7 Tipps - Wie schreibe ich eine gute Liebesszene

Wie schreibe ich eine gute Liebesszene #4 Kussszenen

25. Februar 2021
Kussszenen

Bevor ich etwas dazu sage, wie ihr gute Kussszenen schreibt, ein paar grundsätzliche Dinge.

Kussszenen

Jede Geschichte hat dramaturgisch wichtige und eher unwichtige Momente und Szenen. (Über Dramaturgie habe ich in der letzten Woche geschrieben).

Wenn die Protagonist:in zum Beispiel Milch holt oder Kaffee kocht, durch den Park spaziert oder joggt, dann sind das (je nach Kontext natürlich) Szenen, die die Person näher beschreiben, der Leser:in ein Gefühl für die Figur geben, aber keine Szenen, die in der Dramaturgie der Geschichte eine große Rolle spielen.

Beispiel 1: Stellt euch die Szene in einem Film vor. Joggen durch den Park. Möglicherweise wichtig. Doch wenn nicht, wäre es eine der Szenen, die dem Schnitt zum Opfer fallen, weil sie keine wichtigen Informationen enthalten.

Beispiel  2: Als ich mein erstes Buch für die Hörbuchfassung kürzen sollte, musste ich genau entscheiden, auf welche Passagen ich verzichten kann. Dramaturgisch wichtige Szenen konnte ich nicht herausstreichen, weil dann Sinn und Botschaft des Textes verloren gegangen wären.

In der Regel sind Kussszenen – ganz besonders in Liebesgeschichten – wichtige Szenen.

Kussszene & Dramaturgie

In Liebesgeschichten sind Kussszenen meist auch dramaturgisch wichtig. Manchmal sind sie sogar an der wichtigsten Stelle in der Geschichte, beim Happy-End, am Ende. Es ist sehr wichtig, dass ihr euch fragt, an welcher Stelle die Kussszene in der Geschichte stattfindet und ob sie eine kleine, große oder sogar sehr große Bedeutung in der Geschichte hat.

Küssen sich die Protagonist:innen ständig, dann ist jede einzelne Szene nicht so wichtig, aber es ist gut, wenn die Szenen immer neu und frisch wirken, also sprachlich abwechslungsreich sind, die Situationen sich ändern, die Stimmung, die Umgebung. Vielleicht geht der Implus mal von der einen Partner:in aus, mal von der anderen. Oder der Kuss ist unterschiedlich – zart oder leidenschaftlich.

Kussszenen dramaturgisch aufbauen

Dramaturgisch wichtige Szenen werden grundsätzlich gut vorbereitet. Die Handlung läuft auf eine wichtige Szene zu. Sie passiert nicht einfach so, sie wird aufgebaut, es zieht die Leser:in zu diesem Moment hin, die Szene wird erwartet.

Ganz besonders gilt das für eine Kussszene. Das ist wie im richtigen Leben, man spürt, dass der Kuss kommen wird, man wünscht ihn herbei. Eine gute Kuzssszene überrascht die Leser:in nicht. Von einem Kuss überrascht zu werden – hört sich eher nach einem Übergriff an, könnte falsch verstanden werden und eure Charaktere beschädigen.

Eine Kussszene könnt ihr aufbauen, in dem ihr die Partner:innen intensive Gespräche führen lasst oder sie sich körperlich näher kommen. Sie streifen sich mit dem Arm oder Bein, sie tauschen Blicke aus. Auch wie im echten Leben. Eine Beziehung, eine Nähe, bahnt sich an. Das macht den Reiz aus. Wenn der Kuss dann – endlich – passiert, sind die Leserinnen erleichtert und erfreut.

Und nach dem Kuss? Eine Kusssezen hat sehr oft ein Nachspiel. Wenn die Kussszene an einem dramaturgischen Wendepunkt einer Geschichte stattfindet, dann gibt es eine starke Reaktion.

Beispiel 1: Ein Paar versteht sich überhaupt nicht, beide „hassen“ einander – doch die Leser:in spürt, dass sich beide eigentlich mögen. Der Kuss könnte aus einer stürmischen Streitszene heraus passieren und die Gefühle des Paares um 180 Grad drehen.

Beispiel 2: Ein Paar sehnt sich nach Nähe, doch eigentlich ist es eine „verbotene“ Beziehung. Schließlich kommen sie sich näher, küssen sich und – werden dabei überrascht. Die Geschichte ändert sich ebenfalls um 180 Grad, was vorher ein zartes Sehnen war, wird danach zum offenen Konflikt oder Problem.

Kussszenen beschreiben

Ich zoome ein wenig heran, um die Frage zu beantworten, wie eine Kussszene im Detail beschrieben wird. Lasst mich vorab sagen: Auch ein Kuss ist – Geschmackssache. Im übertragenen aber auch wortwörtlichen Sinn. Ihr bestimmt, wie der Kuss euer Protagonist:innen sich anfühlt, schmeckt wie ihr ihn beschreibt. Da will ich euch nicht reinreden. Ich finde allerdings wichtig zu fragen:

  • Wie passt der Kuss in die Geschichte/Dramaturgie?
  • Wie passt die Ausführung des Kusses/die Kussszene zum küsssenden Paar?
  • Wie passt der Kuss zum Charakter?
  • Wie passt der Kuss/die Kussszene zu der Botschaft, die ich in die Welt geben möchte?
  • Wie originell und stilistisch gut ist die Szene beschrieben?

KussszenenPunkt eins habe ich oben schon behandelt. Eine Kussszene gewinnt dadurch, dass sie gut vorbereitet wird und an der richtigen Stelle in der Geschichte auftaucht.

Die nächsten beiden Punkte beziehen sich auf eure Charaktere. Ein Kuss sollte weniger zu euch, als zu euren Charakteren passen.

Beispiel 1: Ein junges Paar küsst anders als ein älteres, erfahrenes Paar. Ein erster Kuss, zwischen Jugendlichen ist anders als der Kuss eines 40 jährigen Charakters, der/die schon sehr oft geküsst hat.

Beispiel 2: Ein schüchterner Charakter – egal ob männlich/weiblich/divers – sollte auch in einer Kussszene eher schüchtern mit der Situation umgehen. Eher zurückhaltend und vorsichtig. Und selbst wenn er/sie etwas entschlossener handelt, sollte man merken, dass es ihm/ihr nicht so leicht fällt.

Merkt euch: Auch eure Protagonisten:innen haben beim Küssen mitzureden.

Kuss und Botschaft

Alles, was eine Autor:in schreibt, enthält eine Botschaft. Bewusst oder unbewusst. Es geht gar nicht anders, denn egal, was ihr schreibt, es kommt von euch, eurem Hintergrund, euren Erfahrungen, eurer Lebenseinstellung. Eine Kussszene, die ihr schreibt, sagt viel über eure Vorstellungen von Männern und Frauen aus, sagt etwas über eure Vorstellung von Machtverhältnissen und eure Vorstellungen von Nähe und Annährungen aus.

Beispiel 1: Er nahm ihr Kinn in die Hand, zog sie an sich und küsste sie. Er ist aktiv. Er ist sogar mehr als aktiv. Er zieht sie an sich. Er nimmt sich, was er haben will.

Beispiel 2: Sie lachte nervös. Würde er sie küssen? Jetzt? Sie ist passiv. Sehr passiv.

Nichts ist grundsätzlich falsch an beiden Szenen, aber sie vertreten ein traditionelles Frauenbild. Wollt ihr dieses Frauenbild verstärkern? Könnt ihr zu dieser Botschaft stehen?

Kussszene und Stil

Und – last but not least – sollte eine Kussszene so gut wie jede andere Szene beschrieben werden.

Je origineller und frischer die Szene beschrieben wird, desto besser. Vermeidet Klischees. Denkt weniger an Kussszenen aus Filme, sonder wie ihr euch in dem Moment, wenn ihr die Szenebeschreibt, fühlt. Schlüpft in die Rolle eurer Charaktere, überlegt, wie sie handeln könnten.

Dann lasst das Geschriebene eine Weile in Ruhe und lest es später kritisch durch. Wie fühlt es sich an, wenn ihr eure Szene lest? Vielleicht fällt euch auf –

  • dass ihr viel zu viele Details in der Szene habt (Sommersprossen sind hübsch, sollten aber beim Küssen eher nicht beschrieben werden.)
  • dass ihr Wörter benutzt habt, die falsche Assoziationen auslösen (Spucke, knöchrig, sauer …)
  • Bewegungen beschrieben habt, die zu ausführlich sind oder niemand versteht (er drehte sich zu ihr, so  dass er ihren Arm um ihren Hals legen konnte und zog sie dann enger an sich so dass …)

Macht den Test: Schließt die Augen und lasst euch die Sezne von jemand anderem vorlesen. Spürt ihr den Kuss auf euren Lippen? Versteht ihr, was ihr sagen wolltet? Wenn nicht, dann ändert die Sezne, bis sie stimmt.

Natürlich gehört zu einer guten Kussszene auch eine gute Umgebung. Atmosphäre. Und genau darum wird es im nächsten Blogbeitrag gehen.

Bis dahin!

xoxo

Katrin

#rednugwriting #schreibtipps #rbpub

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