Martin Luther 2017

Martin Luther #29 ist unerträglich

21. Juli 2017

Luther ist unerträglich

Audible — kennt das jemand? Es ist der Hörbuchkanal vom großen A. Amazon. Mit meinem neuen Kindle fire kam ein Probeabo, das ich sofort gekündigt habe. Aber offensichtlich nicht richtig, denn ich hatte, wie mir irgendwann auffiel, noch ein paar Monate weitergezahlt. Und jetzt entsprechend viele Hörbücher frei. Also hab ich mir mal ein paar Luthertexte als Hörbuch runtergeladen. Unter anderem seine Tischreden. Gelesen von Uwe Ochsenknecht, der sich mächtig reinhängt. Trotzdem legt das, was man da zu hören bekommt, den Schluss nahe: Luther ist unerträglich.

Was er über die Weibsbilder oder die Türken und die Juden schwadroniert, würde man sich in keiner Eckkneipe fünf Minuten lang anhören. Nein, man würde gar nicht erst in Eckkneipen gehen, in denen die Gefahr bestünde, so etwas über sich ergehen lassen zu müssen. Wie kommt es, dass jemand, der die Welt unbestritten vorangebracht hat, so einen Müll labert? Und wie kommt es, dass wir das so unsäglich finden, während an seinem Tisch nicht nur gespannt gelauscht, sondern sogar noch geflissentlich mitgeschrieben wurde.

Stufen des Bewusstseins

Vielleicht gibt darauf ein anderes Hörbuch eine Antwort. Ich hatte mir nämlich auch The Future of Spirituality: Why it must be integral gedownloaded. Ein Gespräch mit KenWilber, dessen Theorien zur Evolution des Bewusstseins ich seit Jahren verfolge. Er erinnert noch einmal daran, dass viel darauf hindeutet, dass das Bewusstsein unterschiedliche Stufen durchläuft. Und zwar sowohl auf der individuellen Ebene, also in der Entwicklung von der Geburt zum reifen Erwachsenen als auch auf der kollektiven, gesellschaftlichen Ebene.

Demnach haben sich die Weltsichten im Laufe der Entwicklung zu immer größerer Offenheit und Komplexität entfaltet. Ganz grob wären das folgende Stufen: archaisch, magisch, mythisch, rational, pluralistisch, integral. Es entwickelt etwa die Fähigkeit andere Perspektiven einzunehmen. Von der Ich-Perspektive zur Du– und Es-Perspektive. Man kann über sich hinaus empfinden vom Ich zum Wir, zum Wir Alle — und zwar wirklich ALLE, auch die anders denkenden, aussehenden, glaubenden …

Gleichzeitig geht Wilber davon aus, dass Individuen unterschiedliche Entwicklungslinien (von Intelligenz) durchlaufen. Da wären beispielsweise kognitive, emotionale,  soziale, ethische, kinästhetische, musikalische, künstlerische oder spirituelle Intelligenz etc. Es könnte jemand kognitiv sehr weit entwickelt sein, moralisch aber total unterbelichtet, eher die unangenehmen oder gefährlichen Typen. Und es gibt begnadete Musiker, Tänzer oder Fussballer, die vermutlich keine binomische Formel anwenden können. Wilber empfiehlt: Suchst du einen spirituellen Lehrer, geh zu den tibetischen Mönchen, aber Vorsicht: kulinarisch sind sie nicht über Yak-Butter hinausgekommen.

Das mythische Weltbild

Als in den Siebzigern im Westen eine Welle des Interesse an östlichen Lehren aufkam, waren viele liberale kalifornische Hippies nicht schlecht überrascht, mit welch konservativen, patriachalen Ansichten ihre spirituellen Meister anreisten. Denn – egal, wie weit man auf einer der Entwicklungslinien fortgeschritten ist, man wird sie immer auf der Stufe interpretieren, auf der man gerade steht.

Und Luther stand eindeutig nicht auf der rational, pluralistischen Stufe, wie die meisten von uns heute, sondern auf der mythischen Stufe, wie leider noch einige wenige von uns.

Diese mythische Ebene ist gekennzeichnet von Gruppenzugehörigkeit, Fundamentalismus, Patriotismus, Ethnozentrismus. Diese mythischen Weltsichten sind auch geprägt durch absolute Rechthaberei. Wer nicht für mich ist – ist gegen mich. Meine heiliges Buch hat recht. Wer nicht an meinen Gott glaubt, liegt falsch. Meine Leute haben immer recht.

Wer daraus folgert, dass Luther und jede Religion zu verdammen ist, verwechselt die religiös, spirituelle Linie mit der mythischen Ebene. Auf der mythischen Ebene kommt es zu den unsäglichen Auseinandersetzungen der Buchreligionen, wo man an jeden Buchstaben glauben muss. Und dann noch in der Form, wie es einem die jeweiligen Priester, Rabbi oder Imame auslegen. Auf der mythischen Ebene bekriegen sich Nationalstaaten und bekämpfen sich ethnische Gruppen, auf der mythischen Ebene prügeln sich die Hooligans der verschiedenen Fussballclubs.

Es ist nicht die spirituelle, religiöse Linie, die das Problem darstellt, sondern das Verweilen auf der mythischen Ebene.

So gesehen hat der Göttinger Kirchenhistoriker Thomas Kaufmann recht, wenn er in seinem gerade erschienenen Buch über die Reformationszeit sagt: »Die Reformation steht noch aus«.

 

Starke Charaktere

Starke Charaktere #5 Freunde

19. Juli 2017
Hilfreiche Freunde

Liebe Freunde, vielleicht habt ihr euch in den letzten Blogbeiträgen gefragt, ob Mentoren oder Feinde wirklich nötig für eine gute Geschichte sind? Muss ich diese Archtetypen überhaupt einbinden? Geht es nicht auch ohne? Nun, Geschichten sind unter anderem deshalb so beliebt, weil sie Abbilder für das echte Leben, die Realität sind. Und zwar egal, ob es Fantasygeschichten sind, in Hobbingen, New York oder Unterschlurzheim spielen.Vermutlich liegt es daran, dass wir Menschen hier auf der Erde sind, um uns weiterzuentwickeln. Zu wachsen. Körperlich, aber auch geistig. Und vermutlich sind wir uns diese Woche ganz einig, dass FREUNDE in dieser Hinsicht absolut unverzichtbar sind.

Jeder braucht – einen Freund

In Geschichten haben Freunde oft viele Funktionen. Manchmal kann ein Freund zum Feind werden oder auch ein Mentor sein, aber wenn ihr einen Freund-Charakter entwerft, dann hat er immer ganz ähnliche Eigenschaften und Funktionen. Ganz grundsätzlich  helfen und unterstützen Freunde euren Hauptcharakter, und zwar sowohl körperlich als auch mental. Ich habe ja gesagt, dass der Held auf jeden Fall AKTIV sein muss. Das heißt aber nicht, dass er alles alleine machen muss. Und genau da kommen die (hilfreichen) Freunde ins Spiel.

Eigenschaften von Freunden

Was ist ein (bester) Freund? Nun, obwohl das jeder anders beantworten würde, ähneln sich die Antworten vermutlich in der Hinsicht, dass jeder möchte, dass ein Freund auf der eigenen Seite steht. Tut er das nicht, dann ist er eher – genau – ein Feind. Also kann man schon einige Eigenschaften aufzählen, die Freunde in Geschichten haben sollten, damit sie dem Held beistehen können:

  • Loyalität
  • Großzügigkeit
  • Selbstlosigkeit
  • Mut
  • Ehrlichkeit
  • Aufrichtigkeit

Das sind Eigenschaften, die das Urteil und die Hilfe des Freundes vertrauenswürdig und hilfreich machen. Klar, wer nicht ehrlich zu euch ist – was für eine Hilfe kann der sein? Oder jemand, der sich ängstlich verdrückt, wenn es haarig wird? Auch nicht sehr hilfreich. Und dann gibt es noch ein paar Eigenschaften, die Freunde zwar nicht haben müssen, aber haben können. Einfach, weil es die Geschichte bunter und netter macht. Denn die Freunde können etwas in das Drama einbringen, was der Held, der ja auf einer sehr seriösen und ernsten Reise ist, nicht so gut kann: Sie dürfen, witzig, abgedreht, schräg und albern sein. Über sie darf der Leser lachen. Ausnahme? In Komödien kann der Held derjenige sein, über den gelacht wird. Meist die ganze Zeit.

Ihr seht also, dass der Freund oder die Freunde in Geschichten bestimmte Funktionen/Aufgaben übernehmen.

Funktionen von Freunden für den Helden

Und diese Funktioenen übernehmen sie nicht nur für den Helden, sondern auch für den Leser. Ein Beispiel: Wie kann der Leser die Gedanken des Helden erraten? Sofern er keine Selbstgespräche führt oder endlose innere Monologe – gar nicht. Viel schöner und auch dynamischer ist es, wenn der Held seine Gedanken mit dem Freund AUSTAUSCHEN kann. Auf diese Weise werden nicht nur alle Pros und Cons einer Situatuion aufgezeigt, sondern kann auch eine Strategie erläutert werden oder die innere Zerrissenheit des Helden deutlich gemacht werden. Dies geschieht meist im Dialog (und darüber sollte ich auch mal ausführlicher bloggen …). Hieraus ergeben sich ganz logisch folgende Funktionen der Freunde:

  • unterstützen
  • beistehen
  • Mut machen
  • auflockern
  • herausfordern
  • warnen
  • beschützen
  • zurückhalten
  • erinnern
  • klären

Ja, richtig, im Grunde sind Freunde auch so etwas ähnliches wie Mentoren. Ich bin ja der Meinung, dass Ron in Harry Potter für Harry ein Freund ist und Hermine (die ja auch ein wenig das Alterego von J.K. Rowling ist) eher die Funktion einer Mentorin übernimmt. Manchmal sind die Grenzen hier verschwommen, was aber überhaupt nicht schlimm ist, wenn man so meisterlich schreibt wie J.K. Rowling.

Ein Freund, ein guter Freund

Aus alle diesen Gründen ist ein Freund-Charakter so großartig und in all meinen Büchern einfach unverzichtbar. Ich mag, dass die Freunde-Charaktere viel mehr Freiheiten für mich als Autorin haben. Ein Freund kann komplett abgedreht sein wie Hendrik in „Lass uns fliegen“. Oder herausfordernd wie Gerion in „Flying Moon“. Eben all die Abgedrehtheiten zeigen, die ein Held nicht haben darf, da er auf einer Heldenmission ist und das – ist eine ernste Angelegenheit.

Wenn ihr also Freund oder Freundinnen für eure Helden erschafft, dann nutzt den Freiraum für interessante, bunte Charaktere. Das gilt übrigens auch für die Freunde der Feinde. Natürlich sind diese hilfreich und solidarisch mit dem Feind. Unterstüzen den Feind im Kampf gegen den Helden. Und meist sind es auch etwas schräge, besonders fiese oder übertrieben dumme Charaktere.

Okay, was bleiben noch für Charakter-Typen übrig? Ich könnte die Blogreihe doch eigentlich hier beenden und sagen: Damit kommt ihr hin. Helden, Feinde, Mentoren, Freunde – das reicht. Aber eigentlich wird es ja jetzt erst richtig spannend, wenn die Charakter-Archetypen kommen, die viel unscheinbarer sind, aber wichtige Funktionen in euren Geschichten übernehmen. Die sogar mehrfach in eurer Geschichte auftauchen können. Wie – die Schwellenhüter. Und was das genau ist, erzähle ich euch dann nächste Woche.

Bis dahin eine tolle Zeit, im Urlaub oder auf dem Balkon

xoxo

Katrin

#redbugwriting #rbpub #amwriting

Red Bug Books

Sommeraktion – Love on Paper #3 Musik

17. Juli 2017
Sommeraktion

Die dritte Woche unserer Sommeraktion, in der es einen Monat lang um „Love on Paper“ geht. Jede Woche erzählen wir etwas mehr über das Buch und ihr könnt gewinnen.

Begleiten werden wir unserer Sommerspecial mit einer Preisaktion: Das E-Book von Love on Paper gibt es den ganzen Juli für 2,99 Euro, also der beste Moment sich 374 Seiten Sommerlektüre zu holen.

#3 Musik

Jetzt sind wir mal ganz fies und geben euch einen Ohrwurm für den Sommer mit. Oder gleich mehrere.

Welche Songs spielen bei Love on Paper eine Rolle? Tja, da gibt es einige: Sarah Mc Lachlan mit „Angel“, oder Brandi Carlile mit „Heart’s Content“. Oder ein klassischer Songs wie „Somewhere Over the Rainbow“. Love on Paper hat eine bittersüße Mischung an tragischen, lustigen und romantischen Szenen und genauso ist auch die Musik. Aber, hey, Moment mal, Love on Paper hat ja sogar einen eigenen Soundtrack!

Was eigentlich ein kompletter Zufall war, denn es sollte nur ein Buchtrailer werden und dann hat Lenny einfach einen ganzen Song komponiert.

Musik und Schreiben

Und was wäre der Love on Paper Song? Der für das Buch und die Helden steht? Wer immer mit Musik schreibt, weiß auch, was seine Protagonisten hören, oder? The Shins! Musik, die etwas edgy ist, kein Mainstream, aber doch so eingängig, dass man sie einfach immer wieder hören möchte. Okay, der definitive Ohrwurm – gleich mal als Video.

Sountrack gewinnen

Natürlich könnt gibt es auch diese Woche wieder etwas zu gewinnen. Diesmal ein Printbuch von Love on Paper und dazu die Love on Paper-Songs auf CD. Kommentiert einfach bis zum 31. Juli 2017 24 Uhr unter diesem Beitrag.

Wer seine Chance auf ein Printbuch erhöhen will, kann auch hier noch kommentieren und wer einen Buchgutschein gewinnen möchte …

Viel Glück!

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Martin Luther 2017

Martin Luther #28 Kindheit

13. Juli 2017
Kindheit

Manchmal frage ich mich, wie Luther wohl in seiner Kindheit war. Ich erinnere mich sehr genau an die Geburt meines ersten Kindes, also Isabel, und die Erkenntnis, dass mit diesem Kind schon eine komplett fertige Persönlichkeit in unser Leben getreten ist. Schon als Säugling ihre Vorlieben (ich will immer wachbleiben) und Abneigungen (können wir dieses lästige Baden nicht lassen?) sehr klar artikuliert hat. Zwar nicht mit Worten, aber ganz deutlich mit Verhaltensweisen und Gesichtausdrücken. Und ich gedacht habe: Was tragen wir eigentlich noch zu dieser Persönlichkeit bei?

Wobei – klar – auf der anderen Seite spielen ganz viele Bedingungen – Ort, Klima, Wohnung, soziales Umfeld, Bildung, Geld – eine Rolle, die einem gar nicht besonders auffallen. Und man steuert auch selber etwas bei: Trägt sein Kind in der Bauchtrage, ernährt es gesund, lässt es etliche Entscheidungen selber treffen, fördert die Kreativität. Scheint alles ganz selbstverständlich zu sein, aber wenn man dann mal Jahrhunderte zurückschaut, zum Beispiel auf den kleinen Luther, dann ist vieles gar nicht mehr so selbstverständlich. Oder sogar auffallend.

Geburtstag

Martin Luther ist am 10. November geboren und heißt Martin, da er am 11. November, dem Tag des heiligen Sankt Martin – der den Mantel geteilt hat und für den wir heute noch Laternenumzüge veranstalten – getauft wurde. Seine Mutter erinnert sich, dass er kurz vor Mitternacht zur Welt kam, das Jahr hat sie allerdings vergessen, sodass Martins Geburtsjahr tatsächlich ungesichert ist. Melanchthon schlug mal 1483 als Geburtjahr vor und im Grunde hat ihm die Forschung zugestimmt. Also 1483.

Und dann fällt mir auf, dass Luther so  etwa 18 war, als Albrecht Dürer um 1500 sein berühmtes Selbstportrait gemalt hat. Das ein gutes Beispiel für das neu aufkommende Selbstverständnis der Menschen in dieser Zeit ist. Wobei die Künstler vorangingen: Sie sahen sich nicht mehr als obrigkeitshörige Massen an, die weltlichen oder religiösen Führern blind hinterhertappen, sondern nahmen sich als Individuen mit eigenen Meinungen und Zielen und Werten wahr. In Dürers Fall sahen sie sich schon fast selber als Heilsbringer, denn nicht zufällig stellt er sich in Christus/Jesus-Gestalt dar.

Die Zeit hat also zu Luther gepasst und Luther in die Zeit – Rebellion und Erneuerung standen an, waren in.

Ältester Sohn

Und dann war er auch noch der Älteste von etwa neun Kindern. Als Erstgeborene kann ich sagen, dass das schon sehr prägt. Erster sein, vorangehen, die Verantwortung tragen (oder aufgebürdet bekommen), die Dinge selber in die Hand nehmen und so weiter. Was auch eine Last sein kann, denn irgendwie sind die Pläne der Eltern beim ersten Kind meist viel konkreter, als bei den nachfolgenden. Martin sollte Jura studieren, weil es sozialen Aufstieg bedeutete und Aussicht auf gute Stellen versprach. Zwar war Luthers Vater ein Berg- und Hüttenunternehmer, aber in der Familie der Mutter gingen schon viele zur Universität. Das sah gut aus. Guter Plan – aber wir wissen ja heute, was daraus wurde. Manchmal heißt vorgehen eben auch seine eigene Richtung zu nehmen.

Was ich bin …

Ich bin dazu geboren, das ich mit den rotten und teufeln mus kriegen und zu felde ligen, darum meiner bücher viel stürmisch und kriegerisch sind. Ich mus die klötze und stemme ausrotten, dornen und hecken weg hauen, die pfützen ausfüllen und bin der grobe waldrechter, der die ban brechen und zurichten muss. (Schilling S. 63)

Das hat Luther dann viel später rückblickend von sich gesagt. Wobei das so klingt, als ob ihn genau diese Selbstwahnehmung von Anfang an bestimmt hat: Ich muss hier aufräumen, ich bin der Richtige für den Job, ich kann so grob vorgehen. No big deal.

Kampfgeist

Das gefällt mir irgendwie an Luther, dass er seinen Kampfgeist gar nicht beschönigt oder sich für seine Art entschuldigt. Und so waren wohl auch seine Eltern. Ihr Geschäft und die große Familie hätten ohne einen außergewöhnlichen Kampfgeist gar nicht überlebt. Und manchmal bekam dann auch Luther was von dieser Energie zu spüren:

Mein vater steupt mich einmal also sehr, das ich ihm flo und das im bang was, bis er mich wider zu im gewendet.

Meine mutter steupet mich um einer einzigen Nuß willen, dass das Blut floss. (Schilling S. 63)

In der Familie wurde überhaupt viel gesteupt. Der jüngere Bruder von Luthers Vater (Klein-Hans), also Luthers Onkel, musste sich vor den Mansfelder Gerichten immer wieder für Gewaltausbrüche und Schlägereien verantworten und starb schließlich bei einer Wirtshausprügelei.

Kind des Aufbruchs

Ich fühle mich gerade so, als ob ich in einer Kiste mit Fotografien, Briefen und Artikeln stöbere und jede neue Information neue Fragen aufwirft. Wer war der junge Luther?

Schilling nennt Luther in seiner Biografie ein „Kind des Aufbruchs“. Jugendlich in einer Zeit des Optimismus und Aktivismus unter den Humanisten. Bereit für Veränderungen. Geprägt von der Zeitstimmung.

Und dann denke ich, dass Luther schon irgendwie besonders war. Anders. Dickköpfig. Eigen. Dazu passt auch die Information, dass die Familie gar nicht Luther hieß, sondern Lüder, Luder, Loder, Ludher, Lotter, Lutter oder Lauther. Und wie kam es zu Luther? Weil der Name Luder=“liederlicher Mensch“ zu Missverständnissen führen konnte, hat Luther sich zwischen 1512 und 1517 einfach mal in Luther umbenannt. Einfach – mal – umbenannt. Vielleicht sagt das sogar am allermeisten über ihn aus.

 

 

Starke Charaktere

Starke Charaktere #4 Mentoren

12. Juli 2017

Okay, nachdem es letzte Woche so leidenschaftlich um Feinde ging, wird es jetzt so richtig mollig und nett, denn Mentoren sind so etwas wie der sichere Hafen, in den der Held eurer Geschichte einfahren kann. Auch der Leser hat immer das Gefühl, dass alles gut wird, wenn der Mentor auftritt. Aber, okay, was ist ein Mentor genau?

Mentoren

Zuerst einmal – Mentoren sind nicht notwendigerweise Männer. Euer Mentor kann natürlich auch eine Mentorin sein. Um die Bedeutung des Mentors besser zu verstehen, tauche ich mal in die Herkunft des Wortes Mentor ein:

Mentor (griechisch Μέντωρ) ist eine Sagengestalt der griechischen Mythologie, genauer gesagt aus Homers Odyssee. Als Odysseus in den Trojanischen Krieg zieht, geht er zu seinem Freund Mentor und bittet ihn, sich um seinen Hausstand zu kümmern. Wie das in griechischen Sagen so üblich ist, spielen die Götter eine große Rolle. Athene, die Göttin der Weisheit und Kriegskunst, nutzt Mentors Körper, um in seiner Gestalt sowohl Odyseus Sohn Telemachos als auch Odysseus Ratschläge zu erteilen oder Mut zu machen. Okay, Bingo, hier habt ihr die Funktion eines Mentors:

Von der Rolle des Mentor für Telemachos im homerischen Epos leitet sich der Begriff Mentor für einen älteren, klugen und wohlwollenden Berater eines jungen Menschen her. (Wikipedia)

Was einen Mentor ausmacht

Wer gute Ratschläge erteilt, sollte Ahnung von den Sachverhalten haben,  zu denen er berät. (Und, ja, in diesem Fall bin ich eure Mentorin :) Mentoren kennen sich zumeist in der Welt, die der Held betreten will, besser aus. Helfen ihm auf den Weg. Sie sind dabei nicht auf ihren Eigennutz bedacht und wollen den Held weder manipulieren, noch in den Schatten stellen. Also irgendwie schon fast Übermenschen. Was nicht heißt, dass sie überheblich, superernst, schwer oder behäbig sein müssen. Denkt an Dumbledore (mein Gott, er hat tatsächlich einen Wikipedia-Eintrag) aus „Harry Potter“ oder Gandalf aus Tolkiens „Herr der Ringe“ . Dumbledore und Gandalf sind sich sehr ähnlich, was sicher daran liegt, dass der „Herr der Ringe“ eine große Inspiration für J.K. Rowling war. Beide sind Zauberer und große, alte Männer mit langen weißen Bärten und haben diesen speziellen Humor, der ihre sonstige Ernsthaftigkeit so charmant bricht. Wenn Dumbledore zum Beispiel die Festessen auf Hogwarts eröffnet und „Haut rein!“, ruft. Kurz: Mentoren müssen keine bierernsten, steifen Lehrertypen sein, sie können durchaus Humor haben.

Mentoreneigenschaften

Mentoren oder Mentorinnen sind ganz besondere Charaktere. Sie haben in der Regel schon eine Menge vom Leben gesehen, sind noch voll kampffähig, wissen aber, dass es weitaus vernünftiger und wichtiger ist, ihr Wissen in den Dienst des jüngeren Helden zu stellen, damit er seinen Weg finden kann. Mentoren:

  • haben viel Wissen angesammelt
  • haben Lebenserfahung
  • geben ihr Wissen gerne weiter
  • erwarten keine Gegenleistung
  • bestärken den Helden oder die Heldin
  • machen Mut
  • schützen den Helden
  • führen die Heldin in die richtige Richtung, ohne diese selber gehen zu müssen
  • sind nachsichtig, wenn die Helden Fehler machen oder ihren Rat (erst) ignorieren
Die Funktion der Mentoren

Mentoren treten in Geschichten immer dann auf, wenn die HeldIn nicht weiter weiß. Gerade am Anfang, wenn der Weg noch nicht klar ist oder eine neue Welt betreten wird, sind sie wichtig. Denkt an Morpheus aus der Matrix. Er macht es Neo überhaupt erst möglich, in die Welt der Matrix einzutreten. Andere Mentoren sind auf den ersten Blick viellicht sogar unauffällig, helfen dem Helden aber unterwegs. Mir fällt spontan Nigel aus „Der Teufel trägt Prada“ ein, der der Heldin bei ihrer äußeren Verwandlung hilft. Mentoren müssen also keine Megagrößen wie Dumbledore oder Gandalf sein, sondern können in einer weniger fantastischen Geschichte auch der Postbote oder der gute Freund, die Eltern oder andere Verwandte sein.

Falsche Mentoren

Manchmal wird der Held durch falsche Mentoren getäuscht. Vermutlich kennt ihr das besonders gut aus dem realen Leben. Menschen, die euch scheinbar helfen wollen, euch dabei aber kleinhalten. Die für ihren Rat  – unangemessen – bezahlt werden wollen. Die ihren Rat überhaupt nicht geben, weil sie Angst haben, ihr werdet sie damit ausstechen oder überholen. Schlechte Eltern oder Lehrer könnten das sein oder auch ein eifersüchtiger Exfreund. Hier merkt ihr vermutlich schon, dass falsche Mentoren ganz schnell zu Feinden werden.

Lieblingscharaktere

Nach meiner Erfahrung schleichen sich Mentoren meist ganz von alleine in die Geschichten ein. Und das ist gut so. Ihr braucht sie für die Heldin, um die Moral der Welt, in der sich euer Held bewegt, deutlich zu machen. MentorenDer Held mag vergessen, was gut und richtig ist, der Mentor darf das niemals. Daher tut es auch so gut, wenn der Mentor in einer Geschichte auftritt. Ich erinnere mich, dass mir eine ganz Schulklasse – jeder Schüler einzeln – zu Radio Gaga (ups, das Buch hat tatsächlich auch einen Wikipedia Eintrag! Verrückt) ihre Meinung geschrieben hat. Ein noch sehr junger Schüler schrieb mir, dass sein Lieblingscharakter Herr Friedländer sei. Der alte Herr Friedländer bei dem Rocco sich ausspricht, der ihm hilft, den Radio Turm zu finden, der ihm beisteht, als seine Eltern nicht da sind. Ich war damals unheimlich gerührt, da es eine Nebenfigur mit einer wirklich kleinen „Rolle“ ist und – was soll ich sagen – beim Schreiben auch einer meiner Lieblingscharaktere wurde. Friedländer wusste immer, was gut und richtig ist. Ah, ich liebe Mentoren. Ich bin übrigens auch ein Dumbledore-Fan. Solche humorvollen und weisen Mentoren wünscht man sich doch für sein Leben!

In diesem Sinne – bis nächste Woche, in der es um (hilfreiche) Freunde gehen wird.

xoxo

Katrin

#rbpub #redbugwriting #amwriting

Event, Red Bug Books

Sommeraktion – Love on Paper #2 Hängematte

10. Juli 2017
Sommeraktion

Die zweite Woche unserer Sommeraktion, in der es einen Monat lang um „Love on Paper“ geht. Jede Woche erzählen wir etwas mehr über das Buch und ihr könnt gewinnen.

Begleiten werden wir unserer Sommerspecial mit einer Preisaktion: Das E-Book von Love on Paper gibt es den ganzen Juli für 2,99 Euro, also der beste Moment sich 374 Seiten Sommerlektüre zu holen.

#2 Hängematte

Es gibt ein paar Dinge, die erinnern uns sofort an den Sommer. Bei uns ist das die Hängematte. Jeden Sommer spannen wir sie auf und ab dann ist der Platz in der Hängematte heiß umkämpft. Meist um – na klar – zu lesen.

HängematteFür heute haben wir Leseproben aus „Love on Paper“ versprochen. Natürlich könnt ihr euch auch ganz einfach die Leseprobe des 1. Kapitels ansehen. Wir dachten aber, wir suchen noch ein paar andere Stellen heraus, die euch für Love on Paper begeistern können.

Wenn du Bücher liebst …

In Love on Paper geht es viel um – Literatur. Kennt ihr Hemingway und seine Bücher? Oder F. Scott Fitzgerald? Nun, vielleicht werdet ihr Lust haben, etwas von diesen beiden Autoren zu lesen, wenn ihr Love on Paper lest und Maya und Simon zuhört, wenn sie über ihre Lieblingsautoren diskutieren …

 

»Welche Autoren liest du denn so?«, frage ich Simon und kühle meine Hände am Glas. Draußen habe ich gefroren, hier drinnen wird mir schnell zu warm.

»Hemingway.«

Okay, Hemingway. Ich denke an die Jungs im Studium. Natürlich lesen sie Hemingway, der cool und maskulin ist. Und erinnere mich. »Waren Hemingway und Fitzgerald nicht sogar befreundet?«

Als ich es sage, wird mir klar, dass es zweideutig klingt und ich rede schnell weiter. »Ich meine, klar, ich mag Hemingways Stil auch. Den Schreibstil. In der Uni haben wir den mal durchgenommen. Das Eisbergmodell.«

Simon zieht fragend die Augenbrauen hoch.

»Das Eisbergmodell?«

»Ja, ich meine …« Ich breche ab. »Ich will hier keinen Vortrag halten.«

»Nein, erzähl. Klar, du studierst und weißt so was. Das ist doch interessant.«

»Echt?«

»Ja, erzähl«, stimmt Nils zu und beugt sich vor.

»Na ja, so wie ich es verstanden habe, meinte Hemingway, dass ein guter Schriftsteller all das, was ihm ganz klar ist, in seinen Texten weglassen sollte. Denn wenn er aufrichtig genug schreibt, dann würden die Leser ihn schon verstehen. Also die Lücken schließen. Wie bei einem Eisberg sind seine Geschichten nur zu einem Achtel zu sehen. Als Worte auf dem Papier, alles andere ist verborgen und muss vom Leser ergründet werden. Aber gerade das würde den Text gut machen. So …«

» … klar«, ergänzt Simon.

»Und eindeutig.«

»Ja, genau. Das mag ich an seinen Texten, dass er alles so deutlich, aber reduziert beschreibt.«

»Kein Geplapper«, sagt Nils.

Ich nickte. »Ja.«

Simon denkt kurz nach. »Und bei Fitzgerald ist es irgendwie anders. Er ist weicher, eleganter und manchmal …«

»… kitschig«, gebe ich zu. Normalerweise verteidige ich Fitzgerald, aber es stimmt, er will manchmal einfach zu sehr gefallen.

Nils lacht. »Ihr beendet eure angefangenen Sätze.«

Weder Simon noch ich reagieren. Das ist kein Flirt, es geht hier um Literatur.

(Love on Paper, S. 82)

Wenn ein Kindheitstraum in Erfüllung geht …

Kennt ihr das? Diese Berufsträume, die man als Kind hat? Maya wollte immer mal als Kellnerin arbeiten. In „Love on Paper“ geht ihr Wunsch in Erfüllung – auch wenn es ganz anders ist, als sie es sich vorgestellt hat …

Ich treffe Simon drinnen am Tresen. Sein Gesicht ist von der Hitze gerötet, seine Haare fallen ihm feucht ins Gesicht. Er lächelt erleichtert, als er mich sieht.

»Genial, dass du kommst!«

»Klar.« Ich sehe zu Nils, der gerade mit einem schwer beladenen Tablett vom Tresen losläuft. »Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob ich so viel auf einmal tragen kann.«

»Das klappt schon. Wir laden deine Tabletts nicht so voll.«

Er langt hinter den Tresen und holt eine Art Handy und ein Kellner-Portemonnaie hervor, das er vor mir auffächert.

»Hier sind fünfzig Euro Wechselgeld drin. Die rechnest du am Ende ab. Und das ist unser Bestellsystem, der Orderman

Er zeigt auf das Display. »Hier gibst du die Bestellung auf, die direkt an die Küche geht. Wenn du kassierst, dann kannst du die Bestellung am Tisch aufrufen und die Rechnung auch splitten, was hier ziemlich häufig vorkommt.«

»Okay.«

Ich bin etwas nervös, da ich nicht erwartet habe, dass Technik beim Bedienen eine Rolle spielt. Immerhin muss ich nicht Kopfrechnen.

»Das ist eigentlich Hollys Orderman, wundere dich nicht, dass ihr Name hier oben steht. Trinkgeld gibst du nicht ein, sondern behältst es.«

(…)

Simon  zeigt auf den Bereich in der Nähe des Hauses.

»Übernimm diese Tische, dann musst du nicht so viel laufen. Es ist eigentlich mein Bereich, aber heute sind wir zu wenige und müssen improvisieren. Die Tischnummern stehen auf den Tischen. Trag sie hier ein.«

Er zeigt es mir auf dem Orderman.

Während wir zusammenstehen, winken schon die ersten Leute.

»Wenn irgendetwas ist, ruf mich.«

Er reicht mir den Orderman. »Und lass dich nicht anmachen.«

Ich nicke. Anmachen? Darüber habe ich bisher noch nicht einmal nachgedacht.

Der Anfang ist mehr oder weniger ein Desaster. Ich muss herausfinden, wie das Gerät funktioniert, während mir fünf Leute gleichzeitig Bestellungen zurufen. Als Simon meine Schwierigkeiten bemerkt, kommt er zu mir und übernimmt das Bestellen. Ich sehe über seine Schulter auf das Display des Orderman, während er alles für mich eingibt.

»Hier sind die Getränke und hier kannst du stornieren. Wir können uns am Anfang das Bestellen aufteilen, bis du es raushast.« Er lächelt. »Dann musst du allerdings schleppen.«

»Okay.«

Das Technische ist an sich gar nicht so schwierig, aber ich bewundere, wie gelassen Simon bleibt, während die Gäste durcheinanderrufen, jeder noch mal was ergänzt oder ändert und offenbar alle davon ausgehen, dass wir uns alles in Sekundenschnelle merken können.

»Oder doch lieber ein Mineralwasser«, sagt ein Mädchen. Ich habe keine Ahnung, was sie vorher bestellt hat, aber Simon hat es sich gemerkt.

Während er ordert und kassiert, hole ich die Getränke.

Regina steht hinter dem Tresen und packt die Tabletts. Ihr Gesicht glüht.

»Ich bin sehr froh, dass du da bist.«

Ich nicke. Allerdings bin ich mir gerade nicht sicher, ob ich schon eine Hilfe oder noch eine Behinderung bin.

»Die Getränke für Tisch fünf?«

Sie zeigt auf ein kleines rundes Tablett mit drei Latte Macchiato und zwei Mineralwasser. Das ist einfach. Trotzdem trage ich das Tablett wie ein rohes Ei nach draußen.

Am Tisch versuche ich, es professionell aussehen zu lassen, als ich die Getränke verteile, aber ich muss das Tablett abstellen, statt es auf einer Hand zu balancieren. Warum sieht das bei den anderen so einfach aus?

Simon winkt mich zu sich.

»Ich denke, du schaffst das jetzt alleine. Siehst du den Tisch mit der Mädchengruppe? Die sind entspannt, da kannst du lernen. Rede mit ihnen, während sie bestellen, dann gewinnst du Zeit.«

Und sie werden mich nicht anmachen, denke ich.

»Okay, danke.«

Nach der dritten Bestellung habe ich den Umgang mit dem Orderman raus, auch wenn ich noch weit von Simons Professionalität entfernt bin. Wenn meine Mutter mich jetzt sehen könnte, würde sie sich totlachen: Maya im Service. Der vermutlich ungeeignetste Mensch für die Kundenkommunikation.

Als ich das nächste Mal mit einem kleinen Tablett mit Gläsern rausgehe, überholt mich Nils. Er hat ein großes Tablett, trägt es hoch über seiner Schulter und grinst.

»Nimm lieber mehr, dann musst du seltener laufen.«

Zwei Stunden später, weiß ich, was er meint.

Meine Füße sind geschwollen und mein Gesicht ist ebenso heiß und rot wie das der anderen. Ich hätte niemals die Sandalen mit den kleinen Absätzen anziehen dürfen, alle anderen laufen in Turnschuhen herum.

»Alle Kellner haben Plattfüße«, sagt Nils, als wir uns am Tresen treffen, und ich leise stöhne. Ich bin immer froh, wenn ich nach drinnen komme, denn hier ist es deutlich kühler.

»Wieso kann man keine Bierleitung nach draußen legen, oder einen Biersprenger anstellen?«

Nils grinst. »Weil wir dann kein Trinkgeld kriegen würden. Wie viel hast du gemacht?«

Ich habe keine Ahnung. »Ich zähle nicht mit.«

»Solltest du, das motiviert.«

Wir sortieren unsere Gläser. Nils verteilt sie sorgfältig auf einem großen rechteckigen Tablett und schwingt es dann mit einer Bewegung über seine Schulter. Keines der Gläser klirrt auch nur. Es ist wie ein Zaubertrick. Natürlich will er mich beeindrucken, und das gelingt ihm auch.

»Du lernst es noch, kein Problem«, sagt er.

Er geht los, kommt aber noch einmal zurück.

»Was machst du heute Abend?«

»Todmüde ins Bett fallen?«

»Echt jetzt? Es ist Samstagabend, Conchita!«

»Ich gehe nachher noch zu einem Poetry Slam.«

»Oh, wow. Weiß Simon davon?«

»Wieso?«

»Na ja, alles was mit Lesen und Schreiben zu tun hat, interessiert ihn. Hey, vielleicht kommen wir beide.«

»Müsst ihr nicht arbeiten?«

»Ich bin jetzt seit zehn Uhr morgens hier und mache schon Überstunden. Um acht kommt die Spätschicht, dann habe ich frei.«

»Es ist gleich acht.«

»Exakt.«

Er macht einen eleganten Körperschwung und das Tablett folgt ihm wie selbständig. Irgendwie fordert mich das heraus. Ich stelle mein kleines rundes Tablett ab und nehme mir ein großes. Wie schwer kann das sein? Ich bin nur übervorsichtig. Ich sortiere die Gläser, genauso wie ich es bei Nils gesehen habe. Jedenfalls denke ich das. Ich muss das Tablett trotzdem mit zwei Händen halten, was sich sehr falsch anfühlt, aber anders bekomme ich es nicht angehoben. Von einem Über-der-Schulter-halten bin ich meilenweit entfernt. Doch es läuft gut. Ich trage das Tablett sicher bis in den Garten und steuere auf meinen Tisch zu. Eine Ausflugsgruppe von Rentnern, alles nette Menschen mit viel Geduld, schon bei der Bestellung. Ich bin nur noch wenige Schritte vom Tisch entfernt, dann steht jemand vor mir auf. Einfach so, als ob ich Luft wäre.

»Achtung!«

(Love on Paper S. 103)

Ja, stimmt, eine böse Stelle, um abzubrechen, aber ihr könnt euch sicher vorstellen, was dann passiert! Oder ihr lest einfach im Buch weiter … Im Blogbeitrag #1 Lagerfeuer könnt ihr ein Printbuch von Love on Paper gewinnen.

Ihr könnt gewinnen

Und natürlich könnt gibt es auch diese Woche wieder etwas zu gewinnen. Diesmal entweder 3 E-Books aus unserem Verlagsprogramm oder einen Buchgutschein für 20 Euro. Entscheiden könnt ihr euch, wenn ihr ausgelost werdet.

Kommentiert einfach bis zum 31. Juli 2017 24 Uhr unter diesem Beitrag.

Viel Glück!

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Martin Luther 2017

Martin Luther #27 Das Berliner Lutherdenkmal

7. Juli 2017
Berliner Lutherdenkmal Postkarte 1904

Das Berliner Lutherdenkmal

Ursprünglich stand das Berliner Lutherdenkmal an der heutigen Kreuzung von Spandauer- und Karl-Liebknecht-Straße, im Zentrum der Reichshauptstadt. Über zehn Stufen konnte der Betrachter die 1895 eingeweihte vielfigurige Denkmalanlage ersteigen. Die Lutherstatue selbst überragte in herrischer Pose auf einem Granitsockel das Areal. Es ist nicht der Luther auf existenzieller Suche nach Erkenntnis, nicht der Luther, der mit allem Mut und Konsequenzen für diese Erkenntnis einsteht, nicht der Luther, der verzweifelt um seine Reformation ringt, sondern eher der Luther, der in Selbstherrlichkeit die mit Löffeln gefressene Weisheit verkündet. Eine Haltung, die nicht nur uns, sondern auch schon seinen Zeitgenossen unangenehm war. Zum wilhelminischen Nationalbewusstsein passte sie aber offensichtlich sehr gut. Sechs Fürsprecher und Mitstreiter Luthers durften zu seinen Füßen sitzen und auf den Treppenwangen erwarteten Ulrich von Hutten und Franz von Sickingen den Besucher. Von der Anlage ist nicht viel übrig geblieben. Nur die 3,5 m hohe Lutherstatue selbst ist erhalten.

Die anderen Figuren sind in den 1940er Jahren eingeschmolzen worden, weil man irrtümlicherweise geglaubt hatte, mit der dadurch gewonnenen Bronze einen Weltkrieg gewinnen zu können. Das hat, wie sich bald herausstellte, nicht geklappt.

Die ganze Anlage wurde von den Gegnern ziemlich zerbombt. Die Lutherfigur und verschüttete Reste des ehemaligen Fundaments sind das einzige, was von dem Denkmal übrig geblieben ist. Luther stand in seiner Siegerpose dann einige Jahre in Berlin Weissensee, bevor er kurz vor dem Mauerfall an der Nordseite der Marienkirche aufgestellt wurde. Zwar ganz in der Nähe des ursprünglichen Standorts, aber nicht mehr im Zentrum des Stadtbildes, sondern eben, man könnte fast sagen, verschämt im Schatten der ältesten noch für Gottesdienste genutzten Kirche Berlins.

Das große Lutherjubiläumsjahr ist natürlich auch Anlass, sich in Berlin mit diesem kümmerlichen Rest des Lutherdenkmals an der Marienkirche zu beschäftigen.

Eine Ausschreibung als Kopfgeburt

Man möchte wieder ein richtiges, der Hauptstadt angemessenes Lutherdenkmal an alter Stelle. Evangelische Landeskirche und Senat, dem das Grundstück gehört, schreiben einen Ideenwettbewerb aus. Sie machen sich auch gleich ein paar Gedanken, was das Denkmal denn ausdrücken könnte.

  • Natürlich kann man Luther heute nicht mehr als den Nationalhelden feiern, als der er auf seinen Sockel gestellt wurde.
  • Wegschmeissen kann man die Statue aber auch nicht, ist ja schließlich nicht nur ein Kunst- sondern auch ein historisches Denkmal.
  • Am besten die Statue wird also Teil der neuen Denkmalanlage.
  • Und wie man ja nicht nur aus unserem Blog weiß, war Luther eine vielschichtige Persönlichkeit, die auch ihr schattigeren Momente hatte. Das soll natürlich auch im Denkmal ausgedrückt werden.
  • Und es soll auf magisch künstlerische Weise Bezug genommen werden zur Stadtgeschichte,
  • speziell zur jüdischen Geschichte,
  • noch spezieller zu Moses Mendelssohn, weil er in der Nähe wohnte.
  • Und zu den Skulpturen von Sacko und Jacketti auf dem Marx-Engels-Forum gegenüber (vielleicht könnte man es als einen neuen Berliner Drogenumschlagplatz gestalten und Opium fürs Volk verteilen).
  • Noch nicht alles: es soll auch die Rolle der Frauen in der Reformation und im Protestantismus beleuchten.
  • Und Bezug nehmen auf das Stadtschloss, heißt es jetzt schon wieder Stadtschloss?
  • Im Ernst: es soll auch »an einem Transitort für Millionen von Touristen aus aller Welt vergegenwärtigen, dass die Zentren des Protestantismus mehrheitlich heute in Afrika, Asien und Lateinamerika liegen«.

Viel Spaß dabei. Hier trieft nicht nur die Angst vor womöglicher politischer incorrectness, sondern auch vor echter bedeutungsvoller, auch emotionaler Auseinandersetzung mit dem Menschen Luther. Und diese absurden Vorgaben lassen natürlich keinen Raum für einen künstlerischen Prozess. Da kann man sich nicht wirklich in der Arbeit auf Luther einlassen und mal hören, was er vielleicht dazu zu sagen hätte. Wie er sich heute darstellen würde, sich dargestellt hätte.

Gewonnen hat also folgerichtig eine Kopfgeburt

In ihr stecken viele gute Gedanken. Obwohl von Geburt noch nicht die Rede sein kann. Ob die Idee jemals zur Niederkunft kommt, ist noch nicht entschieden. Wie man lesen kann, sind ausgerechnet die Kirchenvertreter nicht sehr angetan von dem Siegerentwurf.

Der schlägt vor, die Lutherstatue abzuformen, noch einmal in Aluminium zu gießen und zu verchromen. Beide Skulpturen sollen sich dann am ehemaligen Standort gegenüberstehen. Glänzender Chrom? Erstmal eine echter Hingucker, solange immer schön geputzt wir. (Mein Motorrad lässt grüßen).

Statt eines erhöhten Plateaus, soll das Areal um drei, vier Stufen abgesenkt werden. Wunderbare Idee, dass man herabsteigen muss. Das wirkt nicht nur einer Heroisierung entgegen, sondern deutet in meinen Augen auch eine historische Distanz an. Man steigt gewissermaßen in die Vergangenheit.

Der Plan sieht weiter vor, den Boden mit Betonplatten auszulegen, auf denen tausende LED Leuchten eingelassen sind über die Texte ablaufen können.

Die Texte sollen, wie ich höre, Zitate Martin Luther Kings und Dietrich Bonhoeffers wiedergeben. Beide für ihre Überzeugungen gestorben, der eine von einem Rassisten erschossen, der andere von den Nazis hingerichtet. Man hofft wohl, dadurch irgendwie auf Luthers beispielhafte unbeugsame Haltung und auf seine Wirkung über die Jahrhunderte zu verweisen. Aber auch wenn Luther seine Erkenntnisse und die Kraft, für sie einzustehen, selbst aus einem Text gewonnen hat, scheint mir der Rückzug auf Texte hier allerdings ein etwas hilfloser Kunstgriff zu sein. So als vertraue man seiner eigenen Gestaltungskraft nicht so recht und ziehe sich lieber auf das Wort zurück. So als würde man in einem Film ständig mit voice over arbeiten, weil die Bilder nicht reichen. Aber vielleicht lassen die Texte die – durch die glänzende Skulptur angelockten – Besucher lesend länger verweilen. Vielleicht …

Selbstbespiegelung oder Auflösung

Blöd gelaufen, dass das Siegerteam, bestehend aus dem Künstler Albert Weis und dem Architekturbüro Zeller & Moye, glaubten, ihre Arbeit erläutern zu müssen. »Luther tritt über die gespiegelte Skulptur in einen Dialog mit sich selbst«, schreiben sie. Damit geben sie der Interpretation eine seltsame Richtung vor. Und darauf hebt dann auch die Kritik der Theologenfraktion offensichtlich ab, die behauptet, eine Selbstbespiegelung sei ein absolutes Unding für Luther gewesen.

Dem wäre zu entgegnen, dass man Luther, je nachdem, wie man das Wort auslegen will, auch als Meister der Selbstbespiegelung sehen könnte. Er hat nicht nur seine psychischen und physischen Befindlichkeiten sehr genau wahrgenommen und auch beschrieben, sondern war sich auch der Wirkung seiner Erscheinung, seines Auftretens sehr bewusst. Er konnte sich und ließ sich auch inszenieren.

Ich denke aber, es geht überhaupt nicht um Selbstbespiegelung. Dann hätten die Preisträger sicher wirklich einen Spiegel aufgestellt.

In meinen Augen würde sich da nicht ein Luther selbstverliebt in seinem glänzenden Ebenbild bespiegeln. Da stehen sich eher zwei Luther in Siegerpose gegenüber, wie in einem Boxring. Der eine in fester wilhelminischer Bronze, der andere in Chrom. Die glänzende, spiegelnde, funkelnde Chromoberfläche wird die Konturen und Form optisch auflösen. Da würde sich ein Luther, wenn er denn hinschauen würde, im Auflösungsprozess sehen, in dessen Glanz sich lustig verzerrt die Betrachter widerspiegeln. Das hat doch was.

 

Starke Charaktere

Starke Charaktere #3 Feinde

5. Juli 2017
Hilfreiche Feinde

Dass man einen Helden für seine Geschichte braucht, leuchtet sicher jedem ein. Aber wie ist es mit den Feinden? Im Grunde sind sie böse, lästig, nicht hilfreich und wenn man Pech hat auch noch intelligent und stark und charismatisch. Moment mal: Wenn man Pech hat? Nein, wenn man Glück hat! Denn je besser deine Feinde, desto besser für dich. Und desto besser für deine Story!

Only enemies speak the truth. Friends and lovers lie endlessly, caught in the web of duty. (Stephen King)

Für eine gute Geschichte sind Feinde extrem wichtig. Man könnte sogar sagen, ohne Feinde keine spannende, keine existentielle Geschichte. Hm, was ist mit Chick-Lit, mit Liebesgeschichten – wo sind denn dort die Feinde? Nun, es gibt sie, und wer und wo sie sind, wird euch überraschen. Aber dazu komme ich später. 

Zuerst einmal: Natürlich sind Feinde böse und schlecht und dunkel und brutal und müssen das auch sein – denn sie sind der Schatten des Helden. All die Bereiche, die er in seinem Leben ausgeblendet hat, um ein guter Mensch zu sein, um ein echter Held zu werden. Was ja wunderbar ist. Aber was wäre das für ein wunderbarer Held/Heldin, die immer nur gut ist? Sehr euch euer eigenes Leben an? Was passiert mit Menschen, die versuchen immer nur gut zu sein? Ich will hier gar nicht von Jesus anfangen, der war nämlich gar nicht so nett und harmlos und still und brav, wie man denken könnte. Im Gegenteil. Er hat für Aufruhr gesorgt und wurde so gefährlich, dass Pontius Pilatus ihn schließlich zum Tod am Kreuz verurteilt hat. Belegt ist das nur durch jüdische Quellen, doch 36 wurde Pilatus dann abgesetzt und ihm unter anderem brutale Hinrichtungen, Selbstbereicherung und konstante Ausübung von extrem leidvoller Grausamkeit vorgeworfen. Ein richtig fieser Feind, könnte man sagen.

Held und Feinde

Helden und Feinde/Antagonisten sind wie die zwei Seiten einer Münze. Wenn ihr also euren Feind und stärksten Gegner des Helden erschafft, dann macht ihn stark und böse und mächtig, denn nur so kann euer Held ebenfalls groß und stark und mächtig werden. Und zeigen, wie kräftig und stark er selber ist.

Hast du keine Feinde, dann hast du keinen Charakter. (Paul Newman)

FeindeDenn wenn der Antagonist und größte Widersacher eures Helden ein dummer Tolpatsch ist, den man ganz einfach besiegen kann, was würde das über die Qualität eures Helden aussagen? Nicht viel. Aber warum muss man seine Feinde überhaupt besiegen? Warum immer so viel Drama erschaffen, kann man nicht eine nette Geschichte ohne Feinde erzählen? Nein. Denn der Feind ist nicht nur ein äußerlicher Feind, sondern steht auch für das Dunkle, Unvollkommene, Böse im Helden. Seine Schattenseite. Das, was die Heldin gerne mal verdrängt. Und ja, das gilt besonders für die HELDIN, weil Frauen von Anfang an beigebracht wird, dass sie nur nett und lieb und brav sein müssen, dann wird schon alles gut. Was nie und nimmer und in keiner Welt richtig ist. Denn – wer sich weiterentwickeln will, MUSS handeln. Und wer handelt – macht Fehler. Verletzt (nicht notwendigerweise absichtlich) andere. Macht Dinge kaputt. Leidet, aber lässt auch andere leiden. Und das ist weder schlimm, noch böse, noch unrichtig, sondern einfach nur eine Notwendigkeit, wenn man hier auf Erden – und auch in jeder Fantasiewelt – eine Heldin werden oder einfach nur leben will.

Hilfreiche Feinde

Feinde sind also für die Entwicklung eurer Helden extrem wichtig. Das ist auch der Grund, weshalb ihr auf die Konstruktion eures Feindes mindestens genauso viel Zeit und Sorgfalt verwenden solltet, wie auf die Erschaffung eures Helden.

Liebe deine Feinde, denn sie sagen dir deine Fehler. (Benjamin Franklin)

Liebe deine Feinde – gilt auch für jeden guten Schriftsteller. Denn nur wenn man seine Antagonisten wirklich mag, kann man sie verstehen und zu lebendigen Charakteren entwickeln. Ihnen Charakter geben. Eine Geschichte zu erzählen, die die Welt simpel in schwarz und weiß einteilt, ist schwach und einfach. Daher helft ihr euch, wenn ihr schon euren Helden nicht enfach nur blütenweiß macht, sondern ihnen von Anfang an kleine Schwächen gebt. Also etwas schwarz in die weiße Großartigkeit mischt. Und genauso solltet ihr euren Feinden etwas Gutes, geben, eine Superpower oder eine böse Kindheit, etwas, dass sie sympathisch macht, denn das bringt mehr Konflikt in eure Story. Mehr Aufregung, mehr Spannung.

You should always keep the person, who always criticizes you, near you.
Since his/her job is to criticize you, they will point out every minute flaws inside you.
This way, you can improve yourself and you become more clean and pure, than you would with soap and water. (Kabirdas, indischer Poet 14 Jhd)

Keep Your Friends Close and Your Enemies Closer

Der Ausspruch stammt von Sun Tzu, dem Chinesichen Genral und Autor von Die Kunst des Krieges. Und die meisten von euch werden ihn aus dem Paten kennen, wo ihn Al Pacinos Charakter Michael Corleone sagt. Und er wird vermutlich immer wieder zitiert werden, weil etwas Wahres dran ist. Für eure Geschichte bedeutet das: Bringt eure Heldin und euren Feind nah zusammen. Lasst sie nicht in zwei verschiedenen Welten unabhängig voneinander existieren, sondern schafft Konflikte zwischen Helden und Feinden. Lasst sie aufeinander treffen. Am leichtesten geschieht das, wenn ihr Held und Feind auf das gleiche Ziel ansetzt. Beide das Gleiche wollen. Beide den Ring wollen, um die größte Macht zu erhalten/oder sie zu schützen, wie Saruman und Frodo in Herr der Ringe.

Oder ihr ihnen eine, sich im Laufe der Geschichte zeigende, überraschende Nähe gebt, die sie zwingt, sich miteinander zu beschäftigen. Wie Voldemort und Harry Potter oder Luke Skywalker und Dark Vader. Denn dann müssen sich die beiden mit einander beschäftigen, sind aneinander gekettet. Kurz: Der Held muss in die Auseinandersetzung gehen, um zu wachsen, um den Schatten – letztendlich – in seine Persönlichkeit zu integrieren.

Feinde überwinden

Müssen Feinde immer sterben? In der Regel schon. Wenn der Schatten integriert ist, der Held die negativen Seiten seines Charakters, seines Handeln anerkennt, wenn Frodo erkennt, dass auch er nicht immun gegen die Macht des Ringes ist, dann kann er loslassen. Die Macht, den Ring und die Existenz des Feindes wird – überflüssig. Es gibt aber noch eine andere Form, den Feind in sen Leben zu integrieren. Durch Liebe. Moment mal, durch Liebe? Ein Grund, warum Liebesgeschichten unterschätzt werden, liegt darin, dass es wirklich schwierig ist, eine GUTE Liebesgeschicthe zu erzählen. Und daran, dass es am Ende keinen Kampf um Gut und Böse und einen toten Feind, sondern eine Hochzeit oder ein Happy End gibt. Okay, ich spüre eure Verunsicherung.

Antagonisten in Liebesgeschichten

Am Anfang habe ich gesagt, es gibt auch Feinde in Liebesgeschichten. Man muss nur wissen, wo sie sind. Schlechte Liebesgeschichten sind wirklich extrem schmerzvoll für mich, weil sie das Vorurteil bestätigen, dass Liebesgeschichten „gut für zwischendurch“ oder „ganz nett, aber nicht wichtig sind“. Falsch. Gute Liebesgeschichten stehen im Mittelpunkt aller großen Geschichten. Romeo und Julia. Lolita. Vom Winde verweht. Der große Gatsby. Und so weiter.

Denn – Leute! Was ist das Wichtigste in eurem Leben? Mal ehrlich? Wann habt ihr zum letzten Mal eine tödliche Krankeit überwunden oder euren Freund abgemeuchelt? Genau. Also seid nicht so verdammt heuchlerisch und verdammt Liebesgeschichten, sondern erkennt, dass Liebe auch das Wichtigste in eurem Leben ist, und dass es gute und miese Liebesgeschichten gibt. Ja, da gibt es Unterschiede. Und lernt – als Autoren – verdammt noch mal eine gute Liebesgeschichte zu schreiben.

Die Liebe – der Feind

In einer guten Liebesgeschichte ist der Feind – die Liebe. Der Partner. Derjenige, in den sich die Heldin verliebt. Und zwar nicht, weil sie ihn etwas zickig ablehnt oder er sich so blöd benimmt, sondern weil der – Geliebte – die ganze Welt der Heldin oder des Helden auf den Kopf stellt. Die andere Seite der Münze. Weil diese Liebe sie – ganz ohne Gewalt – zwingt, ihre Vorstellungen zu ändern, und die dunklen, verdrängten Anteile ihrer Persönlichkeit zu entwickeln. Sichtbar zu machen. So muss das schüchterne Mädchen nicht den strahlenden Prinzen finden, der ab jetzt für sie die Klappe aufreißt oder die Konfllikte eingeht, sondern SELBER anfangen, mal etwas lauter zu werden und aus ihrer Komfortzone zu gehen. Womit ihr auch gleich die Unterscheidung zwischen guten und schlechten Liebesgeschichten habt: In guten entwickeln sich die Heldinnen und Helden, in schlechten werden sie gerettet, beschützt, in Sicherheit gebracht … Ritter auf dem weißen Ross und so weiter. Ich muss ja wohl nicht sagen – schaut euch einfach in eurer Umgebung um – das das nicht nur in Geschichten, sondern ganz grundsätzlich im Leben so nicht funktioniert. Auch in Liebesgeschichten müssen Feinde eine große Herausforderung für eure Heldin sein. Und wenn ihr am Ende eure Feinde mehr liebt als eure Helden, dann habt ihr etwas verdammt richtig gemacht.

You’ve got enemies? Good. That means you actually stood up for something. (Eminem)

Ja, Eminem musste jetzt einfach sein … Nächste Woche geht es um Mentoren. Bis dahin wünsche ich euch – viele hilfreiche Feinde!

und eine gute Zeit

xoxo

Katrin

#redbugwriting #rbpub #amwriting

Event

Sommeraktion – Love on Paper #1 Lagerfeuer

3. Juli 2017
Sommeraktion

Die erste Woche unserer Sommeraktion, in der es einen Monat lang um „Love on Paper“ geht. Jede Woche erzählen wir etwas mehr über das Buch und ihr könnt gewinnen.

Begleiten werden wir unserer Sommerspecial mit einer Preisaktion: Das E-Book gibt es den ganzen Juli für 2, 99 Euro, also der beste Moment sich 374 Seiten Sommerlektüre zu holen.

*Jede Liebe beginnt mit einer Geschichte*
Maya arbeitet als Volontärin in einem Verlag und träumt von einer literarischen Entdeckung. Doch ihre tägliche Arbeit ist alles andere als aufregend. Bis ihre Leidenschaft durch ein ungewöhnliches Manuskript über eine große Liebe wieder erwacht. Als man das Buch im Verlag nicht herausbringen will, gibt sie nicht auf. Sie will herausfinden, wer den Text geschrieben hat. Sie ahnt nicht, dass alles was sie gelesen hat, wahr ist und sie schon bald ein Teil der Geschichte sein wird.

#1 Lagerfeuer

Ein Tag am Strand, im Meer und dann, wenn es Abend wird, aufgehitzt und angenehm müde, frisch geduscht, aber noch barfuß, ein Lagerfeuer anzünden.Lagerfeuer Mit Freunden zusammensitzen, jemand holt die Gitarre raus, den Sonnenuntergang betrachten oder aneinandergekuschelt in die Flammen sehen. Das gute Gefühl, dass man auch einfach hier einschlafen könnte, denn die ganze Nacht wird es warm bleiben. Das ist Sommerstimmung

In Love on Paper geht es viel um Stimmungen – traurig, euphorisch, verliebt, verwirrt, überglücklich. Und wie ein Feuer sie ändern kann …

Die Musik ist gut, aber die Stimmung irgendwie trostlos. Schließlich gehen wir rüber zum Feuer, das in einer großen Schale in der Mitte des Gartens brennt. Eine Gruppe von Leuten steht schweigend herum. Sie trinken Bier, starren in die Flammen und wärmen sich. Konrad und ich stellen uns dazu und sehen ins Feuer. Studenten, aber auch Ältere, sogar Kinder. Und auf einmal geht es mir gut. Es ist schön hier in der Gruppe am Feuer zu stehen, auch wenn wir mit den anderen nichts zu tun haben und einfach nur hier sind, uns wärmen und der Musik zuhören. (Love on Paper, S. 80)

Am Lagerfeuer erzählt man sich Geschichten und – ja, genau, jetzt ist der Moment, in dem wir euch diese Geschichte ans Herz legen –

Lagerfeuer

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Martin Luther 2017

Martin Luther #26 Lutherdenkmale

29. Juni 2017

Gerade komme ich aus der Kunstgießerei Flierl, in der ich meine Skulpturen gießen lasse. Dort wird gerade unter anderem an einer neuen Lutherstatue gearbeitet. Der Rotary Club einer Kleinstadt am Südharz ist darauf gekommen, dass man im Jubiläumsjahr doch mit einem Lutherdenkmal daran erinnern könnte, dass Luther auf seinen Reisen auch einmal dort gewesen ist. Das alte Lutherdenkmal ist in den sogenannten Wirren des zweiten Weltkriegs verschollen. Man gibt eine kleine Summe, hofft, dass die Stadt noch was drauflegt. Zur Ausführung kommen sollte ein Abguss des Lutherdenkmals von Ernst Rietschel in Worms. Dafür hat das Geld dann doch nicht gereicht. Gott sei Dank. Man beauftragt einen ortsansässigen Bildhauer mit einem neuen Entwurf. Der freut sich, dass auch mal Geld in seine Richtung fließt. Auch ich freue mich für ihn.

Lutherdenkmal, das erste.

Während Lutherbildnisse schon zu Lebzeiten wie geschnitten Brot aus Cranachs Werkstatt abgesetzt wurden, hat das erste Lutherdenkmal einige Jahrhunderte auf sich warten lassen. Im Gegensatz zu den zeitgenössischen Bildnissen ging es dabei auch weniger um Luther oder Propaganda für ihn und die Reformation, sondern um preußisches Nationalbewusstsein. 1817 Napoleon war besiegt, Wittenberg preußisch, der Thesenanschlag dreihundert Jahre her und Friedrich Wilhelm III zog die Planungen für ein Lutherdenkmal an sich. Heikles Ding.

Bis dahin waren freistehende Standbilder Adligen oder Feldherren vorbehalten. Luther ist damit der erste Bürgerliche, dem diese Ehre zuteil wird. Schadow entwirft eine Lutherstatue, die dann mit gelegentlichen kleineren Abweichungen Vorbild für fast alle nachfolgenden Statuen werden wird. Sein Luther ist barhäuptig, ohne Tonsur,  schwerer, talarartiger Mantel, dicke Bibel in der linken Hand. So blickt er den Betrachter von seinem Sockel aus an und weist auf die Heilige Schrift.

Schinkel hat auf Anregung des Kronprinzen einen neugotischen Baldachin für den Luther entworfen. Ein genialer Kunstgriff. Zum einen wirkt das gesamte Denkmal dadurch im Stadtbild wesentlich größer. Also ein echter Hingucker. Zum anderen waren solche Ehrenbaldachine nicht nur für Herrscher, sondern auch in der Kirche als Traghimmel üblich. Sie werden heute noch bei Prozessionen über dem Allerheiligsten getragen. Außerdem wurden Bischöfe und der Papst oft unter einem Baldachin geleitet. Und nun also Luther himself. Und last but not least steht Luther nun als Nichtadeliger nicht so ganz im Freien, sondern gewissermaßen in einem Innenraum. Problem gelöst.

Lutherdenkmal -Wittenberg

Lutherdenkmal — Wittenberg

Worms et al.

Noch stilprägender als das Schadowdenkmal wird das Lutherstandbild in Worms. Es wird 1868 enthüllt und ist der zentrale Teile eines ausgedehnten Reformationsdenkmals mit einem Dutzend Figuren. Ernst Rietschel, der auch das Goethe und Schiller Denkmal in Weimar geschaffen hat, hat nicht nur die gesamte Anlage geplant, sondern auch den Luther modelliert. Die Figur wurde für ’zig Lutherdenkmale nachgegossen. Der posiert hier in einem seltsamen Kontrapost, den rechten Fuß über die Standplatte herausragend und pocht auf das dicke Buch in der linken Hand. Dabei ist sein Blick nach oben gerichtet, wo er wahrscheinlich Gott vermutet, der ihm ja beistehen soll – da in Worms vor dem jungen Kaiser.

Lutherdenkmal Worms

Lutherdenkmal — Worms

 

In Eisleben die gleiche Pose, rechter Fuß vor, Buch links, diesmal an die Brust gedrückt, Bannandrohungsbulle und Doktorhut sind dazugekommen.

Lutherdenkmal Eisleben

Lutherdenkmal — Eisleben

Ganz ähnlich in Berlin, modernere Schuhe, Buch aufgeschlagen. Insgesamt mutet die Haltung schwungvoller an. Aber die Pose ist dabei noch weniger nachvollziehbar. Man versuche mal, sich so hinzustellen.

Lutherdenkmal Berlin

Lutherdenkmal — Berlin

Lutherpose

Das bringt mir eine beeindruckende Vorlesung des unvergessenen Kunsthistorikers Max Imdahl in den Sinn. In seiner unnachahmlichen Eloquenz hat er damals äußerst kluge und originelle Gedanken zum Gegensatz zwischen Pose und Gebärde vorgestellt. Imdahl hat diese Erkenntnisse in zahlreichen Aufsätzen veröffentlicht. Einen guten Einblick gibt der Artikel in Zeit-Online vom 11. September 1987. Er erläutert: 

Grundsätzlich läßt sich die Meinung vertreten, daß eine Pose nicht eine Gebärde ist. Eine Gebärde vollzieht man selbst, um etwas von sich selbst aus oder gar sich selbst auszudrücken. Gebärde ist körpersprachlicher Selbstausdruck, Pose dagegen Fremdausdruck: Pose ist auferlegt, sie entpersönlicht, sie entindividualisiert denjenigen, der sie vollzieht. Die Pose ist eine falsche, eigentlich unwirkliche Ausnahmesituation, sie ist Selbstmanipulation oder Manipulation durch einen anderen.

Der Großteil der Denkmale zwingt Luther in eine Pose, reduziert ihn schlicht auf ein wiedererkennbares Zeichen. Talar, Bibel, grimmiger Blick. Ähnlich einem Stopschild. Achteckig, weißer Grund, roter Rand. Zur Sicherheit noch mit der Aufschrift STOP. Auch den Denkmalen gibt man gern noch etwas erläuternden Text bei, zumindest den Namenszug Martin Luther.

Lutherdenkmal Kopenhagen

Lutherdenkmal — Kopenhagen

Anders in Kopenhagen

Ein schönes Beispiel für eine selbstvollzogene Gebärde und eine Ausnahme unter den Lutherstandbildern ist, wie ich finde, die Skulptur von Rikard Magnussen in Kopenhagen. 1915 in Gips modelliert. Erst 1983 posthum gegossen. Ikonographisch ist vieles geläufig: Talar, rechter Fuß vorn, Bannandrohungsbulle, die Bibel in der linken Hand. Dennoch ist die Ausstrahlung durch die emotionale Geste eine völlig andere. Das Buch herunterhängend in die Hüfte gestützt. Wie ein beiläufiger, allgegenwärtiger Begleiter. Die Lese- und oder Schreibarbeit ist getan oder zumindest im Moment unterbrochen. Jetzt muss man sich darauf verlassen, dass es reicht. Der Blick nach oben, Hilfe suchend, aber auch überzeugt: Ich habe mein bestes getan und bin bereit, die Konsequenzen zu tragen. Eine in meinen Augen geniale Erfindung: die rechte, abgewinkelte, konzentriert Mut fassende Hand.

Mit emotionalem Mut könnte man heute Luther in seinen Verzweiflungen, Ängsten, Fragen und Erkenntnissen, in seinem Mut, in seinen Wagnissen, Überzeugungen, Antworten, Überheblichkeiten und Fehlern darstellen. Als einen Menschen. Er hätte es in meinen Augen verdient und wir auch. Ein Denkmal, dass über Luther und die Reformation hinausgeht. Ein Denkmal für das Menschliche. Das geht nicht? Ich denke schon.