7 Tipps - Wie schreibe ich eine gute Liebesszene

Wie schreibe ich eine gute Liebesszene #2 Sinnlichkeit

28. Januar 2021
Sinnlichkeit

Heute geht es um Sinnlichkeit. Letzte Woche habe ich euch einen Überlick über diese Blogreihe gegeben und heute geht es los. Was macht eine gute Liebeszene aus? Im Leben und in der Literatur? Nun, eine Antwort ist: Eine gute Liebesszene spricht  am besten alle fünf Sinne der Leser*in an.

Klassischerweise werden im allgemeinen Sprachgebrauch fünf Sinne unterschieden, die bereits von Alkmaion von Kroton (ohne den Tastsinn), Demokrit und Aristoteles beschrieben wurden.[Quelle]

  • Sehen
  • Hören
  • Riechen
  • Schmecken
  • Fühlen – Tasten

Natürlich bleibt ein Buch ein Buch, ihr lest Worte. Im Kino kommen Bilder zu den Worten dazu, man kann Dialoge hören, aber dort gibt es keine Gerüche und man kann weder schmecken noch tasten.

ABER … all diese Sinne können durch Worte aktiviert werden.

Sehen

SinnlichkeitMachen wir ein Spiel. Ich schreibe – rote Blume. Schießt die Augen oder lasst sie offen … was seht ihr? Welches innere Bild taucht vor euch auf? Lest ihr von einer roten Blume – exakt – taucht ziemlich sicher das Bild einer roten Blume vor eurem inneren Auge auf. Okay, die mag für jeden  von euch anders aussehen. Für den einen ist es eine Rose, für eine andere eine Mohnblume.

Erweitern wir das Spiel: Ich schreibe – Extrakorporale Stoßwellenlithotripsie. Was seht ihr? Vermutlich nichts, wenn ihr nicht eine Mediziner*in seid. Aha, wir erhalten nur ein inneres Bild, wenn wir eine äußere (Seh-)Erfahrung dazu haben. Interessant. Behaltet das im Kopf.

Hören

Mochtet ihr es auch, wenn euch früher als Kind jemand etwas vorgelesen hat? Oder heute noch, denn Hörbücher sind extrem beliebt. Genau wie Worte Bilder in eurem inneren Auge erzeugen, funktioniert das auch mit dem Hören und den Ohren.

Ich sage … Happy Birthday to you 🎼 Und gehe sehr stark davon aus, dass ihr etwas in eurem inneren Ohr hört. Die Melodie von Happy Birthday. Und wenn ich Rocksong schreibe, dann hört ihr auch etwas. Aber mit Sicherheit hört jede/r von euch etwas anderes.

Riechen

Und wie ist es mit dem Riechen? Tja, ich sage mal … faule Eier! Oder: starkes Parfüm. Im ersten Fall erinnern wir uns mehr oder weniger an den gleichen Geruch – sofern wir ihn kennen, im zweiten Fall hat jeder einen eigenen Geruch in der Nase, aber er wird sehr unterschiedlich sein. Funktionieren tut beides.

Die Sinneskanäle des Menschen können in Fernsinne (auch Telerezeptoren: Hörsinn, Sehsinn, Geruchssinn) und Nahsinne (alle übrigen Sinne) unterschieden werden. (Wikipedia)

Schmecken

Mit dem Schmecken ist es ähnlich. Süß? Salzig? Ihr wisst, was ich meine. Meist reicht ein Wort, um etwas in euch auszulösen. Die versalzene Suppe – alles klar. Anders ist es bei Geschmäckern, die exotischer sind. Es gibt Menschen – hoffentlich Köche – die haben einen ganz besonder stark ausgebildeten Geschmackssinn. Sie können einzelne Gewürze und Zutaten in einem Gericht unterscheiden. Da wird es schon komplizierter mit der Beschreibung.Je feiner die Sinneswahrnehmung, desto komplexer/schwieriger die Beschreibung.

Als Autor*in könnt ihr Geschmacknuancen für euer Leser*innen zum Beispiel durch Vergleiche deutlich machen. Süß wie … eine reife Frucht. Salzig  … wie eine Meeresprise auf der Zunge.

Fühlen

SinnlichkeitFühlst du das? Mit Fühlen ist hier der Tastsinn gemeint, das was ihr spürt, wenn ihr Gegenstände oder Lebewesen berührt. Einen Stoff oder ein Stück Holz. Wenn ihr Kieselsteine unter euren Füßen spürt oder den Sand zwischen den Zehen am Strand.

Wort erzeugen Emotionen

Ihr sitzt an der Schaltzentrale, ihr bestimmt, was die Leser*in  sieht, hört, schmeckt … und fühlt.

Worte erzeugen Assoziationen, rufen Erinnerungen wach, lassen Bilder aufleben. Emotionen, die ihr spürt, wenn ich euch ein Bild gebe: Ein heller Morgen! Ein stinkender Fisch. Mehr als nur ein Geruch, sondern ein größeres Gefühl: Freude oder Euphorie. Ekel oder Widerwillen.

Und weil das ziemlich realisitisch werden kann, gibt es jetzt sogar Triggerwarnungen in Büchern. Danke, das ist erstmal ein großes Kompliment an das Schreiben und die Sprache und alle Autor*innen. Ihr seid  so mächtig, dass ihr starke Erinnerungen an Bilder, Gerüche und Töne wieder aufleben lassen könnt. Das solltet ihr auf jeden Fall nutzen. Ganz besonders, wenn ihr eine Liebesszene schreibt.

Liebesszenen und Sinnlichkeit

Wenn ihr eine Liebesszene schreibt, erinnert euch daran, dass ihr nicht nur Bilder in den Köpfen euer Leser*innen erzeugen konnt, sondern auch Geräusche, Gerüche, Geschmäcker. Je mehr Sinne ihr bei den Leser*innen ansprecht, desto sinn-licher wird die Szene.

Oh ja, es ist wie im Leben. Auch dort verführt ihr jemanden auch am besten an einem schönen Ort (Sehen), mit guter Musk (Hören) und einem guten Essen (Schmecken).  Ihr habt ein gutes Parfum oder Afterhave aufgelegt (Riechen) und wenn ihr die oder den anderen dann berührt …

Die Verführung kann beginnen

Wie immer gilt für auch für das Schreiben von Liebeszenen die Regel: Show – don’t tell.  Es ist schöner und besser, wenn ihr eine Szene beschreibt und ausmalt, als sie zu behaupten. Sie sah toll aus. Okay, was heißt das? Was muss ich mir vorstellen? Besser: Das rote Kleid stand ihr gut. Es betonte ihr weichen Formen …

Eine Liebesszene beginnt häufig mit einer Verführung. Sie ist nicht plötzlich da, sie baut sich auf. Aktiviert die Sinne euer Protagonisten und Leser*innen schon vor der eigentlichen Szene.

Es war ein heller Frühjahrstag, die Kirschblüten rochen süßlich. Sie war mit Frederik zum Abendessen verabredet, aber sie war so hungrig, dass sie sich auf dem Weg an einem Stand am Markt ein frisches Brötchen kaufte. Das Brot war noch heiß, roch nach Teig und erinnert sie an die letzte Nacht, als …

Und natürlich sollten die Sinne auf positive Weise aktiviert werden. … aber sie war so hungrig, dass sie sich auf dem Weg an einem Stand ein Fischbrötchen kaufte. Es roch leicht ranzig und und erinnert sie an die letzte Nacht, als …

Nope. Es sei denn, ihr wollt eine ungute Liebesszene schreiben, auf die ihr so perfekt vorbereiten könnt: Ekel, Widerwillen.

Sinnlicher schreiben

Nun ist es leicht zu sagen, schreibt sinnlicher! Etwas anderes ist es, das auch alles umzusetzen. Daher habe ich heute mal wieder ein schönes Worksheet mit Schreibübungen für euch. Klickt einfach auf das Bild oder diesen Link. Das Worksheet bekommt ihr mit dem nächsten Newsletter zugesandt. Falls ihr nicht warten wollt, schreibt euch erneut in den Newsletter ein (keine Angst, ihr werdet nicht doppelt gezählt) und bekommt den Link zum Worksheet mit der Bestätigungs-/Antwortmail.

Du bist neu hier? Nun, dann kannst du dich natürlich auch einschreiben, erhältst das Worksheet und mit dem nächsten Newsletter Zugang zu über 30 weiteren Worksheets mit Checklisten und Übungen zum Schreiben.

In zwei Wochen geht es dann weiter mit der Dramaturgie einer Liebesszene. Wie schreibt ihr eine Liebeszene spannend? Was ist der Höhepunkt einer Liebesszene? Und warum ein Höhepunkt beim Sex, nichts mit dem  Höhepunkt euer Sexszene zu tun hat.

Bis dahin!

xoxo

Katrin

#redbugwriting #rbpub #schreibtipps

 

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