Wie schreibe ich ein Buch?

Wie schreibe ich ein Buch #7 Charakter-Check

29. Juli 2021
Schreibtipps Charakter Check
Charakter-Check

Charakter-Check? Was soll das sein? Was habe ich mir da wieder ausgedacht? Ja, richtig. Ich hatte einige  Mühe, den Titel für den heutigen Beitrag auszuwählen. Ich habe Titel wie: Cast & Crew in Erwägung gezogen (zu schammig) oder Charaktere (zu generell) oder Charakterstudien (zu trocken). Und schließlich bin ich auf Charakter-Check gekommen.

Den Charakter-Check mache ich bei meinen Büchern immer dann, wenn ich das Gefühl habe, richtig in der Geschichte drin zu sein. Also nach etwa 60-70 Seiten, einem Viertel und in diesem Fall sieben Kapiteln. Dann frage ich mich, ob das „Personal“ meines Buches vollständig ist und ob die Auswahl an Charakteren und Persönlichkeiten die Geschichte rund macht.

Dafür arbeite ich gerne mit dem Archetypen-Modell von C.G.Jung.

Das tiefenpsychologische Konzept der Archetypen geht auf den Schweizer Psychiater und Psychologen Carl Gustav Jung zurück, der die Analytische Psychologie erfand. Es ist ein offenes Konzept, das keine exklusiven Definitionen von Archetypen und keine bestimmte Anzahl derselben enthält. (Quelle)

 

Die Archetypen repräsentieren nach C.G. Jung zwölf  Eigenschaften und Charakterzüge, die wir unbewusst mit den immergleichen Emotionen und Verhaltensweisen assoziieren. Archetypen sind Rollenbilder, die unsere Geschichte strukturiert und unser kulturelles Wissen geformt haben. (Isabel hat eine ganze Blogreihe zu den Archetypen geschrieben, wenn dich das interessiert und du mehr zu den Archetypen erfahren willst, dann schau hier vorbei.)

Der Held/Die Heldin

Ganz oben in den meisten Archetypen-Modellen steht der Archetypus Held:in. Eine Geschichte ohne Held:in? Ist möglich, aber eher unwahrscheinlich. Denn von diesem Archetypus wollen wir lesen, wenn wir ein Buch aufschlagen. Wir alle sind Held:innen unsere eigenen Geschichten, unseres eigenen Lebens. Und sehen uns gerne als integer, mutig und aufrichtig, die typischen Eigenschaften des Archetypus Held:in.

Aber es gibt auch Anti-Held:innen. Ängstliche, hinterlistige und verlogene Held:innen. Dann spielt ein Charakter mit Held:innen-Eigenschaften vielleicht nur eine Nebenrolle. Wichtig ist einzig, dass die Mischung deiner Charaktere stimmt. Denn wenn alle Charaktere gleich sind oder ähnlich, nimmt deine Geschichte keine Fahrt auf. Niemand muss sich aneinander abarbeiten, es gibt keine Konflikte und Hindernisse, denn alle sind sich einig.

Der Charakter-Check ist also eine Art Überprüfung deiner Geschichte zu einem Zeitpunkt, an dem du noch eine Menge ändern kannst. Gerade am Anfang können neue Figuren auftauchen. Die Leser:innen sind in der Begrüßungphase der Geschichte. Als ob sie einen Raum oder eine neue Gruppe betreten, sehen sie sich um und entdecken Neues. Das passiert im ersten Viertel des Buches und daher ist dort genau der richtige Ort und Zeitpunkt, alle Personen einzuführen, die deine Geschichte bestimmen werden.

Doch im ersten Viertel des Buches ist es auch Zeit, ein paar endgültigere Entscheidungen zu treffen. Es ist gut, alle wichtigen Charakter am Anfang der Geschichte einzuführen, damit die Leser:in sich an die Personen gewöhnt und sie kennenlernen kann. Wenn Tante Emi irgendwann später aus Mallorca zurückkommt ist das kein Problem, wenn sie nur ein kleiner Nebencharakter ist. Trotzdem ist es elegant, dieses Tante vorher zumindest schon einmal zu erwähnen und einzuplanen. Andernfalls hört es sich an, also ob du schnelle und einfache Lösungen in dein Buch einbaust, etwas erfindest, weil du es gerade brauchst, statt eine Geschichte logisch aufzubauen.

Logik und das Leben

Logik? Richtig. Das Leben ist sehr oft gar nicht logisch. Und manche echten Geschichten sind gerade deshalb extrem langweilig. Geschichten, die erzählt oder geschrieben werden – ganz egal ob Fantasy oder eine Geschichte im Hier und Jetzt – werden deshalb dramaturgisch „aufbereitet“. Du kennst das, wenn du eine Geschichte erzählst. Du lässt die unwichtigen Details weg und konzentrierst dich auf das Wesentliche. Das, was deine Zuhörer:innen interessiert. Nicht anders ist es beim Schreiben. Wir wollen Geschichten leicht folgen können, sogar vorausahnen, was kommt. Das gibt uns ein Gefühl von Sicherheit und Komfort. Und – wir wollen überrascht und vielleicht sogar geschockt werden von plötzlichen Ereignissen und unerwarteten Wendungen. Dies alles ist nicht nur Aufgabe der Charaktere, hier spielen Ereignisse und Konfrontationen eine große Rolle. Kurz: Die Dramaturgie und der Plot der Geschichte.

Mein Charakter-Check

Ich plane meine Geschichten mittlerweile nicht mehr groß im Voraus. Das hängt mit der Erfahrung zusammen, ich kenne meinen Schreibstil, meine Schwächen und Stärken. Alles durchzuplanen – das habe ich früher öfter gemacht und würde es vermutlich auch tun müssen, wenn ich einen historischen Roman oder einen Thriller schreibe, denn in diesen Büchern spielt die Dramaturgie eine sehr große Rolle und ist meist sehr komplex und kompliziert.

Ich schreibe im Hier und Jetzt – doch umso wichtiger ist der Charakter-Check für mich. Denn wenn ich ein schlecht ausgewähltes und unausgewogenes Personal in meiner Geschichte habe, dann wird die Dramaturgie darunter leiden. Wie sieht es also bei meinen Charakteren aus? Mehr im Video.

Eigenschaften von Charakteren

Dir ist sicher aufgefallen, dass ich mir bei einigen Charakteren noch nicht sicher bin, wie ich sie anlege. Sind sie witzig? Frech? Schüchtern? Häufig stellen die Charaktere sich mir genauso vor, wie du sie kennenlernst, wenn du eines meiner Bücher liest. Ich lerne sie sozusagen im Schreiben kennen, du sie beim Lesen. Dann bin ich überrascht, denn sehr oft sind sie anders, als ich es erwartet habe.

Charaktere stark zu beeinflussen und zu ändern, ist keine gute Idee, aber ich kann Charaktere, die sich nicht richtig entwickeln streichen (stimmt, brutal :() oder neue einbauen, die mehr Dynamik haben. Also meine Figuren auf dem Schachbrett der Geschichte herumschieben. Macht Spaß, offen gestanden. Etwas Gott spielen :))

Aber wie oben schon gesagt: Charaktere sind wichtig aber nicht alles. Da gibt es ja noch … richtig, die Dramaturgie. Hast du etwa ein Drittel deiner Geschichte geschrieben, dann wird es Zeit, dir Gedenken zu machen, wohin die Geschichte läuft. Worum es geht. Welche Entwicklungen die Geschichte nehmen soll. Bei mir sind das etwa 100 Seiten, die ersten zehn Kapitel.

Ich hole dann meinen Skizzenblock heraus und krackle (ja, es ist immer sehr chaotisch) darauf herum, um zu einem guten Ablauf der Geschichte zu finden. Wie mache ich das? Darum geht es  im nächsten Beitrag.

Bis bald, genieß den Sommer!

xoxo

Katrin

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