DIY-Donnerstag, Lettering

Red Bug Lettering #8: Die Skizze – ein Überblick

9. August 2018
Beitragsbild Lettering Lukas Horn
Denken auf Papier

Eigentlich wollte ich heute meine Herangehensweise beim Skizzieren von Buchstaben teilen. Aber ich möchte doch lieber vorgreifen und über die Sache an sich sprechen, bevor ich dir nächstes Mal meine Tipps erzähle: 

Die Skizze ist das wichtige Bindeglied zwischen deiner Idee und dem letztendlichen Design. Ich habe mich von Workflows anderer DesignerInnen inspirieren lassen und natürlich meine ganz eigenen Techniken im Laufe der Zeit entwickelt. Jeder hat da andere Vorstellungen und vor allem Vorlieben. Ich bin grundsätzlich am Anfang der Ideenfindung sehr chaotisch. Da muss ich meistens viel skizzieren um mich zu ordnen und die ganzen Gedanken sichtbar zu machen. Danach breche ich das Ganze ziemlich runter, sodass es am Ende funktioniert. 

Eine Skizze gibt übrigens auch einen tiefen Einblick in die Persönlichkeit und Herangehensweise von Menschen. Deshalb mag ich oft lieber Skizzen von GrafikerInnen und Künstlern mehr als das fertige Produkt.

Was ist eine Skizze?

Eine Skizze macht deine Idee sichtbar. Sie zeigt wohin das Ganze führen kann und ob die Idee Murks oder Treffer ist. Skizze = Denken auf Papier. 

Manchmal versuche ich lang und breit jemandem etwas tolles zu erklären.

Wenn das nicht funktioniert, habe ich gelernt zum Stift zu greifen. Meistens kritzle ich dann ein paar Striche auf und  das Problem ist gelöst.

Es gibt Skizzen überall da wo Ideen verbildlicht werden müssen (meistens, damit andere sich besser vorstellen können, was du meinst). 

Wie bereite ich mich auf eine Skizze vor?

Das Wichtigste ist deine Idee. Das kann ein Konzept sein, oder eine bestimmte Form die du entdeckt hast und aus der du gerne etwas machen würdest usw. Wenn du die Idee hast, kannst du anfangen zu skizzieren.

Was ich wichtig finde, gerade wenn ich Buchstaben male, dass ich meine Lieblingsstifte (Bleistift, Molotow-Marker, Breitfederstifte, Brushpen) bereitlege. Und natürlich Papier. Das ist die handgemachte Variante. Es gibt auch Menschen die gleich am Rechner Sachen hin- und herschieben. Das geht auch, aber ich bin überzeugter Papier-Mensch. Manchmal wirkt das oldschool, aber glaube mir, das wird nie old!

Wer entscheidet ob die Skizze gut ist?

Du, wenn du die Skizzen für dich machst. 

Was mir, bei der Bewertung meiner Skizzen immer sehr hilft, ist, sie nach dem fertigstellen, gleich wegzulegen. Schnell schnell weg, damit ich sie auch ja nicht sehe.

Gerade wenn dir ein Entwurf gefällt, ist es schwer den Blick abzuwenden. Nach mindestens 6 Stunden kann ich dann wieder die Skizzen vornehmen.

Sehr pragmatisch blättere ich sie durch und lege interessante Blätter raus. Den Stapel mit den guten Skizzen nehme ich mir dann nach genau dem selben Prinzip vor. Der nächste Favoritenstapel wir schmaler. 

Ich denke dass man, um das wirkliche Potenzial einer Idee aus einer Skizze lesen zu können, sehr offen sein muss. Lass dich überraschen und beobachte was es für kleine Feuerwerke in deinem Kopf und in deinem Gefühl passieren.

Wenn du für jemand arbeitest, liegt die Entscheidung, ob deine Skizzen gut sind, bei jemand anders. Eine witzige Sache, weil es hier sehr subjektiv ist. Es ist, wie in einer Band zu spielen. Du lässt deine Ideen einfließen. Wenn du Bandmitglieder hast, die darauf nicht eingehen können, wird man das zu hundert Prozent der Musik die ihr macht, anmerken. Hast du jedoch eine Band die auf deine Ideen aktiv eingeht, kann etwas Großartiges entstehen! Also wenn deine Auftraggeber dir gute Kritik geben (Egal, ob sie deine Arbeit loben, oder sie Dinge aufrecht kritisieren, die ihnen noch nicht zusagen), wird aus deiner Skizze eine lebendige Sache. Und darauf kommt es an! 

Kleiner Tipp: Bevor du deinen Auftraggebern Skizzen zeigst, teste sie bei deinen Freunden. Frage nach ehrlichen Meinungen und versuche diese mit zu berücksichtigen.

Muss eine Skizze gut aussehen?

Kommt drauf an. 

Falls du Skizzen machst um dir selbst eine Idee zu verbindlichen, dann muss sie nicht schön sein. Sie darf häßlich sein. Solange sie dir erzählt was du wissen willst, hat sie ihren Zweck erfüllt.

Ganz anders kann es aber bei Aufträgen aussehen. Manchmal können deine Auftraggeber deine Skizzen verschmähen, nur weil du sie auf einem knittrigen und vergilbten Papier gemacht hast. Auf die Details kommt es nämlich an und die bekommst du zu Gesicht, wenn du schaust, was deinen Auftraggebern gefällt. Wenn deine Skizzen fertig sind, überlege wie du sie so neutral wie möglich präsentieren kannst. Eine Idee ist zB. drei ausgewählte Skizzen auf einem größeren Blatt, nebeneinander zu zeigen. eventuell scannst du die Entwürfe, setzt sie am Rechner nebeneinander, druckst sie, packst sie in eine schöne Mappe, fertig. 

Da gibt es natürlich tausend verschiedene Möglichkeiten wie du das machen kannst. Ich finde immer wieder bemerkenswert, was anderen Menschen alles auffällt. Dinge, auf die ich garnicht achte. Das erweitert die Perspektive. 

Soll ich Skizzen aufheben?

Auf jeden Fall! Nicht alle, aber wenn du wie ich, eine Kiste voll mit alten Skizzen hast, die du alle paar Monate dir vornimmst und guckst, welche dir noch gefallen, dann ermöglichst du dir Ideen aufzuheben und sie vielleicht zu einem richtigen Zeitpunkt zu aktivieren. Manchmal blättere ich meine alten Skizzen durch und finde richtig gute Ideen, die ich komplett vergessen hatte.

Manchmal ist es ein Entwurf der hässlich ist, aber das Konzept ist super … aufheben! Manchmal ist das Konzept einer Skizze langweilig, aber eine Form sehr gelungen … aufheben!

Und nach ein paar Projekten und ein bisschen Zeit entsteht dann ein Archiv deiner Arbeit, an dem du ablesen kannst, wie du dich entwickelt hast.

Wieviel Zeit mit dem Skizzieren verbringen?

Wenn du für dich arbeitest, kannst du das selbst entscheiden. Ich denke, es ist nur wichtig, keine Zeit zu vergeuden. Hast du ein paar Skizzen gemacht, gehe weiter und verfeinere. Und ich habe bei mir gemerkt, dass wenn ich zulange skizziere, mir mehr Ideen kommen, aber oft keine besseren.

Sind Skizzen etwas wert?

Ja. Wenn du eine gute Idee und sie auf Papier gebracht hast, ist das was wert.

Es ist quasi der erste Abdruck einer Idee, die vorher für niemand sichtbar war. Der Beweis deiner Idee. Und Ideen sind was wert (vor allem gute!).

Beim nächsten Mal erkläre ich, wie du deine Skizzen verfeinern kannst und somit zu besseren Ergebnissen kommst. Für interessante und charakterstarke Buchstaben fertige ich immer Skizzen an und ich habe auch wieder in letzter Zeit ein paar interessante Dinge dazugelernt die ich gerne hier teilen würde. 

Also bis zum nächsten Mal!

Lukas

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