Cover Secrets

Cover Secrets #9 Interview mit Buchgestalterin Suse Kopp

20. September 2018
Buchgestalterin Suse Kopp

Wenn man wie ich ein Cover-Junkie ist und nach schönen deutschen Covern Ausschau hält, dann landet man ganz schnell bei der Buchgestalterin Suse Kopp. Ich bin sehr froh, dass sie sich die Zeit genommen hat, mir sehr viele Fragen zu beantworten, die für alle Buchgestalter und Cover-Interessierte einfach nur GOLD sind. Okay, jumpen wir gleich hinein in das Interview:

Anfänge als Graphik-Designerin

• Liebe Suse, du bist Grafik-Desginerin und hättest mit dieser Ausbildung alles mögliche machen und werden können – wie kamst du zur Covergestaltung, insbesondere für Kinder- und Jugendbücher?

Suse Kopp für Beltz & Gelberg

Suse: Liebe Katrin, ich bin schon immer eine Leseratte gewesen. Ich denke, das muss der Grund dafür sein, dass bei mir schon im Studium aus allem ein Buch wurde (na gut, oft eher Hefte…). Außerdem hatten wir einen tollen Typografie-Professor, der uns im Studium ein Buchprojekt mit dem Campus-Verlag verschafft hat. Wir haben dann mit dem Autor das ganze Buch gestaltet – innen und außen. Das war ein Schlüsselerlebnis. Dann habe ich noch einen türkischen Verleger kennengelernt und mit ihm einige Fotobücher gemacht und so waren die ersten Schritte getan.
Der Schwerpunkt Kinder- und Jugendbücher ergab sich aus dem Arbeitsprozess bei Rothfos & Gabler, da war ich irgendwann zuständig für Beltz & Gelberg und das Bloomsbury Kinder- und Jugendbuch und das machte mir großen Spaß.

• Okay, du hast im Büro Rothfos & Gabler gearbeitet. Hört sich sicher und gemütlich an. Wie kam es zu dem Schritt in die Selbständigkeit? Selbtverständlich? Zufällig?

Suse: Bei Rothfos & Gabler habe ich als feste Freie gearbeitet. Nie Vollzeit. Nebenher habe ich meinem Lebensgefährten beim Aufbau seiner Firma geholfen und andere freie Jobs gemacht. Bei Hissmann und Heilmann war ich auch einige Zeit. Davor hatte ich schon eine Fortbildung zum Thema »Frauen, die sich selbständig machen wollen« gemacht. Aber ich kann mich, ehrlich gesagt, nicht mehr daran erinnern, wie ich genau darauf kam. Ich weiß nur, dass ich es nie bereut habe, vor allen Dingen, als ich dann Mutter wurde. Ich genieße die Freiheit der Selbständigkeit – mit allen Frösten.

Suse Kopp für Thienemann

• Erzähl doch mal, wie das so aussieht, wenn dich ein Kunde/Verlag anspricht. Gibt man dir freie Hand (denn du hast ja schon großartige Cover gestaltet)? Bekommst du einen Pitch? Erwartet man (oder du von dir selbst), dass du das Buch liest?

Suse: Was genau der Verlag möchte, ist sehr unterschiedlich. Mal möchten die Auftraggeberinnen (sind ja zu 90% Frauen) etwas ganz Bestimmtes, mal sind sie überfragt und freuen sich, mir freie Hand zu lassen. Pitchs gibt es – glücklicherweise – nur ganz selten. Auch, was es schon zu lesen gibt, variiert stark: von einem Exposé für eine geplante Reihe über ein unlektoriertes Manuskript bis zur Originalfassung auf Englisch. Ich persönlich kann einfach viel besser arbeiten, wenn ich das Manuskript zumindest angelesen habe. Manchmal packt es mich dann natürlich so, dass ich es durchlesen muss. ;-)

Der kreative Prozess

• Wie ist dein kreativer Prozess, was kommt zuerst: Die Farbe? Das Motiv? Die Stimmung?

Suse: Zuerst lege ich eine wilde Sammlung an mit Fotos, Schriften und Inspirationsquellen. Spätestens dann lese ich (rein) und anschließend gestalte ich wild drauf los. Wenn ich dafür Zeit habe, lasse ich das Ganze ein / zwei Tage liegen und schmeiße dann alles raus, was mit Abstand betrachtet nicht funktioniert. Die Farbigkeit ergibt sich manchmal durchs Genre (Thriller…) oder durch ein gefundenes Bild oder eine gewünschte Stimmung.

• Wie viele Coverentwürfe und Vorschläge machst du in der Regel für ein Buch?

Suse: Zwischen drei und nahezu unendlich (das natürlich nur gegen Aufpreis). Das kommt darauf an, wie klar das Briefing ist bzw. wie schnell ich den Kundenwunsch treffe. Schwierig und damit umfangreich wird es, wenn der Verlag selber nicht so recht weiß, in welche Richtung er mit dem Buch will oder sogar darüber gestritten wird.

Deutsches Cover von Suse Kopp

One of us is lying – Englische Ausgabe

• Wenn es schon ein ausländisches Cover gibt, dann musst du dich vermutlich daran orientieren. Macht das Spaß oder ist das eher knifflig?

Suse: Das macht mir Spaß! Wenn ich das Original gut finde, ist es eine schöne Herausforderung, wenn ich es schlecht finde, ist es sowieso ein Spaziergang.

Arbeit für den Königskinder Verlag

• Für die meisten Leser und Buchblogger bist du durch die Gestaltung aller Programme des Königskinder-Verlags in Erscheinung gereten. Wie kam es zu der Zusammenarbeit?

Suse: Ich hatte mit Barbara König schon einige Projekte (z.B. die Lunachroniken von Marissa Meyer) gemacht als sie noch Programmleiterin bei Carlsen war und das lief sehr gut. Wir sprechen eine Sprache! Daraufhin hat sie mich gefragt, als es losging und ich habe natürlich begeistert zugesagt.

Suse Kopp für Königskinder

• Hast du Vorschläge für die einzelnen Programme der Königskinder gemacht oder ging das von Barbara König aus?

Suse: Das war Teamarbeit: ein Zusammenspiel von Ideen von Barbara König, mir, der Herstellerin Gunta Lauck, der damaligen Werbeleiterin Andrea Luck und der Lektorinnen Kerstin Kopper und Maya Geis.

• Auffällig war, dass der Königskinder-Verlag – bis auf die Krone auf dem Cover – dadurch kein eigenes Coverbranding hatte. Ich das fand das erste Progamm in Schwarz/Weiß/Gold sehr gut, ich dachte, so geht es weiter. Mir hätte das gefallen. Wollte man sich später näher ans Publikum bewegen oder gab es von vornherein den Plan, immer eine neue Cover-Ästhetik zu verlegen?

Suse Kopp für Königskinder

Suse: Das war von vornherein der Plan. Mir persönlich kam das sehr entgegen, weil ich mich visuell sehr schnell langweile. Interessanterweise ist mir nie die Idee gekommen bei Schwarz / Weiß / Gold zu bleiben. Das ist aber auch nach wie vor eins meiner Lieblingsprogramme.

Digital oder analog?

• Wie viel arbeitest du für Cover händisch, wie viel digital? Arbeitest du überhaupt noch analog an Covern?

Suse: Ich arbeite sicher mindestens 90% digital. Aber wenn es dann mal analog wird, macht das besonders Spaß. Mal scanne ich gerissenes Papier ein, weil ich es nicht einsehe, dafür eine Bildagentur zu bezahlen oder das Papier eine bestimmte Struktur haben soll, mal zeichne ich Typo auf einen beschlagenen Spiegel oder klebe Buchstaben aus Brillies. Herrlich!

• Mein Eindruck: Du entwickelst Schrift auf dem Cover selbst// Oder veränderst einen Font// Oder greifst komplett auf vorgefundene Fonts zurück. Stimmt das? Wie ist die Mischung?

Coralie Bickford-Smith

Suse: Ich bin ein Typo-Junkie! Ich kaufe mir manchmal einfach so eine neue Schrift, weil ich sie so schön finde und suche dann nach einem Projekt, für das ich sie einsetzen kann. Oft benutze ich sie so, wie sie sind, besonders natürlich unter Zeitdruck. Manchmal ändere ich dann tatsächlich einzelne Buchstaben, die mich ärgern oder den Gesamteindruck zerstören. Oder ich stanze etwas aus, um z.B. eine sonst sehr kühle Grotesk lebendiger zu machen. Und ab und zu muss es eben Handlettering sein (s.o.). Kommt ganz auf das Projekt an…

• Hast du ein Lieblingscover, eine Art Signatur-Cover, was besonders gut für deine Arbeit steht? Welches wäre das?

Suse: Mmmh, gaaaanz schwierig! Bei meinen eigenen Umschlägen ändert sich das ständig. Ich liebe gerade die Abwechslung und dass ich dadurch nicht nur für ein Genre gebucht werde. Aber ich bin ganz großer Fan der Arbeiten von Coralie Bickford-Smith (überhaupt Penguin!!!), Jon Gray und Jessica Hische.

Und was verdient man so?

Suse Kopp für Königskinder

• Vielleicht eher aus deiner Erfahrung in der Agentur: Gibt es so etwas wie einen Grundbetrag, den eine Verlag für ein Cover ausgibt?

Suse:Das ist je nach Größe der Verlage unterschiedlich. Manche versuchen mit 500,- Euro wegzukommen, andere zahlen über 1000,- Euro.

• Was wäre dein bester Tipp für jemanden, der sich keine professionelle Covergestaltung leisten kann und es selbst versuchen möchte?

Suse: Ich würde vorschlagen, sich von dem eigenen Lieblingscover inspirieren zu lassen und die vielen tollen Webseiten professioneller Gestalter zu besuchen. Gut (!) geklaut ist halb gewonnen…

Drope Caps Serie von Jessica Hische

• Im anglo-amerikanischen Raum sieht man oft wunderschöne, von Grafik-Designern gestaltete, Sondereditionen von Buch-Klassikern, die Sammelobjekte werden. Ich denke an die Penguin Drope Cap Series von Jessica Hische oder die Puffin in Bloom Collection, die Anna Bond von Rifle Paper gestaltet hat. Übersehe ich da etwas oder gibt es so was in Deutschland nicht?

Insel Bücher

Suse: In Deutschland gab es diese Reihen ja von großen Tageszeitungen. Die haben mich bis jetzt aber auch nicht so umgehauen, dass ich sie sammeln müsste. Die sind oft so brav. Die Insel-Bücherei liebe ich aber immer noch! Oder die Jane Austen-Box von Reclam. Oder Rothfos & Gabler hatte eine schöne Lyrik-Reihe gestaltet für den Berlin Verlag. Aber das ist natürlich alles nicht das Gleiche. Ich denke, das könnte daran liegen, dass der Markt für den englischsprachigen Raum einfach so viel größer ist?

• Mir fällt auf, dass ausländische Cover viel mutiger/wilder sind. Wie siehst du das?

Suse: Ja, das sehe ich genauso. Z.B. gab es bei Penguin auch diese gestickte Buchreihe, die fand ich großartig!

• Hast du Vorbilder in der Covergestaltung?

Suse: Siehe oben. ;-)

Wie ist der Zeitaufwand?

• Wie lange arbeitest du (durchschnittlich) an einem Coverentwurf?

Suse: Ich habe es nicht so mit dem Zeitmanagement. Ich mache es so schnell wie es muss … Von einer Nacht bis zu zwei Monaten habe ich schon alles gehabt.

• Gibt es ein Buch über Covergestaltung, das du besonders empfehlen kannst?

Suse: »Buchumschläge in der Weimarer Republik« vom Taschen Verlag, »Vom Schutzumschlag zum Marketing Instrument« vom Verlag Hermann Schmidt (U.a. von Nina Rothfos), »Penguin by Design« (Obviously)

• Liebe Suse, danke, danke für deine ausführlichen Antworten. Zum Abschluss noch: Wo kann man dich finden, dich verfolgen? Was ist dein wichtigster Social Media Kanal? Wo findet man dich sonst noch?

Suse Kopp für Fischer

Eindeutig Instagram.
Sonst benutze ich noch Pinterest.

Und dann gibt es noch die schöne Website von Suse Kopp 

Ich hoffe, ihr habt ganz viel Wissen und Freude aus diesem Interview mit Suse Kopp gezogen. Ich werde es sicher noch ein paar mal lesen. Als allererstes studiere ich jetzt die tollen Buchtipps ;)

Nächste Woche geht es um Titel auf Covern.

Bis dann und ganz bald –

Katrin

#coversecrets #coverdesign #buchgestaltung

Charakter-Special: Bedürfnisse

Charakter-Special: Bedürfnisse #2 Basics

19. September 2018

Bedürfnisse #2 Leben

 

Die unterste Ebene der Pyramide setzt sich aus all dem zusammen, das wir absolut notwendigerweise zum Leben brauchen. Essen, Trinken, Schlafen, Wärme. Wenn diese Dinge angegriffen werden, ist das Leben schnell bedroht. Wie ein Kind, dass auf die Welt kommt, sind auch wir immer noch darauf angewiesen, unserem Körper Energie zuzuführen, Pausen einzulegen und uns vor Verletzungen zu schützen.

Steht unsere Gesundheit auf dem Spiel, nimmt das Leben eine erstaunliche Einfachheit an. Wo wir uns vorher noch über zu enge Hosen oder einen falschen Haarschnitt beschwert haben, hängen wir jetzt mit all unserer Überzeugungskraft an der verzweifelten Bitte: Lass mich leben.

 

Leben und Tod

Deshalb bringen Geschichten, in denen die Gesundheit eines Charakters bedroht oder angegriffen ist, immer grundlegende Fragen mit sich. Was wertschätze ich im Leben? Was würde ich tun, wenn heute der letzte Tag meines Lebens wäre? Es liegt in unserer Natur, Dinge zuzuspitzen um diesen wichtigen Fragen ins Auge blicken zu können. Wenn nervige Kollegen, Stau auf der A3 oder ein Sommerurlaub, der in den Regen fällt, auf einmal wie Gänseblümchen auf einer Frühlingswiese wirken. Und all die müßigen Fragen, die wir uns über uns und unsere Existenz gestellt haben, auf einmal unwichtig sind. An dem Punkt, an dem es um Leben oder Tod geht, realisieren Charaktere und mit ihnen die Leserin, worum es ihnen wirklich geht. Was sie mit dem Geschenk des Lebens machen wollen.

Ressourcen

Eine wirkungsvolle Methode, um die Spannung jeder Geschichte zu erhöhen, ist, die lebenswichtigen Ressourcen zu kürzen, die den Charakteren zu Verfügung stehen. Eben saß die Expeditionsgruppe noch gemütlich bei warmer Yak Milch zusammen, jetzt ist das Proviantzelt weggeflogen, der Gaskocher ausgefallen und ein Sturm zieht auf. Da sieht die Sache mit einem Mal ganz anders aus. Der Amerikaner, der gerade noch Witze erzählt hat, sitzt auf einmal mit grimmiger Miene in seinen dünnen Schlafsack gewickelt in der Ecke und der großzügige Hippie späht misstrauisch in die Gesichter der anderen. Es entstehen Rangeleien, die Mienen werden angespannter, der Ton rauer. Temperamente kochen auf. Und das ist der Punkt, an dem der Autor sich diabolisch lächelnd die Hände reibt. Let’s play.

Die Wahl der Qual

Natürlich geht es nicht darum, seine Figuren unnötig zu quälen. Aber der Fokus liegt dabei auf dem Wort unnötig. Denn, jede Qual, der wir unseren Charakter aussetzten können und die ultimativ dazu beiträgt, dass diese Figur sich weiterentwickeln kann, ist erlaubt. Ja sogar notwendig.

Der arrogante Erbe eines Ölkonzerns sitzt unter Umständen mit einem gebrochenen Bein und abgefrorenen Fingerspitzen wenige Meter unter dem Gipfel, starrt in die rosarote Ferne der aufgehenden Sonne und realisiert, dass der Ansatz mit dem er bisher ans Leben herangegangen ist, für ihn nicht länger funktioniert. Vielleicht sieht er sich zum ersten Mal der stillen Kraft entgegengesetzt, die der Natur innewohnt. Und ihm wird klar, dass es falsch war, den Auftrag zu geben, in einem Naturschutzgebiet nach Öl zu bohren. Oder er begreift, wie egoistisch er sich seiner Freundin gegenüber verhalten hat und  beschließt, ein besserer Mensch zu werden. All das und noch viel mehr, wird möglich, wenn wir uns mit unserer eigenen Vergänglichkeit konfrontieren.

Mit aller Zeit der Welt, unter strahlendem Sonnenschein, durch einen blühenden Park zu spazieren, animiert die wenigsten Charaktere dazu, sich den düsteren und ungeheuerlichen Fragen zu stellen, die sie oder ihn befähigen ihr Leben zu verändern.

Wir sind gleich

Auf dieser einfachsten Stufe sind wir alle gleich, alle vereint, in dem gemeinsamen Bedürfnis nach all dem, was uns Leben gibt und hilft, Leben zu erhalten. Auf dieser Ebene fällt es uns leicht, uns in anderen Menschen, ja anderen Tieren zu sehen. Ein Eisbärenjunges, dass hinter seiner Mutter durch die Eiswüste trottet, weckt in uns die selben vertrauten Gefühle, wie der Anblick eines hungrigen Löwen. Wir wissen, wie du dich fühlst.

Es kann ein vereinendes Mittel sein, unterschiedliche Charaktere in eine gemeinsame Situation geraten zu lassen, in der sie erkennen müssen: Wir brauchen das selbe. Wir leben von den selben Dingen. Wir sind gleich.

Dann kann das Teilen einer Scheibe Brot genauso viel Bedeutung haben, wie eine Spende in Millionenhöhe. Dann ist es eine große Tat, seinen warmen Mantel zu teilen oder jemanden in sein Haus einzuladen. In Zeiten, in denen Menschen sehr viel mehr Schwierigkeiten hatten, die grundlegenden Bedürfnisse des Lebens zu befriedigen, entstanden viele Geschichten, die sich darum drehten. Im Schlaraffenland zu leben ist nur für jemanden attraktiv, der seit einer Woche an einer harten Brotkante knibbelt. Auf dieser, der untersten Ebene der Pyramide, sind die Dinge simpel. Und wirkungsvoll.

DIY-Donnerstag, Epub Insights

Epub Insights #9 scroll or swipe

13. September 2018

Liebe AutorInnen und SelfpublisherInnen,

in den letzten Artikeln habe ich mich noch damit beschäftigt und erläutert, wie man erreicht, dass in E-Books Bilder und Bildunterschriften auf der gleichen Seite dargestellt werden. Jetzt hat Amazon in der neuen Kindle-App gerade die Möglichkeit eingerichtet, vertikal durch das ganze Buch zu scrollen. Es gibt also noch nicht mal mehr eine Anmutung von Seiten. Ist damit der ganze Aufwand, Bilder und Bildunterschriften zu verbinden, umsonst? Nein – natürlich nicht, es ist immer noch von Vorteil, wenn man – soweit es geht – kontrolliert, wie Bild und Bildunterschrift miteinander korrespondieren. Und es stellt sich die Frage, was wird sich durchsetzen: scroll or swipe?

Pageturn

Als ich vor gefühlt einem halben Jahrhundert, das erste Mal ein E-Book aus dem iBooks Store auf meinem iPad geöffnet habe, war ich fasziniert, welche Mühe die Entwickler sich mit der Animation zum Umblättern gemacht hatten. Gleichzeitig musste ich schmunzeln, weil es so süß war, wie man auf einem Screen irgendwie das Gefühl von Seitenumblättern erzeugen wollte. Ein wenig sah es für mich allerdings so aus, als wäre man gar nicht stolz darauf, ein ganz neues Gadget erfunden zu haben und eine ganz neue Möglichkeit, Texte zu lesen. Vielleicht wollte man einfach auch den Lesegewohnheiten der Menschen, die noch viel Gedrucktes lasen, entgegenkommen. Schau mal, ist doch eigentlich genau wie ein Buch, sogar zum umblättern. Beinahe wäre ich in die alte, schlechte Angewohnheit verfallen, kurz den Finger anzulecken, damit das Umblättern leichter geht.

Aber mit der Annahme, dass diese Pageflip-Animation als sentimentale Reminiszenz an gedruckte Bücher bald in die Mottenkiste wandern würde, lag ich offensichtlich falsch. Denn sogar Amazon hat die neuen Kindle-Fire damit ausgestattet. Allerdings in einer primitiveren Version als es die gewohnt designversessenen Apple Entwickler vorgemacht hatten. Während bei iBooks wirklich die nächste Seite erscheint , genau wie es auch beim einem gedruckten Buch wäre, wird beim Kindle die aktuelle Seite beim Umblättern einfach nur spiegelverkehrt abgebildet, als könnte man durch das »Papier« hindurchsehen. Das ist nun völlig sinnfrei. Aber wer merkt das schon?

 

scroll or swipe

ipad / iBooks-App

 

scroll or swipe

kindle-fire / kindle-App

Swipe

Besonders schön fand ich die Pageflip-Animation vor allem, wenn ich das iPad horizontal hielt und im Zwei-Seiten-Modus war, der ja wieder an ein aufgeschlagenes Buch erinnert. Aber mal ehrlich, wer hält sein Tablet oder Smartphone schon horizontal, wenn er ein E-Book liest. Beim Kindle Fire macht es für mich gar keinen Sinn, da im horizontalen Modus auch nur eine breite Spalte angezeigt wird, die dann natürlich für ein angenehmes Lesen zu breit ist. Ich jedenfalls lese immer im vertikalen Modus. So wird mir zwar immer nur eine Seite angezeigt. Aber ich habe ja auch kein Buch in der Hand. Dabei finde ich das einfache Zur-Seite-Swipen der Seiten am angenehmsten. Es geht schnell. Und es rhythmisiert das Lesen unmerklich und ohne Fisimatenten.

Scrollmodus

Wer wollte konnte in der iBooks-App schon immer über das Schriftmenü auf einen Scrollmodus wechseln. Mir hat der Scrollmodus nie zugesagt, aber das geht offensichtlich nicht allen so, denn sonst hätte Amazon vermutlich nicht jetzt auch eine weitere Möglichkeit in die Kindle-App intergriert, mit der man ein E-Book lesen kann. Nämlich das vertikale Durchscrollen.

Hand und Auge

Ich habe das probiert und muss sagen, es ist nicht mein Ding. Es mag daran liegen, dass ich mich über mehrere Jahrzehnte daran gewöhnt habe, dass meine Augen von links nach rechts durch eine Zeile lesen und dann wieder – wie bei einer vorsintflutlichen Schreibmaschine – rums – an den nächsten Zeilenanfang »geschoben« werden. Wie ist das nun beim Scrollen? Dort lese ich auch meist ein paar Zeilen eher am oberen Rand. Also genau wie vorher,  ich scrolle dann aber den Text weiter hoch. Meine Augen finden nun nicht automatisch nach jeder Zeile den nächsten Zeilenanfang, nämlich eine Zeile tiefer, sondern sie müssen diesen Zeilenanfang jedesmal suchen, weil ich ja nicht immer exakt an die gleiche Stelle scrolle. Selbst, wenn ich eine ganze Bildschirmseite bis zur letzten Zeile lesen würde und dann die ganze nächste »Seite« weiter hochscrollen würde, wäre das wie der verblichene Hans Dieter Hüsch sagen würde: Millimeterarbeit. Es wäre ja eher Zufall, wenn ich die nächste Zeile exakt bis zum oberen Bildschirmrand scrollen würde. Woher soll der scrollende Daumen oder das suchende Auge denn wissen, wo die nächste »Seite« anfängt?

Die Alternative wäre, ich scrolle ununterbrochen. Ich will nicht behaupten, dass das harte Arbeit ist, sie funktioniert unbewußt, wie das Gasgeben beim Auto, aber es ist eine unnötige Aktion. Dabei lese ich beispielsweise immer nur die oberste Zeile, springe dann in der gleichen Zeile mit dem Fokus wieder nach links, wo ich schon die nächste Zeile hingescrollt habe. Für längere Texte eignet sich diese Art des Scrollen aus meiner Sicht allerdings nicht. Ich finde es sehr ermüdend. Es sei denn, der Text ist durch zahlreiche Stopper, Zwischenüberschriften, Vignetten etc. gegliedert.

Fade

Die ganz alte Variante der ersten Kindle Reader per Button »umzublättern« war für mich -vielleicht als Linkshänder – allerdings auch eher suboptimal, weil ich nie bequem an die Buttons kam und oft die zweite Hand zum »Umblättern« brauchte. Dabei fadete der Text oft etwas flackerig aus und die nächste Seite erschien.

Das hat sich in den nächsten Kindle-Generationen erheblich verbessert. Bei meinem geliebten Kindle-Touch wischt und scrollt man nicht, sondern berührt einfach nur den Rand des Bildschirms. Rechts zum weiterblättern, links zum zurückblättern. Der gelesene Text fadet nahezu flackerfrei aus und der nächste Abschnitt erscheint.

… und wie es sich anfühlt

Scrollen hat für mich eher etwas von einem tiefen Brunnen, dessen Grund ich nicht sehen kann, von dem ich noch nicht einmal weiß, ob überhaupt Wasser drin ist. Oft scrolle ich vor, um zu sehen, wie viel noch kommt. Scrollen verleitet – und ist meiner Meinung nach auch gut dafür geeignet  – zum Überfliegen von Texten. Scrollen assoziiere ich mit Arbeit. Kurz mal den Inhalt scannen. Eher etwas für den Desktop.

Swipen/wischen verbinde ich eher mit einem entspannten, zurückgelehnten Lesen, übrigens genauso – und das überrascht mich immer wieder selbst – wie das »umblättern« per click und fade. Bei der neuesten Version des Kindle-Touch funktioniert das so smooth, dass ich es nicht mehr als störend wahrnehme, und den ganzen Sommer über bei strahlender Sonne am See auf dem spiegelfreien Touch gelesen habe. Summer of reading, summer of love.

PS:

Ein schönes Goodie für alle, die weder swipen noch scrollen können, weil sie ihre Hände gerade über die Tasten eines Klaviers sausen lassen und keine Hand frei haben, sind die Pageflip Butterflys, die mit den Füssen bedient werden, um Partituren auf dem iPad umzublättern. (Gibt es jetzt auch für die neuen Kindle Fire HD, wobei man schon sehr gute Augen haben muss, um auf dem kleinen Bildschirm Noten zu erkennen)

Charakter-Special: Bedürfnisse

Charakter-Special: Bedürfnisse #1 Start

10. September 2018
Charakter-Special: Bedürfnisse #1 Leben

 Bedürfnisse

Mitte der 40er Jahre entwarf Abraham Maslow zum ersten Mal ein Modell zur Darstellungen von menschlichen Bedürfnissen. Eine Pyramide, die alles abdecken sollte, was ein Mensch jemals zum Leben benötigen kann. Mit ein paar Ergänzungen ist die Maslowsche Bedürfnispyramide noch immer ein wertvolles Hilfsmittel um menschliche Bedürfnisse darzustellen und zu verdeutlichen.

Und das ist, womit sich diese Blog-Reihe beschäftigen wird. Bedürfnissen. Der treibenden Kraft hinter allen konkreten, äußeren Zielen. Dem Motor der Motivation, dem Ursprung jeder Bewegung. Die Antwort auf die Fragen: Warum tun wir, was wir tun? Warum wollen wir, was wir wollen.

 

Bedürfnisse #1
Die Pyramide

Die Pyramide unterteilt sich in 8 Stufen, die aufeinander aufbauen. Die Basis der Pyramide bildet das ursprünglichste Grundbedürfnis und jede weitere Ebene steht für das nächsthöhere Feld von Bedürfnissen. 

Das Schema ist mehr oder weniger eine Geschichte in sich, in deren Verlauf immer neue Werte und Erwartungen eine Rolle spielen. Hat man das unterste Level erfolgreich bespielt, also das Bedürfnis befriedigt, das dieser Ebene zu Grunde liegt, rückt man automatisch ein Feld weiter und ein neues Bedürfnis tritt zu Tage. So gibt es immer etwas, nach dem wir streben, immer etwas Neues, das wir brauchen, um den nächsten Schritt in unserem Leben zu gehen.


Transzendenz
Selbstverwirklichung
Ästhetische Bedürfnisse
Kognitive Bedürfnisse
Wertschätzungsbedürfnisse
Liebes- und Zugehörigkeitsbedürfnisse
Sicherheitsbedürfnisse
Biologische Bedürfnisse

 

Welche Rolle spielen Bedürfnisse in Geschichten?

Bedürfnisse sind ein maßgeblicher Bestandteil von Geschichten, weil sie der Antrieb für jeden Entwicklungsschritt sind, die ein Charakter machen will. Und in den allermeisten Fällen ist ein Bedürfnis, dass befriedigt werden will, auch der Startpunkt für jede Story.

Unterschiedliche Stories beschäftigen sich mit unterschiedlichen Bedürfnissen.

Liebesromane drehen sich am allermeisten um das Liebes-und Zugehörigkeitsbedürfnis, das jedem Menschen innewohnt. Ein packender Thriller handelt vom Überleben, also wichtigen Grundbedürfnissen, wie Sicherheit und Überlebenskraft. Sick-Lit- na klar, mit den biologischen Bedürfnissen, die die Grundlage für unsere Existenz bilden. Wenn du dir vor Augen führst, welche Bedürfnisse in unterschiedlichen Büchern thematisiert werden, fällt dir sicherlich auf, dass es einen fließenden Übergang zischen den Ebenen der Pyramide gibt. In „The Fault in our Stars“ geht es um Gesundheit, aber eben auch um Liebe. Und die Frage nach dem Tod und allem was danach kommt, bringt immer ein gewisses Stück Transzendenz mit ins Gespräch.

Je nachdem, welches Bedürfnis im Vordergrund steht, wird die Dynamik der Geschichte entschieden beeinflusst. Ein erfolgloser Schriftsteller, der von Terroristen entführt wird, ist auf einmal nicht mehr hauptsächlich mit Selbstverwirklichung beschäftigt, sondern kämpft ums Überleben. Das erhöht die Spannung und die Dramatik schnell und effektiv. Unter Umständen führen die  die überstandenen Strapazen und der Überlebenswille den er in sich entdeckt, am Ende der Geschichte dazu, dass er die Fähigkeit errungen hat, sich selbst zu verwirklichen. In dem er, sagen wir mal, ein Buch über seine Erfahrungen schreibt. Einmal durch die Pyramide und zurück, ist eine abenteuerliche und ereignisreiche Möglichkeit, eine Geschichte zu erzählen.

Persönlichkeit und Bedeutung

Ebenso wie bei den Archetypen, charakterisiert das Hauptbedürfnis einer Figur, sie und ihre Story maßgeblich. Ein Politiker, der nach Anerkennung strebt, wird sich in einer Geschichte anders verhalten, als einer, der sich nach Liebe sehnt. Unter Umständen schätzen Charaktere ihre Bedürfnisse zu Beginn der Story völlig falsch ein und müssen erst am Ende erkennen, dass sie etwas ganz andere brauchen, als sie dachten. Es ist typisch für die Grundbedürfnisse eines Charakters, dass sie sich nach und nach bemerkbar machen. Das man sie nicht so leicht erkennen kann, wie die äußeren Ziele. Immerhin kann die Besteigung des Mount Everest unterschiedlichste Bedürfnisse ins Spiel bringen und befriedigen.

Ein Charakter mag diese Reise zum Gipfel der Welt antreten, um von seiner verstorbenen Frau Abschied zu nehmen. Ein anderer will sich seinem strengen Vater beweisen. Wieder ein anderer erfüllt sich seinen letzten Lebenswunsch. Das Spiel mit den Bedürfnissen gibt jeder Geschichte Tiefe und größere Bedeutung.

Denn jeder von uns findet sich in der Pyramide wieder. Wir sind vielleicht keine Bergsteiger, aber der Wunsch nach Sicherheit, Anerkennung und Liebe ist uns bekannt. Das heißt, auf der einfachsten und wirkungsvollsten Stufe identifizieren wir uns nicht mit der Story des Charakters, sondern mit seinen Bedürfnissen. Wir lesen also nicht einfach nur ein Buch, über eine Bergbesteigung, wir lesen eine Geschichte über Liebe, Selbstverwirklichung und Transzendenz.

Die Blog-Reihe

In den nächsten Wochen sehen wir uns gemeinsam die acht Ebenen der Pyramide an und finden heraus, in welchen Stories sie vorkommen und wie sie diese Geschichten und ihre Charaktere formen. Ich freue mich darauf!

Social-Media-Tipps für AutorInnen

Social-Media-Tipps für Autor-Innen #10 Website

5. September 2018
Die Website

Zum Abschluss der Social-Media-Tipps geht es um die Website, die ich für den wichtigsten Anlaufpunkt und Kommunikationsort für alle AutorInnen halte. Denn hier habt ihr die volle Kontrolle über grafische Gestaltung, Menüführung, Content, Bilder und Informationen über euch und eure Bücher. Diese Freiheit kommt mit einer Verantwortung wie Impressum und Datenschutz, aber das sollte euch nicht abschrecken. Einmal installiert und gut eingerichtet, ist die eigene Homepage wie eine eigenen Wohnung, ein Haus, ein Palast für eure Leser, eure Fans, die Presse, und überhaupt alle Menschen, die sich für euch und eure Bücher interessieren.

Website einrichten

Es gibt grob gesagt zwei Arten von Websites. Das eine sind statische Seiten, das andere dynamische Seiten. Blogs sind zum Beispiel dynamische Seiten. Statische Websiten sind wie kleine oder große Visitienkarten. Sie haben Unterseiten, man kann klicken, aber sie funktionieren anders als ein Blog. Meine (alte) Autoren-Website ist/war eine statische Seite. Ich habe mir sehr früh eine Website zugelegt, damals war das modern (*hüstel*) und mir dann später einen Blog eingerichtet, den man von der statischen Seite erreichen kann. Damals ging es auch darum, dass eine Seite schnell aufgerufen werden kann, also unkompliziert und einfach gestaltet ist. (Für alle Nerds: Hier zu einem Blogbeitrag mit mehr Erklärung)

Das ist alles – nicht mehr aktuell. Jetzt macht es – zumindest für AutorInnen – sehr viel mehr Sinn, eine dynamische Website zu haben, da sie mehr leistet und leichter selbst zu verwalten ist – wenn sie erst einmal erstellt ist. Von hier aus gibt es zwei Möglichkeiten oder Routen:

  • Route 1: Oh Gott, ich will es so einfach und kostengünstig wie möglich.
  • Route 2: Hey, ich will es richtig machen, zahle auch gerne etwas und habe dann alles in meiner Hand.
Die Route 1 – Einen Blog erstellen

Ihr kennt das von den vielen Buchbloggern da draußen. Die meisten haben einen Blog – den sie über einen Service gebucht haben. Umsonst und einfach zu handhaben. Klar, das könnt ihr auch als Autoren machen.

Ihr richter euch also bei Tumblr oder Blogger eine Website ein. Blogger gehört übrigens Google und dort bekommt ihr auch Support, wenn ihr erst nur den kleinen Schritt zu der eigenen Website machen wollt. Denn der ist umsonst, was ja erstmal attraktiv ist. Aber es ist eben ähnlich wie mit Twitter und Facebook etc.: Ihr habt keine eigene Domain, sondern wohnt zur Untermiete. Der Domain-Name sieht dann auch so aus, also irgendwo hängt noch blogger drin und wenn Blogger mal nicht mehr ist, dann steht ihr „auf der Straße“.

Die Route 2:  Die eigene Domain

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Archetypen, DIY-Donnerstag

Archetypen #10 : THE EXPLORER

30. August 2018
Archetypen #10 THE EXPLORER

Die Kapuze bis zum Anschlag im stürmischen Schneeregen auf dem Weg zum Himalaya oder im Unterhemd auf der Vespa in Italien, der EXPLORER Typ erlebt die Welt, indem er sie entdeckt. Erlebnisse und Erfahrungen sind die wichtigsten Quellen der Inspiration für diesen Archetyp.

Charlie Weasley

Archetypen #10 THE EXPLORERAuch wenn Charlie in den sieben Harry Potter Bänden nicht oft auftaucht, ist er einem doch sofort sympathisch. Nicht nur, weil er Rons cooler großer Bruder ist, sondern auch, weil er eine unerschütterliche Ruhe und Gewandtheit gegenüber Situationen an den Tag legt, die die meisten Leute in die Knie gehen lassen würden. Charlie arbeitet mit … Drachen. In Rumänien. Und das, obwohl er nach seiner Schulzeit in Hogwarts die Möglichkeit hatte, als Sucher in der Quidditch Nationalmannschaft zu spielen. Charlie scheint das Abenteuer und den Nervenkitzel zu lieben, die mit seiner Arbeit einhergehen. In *brenzligen* Situationen behält er stets die Nerven und er rettet Ron, Harry und Hermine aus einer echten Zwickmühle.

Stärken und Schwächen

Ein EXPLORER muss frei sein. Zu gehen, radeln, fliegen oder segeln, wohin er oder sie will. Ständig in Bewegung, ständig auf der Suche nach dem nächsten Geheimtipp sind sie faszinierende und unterhaltsame Menschen. Mit ihnen wird alles zum Abenteuer. Nicht nur trauen sich EXPLORER mehr als andere Archetypen, sie entdecken in allem den Nervenkitzel. Der unspektakulärste Spaziergang kann mit einem EXPLORER an der Spitze, schnell zu einer Querfeldeinwanderung werden, bei der man sich nach den Sternen und Moos auf den Bäumen orientiert.

Und wenn die meisten Archetypen nach so einem Ausflug erschöpft in die Kissen fallen und sich an die Stirn greifen, grinst der EXPLORER noch in der Dunkelheit. Das ist sein Gebiet. Mit unerwarteten Umständen, Überraschungen und Herausforderungen umzugehen, gibt diesem Archetyp neue Energie und motiviert ihn, weiterzugehen. Wo andere noch zögern, ist der EXPLORER schon losgelaufen. Frei nach dem Motto, „I’ll cross that bridge when I get to it.“ Und wenn es keine Brücke gibt, dann wirft sich der EXPLORER in den tosenden Strom und krault zum anderen Ufer.

Manchmal sind sie leichtsinnig oder unüberlegt, aber ihr Vertrauen in die Fähigkeit zu improvisieren und auf das zu reagieren, was vor ihnen liegt, rettet sie aus den meisten Situationen. Und kaum haben sie einen Fuß wieder auf festem Boden, recken sie die Fäuste in die Luft „Was für eine Erfahrung!“ Erfahrungen sind die Juwelen eines EXPLORER, sie sind der Schatz, nach dem er oder sie auf der Suche ist. Körperliche Erfahrungen, spirituelle Erfahrungen, zwischenmenschliche Erfahrungen.EXPLORER kosten scharfe Chilis gleich vom Strauch, laufen über glühende Kohlen, hangeln sich von Liane zu Liane oder schlagen sich durch den Großstadtdschungel. Und das alles mit einem fetten Grinsen auf den Lippen. Wenn der Wind durch ihre Haare weht und die Karte aufhört, fahren sie zur Höchstform auf.

Wünsche und Bedürfnisse

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Social-Media-Tipps für AutorInnen

Social-Media-Tipps für Autor-Innen #9 Authentizität

29. August 2018
Authentizität

Auf diesen Blogbeitrag freue ich mich schon eine ganze Weile – vor allem, weil ich mir selbst noch einmal darüber klar werden kann, was Authentizität bedeutet und warum sie so wichtig ist. Bevor ich ein wenig tiefer in die Wortbedeutung einsteige (not to be boring …), vielleicht zuerst, warum es so wichtig ist, authentisch zu sein, wenn man auf den verschiedenen Social Media Kanälen und Plattformen unterwegs ist: Es …

  • ist gesund für die Psyche
  • fällt leichter, zu posten, zu liken, zu retweeten
  • stärkt das Selbstbewusstsein
  • zieht echte Freunde und Follower an
  • erhöht die Glaubwürdigkeit
  • stärkt eure (Autoren)marke

Aber – das wissen wir alle: Es ist gar nicht so einfach, sich so zu zeigen, wie man ist. Das liegt – wenn man jung ist – vor allem daran, dass man eigentlich noch gar keine richtige Vorstellung davon hat, wer man ist. Wie man sein will? Was einem (später) wichtig im Leben sein wird? Und weil man auf der Suche ist, kopiert man andere, folgt Menschen, die es scheinbar oder auch wirklich besser hinbekommen, orientiert sich sehr viel an anderen.

Schon früh wissen, was man will?

Nun, das ist normal, wenn man jung ist. Gleichwohl gibt es Menschen/Kinder/Jugendliche, die schon sehr früh wissen, was sie wollen, was sie mögen, was ihr Stil ist, was ihre Leidenschaft. Ich hatte diesen Flash mit der Geigerin Anne-Sophie-Mutter. Ich habe früher, als Teenager, Geige gespielt. Meine Musiklehrerin hatte mich angeheuert, wel sie immer Geigen im Orchester brauchte und mich mit der Aussage verschreckt, wenn ich jetzt nich anfangen würde, wäre es für viele Insturmente (#fingerfertigkeit) zu spät. Ich habe mich sehr gequält und wollte viel lieber Schlagzeug spielen (das habe ich dann später gemacht). Und dann sah ich eine Aufnahme (Min 2:10) von der neunjährigen Anne und wusste: oh-mein-Gott! So sieht das aus, wenn man sein Instrument gefunden hat.

Okay, wir Normalsterblichen müssen in der Regel etwas länger suchen. Doch irgendwann so mit 25-30 sollten wir uns gefunden haben. Wissen, wer wir sind, was uns ausmacht, wen und was wir lieben. Und es zeigen.

Authentisch – natürlich

Viele denken, dass authentisch = natürlich bedeutet. Also kein Make-up, alles ganz pur, come as you are. Das stimmt nicht. Natürlich ist es toll, wenn man kein Make-up braucht, um sich schön zu fühlen. Aber – besonders für Künstler und Kreative – ist es oft ein großes Bedürfnis, sich zu präsentieren und auf eine Weise darzustellen, die andere als künstlich oder übertrieben empfinden. Klar, wenn es aufgesetzt ist und nicht dem wirklichen eigenen Bedürfnis entspricht, dann ist es unauthentisch. Aber: Lady Gaga im Fleischkostüm ist sehr authentisch. So ist sie. Sie provoziert gerne, sie poloarisiert gerne. Und das ist das Schwierige bei Authentizität, sie lässt sich oft sehr schwer von Fake und einem aufgesetzten Verhalten unterscheiden.

Was ist Authentizität?

Angewendet auf Personen bedeutet Authentizität, sich gemäß seinem wahren Selbst, d. h. seinen Werten, Gedanken, Emotionen, Überzeugungen und Bedürfnissen auszudrücken und dementsprechend zu handeln und sich nicht durch äußere Einflüsse bestimmen zu lassen (Harter, 2002). Gruppenzwang und Manipulation beispielsweise unterwandern persönliche Authentizität. (Wikipedia)

Die Sozialpsychologen Michael Kernis und Brian Goldman haben vier Eigenschaften herausgearbeitet, die man haben muss, um authentisch sein zu können: (Quelle)

  • Bewusstsein – Ein authentischer Mensch kennt seine Stärken, Schwächen, seine Gefühle und Motive für ein bestimmte Verhalten. Er kann über sich selbst kritisch nachdenken.
  • Ehrlichkeit – Zu sich selbst. Also die Fähigkeit, seine Fehler und Unzulänglichkeiten anzuerkennen.
  • Konsequenz – Ein authentischer Mensch handelt nach seinen Werten und Überzeugungen. Er lässt sich nicht von anderen beeinflussen oder von Normen unter Druck setzen.
  • Aufrichtigkeit – Die Fähigkeit, seine positiven und negativen Seiten in sozialen Beziehungen offen zu zeigen und nicht zu verleugnen.

Der Mut, man selber zu sein. Ehrlich, stimmig, unverbogen, ungekünstelt – sind die Begriffe, die einem einfallen, wenn man an einen authentischen Menschen denkt.

Authentizität und Social Media

Ich fand es am Anfang ausgesprochen schwierig, die Balance zwischen einem authentischen und einem gekünstelten Beitrag/Post/Bild auf Socialen Plattformen zu halten. Es war mehr so ein diffuses Gefühl. Nein, das wäre jetzt affig! (Mich beim Frühstück zu fotografieren und dann ganz lässig tun, während ich eine halbe Stunde nach dem richtigen Licht und Winkel gesucht habe.) Oder auch: Doch! Ich will das genauso umständlich und aufwendig haben, damit das Buch/Blumenstrauß/ich selbst gut aussehe.

Viele Post finde ich schrecklich/hässlich/übertrieben – muss aber zugeben, dass sie sehr authentisch rüberkommen. Andere sind stylish und chic und wirken – fake. Wir haben im Deutschen ja dieses wunderbare Wort: aufgesetzt. Also so tun, als wäre da noch etwas über einem, als wäre man größer und toller, als man eigentlich ist. Ihr kennt das sicher, wenn man den Post von jemanden sieht, den man in real life kennt, der oder die sich als erfolgreiches Model/Schauspieler/Künstler/Musiker darstellt, man selber aber weiß, dass er oder sie eigentlich verzweifelt/mittelmäßig/langweilig ist.

Find your voice

Die eigene Stimme, den eigenen Look, die eigene Ausdrucksweise finden. (Übrigens auch eine sehr wichtige Frage, wenn es um das Schreiben geht): Denn wenn ihr die nicht findet, dann werden eure Leser/Käufer/Follower früher oder später merken, dass hinter der mühsam aufgerichteten Fassade oder dem nachgeahmten Schreibstil nichts Eigenes ist.

Das Finden und Erfinden des eigenen Auftritts, der zu euch passt, in dem ihr euch wohlfühlt, der euch optimal repräsentiert, ist eine Kunst für sich. Hilfestellungen gibt es überall. Das kann auf You Tube sein, in einem Onlinekurs oder in einem persönlichen Coaching. Und muss nicht unbedingt etwas kosten.

Am besten findet man es sowieso heraus, in dem man einfach beginnt und dann korrigiert. Allerdings sollten die Korrekturen nie durch Meinungen von außen oder ein Gefühl der Minderwertigkeit ausgelöst werden. Schließt besser die Augen und fragt nach innen, was wichtig ist, was euch interessiert, was ihr gerne zeigen wollt, wofür ihr steht. Entfolgt Accounts, die (und ich weiß, dass diese Accounts die Anziehungskraft von Autounfällen haben – man muss einfach hinsehen) superfake sind, auch wenn sie viele Follower haben und folgt lieber kleinen und echten Accounts. Seht weniger auf die Zahlen, als auf die Menschen dahinter. Und natürlich: Seid selber authentisch.

Meine Social-Media-Reihe geht so langsam zu Ende. Nächste Woche kommt mein letzter Beitrag zu diesem Thema, es geht um Websites. *Hüstel*. Mein Plan war ja, dass ich meinen eigenen Website-Relaunch dann auch präsentieren kann. Not so sure yet. Aber ich werde in der nächsten Woche auf jeden Fall erklären, was ich für wichtig und gut halte, wo und wie ihr eure Seite hosten solltet und warum die Website so wichtig für euer Autorenleben ist.

Bis dahin eine gute Zeit!

xoxo

Katrin

 

#redbugwriting #socialmedia #schreibtipps #rbpub