Archetypen, DIY-Donnerstag

Archetypen #7 : THE MAGICIAN

21. Juni 2018

Archetypen #7 the magician


Es gibt Sachen, die gibt’s gar nicht. Ob weiße Kaninchen aus Hüten schlüpfen, oder du unterwegs deine Mails checken kannst, der MAGICIAN macht Dinge wirklich, die du vorher nicht für möglich gehalten hättest. Dafür ist es für diesen Typ besonders wichtig, das Schalten und Walten unseres magischen Universums zu untersuchen und die Vorstellung von dem, was wahr und machbar ist, bis ins Unendliche zu dehnen. Viele Technikmarken haben diesen Archetyp, aber auch in anderen Bereichen des Lebens finden sich MAGICIANS.

 

Albus Dumbledore

Für viele der mächtigste Magier der Zauberwelt, ist Dumbledore ein gutes Beispiel für einen MAGICIAN. Er ist nicht nur talentiert, versiert und gebildet, sondern auch neugierig, erfindungsreich und besitzt die außerordentliche Fähigkeit, andere zu wahrer Größe zu inspirieren.

Seine Präsenz gibt einem das Gefühl, dass alles möglich ist.
Er hat es an sich, andere zu ungeahnten Leistungen zu befähigen.

Fern davon sich einzubilden, alles über die magische Welt zu wissen, ist Dumbledore immer auf der Suche nach neuen Antworten und, vielleicht noch wichtiger, neuen Fragen. Seine unvoreingenommene Art macht es ihm möglich, Situationen aus einer anderen Perspektive zu sehen und Menschen vorurteilsfrei zu begegnen.

Dumbledores Vergangenheit gibt Aufschluss darüber, inwiefern MAGICIANS Moral, Ethik und Traditionen hinterfragen, um an den Kern einer Angelegenheit oder ihr größtes Potential zu gelangen.

Stärken und Schwächen

Ein gewisser Größenwahnsinn haftet so gut wie allen MAGICIANs an, aber das liegt ganz einfach daran, dass sie sich für die ganz großen Fragen interessieren. Wie kann man unsere Welt besser machen? Wie kann man Dinge erfinden, die den Lauf der Geschichte verändern?

Oft sind MAGICIANS an einem Themenfeld interessiert, in dem sie mit dem ihnen eigenen Ehrgeiz und Wissensdurst, schnell zu Experten werden. Aber auch die Verbindung unterschiedlichster Disziplin gehört zu ihren Interessen. Ob mystisch oder magisch, praktisch oder logisch, dem MAGICIAN ist keine Theorie zu spröde, abgefahren oder weit hergeholt.

MAGICIANS haben die Möglichkeit, aus allem das Beste herauszuziehen und so die magischen Fähigkeiten zu entwickeln, denen sie entgegenstreben. Denn sie besitzen Drive. Sind interessiert daran, ihren Erfindungsreichtum und Führerqualitäten unter Beweis zu stellen. Obwohl, wie auch Dumbledore, die meisten MAGICIANS vor Posten zurückschrecken, die sie zu sehr einschnüren. Bürokratische Enge und verknöcherte Verantwortung sind nicht ihr Ding. Sie fühlen sich wohler in der Welt der Möglichkeiten, der Potentiale und der Entwicklung. Hogwarts ist also der perfekte Ort für jemanden wie Dumbledore.

Wünsche und Bedürfnisse

Auch wenn sie bisweilen anecken, tut es MAGICIANS gut, unter Menschen zu sein. Sich mit ihnen auszutauschen und auseinanderzusetzen. Denn, wer wie sie, den Lauf der Planeten, die Zusammensetzung von Uran oder Verteidigung gegen die dunklen Künste studiert, profitiert ganz ungemein davon, die sanften und menschlichen Qualitäten anderer genau so eifrig unter die Lupe zu nehmen. So haben MAGICIANS die Möglichkeit mit ihren Erkenntnissen nicht nur sich selbst, sondern auch andere zu begeistern und weiter zu bringen.

MAGICIANS brauchen Raum, um groß zu denken. Es macht keinen Sinn, sie mit abgesteckten oder veralteten Vorstellungen einzuengen. Bisweilen können MAGICIANS fast besessen von einem Thema oder einem Projekt sein, an dem sie arbeiten. Dann ist es sinnvoll, sie sanft daran zu erinnern, dass auch sie einen vergänglichen Körper und einen empfindlichen Geist haben. Selbst wenn ihre Ideen ewig leben.

Wenn ihr Blick in eine weite, hypothetische Ferne gerichtet ist und die Gedanken mit den Planeten kreisen, kann es ein wertvoller Hinweis sein, dass das Leben auf der Erde endlich ist. Und das es gelebt werden will. MAGICIANS genießen Musik, Kultur und feine Dinge. Alles was mit Herzblut und Expertise gefertigt ist, verzaubert und berührt sie.

Manchmal geraten MAGICIANS in Panik, weil es bei unendlich vielen Ideen doch nur eine begrenzte Zeit gibt und sie umzusetzen. Meistens fangen sie sich aber wieder und verlassen sich auf ihr scharfes Urteilsvermögen und ihre Begabung, aus dem ganz Großen etwas Handfestes zu machen.

Talente und Berufungen

MAGICIANS wollen wissen, wie alles zusammenhängt. Sie sind am kleinsten Detail und der größten Verbindung interessiert. Bei all den Ideen, denen sie nachgehen, verlieren sie selten den Blick für das große Ganze. Sie sind inspirierende Erfinder, Wissenschaftler, Lehrer und Gelehrte. Forscher, Entwickler und Leader.

Möglich zu machen, was man nicht für möglich hält. Das ist die Aufgabe und die größte Motivation für MAGICIANS. Egal ob das bedeutet, einem Menschen eine zweite Chance zu geben oder das iPhone zu erfinden. Sie sind dazu da, um die Grenzen unsere Welt zu weiten und den Blick für die unendlichen Möglichkeiten zu schärfen, die in jedem von uns schlummern. Wo andere schon zufrieden sind, denken MAGICIANS weiter, versuchende Tiefen und Weiten des Universums auszuloten, in dem wir leben. Und kommen so, auf absolut magische Ideen.

Als Harry bei den Dursleys unter der Treppe wohnt, kann er nur ahnen, dass es da draußen noch eine andere, weite Welt gibt. Eine Welt, in der alles möglich ist, von dem er bislang nur träumen konnte. Das ist die Welt der MAGICIANS.

Archetypen #7 THE MAGICIAN

Cover Secrets, DIY-Donnerstag

Cover Secrets #6 Arbeiten mit Ebenen

14. Juni 2018
Arbeiten mit Ebenen, Layern und Vignetten

So, nun komme ich zu den Feinheiten der Covergestaltung. Oder zu den Basics, denn jeder gute Covergestalter wird sich nicht mit einem Bild und Schrift drauf begnügen. Im Gegenteil, er wird versuchen, ein Cover so vielschichtig wie möglich zu machen. Und das meine ich im übertragenen, aber auch im wortwörtlichen Sinne:

  • Ein Cover, das viele verschiedene Signale sendet. Den Autor, den Titel, das Thema, das Genre deutlich macht. Die literatische Bedeutung herausarbeitet. Buchhändler und Leser anspricht.
  • Ein Cover, das aus vielen verschiedenen Bildebenen besteht, die so geschickt übereinander gelegt und zusammengestallt sind,so  dass ein einheitliches, wirkungsvolles Cover entsteht.

Der Minimalentwurf muss zumindest eine Grundfarbe, Name der AutorIn, Titel und vielleicht noch den Zusatz, Roman oder Thriller etc. enthalten.

Obwohl beide Cover sehr minimalistisch sind, habe ich hier – natürlich mit Absicht – schon viel richtig gemacht.

  • Schrift passt zum Genre
  • Nicht zu viele Schriftarten verwendet
  • Sinnvolle Aufteilung auf der Coverfläche

Und ganz so einfach sind diese Cover auch gar nicht, da ich für die Grundfarbe und jede Schriftinfo eine eigene Ebene in meinem Fotovbearbeitungsprogramm (Photoshop) angelegt habe. 4 Ebenen. Warum? Weil ich – wenn ich die Farbe ändern will oder die Schriftart, nicht ganz von vorne anfangen muss. Ich kann jede Ebene seperat verändern.

Stellt euch das so vor, als ob ihr das Cover aus einem Blatt Papier und Wortschnipseln  erstellt. Ihr nehmt ein einfarbiges Papier, schneidet die Worte aus und schiebt dann auf dem Cover so lange herum, bis es euch gefällt. Das hört sich kindisch an, ist aber eine sehr gute Methode, sich an Proportionen und Schriftgrößen heranzutasten. Außerdem – wenn ihr zwar eine optische Vorstellung von eurem Cover habt, aber das Cover nicht selber gestalten wollte, dann könnt ihr euren Papierentwurf an eine CovergestalterIn geben und sagen: So in etwa!

Adobe Photoshop

Nun sieht das Ganze als Entwurf schon etwas traurig aus. Man will mehr sehen, mehr über das Buch erfahren. Und hier sollte ich ein Werkzeug einführen. Keine Angst, das wird keine Werbung, das hat Adobe Photoshop gar nicht nötig. Es ist nur das Programm, mit dem ich seit 10 Jahren arbeite und mit dem ich mich am besten auskenne. (In einem weiteren Blogbeitrag zeige ich euch dann, wie ihr mit Online- Gestaltungsprogrammen und Apps sehr kostengünstig bis umsonst arbeiten könnt und auch so zu einem schönen Cover kommt.)

Photoshop von Adobe ist ein großartiges Fotobearbeitungsprogramm, jeder Gestaltungsprofi verwendet es. Es arbeitet unter Mac und Winsows, es ist ein Klassiker. Ich rechne nicht damit, dass ihr es euch anschafft, falls ihr es nicht schon habt, denn es kostet mittlerweile monatlich in der Creative Cloud im Abo so um 60 Euro/mtl und ist selbst als Einzelprogramm, also ohne Cloud, so ihr es noch irgendwo bekommt, sehr teuer. Aber um das auch ganz klar zu sagen: Photoshop ist DAS Program, was man sich anschaffen sollte, wenn man vorhat, professionelle Buchcover zu erstellen.

Ich bin sehr dafür, dass man die Technik günstig und die Tools einfach hält, denn wichtiger für die Covergestaltung als jedes Gestaltungsprogramm ist die Fähigkeit des Gestalters, gut mit Proportionen, Typografie, Farben und Bildaufteilung umzugehen. Kurz: Wenn ihr keine guten gestalterischen Fähigkeiten habt, nützt auch das teuerste Programm wenig.

Gestalten mit Photoshop

Zu wissen, wie man mit Ebenen arbeitet, ist vermutlich das wichtigste Tool bei Photoshop. Ihr könnt das Online lernen oder euch selbst beibringen, ich gebe euch hier nur eine kurze Einführung in die Möglichkeiten, die Photoshop bietet. Hauptsächlich will ich euch für die verschiedenen Ebenen sensibilisieren, die ein gutes Cover hat und braucht.

Hier sehr ihr die 3 Schriftebenen. Wenn ich will, kann ich auf das kleine Auge links der Ebene klicken und diese Ebene ausschalten. Natürlich kann ich sie auch verändern, also den Text. Und ich kann Ebenen verdoppeln, wenn ich eine Ebene verändern will, aber noch nicht sicher bin, ob mir das gefällt. Dann habe ich sozusagen immer noch die alte Ebene in Reserve.

Hier habe ich die lila Ebene verdoppelt und ein Ornament ausgeschnitten. Unter dem ausgeschnittenen Ornament habe ich eine rosa Ebene eingefügt. So erscheint das Ornament rosa. Ich hätte es auch anders machen können, also gleich ein rosa Element einsetzen können – auf einer extra Ebene. Die oberen Ebenen verdecken die unteren Ebenen. Hier liegen die Schriftebenen ganz oben.  Aber – keine Angst – ihr könnt die Ebenen auch verschieben und entscheiden, welche Ebene ihr oben und welche ihr unten haben wollt. Schicht für Schicht könnt ihr so euer Cover aufbauen.

Vignetten

Es gibt n0ch eine Ebene, die ich eingefügt habe und die jeder, der ein Smartphone besitzt, wird sie kennen. Unter den verschiedenen Tools, mit denen ihr ein Foto bearbeiten könnt, gibt es auch die Vignette. Die Vingette hat die Funktion, den Blick des Betracherts zu fokusieren und stärker auf das Objekt/Bild zu lenken. Zudem ist es, als ob ihr in eine Szene hineinblickt. Die Vignette gibt dem Foto Tiefe.

Wenn ihr euch an das Beispiel von letzter Woche erinnert, dann wird euch jetzt vielleicht auffallen, dass der Coverdesigner auf dem Kissing-more-Cover genau das gemacht hat: Um den Blick stärker auf den Buchtitel zu fokusieren, wurde diese Vignettte eingefügt.

Die Vorlage, also das Origninalbild, hat übrigens auch eine Vignette. Wenn ihr genau hinseht, erkennt ihr, dass die Ecken des Bildes dunkler als der Rest sind. Die hat der Fotograf bei der Bildbearbeitung eingefügt. Vignetten sind eine ziemlich geniale Art, Tiefe in ein Bild zu bringen und den Blick des Betrachters auf den wesentlichen Teil eures Covers/Bildes zu lenken.

Layer

Als Layer bezeichne ich eine transparente Ebene. Die Vignette ist in diesem Fall auch ein Layer, also eine leicht transparente Ebene, die über dem Cover liegt. Man sieht durch einen Layer auf die nächte Ebene. So, als ob ihr eine transparente und farbige Folie über ein Bild legt. Das Geniale an Photoshop ist – man kann jede Ebene in einen Layer verwandeln, indem man die Deckkraft der Ebene reduziert.

Hier habe ich die Deckkraft der schwarzen Vingette auf 48 % heruntergesetzt, damit sie unauffällig ist. Ein weiteres Beispiel: In meinem Beitragsbild liegt ein tranparenter weißer Layer über dem Bild. Darauf habe ich den Titel des Blogbeitrags geschrieben, der so besser lesbar ist. Mit Ebenen und Deckkraft habt ihr unendliche Möglichkeiten, eure Cover zu gestalten. Ihr könnt auch Deckkraft von Fotos herunterziehen.

Und so – zum Beispiel – zwei Fotos ineinanderblenden. Ein sehr schönes Beispiel für die Arbeit mit Layern ist die Covergestaltung von Sonya Pletes für die deutschen Twilight Cover. Auch wenn ich kein Fan des Inhalts bin – auf die Cover bin ich richtig neidisch. Über dem Foto des Mädchens liegt eine Blume mit einer gelben Blüte (mit vielleicht 30 % Deckkraft), die auf der Stirn endet. Das Cover wirkt geheimnisvoll, mysteriös, gleichzeitig emotional und stimmungsvoll.

Auch die Deckkraft einer Schrift kann heruntergezogen werden. Ihr seht das bei dem zweiten „s“ in Biss zur Morgenstunde, es ist blasser. So erhält der Satz zwei Lesarten: Bis zur Mittagsstunde oder (Ein) Biss zur Mittagsstunde. Ein Wortspiel, das ich immer gehasst habe, weil es einfach überhaupt nicht raffiniert ist. Aber – schön gestaltet.

Gestalten mit Ebenen und Layern

Wie immer nützen einem Tools nichts, wenn man sie nicht geschickt benutzen kann. Dies ist aber schlicht eine Sache der Erfahrung und des Trainings. Eine Regel könnt ihr euch auf jeden Fall merken: Wenn die Einzelelemente euer Gestaltung, also die Fotos oder die Muster und Ornamente, nicht gut gewählt oder qualitätsvoll sind, werden sie auch durch das miteinander Mischen nicht besser. Das ist ein wenig so wie beim Kochen: Gute Zutaten, intelligent zusammengestellt und miteinander kombiniert, ergeben ein gutes Gericht.

Wie schon gesagt, gibt es Plattformen im Internet, die viele Photoshjop-Funktionen haben und mit denen ihr Online ein Cover kreieren könnt. Doch bevor ich euch diese vorstelle, ist es wohl sinnvoll, ein paar Worte über Typografie, also die Schrift auf dem Cover zu verlieren. Da dies ein umfassendes Thema ist, werden das vermutlich zwei bis drei Blogbeiträge werden, in denen ich euch erzähle, wie ihr an günstige Schriftfonts herankommt, wie ihr sie kombiniert und welche Schrift am besten zu welchem Cover passt.

Bis in vier Wochen und –

Eine kreative Zeit!

Katrin

#cover #redbugwriting #covergestaltung

7 Wege zu einer Buchidee

7 Wege zu einer Buchidee #7 INSPIRIERT

13. Juni 2018
Inspiration

Nun – natürlich durfte bei den Wegen zu einer Idee die Inspiration nicht fehlen. Und sogleich befinde ich mich auf ganz dünnem Eis, denn viele von euch werden sagen: Inspiriert? Was soll das sein? Meint man nicht einfach nur: Mir fällt was ein? NEIN. Genaus das ist Inspiration nicht. Keine Lösung oder tolle Idee (Ich könnte mal was über Vampire schreiben!), sondern eine Eingebung, die von irgendwo anders als dem eigenen Gehirn, dem Verstand zu kommen scheint.

Unter Inspiration (lateinisch inspiratio ‚Beseelung‘, ‚Einhauchen‘, aus in ‚hinein‘ und spirare ‚hauchen‘, ‚atmen‘; vgl. spiritus ‚Atem‘, ‚Seele‘, ‚Geist‘) versteht man allgemeinsprachlich eine Eingebung, etwa einen unerwarteten Einfall oder einen Ausgangspunkt künstlerischer Kreativität. (Wikipedia)

Sehr früh, aber nachweisbar der Antike, fragten sich Künstler, woher sie ihre Ideen wohl bekommen und selbstredend spielten auch die Götter eine große Rolle. Cicero sah die Idee als einem unerwarteten Hauch, der den Poeten ereilt – eine mächtige Gewalt, deren Wesen der Poet hilflos und unbewusst ausgesetzt sei.

Schon Platon wollte das alles etwas sachlicher haben, doch mal ganz dreist zusammengefasst – bei allem Hin- und Her – ist es immer noch so, dass Künstler behaupten, dass ihnen Ideen von außen/oben zugefliegen. Auf einmal da sind, ohne Nachdenken, ohne logisches Denken. Ich kann das bestätigen und – nicht wirklich erklären, also wie es funktioniert und was da passiert. Keiner kann das.

Inspiration im Wandel der Zeit

Wie alle Begriffe und Vorstellungen, hat sich auch die Vorstellung von der Inspiration über die Jahrhunderte verändert. Oder besser gesagt: Es gab verschiedene Interpretationen. Da Inspiration im Christentum eine große Rolle spielt, rücken viele gerne davon ab. Auch wegen Sätzen wie diesen:

Gemäß der Annahme einer Verbalinspiration wird der Wortlaut der Bibel selbst als von Gott inspiriert angesehen. (Wiki)

Da ich Theologie studiert habe, weiß ich, dass an der Bibel nicht ein Mensch, sondern etliche gschrieben haben: Historiker, Poeten, Autoren. Und das noch nicht mal in einer kreativen Sitzung, sondern über Jahrhunderte verteilt. Alle inspiriert? Ja, sagen die Kirchenväter, aber vor allem ist die ganze Bibel, das Gesamtwerk, ein von Gott mitgeteiltes Werk. Daran haben sich viele Wissenschaftler abgearbeitet, aber das sprengt hier das Thema. Ich will nur klar machen, warum der Begriff „Inspiration“ für unsere rationale und vermunftorientierte Welt manchmal etwas schwer zu schlucken ist. Fast so schwer wie „unbefleckte Empfängnis“.

Big Magic

„Für einen Moment stellten sich mir die Nackenhaare auf, und mir wurde schlecht, ein wenig schwindelig. Es fühlte sich an, als würde ich mich verlieben oder hätte gerade etwas Erschreckendes erfahren oder würde von einer Klippe auf etwas Wunderschönes, und Faszinierendes, aber Gefährliches blicken. Diese Symptome verspürte ich nicht zum ersten Mal, also wusste ich sofort, was los war. Eine derart intensive emotionale und körperliche Reaktion erlebe ich nicht oft, aber oft genug (und sie deckt sich ziemlich mit den Symptomen, die Menschen auf der ganzen Welt zu allen Zeiten geschildert haben), um sie getrost bei ihrem Namen zu nennen: Inspiration. So fühlt es sich an, wenn eine Idee zu dir kommt.“ (Elizabeth Gilbert in „Big Magic“, 2015)

Elizabeth Gilbert ist Journalistin und Autorin, sie lebt, sie schreibt – heute. Ich will damit sagen: Das Thema ist noch nicht vom Tisch. Oder etwas poetischer: Inspiration ist die höchste Form einer künstlerischen Eingebung.

Was da passiert ist seltsam, unerklärlich, aber als Künstlerin habe ich diese Momente, besonders als Malerin, sehr oft erlebt. Im Schreiben gibt es ein paar markante Situationen, in denen ich eine Idee für ein Projekt im Bruchteil einer Sekunde komplett empfangen habe. Es war kein Zusammensuchen, die Idee war da, von vorne bis hinten. Genau wie Gilbert es schildert, war ich danach leicht hungrig, dieses taumelige Gefühl, man weiß gar nicht so recht, was da gerade passiert ist.

Mehr als eine Idee

Wenn man eine KünsterIn ist, arbeite man im Grunde sein ganzes Leben daran, offen zu bleiben. Für Eindrücke, für Gefühle, für Inspiration. Das ist das Schwerste. Denn diese Offenheit kommt mit einem hohen Preis. Das, was für andere ganz normal ist: Arbeiten, Listen, Aufgaben, Pünktlichkeit, Geld verdienen, Pflicht erfüllen – löst sich immer mehr auf. Es verträgt sich nicht unbedingt mit diesem Zustand von schwindeliger, taumeliger Abgehobenheit. Zudem sind inspirierte Ideen meist ihrer Zeit voraus, oder so „merkwürdig“, dass die wenigsten Verleger oder Agenten ein Gespür dafür haben und sie verstehen oder erspüren können, welches Potential in ihnen liegt. Alles das, was ihre Großartigkeit ausmacht, sieht unter Marktbedingungen sehr zweifelhaft aus.

Woher kamen die Ideen für die Harry Potter-Bücher?

J. K.. Rowling: Ich habe keine Ahnung wo die Ideen herkamen und ich hoffe es auch niemals herauszufinden, es würde mir die Freude verderben wenn sich herausstellen würde dass ich eine lustige kleine Falte auf der Oberfläche meines Gehirns habe, die mich an unsichtbare Bahnhofsgleise denken lässt. (Quelle)

Mein Lieblingsbeispiel: J. K. Rowling. Sie hatte ihre Harry-Potter-Inspiration 1990 in einem Zug auf der Fahrt von Manchester nach London. Die ganze Idee, wie sie sagt, war auf einmal da.

Un- inspiriert

Ein Buch mit einem schönen Plot, gut erdacht, ist eine solide Sache. Es ist – okay. Im Drehbuchbereich musste ich so arbeiten, ich konnte nicht auf Inspiration warten und habe mir oft etwas ausdenken müssen, damit ich etwas vorzeigen oder abgeben konnte. Für viele Autoren ist es ähnlich. Der Verlag sucht etwas (meist teilen das die Agenten den Autoren mit) und der Autor überlegt sich was. Schlau. Geschäftstüchtig. Na, klar. Wenn man davon leben will, kann man nicht warten, bis die Muse einen küsst, was nichts anderes heißt, als inspiriert zu werden. Seltsamerweise merkt man Büchern allerdings an, wenn sie uninspiriert geschrieben wurden.

Ich will das Brojob-Schreiben nicht verurteilen, aber ich denke, das wir viel mehr inspirierte Bücher brauchen. Doch wie sollen sie entstehen? Inspirierte Ideen kommen nicht, wenn man sich mal eben auf das Bett legt und die Augen schließt. Und selbst wenn man dann endlich eine hat, sind sie sehr viel schwerer in einem Verlag unterzubringen. Selbst wenn so eine Idee dann veröffentlihct ist –  erkennen die Leser die Idee oft nicht an, und verstehen sie vielleicht erst Jahre oder Jahrzehnte später.

Auch Künstler unterschätzen ihre besten Einfälle oft. Die Idee kam so schnell und merkwürdig (das Wort muss ich einfach öfter benutzen), dass sie diese Eingebung als nicht wirklich wichtig erachten. So ging es Stephen King mit seiner Idee für „Carrie„. In seiner Autobiografie „On Writing“ erzählt er, dass er das Manuskript in den Papierkorb geworfen. Bäm, weg damit, war zu einfach, ist bestimmt Schrott. Seine Frau es herausgeholt hat und King beschworen hat, daraus ein Buch zu machen. Sein erstes veröffentlichtes Buch!

Finding the magic

Das Gemeine an Inspirationen ist, dass sie nicht auf Kommando kommen. Es gibt kein Rezept. Sich in die Wanne legen, einen Spaziergang machen, meditieren – alles gut und schön, aber wenn ich zurückdenke, dann wurde ich in den merkwürdigsten und unerwartetesten Momenten inspiriert. Und nicht einmal, als ich es darauf angelegt habe. Also, hey, nicht aufgeben!

Denn … Ich bin überzeugt davon, dass Bücher, die auf einer inspirierten Idee basieren, am längsten bleiben und am wertvollsten für die Menscheit sind. Wir brauchen – alle – inspirierte Werke. Sie erinnern uns an etwas Größere, Besseres, Vollkommeneres. Erheben uns. Nein, ich sag nicht göttlich. Oder christlich. Das ist gar nicht nötig.

Auf Inspiration zu warten, kann sehr zermürbend sein, da garantiert die Miete zwischendurch fällig wird. Doch wachsam für diese Momente zu bleiben, in denen man diesen kleine Schauer hat, dieses Prickeln spürt, einem leichten Schwindel hat, lohnt sich. Selbst wenn es am Ende nur das eine Buch ist, das diesen Anspruch erfüllt. Nur ein Werk, das von euch in Erinnerung bleibt.

Okay, das klang jetzt fast nach Predigt. Und ist auch schon der Abschluss dieser Blogreihe. In den nächsten beiden Wochen bin ich in Schreibklausur. Was danach am Writers Wednesday stattfindet, ist noch nicht ganz klar, wir haben ein paar Ideen, die werden wir in den beiden nächsten Wochen mal hin- und herschaukeln. Kann ja sein … wir werden inspiriert, etwas vollkommen anderes zu machen. Mal sehen!

Eine gute Zeit!

xoxo

Katrin

#redbugwriting #rbpub #amwriting #schreibtipps

DIY-Donnerstag, Epub Insights

EPUB INSIGHTS #6 Italics

7. Juni 2018

Howdy liebe AutorInnen und SelfpublisherInnen,

immer wieder kommt es vor, dass in Romanen Textstellen, einzelne Wörter oder längere Passagen herausgehoben werden sollen. Hier kommen dann oft italics zum Einsatz.

Dabei spielt es keine Rolle, ob der Text für eine digitale oder analoge Ausgabe gesetzt wird.

Italics ist die englische Bezeichnung für kursive Schriftschnitte. Sie sind im 16.Jhd in Italien eingeführt worden und der Begriff hat sich jetzt in der englisch dominierten Computersprache durchgesetzt.

Einfach nur schräg?

Auf den ersten Blick handelt es sich einfach um eine nach rechts schräggestellte Schrift. Nun wird aber nicht einfach die normale Schrift zur Seite gekippt (das nennt man oblique), sondern jede gute Schrift enthält einen eigenen Schriftschnitt mit kursiven Buchstaben. Sie unterscheiden sich oft von den Buchstaben der Normalschrift.

In manchen Schriften, wie hier in der Calibri werden das a und das g einstöckig, das f erhält eine Unterlänge etc.

In anderen gibt es in der kursiven Variante Ligaturen, die im normalen Schriftschnitt nicht vorkommen.

Manchmal gibt es auch echt crazy Versuche, das kursive Zeichen vom normalen abzusetzen. Des et-Zeichen hier in der Garamond ist so ein Fall. Er geht meines Erachtens fast ins Unleserliche, obwohl die ursprüngliche Kombination aus e und t eher zu erkennen ist.

Wann italics?

Da es sich um Hervorhebungen im Text handeln soll, versteht es sich von selbst, dass die italics nur sparsam eingesetzt werden sollten.

Auf keinen Fall ganze Abschnitte, Briefe, Epiloge, Prologe etc in italics setzen. Kursive Schrift ist in meinen Augen meist schlechter zu lesen, als aufrechter Text. Ich persönlich neige dazu, langen kursiven Text zu überspringen, oder zumindest flüchtiger zu lesen. Er zeigt, wenn er abschnittweise benutzt wird, hier kommt etwas, das nicht direkt mit der Haupthandlung zu tun hat. Also höchstens überfliegen und weiter  zur eigentlichen Story. Damit bewirkt kursive Schrift genau das Gegenteil von dem, was sie eigentlich erreichen soll. Statt die Textstelle betont herauszuheben und die Aufmerksamkeit auf sie zu lenken, hetzt sie mich als Leser vom Text weg.

Wann kommt kursive Schrift also zum Einsatz? Was wird in italics gesetzt?

  • Betonungen

»Du machst Frühstück?«

Doch richtig Klick gemacht hatte es nicht.

  • Firmen-/Markennamen

»Gehen wir noch zu Starbucks

wenn ich mal die Gala oder eine andere dieser Hochglanzzeitschriften las.

Gerion bockte seine Harley vor dem Zeltplatz auf.

»Hast du die Nivea-Werbung gesehen?«

als käme sie direkt aus einem Tim-Burton-Film.

  • Filmtitel

Auf der Premiere von Heimweh.

  • Buchtitel

Hast du schon Love on Paper gelesen

  • Song-/Plattentitel:

Ich konnte nicht glauben, dass es mein Handy war, das Mercedes Benz spielte.

Ich versuchte nicht daran zu denken, dass ich mir für den Preis Janis Joplin’s Greatest Hits auf Vinyl hätte kaufen können

  • Songtexte

Hey Brother! There’s an endless road to rediscover.

  • Kurze innere Gedanken:

Obwohl ich ihn in meinem Kopf sehr deutlich hörte: Gib es auf, Alter!

Ich ergänzte ihn still in meinem Kopf: Lasse.

Und alles wegen mir, hätte ich hinzufügen können.

Unauffällig verschwinden? Zum einen, um mir eine endlose Diskussion mit Sophia zu ersparen, …

Nicht meine Aufgabe! Schon klar.

Das kann doch jetzt nicht wahr sein.

  • Zitate

Die Überschrift prangte mir entgegen: Lasse Paulsen tödlich mit Motorrad verunglückt. 

Auf dem Küchentisch lag ein Zettel. Schlafe bei Ole.

  • Ausrufe

»Fuck!« Gerion warf sich zurück ins Zelt

  • Text in einer anderen Sprache

Okay, right! Ich hatte Lasse meinen Namen verschwiegen.

Noch mal an den Fans vorbei? No way.

  • Um die Bedeutung eines Textes eindeutiger zu machen

Er hätte die Schokolade teilen können

Er hätte die Schokolade teilen können

Er hätte die Schokolade teilen können

  • Schiffsnamen

Die Pauline segelte am Kieler Leuchtturm vorbei.

Die meisten Beispiele stammen übrigens aus Flying Moon – Lasse von Katrin Bongard.

Und was ist mit den Satzzeichen?

Kursive Buchstaben, Ziffern und Satzzeichen unterschneiden den Bereich des vorangehenden Zeichens.  Das gilt übrigens nicht nur für die hohen Ruf-  oder Fragezeichen, sondern auch für die niedrigen wie Kommas, Semikolons, Punkte, Doppelpunkte und Ellipsen. Sie erscheinen daher näher an den vorangehenden Buchstaben herangerückt.

Es gibt ja nun Fälle, in denen das Satzeichen zum kursiven Textteil gehört.

Sie rief: »Awesome!« Übrigens werden hier auch beide Anführungszeichen kursiv gesetzt.

Im Gegensatz zu folgendem Beispiel:

»Sie war einfach awesome!«

Hier gehört das Rufzeichen nicht eigentlich zum kursiven fremdsprachigen Wort, sondern zu dem gesamten Ausruf. Es müsste also heißen:

»Sie war einfach awesome!« In diesem Falle, in dem nicht die gesamte wörtliche Rede kursiv ist, werden auch die beiden Anführungszeichen aufrecht gesetzt. Entsprechendes gilt auch für Text in Klammern, (der in Romanen ja kaum vorkommt).

Trotzdem empfehle ich die einfachste Regel: Alle Satzzeichen nach kursivem Text auch kursiv setzen.

Warum? Je nach Schriftart können die hohen aufrechten Satzzeichen, wenn man sie mit kursivem Text kombiniert, unschön mit dem vorangegangenen Zeichen kollidieren. In einem analog gesetzten Buch ist das kein Problem, dort kennt man die verwendete Schrift, weiß also, wie die Zeichen aufeinader reagieren. Außerdem ist es in Satzprogrammen wie Indesign zum Beispiel recht einfach möglich, den Abstand zwischen kursivem Buchstaben und aufrechtem Satzzeichen zu kontrollieren.

Für EPUB habe ich so etwas leider noch nicht gefunden.

Enge, Hetze Schnelligkeit

Ein Grund, warum kursiver Text enger erscheint und weniger Platz einnimmt als aufrechter Text, sind eben die besagten Unterschneidungen der schräggestellten Zeichen.

Daher wurden anfangs in Italien ganze Bücher, nicht nur weil es chic war, in italics gesetzt, sondern auch, um Platz zu sparen. Heute nutzt man die normale aufrechte Antiqua als Brotschrift. Sie ist meines Erachtens auch viel leichter zu lesen. In den KDP Veröffentlichungs-Guidelines wird extra darauf hingewiesen, dass der normale Text nicht durch Auszeichnungen hervorgehoben werden darf, um das Leseerlebnis nicht zu beeinträchtigen.

Beim Durchsehen von E-Books fällt mir immer wieder auf, seltsamerweise mehr als bei gedruckten Büchern, dass mir die kursive Schrift zu eng erscheint. Zu klein, zu mickrig. Sie soll etwas hervorheben, verkriecht sich aber in sich selbst. Wie gesagt ein ganz subjektives Empfinden. Und vermutlich stoße ich auf typographisches Unverständnis, wenn ich mit minimal vergrößerten Laufweiten oder Buchstabengrößen in E-Books experimentiere.

statt:

Oder hier bei einem recht langen kursiven Abschnitt:

statt:

Noch ein Beispiel mit einer minimal vergrößertem letter-spacing:

statt:

Im folgenden, letzten Beispiel habe ich sogar den text-size bei dem Wow etwas vergrößert, um dem Ausruf mehr Gewicht zu geben.

statt:

In HTML und CSS

Das bedeutet aber, dass ich kursiven Text nicht einfach mit <i>Text</i> bzw. <em>Text</em> Tags versehe, sondern ihnen –autsch– je nach Bedarf eine eigene Klasse gebe. (Sehr aufwendig!)

Also:

<span class=“italic“>Text</span> und diese dann in der CSS entsprechend mit letter-spacing und font-size properties auszeichne.

Supertypografen werden jetzt sagen: natürlich! Die Mühe lohnt sich. Ihr – habt die Wahl.

Und jetzt aber ab in die Sonne bis in vier Wochen

Uwe