Cover Secrets

Cover Secrets #9 Interview mit Buchgestalterin Suse Kopp

20. September 2018
Buchgestalterin Suse Kopp

Wenn man, wie ich, ein Cover-Junkie ist und nach schönen deutschen Covern Ausschau hält, dann landet man ganz schnell bei der Buchgestalterin Suse Kopp. Ich bin sehr froh, dass sie sich die Zeit genommen hat, mir sehr viele Fragen zu beantworten, die für alle Buchgestalter und Cover-Interessierte einfach nur GOLD sind. Okay, jumpen wir gleich hinein in das Interview:

Anfänge als Graphik-Designerin

• Liebe Suse, du bist Grafik-Desginerin und hättest mit dieser Ausbildung alles mögliche machen und werden können – wie kamst du zur Covergestaltung, insbesondere für Kinder- und Jugendbücher?

Suse Kopp für Beltz & Gelberg

Suse: Liebe Katrin, ich bin schon immer eine Leseratte gewesen. Ich denke, das muss der Grund dafür sein, dass bei mir schon im Studium aus allem ein Buch wurde (na gut, oft eher Hefte…). Außerdem hatten wir einen tollen Typografie-Professor, der uns im Studium ein Buchprojekt mit dem Campus-Verlag verschafft hat. Wir haben dann mit dem Autor das ganze Buch gestaltet – innen und außen. Das war ein Schlüsselerlebnis. Dann habe ich noch einen türkischen Verleger kennengelernt und mit ihm einige Fotobücher gemacht und so waren die ersten Schritte getan.
Der Schwerpunkt Kinder- und Jugendbücher ergab sich aus dem Arbeitsprozess bei Rothfos & Gabler, da war ich irgendwann zuständig für Beltz & Gelberg und das Bloomsbury Kinder- und Jugendbuch und das machte mir großen Spaß.

• Okay, du hast im Büro Rothfos & Gabler gearbeitet. Hört sich sicher und gemütlich an. Wie kam es zu dem Schritt in die Selbständigkeit? Selbtverständlich? Zufällig?

Suse: Bei Rothfos & Gabler habe ich als feste Freie gearbeitet. Nie Vollzeit. Nebenher habe ich meinem Lebensgefährten beim Aufbau seiner Firma geholfen und andere freie Jobs gemacht. Bei Hissmann und Heilmann war ich auch einige Zeit. Davor hatte ich schon eine Fortbildung zum Thema »Frauen, die sich selbständig machen wollen« gemacht. Aber ich kann mich, ehrlich gesagt, nicht mehr daran erinnern, wie ich genau darauf kam. Ich weiß nur, dass ich es nie bereut habe, vor allen Dingen, als ich dann Mutter wurde. Ich genieße die Freiheit der Selbständigkeit – mit allen Frösten.

Suse Kopp für Thienemann

• Erzähl doch mal, wie das so aussieht, wenn dich ein Kunde/Verlag anspricht. Gibt man dir freie Hand (denn du hast ja schon großartige Cover gestaltet)? Bekommst du einen Pitch? Erwartet man (oder du von dir selbst), dass du das Buch liest?

Suse: Was genau der Verlag möchte, ist sehr unterschiedlich. Mal möchten die Auftraggeberinnen (sind ja zu 90% Frauen) etwas ganz Bestimmtes, mal sind sie überfragt und freuen sich, mir freie Hand zu lassen. Pitchs gibt es – glücklicherweise – nur ganz selten. Auch, was es schon zu lesen gibt, variiert stark: von einem Exposé für eine geplante Reihe über ein unlektoriertes Manuskript bis zur Originalfassung auf Englisch. Ich persönlich kann einfach viel besser arbeiten, wenn ich das Manuskript zumindest angelesen habe. Manchmal packt es mich dann natürlich so, dass ich es durchlesen muss. ;-)

Der kreative Prozess

• Wie ist dein kreativer Prozess, was kommt zuerst: Die Farbe? Das Motiv? Die Stimmung?

Suse: Zuerst lege ich eine wilde Sammlung an mit Fotos, Schriften und Inspirationsquellen. Spätestens dann lese ich (rein) und anschließend gestalte ich wild drauf los. Wenn ich dafür Zeit habe, lasse ich das Ganze ein / zwei Tage liegen und schmeiße dann alles raus, was mit Abstand betrachtet nicht funktioniert. Die Farbigkeit ergibt sich manchmal durchs Genre (Thriller…) oder durch ein gefundenes Bild oder eine gewünschte Stimmung.

• Wie viele Coverentwürfe und Vorschläge machst du in der Regel für ein Buch?

Suse: Zwischen drei und nahezu unendlich (das natürlich nur gegen Aufpreis). Das kommt darauf an, wie klar das Briefing ist bzw. wie schnell ich den Kundenwunsch treffe. Schwierig und damit umfangreich wird es, wenn der Verlag selber nicht so recht weiß, in welche Richtung er mit dem Buch will oder sogar darüber gestritten wird.

Deutsches Cover von Suse Kopp

One of us is lying – Englische Ausgabe

• Wenn es schon ein ausländisches Cover gibt, dann musst du dich vermutlich daran orientieren. Macht das Spaß oder ist das eher knifflig?

Suse: Das macht mir Spaß! Wenn ich das Original gut finde, ist es eine schöne Herausforderung, wenn ich es schlecht finde, ist es sowieso ein Spaziergang.

Arbeit für den Königskinder Verlag

• Für die meisten Leser und Buchblogger bist du durch die Gestaltung aller Programme des Königskinder-Verlags in Erscheinung gereten. Wie kam es zu der Zusammenarbeit?

Suse: Ich hatte mit Barbara König schon einige Projekte (z.B. die Lunachroniken von Marissa Meyer) gemacht als sie noch Programmleiterin bei Carlsen war und das lief sehr gut. Wir sprechen eine Sprache! Daraufhin hat sie mich gefragt, als es losging und ich habe natürlich begeistert zugesagt.

Suse Kopp für Königskinder

• Hast du Vorschläge für die einzelnen Programme der Königskinder gemacht oder ging das von Barbara König aus?

Suse: Das war Teamarbeit: ein Zusammenspiel von Ideen von Barbara König, mir, der Herstellerin Gunta Lauck, der damaligen Werbeleiterin Andrea Luck und der Lektorinnen Kerstin Kopper und Maya Geis.

• Auffällig war, dass der Königskinder-Verlag – bis auf die Krone auf dem Cover – dadurch kein eigenes Coverbranding hatte. Ich das fand das erste Progamm in Schwarz/Weiß/Gold sehr gut, ich dachte, so geht es weiter. Mir hätte das gefallen. Wollte man sich später näher ans Publikum bewegen oder gab es von vornherein den Plan, immer eine neue Cover-Ästhetik zu verlegen?

Suse Kopp für Königskinder

Suse: Das war von vornherein der Plan. Mir persönlich kam das sehr entgegen, weil ich mich visuell sehr schnell langweile. Interessanterweise ist mir nie die Idee gekommen bei Schwarz / Weiß / Gold zu bleiben. Das ist aber auch nach wie vor eins meiner Lieblingsprogramme.

Digital oder analog?

• Wie viel arbeitest du für Cover händisch, wie viel digital? Arbeitest du überhaupt noch analog an Covern?

Suse: Ich arbeite sicher mindestens 90% digital. Aber wenn es dann mal analog wird, macht das besonders Spaß. Mal scanne ich gerissenes Papier ein, weil ich es nicht einsehe, dafür eine Bildagentur zu bezahlen oder das Papier eine bestimmte Struktur haben soll, mal zeichne ich Typo auf einen beschlagenen Spiegel oder klebe Buchstaben aus Brillies. Herrlich!

• Mein Eindruck: Du entwickelst Schrift auf dem Cover selbst// Oder veränderst einen Font// Oder greifst komplett auf vorgefundene Fonts zurück. Stimmt das? Wie ist die Mischung?

Coralie Bickford-Smith

Suse: Ich bin ein Typo-Junkie! Ich kaufe mir manchmal einfach so eine neue Schrift, weil ich sie so schön finde und suche dann nach einem Projekt, für das ich sie einsetzen kann. Oft benutze ich sie so, wie sie sind, besonders natürlich unter Zeitdruck. Manchmal ändere ich dann tatsächlich einzelne Buchstaben, die mich ärgern oder den Gesamteindruck zerstören. Oder ich stanze etwas aus, um z.B. eine sonst sehr kühle Grotesk lebendiger zu machen. Und ab und zu muss es eben Handlettering sein (s.o.). Kommt ganz auf das Projekt an…

• Hast du ein Lieblingscover, eine Art Signatur-Cover, was besonders gut für deine Arbeit steht? Welches wäre das?

Suse: Mmmh, gaaaanz schwierig! Bei meinen eigenen Umschlägen ändert sich das ständig. Ich liebe gerade die Abwechslung und dass ich dadurch nicht nur für ein Genre gebucht werde. Aber ich bin ganz großer Fan der Arbeiten von Coralie Bickford-Smith (überhaupt Penguin!!!), Jon Gray und Jessica Hische.

Und was verdient man so?

Suse Kopp für Königskinder

• Vielleicht eher aus deiner Erfahrung in der Agentur: Gibt es so etwas wie einen Grundbetrag, den eine Verlag für ein Cover ausgibt?

Suse:Das ist je nach Größe der Verlage unterschiedlich. Manche versuchen mit 500,- Euro wegzukommen, andere zahlen über 1000,- Euro.

• Was wäre dein bester Tipp für jemanden, der sich keine professionelle Covergestaltung leisten kann und es selbst versuchen möchte?

Suse: Ich würde vorschlagen, sich von dem eigenen Lieblingscover inspirieren zu lassen und die vielen tollen Webseiten professioneller Gestalter zu besuchen. Gut (!) geklaut ist halb gewonnen…

Drope Caps Serie von Jessica Hische

• Im anglo-amerikanischen Raum sieht man oft wunderschöne, von Grafik-Designern gestaltete, Sondereditionen von Buch-Klassikern, die Sammelobjekte werden. Ich denke an die Penguin Drope Cap Series von Jessica Hische oder die Puffin in Bloom Collection, die Anna Bond von Rifle Paper gestaltet hat. Übersehe ich da etwas oder gibt es so was in Deutschland nicht?

Insel Bücher

Suse: In Deutschland gab es diese Reihen ja von großen Tageszeitungen. Die haben mich bis jetzt aber auch nicht so umgehauen, dass ich sie sammeln müsste. Die sind oft so brav. Die Insel-Bücherei liebe ich aber immer noch! Oder die Jane Austen-Box von Reclam. Oder Rothfos & Gabler hatte eine schöne Lyrik-Reihe gestaltet für den Berlin Verlag. Aber das ist natürlich alles nicht das Gleiche. Ich denke, das könnte daran liegen, dass der Markt für den englischsprachigen Raum einfach so viel größer ist?

• Mir fällt auf, dass ausländische Cover viel mutiger/wilder sind. Wie siehst du das?

Suse: Ja, das sehe ich genauso. Z.B. gab es bei Penguin auch diese gestickte Buchreihe, die fand ich großartig!

• Hast du Vorbilder in der Covergestaltung?

Suse: Siehe oben. ;-)

Wie ist der Zeitaufwand?

• Wie lange arbeitest du (durchschnittlich) an einem Coverentwurf?

Suse: Ich habe es nicht so mit dem Zeitmanagement. Ich mache es so schnell wie es muss … Von einer Nacht bis zu zwei Monaten habe ich schon alles gehabt.

• Gibt es ein Buch über Covergestaltung, das du besonders empfehlen kannst?

Suse: »Buchumschläge in der Weimarer Republik« vom Taschen Verlag, »Vom Schutzumschlag zum Marketing Instrument« vom Verlag Hermann Schmidt (U.a. von Nina Rothfos), »Penguin by Design« (Obviously)

• Liebe Suse, danke, danke für deine ausführlichen Antworten. Zum Abschluss noch: Wo kann man dich finden, dich verfolgen? Was ist dein wichtigster Social Media Kanal? Wo findet man dich sonst noch?

Suse Kopp für Fischer

Eindeutig Instagram.
Sonst benutze ich noch Pinterest.

Und dann gibt es noch die schöne Website von Suse Kopp 

Ich hoffe, ihr habt ganz viel Wissen und Freude aus diesem Interview mit Suse Kopp gezogen. Ich werde es sicher noch ein paar mal lesen. Als allererstes studiere ich jetzt die tollen Buchtipps ;)

Nächste Woche geht es um Titel auf Covern.

Bis dann und ganz bald –

Katrin

#coversecrets #coverdesign #buchgestaltung

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1 Comment

  • Reply Cover Secrets #10 Titel - Red Bug CultureRed Bug Culture 4. Oktober 2018 at 16:56

    […] zu reden. Beides gehört zusammen und geht im besten Fall eine wunderbare Einheit ein. Wie Buchgestalterin Suse Kopp es in der letzten Woche schon erzählt hat, arbeitet eine CovergestalterIn von Anfang an mit allen Komponenten – […]

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