DIY-Donnerstag, Kreatives Schreiben mit Clustering

Kreatives Schreiben mit Clustering #2 Charaktere

26. März 2020
Charaktere clustern

Die Liste unserer Blogbeiträge über Charaktere ist mittlerweile beträchtlich, (hier ein guter Beitrag für den Einstieg), doch dies hier und heute wird anders. Nämlich praktisch. Es heißt, wieder den Stift oder seinen Finger zur Hand zu nehmen (?!) und Dinge zu notieren. Charaktere clustern, nenne ich das jetzt mal.

Doch bevor wir beginnen: Es gibt tatsächlich schon eine Reihe von Cluster-Worksheets für Charaktere. Wenn ihr auf das Bild klickt, dann könnt ihr mit dem Download beginnen. Vorher müsst ihr euch in den Newsletter einschreiben und erhaltet dann in einer Rückmail den Link. Wer schon Abonnent ist, findet den Link zum Worksheet in seiner Worksheetbibliothek, die mit jedem Newsletter zu euch kommt.

Okay, es kann logehen. Fangt mit eurem Buch an. UpsJetzt? Ja, jetzt. Vielleicht habe ich das noch nicht oft genug gesagt, aber der beste Termin ist immer JETZT, denn ihr könnt ja schlecht gestern oder morgen anfangen. Und da ihr gerade hier seid: Willkommen! Ich freue mich auf euch und euer Buch. Ihr schafft das. Ihr geht jetzt Papier und Stifte holen oder wetzt euren Zeigefinger für das Display eures Phones und ich plaudere ein wenig über das Anfangen von Büchern im Allgemeinen.

Letzte Woche ging es um Ideen und gemeinhin ist die Vorstellung, dass ein Buch mit einer Idee beginnt. Ich kann sofort zustimmen, mir kommen Ideen sehr häufig –  in einem Download. Wusch – und ich weiß, was ich schreiben will. Wie das genau läuft – keine Ahnung – aber es sind sehr oft vollständige Geschichten, Anfang bis Ende, die ich dann „nur noch“ ausschmücke.

Doch was auch sehr oft passiert, ist, dass ein Charakter in meinem Kopf zu sprechen beginnt. Gerne in den frühen Morgenstunden. Und mir seine/ihre Geschichte erzählt. Ich kann im Grunde durch Nachfragen jede Information bekommen, mein Problem ist dann nur: Wie merke ich mir das alles? Also male ich mir clusterähnliche Bilder, auf denen ich die Informationen notiere. Irgendwie funktioniert das bei mir besser, wenn ich es bunt und etwas krackelig mache und keine Liste. Ich weiß, bei Schreibprogammen wie Scrivener gibt es dafür Tools, aber … mit Hand funktioniert es für mich  einfach besser. Also nehme ich euch jetzt mit auf eine Clusterreise.

Charaktere clustern – Die Basics

Ich bin kein Freund von ausscheifenden Charakterbeschreibungen, das heißt aber nicht, dass ich nicht einen bestimmten Typ im Kopf habe, wenn ich über einen Charakter schreibe. Ich könnte ihn oder sie zeichnen, würde sie auf Fotos erkennen, könnte sagen, ob er oder sie wellige oder glatte Haare hat, einen Leberfleck am Po oder einen hohen Haaransatz. Das gehört nicht alles in ein Buch, hilft mir aber, mit meinen Charakteren bekannt zu werden. Für diese Übung kann ich gerade nicht warten, bis ein Charakter mich anspricht und ihr vielleicht auch nicht, also rufen wir einen herbei. Oder eine, denn damit beginnt die Übung:

Ich gebe euch zwei Namen (einen eher männlichen, einen eher weiblichen) vor und ihr legt los. Ich sage nichts über den Charakter, nur den Namen, den Rest müsst ihr machen. Findet so viele Begriffe wie möglich im Zusammenhang mit dem Namen. Das können Alter und Größe sein, Augenfarbe und Statur, aber auch Vorlieben, Marotten, Mängel und Charaktereigenschaften. Aufbrausen, nobel, elegant … oder auch Begriffe wie Kochen, teures Autor, Ledermatel … haben hier ihren Platz. Beruf und Hobby. Lasst eure Fantasie weit schweifen. Erwähnt möglichst keine spezifischen Freunde oder andere Personen oder Familienbeziehungen – das kommt später. Also wie die Person in einen Familien- oder Freundeskreis eingebunden ist. Gehen tun Begriffe wie: allein, einsam oder beliebt …

Denkt daran, dass ein Name schon eine große Vorgabe ist, denn Namen folgen Moden und bestimmten Zeiten. Aber – es ist letztendlich eure Entscheidung. Ein Mädchen kann John heißen, ein Junge Maria. Eure Wahl. Ein Junge kann lieber ein Mädchen sein wollen, ein Mann sich in eine Frau verwandelt haben. Denkt extrem außerhalb der Box. Weg von muskelgestählten Oberkörpern und sexy Blondinen zu echten Charakteren, wie ihr sie täglich auf der Straße seht.

Ich mache die Übung wie immer mit. Nicht, um euch zu sagen, wie es richtig geht, sondern um euch zu zeigen, was der Name bei mir ausgelöst hat. Es gibt kein richtig und falsch, es gibt aber ein lebendiges oder ein eher mageres Ergebnis. Was ich gemacht habe, kann man weit übertreffen und das solltet ihr.

Charaktere Clustern : Martha

Da ist unser/e Martha. Und ihr könnt loslegen. Schreibt Begriffe auf euer Blatt, kringelt sie ein, verbindet sic mit dem Namen. Verbindet Begriffe, die zusammenhängen, untereinander. Bildet Assoziationsketten von Begriffen. Schämt euch nicht, zu schreiben, was ihr „seht“. Verbessert, wenn ihr den Eindruck hat, ihr habt euch geirrt oder ihr merkt, dass zwei Begriffe schlank – übergewichtig sich widersprechen.

Wenn ihr fertig seid, könnt ihre euch ansehen, was mir zu Martha eingefallen ist.

 

No judgment. Ich kenne Martha jetzt schon so gut, dass wir zusammen beim Friseur Eierlikör trinken würden, wenn ich zum Friseur gehen würde. Vielleicht hat eure Martha kein besonderes Alter oder keine besondere Größe, dafür aber andere deutliche Merkmale. Egal. Es geht nicht um Vollständigkeit, sondern um das, was ihr gerade „aufgeschnappt“ habt.

Kommen wir zum zweiten Namen.

Charaktere clustern : Lucian

Nachdem ihr gesehen habt, wie schamlos ich Begriffe zu Martha gefunden habe, wird es euch vielleicht leichter fallen, jetzt Lucien zum Leben zu erwecken. Es ist verrückt, was einem manchmal einfällt und leider neigt man dazu, es wegzudrängen. Bitte tut das nicht. Werdet eher noch spezifischer. Ich hätte bei Martha noch „geschwollene Füße“ schreiben können und „überschminkten Lippenstift“. Ich sehe das alles vor mir, aber manchmal denke ich, das sehen andere ja auch. Nope. Werdet ruhig sehr genau. Falscher Pelz. Angeberauto. Hier könnt ihr werten und lästern wie ihr wollt. Und – macht nicht den Fehler, einfach irgendeinen Bekannten zu beschreiben. Erfindet etwas Neues.

Und? Wie lief es mit Lucian? Ich hatte viel weniger Schwierigkeiten mit ihm als mit Martha, vermutlich, weil Martha für mich eine Frau ist. Ich habe oft mehr Probleme mit weiblichen Charkateren, weil sie mir näher sind. Lucian ist ein bisschen klischeehaft geworden, aber es lief gut, also habe ich es nicht geändert. Ich wollte den Flow nicht unterbrechen, tatsächlich würde ich den Charakter vermutlich in einem Buch noch etwas vielschichtiger machen, wenn er ein Hauptcharakter wird. Im Kopf war es für mich gleich ein Nebencharakter. (Auch seltsam?) Hier mein Lucian:Charaktere clustern. Red Bug CultureUnd ihr? Fertig? Wenn ja, sehr gut, ihr habt die Übung vollbracht. Wenn euch danach ist, probiert die Übung jetzt mit eigenen Namen aus. Lieblingsnamen oder noch besser mit Namen, die euch so richtig gegen den Strich gehen.

In den nächsten Monaten bleiben wir bei Charakteren, denn sie sind das Herzstück eines Buches. Backstory und Beziehungen, Feinde und Freunde, das alles wissen wir ja noch gar nicht von unseren Held*innen. Das müssen natürlich nicht Martha und Lucian sein (so lieb habe ich sie auch wieder nicht …) – mal sehen.

Ach und … bevor ihr Angst habt, dass ihr merkwürdig werdet, wenn ihr jetzt ganz viel über eure erfundenen Freunde nachdenkt oder sprecht: Mit imaginären Freud*innen zu leben, ist in dieser Zeit tatsächlich gesünder und besser für die Gemeinsachft, als sich real mit Menschen zu treffen. Halte noch ein wenig durch und erschafft euch eure eigenen Freund*innen!

Bis April

xoxo

Katrin

#clustering #charaktere

 

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