Martin Luther 2017

Martin Luther #3 Als Martin Luther wurde

19. Januar 2017

Es scheint einen Punkt zu geben, an dem bestimmte Menschen zu etwas werden, das größer ist, als sie selbst. So viele weltbewegende Entwicklungen werden mit genau einer Person verbunden. Oder vielmehr dem, was diese Person für die Entwicklung bedeutet.

Ich frage mich immer, wo und zu welchem Zeitpunkt diese Transformation stattgefunden hat.
Gab es ein Ereignis, dass jemanden inspiriert hat, anders zu handeln, als er oder sie es vorausgesehen haben? Gab es einen Gedanken, der alle anderen zuvor gedachten Gedanken in den Schatten stellt? Fand ein Austausch statt, der zwei Dinge miteinander verknüpft hat, die vorher lose waren?

In Luthers Fall, war es der Blitzschlag, die Thesen, das Tribunal? Mit Sicherheit würde jeder auf diese Frage anders antworten. Und genau das finde ich so spannend daran.

Als Martin Luther wurde

Es gibt einen Film über Martin Luther, mit Joseph Fiennes in der Hauptrolle, der mir den Zeitpunkt gezeigt hat, den ich im Leben Luthers am interessantesten finde. 

Die Szene spielt in Luthers Kammer, einem zellenartigen, kahlen Raum. Wir hören vor der Tür, was sich drinnen abspielt. Reges Geflüster, schnelle Schritte auf dem nackten Steinfussboden. Durch ein kleines Fenster in der groben Holztür sehen wir ins Innere des Raumes und ins Innere Luthers. Er durchquert den Raum von einem Ende zum anderen, hält sich den Kopf, als könnte der Schädel die Gedanken nicht fassen. Läuft in Kreisen, eindringlich flüsternd. Bedeckt die Augen mit den Händen, rauft und knetet die Finger, das Gesicht, die Tonsur.

MARTIN
Shut up: Shut up: Leave me alone: Satan, stifle your lying tongue:
I never claimed to be good: Never: They know my faults here … my pride, my cursed lust:
I confess them all: I confess them all: Just leave me:
Just leave me: Just leave me: Please leave me:

Was mir wirklich gefällt, ist, wie Luthers weltliches Leben mit seinem spirituellen Leben verzahnt wird. Das eine kann sich ohne das andere nicht entwickeln.

Bemerkenswert an der Szene ist, dass sie wahrscheinlich viele Ereignisse und Überlegungen zu einem Bild zusammenfasst, dass Luthers Auseinandersetzung widerspiegelt. Sie ist ein schöner Auftakt für den Film, der sich im Sinne einer Biografie immer um den Menschen dreht, der im Mittelpunkt des Symbols steht. In gewisser Hinsicht, finde ich, ist die Szene eine Ouvertüre, die bereits alle Elemente der weiteren Entwicklung Luthers in sich birgt. Die Verwandlung, die hier stattfindet, ist der erste Schritt zu dem, was Martin zu Luther machte.

Die Verwandlung beginnt

Der Film beginnt mit Martin, im Gewitter. Der Blitzschlag der Luther ins Kloster führt. Und schneidet schnell in den nächsten Sturm; Martins Vater besucht die erste Messe seines Sohnes und zeigt sich enttäuscht und wütend über Martins Entscheidung, das Jurastudium für das Mönchsdasein aufzugeben. Martin bittet ihn, zu bleiben und mit ihm zu reden. Doch sein Vater reitet ab und lässt seinen Sohn ohne Einverständnis stehen. 

Wir erreichen die Zelle zusammen mit Johann, Martins Mentor. Der Ältere blickt durch das vergitterte Fenster in Martins Raum. Martin und sein Schatten. Eingegittert ins fahle Licht, das durch die bleiverglasten Fenster fällt. Der junge Mönch sitzt zusammengekauert, in einer Ecke des kargen Raumes, flüsternd, flehend. 

Das ist ein Sohn, den sein Vater verlassen hat. Zweifelnd. Sicher, die Schuld in sich selbst zu finden. Warum? Ist nicht nur eine Frage, die sein Vater ihm stellt. Warum ist die Frage, die Martins ganzes Leben bestimmt. Warum kann es keinen Mittelweg geben, zwischen Gut und Böse? Warum ist es nicht möglich, einen Kompromiss zu finden zwischen Martins eindringlichen Wünschen und den Erwartungen seines Vaters? Kann er Gott nur enttäuschen, und den Teufel nie ganz loswerden?

I never claimed to be good.

Martins Schattenseite. Warum muss er immer alles besser wissen? Warum kann er nicht sein, wie es sein Vater sich wünscht. Sich in die Hände des Klosters zu begeben, macht ihn das zu einem besseren Menschen? Besser als der Jurist, der er sein könnte? Besser als sein Vater? Sein Leben Gott zu widmen, muss das exklusiv sein? Schon hier wird deutlich, wie sehr ihn die Diskrepanz zwischen dem Leben und dem Streben nach Gott quält. Gibt es keinen anderen Weg zu glauben?

JOHANN
You’re too hard on yourself, Brother Martin.
Arguing with the devil never does any of us any good.
He has had 5000 years of practice. He knows all the weak spots.

MARTIN
I’m sorry about today.

 JOHANN
I’m not here to scold you, Martin.

MARTIN
I’m too full of sin to be a priest.

Johann betritt die Zelle. Ruhig.

Schön wird hier erzählt – Johann ist nachsichtig, er ist warm und wissend. Doch Martin kann seine Wärme nicht fühlen und seine unterstützenden Worte nicht hören. Er ist auf seine Sünden konzentriert. Er will sich geliebt fühlen, kann sich selbst nicht lieben.

Es ist zuviel Mensch an mir, um jemals ein Diener Gottes zu sein.

Als Martin Luther wurde

Es entsteht eine sehr interessante Dynamik zwischen dem Älteren, Johann und dem Jungen, Martin. Johann repräsentiert eine Art Vaterfigur, er kennt das Leben besser als Martin es kennt. Und trotzdem wird deutlich, dass hinter Martins Dramatik eine Energie steckt, die er nicht mehr hat, ja vielleicht nie hatte. Der junge Mann in der Ecke der Zelle ist in den Kampf mit sich selbst verstrickt. Hinter den bitterernsten Vorwürfen schlummert ein Potential, das geweckt werden will. Die Möglichkeit, zu einer tieferen Einsicht zu gelangen.

JOHANN
You know, in two years I’ve never heard you confess anything remotely interesting.

MARTIN
I live in terror of judgment.

Johanns sanftem Humor lehnt Martin als Linderung ab. Auch er testet seinen Mentor, setzt seine Geduld und Menschenkenntnis auf die Probe.

JOHANN
And you think self-hatred will save you?

MARTIN
Have you ever dared to think that God is not just? He has us born tainted by sin, then He’s angry with us all our lives for our faults, this righteous Judge…who damns us…threatening us with the fires of hell: I know: I know I’m evil to think it:              

Have you ever dared to think that God is not just?

Das ist Martins letzte Festung. Die Frage nach einem ungerechten Gott ist noch die Weigerung, sich selbst zu sehen. Er ist verletzt, schämt sich, will das intellektuelle Ringen gewinnen, dass ihn vor diesen Gefühlen schützt. Martin ist ein geschickter Denker und selbst in Aufruhr ein intelligenter De­bat­tie­rer.

Wenn Gott gerecht ist, warum lässt er uns scheitern und urteilt dann über uns? Die Gleichung des stummen Vorwurfs geht nicht auf. Muss immer einer leiden, wenn es um Gott und die Menschen geht? Hier kommt Johanns Stärke ins Spiel. Er ruft Martin zur Ordnung, ohne ihn zu verurteilen.

JOHANN
You’re not evil.
You’re just not honest.
God isn’t angry with you.
You are angry with God.

MARTIN
I wish there were no God.

Wenn ich es niemandem recht machen kann, dann will ich zu niemandem gehören.

Lieber allein als verlassen. Lieber lieblos als ungeliebt.

Johanns Antwort gibt Martin ein beeindruckendes Beispiel für etwas, was er noch lernen muss. Zu fragen. Und zu hören. Johann demonstriert dem Jungen, was er ihm beibringen kann. Aufzugeben. Den Widerstand loszulassen und bereit zu sein, auf sich wirken zu lassen. Johann geht es nicht darum, recht zu haben. Da ist nur ein Hauch Unmut in seiner Stimme, wenn er fragt.

 JOHANN
Martin, what is it you seek?

Und endlich gibt der Jüngere auf. Das ist der Umbruch in Martin. Er gibt die Argumente auf und stellt sich seinen Gefühlen. In Martins Leben gibt es keinen Ausweg, kein Umweg um den Wunsch herum. Keine intellektuelle Erklärung für die Sehnsucht nacht einem liebevollen Gott. Es gibt nur die Möglichkeit ehrlich zu sein, so wie Johann es ihm vorgeschlagen hat.

MARTIN
A merciful God: A God whom I can love. A God who loves me.

Johann tritt an Martin heran, reicht ihm sein Kruzifix.
Den besten Schutz, den sein Mentor ihm geben kann.

JOHANN
Then look to Christ. Bind yourself to Christ and you will know God’s love. Say to Him, „I’m yours. Save me.“ „I am yours. Save me.“

MARTIN
I am yours. Save me. I am yours. Save me.

Hier haben die Filmemacher eine interessante Entscheidung getroffen. Denn Martin greift mit der einen Hand nach dem Kruzifix, das Johann ihm anbietet. Und mit der anderen nach der Hand seines Mentors. Martin wird nie ganz auf eine Seite wechseln. Er gehört genau hierhin. Zwischen Gott und die Menschen.

Martin als Luther

Mir wird klar, es ist nicht unbedingt ein Moment in Martin Luthers Leben, der für mich bestimmt, was ich mit ihm verbinde. Vielmehr ist es ein Raum, in dem er für mich existiert. Halb Mensch und halb Symbol. Eigentlich ein Zustand, eher ein Gefühl. Die Zelle ist für mich ein schöner Ausdruck für einen Raum, den jeder von uns betreten kann.

7 Tipps (nicht nur) für Schreibanfänger

7 Tipps (nicht nur) für Schreibanfänger #3 Schreiben

18. Januar 2017

Schreiben? Natürlich schreiben, darum geht es doch. Aber, hm, schreiben! ist nicht gleich s*c*h*r*e*i*b*e*n. Ich rede vom lustvollen, kreativen Schreiben. Dem Schreiben, bei dem ich in einen hypnotischen Zustand abtauche, ganz absorbiert bin, lache, weine. Einem Schreiben, mit dem ich die Leser fesseln, berühren, erreichen kann. Genau um dieses Schreiben geht es heute.

Zwei Gehirnhälften

aus: Betty Edwards. Garantiert zeichnen lernen.

Ich habe mich mit den beiden Gehirnhälften beschäftigt, als ich mit Zeichnen begann. Ich war eigentlich auf der Suche nach einem How To-Buch über Zeichentechniken und fand Betty Edwards geniales Buch: Garantiert Zeichnen lernen. Alles, was sie über das Zeichnen und die Nutzung unser beiden Gehirn-Hemisphären sagt, kann man genauso gut auf das Scheiben anwenden. Okay, der Reihe nach.

Rational, analytisch – links

Unser Gehirn hat zwei Hälften. Jede Gehirnhälft hat einen Job. Die linke Gehirnhälfte ist verbal, analytisch, abstrakt, zeitlich, logisch, rational, digital. Wenn man von einem Kopfmenschen redet, dann meint man wohl jemanden, der die linke Gehirnhälfte besonders intensiv nutzt. Klassenbester, immer wohl sortiert, kein Problem mit Rechnungen und Berechnungen, vielleicht sogar pingelig und etwas nerdig.  Ah, daher Rechtshänder! Genau.

Nonverbal, intuitiv – rechts

Die andere Hälfte ist chaotischer, aber sie hat einen genauso wichtigen Job. Nonverbal, synthetisch, konkret, analog, zeitlos, irrational, räumlich, intuitiv, ganzheitlich. Zu Menschen, deren rechte Gehirnhälfte dominant ist, sagen wir auch Bauchmenschen. Künstler, Chaoten, Traumtänzer, aber auch die pragmatischen Handwerker und zupackenden Pragmatiker. Die rechte Gehirnhälfte steuert die linke Körperhälfte.

Die Verbindung der Hälften

aus: Betty Edwards. Garantiert Zeichnen lernen.

Beide Gehirnhälften agieren nicht allein, sondern tauschen sich mit der anderen Seite über einen Balken aus, der im Gehirn sitzt und auch so heißt. (Ist diese Stelle im Gehrin beschädigt, dann sind Menschen zum Beispiel nicht mehr in der Lage, Gegenstände zu benennen). Das Nervensystem ist kreuzweise mit dem Gehirn verbunden. Die linke Gehirnhälfte steuert die rechte Körperseite, die rechte Gehirnhälfte die linke Seite. Wir brauchen beide Gehirnhälften, aber leider leben wir in einer Gesellschaft, die der linken, analytischen und rationalen Gehirnhälfte wesentlich mehr Bedeutung und Wert zuweist. Wir reden vom rechten = feinen Händchen, dem rechten Weg, der rechten Haltung. Links wird mit Chaos und Anarchie verbunden. Das lateinische Wort für links = sinister, heißt auch finster, unheilvoll, schlecht.

Auf die dunkle Seite wechseln

Tja, ich sag’s einfach mal: Wenn ihr gute Künstler und damit auch gute Autoren werden wollt, dann müsst ihr auf die dunkle Seite wechseln. Natürlich ist die nicht wirklich dunkel, aber eben nicht sehr gesellschaftskompatibel. Das ist der Grund, warum die meisten Eltern vermutlich nicht  vor Freude in die Luft springen, wenn ihre Kinder verkünden, dass sie ab jetzt vom Schreiben leben wollen. Wie soll das gehen? Das ist Chaos, Unberechenbarkeit, Kreativität. Jep. Genau.

Schreiben im Flow

Kreatives, intuitives, anarchisches Schreiben ist das Schreiben, mit dem man ein gutes Buch/Text schreibt. Wenn ich in diesem Zustand bin, dann vergesse ich die Zeit (ich muss mir einen Wecker stellen, um das Essen nicht zu verpassen), ich tauche ab, bin im Flow. Ich empfinde meine Charkatere als real, bin witzig, einfallsreich. Wunderbar. Wäre da nicht diese linke Gehirnhälfte, die sich irgendwann beleidigt einschaltet.

Der innere Kritiker

Jeder Künstler kennt das. Gerade hat man noch wild, begeistert und im Flow gearbeitet, man hält einen Moment inne, betrachtet sein Werk, sein Schreiben mit Abstand und: Oh-mein-Gott, sagt die linke Gehirnhälfte. Das ist ja der totale Mist, den du da fabriziert hast! (Die rechte Hälfte benutzt gerne Fremdwörter). Da muss ich ja wieder endlos Überarbeiten. Und, ja, natürlich, die linke Gehirnhälfte, diese alte Besserwisserin, hat natürlich recht. Grundsätzlich. Irgendwann (ich komme bei Schreibtipps #5 dazu) muss man überarbeiten. Aber gerade NICHT.

Lustvolles Schreiben

Kreatives Schreiben kann nur mit Dominanz der rechten, chaotischen Gehirnhälfte stattfinden, also mache ich sie in meiner Schreibzeit zum Chef. Ich kann ihr helfen, indem ich Musik beim Schreiben höre, eine Duftlampe aufstelle, mir erlaube, einfach nur im Schreibflow zu bleiben, ohne groß nach-zu-denken. Wenig Unterbrechungen, Abschalten des WLAN, Tür geschlossen, bequeme Sitzhaltung, am besten nicht am Schreibtisch. Und wenn, dann mit einem Bild vor Augen, einem Blumenstrauß in der Nähe. Alles, was die linke Gehirnhälfte anregt, ihr Spaß macht, ihren Spieltrieb anregt, ist gut.

Die linke Gehirnhälfte vertröste ich; sie bekommt ihre Zeit – später. Text, der in der kreativen Schreibphase entsteht, ist selten fertig und gut und sinnvoll. Und muss es auch gar nicht sein. Erstmal alles rauslassen, die Ideen sprudeln lassen, die Vorstellungskraft einsetzen, Bilder entstehen und die Finger einfach tippen lassen. Die schaffen das schon, über Rechtschreibfehler und Grammatik kann man sich später kümmern. Erst, wenn ich merke, dass ich aus dem Flow falle, ist eine – kreative – Pause gut. Die am besten ganz speziell und arbeitsfördernd sein sollte. (Darüber spreche ich dann nächste Woche.)

Kennt ihr das Gefühl im Schreibflow zu sein? Was sind eure Tricks? Love to hear it!

Ganz viel Spaß beim lustvollen *Schreiben* und – bis nächste Woche.

xoxo

Katrin

#redbugwriting #amwriting

Martin Luther 2017

Martin Luther #2 Luther und Cranach

12. Januar 2017
Luther und Cranach

Wie schafft man es in einer Welt ohne Handys, ohne Fotoapparat, ohne Internet und Fernsehen, dass die Welt dein Gesicht kennt? Man stelle sich das vor: 1520. Papst Leo X. droht Martin Luther mit der Exkommunikation, sollte er nicht binnen 60 Tagen 41 seiner 95 Thesen widerrufen. Und Lucas Cranach der Ältere zeichnet und malt. Nimmt Stellung als Maler. Und er malt nicht nur ein Bild, sondern ganze Portraitserien von Martin Luther. Er gibt dem Reformator ein nachdenkliches, oder sanftes oder würdiges Gesicht und uns allen eine Ahnung davon, wie Luther damals aussah. Wie kam es eigentlich dazu?

Religion und Kunst

Lucas Cranach der Ältere. Luther als Junger Jörg 1521 oder 22

Ich bin atheistisch erzogen. Das heißt, ich bin nicht wirklich getauft, habe keine religiöse Erziehung erhalten und in der Religionsstunde mit den anderen zwei Atheisten in der Turnhalle auf den Matten gesessen und die Freistunde abgetrödelt. Mir hat nichts gefehlt, bis ich mein Kunstgeschichtsstudium begann und mich im Seminar zur Mittelalterkunst gefragt habe, wer der Typ am Kreuz ist, der ständig auf den Bildern auftaucht.

Lucas Cranach der Ältere. Luther als Mönch 1520

Okay, ich übertreibe. Jesus war mir zu dem Zeitpunkt allerdings ebenso vertraut/unvertraut wie irgendein Rapper, der gerade angesagt war. Man hat davon gehört, aber sonst … Es war klar, dass das auf Dauer ein Problem werden würde, da Ikonographie sehr wichtig in der Kunstgeschichte ist. Da ich eine ehrgeizige Studentin war, habe ich mein Archäologie-Nebenfach also gegen Evangelische Theologie eingetauscht. Und bin bei einem der interessantesten Fachbereiche der FU gelandet, wo Theologie sehr offen und philosophisch behandelt wurde. Ich fand alles superspannend, ich habe die Bibel – ganz – gelesen und wurde Luther-Fan.

Kunst und Politik

Lucas Cranach der Ältere gemalt von seinem Sohn oder Selbstportrait. 1550

Lucas Cranach der Ältere war auch nicht irgendein Maler, sondern seit 1505 Hofmaler beim Kurfürsten Friedrich dem Weisen von Sachsen in Wittenberg und arbeitete in dessen Schlosswerkstatt. Was machen Hofmaler? Sie sind für die Ausstattung der Schlösser und Kirchen mit Gemälden verantwortlich, sie fertigen Portraits der Herrschaftsfamilie an, sie verzieren aber auch Bücher mit Zeichnungen oder vergolden Dekorationen bei Festakten. Okay, eine ziemlich weitreichende Berufsbeschreibung. So war das damals. Künstler verstanden sich als Handwerker/Unternehmer/Geschäftsleute. Sie nahmen am gesellschaftlichen Leben teil und mischten sich ein.

Um 1510 zieht Cranach zurück in die Stadt, hat 1513 einen Weinausschank und vertreibt zwischen 1515-20 Druckgrafiken, die er in seiner Werkstatt herstellt. 1520 kauft er sich eine Apotheke und ist zugleich als Buchhändler, Papierhändler und Verleger tätig. (Okay, gerade spüre ich eine sehr innige Verbindung). Er bringt 1522 Martin Luthers Septembertestament heraus, die Übersetzung des Neuen Testaments in die deutsche Sprache, eine Revolution. Cranach ist nicht nur ein Maler, er ist ein Mann von Welt. Ein Renaissancemensch mit vielen Talenten, einer von denen Menschen, die die Welt gestalten, egal ob mit Pinsel oder Politik.

Die Freundschaft von Luther und Cranach

Lucas Cranach der Ältere 1529. Martin Luther und seine Frau Katharina von Bora

Luther und Cranach haben sich in Wittenberg kennengelernt. Sie waren politisch und religiös/philosophisch einer Meinung, sie waren aber auch einfach gute Freunde. Cranach und seine Frau waren Trauzeugen bei Luthers Hochzeit und Paten des ersten Sohn von Luther. Doch es ging nicht nur um einen Freundschaftsdienst, wenn Cranach Luther gemalt hat.

Lucas Cranach der Ältere. 1532. Luther

Wenn man sich die unterschiedlichen Lutherbilder von Cranach ansieht,  dann erscheint der Reformator sympathisch, friedlich, weise, belesen. Kurz: Sehr positiv und stark dargetellt.

Luthers Image

Das Image ist mehr als ein Bild. Es steht für den Ruf, die Reputation. Ein gutes Image ist das, was jeder Künstler, jeder Geschäftsmann, jeder Politiker gerne hätte. Genau das brauchte Luther, der gerade das politische und religiöse System erschüttert hatte. Er wollte die Welt – positiv – verändern. Doch wie sollten die Masse der Menschen das verstehen?

Luther und Cranach

Lucas Cranach der Ältere. 1546 Luther ein seinem Todesjahr.

Ich war eine nerdige Studentin und habe meine Semesterferein gerne mal in der Kunstgeschichtlichen Bibliothek vergebracht, um die Werke meiner Lieblingskunsthistoriker zu studieren. Ich finde es immer besonders spannend, wenn mir jemand seine persönliche Sicht auf ein Thema, einen Sachverahlt oder einen Menschen vermittelt. Martin Warnke hat meiner Meinung nach das beste Buch zu den Lutherbildnissen geschrieben: Cranachs Luther. Entwürfe für ein Image.

Man will sein Image verbessern? Heute kann man ein YouTube- Video machen, ein TV-Interview geben, twittern, facebooken und sich so von seiner besten Seite zeigen. Bilder sind stark. Cranach wusste das schon damals.

Bis zum Tod
Luther und Cranach

Lucas Cranach Werkstatt um 1600. Luther auf dem Sterbebett.

Cranach starb sieben Jahre nach Luther. Das letzte Bild aus der Cranach-Werkstatt von Luther entstand um 1600. Da war Luther schon fast 54 Jahre tot, aber berühmt. Ich hätte Lust, das Bild sorgfältig zu analysieren, wie ich es in Kunstgeschichte gelernt habe. Das Lächeln – nicht friedlich, eher energisch – das weiße, schlichte Hemd, der Schatten um den Kopf. Die Inschrift …

Aber eigentlich liebe ich es an Bildern, dass man das eigentlich nicht tun muss. Man kann das Bild auch so schön finden, bewundern, befragen, emotional verstehen. Genauso wie die Freundschaft von Cranach und Luther.

Und vielleicht sollte ich auch wieder mehr malen … hm.

7 Tipps (nicht nur) für Schreibanfänger

7 Tipps (nicht nur) für Schreibanfänger #2 Arbeitsplan

11. Januar 2017

Okay, das ist ein wenig unsexy. Wer macht schon gerne einen Plan, wenn er mit einer kreativen Arbeit beginnt? Nach vielen Büchern und sehr viel Ausstellungen kann ich euch versichern: Ein Arbeitsplan ist nicht dafür da, die Kreativität einzuschränken, sondern ihr einen komfortalben Raum zu geben.

Schreiben für Verlage

Ich kenne das gut von kleinen bis mittelgroßen Buchprojekten. Die Agentin ruft an, dem Verlag hat das Exposé gefallen, man möchte das Buchprojekt verlegen. Yeah! Und weil ich meist keinen, der Verlag aber ganz sicher einen Plan hat, heißt es dann: Der Verlag braucht das Manuskript in acht Monaten, denn das Buch soll in anderthalb oder auch zwei Jahren herauskommen. Nicht, dass ich auch nur annähernd acht Monate für das Buch brauchen würde. Vielleicht zwei oder drei Monate, maximal vier. Und was mache ich dazwischen? Warten, andere Projekte, Geld verdienen.

Der Abgabetermin rückt näher und dann fange ich irgendwann an. Seltsam nur, dass auf einmal die Zeit gar nicht mehr so endlos ist, wie sie mir bei Auftragsvergabe vorkam. Weil der Verlag einen Plan hat, hat er das natürlich eingeplant und kann mir noch einen Monat geben, was ich dankbar annehme. Und die Zeit reicht trotzdem nur so knapp, und ich würde so gerne noch … Was ist da schiefgegangen?

Schreiben als Selfpublisher

Weil ich ein ungeduldiger Mensch bin und mich die langen Vorlaufzeiten im Verlag immer etwas genervt haben, habe ich mich sehr gefreut, als Selfpublishing aufkam. Genial, endlich konnte ich mit der vollen Energie schreiben. Weil ich – wiederrum – keinen Arbeitsplan hatte, habe ich dann tatsächlich drauflos und einfach so lange und intensiv geschrieben, bis ich einen Burnout hatte. Das war also keine Lösung.

Der Arbeitsplan

Ich experimentiere jetzt schon länger mit einer Planung für mein Schreiben. Als kreativer Mensch versuche ich, dass alles schön und attraktiv zu gestalten und in letzter Zeit immer mehr analog, denn am Laptop sitze ich ja schon lange genug. Hierzu musste ich mir als erstes klarmachen, dass ich als Autorin viele, ganz verschiedene Tätigkeiten in eine Ordnung bringen muss. Wenn man an eine Schrift-Stellerin denkt, dann ans Schreiben. Aber da sind noch so viele andere Dinge: Recherche, Überlegungen, Ideen, die Buchstruktur, die Erzählstränge, das Überarbeiten. Und ich rede hier (noch) nicht von Social Media oder Gesprächen mit Agenten, Lesungen und so weiter.

Buchprojekte in To Dos zerlegen

Sehr hilfreich ist es daher, sich alle Arbeitsschritte eines Buchprojekts  klar zu machen, bevor man einen Arbeitsplan aufstellt. Denn jeder Schritt verlangt eine andere Art der Energie. Heute schreiben von zehn bis fünfzehn Uhr – ist ein schöner Plan, aber ich rate zu mehr Detail und einer To Do- Liste für die einzelnen Schritte eines Projekts. Gibt man es an einen Verlag oder die AgentIn, dann muss ein Exposé, ein Blurb, und eine Leseprobe geschrieben werden. Wie lange dauert jeder einzelne Schritt? Wann will ich Zeit dafür einplanen? Womit fange ich an?

Schreibt man als Selfpublisher, macht es Sinn sich zu überlegen, wann man das Buch herausbringen will. Ein Sommerthema passt logischerweise besser im Sommer. Wie lange schreibe ich am Buch? Wenn ich im Sommer beginne, wird es vielleicht ein Winterbuch. Und so weiter. Auf einmal nimmt der Arbeitsplan epische Größe an und das ist gut so. Denkt an die Pläne, die Verlage machen.

Arbeitsschritte in eine Ordnung bringen

Der ersten Schritte sind also, sich zu fragen: Was ist das für ein Projekt, was muss dafür getan werden/ brauche ich dafür/muss ich dafür erledigen? Muss ich recherchieren? Mache ich das parallel oder vorher? Ken Follett recherchiert fast ein Jahr und setzt sich dann an die Schreibarbeit. Er trennt also Arbeitstätigkeiten ganz bewusst.

Manche Dinge kann ich entspannt parallel angehen. Schreiben kann sehr anstrengend werden, nach 2-3 Stunden brauche ich eine Pause. Mich entspannt es, mir dann Gedanken zu einem anderen Projekt zu machen, ein paar Charakterstudien anzulegen oder ein Pinterest-Board zusammenzusuchen. Wenn ich für dieses Buch einen anderen Plan habe und dort etwas als erledigt abkreuzen kann, dann habe ich am Ende nicht das Gefühl, einfach nur prokrastiniert zu haben. Das ist gut für das Selbstbewusstsein.

Wie mache ich mir einen Arbeitsplan?

Natürlich ist jeder Schreiber anders. Angefangen mit der Art, wie er schreibt – also Plotter oder Panser – bis zum Buchprojekt, dass er sich vorgenommen hat – ein leichter Unterhaltungsroman oder ein historischer Roman. Dies alles sollte ein Plan berücksichtigen. Plotter machen ja sowieso gerne Pläne und planen daher am Anfang ein, ihr Buch durchzuplanen, bevor sie zu schreiben beginnen. Aber auch wenn man kein Plotter ist, ist es sinnvoll, sich einen Plan für die Schreib- und Überarbeitsphasen und Zeiten anzulegen. Also zum Beispiel: Vier Wochen schreiben, dann eine Woche überarbeiten. Ob ich das auf eine Tafel an die Wand oder in ein Buch schreibe, ist eigentlich egal. Wichtig ist, dass ich weiß, wo ich mich gerade befinde, was ich getan habe, was noch zu tun ist.

Der Arbeitsplan als Belohnungssystem

Ich liebe es, mir für getane Arbeit Punkte/Herzchen/oder Sterne zu geben. Ja, da bin ich wie eine Erstklässlerin. Ich fühle mich super, wenn ich hinter: Exposé gemacht einen Stern kleben kann, statt zu denken: Verdammt, heute wieder nicht zum Schreiben gekommen. Auf der anderen Seite merke ich, wenn ich mir vorgenommen habe, täglich ein Kapitel zu überarbeiten und nach einer Woche immer nur noch ein Stern in meinem Plan ist. Da betrüge ich mich wohl gerade selbst. Natürlich sollten Pläne flexibel sein. Hat das Kind gerade Masern bekommen, dann ist eben etwas anderes gerade wichtiger als zu schreiben.

Okay, dieses Thema ist – endless! Wenn ich ein richtig gutes System gefunden habe, das auch auf andere Autoren und ihre Schreibprojekte zu übertragen ist, dann melde ich mich. Bis dahin rate ich euch, einen kreativen, schönen und bunten Arbeitplan anzulegen, der euch zeigt, wie viel ihr noch vor euch habt, was noch zu erledigen ist, euch aber auch motiviert. Und – euch mit Sternchen für eure Schreib- und Planzeiten zu belohnen.

Nächste Woche … Moment, ein Blick in meinen Blogging-Plan … ja! Ich weiß es jetzt – ihr lasst euch überraschen ;)

Eine schöne Schreib-Woche

xoxo

Katrin

#redbugwriting #rbpub #amwriting

 

Martin Luther 2017

Martin Luther #1 Erste Erinnerung

5. Januar 2017
Martin Luther

1517. Martin Luther verfasst seine weltberühmten 95 Thesen. Damit hat er eine der heftigsten und fruchtbarsten Diskussionen der frühen Neuzeit losgetreten. Wir wollen uns an jedem Donnerstag in diesem „Lutherjahr“ in einer Reihe von Beiträgen mit Luther beschäftigen. Auf künstlerische und sehr persönliche Weise.

Ich mache den Anfang mit meiner frühesten Erinnerung an den Namen Martin Luther. Sie stammt aus dem Jahr 1964.

Dem Jahr, in dem dieses Foto entstand. Einschulung in die Martin-Luther-Volksschule in Wattenscheid-Einschulung Luther SchuleEppendorf. Es wurde noch auf Schiefertafeln mit Griffeln geschrieben und natürlich mit dem „schönen Händchen“. Außer Schreiben habe ich alles mit links gemacht. Werfen, malen, essen, zeichnen. Sogar die Ergebnisse unter den Rechenkästchen habe ich mit links unterstrichen und musste dazu immer den Stift in die andere Hand wechseln. Den Schreibgriffel allerdings hat mir meine Zeugnis Luther Schulegeliebte Klassenlehrerin von Anfang an in die rechte Hand gegeben. Ich habe ihr geglaubt, dass das unbedingt so sein muss.

Erst zwanzig Jahre später habe ich bemerkt, dass ich als Linkshänder besser mit links schreibe. Seitdem schreibe ich mit beiden Händen, wie es gerade passt. Meine kleine persönliche Reform.

Kein Wunder also, dass meine Religionsnoten besser waren als die für Handschrift. Eine lesbare Handschrift habe ich nie entwickelt. Den Religionsunterricht aber habe ich geliebt. Ich fand die Geschichten von der Schlange mit dem Apfel, dem brennenden Dornsbusch, dem kleinen Moses in dem Bambuskörbchen … unglaublich spannend. Es gab ja weder den Herrn der Ringe, noch Harry Potter. Und in Religion wurde viel gemalt. Ich erinnere mich an einen Versuch, Jesus zu malen, wie er in der Wüste eine Heuschrecke ißt. Es wurde dann eher ein großer Stein in einer gelben Landschaft mit eine Art Palme. Ich erinnere mich auch, dass ich damals gelogen habe, mein Opa hätte mich beim Malen erschreckt. Und dass ich mich deshalb vermalt hätte. Ich entschuldige mich hiermit für diese Lüge.

Wir wurden streng nach Konfession eingeschult. Evangelisch oder katholisch. Nur hundert Meter weiter befand sich die katholische Canisiusschule. Wie ich heute weiß, war Petrus Canisius ein jüngerer Zeitgenosse Martin Luthers. Er wurde am 8. Mai 1521 in Nijmwegen geboren. Genau an dem Tag, an dem Kaiser Karl V. im Wormser Edikt die Reichsacht über Martin Luther verhängte. Canisius war ein energischer Vorkämpfer der Gegenreformation. Ihm wird nachgesagt, ein maßgeblicher Berfürworter der Hexenverfolgungen gewesen zu sein. Mittlerweile ist er heiliggesprochen. Ob die damaligen Schulträger absichtlich die Namen dieser Gegenpole für ihre Schulen gewählt haben?

Für uns Jungs war das natürlich egal. Wir wussten weder, wer Canisius noch, wer Luther war. Ich war froh auf der Lutherschule zu sein, weil ich Canisius einfach nicht aussprechen konnte. Wir nannten die Schule Karnickelschule. Keine Ahnung, wer das aufgebracht hat. Wir fühlten uns nur irgendwie besser, überlegener. So wie die Canisiusschüler sich vermutlich auch besser fühlten. Das führte – einfach, weil man auf eine andere Schule ging – immer mal wieder zu Raufereien auf dem Nachhauseweg. Mit Religion und Glaubensüberzeugungen hatte das genauso wenig zu tun, wie die heutigen globalen Auseinandersetzungen.

 

7 Tipps (nicht nur) für Schreibanfänger

7 Tipps (nicht nur) für Schreibanfänger #1 Lese-Stopp

4. Januar 2017

Ein schönes Neues Jahr! Ich hoffe, ihr seid bereit, euch an eurem Schreibtisch auszutoben. Dieses Jahr werde ich endlich … ein Buch schreiben! Yeah, großartige Idee. Ich bin für 7 Wochen mit 7 Tipps dabei, die hoffentlich extrem hilfreich für euch sind. Fangen wir gleich an.

Lese-Stopp

Ja, ihr habt richtig gelesen. Moment mal! Habe ich nicht in meiner Beitragsreihe Über das Schreiben ein Kapitel nur dem Lesen gewidmet? Wie wichtig es ist? Stimmt. Viel und qualitätsvolles Lesen ist eine Voraussetzung, um ein guter Autor zu werden. Es schult euer Hören, es trainiert eure Sprache, es verfeinert euren Geschmack. Aber wenn ihr ein Buchprojekt beginnt, ganz besonders, wenn es euer erstes Projekt ist, legt einen Lese-Stopp ein.

Input und Output

Bücher und Lesen liefert Input. An Wissen, an Vorstellungen, an Sprachpattern und Formulierungen. Genau so würde ich das auch gerne schreiben können!, denkt man, wenn man, wenn man seine/n LieblingsautorIn liest. Super. Wirklich. Was für eine tolle Idee!, ruft man, wenn man eine interessante Geschichte liest. Und – tja, da ist der Mensch irgendwie doch ein Herdentier – wenn man dann anfängt zu schreiben, fallen einem all die tollen Ideen und Formulierungen der Lieblingsautoren ein. Das ist normal. Das ist das, was man im Kopf hat, woran man sich erinnert. Viele Maler kopieren am Anfang ihre Vorbilder sogar, um ihren Stil ganz zu erlernen und zu erforschen. Beim Schreiben ist das als Fanfiction ganz in Ordnung, aber wenn man sein eigenes Buch schreibt – NICHT. Da müsst ihr schon mehr tun, nämlich euren eigenen Stil, eure eigenen Ideen finden. Jetzt seid ihr dran mit Output!

Der eigene Sound

Vielleicht das Wichtigste, was ein Autor haben sollte, ist eine eigene Stimme. Einen Sound. Das ist wie bei Musikern. Wir hören täglich Musik. Im Auto(Radio), im Supermarkt, im Café. Manchmal merken wir es schon gar nicht mehr. Aber dann gibt es doch diese Musiker, bei denen man schon bei den ersten Takten weiß: Ach, das ist doch … Genau. Der Name fällt einem fast nie ein, aber man erkennt den Sound. So sollte es auch bei einem Autor sein.lese-stopp

Jeder Mensch ist besonders. Er unterscheidet sich von anderen durch seine Gedanken, sein Wesen, seine Art zu sprechen und seine Art zu schreiben. Babys, die ihre ersten Worte finden, klingen irgendwie alle gleich: Abba, dabba, Papa, Ball! Aber schon sehr bald zeigen sich Vorlieben bei Worten, die ganz allgemein für Vorlieben stehen. Darum rasten Eltern so aus, wenn ihre Kinder Mama oder Papa sagen. Yeah, ich bin meinem Kind wichtig!

Teenager reden viel von Musik, Sex und Körperteilen. Erwachsene viel über Fußball, Nägel oder Rezepte. Und was für das Reden gilt, gilt auch für das Schreiben. Ihr werdet und solltet über das schreiben, was euch interssiert, was ihr liebt. Und zwar mit euren eigenen Worten. Auf eure ganz eigene Art.

Wie findet man seinen Sound?

Man muss sicher selber zuhören. Beim Sprechen, beim Schreiben. Cornelia Funke liest sich ihre geschriebenen Texte immer wieder vor. Ich mache das auch oft, einfach um zu testen, wie es klingt. Hört es sich gut, rund, aber vor allem – nach mir an? Vor allem sollte man seine Sprache von abgenutzten Formulierungen befreien. Satzbausteinen, die man vor allem in schnell und aus rein kommerziellen erstellter Unterhaltungsliteratur ständig findet. Sätze wie: Wir müssen reden!  Es zerreißt mir das Herz. Verlass mich nicht! Deine Augen verzaubern mich. Aber lieben viele Leser nicht genau diese Sätze? Jep. Von vielen Auftragsautoren werden sie sogar verlangt. Doch diese Leser lieben jeden, der diese Sätze schreibt. Wenn man sich also nicht in eine Reihe von Fastfoodautoren einreihen will, dann löst man sich besser von diesen Formulierungen und ersetzt sie durch bessere, präzisere und vor allem eigene.

Wie erkennt man seinen Sound?

Das ist gar nicht so einfach. Bei all den Worten, Sätzen, die täglich um einen herumfliegen, wird man ständig abgelenkt. Man übernimmt ganz leicht Formulierungen, Worte, Ausdrücke. Denkt an die Jugendsprache. Jugendliche schleppen täglich neue Worte aus der Schule an. Probieren sie aus, kneten sie durch, werfen sie wieder weg oder behalten sie bis ins Erwachsenenalter. Krass! Einer der Gründe, warum sich Autoren in ihre Schreibstube zurückziehen, hängt damit zusammen, dass sie dieses Hintergrundmurmeln ausschalten wollen. Und jetzt schließt sich der Kreis langsam. Denn wenn beim Schreibprozess einfach weiterlest als ob nichts wäre und eurem Gehirn weiter Input an anderen/fremden Formulierungen liefert, dann wird es verdammt schwierig, den eigenen Sound zu erkennen und weiterzuentwickeln.

Ich habe mich wieder in Rage geeredet/geschrieben. Das ist ziemlich typisch für mich. Am Anfang habe ich versucht, das aus meinen Texten rauszuhalten. Too intense! Genauso wie die englischen Worte. Die halben Sätze. Aber so bin ich nun mal. Ich mache mir meinen Flow kaputt, wenn ich ständig frage, ob das okay ist. Es ist mein Sound. Mögt ihn oder mögt ihn nicht. Doch ich weiß zumindest, dass ihr MEINEN Sound mögt, wenn ihr meine Texte lest. Und, ja, dafür musste ich am Anfang auch erst einmal eine Extra-Portion Selbstvertrauen aufbauen.

Nach dem Buchprojekt ist vor dem Buchprojekt

Professionelle Autoren schreiben manchmal an mehreren Büchern gleichzeitig. Oder fangen nach jedem Buch sofort ein neues an. Okay, irgendie muss die Miete ja reinkommen und die Leser sind auch ungeduldig. Sehr schön ist es aber, nach einem Buchprojekt eine Pause einzulegen und sich ganz bewusst – und nicht mal zwischendurch – dem Lesen zu widmen. Mit einem Buch, das diese Zuwendung verdient. Weil es ganz bewusst geschrieben wurde und den unverwechselbaren Sound der Autorin oder des Autors trägt.

So, nachdem ich euch eure liebste Beschäftigung erst einmal weggenommen habe, kann es eigentlich nur noch netter mit den Tipps werden, oder? Na, schauen wir mal … ;)

Bis nächste Woche

xoxo

Katrin

#redbugwriting #rbpub #amwriting

 

 

Adventskalender 2016

Adventskalender #24

24. Dezember 2016
Adventskalender #24Adventskalender #24

Frohe Weihnachten! Endlich ist es soweit

Das Fest der Liebe (und der Geschenke natürlich) ist da. Zeit um mit Familie und Freunden Plätzchen zu essen, Weihnachtslieder zu singen und Geschenke auszupacken. Auch wenn die Bescherung meistens abends stattfindet, bekommt ihr jetzt schon euer letztes Adventskalendertürchen:

 

Manhattan Magic – Katrin BongardAdventskalender #24

*New York, New York!*

Ronja kann ihr Glück kaum fassen. Ihr Vater bekommt den Auftrag, einen Reiseführer über New York zu schreiben, und sie darf ihn in die Stadt der Städte begleiten. Dort lernt sie Jonathan kennen, der für Ronja und ihren Vater den Stadtführer spielen soll. Eigentlich sind Jonathan und Ronja nur genervt voneinander, aber je länger sie gemeinsam New York erkunden, desto näher kommen sie sich …

Eine Liebesgeschichte aus zwei Perspektiven. Und eine temporeiche Stadtführung durch New York mit vielen coolen Geheimtipps!

Wenn ihr Ronja auf ihrer Reise durch New York begleiten wollt, dann kommentiert bitte bis 24 Uhr unter diesem Beitrag. Wir losen am nächsten Tag aus und verkünden unter dem entsprechenden Beitrag die Gewinner, die ihr Päckchen dann sofort bekommen.

zabwino zonse!
(Viel Glück in der Nyanja Sprache, die in Malawi (Amtssprache dort), Mosambik, Sambia und Simbabwe gesprochen wird)

Gewinnerin am Weihnachtstag ist Sandra H.

***Unser Adventskalender ist für unsere Buchbloggerfreunde und alle RedBug-Fans. Wer mitmachen möchte – gerne! Schreibt euch entweder in den Newsletter speziell für Buchblogger ein,  oder in den Newsletter für Leser, Autoren und RedBug-Freunde. Damit erhaltet ihr übrigens auch Zugang zu allen Worksheets mit Schreibtipps.***

Der letzte Adventskalender-Tag! Wir hoffen, er hat euch gefallen. Vielen Dank für eure tolle Beteiligung.

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Liebe Lisa, vielen Dank, dass Du in diesem Jahr den Weihnachtskalender für uns zusammengestellt hast.

Euch allen ein wunderbares, grandioses, friedliches Weihnachtsfest!

Die Redbugx

Adventskalender 2016

Adventskalender #23

23. Dezember 2016
Adventskalender #23Adventskalender #23

„Morgen Kinder wird’s was geben, morgen werdet ihr euch freuen…“ Geht euch dieses Lied auch schon den ganzen Tag nicht aus dem Kopf? Damit ihr euch auch heute schon freuen könnt, haben wir auch am vorletzten Tag unseres Adventskalenders ein kleines Geschenk für euch. Hinter dem 23. Türchen versteckt sich folgendes Buch:

 

Rocco – Katrin BongardAdventskalender #23

(Vorsicht! Spoileralarm!)

Rocco ist sich sicher – mit achtzehn beginnt das freie Leben. Doch dann soll er gemustert werden und eine Prüfung nach der anderen steht an. Was ist mit Liebe, mit Radio Gaga und seinen Freunden?

»Es war die Theorie. Das reine Leben. Daran wollten wir glauben. Alles, was dann kam, war nicht immer perfekt, machmal richtig chaotisch, und ich glaube, so viele Zweifel hatte ich noch nie. Andererseits sollte man immer bereit sein, zu leben und zu sterben. Darum geht’s. Der Rest – kommt schon hin.«

Wenn ihr den dritten Band der „Radio Gaga“- Reihe gewinnen wollt, dann kommentiert bitte bis 24 Uhr unter diesem Beitrag. Am nächsten Tag verlosen wir und verkünden unter dem entsprechenden Beitrag die Gewinner, die ihr Päckchen dann sofort bekommen.

Beannachd leat!
(Viel Glück auf Schottisches Gälisch)

Wir haben gelost und Rocco geht an Jutta!

***Unser Adventskalender ist für unsere Buchbloggerfreunde und alle RedBug-Fans. Wer mitmachen möchte – gerne! Schreibt euch entweder in den Newsletter speziell für Buchblogger ein,  oder in den Newsletter für Leser, Autoren und RedBug-Freunde. Damit erhaltet ihr übrigens auch Zugang zu allen Worksheets mit Schreibtipps.***

7 Schritte zu deinem Buchprojekt

7 Schritte zu deinem Buchprojekt #7 Genre & Thema

22. Dezember 2016

Okay, so langsam kann man daran denken, sich an den Schreibtisch zu setzen und loszuschreiben. Doch, Moment mal, da wäre noch eine Frage: Worüber schreibe ich überhaupt? Was ist mein Thema?

Wer bin ich?

Schreiben ist eine sehr persönliche Sache. Denn egal, ob man Fantasy oder über ein Sachbuchthema schreibt, irgendwann muss man etws oder genauer sich – zeigen. Eine Meinung, eine Haltung der Welt gegenüber, eine Einstellung zum Leben, zu gut und böse, zu Werten – zu allem. Das ist auch der Grund, weshalb ich jedem, der ernsthaft schreiben will, abrate, ein Pseudonym zu verwenden. Wenn man Autoren fragt, weshalb sie ein Pseudonym verwenden, dann gibt es in der Regel drei Antworten: A) Mein Name klingt nicht so gut B) Ich will mit dem, was ich schreibe, nicht direkt in Zusammenhang gebracht werden C) Ich habe das Genre gewechselt und/oder der Verlag hat dazu geraten. Das alles sind Gründe, die man aus Unsicherheit formuliert. Es ist gut und wichtig, sich groß und selbstbewusst und stark zu fühlen, wenn man ein Buch schreibt. Und voll und ganz zu dem zu stehen, was man macht. Mein Name ist so etwas wie eine Garantie für den Leser, dass auch ich als Autorin dem stehe, was ich schreibe.

Was lese ich gerne?Thema

Die einfachste Art, herauszufinden, was man schreiben kann, ist zu fragen, was man gerne liest. Ich habe zum Beispiel schon als Kind gerne realistische Geschichten gelesen. Sie mussten in der Jetztzeit spielen und bitte keine fantastischen Elemente enthalten, da ich die Vorstellung liebte, dass ich aus meinem Zimmer gehen und einfach in einer Geschichte bleiben konnte. Vielleicht gab es auch noch andere Gründe, aber es ist sicher kein Zufall, dass ich jetzt als Autorin Geschichten schreibe, die jetzt und hier spielen.

Dass ich im Jugendbuch gelandet bin, ist Zufall, aber nicht dass ich Comtemporary Romance schreibe. Ja, ich mag Liebesgeschichten. Sie dürfen nicht zu kitschig und langatmig sein, aber ich lese sie gerne. Und, yay, jetzt habe ich sogar schon mein Genre gefunden. (Mehr zu dem, was ein Genre ist.)

Was kann ich?

Recherche? Na ja, nicht so mein Ding. Daher fallen für mich Bücher über medizinische Themen, Technik, Naturwissenschaft oder sogar Kriminalgeschichten weg. Ich bin sogar mit historischen Stoffen vorsichtig, da es zu viele Dinge gibt, die man recherchieren muss. Gab es damals Kutschen? Wie sahen sie aus? Wohin öffnet sich die Tür? Es ist gut, sich klar zu machen, was an einem Thema dranhängt. Das Internet ist genial, vieles kann man ganz einfach recherchieren. Aber habe ich Lust dazu?

Als ich anfing zu schreiben, habe ich mich gefragt: Was kann ich gut? Ist Humor meine Stärke? Dialoge? Ist es die Konstruktion einer Geschichte? Hey, ja, ich war immer gut darin, mir Spiele auszudenken. Also: Ja! Bin ich gut in Beschreibungen? Stimmung zu erzeugen? Liegen mir kurze oder lange Sätze? Und so weiter. Ich würde nicht unbedingt fragen, wofür es Einsen in der Schule gab, aber man hat eben bestimmte Stärken und es spricht überhaupt nichts dagegen, ein Projekt mit ihnen zu beginnen.

Was wird gerade gelesen?

Was ist gerade in? Welche Themen wollen die Verlage haben? Welches Genre ist gerade erfolgreich? Bullshit! Wenn das, was ich schreibe, nicht zu mir passt, dann werde ich mich verbiegen und die Leser werden dahinter kommen. Früher oder später. Wenn ich jedem gerade angesagten Thema hinterherhechle, werde ich nie zu meinem Thema, meinem eigenen Ton, meinem eigenen Style finden. Also ist die Frage, was ich zur Buchszene beitragen kann, zu all den Geschichten, die schon da draußen sind, doppelt wichtig.

Vielleicht habe ich ein besonderes Interesse an Indianern – wie Antje Babendererde. Oder an multikulturellen Themen und Musik wie Isabel Abedi. Ihr Mann ist Musiker, das hat sie sicher inspiriert. Bevor man jemand anderen kopiert, seine Themen neu aufarbeitet oder das schreibt, was gerade angesagt ist, lohnt es sich, zu fragen, was man selber – und nur man selber – zu erzählen hat.

Mit Leidenschaft beginnen

Wenn man erfolgreich ist und für Verlage arbeitet, dann passiert es, dass die Leidenschaft ein wenig abnimmt, da man Timelines hat und sich vielleicht auch hat überreden lassen, über bestimmte Dinge zu schreiben. Ich versuche mir diese Leidenschaft immer wieder zurückzuerobern. Als Anfänger hat man dieses Problem nicht. Juhu! Wenn man sein erstes Buch beginnt, dann ist es gut, zu brennen und sich für sein Thema sehr zu begeistern. Man es einfach schreiben muss! Manchmal heißt das, einfach ein wenig mehr spazierenzugehen oder in Konzerte, Ausstellungen, bis diese Leidenschaft da ist. Es ist gut, sich diese Zeit zu nehmen, bis man sicher ist, dass man sein Projekt auch durchhält. Denn Durchhaltevermögen ist das nächste, was man braucht ;)

Ready to go

Okay, die kleine Reihe zu allem, was man tun kann, bevor man zu schreiben anfängt, geht zu Ende. In diesen 7 Blogbeiträgen war es mir wichtig zu sagen: Hey, wer ein Buch schreiben will, muss sich nicht sofort an den Schreibtisch, vor den Computer, oder ein weißes Blatt Papier setzen. Das frustriert nur. Es ist gut, Anlauf zu nehmen. Sich die Zeit zu geben. Zu warten, bis man genau weiß, was man schreiben will, worüber und wie. Den Rest findet man dann beim Planen und Schreiben heraus. Wenn ihr dann also so weit seid: Der Schreibtisch wartet auf euch!

Am nächsten Mittwoch hat der Writers Wednesday Urlaub. Oder genauer gesagt: Ich. Im neuen Jahr habe ich 7 Tipps (nicht nur) für Schreibanfänger für euch, die ich wieder auf 7 Wochen verteile. Und, jaaaa, ho, ho, ho: Anfang Januar habe ich einem ersten, höchst provokativen Tipp für euch.

Zwischen den Jahren schreibe ich einen Brief an meine Leser, in dem ich erzähle, was ich demnächst schreiben werde und will und was mich sonst so außerhalb des Schreibens bewegt. Wer Lust hat, kann sich gerne in die Liste eintragen. Ich freue mich auf euch!

Ein Frohes Fest und ein großartiges Neues Jahr euch allen

xoxo

Katrin

#redbugwriting #amwriting

Adventskalender 2016

Adventskalender #22

22. Dezember 2016
Adventskalender #22Adventskalender #22

Nur noch zweimal schlafen – dann ist endlich Weihnachten! Für alle, die nicht mehr auf ihre Geschenke warten wollen, gibt es heute schon eins: den zweiten Band von „Radio Gaga“.

 

 

Radio Gaga on Air – Katrin BongardAdventskalender #22

(Vorsicht! Spoileralarm!)

Radio Gaga – das war für Rocco der Sound der Welt: cool und abgedreht. Doch wie kann es nach der Schließung des Senders weitergehen? Und was wird aus ihm und Mika? In New York hat Rocco die zündende Idee.

Der Folgeband des Bestsellers Radio Gaga.

Wer gerne wissen möchte, wie es mit Rocco und der Radio-Crew weitergeht, kommentiert bitte bis 24 Uhr unter diesem Beitrag. Wir losen am nächsten Tag aus und verkünden unter dem entsprechenden Beitrag die Gewinner, die ihr Päckchen dann sofort bekommen.

iyi şanslar!
(Viel Glück auf Türkisch)

Gewinnerin  heute: Jasmin J

***Unser Adventskalender ist für unsere Buchbloggerfreunde und alle RedBug-Fans. Wer mitmachen möchte – gerne! Schreibt euch entweder in den Newsletter speziell für Buchblogger ein,  oder in den Newsletter für Leser, Autoren und RedBug-Freunde. Damit erhaltet ihr übrigens auch Zugang zu allen Worksheets mit Schreibtipps.***