Martin Luther 2017

Martin Luther #25 Angst vor dem Scheitern

22. Juni 2017
Martin Luther #25 Angst vor dem Scheitern
Trial and Error oder: Gott ist eine Insel

Ich habe neulich einen TED Talk gesehen, der sich mit der Frage beschäftigte: Warum werde ich nicht besser in Dingen, die mir am Herzen liegen?

Der Autor oder Sprecher meinte damit ganz einfach, was ist der Grund dafür, dass es Dinge gibt, die wir Tag ein Tag aus praktizieren und in denen wir trotzdem nicht zum Meister werden. Nehmen wir mal an, es geht ums Kochen. Jeder von uns kocht. Manche hin und wieder, andere jeden Tag wieder, andere so gut wie gar nicht. Aber jeder kocht. Und isst. Jeden Tag. Wieso ist es trotzdem so, dass die wenigstens von uns Meisterköche oder Stargourmets sind? Ganz einfach deshalb, weil es den meisten von uns gar nicht daran gelegen ist. Das ist einfach zu verstehen und gut nachvollziehbar. Aber wie sieht es aus bei Dingen, die uns wirklich wichtig sind? Sagen wir mal, dein Beruf, deine Beziehung, deine Elternschaft oder sportlichen Ambitionen? Warum stagnieren viele von uns in Bereichen, in denen man sich Tag für Tag anstrengt, gute und vorzeigbare Leistungen zu erbringen.

Denn das ist, den Statistiken zufolge, die Eduardo Briceño zur Beantwortung seiner Frage ausgewertet hat, so. Wir stagnieren. Im Beruf. Oder in der Liebe, oder in sonst irgendwelchen leidenschaftlichen Unterfangen.

Und der Grund dafür ist ein alter Freund. Einer, dem man am liebsten die Tür vor der Nase wieder zuschlägt, wenn er gerade erst geklingelt hat. Ja, manchmal sehen wir ihn schon durch den Spion und machen gar nicht erst auf. Der Nichtsnutz grinst dann nur, und macht es sich auf der Fußmatte bequem. Und eh man sichs versieht, jagt er einen im Affentempo durch die Rosenbeete.

Ja es ist unser leidiger Bekannter:

Die Angst vor dem Scheitern.

Düdüdüdööng.

Jetzt sagt man vielleicht, na, aber die Angst vor dem Scheitern ist doch eine gute Sache. (Schenkt ihr etwas Tee nach, beäugt misstrauisch die Kekse die sie mitgebracht hat.) Ich komme mit meiner Angst gut klar, sie sitzt da und starrt mich … an .. und ich habe den Eindruck, dass ist eine ganz gute Sache. Oder?

Fakt ist, die Angst ist da, um uns zu schützen. Vor dummen Fehlern, vermeidbarem Danebentreten, unzuverlässigem Rumgespinne. Sie sagt Konzentrier dich! Hier gehts um dein Leben!

Und das, so gibt auch Eduardo Briceño zu, ist eine gute Sache.

Aber eben nur manchmal.

Denn Eduardo Briceño zufolge können wir unser Leben in zwei, sich ständig wiederholende und einander stetig ablösende Phasen unterteilen.

Die PERFORMANCE Phase Und die LERN Phase.

In der Performancephase dreht sich, wie ihr Name schon selbstbewusst bezeugt, alles darum Leistungen zu erbringen. Eine hohe Punktzahl zu erreichen, die richtigen Worte zu finden, geschmeidig, mühelos und effizient durchs Leben zu gleiten. Kein Wischi Waschi, nur absolute Konzentration darauf, Fehler zu vermeiden. Und somit Erfolg zu haben.

Die zweite Phase nennt Eduardo Briceño die Lernphase. Sie klingt schon beim ersten hören etwas softer. Freundlicher. Aber auch irgendwie unbestimmt. Lernphase – also Vokabeln büffeln, oder was?

Nicht nur. Die Lernphase ist die Phase, in der wir nicht nur unsere Leistungen auswerten und analysieren, sondern auch experimentieren. Spielen. Ausprobieren.

Denn nichts ist wichtiger als das Testen von Ideen, um in einer Sache besser zu werden.

Und dafür ist es wichtig, furchtlos zu sein. Dafür, ist es wichtig, sagt Eduardo Briceño, sich sicher zu fühlen. Das Risiko auf ein Minimum zu schrauben und sich frei zu fühlen, danebenzutreten.

Und das ist etwas, was uns die Performance Phase nicht geben kann. Nicht geben soll. Sie hat ihre absolute Berechtigung un ihren unbestrittenen Nutzen auf unserem Weg zum Erfolg.

80/20

Das einzige Problem ist, dass viele von uns, und dazu zähle ich mich selbst, ununterbrochen in der Performance Phase leben. Unablässig darauf abzielen, keinen einzigen Fehler zu machen. Absolute Sicherheit und Präzision an den Tag zu legen. Ein Chirurg, der das Messer anlegt, soll schließlich nicht eine Sekunde lang darüber nachdenken: Was wenn ich den Schnitt heute mal … woanders setze? Nein, nein, nein.

Aber auch ein selbsterklärter Lebenschirurg muss irgendwann üben. Muss irgendwann lernen, was es bedeutet ein Chirurg zu sein. Muss hier und da ein paar falsche Schnitte setzen (hoffentlich an dafür präparierten Lernbeispielen) und sich dann der Konsequenzen (hoffentlich so gut wie keine) bewusst werden.

Ununterbrochen im Performancemodus zu leben, heißt, die Angst vor dem Scheitern sitzt an deiner Bettkante, beobachtet dich beim Schlafen, öffnet deine Post und trinkt deinen Tee alle. Ohne Miete zu bezahlen. Sie regiert dein Leben. Und du versuchst, es ihr recht zu machen. Versucht sie zu ignorieren. Versuchst, dich auf dem Weg ins Bad an ihr vorbeizuquetschen, versucht davon abzusehen, dass sie all deine Sender auf der Fernbedienung anders eingestellt hat.

Versuchst, immer alles richtig zu machen.

Und stagnierst. Weil du auf dem Weg zur Arbeit immer den gleichen Weg fährst. Weil du weißt, was du kannst und das gewissenhaft erledigst. Weil du keine Ahnung hast, was passieren würde, wenn du einen Fehler machst. Weil du versessen darauf bist, es niemals rauszufinden.

Bei all der Anstrengung ist es, so erklärt Eduardo Briceño, optimal, so gut wie 80 Prozent seiner Zeit in der LERNPHASE zu verbringen. 80 Prozent!  Das heißt, es bleiben noch läppische 20 Prozent in denen es darum geht, Fehler zu vermeiden. Das ist so gut wie gar nichts! Wie soll das gehen?

In dem man Inseln schafft, sagt Eduardo Briceño.

Inseln im weiten Meer von Erwartungen.

Inseln auf denen man mal testet, ob man Talent zum Singen hat. Oder übt, sich bei jemandem zu entschuldigen. Inseln, auf denen man eine Sache ausprobiert und wenn die nicht klappt, eine andere Sache ausprobiert. Und wenn die nicht klappt, eine andere Sache ausprobiert, und wenn die nicht klappt … solange, bis man’s drauf hat. Bis man ein stählerner Gladiator in schimmernder Rüstung ist, der mit wehenden Fahnen in die Performance Phase eintritt. Mit neuen Ideen, mit neuen Erkenntnissen und mit einem neuem Verständnis.

So und nicht anders wird man besser in etwas.

Trial and Error. Und wenn dein Kopf jetzt nach hinten auf die Sofalehne klappt, und du dir denkst, dafür hab ich mich durch den ganzen Beitrag durchgelesen, um die Stimme meiner Großmutter in meinem Kopf zu hören, die sagt, probier es doch einfach, was soll schon passieren …!

Dann kannst du ihn ja ein bisschen daliegen lassen und das gute Gefühl in dich einströmen lassen, dass du gerade alles richtig gemacht hast. Du hast dich auf etwas eingelassen, selbst wenn es nur ein Blogbeitrag ist, von dem du nicht wusstest, ob es dich weiterbringt. Von dem du gehofft hast, dass es dir Spaß macht ihn zu lesen. Von dem du dich einfach überraschen lassen wolltest. Und, dass du etwas herausgefunden hast! Selbst wenn es nur eine ganz kleine Sache ist. Über dich selbst.

Und was hat das mit Luther zu tun?

Wovor hast du am meisten Angst? Was ist es, was das Scheitern so gefährlich macht?

Für Luther war das die Hölle. Die Vorstellung, dass deine Fehler nicht nur registriert, sondern auch bestraft werden. Das ultimative Wissen darum, dass das Leben eine Performance ist. In der du dich richtig zu verhalten hast. Und in der du dich fürchtest. Vor dir selbst und deinen Fehlern.

Und gerade dieser Angst ist Luther ins Gesicht gesprungen, wenn er gesagt hat; ich suche einen gerechten Gott. Denn, wie sollen wir besser werden, bessere Menschen werden, wenn wir nicht lernen können gut zu sein? Wenn Gott für uns nichts anderes ist, als die Angst zu scheitern.

Wenn Eduardo Briceño sagt, das Leben braucht Inseln zum Lernen. Dann war Luthers Insel – Gott.

Und die Angst tunkt grinsend ihren Keks in den Tee.

Starke Charaktere

Starke Charaktere #1 Das Ensemble

21. Juni 2017
Starke Charaktere – Das Ensemble

Ich freue mich riesig auf diese Blogreihe. Denn was wäre eine gute Geschichte ohne Protagonisten? Ohne starke Charaktere? Ohne das ganze Ensemble von Charakteren: Ohne eine Heldin, einen Antagonisten, Mentoren, den Joker? Äh, was? Ja, ups, hier merkt man wieder, dass ich vieles über das Schreiben beim Film und beim Drehbuchschreiben gelernt habe. Für mich muss eine Geschichte wie ein Film vor meinen Augen ablaufen und genauso schreibe sie auch. Aber auch, wenn ihr das Schreiben lieber etwas intellektueller angeht, können die Tricks der Drehbuchautoren euch sehr helfen.

Ich habe schon einmal ganz grundsätzlich über starke Charaktere (+ Worksheet) gebloggt, in dieser Blogreihe wird es nun ganz speziell um einzelne Charaktertypen gehen und natürlich darum, wie ihr sie erschafft. Heute geht es zuerst einmal um das Ensemble, also die Gruppe aller Charaktere.

Denn für jede Geschichte ist es enorm wichtig, nicht nur die richtigen Charaktere zu erschaffen, sondern sie auch aufeinander abzustimmen. Sie müssen so perfekt zusammen passen und funktionieren – wie ein gutes Orchester. Ihr habt nichts von einem tollen Helden oder Heldin, wenn sie nicht durch eine Gruppe unterstützt oder getragen wird.

Geschichten sind sozial

In Geschichten werden Interaktionen von Menschen erzählt. Wer, macht mit wem, was? Und damit die Geschichte spannend wird, sollten diese Menschen verschieden sein. Ich finde ganz oft auf Schreibseiten Hinweise, wie man einen Protagonisten erschaffft: Denkt euch das Äußere aus, die Eigenschaften, die Herkunft, Vergangenheit und so weiter. Schön und gut, aber irgendwie auch klar, oder? Und dann haben wir uns lauter Charaktere ausgedacht und stellen fest, dass sie nicht – automatisch – zusammenpassen.

Genau daher ist mir wichtig, am Anfang klar zu machen, dass ihr eine gut zusammenpassende Gruppe von Charakteren erschaffen müsst. Ich nenne sie Ensemble. Also so, wie ich eine Orchester- oder eine Theatergruppe nennen würde. Weil diese Gruppen ähnlich funktionieren wie die Protgonistengruppe in einem Buch/Roman einer Geschichte. Denn auch in einem Orchester braucht man verschiedene Instrumente/verschiedene Musiker, um den großen, den BIG Sound zu erzeugen. Okay, es mag auch Geschichten geben, die mit wenigen Charakteren auskommen. Sozusagen ein Quartett, ein Kammerspiel, aber auch ein Quartett besteht aus verschiedenen Stimmen oder Instrumenten. Hohe Klänge, tiefe Klänge. Ich denke, ihr versteht schon.

Klangfarben

In jeder Geschichte gibt es verschiedene „Rollen“ zu besetzen. Manche sind absolut wichtig für eure Geschichte, nicht wegzudenken wie der Held oder die Heldin. Andere Rollen könnt ihr, müsst ihr aber nicht besetzen. Im Drehbuchschreiben geht man davon aus, dass es eine Art Grundbesetzung von Rollen gibt, die eine Geschichte braucht. Denkt an ein Kasperle-Theater: Kasper – logisch. Gretel? Klar. Seppel? Ja. Krokodil? Nur falls es den Teufel oder Räuber nicht gibt. Also irgendeinen Bösen. Polizist? Hm. Irgendwie nicht so wichtig. Großmutter? Gerne. Oder einen anderen weisen Charakter.

Dynamik

Wenn man verschiedene Rollen in einem Film besetzt, dann um eine bestimmte Dynamik, also Bewegung zwischen den einzelnen Charakteren zu erzeugen. Ein Film über eine Gruppe von netten, freundlichen Menschen, die sich immer zustimmen – und Langeweile ist garantiert. Spannung und Tiefe erzeugt ihr mit unterschiedlichen Charakteren.

Welche Rollen sind auf jeden Fall wichtig?

  • Der Held/die Heldin: Sie steht im Mittelpunkt eurer Geschichte und macht die größte Wandlung durch.
  • Der Antagonist/die Antagonisten: Also der Feind. Er fordert den Helden heraus, ist der Konkurrent, Gegner, der BÖSE.
  • Der Mentor/die Mentorin: Auf dem Weg der Erkenntnis braucht die Heldin einen Lehrer. Jemand, der sich auskennt und manchmal hilft, auf den rechten Weg zu kommen. Manchmal ganz wortwörtlich.
  • Der Joker: Der Hofnarr. Seppel. Ron (in Harry Potter). Die Figur, die etwas Leichtigkeit in das Spiel bringt, die komische Seite der Geschichte zeigt. Selber witzig ist und dem Helden auch etwas von seiner tragischen Größe nimmt. Natürlich kann sie auch weiblich sind.
Heldenreise

Auch in der Heldenreise, die eine Form der dramatischen Gliederung für eure Geschichte ist,  gibt immer wiederkehrende Figuren. C.G. Jung nannte sie Archteypen. In seiner Vorstellung sind diese Archetyen die nach außen gekehrte Eigenschaften des Helden, die er in sich zurückintegrieren muss, um eine stärkere und größere Persönlichkeit zu werden. Ich finde, J. K. Rowling hat das ganz wunderbar bei Harry Potter erzählt, der ja einen Zauberstab hat, der aus dem gleichen Material wie der von Voldemort gemacht ist. Oder seinen Horkrux in sich trägt. Kurz: Harry muss „das Böse“, also Voldemort, besiegen, aber auch in sich integrieren. Nach diesem Kampf ist Harry ein anderer neuer, größerer stärkerer Mensch. Er weiß, dass das Böse – grundsätzlich – auch in ihm ist, aber er kann nach dem Sieg damit umgehen. Es sind im einzelnen:

• Held
• Mentor
• Schwellenhüter (jemand, der den Helden an bestimmten Stellen von seinem Ziel abhält. Das kann auch schlechtes Wetter oder ein Berg sein.)
• Herold (der Verkünder, manchmal ein vermittler zwischen zwei Welten. er kann böse, gut oder neutral sein).
• Gestaltwandler (der den Helden in die Irre führt, täuscht)
• Schatten = der Antagonist, der Gegener, Feind, Darth Vader, Voldemort …
• Trickster = der Joker

Die Archetypen müssen übrigens nicht unbedingt Menschen sein.

Die Gruppestarke Charaktere

Wenn ihr euch eine Geschichte ausdenkt und über Charaktere nachdenkt, dann denkt sie immer als Teil einer Gruppe oder eines Ensembles. Natürlich könnt ihr Rollen doppelt besetzen, aber irgendwie macht es nicht besonders viel Sinn. Wenn sich in Twilight gleich mehrere Männer in Bella verlieben, dann ist das zwar sehr schmeichelhaft für Bella, aber für die Geschichte im Grunde unwichtig. Sogar ein wenig eitel/kitschig/zwanghaft. So, als ob die Heldin gleich mehrfach die Bestätigung braucht, dass sie geliebt wird. Leser mögen das vielleicht, weil sie ebenso unsicher sind, aber eine gute Geschichte werdet ihr damit nicht erzählen. Eine Geschichte wird stärker und klarer, wenn ihr wenige, starke Charaktere erschafft. Beim Film heißt das oft, dass Rollen zusammengefasst oder gestrichen werden, damit die Handlung für den Zuschauer klarer und verständlicher wird – und die Geschichte stärker.

Kennt ihr Familienaufstellung?

Familienaufstellung bezeichnet ein Verfahren, bei dem Personen stellvertretend für Mitglieder des Familiensystems eines Klienten konstellativ angeordnet (gestellt) werden, um aus einer dazu in Beziehung gesetzten Wahrnehmungsposition gewisse Muster innerhalb jenes Systems erkennen zu können. (Wikipedia)

Okay, das klingt jetzt eher verwirrend. Lasst es mich einfacher erklären: Familienaufstellung ist kein Rollenspiel, sondern eine Therapieform. Kurz gesagt geht man davon aus, dass jedes Mitglied einer Familie eine bestimmte Position einimmt, die mit bestimmten Rollenmustern verbunden ist. Papa/Mama ist der Boss, die Älteste Tocher ist brav, der jüngst Sohn eher unzuverlässig. Wobei es egal ist, wer welche Rolle einnimmt.

Manchmal machen diese Rollen eine gute Familie aus, aber manchmal wird die Sache dysfunktional, macht krank und unglücklich. Merken tut man das, wenn ein Familienmitglied krank wird oder sich von der Familie absondert. Bei der Familieaufstellung versucht man Probleme zu lösen, indem sich Stellvertreter für Familienmitglieder in den Raum stellen, und versuchen aus dieser Postition heraus intuitiv zu handeln. Und unglaublich – es funktioniert. Obwohl nur als Stellvertreter eingesprungen, reagieren diese Menschen oft unglaublich authentisch in ihrer Rolle und helfen so dem Krankne, seine und die Rollenmuster der anderen besser zu erkennen.

Charakterstärken

Was hat das mit dem Ensemble einer Geschichte zu tun? Nun, es spielt nicht nur eine Rolle, dass ihr starke Charaktere ersschafft, es ist auch wichtig, an welcher Stelle ihr eure Figuren in eurer Geschichte plaziert. Wann ihr sie auftreten lasst, in welcher Beziehung sie zum Helden oder Antagonisten stehen. Oder andersherum gesagt: Wenn ihr eure Charaktere nicht nur als einzelne Figuren in eurer Geschichte erschafft, sondern sie sofort in Beziehung zu den anderen Charakteren denkt und versteht, wird die Geschichte besser. Daher ist es wichtig, genau zu verstehen, welche Aufgaben jeder Charakter in der Geschichte hat. Ist diese Nebenfigur ein Joker/Trickster? Ist die Oma wirklich eine Mentorin oder doch eher ein Gegner und Feind? Genau das bringe ich euch in den nächsten Wochen bei.

Dazu werde ich euch die einzelnen Charakter-Typen genau vorstellen, ihre Rollen, ihre Stärke und wie ihr sie einsetzt.

Heute gibt es zu Ensemble ein besonderes Worksheet. Wie findet ihr die perfekte Gruppe? Ihr dürft Regisseur spielen und einen Film/Theater mit Rollen besetzen. Yes! Erschafft ein tolles Ensemble!

Starke Charaktere

In der nächsten Woche geht es – mit dem Helden/der Heldin weiter. Bis dahin eine gute sonnige Zeit!

xoxo

Katrin

#rbpub #redbugwriting #amwriting

Martin Luther 2017

Martin Luther #24 Der Meister der Predigt

15. Juni 2017

Predigen? Ist das nicht fast ein bisschen so, wie Blogbeiträge zu schreiben? Zwar steht man nicht auf der Kanzel, aber man verkündet seine Überlegungen regelmäßig und widerprechen tut auch keiner. Die Predigt – war das Luthers Art zu bloggen?

Meinungen mitteilen

Es hat einen großen Vorteil, dass wir uns diesen wöchentlichen Blogspot zu dritt teilen. Ich bin mir sicher, allein würde ich das nicht schaffen. Uwe ist die letzten Wochen sogar ein paar Mal für mich eingesprungen, denn ich hatte einfach zu viel zu tun. Ich flüstere diese Worte, denn ich habe Angst, dass Luther mich hört. Was? Zweimal die Woche einen Blogbeitrag, an einem Buch schreiben, ein Exposé, eine Ausstellung, Socialmedia,  ein Interview, die Arbeit als Agentin? Na und? Ist das alles? 

Ächem. Richtig. Wenn ich mir Luthers Arbeitspensum ansehe, dann ist das alles ein Witz. Gemessen an Luther: Nichts! Ich meine, der Mann war ein Mensch. Oder? Er hat auch Kinder gezeugt und gegessen, geschlafen. Wann? Vieles gehörte zu seiner Ausbildung, später zu seinem Job, man könnte ihn als Arbeitstier abtun, der roboterhaft geschuftet hat, aber vieles, was er getan hat, lag ihm am Herzen, es war persönlicher Einsatz. Ein Extra, etwas, zu dem er sich verpflichtet fühlte.

Trostbriefe

Über 100 Trostbriefe hat Luther geschrieben. Persönlich, einfühlsam. Mit den Predigten verbindet sie, dass Luther den Menschen etwas geben wollte, das über einen Job hinausging: Ratschlag, Tröstung, Aufklärung. Diese Trostbriefe gingen nicht nur an Gemeinden, die er im Kampf für die Reformation unterstützte, sondern größtenteils an Einzelpersonen, denen Luther bei Krankheit, bei nahendem Tod, oder in ihrem Glauben half. Er schrieb diese Briefe aber nicht etwas nur an Fürsten, oder Adlige, sondern auch an Mitarbeiter. Und gab sich Mühe damit,  arbeitete sie sprachlich und theologisch sorgfältig aus. Für Gelehrte schrieb er sie auf Latein, für die anderen auf Deutsch. Mit der Hand, sollte ich wohl dazufügen, während ich hier ganz locker in die Tasten meines Laptops tippe.

Wie das damals so war – vor den Zeiten des Urheberrechts – wurden die Briefe abgeschrieben, weitergereicht und auch mal zwischendurch als Sammlung veröffentlicht. Und trugen damit nicht unerheblich zu Luthers Ruf als Seelsorger bei.

„Fürchte dich nicht, wir werden siegen, obschon wir Sünder sind.“

Wo nahm Luther seine Tatkraft und diesen Riesenoptimismus her?

Predigt

Luther sah  die Predigt als seine wichtigste Aufgabe an, meist predigte er frei.

„Ich kann keine Predigt machen nach der Kunst, Ich pflege nicht alle Stücke in sonderheit zu fassen, sondern allein den Hauptpunkt, darauf die Summa der ganzen Predigt stehet.“

Kurz gesagt, Luther improvisierte, wobei er sich auf sein enormes Wissen und seine sprachlichen Fähigkeiten verlassen konnte. Vielleicht war predigen für ihn eher so etwas, wie heute einen YouTube-Channel zu bespielen? Immerhin predigte Luther regelmäßig, in manchen Zeiten sogar täglich.

Prediger in Wittenberg

Wittenberg war Luthers Heimat, hier war ihm das Predigen am wichtigsten. Zwischen 1528 und 29 übernahm Luther sogar zwischenzeitlich das Amt des Wittenberger Stadtpfarrers (da dieser auf Reisen ging, um die Reformation voranzubringen) an und predigte Mittwochs über das Matthäus- und Samstags über das Johannesevangelium. Schilling nennt den predigenden Luther in Wittenberg sogar das evangelische Pendant zum Papst in Rom. Und sicher, die Predigt war auch Propaganda für die Reformation, ein Weg, die Gläubigen bei der Stange des neuen Glaubens zu halten.

Das Wort war wichtig. Für Luther war klar, dass Christus sein Priestertum an alle Gläubigen weitergegeben hatte. Verkündet wurde es durch das Wort, das im Zentrum des Gottesdienstes stehen sollte, denn so sei es in der Bibel festgelegt:

„dass es ein einziges, allen Christen gemeinsames Amt sei, das Wort Gottes zu predigen und dass jeder reden und urteilen könne und die anderen verpflichtet seinen, zuzuhören.“

Luther fand allerdings nicht, dass jeder auf die Kanzel steigen konnte, um das Wort Gottes zu verkünden. Von den „falschen Brüder“, die glaubten, sie könnten auch mal eben von Gott sprechen, da sie der Geiste erleuchtet habe, distanzierte er sich. Der Vergleich mit den YouTubern hätte ihm nicht gefallen. Luther verlangte für das Priestertum ein spezielles Studium und eine Eignung. Es sollten nur die predigen, die über

„eine gute Stimme, ein gutes Gedächtnis, und andere natürliche Gaben verfügten.“

Damit meinte er sicher nicht gutes Aussehen und – sorry – die YouTuber sind endgültig raus.

Kanzel-Outfit

Auf der Kanzel trug Luther die sogenannte Schaube, einen weiten Überrock wie ihn Universitätsprofessoren in der Zeit trugen. (Später entwickelte sich daraus der schlichte Talar der Pfarrer). Bei der Feier des Abendmahls trug er weiter das Messgewand, aber mehr um seine Gemeinde nicht zu verschrecken, ansonsten spielte die Kleidung eine untergeordnete Rolle.

Luthers Predigtstil

Luther war ein Meister darin, seine Predigten frei und eher improvisiert zu halten. Er liebte es, das Wort Gottes in Predigtreihen auszulegen. Das war dann schon eher so etwas wie die Vorlesungen, die Luther ja auch vor Studenten hielt und schnell glichen sich beide Formen stark an. Es ist nachvollzihebar, dass nicht alle mit dem hohen Niveau seiner Predigt-Vorlesungen mitkamen. Christliche Freiheit? Dann bleiben wir doch einfach mal ganz weg, dachten sich nicht wenige und Luther war  abgrundtief enttäuscht. 1527 war er so gefrustet von der Predigtmüdigkeit der Wittenberger und dem Unwillen, seine guten Lebensvorschläge umzusetzen, dass er sich eingestehen musste, dass ..

„niemand darnach tut, sondern die Leute so roh, kalt und faul werden, dass es eine Schande ist, und sie viel weniger tun als zuvor.“

Okay, ich glaube, Luther hatte keine Ahnung, wie außerordentlich besonders seine Fähigkeit zur Arbeit an sich und der Welt war. Stattdessen wurde er zunehmend ungeduldiger.

1529 wetterte er von der Wittenberger Kanzel und sah für die Unbelehrbaren Sündenstrafen voraus. Sie würden seine „Perlen“ nicht schätzen und daher war er nicht mehr bereit, Verantwortung für sie zu übernehmen. 1530 war er so genervt, dass er sogar in einen Predigtstreit eintrat.

Auf Reisen

Es gibt ja den Satz, dass der Prophet im eigenen Land nicht viel gilt. So ging es auch Luther. Denn außerhalb von Wittenberg waren seine Predigten hochbegehrt. Wenn er unterwegs war, predigte er fast am meisten, da alle herbeirannten, um ihn reden zu hören. 1522 predigte er in Zwickau hintereinander in allen Stadtkirchen. Er hatte sogar ein eigenes Format für diese Fälle, die Reisepredigt. In ihnen ging es mehr um die grundsätzlichen Fragen seiner reformatorischen Theologie als um spezielle Bibelauslegungen. Was vielleicht auch ein wenig populistischer war. Und besser ankam. Seine allerletzte Predigt hielt er auf einer Reise, drei Tage vor seinem Tod.

Während ich hier gemütlich auf meinem Sessel sitze und schreibe, stelle ich mir vor, wie Luther im Kutschwagen durchs Land gereist ist. Kein Flugzeut, keine Zug, kein Auto. Und unterwegs kein Laptop, kein Internet, kein iPhone. Kein Social Media, das ihn angekündigt, kein Facebook, was ihn beworben hat. Kein YouTube, keine Tweets, keine Propaganda in 140 Zeichen. Keine Instagrambilder, die ihn auf der Kanzel zeigen, oder vor dem Rathaus wie er dem Bürgermeister die Hand schüttelt. Alles das, was mir gerade so wichtig erscheint – hat er nicht gebraucht. Ehrlich – ich habe absolut keine Ahnung, wie er das alles ohne diese Dinge geschafft hat.

 

Zitate aus Heinz Schilling. Martin Luther. Rebell in einer Zeit des Umbruchs, Seite 371 und folgende.

 

7 Tipps - Schneller & produktiver schreiben

7 Tipps – Schneller & produktiver schreiben #7 Serien

14. Juni 2017
Serien

Ich liebe gute Fernsehserien. Ich liebe sie zu sehen und sie zu erfinden. Und – woah – bin eine absolute Bewunderin von Shonda Rhimes, die mit Grey’s Anatomy, Scandal und  How to Get Away with Murder Away with murder, Kultserien erschaffen hat. Tatsache, ich bin Fan der Drehbuchautorin und Produzentin dieser Serien und McDreamy interessiert mich kein bisschen. Serien faszinieren mich. Irgendwie kein Wunder, dass es auch beim Schreiben mein Lieblingsformat ist. Die meisten meiner Bücher haben Fortsetzungen. Vielleicht liegt es auch daran, dass mein erstes Buch eigentlich eine Jugendserie für das Fernsehen werden sollte. Was genial ist an Serien:

  • Man kennt seine Charaktere
  • Und die Nebencharaktere
  • Man kennt sein Setting/die Ausgangssituation
  • Und die Orte der Handlung

Es ist, als ob man jedes Jahr in das gleiche Ferienhaus reist. (Und ja, das tue ich auch). Die Umgebung ist bekannt, das Haus vertraut, die Macken und Vorteile der Einrichtung, dass der Strom manchmal wegbleibt und das Wasser, dass es viele Hunde in der Umgebung gibt und manchmal Erdbeben. Jedes Jahr im Ferienhaus ist etwas anders – und doch so wunderbar vertraut.

Digging deeper

Es gibt zwei verschieden Arten von Serien, die im TV-Bereich sehr genau unterschieden werden. Diese Unterscheidung gilt auch für Buchserien.

  • Episodenserien –  Jedes Mal wird eine neue, in sich abgeschlossene Folge erzählt. Die Entwicklung der Charaktere und Handlung ist gering. (Two and a Half Men, Seinfield, Girls, In aller Freundschaft, …)

In der Literatur wäre das vergleichbar mit Donna Leon und ihrer Krimiserie um Kommissar Brunetti. Immer ein neuer Fall, jeder Band ist abgeschlossen und kann ohne Vorkenntnisse des Vorgängers gelesen werden.

  • Fortsetzungserien/Dramaserien – eine Handlung wird nach und nach weitererzählt. Die Entwicklung der Charaktere ändert sich stark über den Lauf der Serie (Breaking Bad, Grey’s Anatomy, The Good Wife, Lindenstraße …)

In der Literatur ist das beste Beispiel J.R.R. Martin und Das Lied von Eis und Feuer. Jeder Band baut auf dem vorhergehenden auf. Im Grunde kann man solche Serie nur richtig verstehen und genießen, wenn man sie von Anfang an liest und mitverfolgt.

Serien haben also einen riesigen Vorteil für den Autor, der schneller schreiben und mehr veröffentlichen möchte.

Die Bibel

Daher sollte man, wenn man Material hat, das sich für eine gute, interessante, spannende Serie eignet, gleich in die Luft springen und jubeln. Etwas fortzusetzen ist wesentlich einfacher, als ganz neu zu starten, denn die  Nachfolgebände lassen sich wesentlich schneller schreiben. Man kann sofort in die Handlung einsteigen und muss sich nicht erst die Hauptcharaktere ausdenken oder ein Setting überlegen.

Für alle folgenden Bände muss man nur darauf achten, alle Charaktere, Spielorte und Beziehungen im Kopf zu behalten. Oder sich zu notieren. Mittlerweile schreibe ich mit. Es sind einfach zu viele Buchserien und Charaktere geworden. Also notiere ich alle Fakten über meine Charakter, ihre Beziehungen, die Spielorte in verschiedene Notizbücher, damit ich weder Namen noch Eigenschaften noch Orte durcheinanderbringe. Wer Scrivener verwendet, kann das übrigens gleich im Programm machen. Im Fernsehgeschäft nennt sich eine solche Übersicht BIBEL. Wenn man als neuer Autor in eine Serie einsteigt, muss man immer als erstes die Bibel studieren, die nicht umsonst Bibel heißt, weil sie sehr dick werden kann.

Suchtfaktor

Serien haben Suchtfaktor, auch darum lieben Leser sie. Und weil man eine Sucht möglichst schnell befriedigen will, kann das ganz schön stressig für den Autor werden. Anders gesagt: Man sollte in der Lage sein, schnell zu schreiben, wenn man eine Serie beginnt. Und – ich weiß bin hier nicht das beste Beispiel – man sollte nicht allzulange warten, bis man den nächsten Teil schreibt.

Achtung Langeweile

Was für jedes Schreiben gilt, gilt auch für Serien: Wenn man nicht bereit ist, etwas zu riskieren, wird es schnell langweilig. Um auf Shonda Rhimes zurückzukehren. Ihre Serien sind deshalb so großartig, weil sie den Mut hat, ihre Charaktere immer wieder unerwartet handeln zu lassen. Simple Charaktere und einfache Happy Ends wird man bei ihr nicht finden.

Das waren meine 7 Tipps für alle Autoren, die gerne schneller schreiben und mehr Bücher veröffentlichen wollen. In der nächsten Woche beginne ich eine neue Blogserie, auf die ich mich schon freue – tada -: Von Helden und Nebencharakteren. Darin werde über die verschiedenen Charakter-Typen schreiben, die immer wieder in Büchern auftauchen und euch Tipps geben, wie man sie anlegt.

Bis dahin

xoxo

Katrin

#amwriting #redbugwriting #rbpub

Martin Luther 2017

Martin Luther #23 Pfingsten

8. Juni 2017

Pfingsten

Pfingsten, ist der große Auftritt des Heiligen Geistes.

Er gehört im Christentum zu den großen drei: Zur göttlichen Trinität. Vater, Sohn und Heiliger Geist, sagt man ja so. Aber was ist damit gemeint?
In den sonntäglichen Gottesdiensten, die ich als Konfirmand besucht habe, ist mir irgendwann klar geworden, dass ich überhaupt keine Ahnung habe, was eigentlich mit dieser berühmten Dreieinigkeit von Vater, Sohn und Heiligem Geist gemeint sein soll. Ein alter Mann, ein langhaariger Sohn und eine Taube? Ich hab mich heimlich umgeschaut und mich gefragt, was die anderen wohl sehen, wenn sie das Glaubensbekenntnis murmeln. Bin ich der Einzige, der das nicht versteht? Drei? – ja okay. Aber dreieinig? Also irgendwie alles das Gleiche, aber dann auch wieder nicht?

Ich gebe zu, dass ich als Kind den Heiligen Geist immer für eine Art Gespenst gehalten habe. Etwa genauso wie ich mir einen unheimlichen Flaschengeist vorgestellt habe, wenn in einer damals bekannten Fernsehwerbung behauptet wurde: In Asbach Uralt steckt der Geist des Weines. Wie ist der da reingekommen? Und was, wenn der da wieder rauskommt? Kinderglaube eben. Oder doch nicht?

Hatte Gott nicht selbst gesagt (Joel 3,1-5)Und es soll geschehen (…) da will ich ausgießen von meinem Geist. War das vielleicht der Geist des Weines? Schließlich wurden die Jünger von einigen für betrunken gehalten, als sie den Heiligen Geist empfangen hatten (Apg 2,13)Andere aber hatten ihren Spott und sprachen: Sie sind voll von süßem Wein.

Luther stellt in einer überlieferten Pfingstpredigt klar und er ist sich sicher, dass es auch die damals Anwesenden gewusst haben: daß man fremde, unbekannte Sprachen beim Saufen nicht lernen kann.

Aber was war eigentlich passiert?

Jesus verbringt nach seiner Kreuzigung und Auferstehung noch 40 Tage mit seinen Jüngern auf der Erde. Er bereitet sie auf ihre zukünftige Aufgabe vor. Sie sollen seine Botschaft verbreiten. Und er kündigt ihnen an, dass er die Erde mittels Himmelfahrt verlassen wird und sie dann ohne ihn klarkommen müssen. Gleichzeitig verspricht er, seinen Vater zu bitten, ihnen den Geist der Wahrheit als Beistand bzw. Tröster zu geben. 10 Tage nach der Himmelfahrt ist es soweit.

Das Pfingstwunder geschieht

Und als der Pfingsttag gekommen war, waren sie alle an einem Ort beieinander.

Und es geschah plötzlich ein Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Wind und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen. Und es erschienen ihnen Zungen, zerteilt wie von Feuer; und er setzte sich auf einen jeden von ihnen, und sie wurden alle erfüllt von dem Heiligen Geist und fingen an zu predigen in andern Sprachen, wie der Geist ihnen gab auszusprechen. 

Es wohnten aber in Jerusalem Juden, die waren gottesfürchtige Männer aus allen Völkern unter dem Himmel. Als nun dieses Brausen geschah, kam die Menge zusammen und wurde bestürzt; denn ein jeder hörte sie in seiner eigenen Sprache reden.  Sie entsetzten sich aber, verwunderten sich und sprachen: Siehe, sind nicht diese alle, die da reden, aus Galiläa?  Wie hören wir denn jeder seine eigene Muttersprache? (…)  

Sie entsetzten sich aber alle und wurden ratlos und sprachen einer zu dem andern: Was will das werden?  Andere aber hatten ihren Spott und sprachen: Sie sind voll von süßem Wein. (Apg 2,1-13)

Mind oder Spirit

Hier scheint der Heilige Geist eine Art gemeinsame plötzliche Erkenntnis zu bewirken. Und löst auch gleich das Bedürfnis und die Fähigkeit aus, sie in die Welt zu bringen. Aber ist dazu ein Heiliger Geist nötig, der von außen kommt? Kann es nicht eine Art Erkenntnisquantensprung sein, der durch gemeinsame Übungen und Überlegungen zustande gekommen ist? (Man hatte in der Vorbereitungsphase ja auch etwas Zeit, die eine oder andere Sprache zu lernen.) Die Frage ist also: Gibt es einen Geist außerhalb von uns, der sozusagen von außen auf uns herabkommen kann? Intuitive Ideen, die unabhängig herumschwirren, aufpoppen und irgendwann von einem Menschen aufgeschnappt werden? Sozusagen Ideen mit einem eigenen Bewusstsein, mit einem eigenen Schöpfungswillen?

Für Martin Luther steht das außer Frage. Für ihn war der Heilige Geist schon immer da, hat sich aber erst am Pfingsttag so richtig öffentlich bemerkbar gemacht.

Das ist das erste Stück, daß wir lernen sollen, daß der Heilige Geist nicht erst am Pfingsttag sein Werk und Amt angefangen hat. Er hat es je und je in seiner Kirche geübt, aber erstlich am Heiligen Pfingsttag öffentlich geübt und sich mit besonderer Gewalt sehen lassen. 

Denn er ist ewiger, allmächtiger Gott, wie Christus sagt: Er gehe vom Vater aus. Darum muß er eben der Natur und des Wesens sein, des der Vater ist. So haben wir gewisse Zeugnisse, daß er, der Heilige Geist, je und je seine Wirkung in den Menschen gehabt, sie nach Gottes Willen regierte und geführt habe. (Luther Pfingstpredigt)

Also ein Geist, der irgendwie das gleiche ist wie der Vater von Natur und Wesen. Und gleichzeitig geht der Geist von ihm aus, eine Art ausführendes Organ, das die Menschen nach Gottes Willen regiert. 

Glauben und zweifeln

Luther scheint sich da ziemlich sicher zu sein. Er ist mittlerweile vom verzweifelt Suchenden zu einem sehr glaubensfest sicheren Menschen geworden. Genauso wie viele Kindergläubige und Esoteriker, die dafür andere Namen finden, wie z.B. the source. Mit einem großen Unterschied zu den mythologischen Religionen. Denn wenn sie keinen absoluten Wahrheitsanspruch im Sinne einer Mythologie proklamieren, liegt in diesen esoterischen, New Age oder wie immer gelabelten Vorstellungen ein großer Vorteil: Sie eignen sich nicht für Glaubenskriege. Es scheint sich da eine tolerantere Haltung zu entwickeln.

Eine globale, tolerantere Bewusstseinsstufe ist auch schon die rational, naturwissenschaftliche Stufe, die spätestens mit Galileo begann: Ich sehe etwas, messe etwas, wiederhole Versuche und komme zu Ergebnissen, die immer und überall gelten. Wie stehen also die aufgeklärten, naturwissenschaftlich-rational Gebildeten zum Heiligen Geist?

Es war für mich überraschen dzu hören, dass für Max Planck zum Beispiel Geist der Urgrund aller Materie ist. Nicht die sichtbare Materie ist das Reale, Wahre, Wirkliche – denn die Materie bestünde ohne den Geist überhaupt nicht – sondern der unsichtbare, unsterbliche Geist ist das Wahre. Er scheint sich da auch sehr sicher zu sein.

Aber auch hier bleibt die Frage: Ist dieser unsterbliche Geist, von dem Planck redet, ein Subjekt? Hat er ein Bewusstsein oder sogar einen Willen? Ist es eine Dreifaltigkeit?

Zweifel über Zweifel. Vielleicht das Beste, was wir haben.

7 Tipps - Schneller & produktiver schreiben

7 Tipps – Schneller & produktiver schreiben #6 Spannung

7. Juni 2017
Spannung
Spannung erzeugen

Spannung ist die Nervosität und Neugier, die man empfindet, wenn man auf eine wichtige Entscheidung wartet oder wenn Gefahr droht, sagt mir Google. Spannung ist etwas, das jedes Buch braucht, damit der Leser es nicht nur in die Hand nimmt, sondern auch bis zu Ende liest, sage ich. Und zwar nicht nur einen Thriller oder ein Krimi, sondern jedes Buch. Spannung ist ein interessantes Wort im Deutschen. Es kann sich auf den geistigen, aber auch den körperlichen Zustand beziehen und beides ist wichtig für ein schnelles und gutes Schreiben. Das ist wie bei einem Sportler, der Hochstleistungen vollbringen will und muss. Oder einen Profi-Schachspieler. Sowohl die geistige Verfassung, als auch die körperliche Verfassung müssen stimmen.

Mens sana in corpore sano

Ein gesunder Geist in einem gesunden Körper. Schriftsteller sind dafür bekannt, ihren körperlichen Zustand beim Schreiben eher zu vernachlässigen oder ganz bewusst negativ zu beeinflussen: Zum Beispiel mit Alkohol oder Drogen – Dinge, die es einem erleichtern, in einen tranceähnlichen Zustand einzutreten, in dem man flow-ig schreibt. Leider sehr ungünstig für den Körper, der schnell ausbrennt, nachlässt, und unaufmerksam wird, oder den Geist, der schon bald nicht mehr zwischen gut geschrieben und selbstverliebt verschwurbelt unterscheiden kann. Besser ist, diesen Zustand ganz natürlich herbeizuführen. Gut zu schlafen, mit maximaler Energie an den Schreibitsch zu gehen. Ein konzentrierter Körperzustand – energetisiert, gut gelaunt, fit. Genauso wichtig ist ein aufmerksamer Geist, damit man einen spannenden, aufregenden, grandiosen Text schreiben kann. Ein Text, der einen mitreißt, begeistert, nicht mehr loslässt. Gespannt, voller Spannung.

Es ist ganz natürlich, dass man diesem Zustand der positiven Hochspannung nie sehr lange halten kann. Niemand ist ständig euphorisch. Niemand kann ständig Hochleitstungen erbringen. Niemand kann ständig unter Spannung stehen.

Ich habe eine Weile gebraucht, bis ich das verstanden habe. Gerade am Anfang meiner Schreiberfahrung, wollte ich lange und intensiv arbeiten und viel Zeit am Schreibtisch verbringen. Ich habe sehr viel geschrieben und dann sehr viel wieder gelöscht. Was lief falsch?

The spirit of writing

Ich habe es ja schon öfter gesagt: Ich bin kein Freund von Wordcounts. Also Wörter zu zählen, um den Schreibfortschritt zu dokumentieren. Das ist für mich ungefähr so unsexy wie wenn  mir jemand stolz erzählt, dass er fünfmal pro Woche Sex hat. Oder zweimal täglich. Okay, now what? Beim Schreiben geht es nicht darum, möglichst viele Wörter auf einer weißen Fläche zu platzieren. Für mich ist das Schreiben eher eine Art geistige Architektur. Ein 3D-Gebäude, das sich aus den zweidimensionalen Seiten erhebt, und das der Leser betreten und erforschen kann. Ein Spiegelkabinett. Eine Geisterbahn. Eine parallele Realität.

Und die lässt sich nicht erbauen, indem man möglichst viele Stunden brav am Schreibtisch hockt. Um dieses geistige Gebäude zu erschaffen, braucht man die Mentalität eines Träumers und Creators, nicht die eines Beamten, der brav und manisch Wörter zählt. Sein Pensum erledigt. Einen Text herunterschreibt.

Ganz im Gegenteil. Man muss eine Vision für den eigenenText entwickeln. Eine Spannung aufbauen und halten. Denn wenn man beim Schreiben Aufregung und Spannung spürt, neugierig auf die Entscheidungen der Charaktere ist, selber wissen will, wie es weitergeht, werden es auch die Leser sein. Umgekehrt: Wenn man sich beim Schreiben langweilt, unmotivert und gequält ist, dann wird es ganz sicher auch der Leser sein. Warum sollte etwas, das man sich selbst abgerungen hat, beim Leser Freude oder Spannung erzeugen? Genau.

 Achtung, Langeweile!

Daher ist die erste Regel: Sobald man aus dem besten, dem idealen Zustand fällt, muss man stoppen. Meist sieht man auf, ein Gedanke schießt durch den Kopf oder die Hand über den Tasten stoppt einfach. Ich kenne verschiedene Zustände, die mich zum stoppen bringen:

  • Euphorie. Weil der Satz/Gedanke gerade so genial war (auch, wenn sich später herausstellt, dass er noch roh und unbearbeitet ist).
  • Zögern. Weil ich spüre, dass irgendetwas nicht stimmt, nicht passt, ohne, dass ich sagen kann, was.
  • Unwillen. Weil ich mich gerade in eine Ecke geschrieben haben, in der alles nicht mehr richtig ist.

Interessant war für mich: Auch sehr gute Zustände können mich aus dem Schreiben reißen. Die frohe Botschaft: Man merkt immer, wenn man den besten Zustand verlässt. Und dann muss man aufhören. Zumindest eine kleine Pause einlegen, das Gehirn auf reset setzen, nachdenken, einen Spaziergang machen.

Wie der Autor, so der Leser

Sollte ich mich dann nicht einfach zwingen, weiter zu schreiben? Haben wir das nicht so gelernt: Zähne zusammenbeißen und durch? Nope. Aus langer Erfahrung mit kreativer Arbeit kann ich mit absouter Bestimmtheit sagen: NEIN. Es ist nicht gut, dann weiterzuarbeiten. Auch, wenn man „nur“ eine halbe Seite geschrieben hat. Es ist wie auf einer Wanderung, wenn man an eine Webgabelung kommt: Man muss erst entscheiden, wo und wie man weitergehen will, um wieder in den Schreibflow einzutauchen.

Denn jedes Mal, wenn das Schreiben schwer und lästig wird, wird der Leser an dieser Stelle das gleiche Gefühl von Langeweile und Unwohlsein spüren. Es ist sogar noch dramatischer: Wenn man aus dem Flow fällt, dann ist das mit Sicherheit ein Anzeichen dafür, dass etwas am Text nicht stimmt. Den Charakteren, dem Plot, der Spannung. Und es macht überhaupt keine Sinn, dann weiterzuschreiben. Die Spannung oder Luft ist raus. Und der Leser merkt das später ganz genau.

Tricks und Kniffe

Natürlich weiß ein erfahrener Autor wie er Spannung beim Leser erzeugen kann. Genauso, wie ein Spitzensportler trainiert hat, länger zu laufen oder höher zu springen, kann ein Autor auch die Spannung seines Textes auf einem hohen Niveau halten. Der Oberbegriff für alle dramatischen Spannungen heißt Tension. Und wird in drei Unterformen eingeteilt:

  1. Surprise = Überraschung. Wenn man den Leser mit einer Wendung, einem Plotpoint, der Handlung eines Charkters überrascht, steigert man seine Neugier und die Spannung beim lesen.
  2. Suspense = Gespanntheit. Es bedeute so viel wie „in Unsicherheit schweben“. Eine offene Frage wird durch einen längeren Handlungsbogen aufgebaut. Weil der Leser wissen will, wie die Frage beantwortet wird, liest er weiter.
  3. Mystery = Geheimnis. Informationen werden dem Leser vorenthalten, der sich fragt, wer „es“ getan hat oder wie bestimmte Situationen aufgelöst werden.

Diese Techniken kann man bei allen Texten anwenden, um die Spannung hoch zu halten. Wer bemerkt, dass seinen Büchern Spannung fehlt, sollte diese Techniken genauer studieren.

Cliffhanger

Zum ersten Mal hat Thomas Hardy 1873 den Cliffhanger in dem Roman A Pair of Blue Eyes erschaffen. Der Roman erschien, wie damals üblich, als monatliche Serie in einer Zeitschrift. In einer Szene musste sich sein Protagonist an einem Steilhang nur noch an einem Büschel Gras festhalten, um nicht in den sicheren Tod zu stürzen. Fortsetzung folgt. Und eine Methode war geboren. Heute kennen wir es alle: Serienstaffeln enden immer mit Cliffhangern und in wer im amerikanischen Fernsehen die wohlgesetzten Werbepausen kennt, weiß es auch: Erschaffe eine spannende Situation, die den Fernsehzuschauer/Leser zwingt, weiterzusehen oder zu lesen. Es macht absolut Sinn, ein Kapitel mit einer spannenden Situation zu beenden. Als Autor wird man motiviert sein, weiterzuschreiben als Leser weiterzulesen.

Vielleicht sollte ich auch diesen Blogbeitrag mit einem Cliffhanger beenden: Was wird wohl nächste Woche drankommen? Wie wird sie die Blogreihe abschließen? Auch, wenn sich das sicher nicht so anfühlt, als ob ich an einem Steilhang hänge und mich an einem Grasbüschel festhalte: Ich denke, ich werde über Buchserien bloggen … ;)

Bis dahin eine gute Zeit!

xoxo

Katrin

#redbugwriting #rbpub #amwriting

Martin Luther 2017

Martin Luther #22 – Vater und Sohn

1. Juni 2017
Martin Luther #22 Vater und Sohn
Vater und Sohn

Luther wurde 1505 aus dem Elternhaus (was zu dieser Zeit wohl vielmehr ein Vaterhaus war) geworfen und stürzte sich beherzt in eine existenzielle Krise mit der Frage nach einem gerechten Gott/Vater.

Seine ganzes Leben scheint geprägt zu sein, von dem Ungehorsam vor dem Vater und dem Gehorsam vor Gott. Und zwischen diesen beiden väterlichen Polen/Idolen vermittelt nur einer: Jesus. Ein menschgewordener Sohn Gottes. Einer, der gleichzeitig Gott ist und von Gott abstammt. Einer, der das Prinzip und die Gestalt Gottes vermenschlicht und begreifbar macht. Einer der für die Sünden der Menschen streben kann, weil er…nun ja, sterben kann. Ein wandelndes Bild, eine fleischliche Verdichtung der Nachricht Gottes an die Menschen, die Frucht eines unsichtbaren Baumes.

Gott als Vater

Als solches Bild, als ein solche Erscheinung ist Christus vielmehr eine Sichtbarmachung und in gewisser Hinsicht auch eine Erinnerung an die Beziehung des Menschen zu Gott. Jemand der von Gott herabsteigt und sich einer menschlichen Hülle annimmt, macht doch stark deutlich, wie beschränkt der Handlungsspielraum ist, den man als Mensch auf der Erde hat. An Christus sieht man die eigene Sterblichkeit verdeutlicht.

Gott als Vaterfigur ist einziger Auslöser für die Existenz Christi, ebenso, wie er der Auslöser für die Existenz des Menschen ist. Diesem Vater ist Hingabe, Verpflichtung und Dankbarkeit zu zollen. Der Sohn eines solchen Vaters ist, vom Prinzip her nur die Verkörperung einer Idee des Vaters. Ist ein Diener und Bote.

Doch ein Sohn zu sein, birgt weit mehr Möglichkeiten.

Als der Blitz vor Luther einschlug, muss ihm, im Bruchteil einer Sekunde, das Licht aufgegangen sein, dass der Vater nicht immer Recht haben muss. Nicht immer Recht haben kann. Dass ein Sohn, mehr als ein Bote ist.

Wie viel Spielraum hatte Jesus?

Eine Szene zwischen Gott und Jesus fand ich immer bemerkenswert: das Gespräch im Garten Gethsemane. Wenn Jesus sich ins feuchte Gras wirft und anfängt mit seinem Vater zu diskutieren. Gibt es keinen Weg daran vorbei? Muss ich das alles jetzt zu Ende bringen? Bleiben mir gar keine Schmerzen erspart? Gibt es einen anderen Weg?

Auf einmal wird einem klar, dass der Mensch Jesus, vielleicht gar nicht so scharf darauf war, ans Kreuz genagelt zu werden. Dass der Sohn Jesus, auch nicht immer einer Meinung mit dem Gottesvater war. Irgendetwas an der Auseinandersetzung mit Christus scheint für Menschen bedeutsam zu sein, gerade weil er mehr war, als eine wandelnde Idee. Weil er ein Mensch aus Fleisch und Blut war, weil er leidenschaftlich und…ungehorsam war?

Die Bibel ist voll von Söhnen und Vätern. Was unterscheidet Jesus von Adam, dem ersten Sohn, dem großen Bruder? Muss der Jüngere ausbaden, was der Ältere ausgefressen hat? 

Ist das jetzt so gerecht, Gott?

Letztendlich tut Jesus wie im geheißen und der frankensteinische Moment im Garten bleibt zurück als Erinnerung an sein Leiden.

Vor diesem Hintergrund scheint es ja schon fast unmöglich, über den Vater hinauszuwachsen, sich dem Vater zu widersetzen oder ihm in irgendeiner Form zu widerstreben. Dennoch macht Luthers Perspektive auf sein eigenes Verhältnis zu Vater und Gott auch deutlich, ein Sohn zu sein, entbindet dich nicht aus deiner Eigenverantwortlichkeit.

Wie deutlich war Jesus’ Lebensweg vorgezeichnet? Gab es Momente in denen Gott gesagt hat, Okay, Sohn, das hatte ich mir zwar anders vorgestellt, ist aber im Sinne der Mission. In welchen Momenten schien die Persönlichkeit des Mensch Jesus hervor, wann hat er sich erlaubt zu improvisieren?

Im Namen des Vaters

Wenn Luther sich mit Gott beschäftigt, geht es dann nicht im Grunde immer darum, im Sinne Gottes zu handeln? Sich auf das Zwiegespräch mit dem Vater, der dich in die Welt gesandt hat, einzulassen? Zu sagen, ich muss meinen eigenen Weg finden, dir zu gehorchen.

Blinder Gehorsam würde auch dem Vater nicht gerecht. Und dem Prinzip des Sohnes widersprechen. Ein Sohn erbt die Erkenntnisse des Vaters, ist untrennbar verbunden mit seinem Schöpfer und dennoch ein Nachkomme. Jemand der weiterführt, was der Vater begonnen hat, oder dem Gespräch eine neue Richtung gibt.

Welche andere Wahl hat Luther unter diesem Gesichtspunkt auf die Liebe Gottes zu setzen? Wenn der Vater mich nicht liebt, dann spielt er ein böses Spiel, bei dem beide nur verlieren können. Warum jemanden in die Welt setzten, um ihn dann für unbrauchbar zu erklären.

Neue Perspektiven

In gewisser Hinsicht fragt man sich: inwieweit Jesus die Perspektive Gottes erweitert hat. Denn mal ganz praktisch gesprochen, müsste nicht jeder neue Mensch und jedes neue Augenpaar eine neue Sichtweise an Gott herantragen? In Gott hinein integrieren oder aus Gott herauslösen?

Kann man nicht davon ausgehen, dass Gott sich etwas dabei gedacht hat Menschen zu erschaffen? Diesen Sinn sucht ja auch Luther, wenn er fragt, wo finde ich einen gerechten Gott? Wo finde ich, die Rechtfertigung meiner eigenen Existenz? Und wenn ich sie gefunden habe, wie gehe ich dann mit ihr um?

Ich finde es bemerkenswert, dass Luther sich der Tatsache gestellt hat, dass man es Gott nicht gerecht machen kann. Das nur Gott es dir gerecht machen kann.

Und somit die Verantwortung, die der Einzelne für sein Leben trägt, im Sinne Gottes, vollkommen angenommen hat.

7 Tipps - Schneller & produktiver schreiben

7 Tipps – Schneller & produktiver schreiben #5 Charaktere

31. Mai 2017
Starke Charaktere

Man hat ganz sachlich seine Schreibzeit festgelegt, die Story gut durchgeplant und geplottet, ist im besten Schreibflow und dann passiert es: Die Charaktere machen einfach was sie wollen. What? 

Mehr über starke Charaktere.

Tja, Freunde, so sind starke Charaktere, sie haben ihren eigenen Kopf. Und das ist gut so. Charaktere werden sich überhaupt nur melden, wenn sie stark sind, was heißt, dass man sie stark angelegt hat. Wieso das so ist weiß ich nicht, ich weiß nur, dass Charaktere sich verdammt schnell selbstständig machen. Als mir das zum ersten Mal bei meinem ersten Buch „Radio Gaga“ passiert ist, lief das auf einen wochenlangen Streit hinaus: Ich schreibe – er sagt, ich schreibe – er sagt … Am Ende habe ich nachgegeben. Natürlich hat der Charakter recht, es ist ja „seine“ Geschichte. Ich kann es auch etwas weniger magisch sagen: Der Charakter steht für mein Unterbewusstsein, das über mehr und besseres „Wissen“ verfügt.

Charaktere und Plot

Eigentlich okay, aber was macht man, wenn die Charaktere einem den Plot zerhauen? Auf einmal leben wollen, obwohl man sie sterben lassen will, sie aber sterben müssen, weil man das für die Story braucht? Was natürlich überhaupt nicht schlimm wäre, wenn man Zeit hätte, jetzt einfach noch mal 4 Wochen zu überlegen und umzuplanen. Was man aber überhaupt nicht gebrauchen kann, wenn man eine Deadline hat und   schneller und produktiver schreiben will und muss.

Charaktere kennenlernen

Diagram zur Heldin: Moon (aus der Film-Love-Story: „Flying Moon“), Familie, Freude.

Um meine Charaktere besser kennenzulernen, schreibe ich mir meist alles auf, was ich über sie weiß oder wissen muss. Also Äußeres und Charaktereigenschaften, kleine Schwächen, den Ort und die Zeit, in der sie leben. Dann mache ich mir klar, wie die familiäre Situation ist, und die Beziehungen zu den Haupt- und Nebencharakteren.

Dies alles ist nicht in Stein gemeißelt, hilft mir aber zu erkennen, welches Entwicklungspotential der Charakter hat. Diese kleinen Überblicksdiagramme mache ich am liebsten mit Hand und viel Farbe, weil das die kreative Hälfte meines Gehirns anregt. Und es gibt noch eine Methode.

Cluster

Letzte Woche, in dem Beitrag über FLOW, habe ich es ja schon mal angesprochen: Wie gut es ist, mit Intuition und Kreativität zu arbeiten, um in den Strom von Gedanken und ein schnelles Schreiben zu kommen. Das Gleiche gilt, wenn man die Charaktere „befragt“.
Eine Methode des kreativen Schreibens ist das Clustern. Dabei schreibt und „malt“ man Assoziationscluster für Charaktere.

Wo leben sie? In welcher Zeit, welchem Ort, zu welcher Jahreszeit beginnt ihre Geschichte. Auf dem Land in der Stadt, mit Hund oder Katze.

Beim Plotten kommen diese Details meist nicht vor, aber beim Schreiben poppen sie ungefragt auf. Wenn ich mir dann – nur eine halbe Stunde – Zeit nehme, mich mit dem Charakteren tiefer vertraut zu machen, dann verliere ich wenig Zeit, bekomme aber ein viel genaueres BILD, als wenn ich im Planungstadium seitenweise Nebenstories zu den Charakteren schreibe.

Das funktioniert genauso für die äußere Beschreibung des Charakters, seine Eigenschaften oder auch sein äußeres oder inneres Ziel. Wie euer Cluster am Ende aussieht, hängt dann natürlich ganz von euch ab, hier gibt es keine Regeln, außer die, dass ihr euren Gedanken freien Lauf lassen solltet.

 

Cluster-Worksheets

Wir haben es euch nun etwas leichter gemacht und schon mal etwas vorgearbeitet. Das sieht dann alles auch etwas schicker aus, als meine Kritzeleien hier, denn Isabel hat die Worksheets superschön gestaltet und euch eine ganze Reihe von Clustervorlagen erstellt. Die ihr frei weiterverwenden solltet!

Die Vorlagen sind für den Helden, den Antagonisten, den Mentor. Also drei der großen Archetypen, die in jedem Buch vorkommen sollten, bzw. fast immer vorkommen. Und weil Liebesgeschichten ein wenig anders funktionieren, da es meist zwei HeldInnen gibt, gibt es auch Vorlagen  für den Helden und für die Heldin einer Liebesgeschichte und für ihre Freundin und seinen Freund.

Eine kleine Anleitung gibt es auch dazu, aber eigentlich ist es alles ganz einfach, macht superviel Spaß und hilft euch dann hoffentlich sehr beim Schreiben.

Unter diesem Link findet ihr alle Clustervorlagen. Ihr könnt auswählen, welche ihr gerade braucht, oder auch gleich alle downloaden. Viel Spaß!

Nächste Woche geht es hier weiter mit Cliffhangern und der Frage, wie ihr eure Geschichte so spannend schreibt, dass ihr selber sie rasend gerne schreiben und die Leser sie auf jeden Fall lesen wollen.

Bis dahin eine sonnige Zeit!

xoxo

Katrin

#amwriting #redbugwriting #rbpub

Martin Luther 2017

Martin Luther #21 Himmelfahrt

25. Mai 2017
Himmelfahrt Sebastiano Ricci 1702

Himmelfahrt – unglaublich

Aus gegebenem Anlass heute am Vatertag ein paar Überlegungen zu dem eigentlichen Feiertag. Christi Himmelfahrt. Kein Wunder, dass dieser Tag eine noch größere Umwidmung erfahren hat, als die anderen großen christlichen Feiertage. Das ist einfach unglaublich …

  • Weihnachten, okay, dass jemand geboren wird, meinetwegen auch auf einer umständlichen Reise unter suboptimalen Bedingungen in einem Stall, das können wir leicht nachvollziehen.
  • Karfreitag. Auch, dass jemand, der mit großer öffentlicher Aufmerksamkeit provozierende, wenn nicht sogar umstürzlerische Ansichten über die Gesellschaft und das vorherrschende Glaubensgerüst verbreitet, ans Kreuz genagelt wird – ja, ist blöd, aber verständlich.
  • Ostern. Irgendwie tot gewesen und dann aus dem Grab verschwunden – schon schwieriger. Könnte aber immerhin doch noch eine Menge plausibler Erklärungen geben.
  • Pfingsten. Dass eine Gruppe von Menschen, nach intensivem Coaching wie aus heiterem Himmel eine neue Erkenntnis bekommt und sich dann berufen fühlt, das unter die Leute zu bringen – fast alltäglich, oder?
  • Aber Himmelfahrt, hallo? In den Himmel gefahren, wie jetzt?

Was sagt denn die Bibel?

Bei Lukas 24, 50-53 steht zum Beispiel:

Er führte sie aber hinaus gen Bethanien und hob die Hände auf und segnete sie. Und es geschah, da er sie segnete, schied er von ihnen, und fuhr auf gen Himmel …

Also was sehen die da, haben die überhaupt die Augen auf beim Gesegnetwerden? Gibt es da vielleicht exterrestrische Unterstützung. A kind of spacecraft. Pleiadians? Immerhin ist dort der Ölberg, die höchste Erhebung in der Umgebung. Beste Stelle zum landen.

In der Apostelgeschichte 1, 9-11 beschreibt Lukas das etwas ausführlicher. Jesus hatte trotz der lästigen Kreuzigungswunden seine Jünger 40 Tage lang unterrichtet und auf die neue Situation vorbereitet. Er hatte ihnen erklärt, dass sie demnächst den Heiligen Geist empfangen würden und dann loslegen sollten, die Botschaft zu verbreiten.

Und als er das gesagt hatte, wurde er zusehends aufgehoben, und eine Wolke nahm ihn auf vor ihren Augen weg. Und als sie ihm nachsahen, wie er gen Himmel fuhr, siehe, da standen bei ihnen zwei Männer in weißen Gewändern. Die sagten: Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und seht zum Himmel? Dieser Jesus, der von euch weg gen Himmel aufgenommen wurde, wird so wiederkommen, wie ihr ihn habt gen Himmel fahren sehen.

Aha, in einer Wolke also. Und was sind das plötzlich für Männer in den weißen Gewändern? Okay ich drifte ab, wilde Spekulationen. Ich meine ja nur. Er war ja nicht der erste, der ab in den Himmel gesaust ist. Ein Paar Jahre vorher wird Elia am Jordan in der Nähe von Jericho sogar in einem feurigen Wagen abgeholt. (2.Kön 2,11)Diesmal ist es vorher bekannt, denn sowohl die Prophetenjünger in Bethel, als auch die in Jericho fragen Elisa (nicht zu verwechseln mit Elia):

Weißt du auch, dass der HERR heute deinen Herrn von dir hinwegnehmen wird? Er aber sprach: Auch ich weiß es wohl; schweigt nur still. (…)

Also alles gut vorbereitet. Elia und Elisa gehen gemeinsam über den Jordan …

… und als sie miteinander gingen und redeten, siehe, da kam ein feuriger Wagen mit feurigen Rossen, die schieden die beiden voneinander. Und Elia fuhr im Wetter (soll wohl heißen: in einer Wolke) gen Himmel. Elisa aber sah es.

Diesmal hat also wirklich jemand hingeschaut.

Was sagt denn Luther?

In einer überlieferten Predigt befasst er sich mit dem Ereignis.

Die Geschichte aber beschreibt Lukas eigentlich und fein, dass man den Tag, Ort und Zeit, und danach auch die Personen wissen kann, die dabei gewesen sind, und wie es zugegangen ist. (…) Lukas sagt, Christus sei aufgehoben worden und in die Lüfte hinein gefahren, mit Fleisch und Bein, wie er vor ihnen gestanden ist, bis an die Wolken, dass sie ihn nicht mehr sehen konnten. Als aber die Jünger da so stehen und wundern sich (denn so etwas hat man zuvor nie von einem Menschen gesehen, dass dieser über sich in die Luft wie ein Vogel sich heben konnte), treten zwei Engel zu ihnen, sagen ihnen: Sie sollen wieder nach Haus gehen, es sei nichts mehr zu sehen.

Die beiden weiß gekleideten sind jetzt also Engel. Okay. Whatever. Und obwohl schwer zu glauben, bleibt Luther dabei, dass er nicht irgendwie als Erscheinung, sondern als Körper mit Fleisch und Bein, Haut und Haaren abgedüst ist. Ein bedenkenswertes Wunderwerk.

Da ist einmal das Wunderwerk zu bedenken, dass der Herr in so wunderbarer Weise von seinen Jüngern in die Höhe auffährt, wie ein Vogel, und verschwindet in den Lüften, das ist, er fährt so hoch, dass seine Jünger ihn nicht mehr sehen können. Denn in den Lüften fahren ist den Menschen ein ungewöhnliches, ja, unmögliches Ding. Der Leib eines Menschen hat von Natur die Art, wie ein Stein oder ein anderes schweres Ding …

Da muss es nach Luther eine Art Transformation gegeben haben, die durch die Auferstehung passiert. Luther erklärt sich und seiner Gemeinde das so:

Wie man an Christus nach seiner Auferstehung sieht: den hindert der Stein am Grabe nicht, die verschlossene Tür auch nicht, er wischt in einem Augenblick hindurch, dass wir nicht wissen können, wie er da hindurch kommt. Also, wenn er will, lässt er sich sehen; wenn er will, kann man ihn nicht sehen. In einem Augenblick ist er an dem Ort, in einem Augenblick an einem anderen Ort, und kann sowohl in den Lüften gehen, als auch auf Erden.

Das klingt irgendwie anders, als sei es doch mehr ein switch into another dimension und nicht eine örtliche Aufstieg in die Wolken.

aber wenn wir von den Toten auferstehen und neue Leiber bekommen werden, das werden wohl rechte Leiber, von Fleisch und Bein und allen Gliedern sein; aber sie werden nicht mehr so schwer und ungelenk sein, sondern gleichwie wir mit Gedanken jetzt schnell da und dort sind, also wird man es dann mit dem Leibe auch tun können.

Seltsam, dass Luther unbedingt an diesem Fleisch und Bein festhalten will. Es wäre alles soviel einfacher, wenn er es bei den Gedankenreisen lassen könnte. Zumal er einen deutlichen Unterschied sieht zwischen Elias Abgang und dem von Christus.

Elias ist auf einem feurigem Wagen gen Himmel gefahren. Aber Christus ist nicht so gen Himmel gefahren; sondern er selbst, aus eigener Kraft, ist über sich gefahren …

Er aber ist es, der aus eigener Kraft und Vermögen gen Himmel fährt; wie er spricht, Johannes 3,13.: «Niemand fährt gen Himmel, denn der vom Himmel herunter gefahren ist.»

Heruntergefahren? Da ist viel Patz für Spekulation bei dem, was man glauben könnte. Heruntergefahren im Sinne von geboren werden, reinkarnieren, als Stardust,  als Starseed, als Alien, mit einem exterrestrischen Raumschiff, oder einfach und vielleicht am wahrscheinlichsten einfach aus einer anderen Ebene der Matrix?

Letztendlich ist es egal, ich muss los. Heute ist Vatertag und meine wunderbaren Kinder haben ein Picknick für mich vorbereitet. Hier auf Erden, aber ich werde mit Fleisch und Bein im Himmel sein .

 

 

7 Tipps - Schneller & produktiver schreiben

7 Tipps – Schneller & produktiver schreiben #4 Flow

24. Mai 2017
Was ist der Flow?

Ahhh, ich freue mich immer, wenn ich über das eigentliche Schreiben schreiben kann. Also den Moment, in dem die Buchstaben auf das Papier fliegen, etwas entsteht! Ich habe schon einmal einen Blogbeitrag über das S*c*h*r*e*i*b*e*n geschrieben, der hier als Ergänzung oder Grundlage super passt. Im heutigen Beitrag soll es aber hauptsächlich darum gehen, wie man den Schreibflow für das Schreibtempo nutzt. Also möglichst schnell in den Zustand eintritt und lange in ihm bleibt.

Mit Flow bezeichne ich den Zustand, wenn das rationale Denken sich in den Hintergrund schiebt und das kreative Denken übernimmt. Die linke/kreative Gehirnhälfte, der Bereich in uns, der sich mehr auf die Intuition verlässt als auf das rationale Denken. Es ist ein kreativer Zustand, einer, in dem einem die Ideen leicht und mühelos zufliegen, in dem man Ideen findet, auf Lösungen kommt oder Probleme löst. Im Flow können nicht nur Künstler sein, sondern auch Sportler: Eine EiskunstläuferIn in der Kür, eine AbfahrtsläuferIn bei der Abfahrt, eine FußballerIn beim Elfmeter. Aber auch derjenige, der in einem Laden auf der Suche nach einem Schnäppchen ist oder der Geocoacher im Gelände.  Der Zustand, in dem die Aussenwelt ausgeblendet wird und man ganz bei sich und seiner Sache oder Suche ist.

Schreibflow

Genau in diesem Zustand trete ich ein, wenn zu Schreiben beginne. Ich lasse mich – fallen. Denn alles, was zu klären war, habe ich geklärt. Ab jetzt, also dem Moment, in dem ich vor meinem Laptop sitze, muss ich es nur aus mir herausfließen lassen. Lacht wer? Nun, das war wohl ich selber. Die innere Stimme, die sagt: Wenn das so einfach wäre! Mein rationales, erwachsenes ICH, das eine Höllenangt davor hat, in diesem Zustand zu gehen. Loszulassen. Abzugeben.

An diesem Punkt ist es gut, mir klarzumachen, dass ich genau deshalb alles so gut geplant habe, damit ich loslassen kann. Der Sportler hat gut trainiert, bevor er auf die Abfahrt geht, der Fußballer kennt den Ablauf beim Elfmeter genau und wer sich im Schlussverkauf auskennt, wird auch die besten Schnäppchen ergattern. Bingo! Produktiver Schreibflow setzt Können und Training und Planung voraus.

Doch auch ohne Können und Training und Planung kann ich in einen Flow-Zustand kommen. Menschen, die sich betrinken oder Drogen nehmen, sind in diesem Zustand (und es ist sicher kein Zufall, das viele Autoren sich mit Alkohol zum Schreiben stimulieren). Kinder sind die meiste Zeit in diesem Zustand. Das ist genau der Grund, warum ich oft Hemmungen habe, in diesen Zustand einzutreten. Er erscheint mir dumm, naiv und unkontrolliert. Aber er ist eben auch: Kreativ, genial, mühelos, schnell.

Flawless Flow

Für den guten Schreibflow gibt es ein paar Tipps oder Regeln. Seid ihr im Flow gilt:

  • keine Kritik, no judgment, der innere Kritiker muss schweigen
  • Keine Ablenkung von außen
  • Loslassen von jedem Gefühl der Verantwortung: Weder dem Geld, noch dem Erfolg, noch einer Timeline oder dem Leser gegenüber
  • Freiheit – zu denken, zu schreiben, was man will
  • Selbstbewusstsein – sich selbst oder das Geschriebene wird an keinem Punkt in Frage gestellt oder anzgezweifelt

Oh, werden einige vermutlich jetzt sagen: So könnte ja auch ein ganz grauenhaftes, egomanes, narzistisches, mies geschriebenes, pathetisches, kitschiges Buch entstehen!? Jep. Das ist richtig. Der Flow ist nicht per se gut oder schlecht. Er ist – neutral. Man kann im Flow einen Menschen umbringen oder die Welt retten. Manchmal beneide ich die Autoren, die in diesem irren Tempo ein Buch nach dem anderen schreiben. Wie machen sie das? Wie könne sie so wenig – an sich zweifeln? Nun, dann erinnere ich mich daran, dass sie eines wirklich gut beherrschen. Etwas, was ich immer wieder von ihnen lernen kann: Sie sind beim Schreiben im Flow. Klar, ist es ihr eigener Flow, ihre eigene Welt, ihre eigene Vision und natürlich habe ich eine andere. Aber davon darf ich mich nicht aus meinem Flow bringen lassen.

Der gute Flow – kreatives Schreiben

Ich nähere mich dem Schreibflow noch einmal von einer anderen, etwas praktischeren Seite an, denn schließlich geht es ja auch darum, wie man in den Flow kommt. Dazu werfe ich mal einen Blick auf das Kreative Schreiben:

„Kreatives Schreiben ist eine Bezeichnung für Schreibansätze, die davon ausgehen, dass Schreiben ein kreativ-sprachlicher Prozess ist, zu dem jeder Mensch methodisch angeleitet werden kann. Kreatives Schreiben geht damit über klassischen Schreibunterricht hinaus, indem der Schwerpunkt auf den Prozess des Schreibens selbst gelegt und „durch assoziative, gestaltende und überarbeitende Methoden trainiert“ wird.“ (Wikipedia)

Kurz gesagt: Beim kreativen Schreiben soll man immer im Schreibflow sein. Interessant ist die Formulierung:“… Prozess ist, zu dem jeder Mensch methodisch angeleitet werden kann.“ Heißt, es gibt Methoden, um in den Schreibflow zu kommen? Ja, es gibt unendlich viele Tricks und Tipps, um in den Schreibflow zu kommen. – Und eine Warnung …

Tipps und Tricks

Wie schon gesagt geht es darum, das rationale Denken und Handeln auszuschalten und  – wie ein Kind – naiv und unvoreingenommen draufloszuschreiben. Dabei hilft:

  • Musik: Ich komme nicht rein! Sucht Songs/Musik, die je nach zu schreibender Szene entspannt, erhebt, gute Laune macht oder eine tragische Szene unterstützt. Denkt an Filmmusik.
  • Assoziationen: Wie soll ich eine Szene beschreiben? Egal, schreibt nur Worte und Gefühle auf, die euch zu der Szene einfallen. Ganz egal wie abgehackt der Text erscheint, nehmt, was ihr kriegen könnst, macht euch später Gedanken darüber, wie ihr Sinn in die Szene hineinbringt.
  • Bilder: Ich finde keine Worte! Dann nehmt Bilder. Denkt an die Szene, den Ort, die Tageszeit. Beschreibt, was ihr innerlich seht (nicht, was ihr denkt).
  • Lesen: Ich stecke fest! Lest, was ihr geschrieben habt, und zwar laut, als ob es von einem anderen geschrieben wurde. Meist erkennt ihr euren Sound und findet schneller wieder zum Schreibflow zurück.

Wenn ihr es gerne etwas fachlicher haben wollt, dann googelt: Brainwriting, Cluster oder Freewriting.

Warnung

Das Kreative Schreiben ist powerful. Es setzt Bereiche des Unterbewusstseins frei und hilft an verschüttete Emotionen zu kommen. Für einen ernsthaften Autoren/Schriftsteller ist das goldwert. Trotzdem muss man sich klarmachen, dass diese Schreibtechniken auch Gefühle freisetzen, mit denen man sich vielleicht lieber nicht konfrontiert hätte. Manchmal weint man dann vielleicht eine Stunde, statt eine Stunde zu schreiben. Menschen die nicht in der Lage sind, über traumatische Erlebnisse zu sprechen, empfiehlt man das Kreative Schreiben als Heilung. Think about it!

Es ist also ein Powermittel und je stärker, desto tiefer kann man damit in sein Unterbewusstsein vorstossen. Was ich unbedingt empfehlen würde. Denn sich an der Oberfläche des kollektiven Geplappers zu bewegen, mag euch am Anfang viele Leser bringen, aber auf Dauer keinen Erfolg. Nope. Diese seichte Befindlichkeitsraunen oder das melodramatische Aufblähen von Schicksalen (seine Eltern starben! Er hatte einen Tumor! Sie verlor ihr Kind!), die keine echte Bedeutung für das eigene Leben haben, werden genauso schnell vergessen werden wie eine Boulevard-Schlagzeile.

Charaktere und Flow

Eine Sache habe ich mirnochnicht erwähnt: Die Charaktere. Sie spielen beim Kreativen/Flow-Schreiben eine große Rolle, denn sie übernehmen die Handlung gerne einfach mal. Und was dann? Soll man ihnen folgen oder sie zur Ordnung rufen? Darüber schreibe ich nächste Woche.

Dazu eine kleine Anekdote in eigener Sache: Gerade habe ich Loving one more den 3. Band der Loving-Serie beendet. Die beiden Vorgängerbände sind vor 2 bzw 4 Jahren entstanden, woran man wohl schon sieht, dass ich nicht gerade eine Schnellschreiberin bin. Ich tue mich immer schwer damit, in den Flow zu kommen, aber bei diesem Buch habe ich mich extrem fallen lassen. Also auf die Geschichte und Charaktere – die ich ja schon gut kannte – eingelassen und meine Plotplanung ständig umgestellt.

Ich glaube, vor einigen Jahren wäre ich daran noch verzweifelt. Nachdem ich letztes Jahre ein „Trauerbuch“ (Love on Paper) geschrieben habe (sehr viel kreatives Schreiben …), bin ich wohl einfach auf der anderen Seite des Lochs herausgekommen und auf einem neuen Schreiblevel gelandet. Sehr abgefahren. Jetzt bin ich sehr gespannt, wie schnell ich den nächsten Band schreiben kann ;)

Bis nächste Woche!

xoxo

Katrin

P.S. Ach, ja: Zum Buchstart von „Loving one more“ könnt ihr einen Kindle Fire gewinnen. Bis 23. Juni habt ihr Zeit, euch zu bwerben.

#rbpub #redbugwriting #amwriting