DIY-Donnerstag, Kreatives Schreiben mit Clustering

Kreatives Schreiben mit Clustering #7 Orte

9. Juli 2020
Orte in Geschichten

Jede Geschichte spielt an einem bestimmten Ort oder sogar mehreren Orten. Denkt an Zeitreisegeschichten, da habt ihr mehrere, zum Teil sehr unterschiedliche Orte (und Zeiten!). Ort, Zeit und Handlung sind eng mit einander verbunden und sehr häufig sind sie der erste Ansatzpunkt für eine Story (mehr über Story-Welten): Ihr wollt eine Geschichte schreiben, die im Weltall //in einer High-School//die in einem Gefängnis spielt? Ich bin eine großer Fan davon, Geschichten mit der Wahl von Orten zu beginnen, weil ich gut finde, Entscheidungen vom Großen zum Kleinen zu treffen. Erst das Setting, dann die Story, dann die Charaktere.

Aber viele Autor*innen beginnen lieber mit den Charakteren. Und das ist auch schön, denn sehr häufig ergibt sich durch einen Charakter – ein Zombie//eine Astronaut*in//eine Schüler*in – ganz logisch ein Setting und ein Ort.

Vertraute Orte

Es gibt Orte in Geschichten, die stehen den Leser*innen sehr deutlich vor Augen. Ich finde es lustig, dass so viele deutsche New Adult-Geschichten in High-Schools spielen, obwohl die Autor*innen sich dort meist überhaupt nicht auskennen. Sie haben allerdings – wie wir alle – das Gefühl sich dort gut auszukennen, da es so viele High-School Serien gibt. Flur/Locker/Classroom-Situationen – kennen wir in- und auswendig. Auch deutsche Schulen sind sich ähnlich, vermutlich sogar europäische Schulen.

Orte Red Bug Culture Clustering Schulen – sind vertraute Orte. Auch, weil jeder von uns in seinem Leben schon einmal auf eine Schule gegangen ist (okay, Pippi Langstrumpf nicht …). Wenn eure Geschichte an einer Schule spielt, dann genügt es zu sagen: Sie betrat die Schule … Keine weiteren Beschreibungen nötig. Jede Leser*in wird sich eine Schule vorstellen können. Trotzdem sind Beschreibungen in Texten ein wichtiges Mittel die Leser*in in die Gedankenwelt der Autor*in zu ziehen, ihr Bilder// Vorstellungen// Beobachtungen nahezubringen. Kurz: Die Geschichte persönlicher und besser zu machen.

Beschreibungen gehören zu den schwierigeren Teilen von Geschichten. Hier zeigt sich, wer gut schreiben kann. Es gilt das Maß zwischen zu ausführlichen und zu knappen Beschreibungen zu finden. Die Eingangshalle einer Schule zu ausführlich zu beschreiben, wird Leser*innen ziemlich sicher langweilen. Muss ich wissen, welche Farbe das Linoleum hat? Eher nicht. Eine zu knappe Beschreibung eines unbekannten Ortes kann Leser*innen dagegen nerven, da sie keine Vorstellung von dem Ort und den Gegebenheiten haben.

DIY – Clustering von vertrauten Orten

Clustering ist eine wunderbare Methode, sich Inspriation für Orte zu holen. Clustering macht euch klar, wie viele Möglichkeiten in einem Ort stecken. Bei dieser Übung möchte ich euch zeigen, dass man auch bei Orten, die der Leser*in sehr vertraut sind, noch viele Ideen sammeln kann.

In guten Geschichten werden immer unterschiedliche Orte/Räume benutzt, um die Vorstellungskraft der Leser anzustoßen. Selbst wenn die Handlung nur an einem Ort spielt, gibt es dort viele Ecken und Räume. Es wäre langweilig, eine Schulgeschichte immer nur vor den Schließfächern spielen zu lassen. Um sich klar zu machen, welche Möglichkeiten ein Ort bietet, hilft das Clustering.

In der ersten Übung gebe ich euch einen sehr vertrauter Ort. Eine deutsche Schule. Eure Aufgabe ist es nun, alle Clusterblasen um den Begriff Schule herum mit Orten in der Schule zu füllen, an denen die Handlung spielen könnte. Was lässt sich aus diesem Ort „herausholen“? Wo überall könnten Charaktere aufeinandertreffen, sich küssen, arbeiten, sich unterhalten?

Ich habe ein paar Blasen ausgefüllt – der Rest liegt bei euch.

Unvertraute Orte

Wie ist es mit unvertrauten Orten? Nehmen wir an, ihr findet London cool und wollte eure Geschichte dort spielen lassen. Sagen wir: in der Jetzt-Zeit, um die Sache nicht zu kompliziert zu machen. Kennt ihr euch gut in London aus – ist es leicht. Allerdings könnt ihr nicht davon ausgehen, dass sich die Leser*innen an diesem Ort auskennen. Wobei – nun – ähneln sich Städte nicht? Ja, eigentlich schon. Sie ging die Einkaufsstraße entlang … wird auch in London reichen.

Aber natürlich ist es schön, wenn die typischen Taxis vorbeifahren oder die roten Busse. Wenn ihr die Stadt durch wiedererkennbare Kleinigkeiten oder Sehenswürdigkeiten zu LONDON macht. Warum sonst würdet ihr die Stadt in einer Story benutzen?

Kennt ihr einen Ort nicht, müsst ihr recherchieren. Das empfehle ich in jedem Fall. Manchmal kann es auch helfen, einen Ort zu besuchen, um sich dort inspirieren zu lassen.

Für die nächste Übung habe ich einen Ort ausgesucht, der tricky ist. Wir kennen ihn nicht. Nein, absolut nicht. Und doch haben wir – durch Filme und Aufnahmen von Satelliten – eine ziemlich genaue Vorstellung von dem Raum. Ich rede vom Weltall. Sehr viel Raum und wenig Ort, oder? Nun, es gibt ja auch bewegliche Orte, wie Spaceshuttle, Raumstationen oder andere Raumschiffe, also gibt es auch hier Räume innerhalb des Ortes, an denen man die Handlung spielen lassen kann. Los geht’s:

An welchen Orten könnt ihr euer – vermutlich dystopisches – Weltraumabenteuer spielen lassen? Wie schon vorher habe ich ein paar Clusterblasen gefüllt, der Rest ist eure Sache.

Orte Red Bug Culture - Clustering

Der Urwald

Manche Geschichten erzählt man nur, weil der Ort, an dem sie sich zutragen, wichtig ist. Nehmen wir an, ihr wollte die Geschichte einer Urwald-Expedition erzählen. Dann wird der Ort zu einem weiteren „Hauptcharakter“ der Geschichte. (Vielleicht sogar der Feind?)

Dort spielt sich alles ab. Aber es wäre unglaublich langweilig, wenn man ständig nur erzählen würde: Wieder ein Baum, noch ein Baum, noch eine Liane. Auf den ersten Blick ist ein Urwald etwas eintönig, aber wenn ihr näher hinseht, fällt euch auf, was es dort für unerwartete Orte gibt. Vielleicht ein Wasserfall mitten im Dschungel? Oder eine Höhle.

Die Orte, an die es eure Protagonisten während der Expedition verschlagen wird, solltet ihr gut und sinnvoll über die Geschichte verteilen. Ein Wasserfall ist ein guter Höhepunkt. Er kann Rettung oder auch Bedrohung oder eine glückliche Pause auf der Reise sein.

Eine Höhle ist ein spannender Ort, der länger erkundet werden kann, aber auch Schutz vor wilden Tieren bietet.  Ein Ort in einer Geschichte ist nicht nur ein Ort, er ist mit einer bestimmten Aktion verknüpft, bringt Gefahr oder Rettung, hilft oder ist Zuflucht.

Los geht’s, ihr clustert einen Urwald:

Orte lebendig machen

Es ist wichtig, Orte mit bestimmten Handlungen zu verbinden. Und viele abwechlungslreiche Orte für eure Geschichte zu wählen. All das macht eure Geschichte aufregend und abwechlungsreich. Aber richtig, ein Ort ist erstmal nur ein Ort. Wasserfall – sagt weder was dort passiert, noch wie der Ort aussieht. Also wird es im August weiter um Orte, genauer gesagt um Situationen gehen. Eine Situation kann mit einem Ort verknüpft sein: gefangen=im Gefängnis//beim Kochen=in der Küche//beim Workout=im Fitnessstudio. Oder auch nicht: pleite//krank//engagiert.

Ich freue mich auf viele schöne Situationen im August und wünsche euch bis dahin einen guten Ort, um dort die Ferien zu verbringen, selbst, wenn es „nur“ euer Balkon ist.

Bis dann

xoxo

Katrin

#redbugwriting #rbpub #schreibtipps #clustering

 

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1 Comment

  • Reply Kreatives Schreiben mit Clustering #8 Situationen - Red Bug CultureRed Bug Culture 6. August 2020 at 18:39

    […] geht es um Situationen. Eine Situation ist mehr als ein Ort (mehr zu Orten und Clustering), mehr als ein Ereignis und ich würde sogar so weit gehen zu sagen, ein gutes Buch besteht […]

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