7 Tipps - Wie schreibe ich eine gute Liebesszene

Wie schreibe ich eine gute Liebesszene #8 Sexszenen

22. April 2021
Wie schreibe ich gute Sexszenen
Sexszenen in Büchern

Sexszenen in Büchern Zum Abschluss der Beitragsreihe – Wie schreibe ich eine gute Liebesszene – geht es heute um Sexszenen. Um es gleich vorab zu sagen: Es geht NICHT um Pornographie oder Dark Romance. Es geht nicht um Bücher, bei denen der Sex im Mittelpunkt steht. Und obwohl ich denke, dass die nachfolgenden Ratschläge auf jede Art von Sexszenen anwendbar sind, beschäftige ich mich hier mehr mit Geschichten, die sich nicht ausschließlich um Sex drehen und in denen die Sexszene eine von vielen Szenen ist. Damit ist vielleicht schon das Wichtigste gesagt: Eine Sexszene zu schreiben, unterscheidet sich im Grunde nicht sehr von jeder anderen Szene, nur, dass es eben um Sex geht.

  Scham und Sex

Oder, nun ja, vielleicht gibt schon einen Unterschied, denn Sexszenen werden anders gelesen, also andere Szenen. Ich erinnere mich, wie sich eine Lehrerin bei mir beschwerte, dass ich in meinem ersten Buch „Radio Gaga“ eine Sexszene geschrieben habe. Warum?, fragte sie mich und es klang, als hätte ich einen perfekten Kuchen mit einer schrecklichen Glasur ruiniert.

Auf der anderen Seite gab es dann aber die Jugendlichen, die – nachdem ich ihnen freigestellt hatte, zu entscheiden, was ich aus meinem Buch vorlesen solle – genau diese Szene auswählten. Klar. Logisch. Das interessiert einen eben mit 13 plus am meisten. Und offen gestanden ging es mir in diesem Alter genauso. Genau deshalb habe ich diese Szene in mein Buch integriert, sie geschrieben. Mir fehlten diese Szenen in Büchern für Jugendliche.

Nun hat sich seitdem viel geändert. Ich bekomme vermutlich etliche Ratschläge zu Sex auf YouTube, wenn ich mich frage, was da so vorgeht. Fast schon zu viel. Doch bei einer Sexszene geht es eben – übrigens wie bei echten Sex – nicht nur um den Akt. Den Ablauf. Das How to. Es geht auch und vor allem um Gefühle.

Und es ist definitiv nicht so, dass wir jetzt alle ganz locker mit Sex umgehen, offen darüber reden, uns mitteilen würden. Nein. Sex ist kein Small-Talk-Thema, weder unter Jugendlichen, noch unter Erwachsenen. Und daher gibt es immer dieses Gefühl von leichter Scham – sowohl beim Schreiben dieser Szenen als auch beim Lesen.

Und, nein, ich habe die Sexszene dann nicht vorgelesen, weil sie nicht passend für eine Lesung vor einer Gruppe von Jugendlichen fand, die schon bei Kussszenen anfangen zu kichern. Mag sein, dass ich das irgendwann einmal anders sehen werde, doch bis dahin … eher nicht.

Größte Fehler in Sexszenen

Egal ob Film, Buch oder Hörspiel – es gibt eine Reihe von Dingen, die funktionieren in Sexszenen gut und andere, die funktionieren nicht so gut. Und – again – ich rede hier nicht von Büchern, in denen es ausschließlich um Sex geht. Ich liste diese Dinge einmal auf und schreibe danach mehr dazu.

  • Klischees
  • Zu viele Details
  • Unklare Beschreibungen
  • Falsche Wortwahl
  • Zu wenig Fokus auf den Liebesakt
  • Kein Humor
  • Keine Dramaturgie
  • Zu wenig Emotionalität
  • Handlungen und Verhalten, welche nicht zu den Charakteren passen
Stil und Umsetzung

Irgendwann erarbeitet man sich als Autor:in einen eigenen Stil.  Lange ausladende, blumige Sätze, oder ein klarer, knapper, reduzierter Stil oder? Doch da ist noch mehr. Ich nenne es den Sound einer Schriftsteller:in, den besonderen Ton. Den findet ihr eher bei literarischen Schriftsteller:innen, den sie suchen diesen Ton und legen Wert darauf.

Im Unterhaltungsbereich werdet ihr dagegen öfter auf Autor:innen treffen, die versuchen, vertraut und damit so wie alle anderen (gerade erfolgreichen) Bücher/Autor*innen zu klingen.  Manchmal ist das angenehm, weil sich diese Bücher extrem gut lesen lassen und sehr verständlich sind, manchmal nervig, wenn zu viele Klischees auftauchen und die beschriebenen Szenen sich anhören, als hätte man sie schon 1000 mal gelesen.

Originalität

Egal ob Literatur oder Unterhaltung, zu viele Klischees solltet ihr auf jeden Fall vermeiden. Genau wie bei jeder anderen Szene auch, müsst ihr überlegen, wie ihr eine Sexszene zu etwas Besonderem macht. Etwas, das eure Leser:innen weder in einer amerikanischen Soap oder Serie schon gesehen oder in einem anderen Liebesroman gelesen haben. Dies ist eure Chance, etwas Eigenes zu schaffen.

Und, ja, jetzt müsst ihr ans Eingemachte gehen. Die eigenen Erfahrungen, Gefühle, Ängste. Ich bin überzeugt davon, dass Menschen, die noch nie (guten) Sex gehabt hatten, keine wirklich guten Sexszenen schreiben können. Vielleicht können sie unerfahrene Sex-Newbies damit täuschen, aber niemals erfahrene Liebhaber:innen.

Klischees vermeiden

Kleider vom Leib reißen? Stöhnen und reden im Wechsel? Sex an die Wand gedrückt, im Stehen? Auf dem Schreibtisch/Esstisch? Natürlich gibt es diesen Sex, aber vor allem sehen wir ihn ständig in Film & Fernsehen. Es ist die visuelle Übersetzung für: Leidenschaftlich. Aus dem Moment heraus.

In Filmen will man Sex zeigen, aber Schauspieler wollen nicht unbedingt nackt sein. Man will Leidenschaft zeigen, aber nicht unbedingt Nacktszenen drehen. Also findet Sex sehr häufig noch fast vollständig bekleidet statt. Aber – warum sollte ein Paar in der wunderbaren Realität in seinem Appartement gleich hinter der Tür über einander herfallen und im Stehen Sex haben, wenn das Bett, das Sofa, der Boden gleich nebenan sind? Weil sie zwar vorher stundenlang, dann aber keine einzige Sekunde mehr warten können? Nope.

Wenn ich so eine Szene lese, denke ich an eine von Hunderten von Sexszenen, die ich schon im Kino gesehen habe. Einfallslos. Fad. Unglaubwürdig.

Beschreibugen & Details

Wie schreibe ich SexszenenDiana Gabaldon hat ein wunderbares Buch über Sexszenen geschrieben: „I Give You My Body . . .“: How I Write Sex Scenes, aus dem ich hier gerne und öfter zitiere. Siehe Kasten.

Jep. Genau. Ausführliche Beschreibungen können wundervoll sein, aber sie sollten sich nicht auf den physischen Akt konzentrieren, sondern lieber auf das Setting. Die Atmosphäre.

Es mag wichtig sein, wer, wann oben liegt oder wann, wer in wen eindringt, aber selbst wenn dies die wichtigsten Momente der Szene sind, müssen sie – elegant verpackt werden.

Vielleicht möchte man einen komplizierten ausgefallen Liebesakt erklären. Das Paar macht etwas Ungewöhnliches. Aber auch dann müssen die Erklärungen gut mit der Beschreibung der Stimmung und Atmosphäre ausbalanciert werden, sonst wird es eine technische Anleitung. Nicht sexy. Nicht gefühlvoll.

Im Körper und nicht im Kopf

Es gibt diesen Witz oder eben auch schon wieder das Klischee, dass Frauen beim Sex oft im Kopf sind. Gerade, wenn der Sex nicht besonders gut ist. Das mag so sein, und kann als Stilmittel benutzt werden, wenn es um schlechten Sex geht. Wenn ihr aber eine schöne Sexszene beschreibt, dann sind die Gedanken der Protagonistin nicht so wichtig, denn sie zeigen, dass sie im Kopf und nicht in ihrem Körper ist.

SexszenenSagen wir, die Protagonistin (und natürlich kann es auch ein Mann sein), vergleicht ihren Partner (und natürlich kann es auch eine Partnerin sein) beim Sex ständig mit anderen Männern/Frauen. Oder erfreut sich an seinem/ihrem Körper, in dem sie seine starken Arme, den Brustkorb, die Brüste … beschreibt. Das mag im ersten Moment eine gute Lösung sein, um Erregtheit, Freude, Stolz darzustellen, aber es zeigt vor allem, dass die Protagonist:in im Kopf und nicht im Körper ist.

Okay, Worte entstehen im Kopf, wir brauchen Worte zum Schreiben … richtig, aber – wir müssen mit unseren Leser:in keine Gedanken teilen, sondern es schaffen, dass unsere Worte die Leser:in in ihren Körper bringen. Dass sie „es“ fühlt/ er „es“ fühlt, die Leserin unsere Worte auf ihrer Haut spürt, statt unsere Gedanken zu teilen.

Beschreibung

Überhaupt – Beschreibungen. In dem Buch von Diana Gabaldon gibt es zwei Listen (in Englisch) mit Worten und Synonymen für das männliche und das weibliche Geschlechtsteil. Aber ganz ehrlich – ich habe keine Beschreibung gefunden, die mir so gut gefallen hätte, dass ich sie mehr als allerhöchstens einmal in einer Sexszene verwenden möchte. Ich würde sagen: Haltet es einfach. Nehmt eure Lieblingsworte. Die Göttin oder das Schwert … eher nicht.

Charaktere & Sexszenen

Ganz wichtig ist es, dass der Sex zu den Protagonisten passt. Zu Charakter und Verhalten. Menschen verändern sich nicht plötzlich, bloß weil sie Sex haben, obwohl wir in Liebesgeschichten ständig auf dieses Klischee treffen: Das sehr organisierte, überordentliche Mädchen, verwandelt sich beim Sex in einen Vamp und zerkratzt dem Mann – obgleich sie noch nie Sex hatte – den Rücken in wilder Ekstase. Puh.

Nein, Sex ist keine Wunderdroge. Sex kann sehr physisch sein – wie Sport oder sehr ätherisch – wie Meditation. Aber Sex hat immer mit dem Menschen zu tun, der ihn ausführt.

Um es euch zu verdeutlichen. Wie esst ihr einen Keks? Oder schält ihr eine Banane? Wie springt ihr über einen querliegenden Baumstamm oder bestellt ein Gericht? Auf eure ganz eigene Weise. Ein guter Buchcharakter ist ein eigenes Wesen. Er ist nicht wie ihr, er ist erfunden, aber gleichwohl hat er eigene Charaktereigenschaften, Schwächen, Stärken.

Und die wird er nicht ablegen, bloß weil er oder sie Sex hat. Ein schüchterner Mensch ist auch beim Sex vorsichtiger. Eine Draufgängerin wilder.

Dialog

Wie ich letzte Woche schon geschrieben habe, ist Dialog grandios, um eine Liebesszene stimmiger zu machen und das trifft auch auf eine Sexszene zu. Ein Dialog kann enorm helfen, um eine Sexszene emotionaler und runder zu machen, auch wenn ich Diana Galbadon nicht zu 100 Prozent zustimmen, dass eine Sexszene ein Dialog mit physischen Details ist. Aber es ist auf jeden Fall eher das, als eine endlose Beschreibung. Der Dialog lockert auf und macht die Szene abwechslungsreich. Womit wir wieder am Anfang wären. Ja, im Grunde ist es eine Szene wie jede andere. Sie sollte emotional und lebendig sein, zu den handelnden Charakteren passen und stimmig sein.

Wow. Und schon bin ich am Ende dieser Blogreihe. In zwei Wochen beginne ich mit einer neuen Reihe. Ich plane da was … mal sehen.

Bis dahin –

xoxo

Katrin

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