Red Bug Books

Es war die Nachtigall – Interview

8. Januar 2020
Es war die Nachtigall – Interview

Foto: Uwe Carow

Das hat ja hier auf dem Culture Blog schon ein wenig Tradition, dass wir Autor*innen zu ihren Büchern interviewen. Vergangene (Autoren)-Interviews findet ihr übrigens jetzt auch auf der Red Bug Books Website). Nun geht es also um das neue Buch „Es war die Nachtigall“ von Katrin, das am 27.1//28.1.2020 gleichzeitig bei Hanser und im Red Bug Books Verlag erscheint. Und wir haben viiiiele Fragen an Katrin.

Es war die Nachtigall

RBB: Wir wissen ja, du machst noch ein Making Of zur „Nachtigall“ auf deinem Blog, daher legen wir den Schwerpunkt hier ein wenig anders, auch wenn es vielleicht zu der ein oder anderen Überschneidung kommt. Zuerst einmal zum Titel. War es dein Wunschtitel?

Katrin: Ja, es ist tatsächlich mein Titel. Das ist mir das letzte Mal bei meinem ersten Buch passiert, dass der Titel meines Manuskripts in einem Verlag auch der Buchtitel wurde. Allerdings nicht sofort. Es gab andere Vorschläge, und obwohl ich mich an den Vorgang – Gruppe von Leuten, die dein Buch überwiegend  nicht kennen, suchen einen Titel aus –  gewöhnt habe, habe ich dann doch ein wenig gekämpft. Ich glaube, im Endeffekt hat eine Gruppe von jugendlichen Testlesern den Ausschlag gegeben.

Vegan – Jagen

RBB: In der „Nachtigall“ (wie wir jetzt immer kurz sagen werden), geht es um ein Mädchen, dass sich aktiv bei Greenpeace für Umweltschutz einsetzt und einen Jungen, der aktiver Jäger ist. Kam das Thema von dir oder gab es einen Wunsch vom Verlag?

Katrin: Das Thema kam von mir, mein Agent hat es Verlagen vorgestellt und es hat sofort zum Hanser Verlag gepasst. Lektorin Saskia Heinz ist selbst Veganerin und hat Jäger in ihrer Bekanntschaft und obwohl so ein Thema auch im Verlag durchgesetzt werden muss, gab es von Anfang an eine Basis. Allerdings war das vor zwei Jahren und so ein großer Vorlauf ist für mich mittlerweile eher ungewöhnlich.

RBB: Aber die zwei Jahre haben dem Buch vielleicht auch gut getan, denn mittlerweile sind die Themen Umwelt- und Tierschutz noch mehr verbreitet und auch das Thema Klimaschutz wird heftig diskutiert.

Katrin: Kann sein. Für mich war das nicht neu, da ich schon seit den 80ern (entspannte) Vegetarierin bin und seitdem viel mit Ernährung und Umwelt auseinandergesetzt habe. Und spätestens seit Tschernobyl ist das Umwelt-Thema ein globales Thema geworden. Hoffe ich jedenfalls.

Eine große Liebe

RBB: Okay, das klingt jetzt alles sehr politisch und sachlich, aber in dem Buch geht es ja auch um eine große Liebe. Erzähl mal mehr davon.

Katrin: Große Widersprüche und Gegensätze bergen ein riesiges Konfliktpotenzial und da braucht es auf der anderen Seite eine starke Kraft. Etwas, das die Protagonisten dazu bewegt, ihren Standpunkt ein wenig zu überdenken, toleranter zu werden, offen. Und das ist tada – wie wir alle wissen, die Liebe. Liebe ist ein romantisches Gefühl, eine starke Anziehungskraft, aber es ist auch ein wirklich hervorragendes Heilmittel gegen Intoleranz und Hass.

Wenn man liebt, ist man bereit, einen Menschen in seiner Gesamtheit zu sehen und nicht nur als Vertreter von dieser oder jener Meinung. Ich finde, Shakespeare hat das in Romeo und Julia sehr gut dargestellt und sein Theaterstück blieb die ganze Schreibzeit über so etwas wie eine Patin für mein Buch. Liebe kann Hass überwinden. Das wurde in diesem Buch mein Motto.

RBB: Und daher auch der Titel?

Katrin: Ja, absolut. Das Shakespeare-Zitat kennen wir ja aus dem Kontext der Liebesnacht zwischen Romeo und Julia. Weil sie nicht wollen, dass es schon Tag ist, streiten sie sich liebevoll darum, ob sie nun die Nachtigall (die in der Nacht singt) oder die Lerche (ein Morgenvogel) ist, den sie hören. Und das hat perfekt zu meinen Protagonisten gepasst.

Ludwig, der Jäger, lebt im Wald und kennt sich auch mit den Vögeln aus. Er weiß wann jeder Vogel singt, er kennt die Vogeluhr des Waldes, kann also die Uhrzeit am Tag danach bestimmen, welcher Vogel zu singen beginnt. Wow, dachte ich, das kann ich nicht. Typische Städterin. Und das passt perfekt zu Marie, die sich für Naturschutz und Wald einsetzt, aber keine Ahnung hat, was da so genau los ist, welcher Vogel was ist und so weiter. Sie hat eine Theorie, aber Ludwig hat die Praxis. Und  – dazu gehört auch die Jagd.

Happy End or not …

RBB: Dein Buch hat – gelinde gesagt – ein dramatisches Ende. Hast du Angst vor Leserreaktionen?

Katrin: Ach, nach einer Reihe von Büchern und den verschiedensten und verrücktesten Reaktionen von Leser*innen auf das, was ich geschrieben habe, bin ich wohl gut vorbereitet. Jeder liest ein Buch mit seiner Agenda, mit seinem Wünschen. Ich liebe Happy Ends, aber nicht immer passen sie zum Buch oder zum Inhalt. Außerdem: definiere ein Happy End. Mir ist wichtig, dass es ein gutes Ende ist, eines, dass die Liebe der beiden Protagonisten sehr ernst nimmt, ihren Wunsch nach Zusammensein.

Mit Shakespeare würde ich also sagen: Es geht um Hass, aber mehr um Liebe noch

RBB: Okay, perfektes Schlusswort. Danke, Katrin, für das Gespräch.

Wer noch mehr zur Nachtigall lesen möchte, dem empfehlen wir das Making Of von Katrin oder den Beitrag zur Entstehung des Buchs auf Red Bug Books.

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