7 Tipps - Wie schreibe ich ein spannendes Buch?

7 Tipps – Wie schreibe ich ein spannendes Buch #5 Konflikt

29. Januar 2020
Konflikt

Ich habe keine Angst vor Konflikten. Das war nicht immer so. Als Kind war ich schüchtern, als Teenager zurückhaltend. Mit Streit konnte ich überhaupt nicht umgehen und meine Position auch nicht verteidigen. Das hat sich mächtig geändert. Vor allem weil ich mit vielen Menschen zusammengelebt habe, auch in großen Gruppen und dort sind Konflikte vorprogrammiert. Ich musste es lernen. Aber auch in einer Partnerschaft oder Zweier-WG gibt es schnell mal einen Konflikt. Nasse Handtücher, ungespültes Geschirr – wir kennen das. Wenn dazu noch eine Bedrohung von außen kommt – Kündigung der Wohnung, Geldschwierigkeiten, Unwetter, Krieg – dann wird der kleine Konflikt ganz schnell episch.

Und ja, ich sehe euch schon grinsen, genau das sind gute Geschichten. Also heißt die erste Aufgabe für heute: Umarmt den Konflikt.

Konflikt kommt von lateinisch confligere, was zusammentreffen oder kämpfen bedeutet.

Konflikt ist mehr als eine Meinungsverschiedenheit. Konflikt bedeutet Kampf. Eine Meinung steht gegen die andere, eine Weltanschauung trifft auf eine entgegengesetzte, eine Streitmacht auf eine gegnerische.

Ohne Konflikt – keine Story

Sorry, falls ihr stolz darauf seid, dass ihr so nett und anpassungsfähig und freundlich seid. Diese Eigenschaften sind Gift für eine gute Story. Hier scheitern Autor*innen ganz schnell, weil man uns ja allen im echten Leben beibringt, wie toll das ist, wenn wir unserem Freund in der Buddelkiste KEINE Schippe über den Kopf hauen, weil er unseren Sandkuchen zerstört hat. Ich habe erst in privaten Gruppen und später im Berufsleben gelernt, Konfliktsituationen auszuhalten und zu lösen. Als Agentin im Filmgeschäft heißt „nett sein“, sehr schnell übers Ohr gehauen zu werden. Hier liegt die Betonung aber besonders auf „zu lösen“. Also nicht nur zu sagen: Verdammt, großer Konflikt, ich halte es aus, sondern eine gute Lösung für den Konflikt zu finden. Wenn ihr also einen Konflikt in die Story einbaut – dann heißt die Schreibaufgabe, auch eine großartige Lösung zu finden.

Welche Arten von Konflikten gibt es? Wenn man im Internet nach Story-Konflikten googelt, findet man: Die 3 verschiedenen Konfliktarten, die 4 verschiedenen Konfliktarten und so weiter. Wenn man dann näher herangeht, wird es irgendwie schwamming, wie denn die Konflikte voneinander abgegrenzt werden. Ich schlage euch hier eine einfache Lösung vor. Es gibt innere und äußere Konflikte.

Innere Konflikte

Alles, was sich in der Figur, in euch, im Innern abspielt, ist ein innerer Konflikt. Soll ich zu der Party gehen?// Darf ich ein Verhältnis zu einer verheirateten Person haben?//Ist Ehebruch eine Sünde?//Liebe ich diesen Menschen?

KonfliktIn innere Konflikte geraten Protagonisten, wenn sie in eine neue, sie verwirrende Situation geraten. Sie müssen sich anpassen, ihre Vorstellungen von der Welt, von ihren Gefühlen, ihrem Selbstbild ändern. Priester liebt Prostituierte//Metzger mag kein Fleisch mehr//Nonne stellt den Glauben in Frage//Liebes Mädchen verliebt sich in Badboy.

Wir wissen alle, dass diese Konflikte häufig in Geschichten sehr schnell beseitigt werden und der Badboy am Ende doch ganz lieb ist. Aber, sorry, das ist keine gute Story. Besser: Das Mädchen entdeckt einen Anteil Badgirl in sich und kommt so dem Helden näher. Das ist nicht nur realistischer, sondern auch die bessere Geschichte.

Es gibt verschiedene Arten von inneren Konflikten:

  • Moralische Konflikte
  • Gesellschaftliche Konflikte
  • Gewissenskonflikte
  • Glaubenskonflikte
  • Erziehungskonflikte
  • Gefühlskonflikte

Und so weiter. Wichtig ist nur: Sie müssen sich innerhalb der Person abspielen. Klar, kann die Protaginistin auch über ihre Probleme mit anderen sprechen. Es bleiben aber innere Konflikte.

Innere Konflikte lassen sich in Büchern sehr gut durch innere Monologe darstellen. Ein wenig Selbstreflexion tut jeder Proagonist*in gut. Doch wenn man die Protaginist*innen immer nur Selbstgespräche führen hört, wird das schnell langweilig. Jede Story braucht also eine Balance zwischen inneren und äußeren Konflikten. Und äußere Konflikte – sagt schon der Name – kommen von außen.

Äußere Konflikte

Außere Konflikte entstehen dort, wo die Protagonistin auf andere Menschen oder die Welt trifft. Sie will etwas (ver)ändern, sie hat ein Ziel, sie will sich aus etwas befreien oder etwas erobern. Und garantiert passt das jemand anderem nicht. Tja, schon ist Konfliktpotenzial da.

Äußere Konflikte können verschieden große Dimensionen annehmen. Das geht von einem kleinen Übergriff, den ich unten auf die Skala setzen würde, bis zu Krieg. Und wenn ein Weltkrieg nicht reicht, dann können wir den Konflikt auch gleich zu Star Wars ausweiten.

Ein äußerer Konflikt kann harmlos beginnen – jemand parkt auf dem Firmengelände ständig auf meinem Platz – und sich ausweiten. Oder eine einmalige Aktion sein. Jemand hat mir die Luft aus den Reifen gelassen.

Äußere Konflikte können sehr unterschiedliche sein. Es gibt

  • Gesellschaftliche Konflikte
  • Beziehungskonflikte
  • Länderkonflikte
  • Rassenkonflikte
  • Generationskonflikte

und noch viele mehr.

Komplexe Geschichten

Wir beobachten es, Geschichten werden immer komplexer. Das heißt, sie brauchen mehr und kompliziertere Konflikte. Eine einfache flache Story kennt zum Beispiel kaum innere Konflikte.  Aktion, Baby. Das heißt nicht, dass diese Story nicht auch spannend sein kann. No problemo. Früher funktionierten Aktionfilme so. James Bond. Hat der Typ sich jemals in Frage gestellt? Moralische Bedenken gehabt? Bedrohung kam immer nur von außen und wurde meist mit Gewalt gelöst. Und wenn ihr jetzt ruft: Gewalt ist keine Lösung! Dann sage ich euch: Doch. In Geschichten schon.

Nur wünschen wir uns bessere, tiefergehende Geschichten. Das liegt natürlich auch daran, dass unsere Welt komplexer und kompizierter geworden ist. Am liebsten würde man immer alles auf eine einfache Formel bringen: schwarz – weiß, gut – böse. Nun, für eine gute Geschichte reicht das nicht mehr. Und für unsere heutige Welt auch nicht.

Konflikte lösen

KonfliktGenauso wichtig wie gute Konflikte für eine spannende Geschichte, sind deren Lösungen. Nichts ist schlimmer als ein großer Konflikt, der mit einem harmlosen: Okay, dann eben nicht gelöst wird. Die größten Probleme haben damit sehr häufig weibliche Autor*innen, die sehr konfliktfrei erzogen wurden. Sei immer nett – ist immer noch eine Formel, die für Mädchen gilt. Eine Autor*in, die nicht zum Badgirl werden kann – wird keine guten Geschichten verfassen. Sag ich mal so und beweist mir gerne das Ggenteil. Daher leiden auch viele Romanzen unter einem niedrigen Konfliktlevel. Wollen das Frauen vielleicht so?

Nun, auch Frauen müssen sich – besonders, wenn sie in der heutigen Welt und Gesellschaft Stellung beziehen wollen – an Konflikte gewöhnen. Und lernen sie auszutragen. Es gibt  keinen gesellschaftlichen Fortschritte ohne Konflikte.

Deus ex machina

Sailko Euripides‘ Medea directed by Krzysztof Zanussi, performed in Siracuse, Italy (2009)

Doch genau wie im echten Leben: Es gibt gute Konfliktlösungen und schlechtere. Gewalt und Krieg gehören zu den schlechteren. Hier sind wir Frauen vielleicht sogar sehr gefragt. Reden wir drüber. Zum Beispiel. Konflikte gut zu lösen – Das sollten wir im Leben und unseren Geschichten elegant hinkriegen und zwar ohne den Konflikt wie ein Wunder aus der Welt verschwinden zu lassen. Für Lösungen, die man einfach mal erfindet, um einen Konflikt aus der Welt zu schaffen, gibt es übrigens sogar ein Fremdwort: Deus ex machina

Der Deus ex machina (lat. Gott aus einer/der [Theater-]Maschine) ist eine Lehnübersetzungaus dem Griechischen und bezeichnet ursprünglich das Auftauchen einer Gottheit mit Hilfe einer Bühnenmaschinerie. Heute gilt der Ausdruck auch als eine sprichwörtlich-dramaturgische Bezeichnung für jede durch plötzliche, unmotiviert eintretende Ereignisse, Personen oder außenstehende Mächte bewirkte Lösung eines Konflikts.[2]

Dieser Begriff steht für eine schlechte Problemlösung und genau das will man nicht in Geschichten. Auch wenn es heute weniger Götter, als strahlende Helden oder eine Mail sind, die ein Problem plötzlich aus der Welt schaffen.

Zusammenfassend: Haltet also in euren Geschichten Konflikte besser aus, macht sie groß und löst sie elegant und glaubwürdig.

In der übernächsten Woche geht es um Fragen. Genauer gesagt offene Fragen, denn die machen eine Geschichte spannend.

Bis dahin eine gute Zeit!

xoxo

Katrin

#rbpub #redbugwriting #amwriting #schreibtipps

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2 Comments

  • Reply 7 Tipps - Wie schreibe ich ein spannendes Buch #7 Cliffhanger - Red Bug CultureRed Bug Culture 26. Februar 2020 at 17:08

    […] sondern wie ihr an diese Stelle kommt. Schlechte Cliffhanger sind wie schlechte Lösungen (siehe Deus ex machina im Konflikt-Beitrag) für Konflikte. Sie tauchen unvermittelt auf und stellen eine Frage, die nichts mit dem […]

  • Reply Kreatives Schreiben mit Clustering #10 Konflikte - Red Bug CultureRed Bug Culture 1. Oktober 2020 at 15:07

    […] Geschichten und wie sie mit der Cluster-Methode noch besser umsetzen könnt. Ich habe einen ganzen Blogbeitrag zum Thema Konflikte in Geschichten geschrieben, der hier als Ergänzung gut passt. Also lest ihn vielleicht […]

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