Archetypen, DIY-Donnerstag

ARCHETYPEN #6 : THE CAREGIVER

24. Mai 2018

Archetypen #6 THE CAREGIVER

 

CAREGIVER

Manche Menschen blühen auf, wenn sie jemandem anderen helfen können. Das ist ganz einfach ihre Natur. Jenseits davon Martyrer zu sein, haben sie doch einen besonderen heilenden Touch. In ihrer Nähe und mit ihrer Hilfe fühlt man sich bestärkt, umsorgt und behütet. Das ist das Geschenk des CAREGIVERS und die besondere Stärke von Menschen dieses Archetyps.

 

Molly Weasley

Molly Weasley ist ein CAREGIVER par excellence.
Stets besorgt darum, wie es allen anderen geht, immer am Kochen, Kümmern und Kommunizieren. Für die Menschen, die sie liebt geht sie auf die Barrikaden. Und ihre leidenschaftlichen Wutausbrüche sind immer ein Ausdruck ihrer Zuneigung. Molly … cares.

 

Harry wird von ihr sofort in die Familie aufgenommen. Hat jemand einen Platz in ihrem Herzen, dann hat er auch Platz an ihrem Esstisch. Wo jeder großzügig bekocht, umsorgt und gepflegt wird. Auch in Gruppensituationen ist Molly oft diejenige, die das Wohlergehen jedes Einzelnen im Blick hat. Und das auf ganz pragmatische Art und Weise. Sind alle warm, wohlgenährt und sicher? Hat jeder einen Platz zum Schlafen, einen weichen Pullover, genug menschliche Nähe?

Selbst, wenn es eng wird, schafft sie es, den Komfort aufrecht zu erhalten, den sie als ganz natürlich ansieht. Gerade für Harry bedeutet das, mit Molly jemanden in seinem Leben zu haben, der einer Mutter am nächsten kommt. Sie ist resolut, tatkräftig und manchmal schlichtweg furchteinflößend. Aber immer mit voller Kraft dabei, das Leben für alle besser zu machen.

Stärken und Schwächen

Abgesehen von ihr altruistischen Fähigkeiten, sind CAREGIVER oft praktisch veranlagt. Sie sehen sofort, wo Not am Mann oder der Frau ist und packen beherzt zu. Wo andere noch nachdenken, sind sie schon voll in Action. Und da fühlen sie sich am wohlsten. Manchmal muss man einen CAREGIVER daran erinnern, dass auch er oder sie Reserven hat, die ab und an aufgefüllt werden müssen. Ihnen einen Tee zu machen und sie bitten, sich ein wenig auszuruhen, kann ihnen gut tun, auch wenn sie die ganze Zeit mit den Füßen zappeln.

Manchmal sind sie bevormundend oder überbesorgt, aber ihr Auge für das Machbare und Hilfreiche ist dennoch eine echte Stärke. Andere Archetypen mögen besser geeignet sein, um jemanden mit Gedankenspielen zu inspirieren oder zu beruhigen, CAREGIVER glänzen mit ihrem Sinn fürs Handfeste. Ein gutes Essen, eine warme Decke, eine liebevolle Umarmung.

Wünsche und Bedürfnisse

Einem CAREGIVER die Last von den Schultern zu nehmen, sich um alles und jeden Sorgen zu machen, kann ein schwieriges Unterfangen sein, zahlt sich jedoch aus. Denn, egal wie beschwingt sie alle anderen bekochen, versorgen und verpflegen, auch sie brauchen irgendwann einmal eine Pause. Ein nettes Angebot oder eine Hilfestellung sind da genau das Richtige. Am besten macht man keine große Sache draus, sondern webt es geschickt in das Konzept des CAREGIVERS mit ein. So können sie sich fallenlassen und werden gleichzeitig entlastet.

 

Verunsichert und unzufrieden sind CAREGIVER in Situationen, in denen es scheinbar nichts zu tun gibt. In denen viel gesagt, aber wenig getan wird. Sie sind immer an Gedanken, Vorschlägen und Lösungen interessiert, aber am wichtigsten ist ihnen, diese Ideen umzusetzen. Oft verlassen sie sich dabei auf ihr Bauchgefühl und ihre Erfahrung. Und damit liegen sie fasst immer richtig.

Zu versuchen, einen CAREGIVER daran zu hindern, zu helfen oder mit anzupacken ist, als würde man einem CREATOR verbieten zu basteln. Selbst wenn ihr Tatendrang für andere Archetypen eine Überforderung darstellt, lohnt es sich, sich in Erinnerung zu rufen, dass das der besondere Lebensabdruck eines CAREGIVERS ist. Und wenn man sich entspannt und ihre Hilfe annimmt, wird man bald feststellen, dass sie eigenständig, einfühlsam und äußert geschickt vorgehen.

Ihr Wunsch anderen zu helfen, entspringt nicht etwa einem Minderwertigkeitskomplex oder einem unangemessenen Machtanspruch. CAREGIVER haben einfach ein großes Herz. Und bevor man sie auf eine Wolke setzt – sie ziehen wie jeder andere auch, Befriedigung und Stolz aus dem, was sie am Besten können. Und das ist, im Fall des CAREGIVERS, praktische Hilfestellung.

Talente und Berufungen

CAREGIVER lieben es, von Nutzen zu sein. Sie genießen den Prozess des Wachsens und Gedeihens, des Heilens und Gesundens. Sie haben großes Mitgefühl, für die Kraft die es braucht, größer, stärker oder gesünder zu werden. Deshalb werden sie zu regelrechten Rittern der Schutzbedürftigen und fahren zu ungeahnter Größe auf, wenn es darum geht, jemanden vor Kummer oder Schmerzen zu bewahren oder in schwierigen Situationen zu unterstützen.

Sie haben andere Menschen, Tiere und Pflanzen im Blick. Sie erkennen sofort, wenn jemand Hilfe oder Zuwendung braucht und sind dann auf der Stelle bereit, erste Hilfe zu leisten. Aber nicht nur im Notfall erweisen sich CAREGIVER als Spezialisten. Auch in der alltäglichen Welt des Umsorgens sind sie einsame Spitze. Sie glänzen in Berufen, bei denen es darum geht, die Bedürfnisse anderer schnell zu erkennen und einfühlsam auf sie einzugehen.

Sie sind hingebungsvolle Freunde, Partner und Mitarbeiter.
Begabte Köche, Gärtner oder Handwerker.
Sie sind Lebensretter, Aufpasser, Pfleger und Beschützer.

Jeder von uns schwächelt einmal. Ob seelisch oder körperlich, das Leben ist ein wilder Ritt. Und wenn die Gummistiefel undicht, das Herz schwer oder der Magen leer ist, dann erweisen sich CAREGIVER als absolute Helden.

7 Wege zu einer Buchidee

7 Wege zu einer Buchidee #4 GESEHEN

23. Mai 2018
Gesehen

Lange Zeit hat mich beschäftigt, dass ich noch nie eine/n Tote/n gesehen habe. Warum auch? Eigentlich ziemlich normal, für jemanden, der in Berlin aufgewachsen ist. Meine Omas und Opas waren alle schon tot oder sind in Krankenhäusern gestorben, keine offenen Särge in Deutschland, und kein Job in einer Berufsgruppe, die Toten begegnet. Da ich der Meinung war und bin, dass ein Künstler viele Lebenserfahrungen machen sollte, kam mir das immer wie ein Makel vor. Geburt – check! Tod – ups! Keine Ahnung. Warum wollte ich das überhaupt – sehen? Also richtig vor Augen haben, denn im Fernsehen hatte ich Tote schon gesehen. Nicht nur Schauspieler, die die Luft anhalten, sondern richtige Tote.

Mit eigenen Augen
gesehen

Wenn man sagt: Ich habe es mit eigenen Augen gesehen!, dann meint man genau das. Es hat kein anderer davon gesprochen oder es für einen fotografiert, gefilmt, sondern man hat es selbst gesehen. Mit eigenen Augen. Damit wird es irgendwie echter, realer und – worauf es mir in diesem Beitrag besonders ankommt: Man hat es nicht nur gesehen, sondern in dem Moment auch etwas gerochen, gespürt, gefühlt.

Situationen, in denen es etwas „zu sehen“ gibt, sind aufregend. Wenn jemand auf einem Jahrmarkt schreit: „Seht her, schaut euch das an!“, dann gibt es einen Menschenauflauf. Und die Konzertveranstalter könnten einpacken, wenn es für Menschen nicht wichtig wäre, Künstler auf der Bühne live zu sehen. Obwohl sie nur Stecknadelkopf groß sind, wenn man auf den billigen Plätzen steht. Dass es vor den eigenen Augen passiert, spielt eine Rolle. Dass man dabei ist und hinsehen kann, ist aufregend.

Es gibt natürlich auch das gegenteilige Beispiel. Unfälle, Katastrophen, Gräueltaten, Krieg. Weil man es gesehen hat, ist man verstört, beschädigt, verletzt. Im Kino oder Fernsehen oder auf YouTube eine Kriegsdokumentation zu sehen, kann einen mitnehmen, es „vor Ort“ zu sehen, ist schlimmer und interlässt oft psychische Schäden.

Sehen und Gefühle

Wenn man schreibt, ist es wichtig, sich mit ein paar Dingen auszukennen. Ja, klar, die meisten googeln sich da durch. Wozu noch reisen, wenn man Google Earth hat? Doch es ist etwas anderes, wenn man Situationen, Orte, Naturschauspiele, Katastrophen, Ereignisse live gesehen hat. Sich auszukennen, zu wissen, worüber man schreibt, ist dann etwas ganz anderes. Moment mal? Reicht es denn, etwas nur zu sehen? Ich denke ja, denn als Zuschauer ist man viel weniger passiv, als man denkt. Die körperlichen Reaktionen sind eng mit dem Seh-Ereignis verbunden. Funny example: Mein Vater hat mir immer, wenn wir eine Blaskapelle gesehen haben, erzählt, dass man nur vor den Augen der Spieler in eine Zitrone beißen muss und so die ganze Kapelle durcheinanderbringen kann. Zuviel Speichel im Mund, die Musiker können nicht mehr spielen. Anblick- Reaktion.

Die Augen sind über das Gehirn mit vielen Körpersteuerbereichen verbunden. Sie lassen uns Angst haben, wenn wir Schatten sehen, uns schwitzen, wenn wir einem einschüchternden Menschen gegenüberstehen, lassen uns lachen, wenn wir sehen, wie jemand eine lustige Bewegung macht.

Das war sicher auch der Grund, warum ich eine Tote oder einen Toten sehen wollte. Es ging nicht nur darum, wie er oder sie aussah, sondern was ich dabei empfinden würde. Und wenn ich ganz ehrlich war, dann wollte ich nicht nur einen Toten sehen, sondern sehen, wie jemand stirbt. Den Übergang mitansehen.

Mit an-gesehen

Das erste Mal, als mir das passierte, saß ich vor dem Fernseher. Meine Tochter war klein und spielt mit den Knöpfen im Nähkasten, während ich irgendetwas reparierte und halbaufmerksam den Abfahrtslauf der Damen sah. Als ich den Aufprall an der Seitenbande und Sturz der Abfahrtsläuferin Ulrike Maier zufällig mitansah, war mir sofort klar, dass sie genau in dem Moment starb. Vorher noch lebendig auf der Abfahrt, kurz danach schlaff, leblos auf der Piste, die mehr einer Eisfläche glich. Ich stand einen Moment, nein, länger, unter Schock. Irgendwie konnte ich es nicht fassen. So was passiert nicht. Wird nicht gezeigt. Normalerweise. Wenn man es verhindern kann.

„Durch massive Gewalteinwirkung kam es an der Verbindungsstelle zwischen Kopf und Wirbelsäule zum Abriss des Rückenmarks vom Stammhirn, was zu zentraler Lähmung und sofortigem Hirntod führte.“ (Wolfgang Gärner: Unschuldig starren die Zäune. 29. Januar 2004)

Ich hatte richtig gesehen wie viele andere auch. Sofort tot.

Yoyeurismus

Voyeurismus (fr. voir für „sehen“ und voyeur für „Seher“) (…) bezeichnet der Begriff das heimliche Beobachten einer unwissenden Person, im weiteren Sinn jegliche Form der Lust am Betrachten. (Wikipedia)

Hätte ich eine Video oder nur ein Bild zu dem oben geschilderten Unfall gezeigt, hätte ich einen Voyeurismus bedient, was ich natürlich nicht wollte. Doch – zugegeben – man spürt das tiefe Bedürfnis, sich das selbst noch einmal anzusehen. So sind wir Menschen wohl.

Meist wird der Begriff Voyeurismus auf sexuelle Kontexte angewandt, aber Gewalt kann ähnlich stimulieren. Das ist nicht immer sehr schön und etwas, was uns vielleicht sogar an uns selbst stört, es ist aber auch zutiefst menschlich. Wir wollen etwas sehen und davon stimuliert werden.

Für Autoren ist das alles – Material für Ideen. Ein Seherlebnis kann zu einer Idee und das wiederrum zu einem ganzen Buch werden. Egal ob gut, schlecht, unscheinbar oder extrem dramatisch. Die Kraft und Macht, die ein Seherlebnis hat, anzuerkennen, ist der erste Schritt, zu lernen damit umzugehen. Schreiben ist daher auch eine Form der Therapie, wenn man Dinge, die man gesehen hat, verarbeiten will.

Sehen, um zu glauben

gesehenManches muss man sehen, um es zu glauben. Und manches kann man dann trotzdem kaum glauben. Ich hatte, als ich etwa zwanzig war, ein seltsames Erlebnis. Ich lief in Charlottenburg durch eine Neubausiedlung, es war der übliche Weg zur U-Bahnstation. Alle liefen hier lang. Ich ging an einem ziemlich hohen Neubau vorbei, hörte etwas aufschlagen und sah mich um. Es war ein Betonblumenkasten, der offenbar aus einem der oberen Stockwerke vom Balkon gekippt, gefallen und kurz hinter mir aufgeschlagen war. Ich ging einfach weiter. Kein Denken, kein Anhalten, nichts. Bis zum U-Bahnhof, die Treppen runter auf den Bahnsteig. Ich hatte ein seltsames Gefühl. Als ob ich geträumt hätte und das gar nicht möglich sein konnte. Ein Typ stellte sich neben mich. „Das war knapp“, sagte er freundlich. Er klang geschockt. Ich schluckte. Erst in diesem Moment konnte ich glauben, was ich gesehen hatte.

Viele Dinge muss man sehen, um sie zu verstehen, zu begreifen, sie in sich aufzunehmen. Aber angeblich kann man Dinge nicht erkennen, die man nicht kennt. Man blendet sie aus. Das Gehirn hat keine Synapsen für den Gegenstand gebildet, also ist er für uns einfach nicht da. Und genau deshalb sagen wir vermutlich: Ich muss es sehen, um es zu glauben.

Sehen und Ideen

Ein starkes Seh-Erlebnis ist sehr oft der Auslöser für eine Idee. Und wenn man nach Ideen sucht, dann sollte man die Augen offen halten. Denn es sind nicht immer die großen Ereignisse und Dinge, sondern manchmal minimale Veränderungen, die etwas in uns auslösen. Das Öffnen einer Blüte, eine Sternschnuppe, die schnell vorbeizieht. Diese Offenheit für Seheindrücke, kann besonders in einer Zeit, in der wir mit Bildern auf Sozialen Netzwerken überschüttet werden, schnell anstrengend und ermüdend werden. Eigentlich will man gar nichts mehr sehen. Augen zu.

Ich finde es sehr wichtig, meine Augen von zu viel Seh-Schrott fernhalten (Für mich ist das Facebook ;), damit ich mich für die wirklich wichtigen, schönen oder auch schmerzhaften Momente öffnen kann.

Und hätte es dann doch lieber nicht gesehen …

Als wir vor Jahren als Familie auf einen Frankreich-Roadtrip waren, sind wir in der Nacht mit dem Auto durch eine französische Kleinstadt gefahren. Ein Polizeiauto stand mit Blaulicht auf dem Marktplatz, ein Unfall, ein paar Menschen standen herum. Einer lag. Vor einem Autokühler. Bevor wir es verhindern konnten, hatten alle Kinder es gesehen. Und wir auch. Ein Toter. Es war klar, dass er tot war. Niemand hob ihn auf, kümmerte sich um ihn. Es war zu spät. Ich weiß noch, dass wir später am Abend lange mit den Kinder geredet haben. Über ihre Gefühle, was wohl passiert ist und wieso. Auch wenn es eine Erklärung gab, die Antwort konnte keinen von uns richtig befriedigen. Tot. Warum?

Ich denke heute, einen Toten zu sehen, ist jedes mal etwas anders. Ebenso anders wie eine Geburt. Sollte ich viel über das Sterbne schreiben wollen, werde ich mich wohl tiefer mit dem Begleiten von Sterbenden beschäftigen müssen. Mir dies nur anzulesen, es nur von anderen zu hören, würde mir nicht reichen. Ich muss es sehen. Und, klar, irgendwann werde ich es dann auch erleben. Darum geht es dann nächste Woche. Also – upsi – um Ideen, die man bekommt, wenn man etwas erlebt.

Bis dahin noch mehr Sonne!

xoxo

Katrin

#schreibtipps #redbugwriting #rbpub #amwriting

Cover Secrets, DIY-Donnerstag

Cover Secrets #5 Die richtige Auswahl des Coverbildes

17. Mai 2018
Auswahl des Coverbildes  – Welches Foto eignet sich für ein Cover?

Bevor ich über Photoshop und Ebenen spreche, ist mir eine Sache noch sehr wichtig, daher muss ich diesen Beitrag noch einschieben: Die richtige Auswahl des Coverbildes. Denn wenn ihr das Coverbild richtig auswählt, dann müsst ihr danach gar nicht mehr viel ändern und gestalten, das meiste ergibt sich fast von selbst. Ihr spart euch also eine Menge an Gestaltungs- und Bearbeitungsarbeit. Als Beispiel nehme erneut die Cover der letzten Woche. Sie haben eine Fotos als Grundlage, aber natürlich bezieht sich alles, was ich hier schreibe, auch auf gemalte Bilder und Zeichnungen.

Profibilder

Wie ihr seht, ist hier das gleiche Foto die Grundlage des Covers. Es ist von einem Profi geschossen worden und von den Coverdesignern auf einer Profi-Plattform erworben worden.

Selbst wenn euch das Geld für einen Coverdesigner fehlt, solltet ihr an einem Bild oder Foto für euer Cover nicht sparen. Diese Fotos sind in der Regel bei richtigen Fotoshootings mit Models entstanden, gut ausgeleuchtet, haben die richtige Tiefenschärfe und sind in fast allen Fällen anschließend noch mit einem Fotobearbeitungsprogramm verbessert worden. Ihr habt also schon eine optimierte Grundlage für euer Cover. Scharf, in einem guten Blickwinkel, mit Menschen darauf, für die ihr nocht noch Bildrechte einholen müsst, das die Models diese schon an den Fotografen abgegeben haben. 

Format

Nun gibt es Fotos, die eignen sich besser für Cover als andere und damit ist klar, dass der erste Schritt die gute Auswahl sein sollte. Am besten hat das Bild oder Foto, das ihr für euer Cover auswählt, schon das Format eines Covers, also Hochformat. Auf den ersten Blick eignet sich diese Bild nicht besonders gut. Es ist im Original ein Querformat und die Menschen auf dem Bildgehen sowohl farblich als auch von der Größe sehr in der Landschaft unter. Lauter Flächen, die man später im Cover nicht sehen wird. Zudem sieht man die beiden von hinten. Ist das das richtige Cover für einen New Adult Roman? Doch es wurde sogar zweimal für einen New Adult Roman ausgewählt. Warum?

Stimmung

Nun, das Bild hat sehr viele Vorteile: Zum Beispiel eine großartige Stimmung und Atmosphäre. Die hat der Fotosgraf gut inszeniert. Besonders schön sind die Lichtpunkte im Bild, also die gelben und weißen Punkte. Diese sind vermutlich bei der Bildbearbeitung vom Fotografen selbst hinzugefügt worden, womit eine zusätzliche Ebene entsteht, die das Bild stimmungvoller und auch etwas geheimnisvoller macht, vielleicht hat er einen Filter benutzt. Doch egal. Die sanfte Abend/Morgenstimmung des Buches passt sehr gut zu beiden Büchern, die nicht mehr für jugendliche Leser, sondern schon Romane für ein älteres, New-Adult- Publikum sind.

Farbigkeit

Besonders auffällig ist die Farbigkeit des Covers, das von Gelb- und Orangetönen dominiert wird. Diese sanften Farben sind für Cover ideal, denn schließelich muss noch Schrift auf dem Bild untergebracht werden und die sollte auf dem Hintergrund gut sichtbar sein. Auf einem unruhigen Cover braucht man zusätzliche Ebenen, die Ruhe hineinbringen. Hier ist das Fotos selbst ruhig und man kann mit den weiteren Elementen – Schrift, Logo – Akzente setzen, die sich von dem zartfarbigen Cover gut absetzen werden.

Bildaufteilung

Ein weiterer Vorteil ist der freie Raum über dem Paar. Der Himmel, der schon so schön leer ist, dass man den Titel sofort dort einsetzen möchte. Wie man sieht, wurde das Fotos nach oben erweitert, was gut möglich war, da der Himmel einfarbig ist. Im Cover von Abbi Glines dagegen entschied man sich für den roten Button und hat im Hintergrund noch Wolken in das Bild montiert. Gefällt mir nicht so gut, aber soll das Bild vielleicht etwas dramatischer machen, was mit dem Inhalt zusammenhängen könnte. In beiden Fällen bleibt das Paar von dem Titel und Autorennamen unberührt, was mir gut gefällt. Schrift über Körpern ist natürlich möglich, aber hier bleibt eine schöne luftige Freiheit im Bild, die, wie gesagt, sehr stimmungsvoll ist.

Inhalt und Cover

Viele Leser mögen keine Gesichter auf Covern oder überhaupt Menschen. Ich verstehe das. Besonders ärgerlich ist es, wenn Menschen auf einem Cover keine Ähnlichkeit mit den Protagonisten im Buch haben. Ein falscher Haarschnitt, falsche Haar- oder Augenfarbe und schon hat man das Gefühl, das Cover gehört eigentlich gar nicht zum Buch. Doch eigentlich soll ja das Gegenteil erreicht werden. Der Leser soll das Buch gerne ansehen und kaufen und dann auch weiter liebhaben (sag ich mal als Autorin). Wenn ihr also Bilder von Gesichter und Menschen für das Cover auswählt, dann achtet darauf, dass sie entweder euren Charakteren entsprechen oder – wie hier – so undeutlich zu erkennen sind, dass niemand eine 100 prozentige Übereinstimmung erwarten wird.

Klarheit

Ein Cover soll schön und auffällig sein, die Aufmerksamkeit des Lesers erregen und ihn zum Kauf animieren. Früher musste es auf einem Büchertisch ins Auge fallen. Heute ist es ein wenig anders. Oder schwieriger. Ein Cover muss immer noch auf einem Büchertisch gut aussehen, aber zudem eine klare Gestaltung haben, die auch auf Websites gut funktioniert. Buchcover werden immer öfter zuerst digital wahrgenommen. Wir sehen sie oft zuerst auf Buchplattformen im Internet, dort sind sie aber meist nicht größer als ein Thumbnail und müssen trotzdem sofort gut erkennbar sein. Wenn ihr euch Buchcover auf dem Handy anseht, wird das Bild noch einmal kleiner. Je komplizierter das Cover, desto länger braucht ein Leser, um zu verstehen, worum es geht und ob ihm das Buch gefällt. Probiert also aus, wie klein ihr das Foto machen könnt und ob dann noch genug Information erhalten bleibt.

Cover und Genre

Vielleicht muss ich es nicht extra sagen, aber ganz eindeutig spielt die Fotos- oder Bildauswahl für den Inhalt des Buches bzw. das Genre eine große Rolle. Der Leser will schon am Cover erkennen, ob er es mit Fantasy, ener Liebesgeschichte oder einem Krimi zu tun hat. Über die Zeit haben sich bestimmte Farben und Motive für bestimmte Genres eingebürgert. Manchmal werden Regeln genial gebrochen, manchmal geht der Versuch daneben, etwas Neues zu machen, was man dann meist an den Reaktionen und Kritiken der Leser merkt. (Hierrüber blogge ich noch einmal an anderer Stelle). Orientiert euch an anderen Covern des Genres und wenn ihr ein Fotos aussucht, sucht in der gleichen Richtung. Ist die Gefahr dann nicht groß, dass das Cover woanders auch auftaucht? Ja. Aber was soll’s. es gibt viele Möglichkeiten, das Coverbild individuell zu gestalten.

Dazu komme ich in der nächsten Woche, wenn es um Ebenen und Layer, Vingetten und andere Elemente auf einem Cover geht.

Bis dahin: Seid kreativ und genießt das Leben!

Katrin

#covergestaltung #coversecrets #cover

7 Wege zu einer Buchidee

7 Wege zu einer Buchidee #3 GEHÖRT

16. Mai 2018
Hast du schon – gehört ?

Es gab eine Zeit, da wurden Geschichten nur mündlich überliefert, ganz einfach, weil nur sehr wenig Menschen schreiben und lesen konnten. Das waren – natürlich – viele spirituelle Texte, Gebete und Erfahrungen, aber auch Märchen und Liebesgeschichten, die nur gehört wurden. Also von Minnesängern im Gesang vorgetragen oder in zugigen Burgen im Winter am Kamin erzählt wurden. Zu dieser Zeit gab es selbstredend kein Urheberrecht, ganz im Gegenteil, je öfter eine Geschichte neu erzählt wurde, desto mehr Ansehen hatte sie, desto gültiger wurde sie. Wolfram von Eschenbach (1160-1220), der große deutsche Dichter, hat in seine Werke gerne mündlich überlieferte Erzählungen aufgenommen und sich sogar explizit auf Vorgänger berufen.

Ich möchte jetzt aber gar nicht tief in die Literaturgeschichte eintauchen oder die Frage nach dem Kopieren von Ideen von letzter Woche wieder aufwärmen, sondern nur sagen: Obwohl wir heute (fast) alle lesen und schreiben können, wird immer noch sehr viel mündlich „überliefert“. Und wenn man nach Ideen für eine Geschichte sucht, muss man nur gut zu – hören.

Hör mal

Natürlich meine ich hier keine Hörbücher oder andere mündlich vorgetragene Geschichten. Ich rede auch nicht von Märchen, die schon lange aus dem Urheberrecht draußen sind und gerade gerne als Vorlagenfolie für Geschichten benutzt werden. Es geht mir mehr darum, euch aufmerksam für die kleinen Anekdoten zu machen, die tagtäglich von Menschen erzählt und weitergegeben werden. Und zuzuhören, wenn andere etwas über sich, ihr Leben oder ihre Ansichten erzählen. Wie ? Wann?

Wenn die Nachbarin einem von ihrem Neffen erzählt, der jedes Auto zu Schrott fährt. Und man spürt: Hier steckt der Keim einer Idee für ein Buch über … eine Liebesgeschichte oder eine Superheldengeschichte oder den großen Roman des 21. Jahrhundert. Weil es manchmal nicht mehr braucht, als diesen Keimling, von dem aus sich dann alles erzählen lässt.

Denn: Sagen wir, eure Freundin steckt in einer Scheidung und jede Anekdote über den Scheidungsprozess ist so komplett verrückt, dass sie als Geschichte fast unglaubhaft wäre, aber – warum nicht den Club der geschiedenen Frauen daraus machen? Und alle Geschichten der Freundin und noch ein paar dazuerfundene oder recherchierte mit hineinnehmen und daraus eure eigene grandiose Komödie schreiben?

Oder es ist ein Arbeitskollege, der sich ständig darüber beschwert, dass seine Ideen beim Chef nicht beachtet werden. Statt zu denken: Was nöhlt der mich ständig so voll, schnell weg hier!, einfach die Gelegenheit nutzen und zuhören. Vielleicht hat er tatsächlich ein paar gute Ideen. Und ihr macht daraus dann vielleicht den Roman über einen Menschen, der immer nur Ideen hat, aber nie eine umsetzt, bis er auf ein Kind/Frau/alten Mann trifft, die/der sein Leben verändert und mit dem er – was auch immer macht.

Ihr erkennt das Muster, oder?

Es müssen aber nicht immer die Gespräche unter zwei Augen sein, in denen euch Dinge anvertraut werden. Es gibt es noch viele andere Möglichkeiten, zuzuhören:

Zuhören und verarbeiten

Nun kommen Autoren ja nicht viel raus oder glauben es vielleicht nur. Sie sind meist auch etwas scheu oder haben keinen weitläufigen Freundeskreis mit vielen Verrückten oder einen Job, in dem sie Arbeitskollegen treffen können. Kein Problem. Denn es gibt viele ganz gewöhnliche Momente zum Zuhören:

  • Auf einer Party
  • Bei einer Familienfeier
  • Auf einem Begräbnis
  • Bei einer Schulveranstaltung (Elternabend, Schulfest oder Hospitation)
  • Im Krankenhaus als Kranker oder Besucher
  • In einem Amt (Pass verlängern, Wohngeld beantragen, Hund versichern, Fundsache abholen …)
  • Im Supermarkt, Bioladen, Bäckerei oder Fleischerei
  • In einem Kaufhaus (in der Umkleidekabine, beim Bezahlen, beim Aussuchen)
  • Beim Sport (in der Yogagruppe , beim Lauftraining, beim Kampfsport)
  • Im Urlaub (Am Pool, auf der Kreuzfahrt, am Strand, im Ferienort)
  • Im Café oder Restaurant

Die Liste könnte ich vermutlich unendlich erweitern. Worauf ich hinauswill: Es muss nicht immer das Gespräch unter zwei Augen mit der Freundin, dem Freund sein, in dem einem etwas anvertraut wird, was man dann als Idee für eine Geschichte nutzen kann.

Zuhören und weiterspinnen

Es können auch winzige Wortwechsel sein, die Ideen aufkeimen lassen. Wenn sich auf dem Elternabend ein Vater meldet und für die Einführung von Schulmilch ist. Und ihr seht in diesem Moment den Milchboy vor euch, der täglich die Milch in die Schule bringt und in den sich alle kleinen Mädchen verlieben, aber auch die Referendarin oder die Rektorin der Schule und  … so weiter.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass sehr viele Ideen für Geschichten genau so beginnen. Worte lösen eine Assoziation aus und führen zu weiteren Ideen. Und so entsteht die Masteridee. Nun sind gerade Orte mit vielen Menschen für sensible Menschen nicht immer energieverträglich. Ein Elternabend kann schnell nervig und aufreibend sein und während man zuhört, denkt man nur daran, wieviel Zeit man gerade verschenkt, in der man weiter an seinem Mansukript zuhause auf dem Rechner arbeiten könnte. Ja, ich kenne diese Momente.

Aber es gibt noch einen anderen Weg.

Überhört ist nicht nur unerhört

„Da hat einfach jemand unser Gespräch belauscht, ist das nicht unerhört?!“

Nope. Es gehört zum Tagewerk einer AutorIn, Sätze, Worte, Gespräche aufzuschnappen. Wie sonst fängt man Sätze von Berufsgruppen oder sozialen Gruppen auf, denen man nicht nur wenig, sondern kein bisschen angehört? Auf welche Art kommunizieren Fußballer? Worüber reden Prostituierte? Wie sprechen Ärzte über Patienten? Und genau so kann man auf eine Buchidee kommen.

Als Jugendbuchautorin sind für mich Busfahrten zur Schulschlusszeit richtige Ideennester. Wenn sich zum Beispiel zwei Typen über ein Mädchen unterhalten. Oder zwei Mädchen über einen Typen. Und manchmal wird aus einem hingeworfenen Satz, die Idee für ein ganzes Buch.

Wenn man ein Buch schreiben möchte, das im Krankenhaus spielt, aber keine Idee hat, kann es sehr sinnvoll sein, sich einen Tag in der Caféteria eines Krankenhaues aufzuhalten und den Gesprächen der Patienten oder Angehörigen zu lauschen. Ja, okay, sie zu belauschen. Offiziell muss man das wohl so nennen, aber ich nenne es lieber überhören, was im Deutschen noch zwei weitere Bedeutungen hat (zu viel hören und nicht mitbekommen). Also irgendwie besser klingt.

Originalmaterial

Dieses Hörmaterial – zugehört, gehört, überhört – ist wo viel besser, als schon von einem anderen Autor verarbeitetes Material. Der Unterschied ist ungefähr der zwischen Konserve und frischem Obst/Gemüse. Einfach mehr Vitamine, mehr Leben, mehr Kraft. Klar, es gibt sehr gute Autoren, die schreiben wundervolle Dialoge. Stephen King zum Beispiel. Wenn man den hört – ich höre S. King am liebsten – dann möchte man die Sätze am liebsten so übernehmen, so grandios sind sie. Man fühlt sich inspiriert, man hat eine Idee, aber – eigentlich ist es nur die Idee eines anderen, die man gerne zu seiner eigenen machen würde. Nein. Lasst eure Idee auf eurem eigenen Acker wachsen. Es gibt genug in der Welt zu hören.

Take notes!

Ich mache mir übrigens gerne Notizen, wenn ich Sätze oder Bemerkungen höre, die mich inspirieren. Am besten gleich ins Handy oder auf eine Serviette, wenn nichts anders zur Hand ist. Manche Schreiblehrer empfehlen, Gespräche ohne das Einverständnis von Menschen heimlich aufzunehmen. Davon rate ich ab. Das nennt man abhören, das ist gesetzlich nicht erlaubt und im übrigen auch nicht sehr anständig. Zudem ist es viel besser, sich dem eigenen Ideenverarbeitungssystem anzuvertrauen, was in eurem Gehirn ständig tätig ist. Manchmal entsteht eine Idee gerade daraus, dass man etwas falsch oder ungenau mitbekommen hat. Kreativität ist unberechenbar. Lasst die Spiele beginnen!

Nächste Woche geht es um Ideen durch Dinge oder Ereignisse, die man sieht. Und, richtig, ich meine eher nicht Filme oder Serien.

Genießt die Zeit!

xoxo

Katrin

#schreibtipps #amwriting #redbugwriting #rbpub

 

6 Jahre Red Bug Books, Event

RED BUG BIRTHDAY – 6 Jahre Red Bug Books

15. Mai 2018
6 Jahre Red Bug Books

Eigentlich unfassbar, uns gibt es schon 6 Jahre! Wir haben länger als die glorreichen Königskinder, länger als das Oetinger Imprint PINK, länger als der Rattenreiter Verlag (oder gibt es denn noch?) in diesem verrückten Buchgeschäft durchgehalten. Durchgehalten? Ach,nee, das klingt ja vollkommen falsch. Denn bei allen Ups and Down, haben wir immer noch sehr viel Spaß. 6 Jahre Red Bug Books? Wieso sind wir überhaupt noch da? Nun, vielleicht sollten wir euch aufklären: Wenn alles große Leben von dieser Erde verschwunden ist, dann bleiben – die Insekten. Ein Bug=Käfer ist zwar ein großes Insekt, wird aber überleben. Beschlossen! Okay, hier kommt der Einwand: Wer wird dann eure Jugendbücher und Graphic Novels lesen? Die grandiosen Blogbeiträge über Martin Luther, Lettering, Epub-Secrets, die Archetypen und das Schreiben? Wer wird die Weihnachtskalender öffnen, die Worksheets downloaden und die Buchpäckchen gewinnen? Nun, vielleicht – sind die Insekten dann ja so weit. Bis dahin: Freuen wir uns, dass ihr hier seid! Lasst uns feiern, liebe Leser, Blogger, Fans, Freunde, LektorInnen und Verlagsverbündete.

Wir sind gekommen, um zu bleiben

Manchmal fragen wir uns das selbst (und mal abgesehen von der Insektengeschichte): Warum gibt es uns noch? Wir könnten uns jetzt ganz überheblich gegenseitig auf den Rücken klopfen und sagen: Es liegt an der Qualität unser Bücher und Texte! Aber, nun, wir wissen alle, dass dies keine Überlebensgarantie ist. Im Gegenteil, die Qualität muss immer wieder verteidigt und errungen werden. Was also ist es dann? Bei unserer Selbstanalyse sind wir auf folgende Punkte gestoßen:

  • Unabhängigkeit: Wir hängen von keinem großen Verlag, keiner Interessengemeinschaft, keinem Konzern ab. Niemand kann uns – wie den Königskinder – den Geldhahn abdrehen. Niemand uns sagen, was wir tun sollen. (Und vergessen wir für einen Moment die neuen Datenschutzvorschriften …)
  • Mikrobusiness: Wir sind so klein, dass wir all unsere Entscheidungen und Ideen mit einem Mausklick umsetzen können. Okay, manchmal sind es mehrere Klicks, aber wir müssen weder eine Konferenz oder Sitzung einberufen, noch lange diskutieren. Vier Menschen passen gut um einen Tisch beim Italiener, hier lässt sich bei Wein und Spagetti alles entspannt besprechen.
  • Flexibilität: Wir haben erlebt, wie die MwSt. bei Amazon von lächerlichen 3 Prozent plötzlich auf 19 Prozent stieg, wie das Kindle-Unlimited- Verleihsystem eingeführt wurde, wie Verlagspartner uns hängenließen und haben uns angepasst. Wir sind klein – und wendig.
  • Mischkalkulation: Wir haben es ja schon in unserem Beitrag über kleine Verlage erzählt: Wie die meisten Verlage überleben wir mit einer Mischkalkulation. Heißt, es gibt im Red-Bug-Imperium noch eine Red Bug Agentur und zwei Künstler, die nicht nur ihr Herzblut, sondern eben auch sehr oft ihr durch Kunstverkäufe erworbenes Geld in das Label stecken. Mischen – possible.
Lasst uns feiern

Genug analysiert (wir neigen dazu …). Jetzt wollen wir mit euch feiern. Es ist schon Tradition, also wird es auch dieses Jahr wieder so sein: Wir verlosen drei Buchpäckchen. Wir haben sie in diesem Jahr unseren drei Liebungsorten/Städten zugeordnet. Also? Welches Buchpäckchen wollt ihr gewinnen?

Potsdam

6 Jahre Red Bug BooksHometown und Labelsitz. Wir lieben die kleine Hauptstadt von Brandenburg, die eigentlich nur einen Meter von dem großen Berlin entfernt ist. Caroline Flüh vom Colonie Verlag hat den ersten Band ihrer  barocken Potsdam-Trilogie gespendet und wir haben Tee, Schokolädchen und eine handgezogenen Bienenwachskerze dazugelegt, um Potsdam zu ehren.

Bist Du Team Potsdam?

 

 

Berlin

6 Jahre Red Bug BooksIst ja wohl kein Geheimnis, dass 50 Prozent unseres Labels aus Berlinern besteht. Zudem ist die Stadt so nah dran, dass wir andauernd die Landesgrenzen überschreiten. Und auch in unseren Büchern wird die Stadt ständig gefeiert, denn in Berlin kennen wir uns alle sehr gut aus. Hier haben wir einen Kultfilm, eine turbulente Berlin-Geschichte, Tee und eine Kerze mit Erdbeerduft für euch verpackt.

Bist Du Team Berlin?

 

 

New York

6 Jahre Red Bug BooksWenn wir Städtreisen unternehmen, dann gehen sie es ganz oft nach New York. Wenige Städte der Welt können Berlin für uns toppen – New York ist eine Stadt der Superlative und ja, manchmal wollen wir alles ganz big haben. In das New York- Paket haben wir euch eine Serie, die in New York spielt, eine süße New York-Geschichte, eine quitschrosa Kerze und Cupper-Tea gepackt.

Bist Du Team New York?

 

 

 

Wenn Du ein Buchpäckchen gewinnen magst, dann hast Du die Wahl! Entscheide Dich für ein Buchpäckchen (oder zwei oder alle) und kommentiere bis zum 30. Juni 2018 unter dem Beitrag oder maile uns unter mail@redbug-books.com.

Am 2. Juli verkünden wir hier die GewinnerInnen, benachrichtigen per Mail und verschicken die Päckchen. Sollte sich nach 4 Wochen eine GewinnerIn nicht gemeldet haben, ist allerdings zumindest die Schokolade nicht mehr sicher vor dem verfressenen Büroteam ;)

Wir stoßen jetzt mit Champagner an, heben die Gläser auf unsere großartigen Leser und wünschen euch –

Viel Glück und eine gute Zeit!

Die Redbugx

DIY-Donnerstag

EPUB INSIGHTS #5 – COMMON MISTAKES

10. Mai 2018

Howdy liebe AutorInnen und SelfpublisherInnen,

die angekündigten Überlegungen zur Verwendung von italics in Büchern und speziell in E-Books werde ich auf den nächsten Beitrag verschieben.

Wieso? In Vorbereitung auf den Beitrag wollte ich mir noch einmal ein paar Beispiele auf meinen E-Readern anschauen und bin wahllos durch meine Bibliothek geskippt. Dabei ist mir wieder aufgefallen, wieviele Schwierigkeiten es offensichtlich gibt, ein E-Book einigermaßen gut zu setzen. Und es sind nicht unbedingt die Selfpublisher, die hier Probleme haben, sondern oft auch die großen Verlage. Jedenfalls findet man seltsame Blüten überall.

Als großer Fan von E-Books, glaube ich aber, dass die Akzeptanz und Verbreitung sehr viel größer werden wird, wenn wir auch dem Satz und der Gestaltung von E-Books größere Aufmerksamkeit widmen. Leider sind die Konvertierungsprogramme für E-Books noch lange nicht auf dem gleichen Stand, wie die Programme für den Satz für Print und vieles muss noch händisch korrigiert werden. Aber darin kann auch eine große Chance liegen, neue Lösungen zu finden.

Ich möchte hier keinesfalls mißverstanden werden, es geht mir nicht darum, jemanden in die Pfanne zu hauen oder bloßzustellen. Auch in den eigenen E-Books finde ich immer wieder Verbesserungsbedarf. Hier geht es mir in erster Linie darum, ein paar Problemstellen aufzeigen, die ich häufig in E-Books finde, und die relativ leicht zu beheben sind. Und manchmal ist eben auch weniger mehr.

Links

Hier ein ziemlich krasses Beispiel:

Common Mistakes   

Da das Buch in Kapitel unterteilt ist, die einzelnen Kapitel aber offensichtlich keine aussagekräftigen Überschriften haben, hat man hier einfach »KAPITEL 1« an den Anfang der Seite gestellt. Daran ist aus meiner Sicht alles verbesserungsbedürftig. Eine einfache Ziffer oder einen  ausgeschriebene Zahl hätte es auch getan.

Warum ist die Schrift blau und unterstrichen. Weil es sich um einen Link handelt. Er weist zurück auf das Inhaltsverzeichnis. Diese Art von Backlinks machen an dieser Stelle meines Erachtens keinen Sinn. Wenn man es aber dennoch unbedingt beibehalten möchte, ließe sich zumindest in der CSS der EPUB die Farbe der Überschrift auf Schwarz ändern, um diesen unemotionalen, technischen Look zu vermeiden, der durch die Verwendung von Versalien noch verstärkt wird. Im übrigen läßt sich natürlich auch das Inhaltsverzeichnis selbst schöner gestalten und man muss nicht bei den vorgegebenen Linkfarben stehen bleiben.

In dem obigen Beispiel ist leider alles schiefgelaufen und man hat sogar vergesssen, den ersten Buchstaben, der durch die Initiale ausgezeichnet ist, im Wort selbst zu löschen. Na ja.

Initialen

Die Verwendung von Initialen ist wegen ihrer unterschiedlichen Darstellung auf den verschiedenen Lesegeräten generell tricky.

Nicht nur stellen Lesegeräte Initialen sehr unterschiedlich dar, sondern auch die Veränderung der Schriftgröße und Zeilenabstände, die der Leser auf seinem Gerät bevorzugt, kann nicht vorausgesehen werden. Im folgenden Beispiel geht die fette Initiale bei relativ kleiner Schrift über drei Zeilen. Dabei trifft sie in der dritten Zeile auf einen manuellen Zeilenumbruch mit Einzug, sodass ein seltsamer Weißraum entsteht.

Durch die übergroße, fette Initiale erscheint die Ziffer 1 der Kapitelüberschrift verschwindend klein auf der Seite.

Ich halte andere Lösungen für die Auszeichnung eines Kapitelanfangs in E-Books für wesentlich geeigneter. Z.B die Heraushebung des Satzanfangs durch Kapitälchen oder VERSALIEN, deren Größe sehr genau abgestimmt werden kann. Oder einfach nur die Auszeichnung des ersten Buchstaben durch eine größere Schriftgröße. Denn im ersten Abschnitt ist ja nach oben Platz.

Ein elegantes Beispiel

Obwohl auf den ersten Blick viel einfacher, ist meines Erachtens das folgende Beispiel viel gelungener. Eine einfache Ziffer etwas größer als die Brotschrift. Der erste Abschnitt natürlich ohne Einzug und der erste Buchstabe, nicht als Initiale, sondern nur ein wenig vergrößert. Einfach und elegant. Für mein Gefühl könnte lediglich der Abstand von der Ziffer zum Text eine halbe Zeile größer sein.

Kapitelüberschriften

Beim folgenden Beispiel ist jedem Kapitel eine Zeichnung vorangestellt. Sehr gut, dass sie trotz der Nuancen so kontrastreich sind. So werden sie auch auf einem Lesegerät mit E-ink Technik gut dargestellt. Die Kapitelüberschrift in Kapitälchen ist zentriert und sitzt gut zwischen dem Bild und dem Textanfang, der allerdings eingerückt ist, was das Bild überflüssigerweise unruhig macht. Der fette Schriftschnitt der Überschrift funktioniert in meinen Augen hier einmal ganz gut, da er schön zwischen der Zeichnung und dem Text vermittelt.

Bei einem kleineren und zarteren Bild funktioniert die fette Überschrift nicht mehr so gut. Sie dominiert die ganze Seite und die Zeichnung tritt in den Hintergrund.

Einige Kapitel später ist der Abstand zwischen Überschrift und Text offenbar verrutscht, ohne dass es jemand bemerkt hätte. Das ist schade, jetzt drückt die fette Überschrift auf den Text.

Genauso bei einer langenÜberschrift, die über zwei Zeilen geht. Hier kommt noch hinzu, dass der Zeilenabstand zwischen den beiden Überschriftszeilen optisch zu groß wirkt. Das hätte man in der CSS mit einer Reduzierung der line-height für die Überschrift und einer Vergrößerung des oberen Abstands des Textes leicht ausgleichen können.

Umbrüche und Absätze

Richtig störend und den Lesefluss behindernd ist meines Erachtens der große Weißraum/bzw. die Leerzeile nach jedem gewollten Zeilenumbruch. Statt die Zeilen einfach nur einzurücken, erscheint eine Leerzeile. Es wurde nicht zwischen einem einfachen Umbruch und einem neuen Absatz unterschieden. Beides ist eingerückt und wird von einer Leerzeile gefolgt. Vermutlich ist für beide Textstellen die gleich CSS Klasse verwendet worden. Ob da eine Absicht dahinter steht oder ob es versehentlich passiert ist, kann ich nicht entscheiden. Die drei Sterne, die einen neuen gedanklichen Abschnitt anzeigen, stehen nicht, wie zu erwarten wäre, mittig zwischen den Abschnitten. Das lässt vermuten, dass in der CSS der untere Abstand nach einem Umbruch zu groß, nämlich genauso groß wie vor einem neuen Absatz, angegeben wurde.

Will man bestimmte Textstellen hervorheben, eignet sich oft, das Schriftgröße oder die Laufweite etwas zu vergrößern, in VERSALIEN zu schreiben oder kursiv. Weniger geeignet finde ich fette Schriftschnitte, da sie auch immer den Grauwert einer Seite komplett verändern und zu sehr herausstechen. Dabei ist es immer ratsam, die Schriftgrößen oder die Laufweite der Buchstaben im trial-and-error-Verfahren auf unterschiedlichen Lesegeräten zu kontrollieren. Wählt man die Schriftgröße im Verhältnis zum normalen Text zu groß, kann die gesamte Seite auseinanderfallen, wie im folgenden Beispiel.

Farbig hinterlegte Schrift

Sehr fancy die Kapitelanfänge im nächsten Beispiel. Nur selten sieht man in E-Books und in Romanen generell farbig hinterlegte Schrift. Hier ein schönes Beispiel, in dem es für die Kapitelüberschrift genutzt ist. Wenn es so sparsam eingesetzt wird, sieht es meines Erachtens sehr elegant aus. Der große Abstand zum Seitenanfang verhindert, dass trotz des dunklen Textblocks eine gewisse Leichtigkeit erhalten und genug »Luft zum atmen« bleibt.

Außerdem hat man sich dafür entschieden, den ersten Abschnitt jeden Kapitels kursiv zu setzen, was meiner Meinung nach allerdings nur Sinn macht, wenn es auch inhaltlich von Bedeutung ist. Es sich also um eine andere Erzählebene handelt, als im folgenden Text. Dass die Kursivschrift hier soviel größer erscheint, beeinträchtigt für mein Gefühl eher das Leseerlebnis. Eine subtilere Größenverschiebung fände ich persönlich angebrachter.

Bilder,Vignetten, Signets

Ich liebe die Verwendung von Bildern,Vignetten, Signets zur Gliederung von Text, besonders an Kapitelanfängen. Wer unsere RedBugBooks E-Books kennt, weiß das. Es ist dabei allerdings zu beachten, wie sie auf den unterschiedlichen Lesegeräten erscheinen. Im folgenden Fall, wäre es vielleicht angebracht gewesen, der Vignette eine ganze Seite zu reservieren, oder sie viel kleiner zu machen, damit noch ausreichend Text auf der Seite erscheinen kann.

Der Backlink [Menü] zum Inhaltsverzeichnis über dem Bild scheint mir, wie oben schon erwähnt, überflüssig, da man das Inhaltsverzeichnis über die Menüleiste von jedem Punkt leicht erreichen kann. Und außerdem, na ja, sieht es hier nicht sehr chic aus.

Wenn man die ersten Worte am Kapitelanfang wie hier durch Versalien auszeichnet, sollte man darauf achten, nicht zu viel Text zu wählen, da er sich sonst je nach Schriftgröße unschön über mehrere Zeilen erstreckt.

    

 

Noch ein elegantes Beispiel

Hier werden meines Erachtens sehr schön Buchteile, Kapitel und Textabschnitte mit sehr einfachen Mitteln wirkungsvoll und elegant unterteilt. Die Buchteile erhalten eine Extraseite. Die Nummer des Buchteils wird als römische Ziffer in eckigen Klammern gesetzt, [I], was wie eine schlichte Vignette wirkt. Die Kapitel beginnen auf einer neuen Seite mit viel Luft zum oberen Rand, die Kapitelnummer zentriert als schlichte arabische Ziffer, nur wenig größer als der Fließtext. Die ersten drei Worte am Kapitelanfang als Kapitälchen. Einzelne Textabschnitte werden dann durch einen schlichten waagerechten Geviertstrich getrennt.

 

       

Geschützte Leerzeichen

Zum Schluss noch ein kleiner Tipp. Immer wieder sehe ich, dass sich die drei Auslassungspunkte einer Ellipse verselbstständigen, oder sogar wie hier auf einer neuen Seite stehen.

Das lässt sich leicht verhindern, indem man im Quellcode der EPUB ein geschütztes Leerzeichen (non-breaking-space) vor der Ellipse einsetzt. Das sieht dann so aus:  …

Das funktioniert natürlich auch bei anderen Wortverbindungen mit Leerzeichen, die nicht getrennt werden sollen, wie z.B. in: Dr. Jekyll. oder 7. Juni.

So beim nächsten Mal, am 7. Juni soll es nun wirklich um den Einsatz von kursiver Schrift in E-Books gehen.

Bis dahin genießt die guten Bücher in der Sonne

Uwe

 

7 Wege zu einer Buchidee

7 Wege zu einer Buchidee #2 KOPIERT

9. Mai 2018
Wege zu einer Buchidee – kopiert!

Beginnen wir gleich mit dem mir am unsympathischsten, aber zugleich populärsten Weg zu einer Buchidee. Abgeschaut, nachgemacht, kopiert. Natürlich nicht wortwörtlich, da Ideen von sich aus nicht wortwörtlich sind, sondern eher ein wolkiges Gebilde. Daher ist es leider auch sehr einfach, eine Idee zu kopieren, weil man im Grunde nur wenige und kleine Dinge ändern muss, um zu behaupten, es wäre eine originelle oder eigene Idee. Die einem selbst gekommen ist. Und, ach, es soll etwas geben, was zufällig genauso ist? Huch! Das hat man gar nicht gewusst. Die meisten AutorInnen kommen damit durch. Warum ist das so?

Kopieren ist menschlich
kopiert

Okay, schauen wir uns die Entwicklung der Menschheit an. Sie geprägt von Menschen, die etwas erfunden haben und es an andere – bewusst oder unbewusst – weitergegeben haben. Einer hat das Feuer erfunden, die anderen haben die Idee übernommen, weitergetragen, variiert. Einer hat das mit dem Strom rausgekriegt und viele – weitaus ideenlosere Menschen – profitieren davon. Je weiter wir in die Anfänge der Menschheit zurückgehen, desto normaler, üblicher, sinnvoller scheint es gewesen zu sein, Ideen zu kopieren. Es gehörte zum Überlebensprogramm.

Sieht man sich die Anfänge der Buchkultur an, dann ist es ähnlich. Früher konnte man Ideen nicht schützen. Kopieren war zum Beispiel zu Luthers Zeiten in der Buchbranche absolut üblich, nie hätte ein Autor auf seinem Urheberrecht bestanden. Damals wurden Denker, Philosophen, Wissenschaftler von reichen Fürsten ausgehalten oder Universitäten bezahlt und mussten mit ihren Ideen kein Geld verdienen. Heute ist das anders. Ideen sind – goldwert und werden geschützt. So gut es eben geht. Steve Jobs war bekannt dafür, für jede Erfindung ein Patent anzumelden. Er wusste, wie wertvoll Ideen sind. Ist eine BuchautorIn jemals auf diese Idee gekommen? Nope. Irgendwie scheinen wir alle immer noch zu glauben, eine unsichtbare Macht kümmert sich schon um Autoren, vielleicht der Staat mit Stipendien oder die Kultureinrichtungen mit Lesungen oder gut verdienende Angehörige (=Ehepartner). Tja. That’s the problem.

Produkte und ihre Nachmacher

Bücher gehören für uns immer noch zu einem Kulturgut, das mit einer niedrigen Mehrwertsteuer von 7 Prozent bevorteilt wird. Bevorteilt, aber nicht wirklich geschützt. Denn eigentlich behandeln alle – LeserInnen, VerlegerInnen, BuchhändlerInnen, AutorInnen – sie schon länger als Produkte. Dinge, die gut beworben werden müssen, eine verlockende Verpackung (Cover) haben sollten und am besten noch mit Extras wie Lesebändchen oder Glitzer auf dem Cover an den Mann, pardon die Frau, gebracht werden müssen. Man kauft sie in speziell dafür geschaffenen (Buch-)Läden und legt noch Duftkerzen und Bleistifte daneben, denn irgendwie ist es ja alles dasselbe. Ist das so?

Nun, hm. Wir kennen ja alle diese Produktphänome: Den Artikel, der auf einmal IN ist, denn jeder haben will und muss und der zum Bestseller wird. Wie die Kaffemaschine mit den Pads, das gerade angesagten Fitnessgerät, der heiße Stein oder die Brotbackmaschine. Gegenstände, die auf einmal in jedem Haushalt auftauchen und wenige Jahre später vermehrt auf dem Sperrmüll oder auf den Flohmärkten zu finden sind. Meist hatte einer die Idee, das ist das Original und dann gibt es unzählige Nachahmer. Manchmal findet man das Ur-produkt in guter Qualität zum realen Preis und dann sehr viele billige Kopien. Und ich rede hier nicht von China und Labelkopien, sondern von einem – zum Beispiel – auslaufenden Patent, dass dann zur billigen Massenproduktion führt.

Keine Patente für Buchideen

Auf Buchideen gibt es keine Patente. Wenn Suzann Collins „Die Tribute von Panem“ schreibt, dann muss sie nicht bei Stephen King („Todesmarsch“) oder Koshun Takami („Battle Royal“) nachfragen, ob das Patent für die Idee ausgelaufen ist. Und wenn dann später doch sehr erhebliche Ähnlichkeiten festgestellt werden, dann kann niemand klagen oder sich beschweren, denn das doch alles etwas gaaanz anders. Irgendwie ist das traurig. Irgendwann gab es mal eine Zeit, da wurden Bücher überhaupt nur geschrieben, weil jemand eine Idee hatte, die in die Welt musste. Heute werden Bücher geschrieben, weil jemand damit – Geld verdienen möchte. Denn – und hier beißt sich die Katze ganz elegant in den Schwanz – es ist eben nicht mehr wie früher, wo Fürsten die Schriftsteller und Wissenschaftler gefördert haben. Und neue Ideen zu haben, kostet Zeit und Kraft.

Foto von Leah Kelley von Pexels

Masterideen

Masterideen (also neue, originelle Ideen) zu haben, bedeutet sehr viel (geistige) Arbeit für den Autor. Ruhe und viel Zeit, diese gut umzusetzen. Und dann auch den Mut, diese Idee beharrlich zu verfolgen und auszuarbeiten, bevor man dann einen Verlag oder nur sich selbst von ihr überzeugen kann. Denn glaubt mir, neue Ideen sind nicht besonders beliebt. Die Erde ist eine Kugel? Wer will das hören, wenn man sich an eine flache Scheibe gewöhnt hat? Als Luther seine Thesen angeschlagen hat, waren das doch nur ein paar Ideen? Oder? Und trotzdem hätten sie ihn fast sein Leben gekostet. Doch bevor ihr jetzt sagt: Dann ist Kopieren auf jeden Fall die beste Option, zoome ich noch ein wenig näher heran, denn – wer kopiert wird genau beobachtet.

Beobachter der (Jugend-)Literatur

Wer sich mit Jugendliteratur auseinandersetzt, wird Ralf Schweikart kennen. Er ist Germanist mit dem Schwerpunkt Jugendliteratur, arbeitet als Redakteur und Journalist, schreibt für die ZEIT, sitzt in vielen Preisgremien der Jugendliteratur. Sein eigener Blog „Ich lese was, was du nicht liest“ ist voller teils bissiger Artikel über die Missstände in der Verlagsszene, aber auch erfüllt von dem Wunsch, dass es besser wird. In der JuLit, der vom Arbeitskreis für Jugendliteratur 4 mal jährlich herausgegebenen Zeitschrift (und ja, das sind die, die den Jugendliteraturpreis verleihen), hat er sich in der Ausgabe 1/17 mit dem Phänomen der Klon-Literatur, die er „Windschattenliteratur“ nennt, beschäftigt.

Was kommerziell erfolgreich ist, erzeugt Trittbrettfahrer, auch in der Kinder-und Jugendliteratur. Das ist Windschattenliteratur, die mal mehr, mal weniger originell daherkommt, und ein seit Jahrzehnten existierendes Phänomen.“ (JuLit 1/17, S. 5)

Fairerweise sucht er die Schuld für dieses Phänomen nicht nur bei den Autoren. Er sieht sich auch die Verlage an und beobachtet hier zyklisches Verhalten. Zyklisch heißt immer wiederkehrend. Oder auch: Was funktioniert, machen wir immer weiter so. Wenn Harry Potter funktioniert, warum dann nicht noch mehr Bücher über Zauberschüler machen? Die können wir dann auch Nightschool oder Charlie Bone oder sonstwie nennen. Ralf Schweikart nennt sie Trittbrettfahrer. Gibt es eine gute Idee, die funktioniert, machen wir doch einfach so eine ähnliche Idee oder die gleiche Idee ein wenig anders. Denn „Kunden, die dies und das gekauft haben, kaufen doch auch bestimmt gerne …“ Ja, das kennen wir nicht nur von Amazon, die das Empfehlungsprinzip zur Religion erhoben haben. Und ich sage das nicht nur ironisch, sondern auch, weil es genial sein kann, wenn man etwas liebt – egal ob Kaffee, Kerze oder Kultur – und einen Tipp für mehr davonbekomnt. So funktionieren wir Menschen ja auch, dass wir nicht nur Ideen, sondern auch Empfehlungen für Produkte gerne weitergeben.

Verlage und Ideen

Wer als professionelle Autorin arbeitet, weiß, dass auch Verlage=Lektoren oft „Ideen“ haben, die meist leider keine Masterideen sind, aber einem Autor die Möglichkeit geben, überhaupt ein Buch zu veröffentlichen. „Wie wär’s, schreib doch mal etwas über Film/Mode/Götter/Freundschaft.“ Meist hat die LektorIn oder die VerlagsleiterIn entweder einen Plan, wo das Buch gut hinpassen könnte, bzw wie man es in das Programm integrieren könnte, oder – traurigerweise – nur das Gefühl, dass etwas gerade im Trend liegt und bei einer anderen AutorIn (der mit der Masteridee …) gut funktioniert hat und daher sicher auch in einer Art Kopie gut funktionieren könnte. Einer erfindest – etliche machen es nach.

Aber um hier einmal die Verlage zu verteidigen: Wie heißt es so schön im Filmgeschäft: Niemand hat eine Ahnung. Die wenigsten Verlage haben eine Spürnase für gute Ideen, und Angst, dass neue Ideen floppen. Daher werden diese in der Regel überall abgelehnt, bis dann irgendjemand mal den Mut hat, eine Masteridee umzusetzen. Wenn es dann geklappt hat, wissen es auf einmal alle und hüpfen hinterher.

Ganz mulmig wird mir, wenn Autoren nicht nur – verständlicherweise – Verlegertipps folgen oder versuchen im Windschatten von Ideen zu schreiben, sondern dieses Verfahren gleich zynisch zum Programm erheben. Nochmal Ralf Schweikart:

James Frey („Endgame“) steht für die vielen zyklisch produzierenden Autoren, die analytisch an die Entwicklung von Stoffen gehen. Die sich an Trends orientieren und selbstverständlich an den Erfolgsfaktoren von Bestsellern. (JuLit 1/17 S. 7)

Der Markt und Ideen

„Analytisch an die Entwicklung von Stoffen gehen“ … soll heißen, Autoren, die sich ganz nüchtern den Markt ansehen, herausfiltern, was gut funktioniert und es dann in ähnlicher Form (also kopiert) herausbringen. Schade. Traurig. Aber dann wieder – Endgame war ein Riesenflop, trotz ultragroßer Werbekampgane. Hat also doch irgendwie nicht so richtig geklappt. Einige mochten es, vielen fehlte etwas. Vielleicht die originäre Idee? Oder der „Spirit“, also Geist eines Autors, der um seine Idee gekämpft hat, erst im Schreibprozess, dann bei einem Verlag?

Irgendwie freut einen das ja, wenn es NICHT klappt. Doch seien wir realistisch: Kopierte Ideen funktionieren meist verdammt gut. Schaut in die Bestsellerlisten. Klar, wer von uns Autoren hat Zeit und Mut, ein oder zwei Jahre in eine unzyklische, orginelle Masteridee zu investieren, wenn die Verlage dann doch lieber das Copy-Paste-Produkt der so extrem erfolgreichen und dazu noch schnell produzierenden Trittbrettfahrer-AutorIn nehmen?

Kopieren geht schnell, selbst ausdenken dauert lange.

Seid mutig

Ich habe ja versprochen, auch Lösungswege aufzuzeigen. Ich denke, ich muss AutorInnen, die gerne kopieren wollen und es auch schon fleißig tun, nicht bestätigen. Sie verdienen meist recht gut und haben – genauso wie ihre Leser – auch kein ausgeprägtes Schuldbewusstsein beim Ideenklau. Nein, mir geht es um die Außergewöhnllichen unter euch, die mehr wollen. Die besonders sind.

Wichtig ist mir, den Autoren, deren Masterideen noch empfindliche Pflänzchen sind, zu ermutigen, nicht aufzugeben. Ich verstehe euch. Ihr wollte ein Buch herausbringen, Geld verdienen, Autorin sein. Doch eure Masteridee braucht Zeit. Mein Rat ist so einfach wie schwierig: Nehmt euch die Zeit!

  • Veröffentlicht lieber ein Buch mit einer großartigen Idee, als zehn mit durchschnittlichen Ideen.
  • Lasst euch von Verlagen nicht in deren Programmstruktur pressen.
  • Kämpft für eure (Buch-)ideen.
  • Wechselt einen Verlag, der nicht für eure Ideen offen ist.
  • Baut eine eigene Community auf, die eure Ideen, euren Schreibstil mag.
  • Fangt mit kleine Formaten – Blogartikel, Kurzgeschichten – an, um euren Schreibstil zu verbessern.
  • Nehmt eine Job bei der Zeitung, Blogger, als Social Media-Assistentin … an, bei dem ihr viel schreiben müsst. So überlebt ihr UND lernt schreiben.
  • Selfpublisht eure verrückten, abgedrehten oder sonstwie originellen Ideen und lernt von der Reaktion eurer (treuen) Leser.
  • Ignoriert die Leser, die von euch verlangen, dass ihr schreibt, was sie selbst schon kennen.
  • Denkt unzyklisch, also über Dinge nach, die gerade nicht im Trend liegen.
Neue Wege

Der letzte Punkt – denkt unzyklisch – ist ein guter Trick, falls man vor lauter Klone-Ideen seine Masteridee gar nicht mehr entdeckt. Wir kennen es aus der Wirtschaft. Die Masse setzt auf die Aktie, die gerade gut steht und steigt. Klar, wenn etwas funktioniert, wollen alle mitmachen. Doch die KennerIn setzt auf Werte, die gerade unbeachtet sind. Sie riskiert etwas, verhält sich unzyklisch. Sie weiß, irgendwann werden die kopierten Ideen langweilig, denn es gibt einfach zu viele davon. Nach der x-ten Geschichte über einen Jungen/Mädchen, das in eine Zauberschule geht oder den Gestaltwandler oder verführerische Götter hat es auch der gutmütigste Leser irgendwann satt. Dann wandern diese Bücher – wie der Steingrill – auf den geistigen Sperrmüll. Ralf Schweikart:

Je zyklischer gedacht und produziert wird, desto größer wird die Sehnsucht nach dem Unerwarteten, dem Andersartigen, dem, was man eigentlich nicht verlegen kann. (JuLit 1/17 S. 9)

In diesem Sinne: Denkt mutig und außergewöhnnlich!

In den nächsten Wochen geht es um Ideen die man – hören kann, wenn man aufmerksam ist.

Bis dahin habt eine gute (Sommer-)zeit

xoxo

Katrin

#amwriting #redbugwriting #schreibtipps #rbpub

Buchblogger, Wir stellen vor

Buchbloggerin – Annas Bücherstapel

4. Mai 2018
Anna – Annas Bücherstapel

Annas BücherstapelEndlich kommen wir zu den vielen Buchblogs und BuchbloggerInnen, die wir euch schon immer mal vorstellen wollten.

Wie Anna und ihren Blog: Annas Bücherstapel. Die Wahlberlinerin liest am liebsten Jugend- und Fantasybücher, doch auf ihrem SuB findet man auch historische oder politische Bücher. Apropos SuB. Anna wird ihrem Blognamen gerecht, denn tatsächlich liegen auf ihrem Stapel ungelesener Bücher über 1000 Exemplare – und die fast 200 auf ihrem EReader haben wir schon nicht mitgezählt. Wer selber ein SUBBY ist (und das Wort haben wir gerade mal erfunden), den interviewt Anna gerne zusammen mit seinem oder ihrem SuB, der dann auch zu Wort kommt und sehr direkt nach Gewicht und Größe befragt wird. Wir fragen nicht nach Annas SuB, obwohl uns das Gewicht schon interessieren würde, sondern ganz klassisch: Wie ging das eigentlich los mit dem Lesen?

Leseanfänge

RBB: Wie bist du zum Lesen gekommen?

Anna: Seit ich mich erinnern kann, lese ich. Als ich das noch nicht konnte, hat mir mein Papa vorgelesen und dann folgten Sachbücher über Geschichte und frühe Hochkulturen, dann erste historische Jugendromane (Tanea) und mit Harry Potter ist die Leidenschaft dann gänzlich entbrannt! Seitdem lese ich irgendwie immer irgendwie mindestens ein Buch – meist aber eher so 2 oder 3 nebenher.

RBB: Was ist deine erste Leseerinnerung?

Anna: Ui, irgendwie fallen mir so viel Momente ein, aber besonders intensiv ist immer noch der Gedanke, als wir in der 5. Klasse aus einem kleinen Heft Bücher aussuchen durften. Vor allem ging es um das Buch, dass gemeinsam gelesen werde sollte, aber man konnte auch für sich etwas bestellen. Da bin ich auf Tanea gestoßen, die mich in die Steinzeit entführt hat und absolut fesseln konnte.

RNN: Was war dein Lieblingskinderbuch?

Anna: Ich denke, hier kann ich Harry Potter nennen – ich war ja sozusagen genauso alt wie Harry in Band 1, als ich Hogwarts entdecken durfte und ja, ich warte immer noch auf den Brief, um endlich nach Hogwarts zu dürfen. :D

Annas Eselsohren

Okay, nehmen wir an, ihr lest ein Buch und habt kein Lesezeichen. Eselsohr? Nein, um Gottes willen, auf keinen Fall – oder? Für Anna gehören Eselsohren zum Lesen dazu. So kann sie sich tolle Stellen in Büchern merken und wiederfinden und weiß immer, welches Buch ihr besonders gut gefallen hat. Sie hat sogar eine eigene Rubrik auf dem Blog, die Eselsohr heißt. Wer Bücher so liebevoll knickt, hat eine ganze besondere Beziehung zum geschriebenen Wort, oder?

RBB: Gibt es ein Buch, dass dein Leben verändert hat?

Anna: Ein Buch? Viele Bücher! Aber ich nenne hier einfach mal einen Verlag, der viele prägende und veränderte Bücher bereithält – leider hat er dieses Jahr die Pforten geschlossen und im März sein letztes Programm herausgebracht: Der Königskinder Verlag (ein Carlsen Imprint, das wegen fehlender Verkaufszahlen im Frühjahr 2018 eingestellt wurde. Anmerk. RBB) Allen voran „Alles, was ich sehe“, welches dem Leser einen so herzensguten Protagonisten an die Seite stellt, dass man einfach nur denkt, wenn jeder Mensch ein wenig wie „Ben“ wäre, dann wäre die Welt ein wundervoller Ort.

RBB: Was erhoffst du dir, wenn du ein neues Buch aufschlägst?

Anna: Ich erhoffe mir schlicht, in eine Welt eintauchen zu können, dabei das Leben anderer Menschen kennenzulernen, über den Tellerrand zu blicken und gleichzeitig auch abschalten zu können, um einfach gute Gefühle zu bekommen. Mal sehne ich mich nach fantastischen Welten, mal nach Spannung und mal nach ganz viel Bauchkribbeln und Wohlfühlbüchern.

RBB: Wo liest du? Hast du einen Lieblingsort zum Lesen?

Anna: Am liebsten lese ich tatsächlich gemütlich auf der Couch – da ist es bequem, ruhig, angenehm temperiert und nie zu hell oder zu dunkel. :D

Leseempfehlung von Annas Bücherstapel

Wenn man wie Anna einen so großen SUB hat und so viel liest, dann ist es klar, dass es Lieblingsbücher gibt. Davon findet ihr sehr viele auf ihrem Blog, doch wie ist es mit einem Buch, das mehr als eine Lesesaison überdauert und – bleibt?

RBB: Welche Klassiker würdest du jedem empfehlen?

Anna: „Die Physiker“ würde ich jedem empfehlen – in dieser Geschichte steckt so viel Aktualität, besonders in Zeiten von Künstlicher Intelligenz. Ebenso sollte „1984“ von jedem gelesen werden, um zu begreifen, dass Datenschutz und Privatsphäre nicht nur Spaßwörter sind und dass die Aussage „Ich habe doch nichts zu verbergen“ einfach nur großer Murks ist, denn es geht um Freiheit.

Wer Leseempfehlungen sucht, findet sie bei Anna vor allem im Bereich Jugendbuch und Fantasy. Wie die meisten Blogger vergibt sie Wertungen nach einem 1-5 Punkte-System, vergibt aber in der Regel nicht weniger als 3, was für eine gewissenhafte Vorauswahl spricht. Unter dem Stichwort „Auf den Punkt gebracht“ gibt es Kurzrezensionen.

RBB: Was ist dir beim Bloggen am allerwichtigsten?

Anna: Der Austausch mit meinen Lesern und das Gefühl zu haben, dass man mit seinen Beiträgen Leute zum Lesen eines Herzensbuch animiert und man Bücher vorschlägt, die bisher vielleicht nicht so gehypt wurden, obwohl sie es verdient hätten.

Oh ja, das wünschen wir uns auch!

RBB: Liebe Anna, wir danken für das nette Interview.

Hier findet ihr Annas Bücherstapel auf Facebook und Instagram.

 

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DIY-Donnerstag, Lettering

Red Bug Lettering #5: Flow für perfekte Buchstaben

3. Mai 2018
Beitragsbild Lettering Lukas Horn

Dieses Mal geht es um eine Lettering-Technik, die ich entwickelt habe, um perfekte Buchstabenformen hinzubekommen. Perfekt, meint einen Mix aus spannend, gut, schön, funktional usw. Das Schöne an diesem Flow ist, dass du wirklich schnell zum Ziel kommst (wenn du diese Technik ein paar mal gemacht hast, wirst du rasch Fortschritt bemerken!). Du brauchst Papier, Bleistift & Filzstift (bei Bedarf auch einen Weißmacher, zB. Tipex zum korrigieren).

1. Dein Schriftzug

Schreibe ein Wort mit Bleistift vor (Nimm ein Wort, was dir gut gefällt, zB. vom Klang, von der Bedeutung oder von der Buchstabenkombination her). Lass es fließen, denn

Schrift kommt von Schreiben

Ziehe dir Linien vor, aber nur wenn du willst (ich verzichte oft drauf, dann wird’s wilder). Mach es wie auf der Abbildung, dadurch bekommst du die sogenannte x-Höhe (die könnte eigentlich auch ›w-höhe‹ oder ›z-Höhe‹ heißen, denn es geht einfach darum, dass du den Bereich sichtbar machst, in den ein Kleinbuchstabe, ohne Ober-, wie zb. das ›d‹, oder Unterlängen, wie zb. das ›p‹, passt). Versuche für den Anfang deine Buchstaben luftig-breit zu schreiben, denn du wirst an deinen vorgezeichneten Lettering noch Dicke hinzufügen (dann hast du Spielraum und das fertige Stück sieht dann nicht gequetscht aus). Orientier dich ruhig an meinem Beispiel (lasse die Buchstaben unverbunden, das ist erst einmal in Ordnung).

Beitragsbild Lettering Lukas Horn

2. Aufrechte Striche bekommen ihre Dicke

Hier entscheidest du, wie BOLD dein Lettering werden soll (und wieviel Kontrast zwischen dicken und dünnen Linien sein soll). Ich gebe dir hier einen Anfangswert mit, den du erstmal ausprobieren kannst: Aufrechte Striche sind im Verhältnis zu waagerechten Strichen 1 zu 0,7 stehen (also zb. 1 cm zu 7 mm). Deine Waagerechten sind einfach ein bisschen dünner als die aufrechten Striche.

Male dazu freihand (oder wenn du ein Mensch bist, der es haargenau mag, nimm gerne ein Lineal!) ungefähr mittig zu den Strichen kleine Merklinien. Alle in derselben Länge. Sie markieren dir die Dicke. Dazu in den darauffolgenden Schritten mehr.

Beitragsbild Lettering Lukas Horn

3. Waagerechte Striche bekommen ihre Dicke

Hier machst du das selbe bloß mit den Waagerechten. Denke daran, dein gewähltes Verhältnis einzuhalten (wenn die Aufrechten zb. 1 cm dick werden, male für die Waagerechten Merkstriche von 7 mm). 

That’s the magic!

Beitragsbild Lettering Lukas Horn

4. Linien Verbinden / Kontur zeichnen

Orientiere dich an den Rundungen deines vorgemalten Lettering und verbinde die eingezeichneten Merkstriche miteinander (so wie ich es im Beispiel mache).

Beitragsbild Lettering Lukas Horn

5. Lettering Ausmalen

Der schönste Teil.

Das Ausmalen ist das Manifestieren der Form, also hier wird die Seele deines Lettering aufgedeckt

Du ziehst das Tuch von der geheimnisvollen Kiste. Denn erst nach dem Ausmalen kannst du einschätzen, ob alles so schön geworden ist, wie du es dir vorgestellt hast. Spannend!

Beitragsbild Lettering Lukas Horn

6. Lettering auswerten & korrigieren

Nun liegt es vor dir, was denkst du? Zufrieden? Oder gibt es Stellen, die dir noch nicht gefallen? Wenn ja, nicht schlimm. Jetzt kannst du noch Stellen ausbessern. Ich nehme dafür immer gerne Weißmacher, also Deckweiß. Es ist nicht immer nötig, aber probiere es einfach mal aus.

  • Sprechen die Rundungen innerhalb der Buchstaben dieselbe Sprache? Wie sieht es außen aus?
  • Haben alle Waagerechten und alle Aufrechten die gewünschte Dicke?
  • Bist du irgendwo abgerutscht oder hast dich vermalt?
  • usw …

Beitragsbild Lettering Lukas Horn

MasterClass

Wie kannst du dein Lettering noch spannender machen? Baue Unstimmigkeiten ein, probiere dem Zufall Raum zu geben und sei offen für Ideen, die dir beim Malen kommen. Ich habe schon viele Letterings dadurch kaputt gemacht, aber die, die ich dafür auf ein neues aufregendes Level gebracht habe, sind es hundert Prozent wert.

Also sei mutig, die Sachen dürfen auch mal hässlich sein.

Meistens ist das ein Anzeichen für eine ausgeprägte Persönlichkeit und grafische Eigenständigkeit (das, was oft am meisten wert ist).

Beitragsbild Lettering Lukas Horn

7. Lettering schmücken / einsetzen / fertigmachen

Riesenapplaus: Du kannst dir jetzt zu deinem fertigen Lettering gratulieren! Jetzt entscheidest du ob es fertig fertig ist, oder ob du nun einen Schritt weitergehen willst. Vielleicht einen Schlagschatten einsetzen? Oder Farbe mit ins Spiel bringen? (Also der letzte Punkt ›Schrift in Kontext setzen‹ in meinem letzten Artikel hier)

Probiere solange aus bis du zufrieden bist, denn es gibt nichts besseres, nichts gesünderes als deinen eigenen Anspruch.

Beitragsbild Lettering Lukas Horn

Übertreibe ruhig und probiere zb. das Verhältnis der Waagerechten zu der Dicke der Aufrechten 1 zu 0,1 oder andersherum 0,1 zu 1. Gucke was dir Tolles begegnet und sei, wie schon beteuert, mutig!

Wie immer kannst du dir das Worksheet zu meinem aktuellen Blogbeitrag holen, wenn du dich für den Newsletter anmeldest. Du bekommst mit dem nächsten Newsletter dann auch alle anderen Lettering-Worksheets der letzten Beiträge von mir.

Ich freu mich auf Fragen, Feedback, oder einen Blick auf dein Lettering!

Bis in einem Monat,

Lukas

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7 Wege zu einer Buchidee

7 Wege zu einer Buchidee #1 Einführung

2. Mai 2018
Wie kommst man auf eine Buchidee?

Ich habe mich schon einmal in einem Blogbeitrag mit der Frage geschäftigt: Wie kommt man auf eine Buchidee? Jetzt möchte ich dieses Thema etwa vertiefen und lade euch in den nächsten Blogbeiträgen ein, euren Masterweg zu einer (Master)Buchidee zu finden.

Wie kommst Du auf eine Buchidee? Ich finde es immer wieder interessant, wenn mir diese Frage gestellt wird. Wahlweise auch: Woher kommen Deine Ideen? Wie findest Du Ideen? Sprachlich finde ich das mit dem Finden sehr interessant, denn es klingt so, als ob die Ideen irgendwo rumliegen würden, vielleicht sogar versteckt wären, und man sie nur finden müsste. Ist das so? Nach meiner Erfahrung muss ich mich nicht besonders anstrengen, Ideen attackieren mich, steuern mich an, wollen umgesetzt werden, lassen nicht locker. Kommen also von außen auf mich zu. Aber wenn ich länger darüber nachdenke, dann gibt es auch andere Momente.

Dann blubbern sie eher von innen auf wie Gedanken. Oder poppen auf. Maiskörner in heißem Öl. Sie können jahrelang herumliegen, werden durch eine Sache, einen Vorgang getriggert und sind dann komplett da. Von vorne bis hinten. Ein schneeweißes Popkorn, nur noch Salz oder Zucker drauf und genießen. Also aufschreiben.

Ein anderes Mal wachsen sie langsam wie Haare oder Fingernägel, jeden Tag ein Stück, bis man sie abschneiden muss oder will. Ein Samenkorn, das vielleicht unabsichtlich auf einen Acker geweht wurde. Langsam entsteht ein Pflänzchen und wird zu einem Baum. Auf jeden Fall etwas, was man am Anfang übersieht, aber irgendwann nicht mehr übersehen kann.

Aber egal ob von außen oder innen, irgendetwas hat die Ideen herangeweht, gepflanzt. Ausgelöst. Zum Wachsen gebracht. Getriggert. So gesehen: Ideen kommen auf vielen verschiedenen Wegen zu mir und jeder anderen AutorIn. Genau darum geht es in den nächsten Wochen.

Trendideen

Meist steckt hinter der Frage nach der Idee für ein Buch oder überhaupt den Ideen, die Frage nach der Auswahl. Wieso gerade DIESE Idee? Auf diese Frage gibt es auch sehr viele Antworten, aber die muss wohl jede AutorIn selber beantworten. Klar, manchmal kann man vermuten, dass manche Themen gerade heiß sind und daher gewählt wurden. Ich schätze mal, dass man vor zehn Jahren nicht auf ein veganes Kochbuch gekommen wäre, aber jetzt ist der Trend auf dem Höhepunkt. Idee – ist dann vielleicht schon etwas zu hochgegriffen, da man sich nur umsehen muss und das Thema einen fast überfährt. Ähnlich ist es mit Transgender-Geschichten, die werden wir wohl in nächster Zeit noch öfter sehen, einfach weil das Thema in unserer Gesellschaft gerade hochaktuell ist.

Von der Buchidee zum Buch

Nicht aus jeder Idee wird ein Buch. Manche Ideen sind nicht stark genug. Oder werden zu früh erstickt, zertreten, abgetrieben. So ist die Natur und so sind wir, als Menschen. Elizabeth Gilbert hat in BIG MAGIC darüber geschrieben und in vielem kann ich ihr zustimmen. Zum Beispiel, dass Ideen einen umgeben. Ideen sind sehr oft universell, also für viele verfügbar. Wenn man sie sich nicht schnappt und umsetzt, dann tun es andere. Allerdings glaube ich, dass Ideen, die weiterziehen oder von jemand anderem ungesetzt werden, einfach nicht richtig für einen gewesen sind. Man sollten ihnen nicht nachtrauern.

Schwache Ideen tun da schon mehr weh. Man möchte die Buchidee gerne (ver)stärken, aber irgendwie bleibt sie blass. Man weiß, es steckt etwas darin, es könnte etwas werden, aber am Ende muss man sich eingestehen, dass daraus keine Geschichte wird, kein Buch. Auch das ist gut so. Jeder Autor hat unzählige angefangene Projekte. Manchmal nur ein paar Sätze, manchmal ein halbes Buch und manchmal ein ganzes „Buch“, das irgendwie nicht zu einem guten Manuskript wird und vielleicht erst nach Jahren oder nie den Weg zu einem Verleger oder einem Leser findet.

 Masterideen

Wenn es um Buchideen gibt, bin ich sehr leidenschaftlich. Ich kann es überhaupt nicht leiden, wenn Autoren sich für ihre Ideen bei anderen AutorInnen bedienen und dann so tun, als ob das ganz normal wäre, nach dem Motto: Es gibt gar keine neuen Ideen. Dann kommt der (blöde) Spruch, man könne das Rad nicht neuerfinden und so weiter. Das Rad ist erfunden, okay, aber wir sind für die Fortbewegung längst nicht mehr nur auf Räder angewiesen. Also, liebe AutorInnen: Strengt euch an und redet euch nicht heraus.

Neue Ideen, die tatsächlich noch niemand vorher hatte, nenne ich Masterideen. Die Königinnen der Ideen sozusagen. Eine Idee, die so neu und gleichzeitig universell, also allgemein verständlich ist, aber trotzdem noch nie vorher da war. Die Erde ist eine Kugel. Bäm! Diese Ideen sind nicht bei allen Menschen beliebt. Warum nicht bei dem bleiben, was schon mal da war? Was uns vertraut ist? Was man kennt? Daher gibt es so viele Ideen, die einfach nur Klone von Masterideen sind und trotzdem extrem erfolgreich, denn die meisten Menschen sind nicht an ganz neuen Ideen interessiert, sie wollen es so haben wie es schon immer war. Neue Ideen verstören, irritieren, fordern uns Menschen heraus. Doch wenn man sich umsieht, dann sind Klone-Ideen sehr kurzlebig. Und nur Masterideen bleiben.

Fremde Ideen

Zugegeben, selbst wenn man sich von anderen Büchern/Geschichten zu seiner Klone-Idee anstiften lässt, muss man noch eine ganze Menge selber einfallen lassen, bis daraus eine „eigene“ Idee wird. Deshalb gehe ich auch auf das Thema „Ideen kopieren“ ein und zwar gleich in der nächsten Woche. Ganz pragmatisch gesehen, ist es tatsächlich unrealistisch, von allen AutorInnen immer eine Masteridee zu erwarten. Erstens hat man die nicht so oft und zum anderen funktioniert der Schreibbetrieb auch nicht so. Wenn Verlage nur noch auf Masterideen von Autoren warten würden, dann wäre es sehr ruhig in den Buchhandlungen.

Außerdem gibt es AutorInnen, die sind sogar extrem stark darin, Bücher ohne eigene Ideen zu schreiben. Sie realisieren Ideen anderer und das ist vollkommen verständlich. Auch AutorInnen müssen von irgendetwas leben. Sie schreiben dann zum Beispiel als Ghostwriter von – ich sag mal – YouTubern, die zwar eine irre große Reichweite haben, aber nicht notwendigerweise schreiben können. Wie die YouTuberin Zoella. Oder sie schreiben als Co-AutorInnen von Schauspielern wie Jason Segel (How I met your Mother), der gleich offen mit der Kinderbuchautorin Kirsten Miller zusammengearbeitet hat, um „sein“ Buch zu veröffentlichen.

Es geht in diesem Fall nicht darum, ob Zoella nun tatsächlich ihr Buch geschrieben hat, oder Jason Segel, sondern welche Rolle die (Ghost)writer hier spielen. Sie schreiben ein Buch – aber haben keine eigene Idee eingebracht, die kam von jemand anderen. Seltsamer- oder vielleicht auch erleichternderweise bleiben auch diese „Produkte“ nie lange auf dem Markt.

7 Wege zur Buchidee

7 Wege heißt nicht, dass es nicht auch 1000 sein könnten oder es vielleicht auch weniger sind. Daher die Einführung, die daran erinnert, dass querfeldein oder I do it my way immer eine Option sind. Dass jeder seinen Weg finden kann und muss. Grundsätzlich gehe ich sowieso von großen Wegen aus, die sehr viele kleine Nebenwege und Verzweigungen haben können. Kombinationen von Wegen sind möglich und Abkürzungen – ja, die gibt es natürlich auch. All das werde ich in den nächsten Blogbeiträgen erläutern, hinterfragen, analysieren und euch jeweils einen konkreten Weg als Option vorstellen, denn jedes Buch und überhaupt jedes (künstlerische) Projekt beginnt mit einer Idee. Let’s do this!

xoxo

Katrin

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