Wie schreibe ich ein Buch?

Wie schreibe ich ein Buch #5 Hindernisse

2. Juli 2021
Hindernisse Wie schreibe ich ein Buch
Hindernisse in Geschichten

Eine gute Geschichte nimmt die Leser:in mit auf eine Reise. In ein anderes Land, eine andere Kultur, mit auf eine innere Reise, eine Veränderung, ein Wachstum. Doch zu all diesen Reisen, innerlich oder äußerlich, gehören Herausforderungen. Konflikte, Hindernisse und ihre Überwindung.

Wenn du also jetzt denkst – oh, bitte nein, erst Konflikte, dann Hindernisse, wer will das denn lesen? Dann stell dir vor, es gäbe keinerlei Schwierigkeiten oder Herausforderungen für deine Held:innen. Wie langweilig wäre das? Genau.

Warum Hindernisse?

Zum einen halten Hindernisse die Spannung in einer Geschichte. Sie lassen die Leser:in im Unklaren darüber, ob die Held:in ihr Ziel erreicht. Auch, wenn wir eigentlich wissen, dass alles gut ausgeht, bringen uns Hindernisse, Hürden und Herausforderungen ins Zweifeln. Wird es klappen? Wird sie oder es schaffen, ihr Ziel zur erreichen? Dieses Zweifeln macht eine Geschichte spannend.

Zum anderen wollen wir sehen, dass Held:innen sich in Geschichten weiter entwickeln. Herausforderungen bestehen, Prüfungen meistern. Das ist spannend und spornt uns selbst an. Und dabei ist es ganz egal, welches Ziel die Held:in hat.

Geschichten brauchen einen Spannungsbogen. Eine Entwicklung. Etwas ist am Anfang ungeklärt oder nicht zufriedenstellend – und wird zum Ende der Geschichte aufgelöst und gelöst. Ein Mordfall oder ein Verbrechen. Oder die Frage, ob man mit der Partnerin zusammenkommt oder sich selbst transformiert.

Wie sehen die Hindernisse aus?

Die wichtigste Regel: Die Hindernisse müssen mit dem Ziel in Zusammenhang stehen. Wenn du einen Berg besteigen willst, dann liegen die Hindernisse „auf dem Weg“. Fehlt dir die Ausrüstung? Oder Geld? Eine Gruppe, eine Bergführer:in? Fehlt dir Mut oder Zuversicht? Das alles sind Hindernisse, die im Zusammenhang mit dem Ziel stehen. Wenn die Hindernisse nicht direkt mit dem Ziel in Zusammenhang stehen, dann begründe gut, warum sie für die Held:in relevant sind.

Beispiel: Die Partner:in ist dagegen, dass du auf den Berg steigst. Warum ist das ein echtes Hindernis? Weil du sie nicht verlieren möchtest? Aber was ist das für eine Partner:in, die dich nicht unterstützt? Ist es also ein gutes Hindernis? Oder eines, dass der Leser:in nicht einleuchten wird?

Teste deine Hindernisse

Ein gutes und starkes Hindernis erkennst du daran, dass die Überwindung die Held:in an einen neuen Punkt führt. Ein Punkt, von dem aus es kein Zurück mehr gibt. Ein Vorher und Nachher. Kann deine Held:in nach der Überwindung des Hindernisses wieder in ihr altes Leben zurückkehren? Dann war es nicht wirklich ein großer Schritt, ein echtes Hindernis, sondern nur eine kleine Schwelle. Frage dich: Was wäre – wenn? Was hängt von der Überwindung des Hindernisses ab? Wie schlimm ist es, dieses Hindernis nicht zu überwinden?

Steigere Hindernisse

Fange in deiner Geschichte mit kleinen Hindernissen an und steigere sie. Wenn du mit einem großen Hindernis anfängst und dann kleiner folgen lässt, fragt man sich, wieso die Held:in diese nicht überwinden kann, da sie doch vorher schon in der Lage war, ein großes Hindernis aus dem Weg zu räumen. Die Herausforderungen sollten steigen. Erst wird die Dornenhecke durchschritten, dann der Drache bekämpft – nicht umgekehrt.

Die größte Herausforderung erwartet deine Held:in am Ende der Geschichte. Der finale Kampf, die finale Bewährung, der große Test. Vielleicht auch die große und größte Verunsicherung, die die Held:in aushalten und bestehen muss. Liebt er/sie mich wirklich? Kann ich ihm/ihr vertrauen? Kann ich – mir vertrauen?

Am Ende sollte noch einmal alles auf dem Spiel stehen. Wie wenn ein Turm der erbaut wird – der am Ende einstürzen könnte, wenn man das Spitzdach aufsetzt.

Hindernisse beim Schreiben

Sehr oft passiert es, dass die Probleme und Herausforderungen, die deine Held:innen in der Geschichte haben, sich in deiner eigenen Arbeit widerspiegeln. Dann läuft es nicht so richtig, und das ganze Buchprojekt ist in Frage gestellt. Dies ist – normal. Und obwohl ich viel Erfahrung im Schreiben habe, passiert es auch mir bei jedem Buchprojekt immer wieder.

Hindernisse beim Schreiben

Ich kann die Punkte, an denen bei einem Buchprojekt Hindernisse auftreten, mittlerweile sehr gut benennen. Am Anfang läuft alles ganz leicht und intuitiv. Doch nach einer Weile-  etwa 10.000 Wörtern -, fällt mir auf, dass es zu viele oder zu wenig Charaktere in meiner Geschichte gibt. Bestimmte Figuren werden stärker und scheinen hell, andere verblasen und ich muss mich fragen, ob sie überhaupt wichtig sind oder sein werden. Dann muss ich nachdenken und entscheiden.

Es gibt eine Regel und die lautete: Führe deine Charaktere am Anfang der Geschichte ein. Anfang? Nun, sagen wir im ersten Achtel deines Buches. Klar, kann es später noch Nebenfiguren geben, die eingeführt werden, aber wenn sie für die Geschichte relevant sind, dann führe sie früh ein. Mach deine Leser:innen mit den wichtigen Charakteren gleich zu Anfang bekannt. Taucht später eine wichtige Person auf, auf die du nicht verzichten willst? Dann setze eine Passage in den Anfang ein, in der die Person erwähnt wird.

Ich habe jetzt über 10.000 Worte geschrieben und bin an dem Punkt, an dem ich alle Hauptcharaktere eingeführt haben sollte. Ja? Sind alle dabei? Wie immer ist es gut, um 10.000 Worte herum eine kleine Pause einzulegen. Denn es ist tatsächlich wie wenn man einen Turm baut. Das Fundament sollte stimmen, sonst stürzt später alles zusammen.

Aber beim Schreiben und auch in einer Geschichte, kann es nicht immer nur um Konflikte und Hindernisse gehen. Genau darum geht es in der nächsten Woche: Um Erfolge. Erfolge deiner Hauptcharaktere und Erfolge beim Schreiben. Denn wenn deine Charaktere immer nur Hindernisse bewältigen, aber ihre Erfolge nicht feiern, dann kann eine Geschichte schnell anstrengend werden.

Zu Hürden und Konflikten gehören Erfolge und Versöhnungen. Erst dann bekommt eine Geschichte eine Auf- und Abbewegung, einen schönen Rhythmus.

Bis in zwei Wochen und dann hoffentlich mit weniger Hindernissen!

xoxo

Katrin

#masterclass*schreiben #sschreibtipps #redbugwriting #rbpub

 

You Might Also Like

No Comments

Leave a Reply