7 Tipps - Wie schreibe ich eine gute Liebesszene

Wie schreibe ich eine gute Liebesszene #1 Intro

14. Januar 2021
Wie schreibe ich eine gute Liebesszene?

Ich bin zurück aus dem Winterschlaf mit einer neuen Blogreihe und der Frage, wie man eine gute Liebesszene schreibt. Oder besser, wie ich sie schreibe, denn das ist ab einem bestimmten Punkt eine sehr persönliche Sache.

Und, ja, schon seltsam, dass ich diese Blogreihe, die ich schon lange geplant habe, ausgerechnet 2021 beginne. In einer  Zeit, in der man Abstand hält und sich nicht zu nahe kommen oder sich nicht berühren soll und wir uns fragen, ob wir uns jemals wieder die Hand geben werden. Oder genau die richtige Zeit. Denn wenn uns Nähe und Intimität fehlen, dann können Bücher mit schönen Liebesszenen uns trösten.

Alle zwei Wochen, am DIY-Donnerstag, gibt es einen neuen Blogbeitrag. Wie immer leite ich meine Blogreihen gerne mit einer Einleitung, einem Überblick ein.

Was ist eine Liebesszene?

Für mich ist eine Liebesszene jede Szene, in der zwei Menschen sich näher kommen und starke Gefühle für einander haben oder entwickeln. Eine Liebesszene kann einen Kuss enthalten, Berührungen oder Sex. Eine Liebesszene muss aber keine Sex enthalten. Trotzdem wird es in der Blogreihe auch darum gehen: Wie schreibe ich eine gute Sexszene.

Dabei ist es  vollkommen egal, was für Spielarten dieser Sex hat. Bonding und SM-Spiele, Sex unter gleichgeschlechtlichen Paaren oder mit mehreren Partner*innen – alles ist möglich. Unsere Fantasie kennt keine Grenzen. Unser Geschmack allerdings schon. Ich will sagen: In dieser Blogreihe geht es nicht darum, wie eine Liebeszene oder der Sex aussehen soll – das muss jeder für sich selbst entscheiden – sondern wie ihr so gut darüber zu schreiben lernt, dass die Leser*innen die Szene verstehen und gleichzeitig von ihr berührt werden.

Zielgruppe und Genre

Berührt – und nicht unbedingt übermäßig erregt. Das wird auch ein Thema sein. Denn eine Liebesszene kann zart oder hart sein und sanfte oder extreme Gefühle bei den Leser*innen hervorrufen. Wenn ihr Pornografie schreibt, geht es um Erregung. Es ist gewollt, dass die Leser*in von der Sprache und Szene angetörnt wird. Wenn ihr einen Liebesroman schreibt, geht es eher um ein sanfteres Gefühl. Und wenn ihr für Jugendliche schreibt, wisst ihr, dass ein Kuss mehr Gefühle bei den Leser*innen erzeugen kann als eine explizite Sexszene, die junge Leser*innen möglicherweise eher verstört.

Wenn ihr in eine Buchhandlung geht oder ein Buch online sucht, dann sagen euch die Cover meist schon eine Menge über den Inhalt des Buches. Wenn viel Haut und dunkle Farben auf dem Cover zu sehen sind und dann noch Schlagworte wie Dark Romance in der Klappe stehen, könnt ihr ganz sicher sein, dass es viele Sexszenen gibt und diese auch härter sein können. Gerade wird heiß über das Buch 365 der polnischen Autorin Blanka Lipińska diskutiert. BDMS und Vergewaltigung,  Entführung und Einsperren. Das ist für einige Leser*innen eine ungute Mischung, aber das Buch wäre kein Bestseller, wenn die Autor*in damit nicht viele Leser*innen erreichen würde. Verlage verlegen, was sich verkauft. Sex sells …

In diese Diskussion möchte ich mich nicht unbedingt einmischen. Nicht, weil ich keine Meinung dazu habe, sondern weil es in diesen Blogartikeln nicht um Moral geht, sondern um Kunst. Mich interssiert, wie man die Spache so genial und kunstvoll verwenden kann, dass man zu einer Magierin wird. Und alle Gefühle bei den Leser*innen erzeugen kann. Alle. Und wenn jemand Dark Romance schreiben möchte, dann kann er oder sie genauso viel aus dieser Blogreihe mitnehmen, wie jemand, der ein Jugendbuch schreibt.

Gefühle

Es geht aber eindeutig mehr um das Beschreiben von Gefühlen, als um Sexstellungen. Ich denke, dass es für gute Künstler*innen andere Mittel als Provokation und Schock gibt. Jedenfalls interessieren sie mich mehr.

The language of sex is emotion. (Diana Gabaldon)

Da stimme ich zu. In dieser Blogreihe geht es vor allem darum, wie man lernt, über Gefühle zu schreiben und sie zu beschreiben. Die Betonung bei Liebesszene liegt auf Liebe. Liebe ist mehr als ein Gefühl, aber Liebe erzeugt in uns eine Menge Gefühle und die sind für Schriftsteller*innen interessant. Wie beschreibe ich sie? Wie schmücke ich sie aus oder bringe sie auf den Punkt?

Sprache

Quelle: Lucien Métivet - https://www.pinterest.de/pin/539235755359578244/Wer jemals einen Liebesbrief geschrieben hat, weiß, wie schwer es ist, seine Gefühle in Worte zu fassen. Ich liebe dich! zu schreiben, reicht nicht, da es auf dem Papier nur eine Aussage ist. Damit Emotionen entstehen, muss der Satz in eine Atmosphäre einbettet werden. Eine Situation, einen Ort, Gerüche, visuelle Ereignisse. Wenn ich aus dem Fenster sehe und der Schnee langsam zu Boden rieselt, denke ich an … unsere letzte Nacht// deine Berührungen auf meiner Haut//die Zärtlichkeit deiner Küsse. Wenn die Schneeflocken auf meiner Zunge schmelzen …

Beim Schreiben habt ihr nur die Worte, um das, was in einer realen Szene passiert, wahrgenommen wird, spürbar ist – zu beschreiben und zu umschreiben. Ich wünsche mir, dass ihr alle kleine Cyrano des Bergeracs werdet.

Edmond Rostand schrieb 1897 das Theaterstück über den Helden Cyrano de Bergerac (ein französischer Dichter des 17. Jahrhundert), der sich nicht besonders schön findet, aber wundervoll über Gefühle schreiben kann. Roxane (seine große Liebe) gesteht ihm ihre Liebe zu einem anderen. Und unser Held? Hilft diesem Mann, der selbst nicht gut schreiben kann (aber vermutlich gut aussieht), Liebesbriefe an die von ihm geliebte Roxanne zu schreiben.

Ziemlich grausam, oder? Besonders, wenn man sich das Orignalstück ansieht, bei dem am Ende – Spoileralert! – beide Männer sterben und Roxane die Wahrheit über den Briefschreiber erst erfährt, als alles zu spät ist.

Ziemlich grausmam, aber auch ziemlich genial, wenn man so gut über Gefühle schreiben kann.

Handwerk

Schreiben ist sehr viel Handwerk. Die Worte so miteinander zu verbinden, dass sie beim Anderen genau das auslösen, was man möchte. Aber es ist nicht nur Handwerk, sondern auch Erfahrung. Wenn ihr noch nie jemanden geküsst habt oder Sex hattet, solltet ihr diese Szenen beim Schreiben vielleicht eher vermeiden. Kenner*innen merken, wenn ihr ihnen nur Klischees erzählt und euch in den Details nicht auskennt. Und Details sind bei Liebesszenen sehr wichtig.

Egal ob erfahren oder nicht, Liebesszenen sollte sich beim Lesen frisch und wie gerade neu erschaffen anfühlen. Standartsätze und Formulierungen werden euch die Leser*innen gerade an dieser Stelle nicht so schnell verzeihen.

Atmosphäre

Für die nächsten 7 Blogbeiträge könnt ihr euch nun zurücklehnen und mit mir auf eine sinnliche Reise gehen. Im besten Fall verliebt ihr euch in das Schreiben von Liebesszenen.

Klar, irgendwann sitzt ihr dann wieder vor eurem Laptop und müsst eine Liebeszene schreiben. Hilfe! Worte in den Computer. Aber das wird viel einfacher sein, wenn ich euch die Liste meiner Zutaten für eine gute Liebesszene gegeben habe. Außerdem gibt es jeweils einen Exkurs zu Kuss- und Sexszenen.

In zwei Wochen geht es erst einmal um die fünf Sinne und wie ihr sie in der Beschreibung einer Liebesszene nutzen könnt.

Bis dahin eine gute Zeit, bleibt gesund!

xoxo

Katrin

#redbugwriting #rbpub #schreibtipps

 

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