DIY-Donnerstag, Kreatives Schreiben mit Clustering

Kreatives Schreiben mit Clustering #5 Feind*in

21. Mai 2020
Was ist eine Feind*in?

Jede Geschichte braucht eine Held*in und eine Feind*in. Die beiden gehören zusammen wie Yin und Yang, Hell und Dunkel, Tag und Nacht.

Wir Menschen begreifen die Welt oft erst durch das Gegenteil oder die Abwesenheit einer Sache. Ja, jetzt wird es etwas philosophisch. Dunkelheit exisitiert nicht, Dunkelheit bedeutet einzig die Abwesenheit von Licht. Ähnlich könnte man sagen: Das Böse exsistiert nicht, es ist nur die Abwesenheit des Guten. Aber nun, wir haben schon einen Vorstellung von Dunkel und auch vom Bösen. Wir wollen es besiegen oder beseitigen. Licht ins Dunkel bringen. Vielleicht verstehen wir das Konzept des Guten sogar nur durch das Böse. Denn wenn alle gut und alles gut wäre, dann gäbe es hier nicht viel zu lernen.

Bösewichte, Feinde, Antagonisten existieren nur deshalb in Geschichten, damit wir mehr über das Gute lernen. Ich weiß, einige dort in der Welt (Trump und Co) denken, das Böse wäre eine Macht, die es zu bekämpfen gilt, doch das Böse verschwindet sofort, wenn wir das Gute in uns zulassen. Ich will sagen: Das Gute ist in uns und nicht außerhalb von uns und ebenso das Böse. Okay, heavy stuff. Dies mag man nicht glauben, es ist allerdings das Denkkonzept von Geschichten. Von den ersten Höhlengeschichten, über die Bibel, bis zu heutigen Disneymärchen. Es geht in diesen Storys weniger darum, das Böse zu bekämpfen, als darum, das Böse als Gegenteil des Guten zu erkennen. Und dann womöglich die Schattenelemente zu re-integrieren. Denn – psychologisch schon lange bekannt – was wir an anderen hassen oder als böse ansehen, sind meist die verdrängten Schattenelemente unseres eigenen ICHs.

Feinde sind Schattenseiten des ICHs

Feind*inDas Böse oder die negativen Aspekte von sich in uns selbst zu erkennen ist nicht einfach. Wir verdrängen diese Aspekte, die zu Schatten und dunklen Stellen unserer Seele werden, die wir auf keinen Fall sehen wollen. Der Nachbar ist pingelig – wir nicht. Die Nachbarin ist nervig – wir nie. Würden wir diese Geschichte von dem dummen Nachbarn erzählen, würde uns allerdings auffallen, wie falsch und simpel und einfach gestrickt diese Story ist. Keine Bewegung, keine Veränderung, nur Groll (auf die Nachbar*in) – keine echte, spannende Geschichte. Wie ich schon letzte Woche sagte: Geschichten handeln von Veränderung. Vom Wachsen. Und heute füge ich hinzu: Vom Integrieren der Schatten. Sie handeln von dem Kampf gegen unsere eigenen Schatteneigenschaften.

So würde der Held in der Geschichte von der nervigen Nachbarin sich vermutlich am Ende in sie verlieben. Erst hat sie ihn genervt, dann hat er seine eigene Schattenseite, seine verdrängte Leidenschaft oder Sehnsucht durch sie erkannt und durch die Liebe zu ihr re-integriert.

Für die Entwicklung der Held*in ist ein Feind daher sehr wichtig. Ein grober Fehler wäre es dabei, zu denken, dass Feinde flach gestrickte Bösewichte sein können. Damit würden wir unsere eigenen Schatteneigenschaften nicht ernst genug nehmen. Nein, gute Feinde sind genauso komplex und vielfältig wie unsere Heldinnen. Gute Feinde fordern die Helden heraus.

Feinde erschaffen

Feinde sollten in euren Geschichten eigene starke Persönlichkeiten sein. Und – richtig – nicht immer kann man sich in sie verlieben, manchmal muss man sie töten, umbringen, in der Welt und damit auch in sich. Und damit der Welt zeigen, was wir alle, als kollektives WIR, nicht mehr wollen. Hitler. Sein Wunsch, alle Menschen, die nicht einem Ideal entsprechen, zu töten – ist kein gangbarer Weg in dieser Welt. Wir haben lange genug gebraucht, um das zu erkennen oder zu formulieren. Viel Leid musste bis dahin geschehen. Ein unbelehrbarer Feind, ein nicht zu integrierender, nicht zu bekehrender Feind muss in Geschichten meist sterben. Weil wir dieses Konzept nicht mehr brauchen. Auch nicht als Schatten.

Interessanterweise haben wir es gerade wieder mit einem angeblichen Feind zu tun. Corona = heißt Krone. Ist Corona tatsächlich unser Feind oder vielleicht nur ein Schatten, der uns darauf hinweist, dass wir so nicht weiter machen können? Wir setzen uns als Menschheit die Krone auf, wollen über allem herrschen – aber – wer ist hier die eigentliche Herscher*in? Denn was wir auf der Erde tun – Fliegen, Autofahren, Arbeiten und Konsumieren – ist nicht unbedingt gut für diese Erde. Okay, ihr denkt, ich schweife ab. Nein, tue ich nicht. Ich weise euch nur daraufhin, dass eine Feind*in in Geschichten noch nicht einmal Menschen sein müssen, sondern auch Unglücke, Katastrophen, Seuchen oder  – Pandemien sein können.

Feinde clustern

Wenn ihr Feinde für eure Held*innen erschafft, dann ist es wichtig, dass sie die Held*in wirklich fordern. Es muss schwierig sein, diese Feind*in zu überwältigen. Daher macht es Sinn, ihnen gute, starke Eigenschaften zu geben. Macht die Feinde stark!

Und nun seid ihr drann, denn es heißt ja DIY-Donnerstag. Ich gebe euch eine Heldin und ihr clustert dazu die perfekten Feind*in. Ich packe sie in ein Clustermodell, damit seid ihr ja jetzt vertraut. Es ist mir egal, in welchem Setting ihr euch meine Heldin vorstellt. Ob ihr sie ins antike Griechenland steckt oder in den Weltall oder in die heutige Welt. Es kommt auch nicht darauf an, ob ihr sie in eine Liebesgeschichte oder eine Dystopie oder einen Thriller steckt. Es geht einfach nur darum, die Gegensätze ihrer Eigenschaften zu erkennen. Und dann daraus den Feind oder die Feindin zu „bauen“.

Schaut euch meine Heldin „Helena“ genau an. (Ihr könnt euch natürlich für diese Übung auch selbst eine Heldin bauen …)

Denken in Gegensätzen

Teil zwei der Übung: Ihr bekommt von mir das gleiche Clusterschema – zum Ausfüllen. In die Mitte setzt ihr den Namen des Feindes oder der Feindin. Und dann beginnt ihr, zu jeder Eigenschaft von Helena das Gegenteil zu finden.

Beispiel:

sucht Untermieter*in: Die Feind*in kann: Wohnungssuchend sein // oder: einsame Herrscher*in in einem Palast.

Aus allen Eigenschaften der Heldin ergibt sich so der passende Gegenpart. Der Mensch am anderen Ende ihrer Träume (Lovestory), der lebende Albtraum (Komödie), der oder die Gegnerin im Kampf um … (Fantasy), der oder die Mörder*in (Krimi), der Lover/Mörder (psychologischer Thriller).

Wie ihr die Story um dieses Paar von Held*in – Feind*in baut, ist ersteinmal egal. Auch wo die beiden sich treffen, also das Setting, spielt keine Rolle. Es geht bei dieser Übung ersteinmal nur darum, zu verstehen, dass Held*in und Feind*in nur zwei Seiten der gleiche Medaille sind. So to say …

Selbst machen

Tja, dann ihr genialen Autor*innen – Legt los: (Nein, diesmal fülle ich nicht paralllel mit aus, das könnt ihr jetzt schon allein).

 

Wer will, kann sich das Bild auf seinen Desktop ziehen, in eine Worddatei packen anpassen und ausdrucken. Oder nachmalen. Oder mit Blatt über Bildschirm durchpausen. Oder so ungefähr selbst malen.

Und nachd er Übung am besten mit dem nächsten Helden beginnen, denn ihr wisst ja … mehr Held*inenn braucht das Land. Und dann weitere würdige Feind*innen schaffen.

Last and least

Gute Feinde liebt man am Ende genauso wie seine Held*innen. Aber eine Geschichte wäre flach, wenn es nur um gut und böse, Helden und Feinde ginge. Da sind doch noch die Sidekicks. Die wichtigen Nebencharaktere. Die die Held*innen oder Feind*innen unterstützen. Und darum geht es dann im nächsten Monat: Freund*innen in Geschichten. Was macht sie aus, was macht sie groß, wofür braucht ihr sie. Und natürlich wird wieder geclustert.

Bis dann – habt eine gute Zeit!

xoxo

Katrin

#schreibtipps #rbpub #redbugwriting #clustering

 

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