Das magische Objekt - Dinge in Geschichten

#08 – Die Münze

5. August 2020
Das magische Objekt - Dinge in Geschichten #8- Die Münze
Das magische Objekt - Dinge in Geschichten #8 - Die Münze

He du, hast du ’ne Mark?

Wir lassen sie in Kaffeebecher fallen, werfen sie in Brunnen, horten sie in einem Sparschwein, vergraben sie im Garten. Manchmal finden wir sie hinter der Bordsteinkante. Dann werden sie aufgehoben und stolz begrinst. Ein Glückscent. Ich wusste’s doch.

Eine Münze ist ein flaches Stück Metall. Aus Gold, aus Silber, Bronze oder Kupfer. Blech, Alu, Polymer Rand. Glatt oder geprägt, mit Bildern, Zahlen, sanften Zeichen. Münzen können Auszeichnungen sein, Sammlerstücke. Glücksbringer und Kommunikationsmittel.

 

Geld

Ich tausche. Münze gegen Croissant. Münze gegen Bahnfahrt. Münze gegen Steckling. Sich Geld auszudenken, hat unsere Welt für immer verändert. Unsere Sichtweise auf Geben und Nehmen, Recht und Unrecht. Es formt Beziehungen und gestaltet Kommunikation.

Geld ist eine gute Idee. In Form gebrachte Energie. Lebendiges Potential. Wird es ein Eis oder ein Schürhaken? Mit Geld in der Tasche lässt es sich gut gehen. Und man muss dabei nicht darauf achten, ob es in der Bedenkzeit vergammelt. Wir zahlen mit Karte, mit dem Handy, mit dem Fingerabdruck. Aber wenn wir im Randstein einen Cent liegen sehen, gehen wir noch immer in die Knie.

Schein

Scheine rollt man zum Koksschnupfen, quetscht sie zu unanständigen Bündeln zwischen ein Gummiband. Klemmt sie unter goldene Nadeln, drückt sie in schwitzige Hände. Ein Packen Scheine, ein Haufen Geld. Koffer mit Bündeln von bedrucktem Papier. Der Schein. So leicht, dass er vom Wund davongetragen werden kann. Egal ob 5er oder Hunderter. Scheine muss man festhalten, wenn eine steife Brise kommt.

Eine Münze ploppt mit günstigem Klang ins Wasser. Sie hat Gewicht. Scheine gehören ins Reich der Bilder. Aber eine Münze, das ist ein Ding. Und selbst, wenn sie den Materialwert längst nicht mehr hergibt, sie erinnert uns an Apfel und Ei. An Gold, Silber und Edelsteine. An prallgefüllte Beutel mit knirschendem Kleingeld oder einer klimpernden Restmünze im Porzellan. Drachen liegen nicht auf Scheinen.

Geschichte

EC Karten kann man mit einer Schere zerschneiden. Man zieht sie durch Schlitze und wartet auf Antwort. Keine Königin und kein Kleeblatt ziert die Rückseite. Nur Zahlenschlangen und dein eigener kritzeliger Vor und Zuname. Außer der Kuli an der Kasse bei Rossman geht nicht. Dann nur ein freies Feld. Gummihaft beschichtet. Sie sind biegsam, leicht und still.

Wir abstrahieren schnell und eifrig weiter. Nullen auf einem flimmernden Bildschirm sagen uns genauso viel, wie die Prägung einer Münze. Aber man kann nicht mit dem Finger darüber fahren. Sich vorstellen, wie sie von Hand zu Hand gewandert ist. Eine besonders angelaufene betrachten und sich fragen, in welchem Winkel sie versteckt war. Bytes kann man nicht mit reinigen, bis sie wieder wie neu glänzen.

Eine Münze hat Geschichte. Ob sie alt ist oder neu spielt dabei keine Rolle. Sie kennt römische Märkte, Karawanen aus Händlern. Sie kennt feuchte Keller in zugigen Burgen. Sie kennt D-Mark und DDR Mark, Rupie, Drachmen, Öre, durch die man einen Faden ziehen kann. Sie kennt griechische Tempel, Brunnen unter blühenden Bougainvilleen, Almosenschalen, Geigenkästen, Pappbecher, die im Regen stehen. Münzen tauchen nicht nur in Geschichten auf, sie erzählen welche.

Münzen blinzeln uns zu.

Münzen für den Kaffeeautomat, Münzen für den Föhn, Münzen für den Fährmann.

Augen zusammenkneifen
Münze
in der
Luft anhalten

Scheine sind bunt. Aber eine Münze kann man in der Hand wiegen. Man kann sie klingeln lassen. Münzen sind Zahlungsmittel und Erinnerung. Einen Gefrierbeutel Kleingeld auf die Theke, um ein Packen Kaugummi zu kaufen. Lauter blitzende Münzen aus einem Spielautomat. Goldmarie tanzt im Münzregen.

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