7 Tipps - Wie schreibe ich ein spannendes Buch?

7 Tipps – Wie schreibe ich ein spannendes Buch #8 Tempo

11. März 2020
Tempo, Tempo, kleine Schnecke

Heute geht es um Tempo und Geschwindigkeit und wie ihr damit spielen könnt, um ein Buch spannender zu machen. Wenn ihr an Geschwindigkeit oder Tempo denkt, dann denkt ihr sicher eher an Autos und Laufen, als an Schreiben oder Geschichten. Doch Geschwindigeit und Tempo spielen auch beim Schreiben eine Rolle.

Zeit  in Geschichten

In einer Geschichte erschafft ihr eine virtuelle Realität. Die kann, muss aber nicht der von euch erfahrenen, gelebten Realität entsprechen. In der Buchrealität gelten eure Regeln. Ihr könnt die Zeit und alle andere Regeln, die in der realen Welt gelten, außer Kraft setzen, wenn ihr wollt. Manche Autor*innen machen das: Zeitumdreher// Zeitreise// Apportation// Beam me up, Skotty.

Kein Problem, so lange die Leserin versteht, in welche Welt ihr sie gerade hinein versetzt. Und wenn ihr diese Regeln aufgestellt habt, könnt ihr mit ihnen spielen, sie brechen und ausdehnen und – darum geht es heute – sie so anwenden, dass eure Geschichte spannender wird.

Tempo – Verlangsamung oder Tempolimit

Ihr fahrt durch eine Straße, in der es ein Tempolimit gibt. Kein Problem, ihr fahrt einfach langsamer. Doch was ist, wenn ihr dringend ins Krankenhaus//Theater oder zu einem Freund wollt, der eure Hilfe braucht? Dann kann das Tempolimit ganz schön an den Nerven zerren. Die Spannung, die in euch entsteht, weil ihr eigentlich schneller fahren wollt, aber Angst habt, dann geblitzt zu werden oder euch ein Polizist anhält – spürt ihr innerlich. Und ihr könnt sie auch eure Leser*innen spüren lassen.

Wann immer ihr die Spannung einer Geschichte erhöhen wollt, legt euren Held*innen in einem Moment, in dem es auf ein schnelles Tempo ankommt, ein Tempolimit auf. Hindert ihn oder sie daran, schnell an das Ziel zu kommen. Die Hindernisse können verschiedener Art sein:

  • physische Hindernisse: Bäume auf der Straße, ein tiefer Sumpf
  • körperlich Hindernisse: Eine Verletzung am Bein, eine Behinderung, eine altersmäßige Schwäche
  • psychische Hindernisse: Betrunkenheit, Drogen, Verwirrung
  • zwischenmenschliche Hindernisse:  festgehalten, abgehalten, eingesperrt
  • psychologische Hindernisse: bedroht, erpresst, eingeschüchtert

Beachtet: Das Ziel, an das eure Held*in kommen muss, muss dringend erreicht werden. Es muss wichtig sein, dass sie dort ankommt. Das eigene oder das Leben eines anderen Menschen muss davon abhängen, das Schicksal, die Zukunft. Sobald ihr eure Held*in davon abhaltet, schnell an ihr Ziel zu kommen, wird sich im Leser Spannung aufbauen. Wird sie oder er es schaffen?

Tempo – Erhöhung

Aber es geht auch umgekehrt. Dreht richtig auf. Auch ein sehr hohes Tempo kann Stress=Spannung auslösen.

Ich denke hier an die typische Verfolgungsjagd, die am Ende fast jeden Thrillers steht. Sie ist die ultimative Spannungssteigerung. Wer schnell Auto fährt, spürt, wie sich sein Adrenalinspiegel erhöht. Eine Mischung aus Aufregung und Rausch oder sogar Panik und Angst. Doch wenn eure Held*innen das Tempo erhöhen, dann sollte es einen guten Grund dafür geben.

  • Sie werden verfolgt
  • Sie müssen schnell an ein Ziel
  • Sie fliehen vor einer drohende Gefahr
  • Sie müssen sich oder andere in Sicherheit bringen
  • Sie müssen eine Botschaft überbringen
  • Oder auch: Die Bremsen sind manipuliert worden

Alle Handlungen, die in einem engen Zeitrahmen passieren müssen, lösen Stress aus, vermitteln aber auch das Gefühl von Spannung. Was im echten Leben der Horror wäre, ist in einer Geschichte ein gutes Mittel, die Leser*in an die Buchseiten zu ketten.

Tempo-Wechsel

Wenn ihr in eine Geschichte ein Tempolmit einbaut oder das Tempo für eure Held*innen rasant erhöht, dann sind das gute Mittel, die Spannung zu erhöhen. Allerdings nur, wenn die Geschichte nicht sowieso schon schnell und rasant ist. Wir Menschen sind seltsam. Wir können uns an Krieg und Verfolgung gewöhnen und sie als normal ansehen und dann kann Ruhe auf einmal Stress bedeuten. In der Regel ist es aber anders herum. Wichtig, ist das ihr in der Geschichte ein „normal“ festlegt.

Wenn eine Held*in die ganze Zeit auf der Flucht ist, macht eine Verfolgungsjagd vielleicht nicht unbedingt Sinn, um die Spannung noch weiter zu erhöhen. Eure Stress- oder Tempomomente, in denen ihr die Spannung erhöht, sollten sich von den eher ruhigen Momenten der Handlung absetzen.

Überhaupt ist Kontrast gut, damit der Tempomoment so richtig das Adrenalin in den Adern der Leser*in hochtreibt. Die Verfolgungsjagd im Thriller kommt übrigens nicht ohne Zufall am Ende eines Films, weil man will, dass die Zuschauer nach 90 Minuten Film noch mal richtig wach werden und das große Finale mit größter Aufmerksamkeit erwarten.

Erzählzeit und erzählte Zeit

Bisher habe ich nur über die erzählte Zeit gesprochen, aber nicht über die Erzählzeit. Beides ist etwas anderes aber wichtig für die Erhöhung der Spannung.

Erzählzeit bezeichnet in der Regel die Zeitspanne, die ein Leser für die Lektüre eines Textes, zum Sehen eines Films, Hören eines Hörspiels, Hörbuchs (oder vergleichbaren Vorgängen) braucht. (…) Im Gegensatz zur Erzählzeit steht die erzählte Zeit, das ist jener Zeitraum, über den sich die Geschichte inhaltlich erstreckt. (Wikipedia)

Ihr könnt mit einem einfachen „3 Jahre später“ die erzählte Zeit unglaublich ausweiten oder mit sehr vielen Worten eine winzige Begegenheit so ausführlich beschreiben, dass die erzählte Zeit fast stillsteht. Ihr seid die Herrscher*innen über den Ablauf der Zeit in eurer Geschichte. Ihr könnt das Tempo erhöhen, wann immer ihr wollt oder es zurücknehmen. Wenn ich sage: erhöht das Tempo, um Spannung zu erzeugen, dann reden ich von der erzählten Zeit.

Shakespeare hat „Romeo und Julia“ über eine Zeit von 5 Tagen erzählt. Das ist die Zeit, die im Roman vergeht, die Zeit, in der die beiden sich sehen, sich verlieben, heiraten, Sex haben, Romeo jemanden umbringt und beide sich vergiften. 5 Tage, Freunde. 5 Tage, weil die Handlung so dichter und intensiver = spannender wird.

Erzählzeit

Die Erzählzeit ist etwas anderes, aber auch sie spielt eine Rolle, wenn es um Spannung geht. Hört ihr in Besprechungen die Worte: Langatmig, ausführlich//weitschweifig//langweilig – dann spricht die Rezensent*in hier von der Erzählzeit.

Es dauert einfach sehr lange, bis man das, was geschrieben wurde, gelesen hat. Irgendwie passiert zu wenig auf den Seiten.

Und das ist komplett subjektiv. Wer schnell liest, den stören langatmige Beschreibungen unter Umständen nicht, wer langsam liest, den nervt, dass er nicht von der Stelle kommt. Langeweile ist subjektiv. Wer Knausgards Biografiebände oder Prousts  „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ liest, muss sich auf eine sehr langsames Erzähltempo einstellen. Für den einen ist das langweilig, dem anderen gefällt das. Nun ist allerdings auch klar, dass beide Bücher nicht als spannend im herkömmlichen Sinne gelten. Wer ein „spannendes Buch“ lesen will, sucht bestimmt woanders im Buchregal.

Ein knapper Erzählstil verringert die Erzählzeit. Und wenn die Erzählzeit sich verringert, dann hat die Leser*in das Gefühl, dass auch ihr Leben aufregender wird, sich beschleunigt. Wie gesagt – subjektiv.  Geschmackssache.

Aber von Geschmack und Stil und so weiter mal abgesehen, wenn ihr Tempo in eine Szene bringen wollt, um eure Geschichte spannender zu machen, dann solltet ihr auch eure Sprache anpassen. Lange, verschwurbelte Sätze in einer Kampfszene, verringern das Tempo und machen die Szene unspannend. Es gibt aber auch den umgekehrten Fall.

Tempo und Genre

Wenn ich von Tempo und Spannung rede, dann denken viele sofort an Thriller oder Krmi. Aber natürlich kann auch ein Liebesroman spannend oder unspannend sein. Und sehr oft stimmt dann auch in dieser Geschichte das Tempo nicht.

Denn eine Liebeszene kann spannender werden, wenn man das Erzähltempo verringert, statt es zu erhöhen. Weil die gespannte Erwartung durch das Hinauszögern des erlösenden „Ich liebe dich“ oder „Willst du mich heiraten“ oder „Du hast eine Nudel an der Nase“ erhöht wird und die Leser*in dadurch in einem längeren Spannungmoment verbleibt.

Zusammenfassend
  • Tempobeschleunigung in der erzählten Zeit erhöhen die Spannung (bei Thrillern und Krimis)
  • Verlangsamte erzählte Zeit kann die Spannung im Liebesroman etc erhöhen
  • Tempowechsel bringen Abwechslung und damit mehr Spannung in den Text
  • Ein Tempolimit, eine Behinderung im schnellen Vorankommen, erhöht die Spannung
  • Vergeht die Erzählzeit schnell, hat die Leser*in ein Gefühl von positiver (An-)Spannung
  • Szenen, die schnell passieren (Kampf, Verfolgungsjagd) sollten mit kurzen Sätzen und knapper Sprache erzählt werden.

Okay, Freunde, dies ist der vorletzte Beitrag zum Thema Spannung in Geschichten. Ich weiß noch nicht genau, wie ich den letzten Beitrag gestaltet, vielleicht wird es eine Art Zusammenfassung oder es geht um Spannung im Dialog. Mal sehen. Wenn ihr Wünsche habt, könnt ihr sie mir gerne in die Kommentare schreiben.

xoxo

Katrin

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