7 Tipps - Wie schreibe ich ein spannendes Buch?

7 Tipps – Wie schreibe ich ein spannendes Buch #9 Dialoge

25. März 2020
Dialoge und Spannung

Ich konnte einfach nicht widerstehen. Dialoge sind mein Lieblingsthema. Vielleicht, weil ich schreiben durch das Schreiben von Drehbüchern erst so richtig gelernt habe und Dialoge das Kernstück eines guten Drehbuchs sind. Heute also: Wie werden Dialoge spannend?

Dialoge

Dazu gibt es eine kleine Einführung in die Konstruktion eines Dialogs. Ja, Konstruktion, denn Dialoge in Drehbüchern oder Büchern sind nicht etwa Gespräche, wie wir sie in der Realität führen. Oder anders gesagt: Manche Gespräche sind drehbuchreif, manche Witze passen perfekt in einen guten Dialog, manche Wortwechsel hören sich nach einem guten Filmdialog an – doch wenn ihr sie aufschreibt, werdet ihr merken, dass dies alles in der Regel nicht für einen guten Dialog ausreicht.

Der Dialog und die Dramaturgie

Jeden Dialog müsst ihr wie eine kleine Szene//Kapitel//Buch behandeln. Vom Großen zum Kleinsten, vom Kleinsten bis zum ganz Großen, unterliegt alles einer ähnlichen Dramaturgie. (Wenn ihr euch gerade fragt, was Dramaturgie sein soll, dann empfehle ich euch die Blogbeiträge über die Heldenreise oder die 3-Akte-Struktur.)

Der Dialog …

  • muss schnell losgehen, sofort zur Sache kommen
  • hat eine Spannungskurve
  • sollten einen Anfang haben, der neugierig macht
  • hat – wenn er länger ist – einen Höhepunkt in der Mitte
  • endet mit einer Erkenntnis//Information//Gag//Überraschung// Wendung.

Wenn ihr Pantser seid, also gewöhnt seid, einfach darauflos zu schreiben, dann überarbeitet eure Dialoge später nach den oben genannten Punkten. Warum? Leser*innen, die Dialoge lesen, müsst ihr euch wie stille Zuhörer*innen am Nachbartisch vorstellen. Sie lauschen, weil da drüber etwas Spannendes besprochen wird und hören weg, wenn das Gespräch zäh und langweilig ist.

Die Ausrede: Na ja, so reden die halt … gilt nicht. Ein Buch ist besser als das Leben, ein Dialog ein Kunstwerk, keine Tonaufnahme eines realen Gesprächs. Natürlich muss ein Dialog trotzdem so klingen, als wäre er ein reales Gespräch.

Kurzer Exkurs: In Schreibbüchern liest man oft, man solle Gespräche von anderen Leuten (heimlich?) aufnehmen soll (in der U-Bahn oder S-Bahn oder im Café), um ein Gespür für lebendige Dialoge zu bekommen. Okay, wenn man überhaupt keine Ahnung hat, wie andere Menschen reden, ist das vielleicht ein Weg, doch ihr braucht dafür eigentlich nur einer guten YouTuber*in zuzuhören.

Wie schreibe ich einen spannenden Dialog?

Beginnt am besten mit einem schnellen Einstieg. Kein langes und endloses Herumreden, kommt gleich zur Sache. Ihr spoilert nicht, wenn euere Charaktere die Probleme gleich ansprechen. Im Gegenteil. Langes Herumreden macht Leser*innen in der Regel ungeduldig. Schafft Klarheit. Jeder Dialog sollte sich um ein bestimmtes Thema drehen. Und es ist gut, wenn es einen Twist gibt. Also eine überraschende Wendung.

„Hey, du hier?“

„Ja, ich warte auf X?“

„X? Ich dachte, der wäre tot.“

„Er hat mir gesagt, dass du tot bist.“

Genauso wie in einem Kapitel ein schneller Einstieg in die Szene gut ist, macht es den Dialog spannender, wenn ihr umständliche Vorreden weglasst. Ebenso ist ein früher Ausstieg wichtig. Ein spannender Dialog ist ein komprimierter Dialog. Alle Ähs und Ahs und reich mir mal bitte den Zucker sollten nur vorkommen, wenn sie dem Dialog helfen. Small Talk hat in einem spannenden Buchdialog grundsätzlich nichts zu suchen. Es wird nur gerdet, wenn es einen Grund dafür gibt.

Was gehört in einen spannenden Dialog?
  • Für die Handlung wichtige Informationen
  • Emotionen (durch Sprache transportiert)
  • Worte, durch die Konflikte ausgelöst werden
  • Worte, durch die Konflikte, gelöst werden
  • Drohungen
  • Liebesbekundungen
  • Andeutungen
  • Verletzungen (durch Worte)
  • Entschuldigungen

Auch wenn ihr in der Realität viel länger und umständlicher über ein Thema reden würdet, versucht eure Charakter nur sagen zu lassen, was gerade wichtig ist und haltet euch nicht mit zu viel Hin- und Her auf.

Was gehört nicht in einen spannenden Dialog?
  • Langatmige Beschreibungen
  • Lange Erklärungen
  • Emotionale Unklarheiten
  • Viele Namen und Orte
  • Umständliche Höflichkeitsformen

Ein umständlicher Charakter redet anders als ein direkter Charakter, aber meist reicht ein kurzes Zögern oder Pausen, die andeuten, dass das Gespräch etwas zäher verläuft. Dazu benutzt ihr am besten Satzzeichen.

Satzzeichen und andere Tipps für den spannenden Dialog

Mittel, einen Text zu gestalten, sind Satzzeichen.

Satzzeichen sind Sonderzeichen einer Schrift, die der Strukturierung und auch der Sinn­gebung des Satzbaus dienen. Die Setzung der Satzzeichen wird Zeichensetzung oder Interpunktion genannt. (Wiki)

Ihr könnt euren Text auch mit fett/kursiv oder Großbuchstaben gestalten. Von einigen Mitteln solltet ihr viel, von anderen selten, von einigen am besten überhaupt keinen Gebrauch machen.

Empfohlene Satzzeichen
  •     3 Punkte deuten in Dialogen kurze Pausen an und sind ein sehr gutes Mittel, Atempausen oder ein Zögern beim Sprechen deutlich zu machen. „Ich wollte dir schon immer sagen, dass … ich weiß, das klingt jetzt seltsam aber … hör mir bitte zu.“
  •     Gedankenstriche sind genial. Ich liebe sie. Sie zeigen kleine Gedankensprünge an, wie sie sehr oft in lebendigen Dialogen vorkommen. „Ich frage mich gerade – kannst du mir dein Auto leihen?“ Oder: „Nein.  Oder … wenn ich es mir recht überlege – du kannst es haben.“
  • :     Doppelpunkte. Sie stehe eher vor Dialogen. Sie sagte: „Bla bla bla …“ Können aber in Dialogen vorkommen, wenn eine Person sagt : „Ich kann es dir aufzählen: Deine Schlampigkeit, deine Vergesslichkeit … überhaupt, dein ganzes Benehmen.“ Es sind Zeichen, die eher technisch eingesetzt werden. Vor Aufzählungen oder einer direkten Rede.
  • Kursiv   Ich liebe kursiv und benutze es für Eigennamen und Gedanken meiner Protagonisten. Im Dialog steht kursiv meist für eine Betonung. „Du willst damit sagen, sie ist immer in Quarantäne?“ Einfach, damit die Leser*in weiß, wo die Autorin die Betonung im Satz hinlegen möchte. Das kann nämlich unklar sein. Benutzt kursiv für die Verfeinerung eures Dialogs.
Weniger geeignete Satzzeichen und Gestaltungsmittel
  • GROSSBUCHSTABEN   und hier sind wir im Gefahrenbereich, denn Großbuchstaben bedeuteten – nicht nur in sozialen Medien -, dass Jemand SCHREIT. „FEUER!“ Okay, geht. „ICH HABE DIR SCHON TAUSEND MAL GESAGT …“ Nein, nein, nein. Es mag Geschmacksache sein, aber ich halte es für einen schlechten Stil.
  • !      Ausrufezeichen gehören ebenfalls zu den schwierigeren Zeichen in einem Dialog. „Hör auf!“ Ja, das geht. „Achtung! Da liegt eine Leiche.“ Auch das geht. Aber „Ich hasse dich! Lass mich in Ruhe! Gehe weg! Ich will dich nie wieder sehen!“ Sorry, das sind die Art von Dialogen, die man weder in der Realität, noch in einem Buch lesen möchte. Jedenfalls nicht in guter Literatur.
  • fett  Fette Buchstaben würde ich aus dem Dialog verbannen. Mag sein, dass sie in Büchern, die sowieso viel mit Schriftarten herumspielen wie Kinderbücher a la Greg’s Tagebuch, angewendet werden. Manchmal kann man damit auch SMS-Texte etc hervorheben, um sie vom gesprochenen Dialog abzusetzen. Im Dialog haben sie – meiner Meinung nach – nichts zu suchen.
Zusammenfassung für spannende Dialoge
  • Ein spannender Dialog ist wie eine gute Szene dramaturgisch gestaltet
  • Geht spät in den Dialog hinein – lasst unnötiges Herumreden weg
  • Geht früh aus dem Dialog heraus
  • Vermeidet Small Talk
  • Baut eine überraschende Wendung ins Gespräch ein
    Dialoge
  • Macht die Leser*in neugierig
  • Verschleiert oder entschlüsselt Emotionen
  • Nutzt den Dialog, um Informationen preiszugeben
  • Nutzt den Dialog, um Emotionen zu zeigen
  • Helft euch bei Gedankenpausen mit Satzzeichen (… und –)
  • Betont einzelne Worte mit kursiver Schrift
  • Seid sparsam mit GROSSBUCHSTABEN und Ausrufezeichen
  • Überarbeitet eure Dialoge

Und habt vor allem Spaß beim Schreiben von Dialogen!

Und damit bin ich am Ende dieser Blogreihe angelangt. In zwei Wochen übernimmt Isabel und wird dann abwechselnd mit Uwe (der ein neues #ww Projekt beginnt …) ihre Blogreihe; „Das magische Objekt – Dinge in Geschichten“ bloggen. Ich Schreibe derweil weiter monatlich am DIY-Donnerstag und dann nach Isabels Blogreihe auch wieder am Mittwoch.

Habt eine gute und gesunde Zeit und bis bald

xoxo

Katrin

#redbugwriting #rbpub #schreibtipps #schreiben

 

 

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