DIY-Donnerstag, Kreatives Schreiben mit Clustering

Kreatives Schreiben mit Clustering #11 Entscheidungen

29. Oktober 2020
Clustering – Entscheidungen

Wie letzte Woche schon angesprochen, ist das Clustern auch eine gute Methode, um Entscheidungen zu treffen. Pro oder Contra? Ja oder nein, rechts oder links – wir treffen ständig Entscheidungen. Meist sind sie klein: Käse oder Wurst, Bahn oder Bus, manchmal aber auch groß: Scheidung oder Zusammenbleiben, Kinder oder keine, Liebe oder Freundschaft. Die Bürger der USA treffen gerade die Entscheidung über ihren nächsten Präsidenten …

Buchcharaktere – Held*innen – müssen ständig Entscheidungen treffen. Das liegt daran, dass wir Geschichten von Veränderung, von persönlichen Entwicklung, von Abenteuern und Herausforderungen hören wollen. Das sind spannende Geschichten, denn die helfen uns bei eigenen Lebensentscheidungen.

Unter Entscheidung versteht man die Wahl einer Handlung aus mindestens zwei vorhandenen potenziellen Handlungsalternativen unter Beachtung der übergeordneten Ziele. (Wiki)

Es wäre allerdings langweilig, wenn wir unsere Held*innen ihre Entscheidungen ohne vorherige Auseinandersetzungen treffen lassen. Denn Spannung entsteht, wenn wir unsicher sind, wie sich Held*innen entscheiden, welchen Weg sie gehen. Vielleicht seht ihr, dass der eine Weg der bessere, der gesündere ist, aber die Held*in schlägt trotzdem den anderen ein. Oh, ja, das kennt ihr sicher auch aus eurem eigenen Leben. Das sind dann Fehlentscheidungen, die euch vielleicht ewig nachhängen oder die ihr als Lernprozesse irgendwann akzeptieren könnt.

Phasen der Entscheidung

Eine wichtige Entscheidung setzt sich aus verschiedenen Phasen zusammen:

  • Abwägen
  • Planen
  • Ausführen
  • Bewerten

Abwägen: Ihr überlegt, ob die Entscheidung richtig und gut für euch ist, ob sie euch voran bringt. Ob sie euch auf einem angepeilten Ziel weiterhilft. Nehmen wir an, es geht um die Frage, ob ihr das Abitur machen wollt. Und ihr seid unsicher. Noch länger Schule? Kann man mit der Zeit etwas Besseres machen? Schafft man das Abi überhaupt? Aber vielleicht wollt ihr studieren, dann braucht ihr ein Abitur.

Planen: Okay, ihr habt euch für das Abitur entschieden, dann heißt es jetzt wohl, Zeit dafür einzuplanen, das Leben danach auszurichten.

Ausführen: Und dann geht es an die Ausführung des Ziels. Lernen und gute Noten schreiben. Das heißt weniger Party und mehr am Schreibtisch sitzen. Ihr müsst euch anstrengen oder zumindest Zeit dafür einplanen.

Bewerten: Und am Ende könnt ihr entscheiden, ob es sich gelohnt hat. War es die richtige Entscheidung? Habt ihr das Abitur geschafft? Ist es ein Erfolg? Oder nicht? Habt ihr euch gegen andere/ bessere Alternativen entschieden und bereut den Aufwand? Am Ende ist das Studium doch nicht das Richtige? Oder ihr feiert, denn das richtige Ziel ist mit den richtigen Entscheidungen erreicht worden.

Entscheidungen clustern

Buchheldinnen haben meist schwerwiegendere Entscheidungen zu treffen, als das Abitur machen. Im Leben mag es eine große Entscheidung sein, für Held*innen stehen größere Entscheidungen an: Töte ich meinen Widersacher? Kann ich mein Land retten? Mein Leben? Finde ich die Liebe meines Lebens?

Meist schließt eine große Entscheidung viele kleine Entscheidungen mit ein. Will die Held*in ihr Land retten, kann sie nicht gleichzeitig zu Hause gemütlich mit ihrem Liebsten leben.

Eine Autor*in ist zu dem Zeitpunkt, an dem die Held*in eine große Entscheidung treffen muss, vermutlich schon sehr vertraut mit dem Charakter. Was sind ihre/seine Stärken und Schwächen? Wo liegt das große Ziel und wie kann diese Entscheidung zum Erreichen des Ziels beitragen?

Aber manchmal ist es – genau wie im richtigen Leben – auch für eine Autor*in nicht so einfach, abzuschätzen, welchen Weg die Held*in und damit die ganze Geschichte einschlagen soll. Und hier hilft Clustern.

Nun sehen die Entscheidungen der Charaktere in einem historischen Roman oder einer Fantasy-Story anders aus, als in einer Young Adult-Novel, aber das Prinzip ist überall gleich. Wie viele Gründe – gut oder schlecht – sprechen für oder gegen eine Entscheidung? Und damit ihr das gleich mal üben könnt, hier das erste Cluster.

Ihr wisst, dass es unter den neusten Einschränkungen eine große Entscheidung sein kann, ob man verreist. Nun, denkt an eine geplante Reise oder eine, die ihr zurzeit sehr gerne machen würdet und findet 7 Gründe für oder gegen eine Reise und überlegt, wie die Entscheidung euer Leben grundsätzlich verändern könnte.

Je mehr Gründe ihr findet, desto besser, denn hinter jedem Grund oder Argument oder Gegenargument verbirgt sich eine Ministory, die eure Geschichte interessanter machen kann.

Vor der Entscheidung – Cluster

Jede Entscheidung bedeutet einen anderen Fortgang der Geschichte. Entscheidet sich die Held*in gegen Magie, kann sie den Kampf vielleicht nicht gewinnen. Wirft Frodo den Ring ins Feuer, kann er nie mehr benutzt werden.

Entscheidungen sollten gut durchdacht werden – in Geschichten und im Leben. Selbst Plotter/Planer, die alle Entscheidungen schon im Vorhinein getroffen haben, müssen den gesamten Entscheidungsprozess erforschen, denn schließelich will die Leser*in alle Zweifel und Überlegungen mit der Protagonist*in durchleben.

Wie langweilig wäre eine Geschichte, wenn die Held*in immer weiß, was sie will? Hier daher mal eine Übung zu der – fiktiven – Frage, ob ihr euch ein Haus kaufen wollt. Wägt ab und findet 7 Gründe dafür oder dagegen.

Entscheidungen und Gefühle

Gründe – für oder gegen eine Sache sind meist rational. Was ist mit den Gefühlen? Sie sind ebenso wichtig für eine Entscheiung wie die guten oder schlechten Argumente. Fühle ich mich wohl bei dem Gedanken an eine Entscheidung? Was sagt mein Bauch? Es werden sehr viel mehr Entscheidungen (auch falsche) von Gefühlen getroffen.

Es gibt eine Entscheidung, die sehr viel mit Gefühlen zu tun hat, und die dürft ihr jetzt Clustern. Diesmal unter dem Aspekt Planung. Heißt – ihr habt euch FÜR ein Haustier entschieden (egal welches). Die Entscheidung ist schon gefallen, aber muss nun geplant werden. Was müsst ihr alles einplanen? Findet 7 Dinge, die vorbereitet und durchdacht werden müssen, BEVOR ihr euer Haustier anschafft.

Entscheidungen haben Konsequenzen. Wenn ihr gut plant, versucht ihr die Konsequenzen eurer Entscheidung schon im Vorhinein abzuwägen. Ein Hund haart! Mehr als eine Katze. Nun, wir lieben unseren Hund, aber vieles haben wir weder bedacht noch eingeplant. Eine eindeutege Bauchentscheidung. Vollkommen okay, denn sie verletzt niemanden. Doch in einem Krimi könnte so eine Entscheidung einen Mörder am Ende zu Fall bringen. Haare, DNA, überall. Man trägt sie am Körper umher.

Am Scheideweg

Sebastiano Ricci – Hercules at the crossroads

Zum Abschluss noch ein wenig Wissen-macht-Ah. Es geht um die moralischen Komponente von Entscheidungen. Anders gesagt: Manchmal steht man am Scheideweg. Ist hin- und hergerissen, welche Entscheidung die bessere ist. Besonders, wenn die eine Entscheidung sehr verführerisch ist und die andere ziemlich anstrengend erscheint.

Mit diesem Thema haben sich schon viele Künstler*innen auseinandergesetzt. Er findet seine frühste Form in einem Mythos der griechischen Mythologie: Herakles am Scheideweg.

Der Mythos oder die Geschichte handelt von Herakles, der sich zwischen einem leichten, aber kurzfristigen und moralisch eher verwerflichen und einem beschwerlichen, aber tugendhaften und langfristig beglückenden Lebensweg entscheiden muss. Die Geschichte geht angeblich auf eine verlorene Schrift von Prodikos von Keos zurück. Warum ist diese Geschichte so interessant?

In starken Geschichten ist der Konflikt (mehr darüber im vorherigen Clusterbeitrag) bei Entscheidungen sehr hoch. Eigentlich sind beide Weg gut, machbar. Oder einer ist besser aber härter wie bei Herkules. Am spannendsten wird es, wenn eigentlich keine der beiden Entscheidungsmöglichkeiten wirklich befriedignd ist, weil beide Entscheidungen harte Konsequenzen für die Held*in haben.

Wie würdet ihr entscheiden? Ein kurzweiliges unmoralisches Leben, voller Lust und Freude, oder der Weg der Anstrengung, der Mühen im Dienste der Menschheit? Tja … Vielleicht müsst ihr das clustern, um eine Lösung zu finden. Aber ihr wisst ja jetzt, wie das geht :))

Eine gute Zeit – bis zum letzten Beitrag der Reihe

xoxo

Katrin

#redbugwriting #rbpub #schreibtipps #clustering

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