7 Tipps - Wie schreibe ich eine gute Liebesszene

Wie schreibe ich eine gute Liebesszene #5 Atmosphäre

11. März 2021
Atmosphäre

AtmosphäreVermutlich ist es überflüssig zu sagen, dass es in Liebesszenen sehr auf die Atmosphäre ankommt.

Das ist – mal wieder – im Leben nicht anders als in der Kunst. Ich stelle mir beim Schreiben manchmal ein Filmset vor. Da ich in meiner Fantasie alles selbst bestimmen kann, sorge ich für einen interessanten Ort, eine intime Situation, eine schöne Einrichtung, wohltuende Farben.

Liebe hat eine sehr hohe Energiefrequenz und ich möchte, dass alles in dieser Situation dies widerspiegelt. Doch manchmal liebe ich es, mit der Atmosphäre einen Kontrast zu setzen. Beides ist möglich und alles dazwischen – und darum geht es heute.

Atmosphäre wird insbesondere in der Ästhetik und der Phänomenologie etwa gleichbedeutend mit Stimmung oder Aura gebraucht und bezeichnet

  • aus rezeptionstheoretischer Sicht eine subjektive Stimmung, die sozial und von der äußeren Umgebung vermittelt wird oder aber

  • eine objektive Eigenschaft einer Umgebung, die sich nicht allein auf einen einzelnen Gegenstand zurückführen lässt, sondern auf die Art der Zusammenstellung dieser Umgebung. Atmosphären werden in diesem Zusammenhang von Gernot Böhme wegen ihrer Reproduzierbarkeit, d. h. ihrer stets ähnlichen Wirkung auf verschiedene Menschen, als objektive Gegebenheiten aufgefasst. (Quelle)

Stimmung/Aura

Es ist schon erstaunlich, wie einig wir uns alle darüber sind, was eine gute und eine schlechte Atmosphäre ausmacht. Eine Liebesszene in einer Bahnhofstoilette – kann ihren eigenen Reiz haben,  aber es ist keine gute Atmosphäre. Gerüche und Farben, Wärme und Licht – all das sind Dinge, die eine gute Atmosphäre herstellen – oder auch nicht.

In einem Film oder der Realität ist es vielleicht gar nicht so leicht, diese Atmosphäre zu erschafffen, aber in euren Geschichten ist alles möglich. Und alles, was in der realen Welt für eine gute Atmosphäre sorgt, funktioniert auch im Text:

  • Licht: Kerzen oder Lichterketten, eine Petroleumlampe, eine Taschenlampe, ein Feuerzeug …
  • Wärme: Ein Lagerfeuer oder ein Kamin …
  • Farbe: Rote Wandfarbe, eine gelbe Decke, eine weiße Kerze, schwarze Nylonstrümpfe,  ein blauer Himmel …
  • Gerüche: Ein Duft in der Luft, eine Blume, eine frisch gemähte Wiese, ein gerade gebackenes Brot …
  • Geräusche: Musik, Klappern von Besteck, ein Windspiel im Garten, ein Gesang, der Klang einer Gitarre…

Einiges kommt euch bestimmt aus dem Blogbeitrag über Sinnlichkeit bekannt vor. Alle Sinne sollten in einer guten Atmosphäre auf positive Weise angesprochen werden.

Draußen und drinnen

Wenn ihr eine Liebesszene beschreibt, dann ist es gut, euch klarzumachen, dass ihr alle Möglichkeiten habt. Jeder Ort, jede Situation, jeder Moment kann zu einer romantischen Szene werden. Es ist nicht nötig, dafür in einem Schlafzimmer zu sein oder einen Sonnenuntergang zu betrachten. Ich würde sogar sagen, diese Orte sind schon so häufig in der Literatur benutzt worden, dass sie abgenutzt sind und eher vermieden werden müssen. (Der Schreibtisch im Büro übrigens auch).

Es ist daher gut, sich ganz offen zu machen und sogar aktiv nach ungewöhnlichen Situationen und Orten zu suchen. Ich habe einen kleinen Clip für euch.

Was hat diese Szene mit einer Liebesszene zu tun? Nichts, wenn ihr sie nicht erschafft, aber alles, wenn ihr entscheidet, aus dieser Szene heraus eine frische, neue Liebesszene zu erschaffen. Ein Paar trifft sich auf einer Reise. // Oder tritt eine gemeinsame Reise an. Die Aufregung, Stimmung, die Landschaft – alles erzeugt eine Atmosphäre, die ihr nutzen könnt, um eine intensive Liebesszene vorzubereiten oder sogar zu begleiten. Wichtig ist, die Landschaft für die Szene zu nutzen. Entweder als Gegensatz oder als Verstärkung. Die Landschaft ist eher karg, um so reicher und fruchtbarer kann die Liebesszene sein. Oder die Annäherung ist schwierig und das wird in der Landschaft widergespiegelt.

Atmosphäre erschaffen

Ich habe gesagt, dass es leichter ist, eine Atmosphäre mit Worten herzustellen. Alles ist möglich! Nun, das stimmt nicht ganz. Für eine Innenarchitek:tin ist es vermutlich sehr viel einfacher, Kerzen aufzustellen und eine Umgebung zu schmücken, als sie mit Worten zu erschaffen. Schreiben ist eine eigene Kunst und am Anfang nicht leicht. Daher hier die wichtigsten Dinge, die beim Aufbau einer Atmosphäre zu beachten sind.

Wie schreibe ich eine gute Liebesszene - Atmosphäre
Beschreibungen
– sind nötig, aber sollten nicht zu spezifisch sein. Und immer fokussiert. Zu viele Beschreibungen zerstören die Atmosphäre.

Stellt euch vor, ihr werdet zu einem Rendevouz in einem Restaurant eingeladen und eure Partner:in beginnt ausführlich die Einrichtung des Lokals zu beschreiben. Ja, die Leser:in möchte einen Eindruck von der Art des Restaurants bekommne, die Tischdekoration ist vielleicht interessant oder wie zuvorkommend die Bedienung ist, aber haltet euch nicht damit auf.

Das Allerwichtigste ist das, was zwischen dem Paar passiert. Die Blicke und Worte. Sie winkte die Bedienung heran. Ist besser als: Sie winkte den in einen schwarzen Frack gekleideten Kellner mt einer Handbwegung an den Tisch. Denn nichts an dieser langen (überflüssigen) Beschreibung, hat mit der Partner:in zu tun. Ihr verliert den Fokus. Es ist eine Liebesszene zwischen zwei Menschen. Und darum sollte es hauptsächlich gehen.

Adjektive – können einem Gegenstand eine bestimmte Textur oder Farbe geben. Die flauschige gelbe Decke //die rohe, unrenvierte Wand//das durchsichtige weiße Kleid. Adjektive definieren Dinge oder Menschen und Situationen genauer, helfen bei der Vorstellungskraft, aber zu viele Adjektive überladen den Text. So entsteht beim Lesen ein Gefühl von Kontrolle und Vorhersehbarkeit bei der Leser:in.

Sie nahm das schwere, silberne Messer und schnitt den gelben, butttrigen Kuchen in exakt zehn Stücke. Sein helles Gesicht strahlte, bei ihren aufmerksamen Worten  …“

Dieser Satz enthält viel zu viele Adjektive. Sie drängen der Leser:in Bilder auf, statt Bilder in ihrem Kopf zu erzeugen. Denn eine der wunderschönsten Dinge beim Lesen ist es, eine eigene Leseatmosphäre herzustellen. Ich will meine Bilder im Kopf nicht ständig korrigieren müssen, weil die Autor:in mir Vorschriften macht. „Messer“ reicht in dieser Szene vollständig aus. Ob schwer oder silbern – spielt keine Rolle. Und wenn doch – dann schreibt warum.

Fokus

AtmosphäreWenn ein Liebespaaar sich näher kommt, dann wird alles um es herum ausgeblendet und das Paar konzentriert sich ganz auf einander. Dadurch entsteht eine besonders intime Atmosphäre. Es muss nicht immer ein Kuss oder Sex sein, der eine Szene zu einer Liebesszene macht, aber dieses Intimität ist Teil der Situation, Aura, Stimmung.

Auch und gerade in solchen Szenen solltet ihr die Beschreibungen klar und einfach halten.

„Er nahm ihr Kinn in seine rechte Hand und zog sie sanft an sich, damit …“

So würde man vielleicht eine Operation beschreiben, aber keine Liebesszene. Die Atmosphäre wird nicht durch viele, sondern die besondere Auswahl an Worten bestimmt. Benutzt Worte wie Lichter oder Kerzen. Worte, die positive Assoziationen erzeugen: Hell, luftig, sanft, verspielt. Vermeidet Worte, die nicht in den Kontext einer Liebesszene passen oder die Konzentration zerstören. Die Sommersprossen eines Charakters sind charmant, aber solltet ihr sie in einer Kussszene erwähnen? Eher nicht.

Auch für mich ist jede Liebesszene, die ich schreibe, eine neue Herausforderung. Über das, was immer hilft,  eine Liebesszene leichter und unterhaltsamer zu machen ist – Humor. Ich liebe Humor in Liebesszenen. Davon mehr in der nächsten Woche.

Bis dahin

xoxo
Katrin

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