DIY-Donnerstag, Graphic Novel, Wie entsteht eine Graphic Novel

#11 Parzival

19. November 2020
Liebe Freundinnen, Freunde, liebe Leser*innen

zuallererst möchte ich mich bei euch bedanken für eure Interesse an der Reihe hier, an Parzival.
Ich bekomme viele Kommentare, zwar nicht hier auf dem Blog, sondern per mail. Und ich freue mich jedes Mal. Sie bedeuten mir sehr viel.

Und euer Feedback betrifft nicht nur die Zeichnungen und Bilder, sondern oft auch die Texte, die Zusammenfassungen, die ich sporadisch hier geschrieben habe. Und tatsächlich habe ich in den letzten vier Wochen wirklich hauptsächlich an dem Text gearbeitet. Dabei hatte ich das Glück, dass Katrin auch ein Buch beenden wollte und wir zu diesem Zweck noch vor dem zweiten Lockdown uns für intensive Tage nach Görlitz in ein Hotel zurückgezogen haben.
Aufstehen schreiben,
Kaffee,
schreiben,
Abendessen und ein Wein
und schreiben.

Und wer war auch da? Parzival.

Und als er dann anfängt, mit mir zu reden, ist er ganz anders als ich dachte. Viel jünger, zarter und verletzlicher kommt er mir vor.
Am Anfang war er sogar ziemlich scheu. Sein Leben, sagt er, sei schon so oft und so verschieden erzählt worden, dass er manchmal nicht nur daran zweifle, wie es nun gewesen ist, sondern gar nicht mehr sicher sei, ob es ihn überhaupt gegeben hat.
Doch, doch, dich gibt’s, sag ich, ich hör dich doch.
Wie soll ich mich erinnern können, wenn alles immer wieder neu erzählt wird. Hier dichtet einer was dazu, da lässt einer was weg. Alle übertreiben und erfinden, seit Jahrhunderten. Dabei ist mir alles gegenwärtig.

Ich setze mich also hin und lasse ihn erzählen.

Aus seiner Sicht. Und was dann kommt, ist schon überraschend.

Er ist oft traurig in Soltane. Die Mutter sehr oft deprimiert. Und ängstlich. Sie klammert sich an ihn. Das geht so nicht. Er muss da weg. Die Ritter, denkt er, sie sind meine Chance.
Kaum ist er los, hat er schon Heimweh. Bloß jetzt nicht zurück, dann kommt er niemals los.

Und diese Sache in dem Zelt, da ist tatsächlich nichts gelaufen. Er ist knapp sechzehn. Jeschute Mitte zwanzig und Fürstin obendrein. Me not, Junge, brüllt sie ihn an. Was machst du hier? Ritter? Du willst ein Ritter sein, du Clown? Du suchst Ritter? Du kannst froh sein, dass hier keine Ritter sind. Wenn mein Ritter zurückkommt, wird er dich grillen. Also nimm dir was zu essen dort vom Tisch. Ein Rebhuhn, Brot und Wein. Nein, den Wein lass lieber stehen und gib mir die Spange und den Ring zurück. Dann trinkt er doch einen Schluck zuviel und sie schmeißt in hochkant raus.

Und von wegen nie geschwitzt vor Angst, wie es oft heißt. Die Knie haben ihm geschlottert. Und wie oft hat er nachts gefroren. Ganz alleine mit dem Pferd.

Dass er Ither tötet wird, hat er nicht gewusst. Schon gar nicht mit dem Gabilot. Was ist denn dann die Rüstung wert und außerdem ist sie zu groß.
Ausgeschält liegt Ither da vor ihm weich und klein, verrenkt in seinem Blut, von seiner Pracht ist nichts geblieben. Mit toten Augen starrt er auf den Becher zwischen den zerstampften Blumen. Da will Parzival nur weg. Es tut ihm leid. Er kann es kaum ertragen.

Ich werde also jetzt, ganz anders als geplant, Parzival die Geschichte aus seiner Sicht erzählen lassen und aufschreiben. Ich bin sehr gespannt, wie er das sieht.
Im nächsten Jahr, ab dem 14.Januar geht es hier weiter und ich werde dann berichten, was ich über die Adventszeit und den Jahreswechsel von Parzival erfahre.

Bis dahin genießt den Red Bug Weihnachtskalender hier auf dem Blog.

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