7 Tipps - Wie schreibe ich ein spannendes Buch?

7 Tipps – Wie schreibe ich ein spannendes Buch #6 Offene Fragen

12. Februar 2020
Offene Fragen

Bevor ich mich dem heutigen Thema „offene Fragen“ widme, noch ein paar Worte zum Thema der letzten Woche. Konflikt. Ich habe euch sehr ermuntert, viele und große Konflikte in eure Geschichten einzubauen. Und dann sehe ich diese Serie – *seufz* – auf Netflix … („Spinning Out“), die nach einer Staffel abgesetzt wurde. Trotz guter Schauspieler und einem tollen Setting. Sie hatte allerdings einen großen Fehler: Zu viele Konflikte. Denn auch das gibt es. Eine Gschichte, die so mit Problemen überladen ist, dass die Zuschauer (oder Leser), gar nicht mehr wissen, was der Normalzustand ist. Irgendwie wird alles zum Problem, jede Beziehung in Frage gestellt, alles problematisiert. Das ist zu viel des Guten.

Und weil ich das offensichtlich in den vorherigen Beiträgen ein wenig außer Acht gelassen habe, sage ich es jetzt noch einmal deutlich: Alles Mittel, die ihr anwendet, um ein Buch spannender zu machen, alle Tricks und Kniffe, müssen wohldosiert sein.

Warum wir offene Fragen hassen und lieben

Offene FragenOffene Fragen sind quälend. Wir hassen sie. Habe ich das Abi bestanden? Bekomme ich die Stelle? Liebt er mich? Auf offene Fragen wollen wir schnell eine Antwort. (Mehr dazu auch im Beitrag #3 Supense) Wir wollen die Ungewissheit beenden, wir wollen wissen, woran wir sind. Und genau das könnt ihr euch beim Schreiben eines Buches zunutze machen. Denn auch die Leser*innen wollen eine offene Frage, die ihr in eurer Geschichte etabliert habt, schnell beantwortet bekommen. Und lesen deshalb weiter.

Wir kennen das vom Krimi: Taucht am Anfang der Geschichte eine Leiche auf – will man wissen, wer sie ermordet hat. Aber selbst bei Columbo, der Krimiserie in der wir gleich zu Anfang erfahren, wer der Mörder ist, bleibt die Frage: Wird er gefasst?

Wenn Fragen wie Knobelaufgaben zu uns kommen, dann lieben wir sie. Wir wollen sie lösen, mitraten, wir wollen wissen, wie sie beantwortet werden. Wir lieben die Ungewissheit, denn wir wissen, am Ende bekommen wir die richtige Antwort.

Wohldosierte Fragen

Aber Achtung. Wenn zu viele Fragen aufeinander folgen und wir beim Lesen den Überblick darüber verlieren, wer, was oder wann beantwortet werden muss, dann gehen wir Menschen in den Stressmodus und vergessen oder verdrängen einen Teil der Probleme. Das ist sehr ungünstig für die Autor*in, denn am Ende interessiert sich niemand mehr für die Beantwortung der Fragen. Die Leser*in hat sie schlichtweg vergessen.

Offene Fragen

Wir alle kennen das, wenn wir ein Buch weglegen, weil es einfach zu verworren und unübersichtlich geworden ist. Manchmal will man sich auch nicht übermäßig anstrengen, um ein Buch zu verstehen. Manchmal schafft man es einfach nicht.

Das hat viel mit Intelligenz zu tun, denn sehr komplizierte Bücher mit komplizierter Handlung und kniffligen Fragen können die eine Leser*in herausfordern, die andere überfordern. Und – leider – heißt die Kritik am Buch dann nicht: Das war zu schlau für mich, sondern: Die Autorin hat was falsch gemacht, denn ich habe nichts verstanden. (Wir Autor*innen kennen das …).

In gewisser Weise bedeutet es, dass wir unsere Zielgruppe von Lesern kennen müssen. Es heißt nicht,  für diese Leser*innen zu schreiben, aber es heißt zu bedenken, dass ein Zehnjähriger Leser es vielleicht nicht interessant findet, ob eine Protagonistin die richtige Nagellackfarbe im Laden findet. Jede Zielgruppe hat andere brennende Fragen, mit denen man sie für den Stoff, die Geschichte interessieren kann.

Offene Fragen und Antworten

Wenn wir beim Schreiben mit offenen Fragen arbeiten, dann geht es auch um deren schlaue Beantwortung. Hier ist Timing wichtig. Das heißt, Fragen müssen im richtigen Rhythmus, in der richtigen Reihenfolge gefragt und beantwortet werden. Schön ist, wenn eine große Megafrage die gesamte Handlung überspannt. Diese kann ruhig mal in den Hintergrund geraten und nur ab und an erwähnt werden. Dazwischen sollten offene Fragen stehen, die in kürzeren Abständen beantwortet werden.

Offene Fragen

Kurz bevor oder nachdem eine Frage beantwortet wird, sollte eine neue Frage gestellt werden.

So könnte die Regel aussehen. So bleibt das Interesse der Leser*innen immer wach. Nun sind offene Fragen von unterschiedlicher Schwere und Bedeutung. Die Frage, die ein ganzes Buch durch besteht, ist eine „große“ Frage. Findet der Kommisssar den Mörder? Bekommt das Opfer Gerechtigkeit? Findet das Paar zusammen?  Die Zwischenfragen habe eine andere Qualität, sind kleiner und mehr auf die unmittelbare Handlung bezogen: Findet man die Tatwaffe? Wie wurde das Opfer ermordet? Überwindet einer der Charaktere seine chronische Eifersucht?

Wichtig ist, dass die Fragen nicht nur kurz, sondern eine Weile offen gehalten werden, damit genug Suspense entsteht. Und es ist elegant, die Leser*innen eine Weile mit der Frage alleinzulassen. Also nicht immer wieder daran zu erinnern, dass es eine Frage gibt, die beantwortet werden muss.

Die richtigen Fragen

Ja, es ist wichtig, die richtigen Fragen zu stellen. Fragen, die eng mit der Handlung (zum Beispiel dem Fall bei einem Krimi) verknüpft sind. Oder die wichtig für den Fortgang der Handlung sind. Fragen, an denen die Leser*in ein Interesse hat.

Fragen dürfen die Handlung nicht aufhalten, sie müssen lediglich die Neugierde der Leser*in wecken und das Interesse am Weiterlesen wachhalten.

Wie funktioniert das psychologisch? Der US-amerikanische Medienpsychologe Dolf Zillmann hat herausgefunden, dass sich Menschen um andere oder eben Protagonisten besonders sorgen, wenn sie fast ganz sicher sind, dass etwas „Schlimmes“ passiert. Fast ganz sicher … ist gut für Spannung. Ganz sicher – nicht. Es sollte immer eine winzige Chance auf eine gute Lösung bestehen.

Offene Fragen

Wie stellt man Fragen?

In Filmen kann man es oft beobachten: Da stellen die Protagonisten oder Nebencharaktere einfach die Fragen, auf die der Zuschauer vielleicht nicht kommt. Sehr smart. Wo bin ich? Was ist das hier? Magret, weißt du wo wir sind?

Diesen Kniff könnt ihr auch in Büchern anwenden, wenn ihr nicht sicher seid, ob eure Leser*innen verstanden haben, was für eine große Frage sich gerade stellt. Lasst einen eure Charaktere ungläubig nachfragen, lasst die Held*in in Gedanken fragen, fragt mit dem Autoren-Ich. Kann das wahr sein?

Und achtet darauf, dass auch die Antwort nicht nur mal eben, versteckt dahingemurmelt wird, sondern superdeutlich zu verstehen ist. Ja, das ist doch die Tatwaffe, nach der wir so lang gesucht haben! Na, vielleicht nicht ganz so auffällig und platt. Ihr werdet beim Überarbeiten selbst merken, wo ihr unklar wart, denn auf einmal fragt ihr euch selbst: Was wollte ich damit eigentlich sagen? Dann wisst ihr sicher, dass ihr eine Frage oder Antwort deutlicher formulieren müsst.

Zusammenfassend:
  • Stellt eine große Frage, die das ganze Buch hindurch offenbleibt und erst am Ende gelöst wird.
  • Stellt viele kleine Fragen, die ihr unterwegs beantwortet.
  • Achtet darauf, dass die Fragen zur Handlung und dem Interesse der Leserschaft passen.
  • Beantwortet die kleinen offenen Fragen im Lauf der Geschichte.
  • Achtet darauf, dass immer eine oder mehrere kleine Fragen offen sind.
  • Stellt und beantwortet die Fragen klar und deutlich.
  • Lasst eure Charaktere Fragen stellen oder Antworten geben.

Zum Thema offene Fragen und Spannung hört – der Cliffhanger. Warum er mehr als ein billiger Trick ist, erkläre ich euch in zwei Wochen. Bis dahin –

xoxo

Katrin

#redbugwriting #rbpub #schreibtipps #suspense

 

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1 Comment

  • Reply 7 Tipps - Wie schreibe ich ein spannendes Buch #7 Cliffhanger - Red Bug CultureRed Bug Culture 11. März 2020 at 13:33

    […] erste Frage beantwortet, alle haben sicher überlebt, doch nun beschäftigen uns die neuen Fragen (mehr zu offenen Fragen): Was hat der Attentäter mit dem Anschlag beabsichtigt?//Was wird er tun, wenn er erfährt, dass […]

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