DIY-Donnerstag, Kreatives Schreiben mit Clustering

Kreatives Schreiben mit Clustering #2 Ideen

27. Februar 2020
Ideen Clustering

Los geht es. Heute werden Ideen gesammelt und ausgesponnen. Ja, los geht’s! Das meine ich sehr wörtlich. Ideen ClusteringImmerhin ist das ein Beitrag zum DIY-Donnerstag und DIY steht für Do it yourself.

Ich warte also ein kleines bisschen, bis ihr euch einen Stapel weiße DINA4-Blätter oder einen Block Papier geholt oder die Tapete von der Wand gerissen habt, denn jetzt wird es praktisch. Und solltet ihr gerade außerhalb der Reichweite von Papier sein (in der S-Bahn, in der Badewanne), dann benutzt einfach das Gerät, auf dem ihr diesen Blogbeitrag gerade lest.

Okay, während ihr das mit dem Papier erledigt, erzähle ich ein wenig zu Kreativität.

Ideen und Kreativität

Schon (oder erst) seit 100 Jahren befassen sich Forscher mit Kreativität. Viele sehen in ihr das, was uns Menschen von den Tieren abhebt, aber ich bezweifle das, wenn ich sehe, wie einfallsreich die Raben Nüsse auf die Straße werfen, um sie zu knacken oder Affen komplexe Rätsel lösen. Doch sicher, Kreativität führt zu mehr. Zu Kunst und Wissenschaft, zu Forschung und Erkenntnisse über uns, die Welt, das Weltall. (Gehen wir mal davon aus, dass andere Lebensformen das nicht machen … vielleicht abgesehen von Aliens …)

Seit 100 Jahren forschen wir – aber seit Beginn des 20 Jh. wollen wir es wirklich wissen. Was ist Kreativität? Wo kommt sie her? Woher kommen Ideen? Interessant finde ich hierzu die Ansätze von Joy Paul Guilford, einem Persönlichkeitsrecht- und Intelligenzforscher, der behauptete, dass sich Kreativität vor allem in der Fähigkeit zu divergentem Denken zeige. Äh, divergent? (Das hat jetzt nichts mit einer gewissen Dystopie zu tun.) Divergent bedeutet, sich offen, unsystematisch und experimentierfreudig mit einem Thema oder Problem zu beschäftigen. Oder auch: Von einem Ausgangsbegriff oder einer Ausgangsidee möglichst viele Assoziationen zu bilden.

Um das zu untersuchen, hat Guilford zusammen mit drei anderen Forschern 1954 (Wilson, Christensen & Lewis) den „Unusual User Test“ erfunden. Die Forscher gaben den Probanten einen alltäglichen Gegenstand und baten sie, bis zu sechs andere Anwendungsmöglichkeiten für den Gegenstand aufzulisten. Also zu erfinden oder sich vorzustellen.

Oh, super!  Das wird unsere erste Vorübung sein, um euch in den kreativen Fluss zu bringen.

Unusual Uses-Test

Ganz assoziativ – hier mein Gegenstand für euch:Ideen - Kreatives Schreiben mit Clustering

Tja und – jetzt seid ihr dran. Ihr nehmt eure Dina-A4- Blätter, legt sie quer vor euch und schreibt „Gabel“ in die Mitte. Was kann man noch alles mit einer Gabel machen – außer zu essen? Ihr könnt auch alles in die Notizen des Phones schreiben, im Kopf auflisten oder (was mich ja besonders freuen würde) es hier in die Kommentare schreiben. Was fällt euch ein? Sechs ungewöhnliche Anwendungen für eine Gabel. Ihr schafft das.

Ich habe das natürlich auch gemacht. Wenn ihr fertig seid mit eurer Übung (nicht schmulen), dann kann ich euch meine Vorschläge zeigen. Here they are:

Ideen - usual - unusual Test Red Bug Culture

Das meiste muss ich wohl nicht erklären. Vielleicht den Armschmuck. In den Siebzigern und Achtzigern war es mal sehr in, eine Silbergabel so zu verbiegen, dass sie ein sehr schöner Armreif wird. Okay, über schön kann man streiten … jedenfalls bei diesem Armreif. (Ich habe ihn mit der ETSY-Seite des Handwerkers verbunden, falls irgendwer hier gerade auf Ideen kommt. ) Ich hoffe, ihr habt sehr viel mehr und bessere andere Anwendungen gefunden. Meine Kommentarbox freut sich über alles, auch Bilder!

Buchideen finden
Ideenfindung Worksheet Red Bug Culture

Meine Beiträge zur Ideenfindung und die dazugehörigen Worksheets sind seit Jahren die am erfolgreichsten Beiträge und Worksheets unseres Blogs. Vielleicht, weil es so los geht mit dem Schreiben und viele hier schon die erste große Hürde sehen, die sie gerne überspringen würden. In unserem populären Worksheet (siehe Button) gibt es viele Übungen und falls ihr hier auch noch mal reinsehen wollt, klickt auf das Bild, schreibt euch in den Newsletter ein und nach ein paar Datenschutz- Formalien wird euch ein Link zugeschickt, mit dem ihr euch das Worksheet gleich downloaden könnt.

Okay, aber wir haben ja hier auch eine Methode und die kleine Ruhepause ist vorbei. Es geht weiter mit dem Papierstapel oder der Notizfunktion eures Phones! Jetzt wird es ernst. Ihr wollt ja ein Buch schreiben und braucht – dringend – Ideen!

Clustering für Buchideen

Schließt die Augen. (Ja, ich weiß, dass du dann nicht mehr lesen kannst, tz, tz) Lest also erst zu Ende und schließt DANN die Augen. Für einen Moment. Und lasst ein Thema, einen Begriff, eine Idee aus dem Unterbewusstsein hochsteigen. Nicht nachdenken, kommen lassen. Verstanden? Dann Augen zu.

Und da seid ihr wieder. Hallo! Ihr habt euren zentralen Begriff gefunden. Der gehört in die Mitte des Blattes oder in die Mitte eurer Aufmerksamkeit. Um ihn herum dürft ihr nun so viele wilde, assoziative, freie Begriffe oder auch Sätze finden, wie ihr wollt. Im Prinzip – je mehr, desto besser. Wie ihr vom Beitrag der letzten Woche wisst, entstehen so auch mal (merkwürdige?) Assoziationsketten. Egal. Oder: Umso besser.

Ich habe das natürlich auch gemacht. Wem gar nichts einfällt, der darf sich meines Begriffes bedienen. Nur zu.

 

Clustering Ideen Friseur Red Bug Culture

Keine Ahnung, wie ich darauf gekommen bin. Denn ich hasse es, zum Friseur zu gehen. In meinem Buch Subway Sound kommt ein sehr netter Friseur vor, der ist auch ganz zufällig in die Story reimgepurzelt ist, offenbar ist das ein tiefersitzendes Problem bei mir. Aber, nun, Probleme werden sehr schnell zu kreativen Explosionen. Wer also Lust hat, in diese Idee hinein zu steppen – nur zu! (Und später weiterlesen.)

Hier meine Assoziationen zu Friseur/Frisur.

Ich weiß nicht, wieso ich von Friseursalon auf Frankreich komme und wieso Los Angeles aufgepoppt ist. So ist das eben, wenn man frei assoziiert. Aber, ich versichere euch, alle Ideen kann ich für ein Buch verwenden. Sei es, dass ich es in Frankreich oder /und Los Angeles spielen lasse oder es von dort Inspiration gibt. Dem „vorlesendem Friseur“ bin ich auf Instagram begegnet, den gibt es wirklich. Kann ich seine Geschichte verwenden? Er liest seinen Kund*innen nämlich vor. Da würde ich erst noch ein wenig recherchieren, bevor ich diese Idee aufgreife.

Chemotherapie ist so ein Begriff, der mich hart trifft, weil er aus einer ganz andere Richtung kommt, aber ein Buch natürlich umso interessanter macht. Da könnte jetzt noch Perücke und Hut dazukommen und … sofort summt eine Stimme in meinem Kopf, die will, dass ich dieses Buch schreibe. Okay, irgendwann mal!

Ideen aufpoppen lassen

Viele denken, Ideen muss man sich ausdenken. Nope. Ideen sind wie Bläschen, die aus einem gärenden Getränk aufsteigen und diese Getränk ist euer Unterbewusstsein. Sind sie nach oben gestiegen, könnt ihr sie einfach einsammeln. Schickt kein Bläschen wieder zurück, nehmt alle mit.

In diesem Sinne – viel Spaß beim Ideen-Clustering!

Und bis März!

Katrin

#clustering #ideen #schreibtipps #diy

You Might Also Like

No Comments

Leave a Reply