Über das Schreiben

Über das Schreiben #12 3-Akte-Struktur – 1. Akt

27. Juli 2016
1.Akt
Der 1. Akt

Ich liebe es, ins Theater zu gehen. Meine Eltern haben mich schon als Kind mit in die besten Inszenierungen genommen. Der Vorhang öffnet sich, das Licht im Saal geht aus, das Spiel – beginnt. Es ist immer ein Moment größter und höchster Erwartung: Was kommt jetzt? Genau diese Erwartung und Aufregung haben Leser am Anfang eine Buches. Und daher ist es wichtig, gerade den Anfang gut hinzukriegen, damit die Erwartung sich in ein großes begeistertes AHHHH! auflöst. Ich vergleiche den Aufzug zum 1. Akt gerne mit der Leseprobe von Büchern. Ich bin mir mittlerweile sicher, dass eine Leseprobe mehr für euer Buch tun kann, als ein schönes Cover oder ein knackiger Titel. Aber – der Reihe nach.

Einführung, Einleitung

Der 1. Akt nimmt ungefähr ein Viertel eines Films/Romans ein. Ist das nicht ganz schön viel für eine Einleitung? Nun, nicht, wenn ich euch erkläre, was ihr dort alles unterbringen solltet: Nämlich das Setting eurer Geschichte.

  • Ort – wo passiert die Geschichte?  Sind wir in der Stadt oder auf dem Land, in einem Appartement oder in einer Großstadt, im Weltall oder unter der Erde?
  • Zeit – wann spielt die Geschichte? Mittelalter oder Jetztzeit, in einer dystopischen Zukunft oder in der Vergangenheit?
  • Held – um wen geht es überhaupt? Wessen Geschichte erzählt ihr? Und wie ist er, euer Held? Was zeichnet ihn aus, was ist er für ein Typ?
  • Konflikt – was hat der Held für ein Problem? Wieso erzählt ihr seine oder ihre Geschichte überhaupt?
  • Impuls – was veranlasst den Helden loszugehen? Wer gibt ihm den entscheidenden Kick?
  • Plotpoint Nummer eins – Wo steht die Heldin am Ende des ersten Aktes?
Plotpoints

Wuahh! Plotpoints? Davon hast du uns aber nichts gesagt! Jep, right. Ich dachte mir, die harten Fakten kann ich euch zwischendurch mal unterschieben. Jetzt wird mir klar, sie verdienen mehr Aufmerksamkeit. Also werde ich zu jedem einzelnen PP einen eigenen Beitrag schreiben. 1. AktMerkt euch zu Plotpoints vorerst: In der 3-Akte-Struktur gibt es am Ende des 1. und 2. Aktes einen großen Plotpoint, der die Handlung in eine neue Richtung treibt. Es gibt auch noch 2 kleinere Plotpoints. Einen Höhepunkt – in der Mitte der Handlung – und eine Klimax – kurz vor Ende des 3. Aktes. Kleiner, aber nicht unwichtiger.

Dazu noch mal meine Kritzelei.

Frohe Botschaft: Im 1. Akt habt ihr es nur mit einem Plotpoint zu tun. Und auch erst am Ende des ersten Teils. Wenn ihr also dort ankommt, dann habt ihr nicht nur schon ein Viertel eures Buches geschrieben, sondern seit am Ende des 1. Aktes.

Mehr Hilfe?

Falls ihr das Gefühl habt, noch unsicher zu sein, wo Anfang, Mitte und Ende eurer Story ungefähr sind und die Plotpoints und Akte und Linien euch verwirren, dann lest doch vorher noch einmal den Beitrag Von der Idee zum Manuskript: Story von mir. Dazu gibt es auch ein geniales Worksheet, mit dem ihr üben könnt, wie ihr eure Geschichte in drei Teile einteilt.

Anfangen

Der 1. Akt führt den Leser in die Geschichte ein. Er ist so etwas wie die Speisekarte für euren Lesegenuss. Ihr erfahrt, worum es geht. What’s it all about? Viele Autoren machen gerne den Fehler und denken, sie hätten am Anfang Zeit. Gaaaanz viel Zeit den Leser einzuführen. Sie fangen mit kleinen Details oder mysteriösen Fragen an und verlaufen sich über Seiten bei Beschreibungen und Andeutungen von Geheimnissen, während sich der Leser ganz einfach fragt: Hä? Worum geht es denn eigentlich? 

Erwartungen

Jeder, der ein Buch aufschlägt hat Erwartungen. Das Cover, der Klappentext, der Name des Autors – all das hat schon Erwartungen geweckt und eine Oberfläche geschaffen, durch die der Leser dann so mühelos wie möglich in die Geschichte eintauchen können sollte. Macht es dem Leser so einfach wie möglich, in eure Geschichte einzusteigen. Ein witziger Dialog, eine spannende Szene, ein Konflikt.

Je eher ihr die Handlung beginnen lasst, desto besser. Und was ist mit der Liste von oben? All den Fakts, die man unterbringen muss? Nun, die müsst ihr so unauffällig wie möglich abarbeiten. In einem ersten Dialog lernt man den Helden gut kennen. Warum also mit Beschreibungen beginnen? Lasst ihn über sein Problem mit einem Freund in der entsprechenden Umgebung reden. All das, was ihr im ersten Akt an Informationen unterbringen müsst, damit der Leser sich gut orientieren kann, sollte nicht zu offensichtlich präsentiert werden und trotzdem ganz klar sein. London, 1880 über den Text zu schreiben, ist eine platte, aber gute Möglichkeit, wenn ihr gerne im Nebel und einer undurchsichtigen Situation beginnen wollt. Denn dann wäre Ort und Zeit schon mal geklärt. Aber man kann auch mit Regen, Kopfsteinpflaster, dem sich im Regen spiegelnden Big Ben und Kutschen beginnen, auch so wird London 1880 ganz schnell klar.

Funktion und Emotion im 1. Akt

Die Funktion des 1. Aktes ist, so viele Infos wie möglich so elegant wie möglich unterzubringen. Warum elegant? Weil wir Romane nicht lesen, um informiert zu werden, sondern uns wohlfühlen wollen. Es ist eine emotionale Reise, auf die wir uns begeben, Fakten sind nebensählich. Also sollte sich der Leser von Anfang an in der Geschichte super wohlfühlen, neugierig gemacht werden bzw. so in Spannung versetzt werden, dass er nicht aufhören kann zu lesen. Der 1. Akt sagt: Komm herein, lieber Leser, hier erwartet dich eine schöne/liebevolle/grausame/aufregende, aber in jedem Fall unterhaltsame Geschichte: Lehn dich zurück, lies und überlass mir (dem Autor) den Rest.

Habt ihr den Leser im 1. Akt dann in eure Geschichte eingeführt, fühlt er sich wohl und angekommen, könnt ihr anfangen, die Geschichte in Ruhe zu erzählen. Das wäre dann im 2. Akt. Doch vorher, am Ende des 1. Aktes kommt ihr an den ersten Plotpoint. Also den Punkt, an dem eure Geschichte zum ersten Mal eine neue Richtung einschlägt. Wie das geht und warum der Punkt so wichtig ist – sage ich euch in der nächsten Woche.

Bis dahin eine gute Zeit

Katrin

#rbpub #ww #redbugwriting

 

Red Bug Books

Für immer vergeben & Give away

22. Juli 2016
für immer vergeben
Für immer vergebenFür immer vergeben2_3

Es ist eigentlich schon Tradition – wenn auch eine sehr frische – dass wir zu jedem Buchstart ein Buchpäckchen verlosen.

Und – tada – heute ist es das Buchpäckchen zu Für immer vergeben von Madline Schachta. Wir hatten eigentlich nie vor, Romantasy zu veröffentlichen, aber die Geschichte von Madline hat so einen schönen Twist, dass wir unser Programm einfach erweitern mussten.

Da Madline schon zwei Bücher veröffentlicht hat, hat sie auch schon Fans ihres ganz eigenen Stils, die sich mit allen neuen Lesern auf eine warmherzige und magische Liebesgeschichte freuen können. Wer mehr über sie wissen will – hier findet ihr ein Interview mit Madline.

Worum geht es?

Nach einer schmerzhaften Trennung will Mina am Meer ein neues Leben beginnen. Dort trifft sie auf Lian. Eine zarte Beziehung beginnt. Doch bevor sich Mina auf ihn einlassen kann, muss sie erst die Erinnerungen an eine alte Beziehung loslassen. Sie findet ein magisches Kästchen mit dem sie alles vergessen kann. Doch der Zauber gerät außer Kontrolle …

Bevor wir zum Buchpäckchen kommen, möchten wir Dich auf die Leserunde auf Lovelybooks hinweisen, in der Du dich noch bis zum 30.7.2016 24 Uhr um ein Printbuch bewerben kannst. Natürlich kannst Du Für immer vergeben auch selber als E-Book oder in Print bestellen und teilnehmen.

Für immer vergeben

Und dann, ja gibt es noch das Buchpäckchen zu gewinnen. Mit einem Printbuch, weißem Tee von Cupper und einer Weleda-Pflegedusche.

Kommentiere hier unter dem Beitrag bis zum

2. August 2016 um 24 Uhr

und sag uns, was für ein Ereignis in Deinem Leben Du niemals vergessen möchtest?

 

Ach, und …

Madline hat einen sehr aktiven Instagram Account und freut sich über Follower.

Über das Schreiben

Über das Schreiben #11 3-Akte-Struktur – Intro

20. Juli 2016
3-Akte-Struktur
3-Akte-Struktur

Als ich begann, Drehbücher zu schreiben, war die 3-Akte-Struktur für mich so etwas wie eine Religion, und ich wurde ihr leidenschaftlicher Anhänger. Es ist im Grunde die vereinfachte 5-Akte-Struktur des Regeldramas der französischen Klassik. Nein, schon klar, so viel Information will der Leser nicht. Aber wer da mal reinschauen will, der merke sich den Namen Gustav Freytag und Aritstoteles und Schiller und merke sich auch, dass es hierbei vor allem um Theater geht. Ich werde die 5-Akte-Struktur hier einfach mal außer acht lassen, denn die 3-Akte Struktur reicht vollkommen aus, ein gutes Drehbuch oder einen Roman zu schreiben. Der beste Theoretiker auf diesem Feld ist Syd Field, der viele Bücher über das Schreiben von Drehbüchern geschrieben hat. Bei ihm kann man nicht nur als Drehbuchautor, sondern auch als Romanautor sehr viel lernen.

Spanunngskurve

Im Grunde geht es  – egal ob drei Akte oder fünf – um die Spannungskurve innerhalb eines Dramas oder eines Drehbuchs/Films oder einer Geschichte. Kurz gesagt, wie hält man den Zuschauer oder Leser bei der Stange? Habt ihr schon einmal das Kino verlassen? Oder das Theater oder ein Buch abgebrochen? Bestimmt. Wer ein Buch schreibt, für den ist es enorm wichtig, den Zuschauer oder Leser so geschickt durch die Handlung zu führen, dass er auf keinen Fall abbrechen kann. Was die meisten von euch vielleicht ganz selbstverständlich finden, ist die hohe Kunst, Spannung aufzubauen, auch Dramaturgie genannt.

Dramaturgie

Mal ganz weit gefasst, bedeutet Dramaturgie einen Ablauf in eine bestimmte Form zu bringen. Egal ob Fußballspiel oder Mahlzeit, Theaterstück oder Film, erzählte Geschichte oder Roman, wir haben eine Erwartung an einen bestimmten Ablauf. Nein, wir wollen nicht mit dem Dessert beginnen, das ist unser Schlusspunkt. Und wir wollen auch nicht das Elfmeterschießen vor der Verlängerung, genauso wenig wie die Liebesszene vor der Begegnung der Liebenden. Ich fand das sehr faszinierend, als mir klar wurde, dass die meisten amerikanischen Filme nach der 3-Akte-Struktur funktionieren. Tatsächlich wusste ich so schon im Kino – ohne den Film zu kennen – was mich wann erwarten würde. Ich habe auf die Uhr gesehen und gelächelt: Gleich gibt es einen Höhepunkt, gleich gibt es einen Absturz. Und, ja, ihr wisst das im Grunde auch, denn die 3-Akte-Strukur hat mittlerweile jeder Einwohner einer modernen Kultur ganz stark verinnerlicht.

Brauche ich die 3-Akte-Struktur?

Verinnerlicht heißt, dass man sie gut erkennt, aber noch nicht, dass man sie super gut anwenden kann. Ow, yeah, ich habe mich mit ihr sehr oft abgekämpft. Brauche ich sie überhaupt, wenn ich alles doch irgendwie verinnerlicht habe? Nun, sagen wir so: Jein. Bei einfachen Geschichten könnt ihr sicher vollkommen auf sie verzichten. Wenn ihr eurem Kind abends am Bett eine Geschichte erzählt, dann wird das sicher ohne 3-Akte-Struktur klappen. Aber wenn es komplizierter wird, dann hilft diese Struktur, den Überblick zu behalten. Mit ihr könnt ihr auch überprüfen, ob eure Story genug Konflikt hat, ob ihr genug Spannung aufbauen könnt, oder ob ihr vielleicht nicht doch eher alles ganz anders erzählen solltet. Gerade am Anfang kann sie eine sehr gute Hilfe beim Schreiben sein.

Konflikt und Lösung

Jede Geschichte braucht einen Konflikt oder ein Problem, darüber habe ich schon in der Heldenreise gesprochen. Wann tauchen nun die Probleme am besten auf, wann darf der Held mal ein Problem lösen? Die 3-Akte-Struktur gibt euch hier ein sehr genaues Raster bzw eine Spannungskurve vor. Yeah, ihr habt also eine Strecke, die ihr einfach abfahren könnt (streicht das einfach).
3-Akte-StrukturWenn ich eine Idee für eine Story habe, male ich mir immer die 3-Akte-Fieberkurve auf ein Papier und versuche schon mal zu sehen, ob ich für jeden Höhepunkt oder Tiefpunkt ein passendes Ereignis habe. Wie ihr seht, geht es da mächtig bergauf und bergab. Ein echter Rollercoaster, aber logisch, eure Geschichte soll ja spannend sein.

Die Grundlinie ist eine Zeitlinie. Bei einem Film 90 Minuten, bei eurem Buch sind es dann wohl eher die 300 Seiten. Ich habe übrigens nicht schlampig gezeichnet, die Akte – I, II, III – sind nicht gleich groß. Der zweite Akt ist doppelt so lang wie der erste und dritte Akt. Keine feste Regel, aber eine Orientierung. Über die einzelnen Akte und diese tollen Höhepunkte und fiesen Tiefpunkte in der Grafik spreche ich die nächsten 3 Wochen ausführlich, also freut euch auf eine rasante Achterbahnfahrt!

Bis dahin habt eine gute Zeit!

Katrin

#rbpub #redbugwriting

Über das Schreiben

Über das Schreiben #10 Heldenreise Teil 4

13. Juli 2016
rückkehr
Der Rückweg des Helden

In der letzten Woche habe ich euch die Schritte: Annäherung/Äußerste Prüfung/Belohnung der Heldenreise (nach Vogler) vorgestellt. Viele, einfach gestrickte Bücher enden hier. Der Kuss – die Frau/der Mann ist erobert. Die Schlacht ist geschlagen, die Burg eingenommen. Aber ist das wirklich schon alles? Denn nach der Schlacht oder der Liebesnacht bleibt die Frage: Kann der Held das neue Amt/Leben auch ausfüllen/beleben? Darum gibt es von hier aus noch drei Stationen, die die Heldenreise endgültig abschließen:

10. Rückweg

11. Auferstehung

12. Rückkehr & Anerkennung

Der Rückweg

Die Heldenreise ist deshalb ein so erfolgreiches Konzept, weil sie unserem Leben und unseren Erfahrungen nachempfunden ist. Die äußerste Prüfung ist eben nur die Hälfte der Strecke, ein richtig guter Moment, wir sollten ihn feiern, doch für immer erfolgreich ist nur, wer diesen Erfolg auch in sein Leben integriert. banner culture16Oder anders gesagt: Zurückkehrt und sein Wissen seinem Dorf/der Gruppe/Allgemeinheit zur Verfügung stellt. Der Rückweg ist nicht einfach nur ein nach-Hause-trödeln. Meist wird der Held hier erneut mit Gefahren konfrontiert. Diesmal löst er sie souveräner als vorher. Manchmal zahlt sich eine gute Tat aus, die er auf dem Hinweg begangen hat. Auf dem Rückweg zeigt sich, ob der Held tatsächlich etwas gelernt hat, sich verändert hat. Nicht nur äußerlich sondern vor allem auch innerlich.

Auferstehung

Okay, Auferstehung ist ein großes Wort. Gemeint ist, dass etwas – nämlich das alte ICH des Helden – gestorben ist und er nun vollständig gewandelt neu aufersteht. Hat ein Held diese Transformation nicht abgeschlossen, dann ist die Heldenreise gescheitert. Kennt ihr Filme über einen Mann/Frau, der/die zweimal die gleiche Art von Partner heiratet? Genau. Im Leben kennen wir das, Menschen, die zwar den ersten Schritt, die Trennung, immer hinbekommen, aber sich selbst nicht wirklich transformieren. Im Film sehen oder in einem Buch lesen wollen wir das nicht. Wir wollen, dass der Held sich verändert. Der Rückweg und Auferstehung sind die Momente in eurem Buch, in dem ihr dem Leser erklärt, warum der Held nun tatsächlich ein anderer geworden ist. Denkt daran, das nicht nur einfach zu behaupten, sondern an Aktionen, Kämpften, Taten der Heldin zu zeigen, bzw. Dingen, die die Heldin anderen gegenüber äußert oder denkt.

Rückkehr & Anerkennung

RückwegOkay, in der Regel geht es in Filmen und Büchern nicht um eine tatsächliche Reise und die Rückkehr bedeutet daher auch nicht immer, dass der Held irgendwohin zurückgehen muss. Klar, der Hobbit kehrt (kurz) zurück ins Auenland, aber ansonsten ist dies eher symbolisch zu verstehen.
Trotzdem sollte es einen Abschluss geben. Freunde oder Familienmitglieder mit denen man den Erfolg, die Veränderung, Verwandlung feiern kann. Manchmal ist der Held auch tot (Romeo und Julia), aber wir bekommen trotzdem am Ende einen Eindruck von dem zurückgelegten Weg, der von der Gemeinschaft anerkannt und gewertschätzt wird. Egal ob Drama oder Komödie – die Struktur der Heldenreise ist in beiden Fällen anwendbar.

Die Odyssee des Drehbuchschreibens

Vogler hat auch ein Buch über die Reise des Helden geschrieben: Es ist leider – so weit ich weiß – auf Deutsch vergriffen. Vogler nennt es die „Odyssee des Drehbuchschreibers“, denn auch der Buchautor begibt sich auf eine Heldenreise und Odyssee, wenn er ein (Dreh-)Buch schreibt. Will man ein gutes Buch schreiben, ist das gar nicht so einfach, da man beim Schreiben selbst eine Wandlung durchmacht, sich mit seinen Helden transformiert  Seid also auf Abenteuer, innere/äußere Kämpfe und eine Veränderung eingestellt, wenn ihr ein Buchprojekt beginnt.

Dieses Mal gibt es das versprochene Worksheet. Hier habe ich für euch alle 12 Stationen der Heldenreise noch einmal zusammengestellt und Tipps für die Autorin an jeder Station gegeben. Dazu gibt es eine Literaturliste mit Büchern zur Heldenreise. Vielleicht bekommt ihr Voglers Buch ja auch noch Secondhand.

STORIES-8

Als Drehbuchautorin habe ich noch einige andere Methoden kennen (und schätzen) gelernt, mit denen man Struktur und vor allem auch einen Spannungsbogen in seine Geschichte bringen kann. Die werde ich euch natürlich nicht vorenthalten :) In der nächsten Woche beginne ich mit Blogbeiträgen zur Drei-Akte-Struktur.

Versteht alle diese Methoden bitte trotzdem nicht als starre Regeln, sondern wie Werkzeuge, die ihr immer dann anwenden könnt, wenn ihr Hilfe braucht.

Ich freue mich auf euch!

Katrin

#rbpub #redbugwriting

Über das Schreiben

Über das Schreiben #9 Heldenreise – Teil 3

6. Juli 2016
äußerste Prüfung
Die Hälfte des Weges

Wenn ihr mir die letzten Wochen hier gefolgt seid, dann wisst ihr, dass der Held sich jetzt – nach sechs Schritten auf der Heldenreise –  in der Mitte der Reise befindet. Das heißt auch: In der Mitte des Buches/Films/Theaterstückes. Und das ist ein wichtiger Punkt. Der Held ist nun auf dem Höhepunkt seiner Mission. Ich habe mich das oft gefragt, warum es einen Höhepunkt in der Mitte einer Geschichte gibt, denn eigentlich erwarten wir den doch am Ende. Ja, stimmt. Aber in der Sprache der Drehbuchautoren kann es viele Höhepunkte und Tiefpunkte geben, aber nur eine Klimax. Und das, die Klimax, ist der Superhöhepunkt am Ende der Geschichte: die finale Verfolgungsjagd, die Hochzeit, whatever. Andere Höhepunkte sind dem Klimax untergeordnet, wobei der Höhepunkt in der Mitte der Geschichte sicher der wichtigste ist, denn es ist der Moment, in dem der Held sein Ziel erreicht. Aber  – der Reihe nach.

äußerste Prüfung

Die nächsten Schritte auf der Heldenreise (nach Vogler) sind:

7. Annäherung

8. Äußere Prüfung

9. Belohnung

 

Das hört sich richtig gut an, dass man sich seinem Ziel nähert, eine letzte Prüfung besteht und dann belohnt wird. Für den Leser ist es einer der spannensten Teile der Geschichte, für den Autor einer der anspruchsvollsten.

Annäherung

Bei Vogler heißt das auch: „Nun dringt er bis zur tiefsten Höhle, zum gefährlichsten Punkt, vor und trifft dabei auf den Gegner.“ (zitiert nach Wikipedia) Denkt man an Fantasiegeschichten, sieht man das deutlich vor sich. Da sitzt ein Drache in der Höhle, womöglich auf dem Schatz  und muss besiegt werden. Die Annäherung ist spannend, obwohl der Leser natürlich ahnt/hofft/weiß, dass der Drachen besiegt wird. Doch er fragt sich – wie? Welche Verluste muss der Held in Kauf nehmen? Meist verliert er Gefährten, manchmal auch einen Arm. Und wie erzählt mir der Autor das alles? Eine Annäherung ist eine spannende Stelle. Wenn ihr sie schreibt, solltet ihr euch Zeit dafür nehmen. Nichts ist enttäuschender für den Leser, als wenn der Preis ganz einfach und schnell gewonnen wird. Steigert die Spannung, macht es aufregend, lasst den Held nicht so schnell gewinnen. Denn der nächste Schritt heißt:

Äußerste Prüfung

Die äußerste Prüfung ist eine besondere, obwohl der Held auf dem Weg natürlich schon Hindernisse und Gefahren überwunden habt. Aber jetzt, kurz vor dem Ziel, muss er die härteste Prüfung bestehen. Eigentlich nicht zu schaffen. Unmöglich. Legt also Widerstände in den Weg eurer Heldin: Zeitprobleme. Feinde. Magische Schutzwälle. Krankheit, Schwäche, psychische Probleme. Größtes Problem für Autoren an dieser Stelle: Sie sind zu weichherzig mit ihren Protagonisten. Sie wollen ihnen nicht wehtun, sie leiden mit, sie lieben sie zu sehr. Aber was wäre das für ein Held, der die schwerste Prüfung ganz einfach besteht? Kein echter Held. Und was er dann auch nicht verdient hätte –

Die Belohnung

Wer den Drachen oder den mehrköpfigen Hund besiegt hat, bekommt den Schatz. Der Schatz muss natürlich nicht Geld sein. Es kann auch ein Kuss oder eine Freundschaft sein, ein Vergeben oder eine Versprechung. Auf jeden Fall sollte es das sein, was der Held braucht, um sein großes Ziel zu erreichen. Und, ja, ihr habt richtig gelesen: äußerte PrüfungDer Schatz ist nicht das große Ziel. Er ist aber das wichtigste Ziel auf dem Weg zum Finale/Ende/Tranformation und damit eigentlichen Ziel. Viele Geschichten enden an dieser Stelle – also am Höhepunkt – oder anders gesagt: Sie waren nie auf eine größere Tiefe angelegt. Große Geschichten drehen sich ganz grundsätzlich nicht darum, dass der Held oder die Heldin nur ein äußeres Ziel erreichen, also nur den Schatz. Aber die Belohnung ist nicht unwichtig. Denn Taten, die nicht belohnt/ gesehen/gewertschätzt werden, fühlen sich unwichtig an. Nicht nur für uns, auch für die anderen.

Die Reise geht weiter

Zwei Drittel liegen schon hinter dem Helden auf seinem Weg und er tritt die Rückreise an. Von den letzten drei Stationen erzähle ich euch nächste Woche etwas ausführlicher. Dann gibt es auch endlich ein Worksheet, in dem ich euch noch einmal eine Übersicht über alle Stationen erstelle und ihre Funktion zusammenfasse. Und, ach ja, bis heute 24 Uhr könnt ihr auf dem letzten Mittwochs-Blogpost: Heldenreise Teil 3 noch einen Schatz, äh, ein Exemplar von „Lass uns fliegen“ in Print gewinnen. Es ist eine Liebesgeschichte, aber es geht auch sehr viel ums Schreiben und die Heldenreise und die Gewinnchancen stehen bisher sehr gut ;)

Ich freue mich auf euch!

Bis bald

Katrin

#rbpub #redbugwriting

Red Bug Books

Madline Schachta – Für immer vergeben

30. Juni 2016
Madline Schachte "Für immer vergeben"
Für immer vergeben

Madline Schachta bei Red Bug Books Wir begrüßen eine neue Autorin bei Red Bug Books. Willkommen, Madline Schachta! Das E-Book ihrer romantischen Liebesgeschichte „Für immer vergeben“ erscheint heute und wir feiern.

„Für immer vergebenen“ ist Madlins dritte Veröffentlichung und die erste bei Red Bug Books. Wir haben mit ihr über die Liebe zum Schreiben, Bücher die das Leben verändern und die Inspiration zu „Für immer vergeben“ gesprochen.

RBB: Wie bist du zum Schreiben gekommen?

Madline Schachta: Ich schreibe schon seit ich klein bin, aber mit dem Umzug in mein altes Elternhaus kam die Idee zu meinem erste Buch und ich konnte einfach nicht anders als es fertig zu schreiben. Davon bin ich dann nicht mehr losgekommen.

RBB: Was inspiriert dich?

M.S.: Am meisten inspiriert mich Musik. Ich habe zu jedem Buch eine eigene Playlist, die ich beim Schreiben höre. Das hilft mir unheimlich, in die Geschichte zu kommen und neue Ideen kommen von ganz allein. Die Natur ist aber auch eine große Inspiration. Ich wohne direkt am Wald und wenn ich spazieren gehe, tut das meiner Seele gut, und das hilft beim Schreiben und Nachdenken.

RBB: Wann bist du am glücklichsten?

M.S.: Eine gute Frage. Ich würde sagen, wenn die Menschen um mich herum glücklich sind. Es gibt viele Faktoren die einen glücklich machen können, aber haben die Menschen um mich gute Laune und sind gesund, dann geht es einem doch ganz automatisch auch gut. Und wenn ich schreibe. Schreiben fegt den Kopf von allem frei was einen manchmal beschäftigt. Man entflieht seinem Tag und ist in einer völlig neuen Welt, wo manchmal ganz andere Gesetze herrschen als in der eigenen.

RBB: Wie ist dir die Idee zu „Für immer vergeben“ gekommen?

M.S.: In seinem Leben wird man immer mal wieder mit schwierigen Situationen konfrontiert, die man am liebsten vergessen würde. Und da kam mir der Gedanke, was wäre, wenn man sie wirklich vergessen könnte?! Und so war der Grundgedanke geboren.

RBB: Was magst du besonders an Mina, deiner Hauptfigur?

M.S.: Sie ist sehr sensibel, aber auch sehr stark. Ich mag ihre Stärke und die Kraft, die sie im Laufe der Geschichte gewinnt auch wenn man sie ihr zunächst nicht zutrauen mag.

RBB: Wie würdest du sie in drei Worten beschreiben?

M.S.: Stark. Sensibel. Herzlich.

RBB: Das Meer spielt eine große Rolle in „Für immer vergeben“, haben die Orte an denen deine Geschichten spielen, eine besondere Bedeutung für dich?

M.S.: Ich liebe das Meer. Dieses Gefühl, wenn man mit den Füßen im Wasser steht ist unbeschreiblich. Auf der einen Seite fühlt man sich unglaublich klein, aber auf der anderen Seite zeigt es einem auch welche Wunder auf der Welt möglich sind. Diesen Zwiespalt finde ich unglaublich faszinierend.

RBB: Wo schreibst du am liebsten?

Auf dem Sofa. Das Sofa ist meine kleine Insel. Ich höre die richtige Musik, bin im Zentrum der Wohnung und kann mich in meiner Geschichte verlieren, bleibe aber mittendrin.

RBB: Was wünschst du dir für Leser, die „Für immer vergeben“ lesen?

Ich wünsche mir, dass sie für die Zeit des Lesens in Minas Welt eintauchen können, dass sie ihren Alltag vergessen und dass sie die Lektion, die Mina für sich lernt, vielleicht auch für sich selbst anwenden können.

RBB: Wer sind deine Vorbilder?

M.S.: Joanne K. Rowling, denn sie hat mich mehr als jeder andere Autor geprägt. Ich bin mit ihren Büchern aufgewachsen und mindestens einmal im Jahr muss ich die Harry-Potter Reihe lesen. Aber auch Cecilia Ahern hat mich geprägt. Ich liebe diese Mischung aus realer Welt und magischem Einfluss. Der Glaube, dass es in der Welt ein bisschen Magie gibt, macht doch alles viel interessanter.

RBB: Welches Buch hat dein Leben verändert?/ Welches Buch hat dich am meisten geprägt?

M.S.: Ganz klar, Harry Potter und zwar jedes der Bände. Ich warte noch immer auf meinen Brief aus Hogwarts ;-)

RBB: Was für Bücher liest du gerne?

M.S.: Momentan bin ich wieder stark auf Suzan Elisabeth Philipps und ihre Liebesromane fixiert, aber das ändert sich immer wieder. Thriller und Krimi, auch manchmal Horror, lese ich hin und wieder auch sehr gerne wie die von Sebastian Fitzek. Ich bin nicht auf ein bestimmtes Genre fixiert.

RBB: Welches Buch liest du gerade? 

M.S.: Nicholas Sparks – „Wenn du mich siehst“. Allerdings als Hörbuch :-)

RBB: Warum arbeitest du gerne mit Red Bug Books zusammen?

M.S.: Ich muss sagen, ich hatte ein wenig Angst vor der Zusammenarbeit mit einem Verlag. Wie weit werden sie in meine Geschichte eingreifen? Werden sie meinen Schreibstil beibehalten? Wie viele Diskussionen wird es geben? Setzen sie meine Vorstellungen um? Aber all diese Ängste waren unbegründet. In RedBug habe ich einen Partner gefunden, der mich als Autor antreibt, mich inspiriert und verbessert und nicht verändert. Ich habe das Gefühl, im Prozess um „Für immer vergeben“ 10 cm gewachsen zu sein. Ich freue mich schon jetzt auf die nächsten Projekte, denn die Arbeit mit RedBug macht einfach nur Spaß und Spaß und ist mit Abstand das Allerwichtigste am Bücherschreiben.

RBB: Das geht uns auch so :) Hast du Fragen an die Red Bug Community?

M.S.: Mich interessiert natürlich, wie mein Buch ankommen wird, aber auch, welches Genre besonders gerne gelesen und rezensiert wird.

Das sind wir auch. Danke, Madline
Den Print-Book Release von „Für immer vergeben“ feiern wir in der nächsten Woche natürlich mit einem unserer Wohlfühlpäckchen.

 


Madline Schachta Für immer vergeben
Für immer vergeben

Es gibt Dinge, die würde man am liebsten vergessen. Madlines Geschichten gehören nicht dazu.

*Warmherzig, wahrhaftig, magisch*

Nach einer schmerzhaften Trennung will Mina am Meer ein neues Leben beginnen. Dort trifft sie auf Lian. Eine zarte Beziehung beginnt. Als Mina ein magisches Kästchen findet, das ihr beim Vergessen hilft, kann sie nicht widerstehen … Am liebsten möchte sie neu anfangen und alles vergessen. Wirklich alles?

Über das Schreiben

Über das Schreiben #8 Heldenreise – Teil 2

29. Juni 2016
heldenreise

Hallo:) Es war euch ja wohl allen klar, dass es nach der Weigerung nicht zuende ist. Kurz, dass sich Helden nicht weigern, natürlich nicht. Sie treten die Reise an! Heute werde ich also drei weitere Stationen der Heldenreise erklären, wobei ich erneut darauf hinweisen möchte, dass mein Wissen auf Campell und Vogler zurückgeht. Der eine hat die Heldenreisestrukturen von Mythen untersucht, der andere diese Struktur fürs Drehbuchschreiben anwendbar gemacht.

Nächste Stationen der Heldenreise

4. Begegnung mit dem Mentor/Mentorin

5. Überschreiten der ersten Schwelle

6. Prüfungen, Verbündete, Feinde.

Wer mit der 3-Akte-Struktur mehr anfangen kann, über die ich hier sicher auch noch bloggen werde, der Hinweis: Ab Punkt vier auf der Liste der Zwölf Stationen der Heldenreise befinden wir uns schon im 2. Akt einer Geschichte. Der 2. Akt nimmt ungefähr die Hälfte eines Drehbuchs/Films ein. Bei Büchern ist das meist genauso. Hier nun in drei Schirtten die erste Hälfte des 2. Aktes.

Begegnung mit dem Mentor/der Mentorin

HeldenreiseHelden und Heldinnen sind meist jung und unerfahren. Zumindest ist ihre Persönlichkeit noch nicht voll entwickelt, was auch bei Älteren manchmal vorkommen kann. Der Grund ist klar: Bei der Heldenreise geht es nie nur um eine äußere Mission, sondern auch um eine innere Entwicklung. Ein Held will wachsen. Stärker, reifer, weiser werden. Manchmal einfach nur er-wachsen.

Die Weisheit des Mentors

Ein Mentor ist in allen Heldengeschichten jemand, der diese Weisheit schon erlangt hat. Oder zumindest in einigen Punkten einen Wissens- oder Weisheitsvorsprung vor der Heldin hat. Wenn der Held/Hobbit, zögert, ob er sich auf den Weg machen soll, dann kommt Gandalf und erklärt ihm die Wichtigkeit der Mission. Wenn die Heldin in einer Liebesgeschichte nicht weiß, ob sie sich auf den attraktiven Badboy einlassen soll, dann gibt es oft eine Oma, eine Freundin oder einfach nur die Nachbarin, die unterstützenden Rat gibt. Mentoren sind auch für den Leser wichtig, weil sie dem Leser die höhere Perspektive auf die Handlung gestatten. Sie sagen sehr oft in Klartext: „Geh los und … rette/vernichte/liebe/, denn die Heldin steckt in der Verweigerung fest und hat gerade den Überblick verloren.

Überschreiten der ersten Schwelle

Und dann bricht die Heldin auf und alle, inklusive des Mentors atmen auf. Manchmal verabschiedet der Mentor sich sogar genau in dem Moment in dem der Held aufbrechen muss. Denkt an die Spiderman-Filme der 2000er Onkel Ben sagt Peter/Spiderman, sein Leitmotiv – Aus großer Kraft erwächst große Verantwortung – und stirbt. Seine Mission ist erfüllt. Die erste Schwelle hört sich großartiger an, als sie ist. Es ist vor allem ein Entschluss. Ich werde gehen/kämpfen/aufbrechen/lieben/vergessen. Es geht los!

Prüfungen, Feinde

Es wäre ja nun recht einfach und eine ziemlich schnell erzählte Geschichte, wenn es nun ganz einfach weitergehen würde. Natürlich nicht! Wir, die wir hier auf der Erde leben, wissen es ja. Es ist – alles – nicht so einfach. Prüfungen sind in diesem Zusammenhang natürlich keine Klausuren, die man ablegt oder Fleisskärtchen, die man erwirbt. Prüfungen sind all die Dinge, die tricky sind, weil wir nicht wissen, wie wir sie bewältigen sollen. Rätsel, Fragen, körperliche Herausforderungen. Damit wird die Stärke des Helden geprüft, seine Intelligenz, seine Geschicklichkeit, sein Charakter. Je nach Story sind es mehr äußere Prüfungen: Schwertkämpfe oder Kriege oder innere: Moralische Stärke, Loyalität, Mut, die sich dann aber auch in äußeren Handlungen ausdrücken müssen.

Verbündete

Meist ist der Held in diesen Abenteuern nicht allein. Er hat einen Freund oder eine Freundin an seiner Seite. Einen Verbündeten. Wer sein gewohntes Terrain verlässt, muss oft feststellen, dass er alte Freunde verliert. Auf der Heldenreise wird er neue treffen. Manchmal werden die alten Freunde zu Feinden. Wie nach einer Trennung, wenn der alte Partnern die Entwicklung hintertreibt oder aufhalten will. Aber natürlich gibt es auch neue Feinde, die der Heldin sagen: Hier ist mein Gebiet, das ist meine Stadt, mein Freund, meine Clique, such Dir einen anderen Platz. Und, nein, der Held wird nicht zurückweichen und sagen: Okay, dann gehe ich eben woanders hin. Denn er hat ein Ziel. Und alle Menschen oder Wesen, die ihm von seinem Ziel abhalten, sind mehr oder weniger Feinde.

Die Reise

An diesem Punkt seid ihr schon mitten im Buch, in eurer Geschichte, in der Handlung. Bis hierhin haben die meisten Autoren meist wenig Probleme mit ihrer Story. Der härteste Part kommt also noch – nächste Woche. Eigentlich wollten wir noch ein Worksheet für euch ausarbeiten, aber da es morgen eine Neuerscheinung bei Red Bug Books gibt, sind alle gerade sehr beschäftigt.

SchwelleIch dachte mir also, ich verlose noch ein Print-Exemplar von „Lass uns fliegen“. Da das Schreiben und die Heldenreise in diesem Buch eine große Rolle spielen, passt das perfekt.

Wer es gewinnen möchte, sollte unserem Newsletter folgen und bis zum 6. Juli 2016 um 24 Uhr unter diesem Post kommentieren. Eine Frage habe ich auch: Habt ihr einen Mentor in eurem Leben? Jemand, der euch berät, Rat gibt, unterstützt?

„Lass uns fliegen“ geht an – Nicole Riekeberg. Bitte schick eine Postadresse an mail@redbug-books.com

Bis zur nächsten Woche & eine schöne Zeit

Katrin

#rbpub #redbugwriting

Über das Schreiben

Über das Schreiben #7 Heldenreise – Teil 1

22. Juni 2016
beitragsbild.character.grün

Ich mag von allen Modellen der Heldenreise – abgesehen von dem Klassiker nach Joseph Campbell – die Heldenreise nach Christopher Vogler am liebsten, die auf Campbells Modell basiert. Er hat sein Modell als Anweisung für Drehbuchautoren entwickelt, aber auch für Romanautoren kann es sehr hilfreich sein. Auf seiner Heldenreise gibt es 12 Schritte und heute stelle ich euch die ersten drei, also den Anfang vor.

  1. Gewöhnliche Welt
  2. Berufung
  3. Weigerung
Heldenreise – Erste Schritte

Niemand bricht aus seiner gewöhnlichen Welt auf, sofern er nicht ein Ziel hat, ein Problem lösen muss, oder es einen bestimmten Anlass hat. Das ist die erste These der Heldenreise. Heldenreisen interessieren alle Menschen, das ist auch der Grund, weshalb so wenige Bücher über Menschen geschrieben werden, die täglich zur Arbeit gehen und abends wieder nach Hause zurückkehren. Einfach zu langweilig. Ein Held ist jemand, der etwas erlebt, oder besser gesagt überlebt. Ein Abenteuer, eine Reise, eine Erfahrung. Klar, das kann auch eine Krankheit sein oder eine extreme Situation, es kann sogar eine Reise in den Tod sein, wenn sein Ziel Frieden ist, ewige Ruhe. Aber der erste Schritt ist eigentlich noch kein Schritt, sondern ein Zustand, aus dem der Held oder die Heldin aufbricht.

Gewöhnliche Welt

Die gewöhnliche Welt muss nicht in unserem Sinne gewöhnlich sein. Mein Lieblingsbeispiel – Harry Potter – zeigt das ganz wunderbar. Es ist ja wohl nicht gewöhnlich, dass ein Junge bei seinem Onkel und seiner Tante unter der Treppe wohnt und zaubern kann. Aber es ist die Welt, von der aus er zu seinem Abenteuer aufbricht. Wäre er am Anfang der Geschichte schon in seiner Zaubererschule Hogwarth, dann fänden wir das wahrscheinlich nicht so spannend. Okay, er ist ein Zauberer auf einer Schule – was noch? Wir wollen einen Helden losgehen sehen. Aufbrechen. Aufgescheucht werden. Wir wollen sehen, wie seine normale Welt ist, und erleben, wie es aussieht, wenn ihm hunderte von Briefen durch den Briefschlitz entgegenflattern. Komm nach Hogwarts!

Berufung

Und schon sind wir beim zweiten Schritt. Der Held bekommt eine Botschaft, eine Aufforderung, eine Einladung, ein Ziel, seine gewöhnliche Welt zu verlassen. Und es ist vollkommen klar, dass dieses Ziel und seine gewöhnliche Welt nur sehr schlecht zusammenpassen. Bei Liebesgeschichten trifft SIE auf IHN, oder Er auf SIE, bei Krimis gibt es eine Leiche für den Kommissar, bei Thrillern eine dunkle Bedrohung, bei Abenteuerromanen eine Aufgabe. Alles bedeutet das Gleiche: Es ist vorbei mit dem Alltag, es passiert etwas Neues, was das Alte durcheinanderbringt. Und jetzt wird es spannend! Wie wird der Held, der ja eigentlich noch keiner ist, da er die Aufgabe noch vor sich hat, mit dieser Aufforderung umgehen?

Weigerung

heldenreiseLaut Heldengeschichte sagt die Heldin erstmal: NEIN. Wir würden das vermtlich auch tun. Mein Leben ist okay, ich brauche das nicht, wieso soll ich die Welt retten, ich  habe den Abwasch noch nicht gemacht und meine Haare sind auch nicht geföhnt. Tja,  das ist menschlich und daher ist diese erste Weigerung schon Teil der Heldenreise. Wer würde sagen: Ja, klar, auf ins Abenteuer? Die meisten wohl nicht. Wir empfinden tiefes Mitgefühl, wenn Menschen aufgefordert werden, ihr ganzes Leben auf den Kopf zu stellen und erstmal NEIN sagen. Ihr kennt das auch aus Liebesgeschichten. Wäre ja langeweilig, wenn beide sich sofort in den Armen liegen würden, daher sträubt sich immer einer von beiden.

Timing

Wenn ihr euch fragt, wie ihr eure Geschichte beginnen könnt, dann ist dieses Muster eine gute Orientierung. Zeigt und beschreibt die normale Welt, lasst etwas Ungewöhnliches geschehen, eine Begegnung, eine Diagnose und dann zeigt den Helden oder die Heldin, die sich verweigert. Der Leser wird sich jetzt fragen, wie oder was den Helden dann doch dazu verführen könnte, die Herausforderung anzunehmen. Ob ihr euch jetzt auf Seite zwei, drei oder dreißig befindet, hängt davon ab, wie lang eure gesamte Geschichte ist. Es macht wenig Spaß, wenn die gewöhnliche Welt am Anfang zu lange beschrieben wird, weil, hey, die muss die Heldin schließlich verlassen. Ebenso sehr nervt es, wenn der Held sich ewig lang weigert. Nun geh schon, denkt dann der Leser und legt das Buch vielleicht für immer beiseite. Timing ist also wichtig.

Das Spiel mit der Struktur

Ich weiß, dass sich das Muster Heldenreise in der Theorie immer ganz toll anhört, aber beim Schreiben dann doch nicht so leicht umzusetzen ist. Vielleicht will man das ja auch gar nicht so starr einer Struktur folgen. Großartig, weg damit! Ich habe allerdings sehr oft erlebt, dass es immer wieder gut ist, sich diese archaische Grundstruktur ins Gedächtnis zu rufen, wenn man so überhaupt nicht weiß, wie man mit einer Geschichte beginnen soll. Alle extrem erfolgreichen Bücher folgen übrigens diesem Schema. Ihr müsst nur an euer Regal gehen und euer Lieblingsabenteuerbuch oder Fantasybuch oder Liebesroman herausnehmen und die ersten Seiten mal auf das Muster überprüfen. Jep. Told you so.

Yeah, ihr habt jetzt die ersten Schritte der Heldenreise kennengelernt. Solltet ihr nun denken: Das ist nichts für mich, dann denkt daran, dass eine Weigerung zu diesem Zeitpunkt ganz normal ist. Es heißt nicht, dass ihr nächste Woche nicht wieder zu diesem Blog zurückkehrt. Ihr weigert euch zwar, werdet aber einsehen, dass ihr das Abenteuer Schreiben einfach zu großartig ist, um nicht jedes Hilfsmittel mit auf die Reise zu nehmen, das ich euch anbiete. Und, ja, ich grinse hier still vor mich hin.

Nun, schauen wir mal. Ich freue mich mit allen, die bereit dafür sind, in der nächsten Woche auf die nächsten drei Schritte.

Bis dahin – frohes Verweigern ;)

Katrin

#rbpub #redbugwriting

Red Bug Books

Etain – Der verlorene Prinz & Give away

17. Juni 2016
etain
Etain – Band 1  Der verlorene Prinz

Henriette NeblingStell dir vor, es gibt eine Welt außerhalb deiner Welt.
Stell dir vor, es gibt einen Teil von dir, der in diese Welt gehört.
Stell dir vor, du bist Teil einer Geschichte, die nur mit deiner Hilfe weitererzählt werden kann.

Etain ist neunzehn Jahre alt, besucht die Universität und lebt in einer gemütlichen Dachwohnung in Frankfurt am Main. Ein ganz normales Mädchen, in einer ganz normalen Welt.
Doch wer ist der Fremde junge Mann, der ihr zur Hilfe eilt, als sie im Schnee verunglückt? Und was hat es mit dem attraktiven Finn auf sich, der behauptet ein Elb zu sein und behauptet, auch Etain wäre eine Halbelbin?
Etain spürt, wie die Grenzen ihrer Welt verschwimmen und hinter ihrer normalen Welt ein Lebens voller Abenteuer wartet.

Ab heute ist das Portal nach Awelon geöffnet! Der erste Band der Schwanenherz-Trilogie von Henriette Neblig ist da. Zur Feier des Tages verschenken wir ein wundervolles Buchpäckchen, damit du alles hast, was man für eine Reise ins Elbenreich braucht.

Das Buch in diesem Paket ist eines von 15 limitierten Sonderexemplaren ohne Titelzug. Sollten diese Bücher später einmal einen hohen Sammlerwert haben – tja, dann hast du doppeltes Glück, falls Du dieses Päckchen gewinnst.

Etain

Damit Du gewinnen kannst, solltest du unserem RBC Blog-Newsletter folgen, hier bis zum

1. Juli 2016 um 12 Uhr Mittag

GewinnerIn gelost: Lucky

kann sich freuen, denn wir haben sie aus dem Lostopf gezogen. Bitte schick uns eine Postadresse an mail@redbug-books.com.

kommentieren und uns sagen, ob Du weißt, wie Feen sich von Elben unterscheiden? Oder sind sie etwa das Gleiche? Gewinnen kannst du natürlich auch, ohne es zu wissen.

Wenn du es kaum erwarten kannst, aufzubrechen, haben wir hier den Beginn deiner Reise. Deine ganz eigene Leseprobe von Etain – Der verlorene Prinz. 

Außerdem laden wir Dich zu einer Leserunde bei Lovelybooks ein. Auch hier werden 10 Rezensionsexemplare der Sonderedition vergeben.

Henriette_Portaits RBBHenriette nimmt an der Leserunde teil. Das wird sicher spannend, da sie uns manchmal selber an eine Elbin erinnert, die mit ihren Buchcharakteren ganz eng verbunden ist.

Wenn Du sie besser kennenlernen willst, dann lies das Interview, das wir mit ihr gemacht haben. Du findest es hier.

Etain: Der verlorene Prinz  als E-Book für 3,99 Euro bei AMAZON, und für 14,98 Euro in PrintiBook-Store, Thalia

Über das Schreiben

Über das Schreiben #6 Heldenreise – Intro

15. Juni 2016
heldenreise
Die Heldenreise im Film

Ich liebe Bücher und Theorien über Filmdramaturgie. Eine dieser Theorien ist die Heldenreise. Sie geht davon aus, dass alle Geschichten einer bestimmten archaischen Grundstruktur folgen. James Joyce hat sie auch als Monomythos bezeichnet. Anders gesagt: Wir Menschen haben das Bedürfnis nach einer bestimmten Grundstruktur, wenn wir Filme ansehen oder Bücher lesen. Wir brauchen zum Beispiel einen Helden oder eine Heldin. Und wir wollen genau wissen, in welcher Zeit, dieser Held was für ein Problem oder was für eine Aufgabe zu lösen hat.

HeldenreiseHeld

Wenn uns nicht klar ist, wer der Held oder die Heldin im Film ist, eine Person, um die sich der Film dreht (meinetwegen auch ein Tier oder eine Tierart), dann fehlt uns ein Orientierungspunkt. Vermutlich liegt es daran, dass wir uns gerne mit jemanden identifizieren. Dafür muss uns dieser Held sympathisch sein, denn wir wollen mit dem Held oder der Heldin mitfühlen.

Motivation/Konflikt

Hier ist der Held. Er liegt in seiner Hängematte und ist superzufrieden. Oder hier ist die Heldin, sie geht jeden Tag zur Arbeit und kommt abends müde zurück. Habt ihr Lust diese Filme anzusehen? Nein. Wenn es keinen Grund – also ein Problem oder einen Konflikt – gibt, dann braucht man die Geschichte nicht zu erzählen. Und wenn am Anfang des Films keine Frage oder eine Art Aufgabe für den Helden oder eine Gruppe von Held(inn)en gibt, dann fällt es uns schwer, uns auf den Film zu konzentrieren. Worum ging es denn überhaupt?, fragen wir anschließend.

Zeit

Ich denke, wir wären ziemlich genervt, wenn wir ins Kino gehen würden und statt plus minus 90 Minuten einen 5 stündigen Film oder auch nur halbstündigen Film sehen würden. 90 Minuten ist eine ziemlich gute Zeiteinheit. Zwei mal 45 Minuten, auch für Schulstunden. Man hat festgestellt, dass nach 45 Minuten die Aufmerksamkeit von Menschen stark absinkt. Im Film ist das daher ein Moment, in dem die Handlung einen Höhepunkt erreicht. So werden wir noch einmal wachgerüttelt und auf den zweiten teil  des Films vorbereitet.

Drehbuch und Roman

Wir erwarten, dass der Drehbuchautor uns seine Geschichte so deutlich wie möglichst erklärt, damit wir der Handlung entspannt folgen können. Er ist daher enorm wichtig für einen guten Film. Der Filmregisseur Billy Wilder hat gesagt:

Ein guter Film benötigt drei Dinge: Erstens ein gutes Drehbuch, zweitens ein gutes Drehbuch und drittens ein gutes Drehbuch.

Ich habe einige Jahre in der Filmbranche als Drehbuchautorin gearbeitet und dabei sehr viel über die Dramaturgie von Drehbüchern gelernt. Da man für einen Film sehr viel Geld ausgibt, wird sehr lange an einem Drehbuch gearbeitet und man achtet sehr genau drauf, dem Zuschauern eine mitreißende Geschichte zu erzählen. Egal ob Liebesgeschichte oder Thriller. Manchmal hat es mich gestört, dass es beim Drehbuchschreiben so viele Regeln gibt. Aber ich habe sehr schnell gemerkt, dass noch genug Freiräume und Aufgaben für die Autorin übrig bleiben.

Die Stationen der Heldenreise

Wie ist nun also diese monomythische Struktur? Wie funktioniert die Heldenreise genau? Es gibt eine ganze Reihe von Autoren, die versucht haben, die Heldenreise in eine Abfolge von Stationen zu gliedern. Der Großvater all dieser Ideen ist der amerikanische Mythenforscher Joseph Campbell, der sich intensiv mit Mythen beschäftigt hat. Seine Forschungen wurden Grundlage für zahlreiche Bücher über die Heldenreise. Ich finde das Thema so spannend, dass ich es in mein Buch „Lass uns fliegen“ eingebaut habe. Meine Helden, Vincent und Paulina, lernen die Heldenreise in ihrer Schreibwerkstatt kennen. Alles, was sie dort lernen, ist – ähnlich wie ein Kochrezept – auch für euch anwendbar ;) Da ich weiß, dass man die Heldenreise am besten in kleinen Schritten lernt (auch das Lernen der Heldenreise ist eine Reise …) werde ich euch die einzelnen Stationen nach und nach hier auf dem Blog erläutern. Dazu wird es auch ein Worksheet geben, so dass ihr die einzelnen Schritte trainieren könnt, und am Ende gibt es dann noch eine Liste mit vertiefender Literatur.

Wer mit auf diese Heldenreise kommen möchte (angehende Autoren vor), auf den oder die freue ich mich in der nächsten Woche.

Bis dahin eine gute Zeit!

Katrin

#rbpub #redbugwirting