Red Bug Books Relaunch

RED BUG BOOKS Relaunch #2 Branding

30. Oktober 2018
Branding

Im letzten Beitrag ging es um erste Überlegungen zu den Wünschen und Zielen für Red Bug Books und jetzt, wo wir klarer in unsere Zukunft sehen, geht es einen Schritt weiter. Stichpunkt Branding. Da sind ja immer großartige Schlagworte, Verlage heuern dafür große Marketingfirmen an, wir *hüstel* machen das dann mal etwas bescheidener mit unserer Coachin und unserem Profi-Netzwerk. Wie schon im ersten Beitrag gesagt, wollen wir euch daran teilhaben lassen, auch, weil uns eure Meinung interessiert, schließlich seid ihr die LeserInnen/KundInnen/UserInnen oder besser gesagt, die Menschen, die unsere Arbeit und das Label möglich machen.

Was ist Branding überhaupt?

Egal ob ihr einen Blog, eine Website, oder auch nur einen Instagram-Account habt, dies ist – hoffen wir – für euch alle interessant. Sogar, wenn ihr euch weder für Social Media interessiert, noch ein Business habt, sondern einfach nur auf die richtigen Leute treffen wollt. Legt man es etwas weiter aus, kann es auch Styling heißen. Denn zu einem persönlichen Branding (ihr kennt das von Stars) gehört der Stil, die Kleidung, das Auftreten – eben alles dazu. Weil das auch für Autoren sehr wichtig ist (nicht unbedingt die Kleidung …), gibt es ab Mitte November auch eine neue Beitragsreihe zum Thema Branding für Autoren hier auf dem Blog.

Doch nun zurück zu dem, was sich jeder Verlag, jedes Imprint und auch jedes Label vor der Gründung fragt: Wer sind wir? Was macht uns aus? Wie wollen wir auftreten? Das nennt man Branding.

Branding kommt von Brand:

  • Brand = Marke

Der im Marketing verwendete Begriff Marke (engl. brand, wörtlich: Brandzeichen) steht für alle Eigenschaften, in denen sich Objekte, die mit einem Markennamen in Verbindung stehen, von konkurrierenden Objekten anderer Markennamen unterscheiden. Die Objekte sind klassischerweise Waren und Dienstleistungen, zunehmend aber auch Unternehmen, Personen, Kommunen und Sportteams. (Wikipedia)

Aber wenn wir ein große Marken denken, spürt man, dass es eigentlich noch mehr bedeutet.

A Brand is a person’s gut feeling about a product, service or organization. (Marty Neumier/The Brand Gap)

Also feeling, also Bauchgefühl, das gefällt uns sehr gut. Es stimmt, wir kaufen Nike/Addidas-Turnschuhe, weil wir die Marke cooler als andere finden und sie für mehr als „einen Turnschuh“ steht.

Das Produkt

An den zwei Zitaten oben sieht man es schon – es geht dabei nicht nur um die Firma, die Marke, sondern auch ganz wesentlich um die Objekte, Produkte, die eine Firma anbietet oder den Service, den eine Organisation leistet.

Wir wundern uns, wenn man uns im Bioladen unfreudlich behandelt, irgendwie sollte BIO menschenfreundlich sein. Und wir wollen dort keine Plastiktüte für unseren Einkauf bekommen, und wenn dann soll sie biologisch abbaubar sein. Marke, Service, Produkte – alles hängt eng zusammen. Für Verlage, Imprints und Label heißt das Produkt – BUCH. Und natürlich gibt es auch einen Service um das Buch herum.

Manchmal ist es gut, sich zu fragen: Was ist ein Buch? Oder: Was macht ein Buch aus?

Was ist ein Buch?

Der Inhalt, oder? Aber warum sagen dann so viele Menschen, ein E-Book sei kein richtiges Buch. Kein richtiges Buch? Weil es kein Gegenstand ist? Keine Papierseiten hat? Keinen Umschlag und kein Lesebändchen? All die Sachen, die ein Buch – ganz klar – zu einem sehr schönen Gegenstand machen. Wir haben rebelliert! Und dann bekamen die Menschen, die ein E-Book nicht als Buch= Gegenstand= Kulturgut ansehen wollten, sogar recht, denn die MWSt. wurde auf 19 % gesetzt. Ein E-Book wurde rechtlich zu einer Serviceleistung. Etwas, dass man nicht kaufen, sondern nur leihen kann. Weder weitergeben (nur eingeschränkt), noch weiterverkaufen.

Kein Wunder, dass dies eine Menge Piraten auf den Plan gerufen hat, die dachten: Service? Das können wir auch!  Und jetzt alle E-Book, die auf dem Markt sind, nicht nur umsonst zum Download anbieten, sondern sogar noch verkaufen. Okay, das ist ILLEGAL (wir erinnern immer wieder gerne daran), aber ein wenig sind wir alle schuld, dass es so weit gekommen ist. Denn richtig, wir sind uns alle nicht so sicher, was ein E-Book genau ist? Also abgesehen von seinem Inhalt. Ein Gegenstand? Kein „schöner Gegenstand“?  Vielleicht kein Gegenstand, aber trotzdem kann man ein E-Book sehr schön machen, umsetzen, gestalten. Das ist uns zum Beispiel sehr wichtig.

Was ist ein E-Book?

E-Books gelten in Europa als Serviceleistung und werden mit dem Steuersatz des jeweiligen Landes besteuert. In Deutschland sind dies 19 Prozent, während gedruckte Bücher mit einem ermäßigten Steuersatz von 7 Prozent besteuert werden. (Diese Reglung wird gerade europaweit diskutiert – die Tendenz geht Richtung einer Senkung des Steuersatzes für E-Books, dies ist aber noch nicht abschließend beschlossen.) Printbücher sind Kulturgut. Kulturgut? Genau! Wir zahlen alle nur 7 % MWSt. auf ein Buch, da es als ein Kulturgut=Kunst=wichtig für die Menschheit gilt und daher staatlich gefördert wird. (Übrigens ist auf Kunst auch nur 7 % MWSt. Wenn wir Redbugx also ein Bild verkaufen, dann zahlt der Käufer nur 7 % MWSt. beim Kauf.)

Und das E-Book? Ein, hm, Service? Dies ist natürlich interessant, denn an einen „Service“ haben Käufer eine sehr andere Erwartung als an ein Kulturgut … Aha, vielleicht ist deshalb das E-Book bei vielen so in Verruf – obwohl doch das gleiche drinsteht als in dem entsprechenden Printbuch?

Dass diese Fragen uns einmal so beschäftigen würden, war uns am Anfang gar nicht klar, als wir E-Books erstellt und hochgeladen haben. Jetzt, nach 6 Jahren Red Bug Books, verstehen wir vieles besser. Auch, was wir wollen und wo wir stehen. Okay, machen wir ein Spiel für uns alle daraus. Wir sagen jetzt mal, was ein Buch – egal ob E-Book oder Printbuch – für uns ist, was wir von ihm erwarten und dann wählt ihr aus.

Für uns sollte ein Buch:
  • in neue Welten führen
  • LeserInnen geistig anregen
  • LeserInnen in Bewegung bringen
  • motivieren
  • auch unterhalten und entspannen
  • sanft aufrütteln
  • neue Wege zeigen
  • gesellschaftlich toleranter machen
  • künstlerisch/kreativ inspirieren

Kurz – wir sehen ein Buch (und zwar egal ob E-Book oder Printbuch) tatsächlich als ein Kulturgut an. Etwas, was Menschen voranbringt, sie inspiriert, sie zwar unterhält, aber damit nicht ablenkt, sondern zu ihrer größeren, höheren Bestimmung führt (um es mal ganz hochtrabend auszudrücken).

Wir denken hier sehr viel an uns als Leser. Doch als Verleger muss ein Buch für uns natürlich auch ein Produkt sein, ein Gegenstand, den man verkauft, mit dem man Geld verdienen kann. Um die Miete zu zahlen, das täglich Brot und überhaupt weiter Bücher schreiben zu können, die Kulturgut bleiben. Als wird die Frage wichtig, was die LeserInnen wollen? Was muss für euch ein Buch sein oder haben?

Was ist ein Buch für euch?

Als Antworthilfe haben wir mal ein paar Varianten in kleine Pyramiden gepackt. Businesscoachs fragen nämlich immer genauer nach, wenn sie sich mit Produkten beschäftigen. In diesem Fall:

  • Was muss ein Produkt haben?
  • Was kann es haben?
  • Was würde die KundIn lieben, wenn das Produkt es zusätzlich hätte?

Beispiel: Ein Auto muss Räder haben, kann vier Türen haben und der Kunde würde es vielleicht lieben, wenn es auch noch ein Schiebedach hat.

Das Spiel beginnt

Hier mal eine Aufstellung von Dingen, die uns in Rezensionen immer wieder begegnen. Also Begriffen und Attribute oder einfach nur Worte, die auftauchen, wenn LeserInnen von Büchern sprechen.

(Hier fehlt dieses grauenhafte „Gut für zwischendurch“. Für uns gibt es kein Leben zwischendurch und daher auch kein Buch, das „gut für zwischendurch“ ist.)

Was muss ein Buch für euch haben, was kann es haben und was würdet ihr an einem Buch lieben, wenn ihr es kauft/ausleiht. Klar, passt vermutlich niemand exakt in eine Gruppe, aber das könnt ihr dann ja in den Kommentaren genauer ausführen.

Also, welcher Gruppe (A, B, C …) fühlt ihr euch am ehesten zugehörig?

     

 

 

 

Und wenn ihr hier gar nicht fündig geworden seid – was für ein Produkt/Gegentand/Kulturgut ist ein Buch für euch? Was muss es, was kann es haben? Und was würdet ihr richtig lieben, wenn ein Buch das auch noch hätte? (P.S.: Solche geliebten Bücher wollen wir machen!).

Kommentiert gerne in die Kommentare oder mailt uns, falls euch das hier zu öffentlich ist.

Im nächsten Beitrag geht es um die Besonderheiten eines Re-Branding und wie wir uns mit dieser Frage herumgeschlagen haben. Wie wir ganz genial die Archetypen dafür genutzt haben und warum das auch für euch interessant und relevant sein könnte.

Bis bald!

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2 Comments

  • Reply Branding für Autor-Innen #1 Einführung - Red Bug CultureRed Bug Culture 21. November 2018 at 16:37

    […] ist eine Firma, eine Marke und da scheint Branding logisch. Gerade beschäftigen wir uns mit einem Re-Branding, einer Neufindung, einer Neuorienterung. Doch Branding ist schon lange nicht nur ein Begriff für […]

  • Reply Jahresausblick 2019 - Red Bug CultureRed Bug Culture 21. Januar 2019 at 15:13

    […] beschäftigt. Der wird in diesem Jahr weitergeführt. Wir haben unsere Gedanken dazu in eine Blogreihe gepackt – denn was uns gerade beschäftigt ist im Grunde für alle interessant, die […]

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