7 Tipps - Wie schreibe ich ein spannendes Buch?

7 Tipps – Wie schreibe ich ein spannendes Buch #4 Tension

15. Januar 2020
Tension

Heute geht es um … Tension. Also Spannung! Hallo, willkommen im neuen Jahr. 2020 hört sich großartig an, voll von großartigen Versprechungen. Erinnert ihr euch noch, was das Thema vom WritersWednesday der letzten Wochen in 2019 war? Klingt, als wäre es ein Jahrzehnt her. Nun, wir haben das Jahr abwechselnden mit Beiträgen zum „Autobiographischen Schreiben“ und „7 Tipps – Wie schreibe ich ein spannendes Buch“ ausklingen lassen und genauso geht es jetzt die nächsten Wochen am Mittwoch weiter. Wer unseren genauen Blogfahrplan wissen will, kann sich gerne den Blogbeitrag zum Ausblick 2020 ansehen.

Okay, heute geht es also um Tension. Unter Tension fasst man verschiedene Arten von Spannung zusammen.

Als Oberbegriff für dramatische Spannung wird in der Regel der Begriff Tension verwendet. Als Unterteilung hat sich die wissenschaftliche Literatur auf die drei Begriffe Surprise, Suspense und Mystery geeinigt.  (Wiki)

Das klingt für uns Deutsche ziemlich gleich, heißt nicht alles irgendwie Spannung? Ja. Und genau deshalb benutze ich die englischen Begriffe und entwirre die verschiedenen Spannungsbegriffe.

Suspense

Um Suspense ging es schon im letzten Beitrag. Suspense bezeichnet keinen besonderen Spannungsmoment, sondern die allgemeine Spannung in einer Geschichte, die durch den großen dramaturgischen Spannungsbogen erzeugt wird. Wenn euer Manuskript von Agent*innen oder Verleger*innen abgelehnt wird oder Leserinnen das Buch beiseite legen, dann habt ihr vermutlich im Großen und Ganzen etwas falsch gemacht. Also den großen Spannungsbogen nicht wirklich erschaffen.

Daher wünschen Verleger auch neben einer Texprobe ein Exposé an dem sie schon einmal sehen können, wie ihr den Spannungsbogen der Geschichte aufbaut. Egal wie kurz oder lang euer Exposé ist, achtet darauf, dass es einen erkennbaren Spannungsbogen in der Geschichte gibt. Selbst, wenn ihr nur einen sehr kurzen Pitch, also eine kurze Zusammenfassung euer Geschichte macht, sollte erkennbar sein, wo hier die Spannung in der Geschichte liegt. Massenmörderin wird Kindergärtnerin//Mitarbeiter in einem Hochsicherheitstrakt gesteht sich nicht ein, dass er dement wird//Tornado näher sich einer Stadt mit Atomkraftwerk.

Okay, egal wie diese Geschichten im einzelnen verlaufen, wir verstehen, wie sie funktionieren, wieso man sie lesen möchte, wir spüren die Spannung.

Aber nicht immer geht es gleich um die ganz großen Spannungsmomente. Vielleicht wollt ihr eher eine Geschichte schreiben, in der es um Charakterentwicklung geht. Dann finde ich es immer sehr hilfreich, wenn man sich sehr stark mit der Ausgangssituation der Helden beschäftigt. Je absurder, schwieriger und verfahrener die ist, desto verrückter und ausgefallener müssen die Lösungsmomente sein. Und desto größer kann die Entwicklung des Helden sein. Harry Potter, unter der Treppe, adoptiert in eine Familie, die ihn hasst. Was für eine Ausgangssituation!

Suspense im Liebesroman

Aber auch im Liebesroman funktioniert das. Frau, lebenslang im Gefängnis, verliebt sich in ihren Verteidiger. Und er sich in sie. Grundsätzlich sind alle Protagonisten in Geschichten größer und besonderer und verrückter als normale Menschen. Ein Story-Trick, der bei New Adult gerne angewendet wird, ist die schreckliche Vergangenheit der Protagonisten. Damit die beiden nicht einfach zusammenkommen können, werden nach und nach schreckliche Traumata oder Probleme aus der Vergangenheit offengelegt, die es den Liebenden Hindernisse in den Weg legen. Wiederrum wird der gute Ausgang der Geschichte infrage gestellt. Das ist grundsätzlich eine gute Idee, um Spannung zu erzeugen, allerdings mittlerweile auch schon so oft angewendet, dass es ein Klischee geworden ist.

Surprise

Surprise!, rufen dir 15 Leute in deiner eigenen Wohnung entgegen und Happy Birthday to you. Was für eine Überraschung. Und mehr auch nicht. Ein kleiner Aha-Moment, eine akute Situation, in der eure Heldin überrascht, angegriffen oder erwischt wird, in der etwas Überraschendes passiert. Diese kleinen Momente bezeichnet man als Surprise und ihr könnt sie großzügig über eure Geschichte verteilen, denn neben der Spannung im großen Bogen, ist es sehr gut, kleine Überraschungsmomente einzubauen. Im Krimi oder Thriller leuchtet das ein, aber auch eine belletristische Geschichte oder der – mal wieder – Liebesroman kann diese Momente vertragen. Sie halten das Interessen am großen Bogen aufrecht, führen die Leser von einer kleinen Überraschung zur nächsten. Und wer liebt keine Überraschungen?!

Mystery

Unter Mystery versteht man die Spannung, die durch ungeklärte Vorgänge, Rätsel oder das Vorenthalten von Informationen erzeugt wird. Die Leserin rätselt im Kopf mit, überlegt, was passiert sein könnte, wer der Mörder ist und stellt sich Fragen. So wird die Spannung ebenfall hochgehalten, denn Rätsel will man lösen. Diese Art der Spannungserzeugung passt am besten in einen Krimi oder Thriller, aber gerade gibt es so viele Genre-Mischformen, dass ihr euch damit auf jeden Fall auskennen solltet.

Bei allen drei Spannungarten geht es darum, die Leser*in immer wieder für den Text zu interessieren. Dabei muss dem Protagonisten nicht alles selbst passieren, damit Spannung erzeugt wird. Er kann auch um sein/ihr Kind, Familie oder das Wohergehen einer Freundin gehen. In Dystopien geht es dann gleich um Dörfer, Städte, Länder oder die ganze Welt.

 Empathie

All das, das Aufbauen einer Spannung und Spannungsmomenten, kann natürlich nur funktionieren, wenn die Leserin eine Beziehung zur Heldin hat. Denn wenn uns egal ist, ob die Heldin leidet, Sehnsucht hat oder stirbt, dann wird uns eine Spannungsituation nur ein Gähnen entlocken. Na und? Stirbt sie eben, ich mochte sie sowieso nicht. Je mehr eure Leser eure Helden mögen, desto besser wird die Bedrohung der Helden oder eine Unsicherheit funktionieren. Denn – siehe letzter Absatz – so funktionieren wir Menschen eben. Wenn es Menschen, die wir mögen oder sogar lieben schlecht ergeht, dann leiden wir mit. Und – richtig – diese Menschen müssen nicht real sein.

Wir sorgen uns auch um Harry Potter, den irgendwie haben wir den kleinen Kerl von Anfang an gerne. Warum? Ach, ja, weil er so mies von seinen Verwandten unterdrückt und behandelt wird. Diese Fähigkeit, Gefühle für andere zu empfinden, mit anderen mitzuleiden, nennt man Empathie. Wer keine Empathie hat, der wird Massenmörder oder Terrorist, denn es stört ihn überhaupt nicht, wenn er anderen Menschen etwas antut. Normal ist das nicht und auch etwas unheimlich – daher finden wir es höchst spannend, von Massenmördern zu lesen.

Ein weiteres hervorragendes Mittel, um Spannung zu erzeugen, ist der Konflikt. Konflikte stressen, Konflikte wollen wir lösen. Wie ihr Konflikte in eure Story einbaut, was für Arten von Konflikten es gibt und warum manche Konflikte besser funktionieren als andere, erzähle ich euch das nächste Mal.

Bis dahin –

xoxo

Katrin

#redbugwriting #rbpub #amwriting #schreibtipps

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