremden, aus Angst vor Neuem. Oder was machen wir alles nicht vor lauter Angst.

In der Psychologie würde man das extrinsische Motivation nennen. Das Verhalten wird geleitet aus Angst vor Strafe, Bloßstellung, Liebesentzug und anderen Nachteilen oder von der Aussicht auf äußerliche Vorteile oder Belohnungen. Es lassen sich verschiedene Stufen der Motivation unterscheiden.

Die Stufe eins: Angst

Luther war ein ängstlicher Mensch. Whaaaat? Dieser Mann, dieser Heros soll ein Schisser gewesen sein. Dieser Luther, der mal eben die katholische Kirche zerlegt hat, der Papst und Kaiser trotzte, no matter what?

Ich glaube, anfänglich schon. Auf dieser ersten Stufe der Motivation ist die Furcht vor Strafe oder der Vermeidung von vermeintlich schlechten, verheerenden Folgen der ausschlaggebende Antrieb, etwas zu tun oder zu lassen. Die Angst ist so groß, dass man beinahe alles tun würde, um sie zu vermeiden. Alles Tun ist motiviert aus Furcht. Die Konzentration liegt auf der Vermeidung von Strafe. Sie ist die Motivation für alle Handlungen. Man versucht zu tun, was andere von einem fordern, oder von dem man glaubt, dass andere es erwarten. Sei es das soziale Umfeld, der Vater oder Gott.

Ohne Frage hat Luther Angst vor seinem Vater gehabt. Es ist auch wohl anzunehmen, dass er sein anfängliches Jurastudium aufgenommen hat, um dessen Erwartungen zu erfüllen.

Als junger Mensch wächst man ja auch in derart viele Vorgaben hinein, dass sie zu Selbstverständlichkeiten werden, die zu hinterfragen schwerfällt. Erst allmählich eckt man dann mit diesen Vorgaben an. Man merkt es daran, dass man sich echt extrem unwohl fühlt. Oder sogar krank wird. Man spürt einen eigenen Willen und Bedürfnisse, die sich nicht entfalten können oder sollen.

Ich bin noch aufgewachsen mit schön gereimten Merksprüchen wie »Das Händchen, was die Mutter schlägt, wird abgesägt« oder »Kinder, die was wollen, die kriegen was auf die Bollen« sprich: bekommen den Arsch versohlt. 60er Jahre. Sollte heute kein Thema mehr sein. Aber Angstmache ist aus der Erziehung natürlich noch längst nicht verschwunden. Paradoxerweise geht das oft mit der Schule los.

In Luthers Fall war dann irgendwann die Angst vor Gott größer als die Angst vor dem Vater. Den berühmten furchterregenden Blitzschlag nutzte er, um sich aus dem Jurastudium zu verabschieden, den vom Vater vorgezeichneten Lebensweg zu verlassen und ins Kloster zu gehen.

Die Stufe zwei: Belohnung

Eng mit der Motivation aus Angst hängt die Hoffnung auf Belohnung zusammen.

In dem sagenhaften Gewittersturm soll Luther die Heilige Anna angefleht haben: »Heilige Anna, hilf! Lässt Du mich leben, so will ich ein Mönch werden.« Man kann da Todesangst heraushören. Es klingt in meinen Ohren dabei aber nicht nur die konkrete Angst heraus, vom Blitz erschlagen zu werden, sondern auch die Angst, sein Leben grundsätzlich ändern zu müssen. Es lässt sich leicht nachvollziehen, wie furchterregend es sein kann, einen vorgezeichneten Weg in den bürgerlichen Wohlstandsberuf zu verlassen und Mönch zu werden und dabei auch noch den Erwartungen der Familie, der Gesellschaft, des Vaters zu widersprechen. Seine gesamte Ich-Identität zu wechseln, kann schon subjektive Todesangst auslösen. Mit und ohne Gewitter.

In dem Ausruf schwingt aber auch die Hoffnung auf Belohnung, nämlich als Mönch weiterleben zu dürfen. Die Hoffnung, seinen Weg zu finden und angenommen zu werden in einer Gemeinschaft.

Wie wir wissen, hat Luthers Angst, vor Gott nicht zu genügen, im Kloster nicht aufgehört. Es ist eher schlimmer geworden. Was er auch tat, es reichte nie aus, um die endgültige Belohnung zu erhalten. Die Gewissheit als guter Mensch – nun ja – in den Himmel zu kommen.

Aber er hat nicht locker gelassen, die Angst und die Hoffnung auf Belohnung haben ihn angetrieben tiefer zu bohren, weiter zu forschen. In dem für ihn wichtigsten Buch – in der Bibel. Er hat gelesen, gelernt, nachgedacht und über dem Text meditiert und ihn zerkaut. Ich glaube, dass war schon ein Teil der Lösung, weil er in diesem intensiven Lernprozess, seinem Lerngegenstand – nämlich Gott – sofort nahe war.

Er hat nicht mehr auf äußere weltliche Belohnung gesetzt. Sein Bibelstudium und seine Exerzitien gingen weit darüber hinaus, was man eigentlich von einem Mönchlein erwartet hätte. Doch er hat in seiner Heiligen Schrift unaufhörlich nach Vorbildern, Anleitungen und Lösungen gesucht. Und er hat sie gefunden. Er hat für sich herausgefunden, dass Gott aus innerer Überzeugung handelt. Gnädig ist, weil er es eben sein will. Weil er es versprochen hat. Dass er sich nicht bestechen, belohnen oder beschwindeln lässt. Weder durch fasten, kasteien, der Anhäufung guter Werke und schon gar nicht durch den Kauf von päpstlichen Ablassbriefen.

Die Stufe drei: innere Überzeugung

Gott handelt aus innerer Überzeugung. Luther auch. Ab jetzt speist sich seine Motivation aus seinen inneren Überzeugungen. Er tut, was er glaubt, tun zu müssen, unabhängig davon, ob er dafür eine Belohnung erhält oder nicht. Die Angst vor Strafe ist verflogen. Die vor dem Papst und dem Kaiser sowieso. Nein – nicht dass er in den folgenden unglaublich harten Auseinandersetzungen nicht auch Angst gehabt hätte. Er wurde schließlich zum Abschuss freigegeben. Aber er war jetzt entschlossen, alles zu tun, um seine Ziele zu erreichen, auch wenn es bedeutet, seine ursprünglichen Ideen, Überzeugungen, Glaubenssätze über Bord zu werfen.

Das nennt man intrinsische Motivation. Dabei ist keine äußere Belohnung mehr notwendig, um ins Handeln zu kommen. Die Durchführung der Handlung geschieht aus einer inneren Notwendigkeit, ist in sich selbst schon die Belohnung. Und man ist durchaus bereit, Nachteile, Strafen und Leiden in Kauf zu nehmen.

Diese innere Überzeugung ist deutlich stärker als die Motivation durch äußere Belohnung, durch Zuckerbrot und Peitsche. »Hier stehe ich. Ich kann nicht anders« ist das geflügelte Wort, dass diese Haltung vielleicht am treffendsten wiedergibt. Glücklich die Menschen, die diese Haltung erreichen können. Diese Stufe der Motivation geht über rein vernünftige Überlegungen hinaus. Konventionen werden hinterfragt und wenn nötig gebrochen. Die etablierten Regeln gelten nicht mehr. Der innere Kompass zeigt die Richtung. Auf dieser Stufe tut man dann Dinge, die die meisten für verrückt halten.

Um die Kraft dafür zu haben, muss man aus meiner Sicht allerdings noch eine weiter Stufe der Motivation erklimmen – und Luther hatte sie erreicht.

Die Stufe vier: Liebe

Er ist darüber hinausgewachsen, sich nur um seine eigenen Bedürfnisse zu kümmern. Es ging ihm nicht mehr nur um seine Anfechtungen. Nicht mehr nur um sein Seelenheil. Das war sein ursprünglicher Antrieb, sein ursprüngliches Ziel. Jetzt war sein Ziel sofort, die »Christenmenschen« zu befreien. Ihnen den Weg aus dem Irrglauben zu zeigen, sie könnten sich und ihre Verwandten aus dem Fegefeuer frei kaufen, sie könnten sich mit Gott gut stellen, wenn sie auf den Knien rutschten oder Gebete herunterleierten. Er wollte ihnen helfen, so viel Glück, Freude und Seelenheil wie möglich zu erlangen.

Es war sicher noch nicht die Stufe des allumfassenden Mitleids, wie sie Buddhisten zu kultivieren versuchen. Aber sie ist heute leichter zu erreichen als je zuvor. Auf dieser Stufe können die wahrhaftig magischen Dinge passieren.  Let’s go for it.

7 Wege ein Buch zu schreiben

7 Wege ein Buch zu schreiben #4 Biografisches Schreiben

27. September 2017
Biografisches Schreiben
Biografisches Schreiben

Streng genommen, ist alles Schreiben Biografisches Schreiben. Man kann gar nicht anders als biografisch zu schreiben. Selbst wenn man ein Pseudonym verwendet und glaubt, dass man seine Geschichten nur am Leser oder den Verlagsvorgaben oder an was auch immer orientiert, glänzt die eigene Persönlichkeit durch. Sei es in den Dialogen, in der Weltanschauung, in den Formulierungen, in der Story. Und das – ist gut so. Es ist auch der Grund, warum ich Autoren immer abrate, ein Pseudonym zu verwenden.

Denn egal, mit welch wohlklingendem Namen man sich schmückt, am Ende bleibt man „Lieschen Müller“. Egal, ob man sich einen amerikanisches oder einen sonstwie exotischen Namen gibt. Warum nicht gleich zu sich, seinem Namen, seinem Leben, einer Arbeit als Autor und Schriftsteller stehen? Am radikalsten tut man das, wenn man biografisch schreibt, die Inspirationen für sein Schreiben also ganz direkt aus seiner Biografie und real erlebten Ereignissen nimmt.

Warum Biografisches Schreiben?

Der Impuls zu schreiben kommt sehr häufig aus dem Wunsch, Ereignisse zu verarbeiten. Es tut einfach gut, scherzhafte, dramatische Ereignisse herauszulassen, sich vor Augen zu führen, zu verarbeiten. Mit Biografischem Schreiben kann man …Biografisches Schreiben

  • Erinnerungen festhalten
  • Blockaden lösen
  • Trennungen verarbeiten
  • Abschied und Tod akzeptieren lernen
  • das Unterbewusstsein aktivieren
  • Wünsche klären
  • Träume real werden lassen
  • Traumata abarbeiten
  • Ängste lösen

Biografische Fetzen schleichen sich immer in die Texte ein, doch beim Biografischen Schreiben stellt man sich seinen Ängste und Erinnerungen ganz direkt.

Wie geht Biografisches Schreiben?

Biografisches SchreibenKreatives Schreiben und Biografisches Schreiben hängen eng zusammen, da man die gleichen Techniken benutzt, um sein Unterbewusstsein zu aktivieren und den Mut zu finden, einfach loszuschreiben. Ohne Kritik und Hemmungen, erstmal – anfangen. Nun ist es allerdings so, dass Ängste und Traumata sich ganz gut in unserem Unterbewusstsein versteckt halten und sich ungern hervorlocken lassen. Über innere Bilder, Assoziatives Schreiben und Schreiben mit Gefühlen habe ich letzte Woche schon etwas geschrieben, heute ergänze ich noch eine schöne Technik.

Morgenseiten

Der kreative Trick der Morgenseiten stammt von Julia Cameron. Künstlerin, Lyrikerin, Regisseurin, Autorin von Kurzgeschichten, Musicals, Drehbüchern, Komponistin von Filmmusik. Kurz, jemand der sich nicht nur mit kreativen Prozessen auseinandergesetzt hat, sondern sie auch selbst gelebt und erfahren hat. Morgenseiten ist ein Weg, seine Schreibhemmungen zu überwinden und sich daran zu gewöhnen, täglich zu schreiben. Also jeden Morgen ein Blatt mit Erinnerungen, Geschichten, Sätzen, Worten zu füllen. Egal, was kommt. Einfach aufschreiben. Und zwar nur eine Seite, dann kann man sich wieder dem Alltag zuwenden.

Was man dabei lernt, ist nicht nur, täglich etwas aufzuschreiben – was sowieso sehr hilfreich ist – sondern man lernt auch sich selber besser kennen. Seine Ängste, seine Wünsche, was einen in der letzten Zeit beeindruckt hat, oder einfach hängengeblieben ist. Je länger man diese Methode beteibt, desto tiefer wird man in sein Unterbewusstsein vordringen. Dann wollen auch die tieferliegenden Geschichten heraus und – tja, dann hat man bestimmt genug Material für mehrere Bücher.

Für wen ist Biografisches Schreiben?

Alte Wunden, verdrängte Verletzungen. Eine kleine Warnung: Biografisches Schreiben ist etwas für Mutige. Schreiben ist ein kreatives Mittel, die tiefsitzenden Ängste zu lösen, also seid darauf vorbereitet, dann auch auf diese Ängste und Wunden zu stoßen. Manchmal reichen die viel weiter als nur in das eigene Leben, sondern beziehen die vorherigen Generationen mit ein. Wann ist es die richtige Methode? Wenn man ..Biografisches Schreiben

  • Lust hat, seine Biografie zu erforschen
  • Mut hat, sich mit dem Vergangenen auseinanderzusetzen
  • Denkmuster neu überdenken möchte
  • Nach neuen Wegen sucht
  • Sein Leben ändern möchte
  • Ein Trauma aufarbeiten muss/möchte
  • Eine neue Perspektive braucht
  • An einem Wendepunkt in seinem Leben steht

Ist diese Methode eher etwas für die Älteren? Nope, denn auch wenn man wenig erlebt hat, kann man unter familären Mustern leiden. Daher sollte jeder sie ausprobieren, der an dieser Stelle ein Aha-Erlebnis hat.

Wie wird ein Buch daraus?

Biografisches Schreiben ist nicht mit einer Autobiografie zu verwechseln. Ihr schreibt nicht euer Leben auf, sondern nehmt Inspirationen oder auch ganze Erlebnisse und verwandelt sie in Literatur oder auch erstmal „nur“ in eine Art Erinnerungssammlung. Wie bei allen Büchern braucht ihr irgendwann – wenn ihr zum Beispiel ein Jahr lang Morgenseiten geschrieben habt – ein Thema, einen roten Faden, etwas, das alles zusammenhält. Dafür müsst ihr eure Aufzeichnungen überarbeiten, vielleicht einen Rahmen finden, vielleicht auch nur eine bestimmte Form wie den Briefroman oder eine Gedichtsammlung.

Außer Atem _Uwe Carow und Katrin Bongard Ein gutes Beispiel ist die Graphic Novel „Atem holen“, die Uwe und ich zusammen gemacht haben. Inspiration war eine Sammlung von Briefen seines Großvaters aus der Kriegsgefangenschaft. Herausgekommen ist eine Auseinandersetzung mit Krankheit, Tod, dem Leben. Assoziativ mit vielen Bildern.

Es kann sein, dass ihr mit einem biografischen Ereignis beginnt und dann fiktive Situationen dazu erfindet. Vollkommen in Ordnung. Es kann auch sein, dass sich in eine fiktive Geschichte eigene Erfahrungen mischen. Eigentlich ständig. Habe ich Lust, die ganze Welt an meiner Privatssphäre teilhaben zu lassen? Will ich andere Menschen in meine Bekenntnisse hineinziehen? Habt keine Angst davor, euch zu zeigen. Der Kontext und die literarische Form schützen eure Erfahrungen. Und wenn jemand partout nicht in euer Buch will – dann streicht ihn einfach heraus.

Nächste Woche geht es um das Schreiben mit – Deadline. Stimmt, es ist weniger eine Schreibart als ein Modus, aber ich kann euch versichern, es ist ein höchst effektiver. Egal, ob ein Verlag euch eine Deadline vorgibt oder ihr euch selbst eine erschafft.

Bis dann und eine gute Schreib -Zeit

xoxo

Katrin

#rbpub #redbugwriting #amwriting

 

Buchmesse Frankfurt 2017

Buchmesse Frankfurt 2017 – Wir kommen!

22. September 2017
Buchmesse Frankfurt 2017

Wir sind selber ganz erstaunt, denn dieses Jahr werden wir tatsächlich ganz offiziell – auf der
Buchmesse in Frankfurt sein.

Wer uns aus unseren Anfängen kennt, der wird wissen, dass wir die Buchmesse immer eher inkognito besucht haben. Treffen mit einer Übersetzerin, Kontakt zu Agenten und Lektoren, Gespräche mit Partnerverlagen. Alles ganz unauffällig.

Verlage haben ja normalerweise Stände, an denen sie stehen. Nun sind wir aber ein Verlags-Label, eigentlich immer in Bewegung und noch dazu ein kleines Team. Und tasten uns an den ersten Messeauftritt daher erstmal mit einem Event heran. Event, ja, das passt irgendwie zu uns und unserem Leben, dass manchmal fast nur aus Events zu bestehen scheint.

Einladung von ebook.de

Buchmesse 2017 - Red Bug BooksWie wir euch ja schon erzählt haben, verstehen wir uns mit dem Team von Tolino-Media sehr gut. Wir gehören nicht zu den Amazon-Gegnern – wie könnten wir?! – aber wir haben uns wirklich sehr gefreut, dass eine deutsche Plattform entstanden ist, die ein wenig mit Amazon mithalten kann und zudem auf die E-Book-Qualität achtet. Daher freuen wir uns sehr, dass uns ebook.de zu einem Meet & Greet geladen hat.

14.10.2017

13.30 Uhr

Meet & Greet

Stand H4 Halle 3.0

Film.Love.Story – Flying Moon

Was bringen wir mit? Die Neuauflage unseres ersten E-Book-Jugendbuches, die Film.Love.Story-Serie Flying Moon. Und den zweiten Teil: Lasse.

Für alle, sich fragen, wann denn – endlich – der 3. Teil kommt – freut euch auf Anfang November und Premiere, den  3. Teil der Flying Moon – Serie!

Natürlich ist die Autorin Katrin (Bongard) da, signiert Bücher und Autogrammkarten, liest aus Flying Moon und erzählt. Denn – das allermeiste aus den Flying Moon- Bänden hat sie selber auf die ein oder andere Weise erlebt, da sie seit 20 jahren im Filmgeschäft arbeitet und drei Kinder hat, die als Jungschauspieler angefangen haben und nun alles sehr erfolgreich beim Film sind. (Tochter Amber Bongard könnt ihr gerade im 3. Teil der Ostwind-Reihe als schlagfertige Freundin Fanny sehen).
Flying Moon erscheint bei Red Bug Books, also ist auch Uwe (Carow), Verleger und Fels in der Brandung dabei, ist für alle Fragen zu Büchern und Film offen und hat Goodies und den Hoodie (Kaputzenpulli) dabei …

Hoodieverlosung, Lesezeichen, Leseproben

Flying Moon Premiere… denn wir verlosen einen unserer wunderschönen Red Bug Hoodies unter allen, die den Weg zu unserem Event finden (Lose bereiten wir vor, also nur noch einen Stift mitbringen).

Außerdem hat eBook.de Lesezeichen gedruckt und wir erstellen gerade noch eine schöne Leseprobe zum 3. Band von Flying Moon – alles zum Mitnehmen.

Über unserer Vorbereitungen und den Stand der Dinge bis zur Buchmesse berichten wir ab jetzt mit Filmen und Posts immer Montags, Mittwochs und Freitags auf Facebook und für Fragen sind wir natürlich auch immer offen.

Wer den roten Bug übrigens schon am Freitag über die Messe laufen sieht, weil wir auf unsere geheimen Treffen einfach nicht verzichten wollen, darf uns selbstverständlich gerne ansprechen!

Wir freuen usn auf euch :))

Die Redbugx

Martin Luther 2017

Martin Luther #38 Die Craftsbeer Revolution

21. September 2017
Martin Luther und die Craftsbeer Revolution

Ich bin keine Biertrinkerin. Als wir Anfang des Jahres beschlossen, als Dreierteam über Luther zu bloggen, da habe ich mal im Netz nachgesehen, was da sonst noch so ist. Der erste Artikel, auf den ich gestoßen bin, handelte von Luther und Bier. Ich meine – ernsthaft? Gibt es da nicht genug andere Themen? Oder anders gesagt: Müssen wir den Leuten Luther über Bier nahebringen? Dem Lieblingsgetränk der Deutschen? Ist er so unbeliebt, dass wir die Themen dermaßen an der Haaren herbeiziehen müssen, um die Leute für Luther zu interessieren?

38 Blogbeiträge später bin ich sehr viel weiser. Nein, mir gehen nicht die Ideen aus. Vielleicht hat es mich einfach auch nur so lange beschäftigt, was an dem Thema Luther und Bier so interessant sein soll. Ja, er hat gerne Bier getrunken! Ja, er hat viele Trinksprüche über Bier verfasst! Ja, er hat sogar selber Bier gebraut. Und ja, heute habe ich den Hook für diese Story gefunden und sie heißt: Craftsbeer Revolution.

Reinheitsgebot

Das (bayrische) Reinheitsgebot für Bier ist aus dem Jahr 1516 – ein Jahr vor dem Anschlag der Thesen in Wittenberg. Die von Leonhard von Eck verfasste neue Landesordnung wurde am 23. April 1516 durch die bayerischen Herzöge Wilhelm IV. und Ludwig X. in Ingolstadt erlassen. Darin heißt es:

Wo aber einer nicht Märzen sondern anderes Bier brauen oder sonstwie haben würde, soll er es keineswegs höher als um einen Pfennig die Maß ausschenken und verkaufen. Ganz besonders wollen wir, dass forthin allenthalben in unseren Städten, Märkten und auf dem Lande zu keinem Bier mehr Stücke als allein Gerste, Hopfen und Wasser verwendet und gebraucht werden sollen. Wer diese unsere Anordnung wissentlich übertritt und nicht einhält, dem soll von seiner Gerichtsobrigkeit zur Strafe dieses Fass Bier, so oft es vorkommt, unnachsichtlich weggenommen werden. ( Wikipedia)

Bier war damals kein Genussmittel, sondern ein Getränk. Besser als das nicht ganz saubere Wasser (weil aufgekocht) und viel billiger als Wein (was ein Genussmittel war). Es rein zu halten, hatte viele Gründe. Zum Beispiel regulativ wirtschaftliche oder es ging um die Sicherstellung der Lebensmittelversorgung: Die Bäcker sollten Roggen und Weizen verwenden, die Bierbrauer bitte nur den beruhigenden Hopfen.

Der Ethnopharmakologe Christian Rätsch sieht im bayerischen Reinheitsgebot auch ein frühes Drogengesetz: Es bestehe der Verdacht, dass vor allem der Gebrauch heidnischer Ritualpflanzen unterdrückt werden sollte. So sind z. B. Bilsenkraut, Sumpfporst, Tollkirschen, Schlafmohn, Muskatnuss oder Wermut als psychoaktive Bierzusätze im mittelalterlichen Deutschland belegt. (Wikipedia)

Jeder hat so seine Gründe – für die Reinheit des Bieres, der Lehre, des Glaubens …

Das Gesetz hielt nicht lange und schon 1551 durfte dem Bier wieder Koriander und Lorbeer beigesetzt werden, ab 1616 waren in Bayern auch Kümmel und Wacholder zugelassen. An was erinnert mich das?

Genau.

Die Craftsbeer Revolution

Ich bin sehr für Revolutionen. Wir Menschen, mich eingeschlossen, tun uns schwer mit Veränderungen. Und wenn sich nichts bewegt, muss man manchmal einfach loslegen. Nicht warten, sondern handeln. Das muss ja nicht immer gleich blutig werden …

Letzten Samstag hat uns Matt von Sweetwood Films, ein befreudeter amerikanischer Dokumentarfilmer, zu der Preview seiner Dokumentation BEER JESUS eingeladen. BEER JESUS erzählt die Geschichte von Greg, einem der erfolgreichsten Craftsbeer Brauer in den USA, der in Berlin die Brauerei und das Restaurant Stone Brewing  aufgebaut hat. Letzten Samstag haben sie einjährigen Geburtstag gefeiert und den Film – erstmal nur in kleinem Kreis – gezeigt.

Craftsbeer Revolution

Wir hatten mit unseren VIP-Karten Zugang zu unendlich vielen Craftsbeer-Sorten und der Erkenntnis, dass Bier mehr sein kann, als Gerste und Hopfen und Wasser. Wen das genauer interessiert, hier ein Video zum Craft Beer, der Craftbeer Revolution, denn die Bewegung kam nicht erst mit Greg, sondern ist schon eine Weile in Deutschland angekommen. Craftsbeer-Anhänger haben Hipsterbärte und tragen Karohemden und kämpfen leidenschaftlich gegen Reinheitsgebot und billiges Bier und für ein gutes, handwerklich gemachtes Bier in vielen Geschmacksrichtungen.

Was hat das mit Luther zu tun? Nun, ich sehe da einen ähnlichen Prozess – von einer Reformation zum neuen Glauben. Von einem verwässertere, selbstverständlich gewordenden Abfertigung eines Kults/Ritual (ich nenne Biertrinken jetzt mal Kult) zurück zu einem besonneneren, reflektierteren Umgang mit diesem Brauch. Brauch, Kult, Ritual – klar bin ich hier beim Glauben.

Von einer kleinen Bewegung zu einer neuen Kultur

Denn für Greg, den Beer Jesus, ist Craftsbeer nicht nur ein neues Produkt. Es geht um eine neue Einstellung. Bier ist zu billig, Bier wird industriell hergestellt, man beruft sich auf das Reinheitsgebot, aber eigentlich … achtet keiner mehr auf Qualität. Warum ist Bier so billig? Wie kann das gehen? Warum achten wir nicht auf mehr Qualtität – nicht nur beim Bier, überhaupt in unserem Leben. Sollen wir nicht ein wenig genauer hinsehen? Stimmt, er hat recht. Lieber ein gutes Bier als ein schal gewordenes Reinheitsgebot. Erneuerung des Glaubens! Sein Hausbier heißt übrigens Arrogant Bastard. Jep, so sind die Craftsbrauer.Craftsbeer Revolution

Luther wäre da wohl sehr dabei gewesen. Nicht nur, weil er 1532 zu seiner Hochzeit das Nutzungsrecht für das frühere Augustinerkloster in Wittenberg geschenkt bekam und damit als Hausbesitzer das Braurecht bekam. Auch weil er für Erneuerung war. Rituale und Gebote hinterfragt hat. Ständig.

Braugeheimnis und Glaubenskämpfe

Wie war denn das normale Bier zu Luthers Zeiten? Nun, da gab es einmal das Alltagsbier, ein Dünnbier und eher wässrig. Wenn man gefeiert hat, dann hat man Einbecker getrunken, angeblich Luthers Lieblingsbier. Die Einbecker in Hamburg hatten ein besonderes Brauverfahren (mit Malz) erfunden, das das Bier haltbarer machte, damit transportfähig wurde und auch kräftiger war. Das Rezept kam aus dem Mittelalter und wurde in Einbeck streng geheim gehalten. 1529 wurde Einbeck protestantisch und das Einbecker Bier für die Katholiken zum Ketzerbier. Und hier eine kurze dramaturgische Pause: Ketzerbier? Echt jetzt? Bier ist wohl doch eine sehr viel ernstere Angelegenheit, als ich dachte.

Nach diesem Einbecker-Geheimrezept wurde übrigens bis 1540 gebraut, bis die Stadt Einbeck niederbrannte. Ironischerweise kam es zu dem Brand da sich die katholischen Patrizer der Stadt in eine Auseinandersetzung mit den eher protestantischen Handwerkern gerieten und an mehren Stellen der Stadt Brände gelegt wurden. Durch den Brand konnte das Einbeck nicht mehr geliefert weden, da die ganze Dokumentation des Brauwesens verloren ging. So war das also mit Luthers Lieblingsbier. Aber er hat zu diesem Zeitpunkt ja schon sein eigenes Starkbier gebraut.

Heute gibt es Lutherbier, Luther auf dem Etikett – und keine Ahnung, wie das passieren konnte. Denn es ist ja nicht so, dass man Luther einfach so von damals nach heute transportieren könnte. Weder sein Bier, noch seine Philosophie oder Glaubenseinstellung.

Tja. Luther, Reformation und Bier hängen wohl doch irgendwie viel mehr zusammen als ich dachte, also: Willkommen in der Craftsbeer Revolution!

 

 

7 Wege ein Buch zu schreiben

7 Wege ein Buch zu schreiben #3 Kreatives Schreiben

20. September 2017
Kreatives Schreiben – was ist das genau?

Okay, ja, es hört sich einfach gut an. Nicht Schreiben-schreiben, was irgendwie nach Pflicht und Arbeit klingt, sondern Kreatives Schreiben! Da fallen einem Tonklumpen ein, auf die man einschlagen und die man bearbeiten kann oder bunte Tücher, mit denen man frei durch den Raum tanzt. Wir sind kreativ! Keine (Schreib-)regeln, was für eine Befreiung!

Nur um das zu klären: Abgesehen von dem, was einem so bei kreativem Schreiben einfällt und wie offen man diesen Begriff verstehen will, gibt es auch eine Definition. Was man eigentlich nur wissen braucht, wenn man mit Schreibfachleuten zusammensitzt oder Schreibunterricht geben will. Für alle anderen zur Klärung:

Kreatives Schreiben ist eine Bezeichnung für Schreibansätze, die davon ausgehen, dass Schreiben ein kreativ-sprachlicher Prozess ist, zu dem jeder Mensch methodisch angeleitet werden kann. Kreatives Schreiben geht damit über klassischen Schreibunterricht hinaus, indem der Schwerpunkt auf den Prozess des Schreibens selbst gelegt und „durch assoziative, gestaltende und überarbeitende Methoden trainiert“wird. (Wikipedia)

Kreatives ScheibenJa, stimmt, das ist sehr vage. Irgendwie unklar. Ich habe darüber schon mal eher grundsätzlich gebloggt, aber heute nehme ich das mal ein wenig auseinander. Oder anders gesagt, konzentriere mich auf „assoziative und gestaltende“ Methoden, das Spiel mit der Sprache und ein paar Tricks und Kniffe, mit denen man sich freischreibt. Alle anderen Aspekte des Kreativen Schreibens lasse ich mal beiseite, bzw. vertage sie auf die nächsten Wochen.

Was bedeutet Kreatives Schreiben?

Okay, es gibt diese Tage, da hört sich alles, was ich schreibe ganz fürchterlich an. Steif und mechanisch und langweilig. Als ob ich einem Vortrag zuhören würde, dabei will ich doch eigentlich diese aufgeregte, gemütliche, intime, knisternde, erhebende Stimmung erzeugen, die mir auch beim Schreiben so viel Spaß macht. Meist bin ich überarbeitet oder einfach – uninspiriert. Dann helfen mir die Tricks und Kniffe des Kreativen Schreibens. Nicht mehr in Worten und Sätzen und in Kapiteln zu denken, sondern in Wortklängen und Satzwellen, in Farben und Tönen, ohne einen Gedanken an Sinn und Plot und Abgabetermin und sogar meine Charaktere einfach – draulosschreiben.

Einfach drauflos

Kreatives SchreibenEinfach drauflos heißt, ohne Nachzudenken. Ohne zu kritisieren oder zu urteilen. Es fließen zu lassen. Für viele ist es eine Methode, anzufangen oder Schreibblockaden zu lösen, doch warum nicht ein ganzes Buch auf diese Art schreiben? Sich nie Regeln unterwerfen, immer nur das aufzuschreiben, was einem gerade in den Sinn kommt, sich alle Freiheiten nehmen? Geht das? Wird das Ergebnis dann nicht – kompletter Unsinn sein? Nä, erstaunlicherweise nicht. Vertraut mir, am Ende ist alles viel braver, als man denkt. Gerade, was einem beim Aufschreiben noch vollkommen konfus vorkommt, kann mit ein paar Einschüben am Ende ein guter Text werden.

Außerdem – wir leben in postmodernen Zeiten. In denen gibt es hyperrealisitische Bilder, aber auch Maler, die Farbklecks auf der Leinwand verteilen. Es gibt klassische Orchestermusik – und Punk. Es gibt das klassische Ballett und Free Dance. Und – hey – so ist es auch in der Literatur. Klar, die Grenze zwischen Kunst und Kauderwelsch (wo kam dieses Wort gerade her??) ist sehr schmal, aber wenn ihr merkt, dass dies eure Methode ist, mit der ihr eure Idee aufgeschrieben bekommt, dann ist Kreatives Schreiben perfekt – und alle anderen sollten eben ihr Ding machen. Udn damit das jetzt nicht so vage bleibt, wie der Begriff, hier ein paar genauere Anleitungen.

Assoziatives Schreiben

Assoziation kommt von lateinisch associare „vereinigen, verbinden, verknüpfen, vernetzen“. In diesem Fall Worte und Gedanken. Nehmen wir an, ich will etwas über Wasser schreiben. Fantasy. Für Kinder. Und statt mich mit all den Fragen – Wassernixen? Meeresgötter? Meerjungfrauen? herumzuplagen, schreibe ich auf, was mir geade einfällt. Zu Wasser.

Es ist nass und eigentlich kann ich es nicht leiden. Als Kind habe ich vom Tauchen immer Ohrenschmerzen bekommen und einmal ist mein Vater einfach zusammen mit mir untergetaucht, weil ich so ein Schisshase war. Das war schrecklich und hat die Sache nicht besser gemacht. Eigentlich wirklich ein ganz schlechtes Beispiel für Erziehung und …

Okay, das war Realtime kreatives Schreiben. Das, was so aus mir herausgeflossen ist. Ist das Schreibmaterial? Irgendwie sinnvoll? Wozu? Hm. Ich würde sagen, so ganz nebenbei habe ich meine Geschichte gefunden. Ein Mädchen, das Angst vor dem Wasser hat. Vielleicht erzählt sie diese Geschichte sogar am Anfang, falls das Buch für ältere Kinder ist. Oder … und so weiter. Assoziatives Schreiben heißt, sich von einem Bild, einem Wort, einer Idee, einer Erinnerung zur nächsten zu bewegen, ohne zu urteilen.

Innere Bilder

Kreatives SchreibenEs geht auch mit inneren Bildern. Statt zu schreiben, schließe ich erst einmal die Augen. Hände anwärmen, über die Augenhöhlen legen, damit es richtig dunkel wird. Kinotime. Alles ist schwarz, also frage ich: An welchem Ort sehe ich mein Geschichte beginnen? Wo wäre ich jetzt gerade gerne? (An dieser Stelle schließe ich die Augen):  Das erste Bild, das in mir auftaucht, ist ein realer Ort. Die Biosphäre in Potsdam, die  … und genau hier fange ich nun an zu schreiben. Dabei halte ich das innere Bild im Blick und versuche nicht oder wenig auf den Text zu sehen.

Ich gehe über die Hängebrücke. Unter mir Palmen, das Geräusch von fließendem Wasser, Vogelgezwitscher. Ist das echt? Ich bin mir nicht sicher, besonders, als ich einen Lautsprecher entdecke. Klar, das hier ist eine Art Botanischer Garten, aber eigentlich nur eine Halle. Ich erinnere mich an die Ausstellung zu den Schmetterlingensarten an diesem Ort, Schmetterlinge, die alle frei herumflogen. War das so? Und dann der Geruch. Nach Modder, aber diese angenehme Art, moderig, tropisch, lehmig, süßlich. Als ob jeden Moment eine Ananas im Gebüsch auftauchen könnte oder eine Schlange. Ja, mit gelben Augen. Dschungelbuch …  

Texte, die mit inneren Bildern entstehen, sind erstaunlich anschaulich. Und genau das will man als Autor erreichen. Bilder sehen, Bilder beim Leser erzeugen. Bilder, die einem beim Schreiben helfen.

Von Gefühlen leiten lassen

Wenn ich emotional schreiben will, werde ich das nicht mit einem sachlichen Stil erreichen. Warum also nicht gleich mit einem Gefühl beginnen? Sagen wir … Zufriedenheit. Ich spüre in mir nach, wie fühlt sich das an? Wann habe ich das Gefühl, sehr zufrieden zu sein? Ich bin zufrieden …

… nachdem ich Sex hatte, eindeutig. Dieses satte Gefühl, nichts mehr tun zu brauchen. Diese Ruhe im Kopf und das leichte Hungergefühl im Magen, als hätte man sooooo viel geleistet. Ja, die Menschheit vorangebracht. Oder es versucht. Die entspannten Muskeln, die glatte Hautoberfläche, die träge Müdigkeit. Danach kann ich so gut schlafen. Ahhh, so gut schlafen. 

(Musste das sein, Katrin? Aber so ist das, wenn man sich gehen lässt ;) Okay, was mach ich damit? Was soll das? Hm, na ja, meine Protagonisten haben öfter Sex und wenn ich eine Szene nach dem Sex beschreibe, kam es mir noch nie in den Sinn, sie aus dem Blickwinkel Zufriedenheit zu schreiben. Dabei – lag es so nah.

Für wen ist Kreatives Schreiben?

Für wen ist Kreatives Schreiben geeignet? Ich würde ja jetzt gerne sagen: für alle, aber vermutlich eignet es sich für bestimmte Menschen besser. Wieder mal eher für die Tagträumer. Was braucht man?

  • Zeit
  • Ruhe
  • Entspannung
  • Spaß an  Spielen
  • Einen großen Wortschatz
  • Die Fähigkeit zu visionieren (also sich innere Bilder vorzustellen)
  • Fantasie
  • Mut, sich auf Gefühle einzulassen

Kreatives SchreibenJa, auch Mut, denn Gefühle haben ist eine Sache, aber über sie zu sprechen oder schreiben eine andere. Hilfreich sind auch schöne Farben in der Umgebung, ein Blumenstrauß, nette Dinge, Bilder, Postkarten oder kleine Sachen, die einen inspirieren und an etwas erinnern. Oder – Musik.

Vom Kreativen Schreiben zum Buch

Und wie wird aus all dem dann ein Buch? Nun, durch eine liebevolle Überarbeitung. Und zwar sobald man etwas Abstand zu seinem Geschriebenen gewonnen hat. Abstand ist wichtig, damit man nicht gleich urteilt und den Text objektiver angehen kann. Und habt keine Angst davor, dass die Geschichte keinen Plot oder Plotpoints hat, das ist bei dieser Methode nicht so wichtig. Auch die Leser begeben sich eher auf eine Lesereise durch die Gedanken des Autors und seiner Bilder. Eher nicht für einen Thriller geeignet, aber es gibt ja noch andere Genres.

Eine Form des Kreativen Schreibens ist das biografische Schreiben. Und wenn ich biografisch sage, dann meine ich nicht, dass man seine Biografie schreibt. Eher, dass man in sich und seiner Vergangenheit und seinem Leben nach Geschichten sucht und sie dann mehr oder weniger genau weiterverarbeitet. Wie das geht? Sage ich euch dann nächste Woche.

Bis dahin

xoxo

Katrin

#redbugwriting #rbpub #amwriting

 

Martin Luther 2017

Martin Luther #37 Kleiner Katechismus

14. September 2017

Ich bin gern zum Konfi gegangen. Damals in den frühen Siebzigern. Zwei Jahre lang, einmal die Woche plus Sonntags in die Kirche. Im Gegensatz zum Gymnasium wurden Jungs und Mädchen gemeinsam unterrichtet. Schon spannend! Damals.

Und unser Pfarrer und sein Vikar, die den Unterricht abhielten, waren definitiv cooler als die meisten Lehrer auf der Schule.

Da hab ich dann auch zum ersten Mal den Kleinen Katechismus in der Hand gehabt. Was ist das?

Ja, das ist die Frage. Die Frage, die in diesem kleinen Heftchen ständig gestellt wird. Von Luther gestellt wurde. Er hat dieses kleine Sammlung 1529 verfasst, die die Grundlagen des christlichen Glaubens, wie er ihn sah, erläutern sollte. Und er hatte eine klare Zielgruppe: Pfarrer und Hausvorstände sollten grundlegende, kurze und knappe Erläuterungen zum christlichen Glauben und den neuen reformatorischen Erkenntnissen erhalten. Um sie dann an ihre Gemeinden oder Familien weitergeben zu können.

»Die klagenswerte, elende Not« habe ihn »gezwungen und gedrungen« die »christliche Lehre in eine solche kleine, schlichte, einfache Form zu bringen.« In seiner Vorrede zum Kleinen Katechismus beklagt er den »Jammer«, den er auf seinen Visitationsreisen erlebt hat. »Der ungelehrte Mann weiß doch gar nichts von der christlichen Lehre, besonders auf den Dörfern, und viele Pfarrer sind sehr ungeschickt und untüchtig zu lehren. Und doch wollen sie alle Christen sein, getauft sein und die heiligen Sakramente genießen, obwohl sie weder das Vaterunser noch das Glaubensbekenntnis oder die Zehn Gebote kennen.«

Im kleinen Katechismus werden also die Zehn Gebote, das Glaubensbekenntnis, das Vaterunser und die drei Sakramente Taufe, Abendmahl und Beichte aufgeführt und erläutert. Sie werden wortwörtlich wiedergegeben und nach jedem Satz stellt Luther dann die Frage: Was ist das? Um dann eine kurze Erläuterung zu geben.

Das war so erfolgreich, dass noch knapp fünfhundert Jahre später evangelische Pfarrer damit ihre Konfirmanden unterrichten.

Luther hatte ja die in der Katholischen Kirche üblichen sieben Sakramente, Taufe, Eucharistie, Firmung, Ehe, Buße, Priesterweihe und Krankensalbung auf drei reduziert: Taufe, Abendmahl und Beichte .

Seltsamerweise hatte er nichts gegen die Säuglingstaufe einzuwenden, obwohl er in der Vorrede zum Kleinen Katechismus schreibt, man solle »niemanden zum Glauben oder zum Sakrament zwingen, auch kein Gesetz, noch Zeit, noch Stätte bestimmen. (…) Aber wir wollen so predigen, dass sie sich selbst, ohne unser Gesetz, drängen.« Ihm war schon klar, dass ihm ohne Kindstaufe einige Schäfchen verlorengehen würden. Er war aber vehement gegen die Erwachsenentaufe, (darüber in einem der nächsten Beiträge) und auch die Firmung hatte er allerdings als Sakrament gestrichen.

Warum saß ich dann im Konfirmationsunterricht? Klar, damit ich mich etwas auskannte in dem Verein, in den ich durch die Taufe aufgenommen worden war und zu dem ich mich jetzt nach zwei Jahren Unterricht noch einmal bekennen sollte. Na ja mit vierzehn war das damals auch noch keine so bewusste Entscheidung. Und niemand hätte sich im Ernst gegen die Konfirmation entschieden. Es waren alle da. (siehe Beitragsbild). Sähe heute schon etwas anders aus.

Vor diesem schönen Gruppenbild (in den Siebzigern wurde nicht hinterfragt, wieso die Jungs vorne stehen) gab es allerdings eine Prüfung. Wir sollten nicht nur sagen, okay jetzt wo wir einmal getauft sind bleiben wir dabei, nein wir sollten geprüft werden. Geprüft darauf, ob wir auch alle Glaubenssätze gelernt und verstanden haben. Als hätten sie wirklich jemand rausgeschmissen. Es wurde also vor der Gemeinde eine Prüfung abgehalten. Anwesend waren hauptsächlich die Verwandten der Konfirmanden. Die meisten seit Jahren das erste Mal wieder in einer Kirche.

Ich hatte meine 192 Strophen aus dem Gesangbuch gelernt (wie blöd kann man sein, als hätte die im Ernst jemand abgefragt) und konnte auch den Kleinen Katechismus auswendig. Bei jeder Frage also, bäng Finger hoch. Bloß nicht ungefragt drankommen, wenn man es vielleicht doch nicht weiß. Und abtauchen wie in der Schule, vor so vielen Leuten, geht ja nicht so richtig. Nach zehn Minuten dreimal was gesagt und … Entspannung. Jetzt wird er mich nicht mehr fragen. Wir sind zu viele.

Interessant, dass Luther sich auch hier und also der Konfirmationsunterricht noch fünfhundert Jahre später auf das Wort verlässt. Darauf, dass man Texte kennt und Erläuterungen dazu versteht. Wie hätte so eine Prüfung ausgesehen, wenn man Meditationsunterricht gehabt hätte?