Cover Secrets, DIY-Donnerstag

Cover Secrets #4 Fotos und Bildrechte

19. April 2018
Fotos und Bildrechte

Es wird sich schon herumgesprochen haben, aber ich erwähne es gerne immer wieder: Man kann Fotos und Bilder nicht einfach so aus dem Internet herunterladen und auf seinen Blog stellen, auf seine Werbebroschüre drucken oder – als Cover für sein Buch verwenden. Bildrechte sind ein großes Thema im Internet. Wenn man – wie wir zum Beispiel in den Beiträgen – Fotos  verwendet, um Lerninhalte zu vermitteln, dann drückt man schon ein Auge zu. Das Gleiche gilt für Ausschnitte aus Filmen auf YouTube-Channels, wenn es um Filmanalyse geht. Bildung? Dann werden die Fotos und Filmausschnitte als Zitate gewertet. Doch dann, wenn man die Bilder in einem gewerblichen Zusammenhang verwendet, also Geld mit der Sache verdienen will, dann sollte man zu dem Fotos die Bildrechte erwerben.

Fotos auf Covern

Immer mal wieder heißt es in Verlagskreisen: Fotos auf Covern sind out. Okay, und dann tauchen lauter Cover mit Fotos auf und sind Bestseller und … vergessen wir das einfach. Ich liebe Fotos auf Covern, obwohl ich auch alle Probleme kenne, die mit Fotos zusammenhängen. Ich habe sowohl eigene Fotos für Cover verwendet, als auch die Nutzungsrechte für Fotos gekauft.

Für den ersten Band der Radio-Gaga-Serie habe ich zum Beispiel ein Foto eingekauft, für den dritten Band ein eigenes Foto verwendet. Beide Bilder habe ich zusätzlich mit Photoshop bearbeitet, damit sie gut zusammenpassen. Wie das geht, erkläre ich in einem späteren Beitrag. Heute geht es um die Frage, woher bekomme ich Fotos? Und welche Fotos darf ich auf Buchcovern verwenden. Und schon sind wir bei den Bildrechten.

Was sind Bildrechte?

Man unterscheidet zwischen dem Urheberrecht für Bilder und Fotografien (die hat derjenige, der ein Bild gemacht hat) und dem Recht am eigenen Bild, was besagt, dass jeder Mensch grundsätzlich selbst darüber bestimmen darf, ob und in welchem Zusammenhang Bilder von ihm veröffentlicht werden. (Okay, falls ihr euch gerade fragt, wie das mit Bildern von Kindern auf Instagram Accounts ist? Ja, das frage ich mich manchmal auch …). Ihr müsst euch zwei Dinge merken:

  • Wenn ihr ein Bild von einer Person macht, die ihr gerne auf eurem Cover haben wollt, dann regelt vorher – unter Umständen schriftlich – dass ihr das Recht zur Veröffentlichung gekommt.
  • Und wenn ihr ein Foto verwendet, das ihr nicht selber gemacht habt, dann müsst ihr die Rechte zur Veröffentlichung erwerben. Also kaufen oder sicherstellen, dass derjenige, der das Fotos gemacht hat, mit der Nutzung einverstanden ist. (Anmerkung: Die Schutzfrist des Urheberrechtes für Photographien gemäß § 26 KUG wurde am 12. Mai 1940 von vormals 10 auf danach 25 Jahre verlängert. Das heißt, ein Bild, welches über 25 Jahre alt ist (nach erster Veröffentlichung) darf frei verwendet werden.)
Woher weiß man, ob ein Foto verwendet werden kann?

Hier helfen zwei Begriffe: Gemeinfrei und Lizenzfrei.

Mit gemeinfrei (auch public domain) werden Werke, also in diesem Fall Bilder/Fotos, bezeichnet, an denen keine Urheberrechte bestehen. Manchmal sind die Rechte abgelaufen, manchmal hat der Fotograf selbst beschlossen, die Rechte abzugeben.

In der Regel steht bei einem Foto im Internet dabei, ob es gemeinfrei ist. Zum Beispiel müssen alle Fotos auf Wikipedia gemeinfrei sein. Gemeinfrei heißt, dass man ein Foto zu jedem beliebigen Zweck verwenden kann, ohne zahlen zu müssen oder Ärger zu bekommen.

Lizenzfrei? Was heißt das genau?

Lizenzfrei heißt frei von Tantiemen oder weiteren Nutzungsgebühren. Es gibt eine Reihe von Plattformen, die lizenzfreie Fotos anbieten, meist muss man sich registrieren und kann sich dann Fotos in verschiedenen Auflösungen downloaden.

Hier ein paar Plattformen, auf denen ihr kostenlose und lizensfreie Bilder findet.

Pixabay

Stockata.de

Pexels

Wenn ihr euch auf diesen Plattformen umseht, werdet ihr viele euch bekannte Bilder entdecken. Die besten sieht man ständig auf Blogs, bei Instagram, bei Pinterest. Gerade kleine Firmen/Blogger sind auf kostenlose Bilder angewiesen. Wer sich auskennt, der wird weitgehend versuchen, diese Bilder zu meiden, da sie weder für die Kreativität noch die Individualität des Nutzers sprechen.

Daneben kann „lizenzfrei“ aber auch Bilder bezeichnen, die von  Fotoagenturen gegen Gebühr verkauft werden. Das muss nicht unbedingt viel Geld sein. Lizenzfrei bedeutet dann, dass die Bilder zeitlich unbeschränkt oder mehrfach verwendet werden dürfen.

Fotos für Cover

Wobei wir gleich bei dem Hauptproblem sind, wenn es um Bilder für Buchcover geht. Diese müssen nämlich im besten Fall verschiedene Funktionen erfüllen:

  • Eine gute Vorstellung vom Buchinhalt geben
  • Schnell klar machen, welche Art von Buch es ist (Liebesroman, historischer Roman …)
  • Dem Stil des Verlages oder Autors entsprechen
  • Den Leser zum Kaufen verleiten

Jep, das ist eine ganze Menge, was ein einfaches Foto hier leisten muss. Zudem will man ja für ein Cover nicht irgendein Foto verwenden, sondern meist ein besonders stimmungsvolles haben, das den Leser sofort anspricht und motiviert, das Buch zur Hand zu nehmen/anzuklicken und dann auch zu kaufen.

Professionelle Bildersuche

Wie machen es denn die Verlage?, fragte man sich da unwillkürlich. Kann ich es nicht genauso machen? Nun, Verlage geben die Covergestaltung meist an Designstudios oder Coverdesigner ab. Die haben dann das Problem, woher sie die Bilder für das Cover bekommen. Designstudios suchen nach Fotos auf Profi-Fotoplattformen. Fotografen stellen hier ihre Fotos gegen eine Lizenzgebühr zur Verfügung. Gängige Plattformen sind

iStock by Getty Images

Shutterstock

Adobe Stock

Bildersuche auch für Nichtprofis

Natürlich könnt ihr diese Plattformen auch nutzen. Die Fotos sind gut sortiert. Sucht daher am besten mit Suchbegriffen. Zum Beispiel: Liebespaar, Küssen, Paar jung u.s.w., dann müsst ihr nicht tausende von Seiten durchsuchen.

Habt ihr ein Bild gefunden, erstellt ihr einen Account, bezahlt und bekommt einen Link zum Download des Bildes. Manchmal muss man Punkte auf der Plattform erwerben, die man dann ausgeben kann oder man kann direkt bezahlen.

Nehmen wir an, ihr habt ein Young Adult Buch, es spielt im Sommer und das Bild, welches euch gefällt, auf einer Plattform gefunden (siehe oben): Ihr seht, das Foto hat ein Wasserzeichen und eine Nummer. Das Wasserzeichen erinnert euch daran, dass das Foto nicht so einfach zu benutzen ist. Erwerbt ihr die Fotorechte, bekommt ihr natürlich ein Bild ohne Wasserzeichen. Die Nummer dient dazu, das Bild wiederzufinden zu können.

Tipp: Kauft das Bild nicht sofort, sondern ladet das Bild zuerst umsonst in einer Testversion herunter. Probiert das Fotos für euren Coverentwurf aus und erst, wenn ihr ganz sicher seid, dass es gut ausieht, kauft ihr es in der richtigen Bildauflösung. Auflösung?? Ach, ja.

Wie gut (aufgelöst) muss euer Bild sein?

Bei Fotos kann man auf einer Plattform in der Regel zwischen verschiedenen Bildauflösungen wählen. Zwei Werte sind hier interessant:

  • Farbwerte einer Rastergrafik in Pixeln (px). Es werden immer die Größen der beiden Seiten angegeben. Also z.B. 2800 x 1400 px
  • Auflösung für den Druck = Dots per inch (dpi). Die üblichsten sind 300 dpi und 72 dpi.

Nun sind hohe Pixelwerte gut, aber zu große Werte – das kennt ihr von euren Privatfotos – machen die Bearbeitung am Computer schwierig, da sehr viel Rechenarbeit nötig ist. Grob gesagt: Alles über 3000 px ist schon Profibereich, alles unter 1000 px kann Schwierigkeiten mit der Qualität bringen.

Bei dpi ist es ähnlich, höher ist besser. Doch für eine Anwendung im digitalen Bereichen, also wenn ihr euer Buch nur als E-Book herausbringen wollte, reichen meist 72 dpi. Wollt ihr das Cover drucken, sind 300 dpi nötig.

Und natürlich ist ein Foto in höherer Auflösung teuerer.

Tipp: Wollt ihr euer Buch als E-Book und Druckversion herausbringen, kauft das Coverbild auf jeden Fall in einer 300 dpi-Auflösung.

Standartlizenz und Pluslizenz

Selbst wenn ihr eine Standartlizenz erwerbt, dürft ihr mit dem Foto nicht alles machen. Bei dem Fotos oben heißt Standartlizenz zum Beispiel, dass ihr das Bild auf Produkten, also auch auf Bücher verwenden dürft, wenn ihr bis zu 500 000 Kopien erstellt. Verkauft ihr mehr, braucht ihr eine Pluslizenz. Es ist ebenfalls nicht erlaubt, dieses Bild auf T-Shirts oder Tassen zu drucken. Was ich damit sagen will: Lest das Kleingedruckte. 

Keine Ausschließlichkeit

Ach, noch etwas. Ihr habt euer Bild gefunden, ihr gestaltet euer Cover, und dann – seht ihr, dass eine andere Autorin/ein anderer Verlag das gleiche Fotos verwendet hat! Jep, das kann passieren. Ihr seht hier, ich bin selber betroffen (bzw Oetinger). Und – ziemlich glücklich, dass der andere Coverentwurf okay ist. Auch wenn das vollkommen zweitrangig ist, denn jeder, der sich die Nutzungsrechte für das Fotos holt, kann es verwenden.

Beide Cover sind nicht vollkommen identisch. Die Schrift macht sie vor allem anders und der rote Button über dem rechten. Aber selbst das Foto ist nicht genau gleich benutzt worden. Der Ausschnitt ist etwas anders gewählt und oben am Himmel, da ist doch auch etwas gemacht worden, oder? Stimmt. Wie das geht, also ein Foto so zu bearbeiten, dass es für eure spezielles Cover passt und warum das so wichtig ist – erzähle ich dann in 4 Wochen.

Bis dahin eine gute Zeit. Fragen gerne in die Kommentare.

Love and peace

Katrin

#covergestaltung#redbugwriting

7 Tipps für vielschichtige Charaktere

7 Tipps für vielschichtige Charaktere #7 Schwächen und Ticks

18. April 2018
Schwächen und Ticks
Schwächen und Ticks

Aufmerksamen LeserInnen meiner Blogbeiträge ist vielleicht aufgefallen, dass ich zwar angekündigt habe, über Charaktere und Method Acting zu schreiben, dies dann aber doch nicht getan habe. Jep, das passt zum Thema. Schwächen und Ticks. Und meine Schwäche ist es, manchmal zu schnell vorzustürmen. Ja, Method Acting auf die Charakterentwicklung anzuwenden ist genial, aber – wie mir klar wurde – weder in einem Absatz, noch einem Blogartikel abzuhandeln. Darüber muss und werde ich eine ganze Blogreihe schreiben, also habt noch ein wenig Geduld.

Ich kann diese Schwäche nicht besonders gut an mir leiden. Immer dieses Ankündigen und dann … Ich fange gerne etliche Dinge an, Buchprojekte zum Beispiel, und dann finde ich nicht die Zeit, sie alle zuende zu schreiben. Ich denke, ich kann mein Leben planen, aber dann gehe ich doch mit dem Flow. Nun mag es Leute geben, die finden das grausig an mir, aber – okay, das macht mich aus. Menschlich. Und – irgendwie vermutlich sogar sympathisch. Denn hinter meiner Schwäche versteckt sich eine Menge Enthusiasmus und Optimismus und wenn man so will, ist die Schwäche die andere Seite dieser Medaille.

Warum vielschichtige Charaktere Schwächen haben sollten

Was ich sagen will: Ihr werdet keinen Menschen finden, der keine Schwächen und Ticks hat. Beides ist übrigens nicht das Gleiche,  ich habe es aber in ein Kapitel gepackt, weil es kleine Unschönheiten sind, die das perfekte Bild einer HeldIn oder eines Charakters – nein, nicht kaputt machen, sondern  – abrunden. Den Charakter lebendig machen. Und liebenswert. Denn es ist sehr wichtig, dass die Leser eure Charaktere mögen und Lust haben, sich eine ganze Geschichte lang mit ihnen zu beschäftigen. Okay, wie groß sollte die Schwäche sein? Nun, nicht allzugroß. Denn wenn eure Heldin kein Rückgrat hat, dann ist das mehr als eine Schwäche, es ist ein Charakterfehler. Auch damit kann man eine Heldin ausstatten, doch ich versichere euch, das wird eine schwer zu schreibende Geschichte. Denn wer möchte sich eine ganze Geschichte lang mit einem rückgratlosen Charakter beschäftigen? Ich nicht.

Also sucht euch die kleinen Fehler, die gerade groß genug sind, eure Heldin in eine bedrohliche Situation zu bringen, aber die guten Charaktereigenschaften nicht unterhöhlen. Wobei wir bei dem nächsten Punkt wären:

Funktionen einer Schwäche

Geben wir der Heldin eine kleine Schwäche. Zum Beispiel Vergesslichkeit. Das macht sie menschlich und sympathisch. Doch in guten Geschichten sind Schwächen nicht nur Schwächen, sie haben auch eine (dramaturgische) Funktion. Das heißt, irgendwann wird deutlich, dass diese Schwäche die Achillessehne eurer Heldin ist. Hier kann man ihr schaden und der Gegner/Feind wird diese Schwäche nutzen. Oder sie wird sich selbst mit dieser Schwäche schaden, einen wichtigen Termin vergessen, eine Bus verpassen, etwas liegenlassen, was ihr wichtig ist. Die Schwäche kann auch zu  Stärke werden: Tasche vergessen – nun, da war eine Bombe drin. Und natürlich kann er oder sie die Schwäche auch im Laufe der Geschichte überwinden. Euren HeldInnen Schwächen zu geben, hat also mehrere Vorteile:

  • Die HeldIn erscheint menschlicher, der Leser kann sich besser mit ihm/ihr identifizieren
  • Die Schwäche kann dramatugisch eingesetzt werden, um der HeldIn zu nutzen oder zu schaden
  • Die Schwäche kann während der Geschichte überwunden werden
  • Die Schwäche kann von einem Freund/Feind ausgenutzt werden

Ticks

Speen, Fimmel, Knacks, Knall, Marotte, Spleen, Tick, Verrücktheit. Wir kennen viele Wörter für die kleinen Auffälligkeiten, die Menschen haben können. Ich habe mich für Tick entschieden, denn ich meine hier tatsächlich eher die kleinen Auffälligkeiten. Unter Berlinern ist Macke schon kurz vor verrückt, genauso wie Knall und Knacks. Nee, nee, ich meine die kleinen Ticks und Angewohnheiten, die Menschen in der Regel sympathisch machen. Oder auch höllisch nerven können. Sich an der Nase kratzen, die Brille hochschieben, sich ständig entschuldigen, nur blaue Kugelschreiber benutzen, eine Zigarette nie zuende rauchen und so weiter. Dinge, die einem Charakter Farbe geben. Ihn besonders machen. Gerade die Nebenfiguren eurer Geschichte profitieren von kleinen Ticks. Warum?

Funktionen von Ticks

Nebencharaktere sind großartig. Sie machen eine Geschichte bunt. Sie unterstützen die Protagonisten oder schaden ihnen, sie entlasten den Leser von zu viel Stress, wenn eure HeldIn gerade in Schwierigkeiten steckt, sie bringen Humor in eine Geschichte, sie sind – unentbehrlich. Doch manchmal – ganz ehrlich – sind sie schwer von einander zu unterscheiden. Nicht in guten Büchern, denn gute Autoren geben ihren Nebencharakteren charakteristische Merkmale. Ticks gehören dazu. Ticks können sich in vielfältiger Weise bemerkbar machen:

  • Aussehen: Trägt immer nur schwarz …
  • Sprache: Lispelt, stottert …
  • Verhalten: Wäscht sich ständig die Hände,
  • Kommunikation: Hört nicht zu, vergisst Namen …

Kleine Ticks und Macken sind ein gutes Mittel, einen (Neben-)charakter besonders zu machen, ihn/sie hervorzuheben. Wenn jemand auffällig spricht, verwechselt man ihn oder sie im Dialog nicht und kann den Charakter besser von anderen unterscheiden.

Natürlich könnt ihr auch euren HeldInnen einen Tick geben. Eine kleine Sache, kleiner als eine echte Schwäche, die ihn/wie aber (siehe oben) sympathisch, weil menschlich macht.

Wann baue ich Schwächen und Ticks ein?

Eigentlich ist das ein schöner Beitrag, um diese  Blogreihe über vielschichtige Charaktere abzuschließen. Er  gehört auch ans Ende. Denn über die Schwächen und Ticks eurer Charaktere, sollte ihr als allerletzes nachdenken. Sie sind das Tüpfelchen auf dem i, etwas, was ihr vielleicht sogar erst einbaut, wenn ihr eure Geschichte schon fast zuende geschrieben habt. Dann, wenn ihr selbst eure Charaktere so gut kennt, dass ihr eine kleine Schwäche perfekt in den Gesamtcharakter intergrieren könnt.

Einzige Ausnahme: Ihr schreibt das, was man leicht abfällig Sick-Lit nennt. Wenn ihr also Schwächen, Krankheiten, Verrücktheiten, Spleens und Ticks zum Hauptthema eines Buches macht oder zur Haupteigenschaft eures Charakters. Ich gebe zu, ich mag das nicht, auch wenn es einige gute Bücher in diesem „Genre“ gibt. Es ist leicht, beim Leser Betroffenheit und Sympathie für einen Charakter zu erzeugen, wenn er/sie eine tödliche Krankheit hat. Irgendwie zu leicht. Und aus dem Anteilnehmen und Mit-Leid haben wird nur zu schnell eine Art Voyeurismus. Sehen wir ihm/ihr beim Sterben zu! Juhu. Wie spannend.

Ich finde, mit diesen Geschichten sollte man sehr vorsichtig sein, auch, weil sie zur Zeit den Markt überschwemmen. Aber wenn ihr eine solche Geschichte erzählen wollt, in der eurer Hauptcharakter mit einer deutlichen Schwäche zu kämpfen hat, dann fangt – logisch – mit diesem Merkmal an. Alles andere – muss sich dann diesem Charakterzug unterordnen.

Okay, eine weitere Miniserie geht zuende. Ich überlege noch, über was ich als nächstes blogge (Vorschläge jederzeit willkommen) und lasse mir dafür etwas Zeit. Nächste Woche daher kein Blogbeitrag über das Schreiben von mir, wir sehen uns ganz frisch in zwei Wochen wieder, oder eigentlich – ups! – morgen, da gibt es einen neuen Beitrag über – Coooovvvver!

Auf in die Sonne

xoxo

Katrin

#amwriting #schreibtipps #redbugwriting #rbpub

DIY-Donnerstag, Epub Insights

EPUB INSIGHTS #4 – RANDAUSGLEICH

12. April 2018

Howdy liebe AutorInnen und SelfpublisherInnen,

ein Beitrag über optischen Randausgleich in E-Books? Macht das Sinn? Ist man bei E-Books nicht sowieso dem Darstellungsmodus der unterschiedlichen E-Reader und den Vorlieben der Leser, die sich Schriftarten und Größen, Zeilenabstände und Randbreiten selbst einstellen, völlig ausgeliefert?  Und was ist optischer Randausgleich überhaupt?

Mit optischem Randausgleich ist der ästhetische Ausgleich der Spaltenränder in einem Textblock gemeint. Endet eine Zeile z.B. mit einem Trennstrich, einem Komma oder Punkt, wirkt der rechte Rand einer Seite optisch oft ausgeglichener, wenn diese Zeichen leicht über den Satzspiegel hinausragen.

Kommas und Trennstriche ragen über den rechten Textrand hinaus

Ähnliches gilt auch für den Zeilenanfang, wo manche Großbuchstaben wie z.B. das »W« oft über den linken Rand hinausgesetzt werden, um eine optisch ausgeglichene Linie zu erreichen. Mit modernen Textverarbeitungs- und -satzprogrammen wie InDesign lässt sich der optische Randausgleich automatisch einstellen.

Da bei E-Readern der Text flowable ist und sich ein optischer Randausgleich auch nicht per CSS steuern läßt, scheint es zunächst so, als wäre das Thema hier obsolet.

Mir ist aber in vielen Romanen aufgefallen, dass in dialoglastigen Passagen oft Absätze mit wörtlicher Rede und Absätze mit normalem Text schnell aufeinander folgen.

Je nachdem welche Anführungszeichen dort benutzt werden, kommt es zu kleinen unruhigen optischen Löchern.

Kleiner Exkurs zu Anführungsstrichen:

Beispiele für die Anwendung von Anführungszeichen in verschiedenen Sprachen.

  • ‘englisch’
  • “amerikanisch”
  • „deutsch“
  • »französische Guillemets, deutsche Anwendung«
  • « französische Guillemets »

Bei der französischen Schreibweise der Guillemets wird eine Leerzeichen zwischen Anführungszeichen und Text geschrieben. Bei allen anderen Beispielen steht der Text ohne Leerzeichen zwischen den Anführungszeichen.

Wird innerhalb eine wörtlichen Rede noch einmal zitiert, wechselt man in den meisten Fällen auf einfache Anführungszeichen. Nur die Briten machen es (nicht erst seit dem Brexit) anders. Sie wechseln innerhalb der wörtlichen Rede, dann auf doppelte Anführungszeichen.

  • ‘englisch “verschachtelt”’
  • “amerikanisch ‘verschachtelt’”
  • „deutsch ‚verschachtelt‘“
  • »französische Guillemets, deutsche Anwendung ›verschachtelt‹«
  • « französische Guillemets ‹ verschachtelt ›»

Obwohl in gedruckten Texten die Guillemets  die geringsten optischen Löcher verursachen, scheinen mir sie in E-Books besonders unruhig.

Guillemets in einer Line mit dem Einzug

Also habe ich versucht einen »optischen Randausgleich« nur für die eingezogen Abschnitte einzurichten, die mit einem Anführungszeichen beginnen.

Guillemets etwas nach links hängend

Ich bin mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Die Guillemets hängen fast unmerklich nach links und sorgen so für ein ruhigeres Bild.

Um diesen Einzug zu erreichen füge ich in der CSS eine weitere Klasse ein. Ich nenne sie .umbruch_2. Sie ist mit der Klasse für den normalen Zeilenumbruch .umbruch bis auf einen Wert identisch. Ich habe den indent Wert von 1em auf 0.9em reduziert.

Jetzt ordne ich allen Absätzen, die mit einem Guillemet beginnen, dieser neuen Klasse zu.

Das mache ich natürlich nicht händisch, sondern ersetze in meinem Text-Ordner im OEBPS-Ordner alle Codeschnipsel <p class=„umbruch“>&raquo; mit <p class=„umbruch_2“>&raquo;

Bis in vier Wochen, wo es um die Anwendung von italics gehen wird.

Bis dahin, steht auch mal vom Rechner auf und genießt die Sonne.

Uwe

 

7 Tipps für vielschichtige Charaktere

7 Tipps für vielschichtige Charaktere #6 Charakter

11. April 2018
Charakter
Charakter

Es ist interessant, dass wir im Deutschen schon von Buchcharakteren reden und nicht von Buch-Personen, -leuten, was schon mal ein Hinweis ist: Ein Buch-Charakter muss Charakter haben. Wenn wir von jemanden sagen, er hat Charakter, dann meinen wir mehr als nur: Er hat bestimmte Eigenschaften. Ein Mensch mit Charakter fällt auf, ist besonders, sticht hervor. Ein Mensch ohne Charakter blendet leicht in die Masse der anderen Menschen, sagt, was jeder hören will oder man eben so sagt. Ein guter Buchcharakter sollte anders sein: Jemand, den man immer erkennen wird, da er heraussticht. Eine Persönlichkeit. Das muss nicht heißen, dass eure HeldIn gut, edel und wohlanständig ist. Eure HeldIn kann genauso böse, verschlagen und hinterhältig sein. Wir würden dann sagen: Sie hat einen schlechten Charakter. Aber, Freunde, sie hat einen Charakter.

Was ist überhaupt Charakter?

Wie schon im letzten Beitrag erwähnt, ist der Charakter – im Gegensatz zum Temperament – die Summe der erworbenen Aspekte und individuellen Wesenszüge. Wichtig ist hier das Wort: erworben. Also Eigenschaften, Verhaltens-, Denk- und Gefühlsmuster, die man im Laufe seines Lebens animmt, erwirbt, ausprägt. Jetzt wird auch klar, warum man von einem schlechten oder guten Charakter spricht, wie von einer guten oder schlechten Erziehung, einem guten oder schlechten Verhalten. Wenn es also um Charakter geht, wird es schwer, sich herauszureden. Ich bin nun mal cholerisch – mag noch angehen. Aber ich bin hinterhältig, gerissen, verschlagen, illoyal? Nein, du hast einfach einen miesen Charakter. Ändere dich! Oder auch nicht, denn was wäre die (Buch-)welt, wenn sie nur von Heiligen und Engeln bevökert wäre. Richtig – ziemlich langweilig.

Unter Charakter versteht man traditionell – ausgehend von der aristotelischen Ethik – und erneut in der modernen Psychologie diejenigen persönlichen Kompetenzen, die die Voraussetzung für ein moralisches Verhalten bilden. (Wikipedia)

Hier könnte jetzt eine lange Abhandlung darüber folgen, wie sich der Begriff im Laufe der Jahrhunderte verändert und geschärft hat, doch das führt hier eindeutig zu weit. Ohne den Begriff Charakter noch näher zu definieren, oder zu erörtern, was einen guten Charakter ausmacht, ist mir wichtig, dass ihr versteht, dass euer Held oder eure Heldin oder auch euer Feind/Antagonist und im Grunde jede Figur, die ihr in eurem Buch auftauchen lasst, einen Charakter haben sollte. Haben muss. Ja, denn ohne Charakter habt ihr weder eine Geschichte, noch einen Konflikt, noch überhaupt eine klare Definition eurer HeldInnen.Charakter

Wie formt sich ein Charakter?

Es gibt für mich vor allem drei Dinge, die einen Charakter formen:

  • Äußere Einflüsse
  • Das eigenen Handeln/Nichthandeln
  • Die Bewertung des Lebens, der eigenen Person = Das Mindset.

Äußere Einflüsse: Wir wissen es selbst, auf viele Dinge, die unseren Chakrater formen, haben wir keinen oder wenig Einfluss: Eine harte Kindheit, Verlust, eine Verletzung, eine Behinderung. Krieg, Armut. Oder aurch eine besonders schöne Kindheit, liebevolle Eltern, eine Erbschaft.

Eigenes Handeln: Jeder Zustand, ist durch Aktion verwandelbar. Schlechte Noten kann man durch Lernen verbessern, einen untrainierten Körper trainieren, über- oder Untergewicht beeinflussen. Ja, es ist nicht so einfach, aber möglich.

Mindset: Es gibt Menschen, die sitzen im Rollstuhl, sind blind oder taub – und sehr viel glücklicher als Menschen, die hören, sehen und laufen können. Jemand der positiv ist, das Glas eher halbvoll als halbleer sieht, wird besser mit Rückschlägen klarkommen, ausdauernder sein und damit seinem Charakter entscheidend prägen. Oder umgekehrt.

Handeln und Mindset – Aktive und passive Romanfiguren

In vielen Büchern wird der Charakter einer Romanfigur allein durch das definiert, was ihr zustösst. Sie hat ihre Eltern verloren, die Mutter ist an Krebs gestorben, der Freund hat sie verlassen. Doch niemand wird allein dadurch interessant oder tiefsinnig, dass er großes Leid erfahren hat oder auch großes Glück. Also Achtung. Um einen vielschichtigen Buchcharakter zu erfinden, braucht es etwas mehr. Es ist nicht nur wichtig, was er erlebt hat oder erlebt, sondern vor allem, wie er darauf reagiert – oder auch nicht.

  • Seine Eltern sind früh verstorben – er hat sich geschworen, sich niemals mehr auf Menschen zu verlassen.
  • Seine Eltern sind früh verstorben – die Liebe und die Bindung zu einem anderen Menschen ist für ihn das Wichtigste überhaupt.

Der Charakter eines Menschen zeigt sich durch sein Handeln und Reden. Seine Aktivität. Und durch sein Denken und Nicht-Handeln. Seine Passivität.

Auch wenn ihr die Wahl habt, eure Figuren aktiv oder passiv anzulegen, denkt daran: Einen Helden oder eine Heldin nicht handeln zu lassen, kann sehr schnell langweilig werden, denn der Held treibt die Handlung eures Buches voran. Es ist seine/ihre Geschichte, er/sie hat etwas zu erzählen. HeldInnen müssen aktiv sein oder zumindest im Laufe der Geschichte aktiv werden.

Wie erschafft man eine vielschichtige Romanfigur?

Wer schreibt, benutzt Worte. Ist die Sache dann nicht ganz einfach?

Er war ein sehr tiefsinniger Mensch mit einem starken Willen und großer Diziplin.

Nope! So geht es nicht. Denn ihr schreibt kein Buch, um eine Behauptung aufzustellen, sondern ihr müsst den Charakter eurer Romanfiguren – enthüllen. Show, don’t tell! Das ist nicht nur spannender, sondern auch wichtig, damit der Leser eure Helden kennenlernt. Und zwar so, wie man andere Menschen auch sonst kennenlernt. Langsam, nach und nach.

Egal, ob ihr die Sache ganz groß macht (Held rettet Kind aus Feuer) oder ganz klein (Held kratzt sich ständig an der Nase), stellt euch darauf ein, dass eurer Buchcharakter euch (und den Leser) eine Weile begleiten wird und sich auf verschiedene Weise zeigen muss und wird. Erst eine Reihe von Aktionen machen ihn zu dem was er ist. Lasst eure Helden – wachsen.

Wichtig: Wenn ihr eine Romanfigur erschafft, legt sie nicht zu schnell fest. Ihr könnt ihr eine äußere Erscheinung geben, aber seinen Charakter von vornherein, also bevor ihr anfangt zu schreiben, zu definieren, ist unklug. Gebt nicht nur euren Lesern, gebt auch auch selbst Zeit und Raum eure Figuren kennenzulernen.

Und wie geht das?

Nun, als Autoren habt ihr verschiedene Möglichkeiten:

  • Aktionen und Handlungen: Es gibt Menschen, die stürzen sich auf eine Aufgabe und packen sofort an. Andere warten ab, zögern, oder bleiben abseits stehen. Was die Figuren in eurer Geschichte machen oder nicht, ist ein Spiegelbild ihres Charakters.
  • Dialog: Menschen sind wortkarg oder gespächig, wortgewandt oder einsilbig. Manche sind offen, andere verschlossen, was ihre Gefühle angeht. Dialog ist etwas, was man häufig überarbeiten muss, daher wundert euch nicht, wenn euer Romanfigur seine „Sprache“ erst finden muss. Versucht ihm früher oder eben später eine typische Ausdrucksweise zu geben. Ihn oder sie mehr oder weniger über sich sagen zu lassen.
  • Reaktionen auf Menschen und Ereignisse: Jeder hat eine andere Art auf Menschen zuzugehen, ist introvertiert (nach innen gerichtet) oder extrovertiert (nach außen gerichtet). Ein Mensch, der schon viel erlebt hat, wird unerschrocken und vielleicht sogar brutal sein, jemand, der wenig Erfahrung hat eher vorsichtig.
  • Gedanken: Will man im Film die Gedanken einer Person ausdrücken, muss man zum Voice-Over greifen, was manchmal etwas gewollt wirkt. Beim Schreiben gibt es die wunderbare Möglichkeit, das Innenleben/dieGedanken eurer HeldInnen zu beschreiben. Alles, was die introvertierte HeldIn in einer Szene nicht gesagt hat, kann ihr nachher durch den Kopf gehen.
Intuition

Wenn ich länger an einem Filmset bin, dann  spiele ich oft ein Spiel. Da ich die Menschen meist nicht kenne, kann ich sie ohne Vorurteile beobachten und einschätzen. Die Frage ist: Wem dieser Menschen würde ich vertrauen, bzw. mit wem würde ich mich zusammentun, wenn ein Feuer ausbricht/sich ein Überfall ereignet/oder irgendeine andere Katastrophe passiert? Man kann es auch in der U-Bahn oder im Bus spielen. Ich komme immer und sehr schnell zu einer Antwort. Es ist erstaunlich, wie stark das Unterbewusstsein und die Intuition einem bei diesen Entscheidungen helfen. Man kann es auch zu zweit oder dritt spielen. In der Regel kommt man auf die gleiche Gruppe von Menschen. Was ich damit sagen will: Vertraut auch beim Schreiben auf eure Intuition, wenn ihr eine Figur erschafft. Handwerk ist eine Sache, aber beim Schreiben braucht man – gerade, wenn man Buchcharaktere erschafft – sehr viel Intuition.

Nächste Woche geht es um Schwächen und Ticks und warum es so wichtig ist, euren Buchcharakteren die richtige Dosis davon zu geben.

Bis dahin – eine schöne Woche!

xoxo

Katrin

#schreibtipps #amwriting #redbugwriting

DIY-Donnerstag, Lettering

Red Bug Lettering #4: Wie finde ich die beste Buchstabenform?

5. April 2018
Beitragsbild Lettering Lukas Horn Red Bug Writing

Dieser Blogbeitrag soll eine Grundlage für die nächsten Lettering Workshop Beiträge bilden. Hierauf werde ich öfters verweisen, da es eine Sichtweise auf das Konstruieren von Buchstaben ist, die euch helfen wird. Wenn ihr tolle Lettering- und einfach Schriftzüge malt, wird euch das hier weiterbringen.

Also lasst uns beginnen!

Beitragsbild Lettering Lukas Horn Red Bug Writing

Das Buchstabengerüst

Bevor ich mit einem Lettering loslege, gehe ich meist intuitiv diesen Weg: Zuerst suche ich nach der einfachsten Form der Buchstaben, nach dem Gerüst. Es ist nur eine hauchdünne Linie, die die Grundstruktur der Buchstaben festlegt. Manchmal male ich sie leicht mit Bleistift vor (dann kann ich auch noch korrigieren), manchmal denke ich sie mir nur. Wichtig ist aber, dass ihr euch hier und da gute Gedanken macht. Das merkt der Betrachter nämlich. Jedes Fünkchen Gefühl und jeden Gedanken, den ihr in euer Lettering packt, wird gleich unterbewusst vom Gehirn und von den Sinnen bearbeitet. Kleine Ecken oder Unstimmigkeiten fallen schnell auf.

Also fragt euch am Anfang, was am besten zu dem Wort, das ihr schreiben wollt, passt. Entscheidet euch zwischen konstruierten Formen, die gezeichnet und geometrisch sind und einem Schreibschriftstil. Also passt zu eurem Konzept eher etwas Klares? Dann empfehle ich euch in die konstruierte Richtung zu gehen. Ansonsten, wenn zu eurem Konzept eher etwas emotionales oder Handgemachtes passt, nehmt die Schreibschriftrichtung.

Beitragsbild Lettering Lukas Horn Red Bug Writing

Ihr habt viele coole Möglichkeiten so eine konstruierte Schrift zu gestalten. In der unteren Abbildung seht ihr ein paar Beispiele wie eure Schrift noch geschliffen werden kann. Passt zu eurer Schrift etwas Gedrungenes? Dann gestaltet eure konstruierte Schrift schmal! Oder ist euer Schriftzug für eine Metalband? Dann passt eine eckige Form doch ganz gut.

Beitragsbild Lettering Lukas Horn Red Bug Writing

Bei der Schreibschrift findet ihr dieselbe Vielfalt. Schaut einfach, was euch am besten gefällt und vor allem: Probiert es aus und malt Varianten und Richtungen. Dann werdet ihr schnell zu einer passenden Form kommen.

Beitragsbild Lettering Lukas Horn Red Bug Writing

 

Beitragsbild Lettering Lukas Horn Red Bug Writing

Die Buchstabenhülle

Jetzt haben wir ein Gerüst für unsere Schrift. Das ist der Grundstein, quasi das Skelett für unsere Schrift, yeah!

(Ihr nehmt einfach das, was euch bei eurem Entwurf am Besten gefällt. Ich zeige euch den weiteren Prozess mit einer konstruierten Schrift von ganz oben.)

Nun kommt endlich euer Lieblingsstift ins Spiel. Oder auch ein anderes Werkzeug. Der Buchstabe bekommt seine Gestalt durch die Technik mit der wir ihn formen. Egal ob ihr mit einer selbstgeschnittenen Schablone etwas an die Wand sprüht, oder in kalligrafischer Meditation mit einer traditionellen Breitfeder schreibt, jedes Werkzeug spricht seine eigene Sprache. Probiert hier aus und schaut, was euch am besten gefällt, oder was am besten zu eurem Projekt passt! Ihr zeichnet euer Gerüst mit Bleistift vor und malt dann mit eurer Technik drüber (nehmt auch gerne Pauspapier). Ihr werdet sehen, dass ihr eine gute Orientierung habt.

Beitragsbild Lettering Lukas Horn Red Bug Writing

 

Beitragsbild Lettering Lukas Horn Red Bug Writing

Schrift in Kontext setzen

Toll, ihr habt euren eigenen Buchstaben kreiert! Jetzt kommt nur noch der Feinschliff.

(Ihr nehmt wieder euren Lieblingsentwurf. Ich zeige euch den weiteren Prozess mit einer monolinearen Schrift.)

Die Schrift braucht oft nicht viel drumherum. Aber gerade wenn es darum geht, für ein Buchcover oder etwas anderes einen coolen Schriftzug zu gestalten, gibt es kleine Features, die die Buchstaben erst richtig mit dem Medium verbinden. Vielleicht ist es ein kleiner Schlagschatten unter der Schrift? Oder muss Farbe mit ins Spiel? Werdet kreativ und lasst eurer Intuition freien Lauf. Seid verrückt, seid wild! Das wirkt Wunder.

Beitragsbild Lettering Lukas Horn Red Bug Writing

Ich freue mich wenn ihr diesen Flow ausprobiert! Wer noch mehr zu diesem Thema wissen will kann sich gerne in den Newsletter eintragen, ich habe für euch ein Worksheet vorbereitet. Beim nächsten Newsletter bekommt ihr dann nicht nur dieses, sondern auch alle anderen Lettering-Worksheets.

Viele Grüße & bis zum nächsten Letteringbeitrag,

Lukas

7 Tipps für vielschichtige Charaktere

7 Tipps für vielschichtige Charaktere #5 Temperament

4. April 2018
Temperament
Temperament & Charakter

Als ich vor zwei Wochen meinen Beitrag über Gestik und Mimik beendet habe, dachte ich, okay, jetzt nur noch ein Beitrag über die inneren Werte, das, was wir auch Charakter nennen, und dann haben wir unseren vollständigen Buchcharakter erschaffen. Und dann fiel es mir auf: Was ist mit Temperament? Denn Charakter und Temperament sind zwei sehr unterschiedliche Dinge, auch wenn sie sehr stark ineinanderfließen. Also ein wenig Terminologie:

  • Temperament nennt man die  angeborene, biologische Disposition, mit der Menschen auf verschiedene Bedingungen ihrer Umwelt oder ihres eigenen Körpers reagieren.
  • Charakter bezeichnet  hingegen (eher) die erworbenen Aspekte und individuellen Wesenszüge.
    Mit Charakter werden erworbene und von der jeweiligen Umwelt beeinflusste Verhaltens-, Denk- und Gefühlsmuster bezeichnet.

Natürlich beeinflussen sich Temperament und Charakter gegenseitig, manchmal ist beides nicht sehr deutlich voneinander zu trennen. Als gute Autoren solltet ihr beide Begriffe kennen und unterscheiden können, auch wenn am Ende ein homogener (einheitlicher) Buchcharakter entsteht.

Temperamentenlehre

Die Temperamentenlehre ist ein (schon in der Antike) entworfenes Persönlichkeitsmodell, das versucht, Menschen in bestimmte, genauer gesagt vier, Kategorien einzuteilen.

  • Sanguiniker (heiters Gemüt, fröhlich, optimistisch – Element Luft)
  • Choleriker  (aufbrausend, leicht erregbar, hitzig – Element Feuer)
  • Phlegmatiker (träge, unaufgeregt, besonnen – Element Erde)
  • Melancholiker (traurig, nachdenklich, zurückhaltend – Element Wasser)

Diese doch sehr einfache Einteilung wurde trotzdem jahrhundertelang akzeptiert. Den verschiedenen Temperamenten wurden Körpersäfte, Elemente und Eigenschaften zugeordnet. Wer sich mit Astrologogie auskennt, sieht hier weitere Paralellen.

Natürlich gibt es mittlerweile ergänzende Theorien und damit auch Mischformen der Temperamente. Hier kann man sich gleich selber einordnen. Meine Mischung wäre vielleicht 30 % Sanguiniker, 20 % Choleriker, 10 % Phlegmatiker und 40 % Melancholiker.

Egal, wie seltsam die Temperamentenlehre ist, eines ist mittlerweile klar: Wir Menschen kommen nicht als unbeschriebene weiße Blätter zur Welt. Wer Kinder hat, weiß das aus eigener Erfahrung. Jedes Kind ist anders, jeder Mensch ist anders und am Anfang gibt es eine Art Grunddispostion.

Euren Charakteren eine Grundtemperament oder eine Mischung zu geben, kann es sehr viel leichter machen, ihn konsistente, also einheitlich zu entwerfen.

Harry Potter und die 4 Temperamente

Okay, testen wir die Sache einfach einmal an  den Buchhelden aus Harry Potter. 

  • Melancholiker: Harry Potter
  • Sangunikier: Ron Weasley
  • Choleriker: Draco Malfoy
  • Phlegmatiker: Gregory Goyle, Dudley Dursley

Stimmt ihr zu?

Der Vorteil für euch als Autoren: Wenn ihr eine (grobe) Einsteilung eurer Charaktere in Temperamente vornehmt, habt ihr immer eine Grundstimmung, auf die ihr zurückgreifen könnt.

Egal, ob es um die Eroberung der Welt oder das Abräumen des Küchentischs geht, wenn ihr eine Vorstellung von dem Grundtemperament eures Helden habt, wird klar, wie er unmittelbar auf diese Herausforderung reagieren wird. Der Choleriker wird sich sicher aufregen, der Melancholiker die Sache in Frage stellen, der Sanguiniker einfach mal loslegen, der Phlegmatiker es als zu aufwendig ablehnen. Egal ob Küchentisch oder Welteroberung.

Es wird ebenso deutlich, an welcher Stelle dieser Charakter aus seiner Reserve geholt werden muss. Harry muss aktiver und tatkräftiger werden, Ron besonnener. Daher sind die beiden die idealen Freunde, sie ergänzen sich.

Temperament und Archetypus

Das Temperament eines Menschen wird realitv schnell sichtbar. Es liegt eher an der Oberfläche. Mit Archetypus werden die Grundstrukturen menschlicher Vorstellungs- und Handlungsmuster bezeichnet, die sich im kollektiven Unbewussten befinden. Sagen wir: Das, was schon seit Anbeginn der Menschheit Einfluss auf uns hat und uns unbewusst beeinflusst. Egal ob man das nun als Tiefenstrukturen oder Verhaltenssysteme bezeichnet, Archetypen sind ebenfalls ein großartiges Hilfssystem für Autoren, Charaktere zu erschaffen. Isabel stellt euch in diesem Jahr alle 12 Archetypen am DIY-Donnerstag hier auf dem Blog vor.

Im Film und Theater finden die Archetypen schon seit langem Anwendung. Hat man sich zum Beispiel entschieden, eine Figur nach dem Muster des Outlaw zu konstruieren oder zu erschaffen, dann kommen mit diesem Archetypus eine ganze Reihe von äußeren und inneren Verhaltensmustern, die ihr für eure Figur verwenden könnt. Doch zurück zum Temperament.

Praktische Anwendung

Der Protagonist eures Buches, der Held oder die Heldin, ist der aktivste Chrakter eures Buches. Es macht sicher keine Sinn, ihn zum Plegmatiker zu machen, oder? Vielleicht ist auch ein cholerischer Held nicht sehr attraktiv. Aber, nun, manchmal kann es reizvoll sein, die typischen Rollenmuster zu durchbrechen. Pu der Bär fällt mir ein, ein typischer Plegmatiker, der einen ganz großartigen Helden abgibt.

Gute Charaktere, und das gilt besonders für die Helden und Heldinnen eurer Geschichte, machen starke Wandlungen durch. Pu der Bär, der eigentlich recht gemütliche Plegmatiker, wird aktiver. Ein melancholischer Held wird fröhlicher, ein sanguinischer am Ende vielleicht tiefsinniger sein. Sich über diesen Spannungsbogen am Anfang klar zu werden, kann euch helfen, eure Charaktere wachsen zu lassen.

Ich denke am Ende der Geschichte, bzw. des Lebens sollte ein Mensch so souverän wie möglich sein. Also Anteile aller Temperamente in sich tragen oder erfahren haben oder zumindest damit umgehen können. Das meine ich mit vielschichtig. Es ist übrigens sehr aufregend, diese Entwicklung mit seinem eigenen Buchcharakter zu durchleben, mit ihm zu wachsen. Ich stelle oft fest, dass es mir schwer fällt, meine Charakere ganz anders handeln zu lassen, als ich es tun würde. Doch eigentlich ist genau das die Chance mich an einer Figur abzuarbeiten. Dieser kreative Prozess unterscheidet ein gutes Buch von einem durchschnittlichen. Ich könnte sogar noch weiter gehen und sagen: ein durchschnittliches Leben von einem aufregenden, großartigen.

Und: Ihr schafft das :)

Nächste Woche dann der Blogbeitrag über Charakter, also die „erworbenen Aspekte und individuellen Wesenszüge“ eines Buchcharakters. Das, was durch Erziehung, Lebenserfahrung und innere Haltung geformt wird und – da ihr eure HeldInnen erschafft – von euch erfunden werden muss.

Eine schöne erste Frühlingswoche

xoxo

Katrin

#schreibtipps #redbugwriting #amwriting #charaktere

 

Archetypen, DIY-Donnerstag

ARCHETYPEN #4 : THE OUTLAW

2. April 2018
Archetypen #4 : THE OUTLAW

Die Tatsache, dass dieser Blogbeitrag verspätet zu euch kommt, passt perfekt zu dem Archetyp, den ich euch heute vorstelle.

THE OUTLAW

Archetypen #4 : THE OUTLAW

 

High noon, lässig am Zigarillo kauend, denkt der OUTLAW darüber nach, ob es nicht mal wieder Zeit für einen Aufstand wäre. Dieser Archetyp macht sich nicht viel aus Regeln. Sein Ziel ist es, von Zeit zu Zeit am System zu rütteln, damit die Sache wieder ordentlich in Schwung kommt. Und wen er/sie auch den Ruf eines Einzelgängers hat, so ist das doch etwas, was den OUTLAW zu einem wichtigen Teil der Gesellschaft macht.

 

 

Sirius
(just in case: *vorsicht spoiler*)

Als Harry zum ersten Mal von seinem Patenonkel hört, hält ihn die ganze Welt für den gefährlichsten Verbrecher der Zaubererwelt. Eingekerkert in Azkaban wartet er auf seine Rache und einmal ausgebrochen, fürchtet ihn jeder. Sogar die Muggel. Er ist ein Ausgestoßener, ein Krimineller. Niemand ist auf seiner Seite, denn niemand kennt den wahren Grund für Sirius Verhalten, in der Nacht in der Harrys Eltern starben. Von der Zaubererwelt verstoßen, beschließt er, das Gesetz selbst in die Hand zu nehmen. Und den Tod seines besten Freundes zu rächen. Er ist von tiefen Schuldgefühlen geplagt. Nur die Aussicht auf Rache hält ihn am Leben. Es braucht Lupins Glauben und Harrys Vertrauen in ihn, Sirius davon zu überzeugen, Peter Pettigrew zu verschonen.

Stärken und Schwächen

Weil sie Autoritäten gegenüber misstrauisch sind, haben OUTLAWS die einzigartige Möglichkeit, Gefahren und Potential in allen Lagern erkennen zu können. Denn, wie Sirius so schön sagt; „The world isn’t split into good people and Death Eaters.“ OUTLAWS wissen, niemand ist einfach nur gut oder einfach nur böse. Jeder von uns trägt Schatten und Licht in sich und das ist auch gut so. Denn wenn man das weiß, hat man die Möglichkeit sich zu entscheiden, welchem Instinkt man folgen möchte. Und diese Wahl ist das Markenzeichen der OUTLAWS.

Sie erkennen Regeln erst an, wenn sie sie selbst für gut befunden haben. Sie prüfen für sich selbst, wem sie folgen wollen. Wenn sie überhaupt jemandem folgen wollen. Denn, obwohl OUTLAWS den Anschein machen, am liebsten allein zu sein, sind sie erstaunlich gute Leader in Zeiten des Chaos. Sie sind unerschütterlich, wenn die Dinge kompliziert oder vielschichtig werden und können jedem beibringen, sich auf den eigenen Instinkt zu verlassen.

Oft folgen sie einem eigenen Moralkodex und haben einen erstaunlich ausgeprägten Gerechtigkeitssinn. Ja, sie sind eigenbrötlerisch und manchmal verhängnisvoll leidenschaftlich, aber ihr Idealismus richtet sich in den meisten Fällen gegen sie selbst. Sie davor zu schützen, in ihrer Zerstörungswut zu weit zu gehen, ist eine wertvolle Hilfestellung für jeden OUTLAW.

Wünsche und Bedürfnisse

Die Schwierigkeit eines OUTLAWS ist es, stabile Beziehungen einzugehen. Ihr natürliches Misstrauen gegenüber Organisationen und Systemen macht es ihnen schwer, sich auf andere Menschen einzulassen. Nicht jeder OUTLAW ist als solcher geboren worden. Und manchmal muss man sich fragen; welche Verletzungen haben zu seinem oder ihrem Rückzug geführt? Und was kann man tun, um das Vertrauen eines OUTLAWS wieder aufzubauen?

Tief in ihrem Herzen streben auch sie nach Anerkennung, Liebe und Gemeinschaft. Deshalb darf man sich von ihrem rauen Auftreten und eigensinnigen Lebensweisen nicht abschrecken lassen. Sie fordern andere heraus, sich ihrem eigenen Schatten zu stellen und provozieren Meinungsverschiedenheiten manchmal nur, um zu einem größeren Einverständnis zu gelangen.

Niemand ist perfekt. Das wissen OUTLAWS und werden nie müde andere darauf hinzuweisen. Genau so kritisch sind sie allerdings auch mit sich selbst. Es kann passieren, das OUTLAWS sich in sich selbst zurückziehen, wenn die Welt ihren Input nicht anerkennt. Deshalb ist es wichtig, ihre Meinung mit einzubeziehen. Denn in manchen Fällen wird man eines Besseren belehrt. Und muss zugeben: Der einfachste Weg ist nicht immer der Richtige.

Da ist es, was OUTLAWS auszeichnet. Sie halten nicht viel von Bequemlichkeit, scheuen sich nicht davor, gegen den Strom zu schwimmen. Sie besitzen den Mut, sich einer Mehrheit entgegenzustellen. Das macht OUTLAWS, wenn man ihr Vertrauen gewonnen hat, zu treuen Freunden und leidenschaftlichen Mitstreitern.

Talente und Berufungen

Auch wenn sie keinen Plan für die Zukunft haben mögen, in einem guten Team können sie aufblühen. Wichtig ist nur, ihnen genug Raum zu geben, ihre eigenen Wege zu gehen und ihre unkonventionellen Methoden anzuwenden. Als Freund eines OUTLAWS hat man die Aufgabe sich ihnen, wenn es sein muss, respektvoll in den Weg zu stellen. Der größte Liebesbeweis für einen OUTLAW ist es bisweilen, sie in Frage zu stellen. Denn das ist die Gabe, die sie selbst in die Welt bringen.

Es ist nicht leicht, einem OUTLAW zu sagen, was er oder sie zu tun oder zu lassen hat. Am besten gedeihen sie in einem Umfeld, in der sie ihren Impulsen freie Bahn lassen können. In dem sie ihre gesamte Energie auf ein Ziel richten können. Verstaubte Regeln und veraltete Konzepte wittern sie sofort und sind wertvolle Mitstreiter im Kampf gegen die Bequemlichkeit. Sie erkennen Chancen zur Erneuerung und das Potential für Verbesserungen. Sie lieben Chaos. Denn sie wissen, wie ein Phoenix aus der Asche, werden manchmal aus dem größten Chaos, die besten Ideen geboren.

 

Archetypen #4 : THE OUTLAW

Buchmesse Leipzig 2018

Buchmesse Leipzig 2018 #2 Kleine Verlage – Neue Wege

24. März 2018
Kleine Verlage – Neue Wege

Und dann wacht man auf und es schneit. Auf einmal scheint alles möglich, auch dass man in Leizig einschneit und auf der Buchmesse campieren muss. Aber dann doch bitte an einem Stand mit schönen Büchern!

Der Peter Hammer Verlag ist so einer. Schöne Bücher, konzentriertes Programm. Nur Peter Hammer konnten wir am Stand nicht entdecken – da er gar nicht exisitert!

Peter Hammer ist die wörtliche Übersetzung von „Pierre Marteau“. Das war ein Deckname, den die Urheber oppositioneller (bisweilen auch anrüchiger) Schriften seit dem 17. Jahrhundert benutzten, um sich dem Zugriff der Obrigkeit zu entziehen. Es war das Subversive an diesem Namen, das den Gründern des Verlages 1966 so gefiel: Kritische (links-)politische Bücher und Literatur jenseits des Mainstream sollten hier in Wuppertal erscheinen. (Website des Verlages)

Der Peter Hammer Verlag ist eigentlich gar nicht so klein, aber auch nicht richtig groß und hundertprozent unabhängig. Die haben es also irgendwie geschafft, denken wir und streichen über das Cover des neuen Pappbilderbuchs: Eins Zwei Drei – Vampir  von Nadia Budde. Ist es echt schon 20 Jahre  her, dass Eins Zwei Drei Tier erschienen ist? Unfassbar.

Das vegane Buch

Der nächste Stand ist klein – und auffällig. Kleine Verlage – Neue Wege – hier trifft das definitiv zu. Matabox hat wenige Bücher, dafür umso mehr Notizbücher und die ziehen uns immer magisch an. Am Stand wird uns das vegane Buch vorgestellt. Kein Tierleim in der Bindung, ein Buch aus – Gras. Echt jetzt? Ja, genau. Nachhaltig, umweltverträglich und die Tiere lässt man auch in Ruhe. Das neueste Projekt von Matabox ist ein Buch aus Samenpapier. In das handgeschöpfte Papier sind Samen von Wildblumen eingeschlossen. Ausgelesen? Einpflanzen und wachsen lassen. Seit Anfang März crowdfounded das kleine Unternehmen und weil man gute Ideen unterstützen sollte: Hier geht es zur Kampagne.

Ernste Themen …

… sind traditionell gut bei kleinen Verlagen aufgehoben. Besonders die unpopulären. Am Stand des underDog Verlags steht Dr. Christian Discher, der Autor von „Die Stimmen der Übriggebliebenen“ persönlich und drückt jedem einen Flyer in die Hand.

Der underDog Verlag ist ein gemeinnütziger Verlag, der sich in einer Ellbogen–Gesellschaft der Starken für die Schwachen nützlich machen und dazu beitragen will, unser Leben menschlicher zu machen. (Quelle: Verlagswebsite)

Christian Discher hat mit 17 in der Psychiatrie in Ueckermünde Inkompetenz und fragwürdige Zwangsbehandlungen in einer unwürdigen Unterbringung erlebt. In einer tagebuchartigen Erzählung berichtet er Jahre später über seine Begegnungen mit den Menschen, die in Ueckermünde zu unterschiedlichen Zeiten und in verschiedenen politischen Systemen behandelt wurden und nun verschollen sind. Sein Buch ist wichtig. Es zu lesen, sicher nicht einfach. Hier muss man erstmal schlucken, bevor man sich wieder in den Messetrubel begeben kann.

Er sieht klein aus …

… hat aber den großen Bruder Carlsen (die Bonnier Gruppe) hinter sich: Der Aladin Verlag wurde 2012 von dem ehemaligen Carlsen-Verleger Karl Humann gegründet und ist 2013 mit sechs Mitarbeitern gestartet. Er hat geschafft, woran der Königskinder Verlag gescheitert ist: gute Kinderbücher erfolgreich zu vermarkten. Vielleicht ist es ja auch leichter, mit Kinder- und Bilderbüchern erfolgreich zu sein, als mit anspruchsvollen Jugendbüchern, die manchem Erwachsenen schon zu schwer zu lesen sind. Wir verlieben uns sofort in die winzig kleinen Leseproben und König Guu, eine Geschichte von Adam Stower mit comicartigen Zeichnungen.

Fremdsprachig

Ja, es gibt noch viel mehr kleine Kinder- und Jugendbuchverlage auf der Buchmesse und überhaupt. Wir sehen uns weiter um, auch wenn es für dieses Mal genug ist. Kleine Verlage – Neue Wege – auf dem Rückweg zum Hallenausgang entdecken wir die Koje von  Books to Fall for, hier kann man auf jeden Fall noch etwas über Gestaltung lernen. Endlich mal eine andere Art, Bücher zu präsentieren. Überhaupt – warum sieht nicht alles viel verrückter und kreativer in der Halle 4 aus?

Sollte wir jemals auf der Messe sein, werden wir auf jeden Fall – auffallen. Versprochen!

Zum Abschluss noch die Erinnerung daran, dass heute Indiebookday ist. Also, Leute, ab in die Buchläden, unterstützt kleine unabhängige Verlage. Ihr wisst ja jetzt, wer dazugehört … Wer sich noch mehr einsetzen und an der Indiebookday-Challenge teilnehmen will:

Geht heute (24.03.2018) in einen Buchladen Eurer Wahl und kauft Euch ein Buch. Irgendeines, das Ihr sowieso gerade haben möchtet (oder das erste zur Teilnahme an der #Indiebookchallenge). Wichtig ist nur: Es sollte aus einem unabhängigen/kleinen/Indie-Verlag stammen. Danach postet Ihr ein Foto des Covers, des Buches, oder Euch mit dem Buch (oder wie Ihr möchtet) in einem sozialen Netzwerk (Facebook, Twitter, Instagram, Snapchat) oder einem Blog Eurer Wahl mit #indiebookday. Wenn Ihr die Aktion gut findet, erzählt davon. (Website indiebookday)

That’s it!

Einen wundervollen Tag in einer kleinen Buchhandlung wünschen euch –

Die Redbugx

#lbm2018 #leipzigerbuchmesse2018

 

Buchmesse Leipzig 2018

Buchmesse Leipzig 2018 #1 Kleine Verlage – Mischen Possible

23. März 2018
Kleine Verlage – kreative Entscheidungen

Ein Tag Sonne ein Tag Schnee, das war die Buchmesse, juchhe! Noch nie war eine Buchmesse für uns so perfekt. Zeitlich, organisatorisch und unterkunftstechnisch und auch alle Meetings und Treffen waren großartig. Und – ja, wir sind vor dem ganz großen Schneechaos wieder weggekommen, was auch ziemlich glücklich war.

Die guten Tage – es lag wohl vor allem auch an der fokussierten Absicht, mit der wir die Buchmesse diesmal besucht haben: Wir wollten sehen, wie (gut) kleine Jugend- und Kinderbuch-Verlage in der Buchwelt überleben. Und uns auch selber sagen: Es geht! Hier also nun die Nachlese von zwei wundervollen Buchmessetagen in zwei Teilen. Einen heute, den anderen  – wie passend – am Indiebuchtag.

Wir stellen euch – ganz subjektiv und teils auch intuitiv ausgewählt – eine Reihe von schönen, netten, kleinen Kinder-und Jugendbuch-Verlagen und ihre kreativen Ideen, mutigen Themen und Überlebensstrategien vor. (Ach ja und: Dieser Blogbeitrag ist frei & unabhängig und die Buchlinks führen – sofern möglich – zu geniallokal, dem Buchhandels-Onlineportal.)

Klein, kleiner, am kleinsten

Auf der Buchmesse wird geprahlt, mit Aufstellern und fetten Bannern geprotzt, mit Goodiepakten und Freebies gelockt. Hier wird mit allem angegeben, was das Budget hergibt. Es ist eben auch eine – Show. Lenkt man seinen Blick aber auf die eher unscheinbaren Kojen, dann fällt einem auf, dass die Kleinen sehr viel zahlreicher als die Großen sind. Und meist auch viel interessanter.

Erster Stopp war für uns der Colonie Verlag aus Potsdam. Muss man erst auf die Buchmesse gehen, um einen anderen kleinen Verlag aus Potsdam zu treffen? Offenbar ja. Drei Jugendbücher stehen auf den Regalbrettern, in denen es um Potsdamer Geschichte und die Zeit von Friedrich dem Großen geht. Wunderschön gestaltet und gedruckt.

Caroline li, Andrea re

Frage an die Verlagsleiterin Caroline Flüh, die mit ihrer Mitarbeiterin Andrea Herdan natürlich vor Ort ist:

RBB: Wie überlebt ein Verlag mit 3 Buchausgaben in dieser hochwertigen Qualität?

Caroline: Mit einer Mischkalkulation.

Denn Carolines Verkag ist mehr als ein Verlag. Sie veranstaltet unter ihrem Label auch szenische Lesungen, Theaterworkshops und Schreibwerkstätten. Kooperationspartner bzw. Auftraggeber sind das Deutsche Historische Museum oder das Potsdam Museum. So kann man die Buchausgaben finanzieren, die sogar der Museumshop ablehnt, weil er sie für zu hochwertig und daher unverkäuflich hält. Unsinn! Wir verabreden gleich mal ein ausführliches kreatives Gespräch bei einem Kaffee in Potsdam. Buchempfehlung: Drama an der Hofoper von Caroline Flüh.

Mischkalkulation

Monika li

… kennt auch Monika vom Verlag Monika Fuchs. Neben dem Verlag mit einem sehr schönen und anspruchsvollen Jugend- und Kinderprogramm hat sie ein Medienbüro, macht Buchsatz für andere Verlage und nennt das ihren Brotjob. Der Verlag – trägt sich. Wenn es besser läuft, dann ist die Buchmesse drin wie dieses Jahr. Ganz groß auf dem Cover des Frühjahrsprogamms 2018 das Jugendbuch Party im Kopf von Peter Mannsdorff, das wir hier auch gleich empfehlen. Das Bild von Monika haben wir uns bei Facebook organisiert, denn auf der Messe sind wir nur vorbeigehuscht und haben dann anschließend lange telefoniert. Eine taffe Verlegerin mit einem realistischen Blick auf die Branche, die trotzdem und ganz bewusst, inhaltlich gute und gutgemachte Bücher verlegt.

Klein, mutig, unabhängig

… ist auch der Klein & Groß Verlag. Die Koje ist schon etwas größer, das Verlagsprogramm auch. Der Blick fällt auf das Verlagsprogrammheft, das wie ein Ausmalheft aussieht – und viel über den Verlag aussagt, der mit Büchern zum Selbermachen anregen will. Der erst 2016 in Nürnberg gegründete Verlag ist noch ganz jung, daher die erste Frage an Verlagschefin Bobby Kastenhuber: Kleine Verlage

RBB: Seid ihr wirklich ganz unabhängig?

Bobby: Ja. Das war eine Bedingung für die Verlagsgründung, wir wollten das alleine schaffen.

RBB: Wow. Und wieso heißt der Verlag Klein & Groß Verlag?

Bobby: Weil er für Kinder und Eltern ist, die sich die Bücher zusammen ansehen, zusammen basteln können.

Schönes Konzept. Da ist ein Yogabuch für Kinder mit zusätzlichen Bastelvorschlägen, das Wimmel-Rätsel-Ausmal-Buch und vieles mehr. Gefragt, welches Buch ihr am liebsten aus dem Programm ist, greift Bobby dann aber doch zum Sach- und Mach-Sommerbuch. Wunderschönes Cover, das Lust auf den Sommer macht (wir ahnen noch nichts von dem Schnee am nächsten Tag). Alle Bücher großartig zum Verschenken – wäre das nichts für euch?

Der Verlag mit dem Wal

Am großen Stand gleich drei oder mehr(?) Mitarbeiter. Was so klein daherkommt, ist irgendwie doch ganz schön groß, nicht nur, weil ein Wal über dem Stand schwebt. Doch wir mögen den Magellan-Verlag mit dem schönen Programm und wollten es endlich einmal genau wissen: Wie unabhängig ist der denn? Öh, gar nicht. Er nennt sich konzern-unabhängig doch finanziell steht hinter ihm die Bamberger Verlagsgruppe, immerhin auf Platz 72 im Ranking der 100 größten Buchverlage. So kommt es wohl auch, dass der Verlag  – durchgezählt – 12 Mitarbeiter hat, während es bei den ganz unabhängigen Verlagen eher zwei sind. Das Verlagsprogramm ist eine dicker Katalog aus dem wir uns Acht Städte, sechs Senioren, ein falscher Name und der Sommer meines Lebens von Jen Malone als Empfehlung herausgesucht haben. Hach, ist doch schön, wenn man ein großes Budget hat und wunderschön drucken kann!

Unsere Buchblogger-Homies

Yay, auch dieses mal hat es geklappt und wir haben uns mit – ebenfalls unabhängigen ;) – Buchbloggern getroffen. Kaffee trinken, im Hintergrund Gesang und – über Datenschutz reden. Okay, wer einen Blog hat, weiß, wieso das jetzt wichtig wird und irgendwie sind wir uns alle einig: schon wichtig, aber halb so wild.

Als wir die Messe verlassen – wir schwören und belegen es hier mit einem Bild –Kleien Verlage waren wir sicher, dass der Frühling naht. Ab in die schöne Unterkunft und danach ins Nachtleben von Leipzig gestürzt.

Der erste Tag auf der Buchmesse – richtig entspannt!

Morgen stellen wir euch im 2. Teil unter anderem einen Verlag vor, der vegane Bücher druckt und ein biografisches Buch, das besondere Aufmerksamkeit verdient.

Und – nicht vergessen – unabhängige, kleine Verlage unterstützen!

All the best

Die Redbugx

Cover Secrets, DIY-Donnerstag

Cover Secrets #3 Grundlagen

22. März 2018
Grundlagen oder wie man ein Cover selbst gestaltet

Diesmal geht es nun um die konkrete Gestaltung eines Covers. Zuerst – die Grundlagen. Cover werden heutzutage am Computer gestaltet, aber es kann nicht schaden, ein Cover mit Hand von Grund auf zu basteln, um einen Eindruck von der Arbeit und der Wirkung zu bekommen. Außerdem erkläre ich ein paar Begriffe und zeige euch einen Aufriss, also eine Vorlage, mit der Cover gestaltet werden.

Cover-Mitbestimmung

Vor vier Wochen habe ich euch erzählt, wie wichtig es mir war, das Cover des zweiten Bands der Radio Gaga-Trilogie mitzugestalten. Ich weiß, ganz besonders seit ich selbst Bücher verlege, dass ein Autor, der sich in die Gestaltung seines Buches einmischt, sehr nervig werden kann. Doch ich gebe nie auf, bis ein/e AutorIn ganz zufrieden ist. Das finde ich wichtig und möchte euch sehr dazu ermutigen, euer Buchcover – egal ob im Verlag oder selbstveröffentlicht – als eine wichtige Sache und Teil einer künstlerische Einheit anzusehen. Ihr habt (hoffe ich) einen besonderen, persönlichen Text mit einer interessanten Handlung und besonderen Charakteren erfunden. Das Cover sollte ebenso besonders sein. Es ist nicht egal und es sollte nicht (nur) eine Frage des Marketings oder der Zielgruppe sein. Denn wenn Inhalt, Verpackung und das Wesen der AutorIn gut aufeinander abgestimmt sind, dann ist dies für den Verlag, die AutorIn und die Leser gut.

Im besten Fall ergeben Cover und Inhalt, sowie eure Autoren-Persönlichkeit eine Einheit. Einer Autorin, die punkig/rockig/alternativ ist, ein rosa Cover zu verpassen – ist einfach nicht vernünftig. Und auch nicht nötig. Nach den Erfahrungen mit den ersten – wie ich fand – viel zu süßen Covern meiner Trilogie, beschloss ich dem Verlag Covervorschläge zu machen. Am Anfang wollte ich nur gehört werden und in eine offene Diskussion um Motive und Gestaltung treten. Später dann das Cover selber gestalten. Mein (Leidens-)weg ist in dieser Sache nicht gerade vorbildlich. Als Künstlerin weiß ich, dass ich einen guten Geschmack und ein Verständnis von guter Gestaltung habe. Doch ich war damals auch sehr naiv und wusste viel zu wenig über die technische Seite der Covergestaltung. Von meinen Fehlern könnt ihr nun profitieren ;)

Was ihr nicht braucht

Ich dachte – supernaiv – ich müsste das Foto für mein Cover selbst machen. Okay, klar, ich wusste, dass es Stockfotos gibt, die man einkaufen kann, aber die waren fast alle erschreckend platt und werbig. Da die zwei vorherigen Cover Foto-Motive hatten, wollte ich ein passendes drittes Cover – mit Foto. Heute würde ich sagen: Egal, was ihr macht, nehmt nur eigene Fotos, wenn es sofort passt und funktioniert. Und dann am besten auch nur Teile des Fotos.

Warum? Ein gutes Fotos zu machen ist aufwendig und teuer. Und ein Cover ist eine relativ kleine Fläche auf der zudem noch sehr viele Informationen untergebracht werden müssen wie Titel und Autorenname und Verlagsbadge. Von eurem Fotos wird nicht sehr viel übrigbleiben. Bedenkt außerdem, dass das Cover in der Amazon- und anderen Onlinevorschauen nur noch ein winziges kleines Rechteck ist, auf dem nicht mehr viele Details zu erkennen sein werden.

Ich war nicht so schlau, habe „Models“ bezahlt (!) und einen ganzen Tag lang ein Fotoshooting gemacht. Ich bin erst in die Berliner Pampa und dann zum letzten verbliebenen Wachturm in Berlin gefahren. Okay, ich habe für mein Cover gekämpft – und das bereue ich nicht.

Learning by doing

Ich hatte also Fotos – aber damit noch kein Cover. Wenn ich eine Ausstellung mache, muss ich Kunstwerke und Installationen im Raum sehen, um zu wissen, ob sie funktionieren. Also habe ich Dummies gebastelt (lacht da wer?). So lächerlich das vielleicht sein mag, ich habe so zum einen meine Verlegerin überzeugt, zum anderen sofort ein Gefühl für die verschiedenen Flächen und Gestaltungsaufgaben bekommen. Im Grunde kann ich diese Methode empfehlen. Im Verlag ist es ja auch so: Ein Coverentwurf wird ausgedruckt und im Ganzen beurteilt, bevor er zu einem Cover wird.

Hier seht ihr einen Teil (!) meiner Stimmungscover. Klar, weder in der Belichtung perfekt, noch im Look. Ich habe damals einfach Farbkopien gemacht, denn ich wollte das „Buch“ mit dem neuen Cover irgendwo hinlegen können, es ansehen, es optisch testen.

Finally!

Ich habe hart gekämpft und den Cover-Auftrag tatsächlich bekommen, was mir im Nachhinein ziemlich großzügig vom Verlag vorkommt. Das Geld für den Auftrag war mir egal und im Grunde auch schon für die Models ausgegeben. Zudem verlangte der Verlag, dass ich eine fertige Datei mit QuarkXpress erstelle und die Anschaffung dieses Profiprogramms kostete noch einmal ebensoviel wie ich für den ganzen Auftrag bekommen sollte.  Also – wie war das noch mal mit der Wurst an der Nase?

Ich erspare euch jetzt mal die bestimmt 100 Entwürfe, die ich per Mail an meine Lektorin geschickt habe, bis wir uns auf ein Cover-Motiv einigen konnten. Stattdessen skippe ich zu dem technischen Teil und der Arbeit, die mich von einem kompletten Laien in sehr kurzer und intensiver Zeit zu einem – nein, nicht Profi -, sagen wir: einer Coverkünstlerin gemacht hat. Letztendlich ist das Cover dann übrigens ganz anders geworden, als ich dachte. Auch eine Lektion, die ich für spätere Arbeiten mitgenommen habe: Nie zu schnell festlegen!

Und ich bin noch heute zufrieden. Ich mag das Graffiti im Hintergrund, die Farben, die gleichzeitig das Thema des Bandes (Neonazis) aufnehmen, die grafischen Farbflächen und den entspannten Gesichtsausdruck von „Rocco“.

Grundlagen in der Covergestaltung: U1 bis U4

Für das Rocco-Cover gab es eine Fotovorlage, aber ihr seht vermutlich, dass ich einige Tricks angewendet habe, um das Foto zu verändern. Photoshop und was man alles an einem Bild verändern kann – erkläre ich in einem späteren Blogartikel. Auch, warum die Schriftart nicht zu den anderen Covern passt. Jetzt weihe ich euch ersteinmal in ein paar Begrifflichkeiten ein, mit denen sich Coverhersteller und Designer verständigen, wenn sie über Buchumschläge sprechen.

U1 : Wird die Fläche genannt, die wir normalerweise als das Cover bezeichnen.

 

 

 

U2: Schlagen wir das Buch auf, ist die Gegenseite des Covers die U2. Zumeist wird diese nicht groß gestaltet. Manchmal ist es einfach nur eine farbige oder weiße Fläche.

 

 

 

U3: blättern wir nun dsas ganze Buch durch, dann kommen wir an die U3, die Innenseite der Rückseite. Hat das Buch einen Umschlag oder ist eine Klappenbroschur, findet sich hier oft ein
Foto der AutorIn.

 

 

U4: Buch zugeschlagen, wir sind an der U4 oder Rückseite des Buches angelangt. Hier steht in der Regl ein kurzer Text über den Inhalt des Buches.

Ach ja, und dann gibt es noch die SPIN. Das ist der Buchrücken, auf dem sich fast immer noch einmal der Titel des Buches und der Name der Autorin finden.

 

 

Aufriss

Nun ist klar, wie was heißt, und ihr könnt gestalten. Und zwar am Computer. Doch halt – welche Maße? Die erhaltet ihr von der Herstellung im Verlag oder als Selfpublisher von Amazon/Tolino … Es sei denn, ihr druckt selbst, entscheidet also über das Format eures Buches.

Wichtig zu wissen:  Der Umschlag muss sich dem Entwurf des Buches anpassen und nicht umgekehrt. Heißt, zuerst wird das Format des Buches festgelegt, ob es ein Hardcover, eine Klappenbroschur oder ein Taschenbuch wird und wie dick es ist. In meinem Fall musste man sich natürlich auch nach dem Format der Vorgängerbände richten. Da der Umschlag in einem Stück gedruckt wird, bekam ich die Maße in einem Aufriss von der Herstellung und das sah dann so aus:

Grundlagen

Tja, nur noch Farben, Bilder und Text einsetzen. Ganz einfach, oder? Für einen Profidesigner vermutlich schon, daher erklärt sich auch die eher geringe Bezahlung für eine normale Covergestaltung (um 500 Euro). Für mich war das dann schon etwas aufwendiger. Ich habe vermutlich 10 x so viel Zeit wie ein Profi gebraucht – und viel gelernt. Weitere Schritte und Tipps erkläre ich euch dann in vier Wochen.

Ach, und – ihr müsst euch nicht unbedingt ein teures Profi-Programm wie QuarkXpress anschaffen, um ein Cover zu gestalten.

Fragen und Anmerkungen gerne in die Kommentare.

Bis bald ;)

Katrin

#redbugwriting #covergestaltung #grundlagen