DIY-Donnerstag, Playful Writing

Playful Writing #10 Training

7. November 2019
Training

Wir nähern uns dem Ende unseres DIY-Bloggerjahres. Ende November gehen wir in die Winterferien, dann aber findet ihr auf dem Blog unseren genialen Weihnachtskalender. Ich springe heute für Lukas ein, der sich mitten in seiner Bachelor-Arbeit befindet und jede Minute braucht. Diese Woche geht es um – Das Training. Was das bei einem Spiel, zum Beispiel Fußball, bedeutet, ist dir vermutlich klar. Aber was heißt das für eine Autor*in? Schreiben  … üben? Wie soll das gehen?

Kennst du diese ewig wiederkehrende Frage: Wie wirst du eine gute AutorIn? Und die sehr bekannte Antwort: Indem du täglich schreibst. Hier könnte der Blogbeitrag dann einfach enden, denn täglich schreiben ist Training, oder? Dann tue es einfach. Aber – Moment mal. Ich sehe mal rüber zum Fußball: Erstens gibt es unterschiedliche Trainingsmethoden und außerdem muss ich als Torwart anders trainieren als als Stürmer, Verteidiger etc. Oder? Genau.

Was ist Training?

Der Begriff Training oder das Trainieren steht allgemein für alle Prozesse, die eine verändernde Entwicklung hervorrufen. Im Bereich Sport – eine sich systematisch wiederholende Ertüchtigung mit dem Ziel, die körperliche, kognitive und emotionale Konstitution in der Weise zu verbessern, dass eine erhöhte Leistungsfähigkeit in der jeweiligen Sportart resultiert. (Wikipedia)

Beim Training geht es darum, eine Sache, einen Bewegungsablauf, eine Fertigkeit so oft zu wiederholen, bis sie beherrscht wird. Also abrufbar ist. Denk an Kopfball. Je länger du das Annehmen eines Balls mit dem Kopf trainierst, desto besser wirst du. Und an diesem Lernprozess ist der ganze Köprer, nicht nur die Muskeln, der Schädel, die Nerven, sondern auch das Gehrin beteiligt. Daher heißt es oben: körperliche, kognitive und emotionale Konstitution. 

Konstitution (von lateinisch constitutio, -onis ‚Zusammensetzung‘, ‚Anordnung‘) bezeichnet die Gesamtheit der überdauernden, genetisch vermittelten Eigenschaften eines Lebewesens.

Körperliches Training

Okay, der Reihe nach. Als erstes geht es um die körperliche Konstituion beim Schreiben. Oh, ha, ha, ich sehe wie du lachst. Der Körper? Der hat ja wohl beim Schreiben nichts weiter zu tun, als stillzusitzen. Hm, nicht ganz.

Training Playful WritingAuch wenn ich heute nicht hauptsächlich darüber sprechen will, wie man seine Finger schneller über die Tastatur bewegt, spielt es für das Schreiben eine Rolle. Also die Finger so zu trainieren, dass sie schneller schreiben können. Daher würde ich jedem, dier oder die viel schreibt, das Zehnfingersystem zu erlernen. Denn auf Dauer ist es ziemlich nervig, mit zwei Fingern auf der Tastatur herumzuhüpfen. Es spart Zeit und Nerven. Wobei man für das Lernen des Zehnfingersystems  auch sehr viel Geduld aufbringen muss. Ich habe es gelernt, als es mir exrem schlecht ging und ich dachte, bevor du die Wand anstarrst, kannst du auch ganz stumpfsinnig Buchstaben aufs Papier hauen (ich habe das Zehnfingersystem auf einer Schreibmaschine gelernt).

Unterschätze ganz allgemein die körperliche Komponente des Schreibens nicht. Es ist zum Beispiel wichtig, beim Schreiben die richtige Haltung einzunehmen. Sitz nicht zu vorgebeugt oder verkrampft, weil das gesundheitsschädlich ist und sich das dann irgenwann auch auf das Denken und kreative Arbeiten auswirkt. Aber musst du das trainieren? Eher nicht. Vielleicht aber für einen guten Stuhl sorgen oder dich auf einen Ball setzen, der das Becken in Bewegung hält.

Doch der Körper besteht nicht nur aus Muskeln und Sehnen, da ist ja auch noch das Gehirn …

Kognitive Konstitution

Kognition ist die von einem verhaltenssteuernden System ausgeführte Umgestaltung von Informationen. Kognition ist ein uneinheitlich verwendeter Begriff, mit dem auf die Informationsverarbeitung von Menschen und anderen Systemen Bezug genommen wird. Oft ist mit „Kognition“ das Denken in einem umfassenden Sinne gemeint. (Wikipedia)

Musst du dein Denken ändern/trainieren, um gut schreiben zu lernen? Ja. Verdammt: JA! dein Kopf ist beim Schreiben eines deiner wichtigsten Arbeistmittel und er sollte in Topform sein.pic by Anas Aldyab

Die gute Nachricht ist dabei allerdings: In Ansätzen kennst du diesen Lernprozess schon. Du hast das nämlich in Grundzügen schon gelernt, als du Sprechen und Schreiben gelernt hast. Dabei hast du deine Gedanken in Worte und dann später geschriebene Sprache verwandelt. Und die Grundlagen gelernt. Aber fürs gute, literaische Schreiben sollte es dann schon ein wenig mehr sein.
Was heißt gut sprechen/schreiben?

  • Ein großer Wortschatz: Wenn du viele Wörter kennst, kannst du im Zweifelsfall auf eine große Auswahl an Worten zurückgreifen.
  • Wortgewandtheit: Du findest im richtigen Moment die richtigen Worte. Findest das passende Wort für ein bestimmtes Objekt, für ein Gefühl, du kannst mit Worten jonglieren.
  • Redekunst: Auch Rhetorik genannt. Also die Kunst, jemanden mit gut gewählten Worten und Sätzen und aufeinanderfolgenden Argumenten von seinem Standpunkt zu überzeugen.

Und all das kannst du lernen. Und trainieren. Also dich gut und besser auszudrücken. Die richtigen Worte zu finden für deine Gedanken, deine Gefühle, bestimmte Situationen, Objekte, Verhalten von Menschen, Tieren …

Tatsächlich spielt Sprache beim Sport/Fußball keine so große Rolle. Aber auch ein (z.B.) Fußballer muss Situationen begreifen, analysieren können und sich dann für eine sinnvolle Handlung entscheiden. Zwar spricht er oder sie nicht, aber wir sehen einen ähnlichen Ablauf. Der Körper ist in dem Moment das Kommunikationsmittel. Die Bewegung im Raum, die von den Mitspielern erkannt und gedeutet wird. Nicht nur „Gib mir den Balla!“, sondern ein Vorrecken des Kopfes, ein Hochspringen, ein Hin- oder weglaufen. Kurz: Kommunikation.

Den Sprache ist ja nicht nur One-Way. Also ich rede und du hörst zu, sondern wir reden miteinander. Mit dem Körper oder mit der Stimme oder über das geschriebene Wort.

Kommunikations- Training

Es leuchtet sehr ein, dass ein guter Fußballspieler gut mit seinen Mitspielern kommunizieren können sollte. Es ist ja ein Manschaftssport, also müssen es alle zusammen hinkriegen. Sich aufeinander abstimmen. Oft werden Spielzüge eintrainiert, das heißt eine Gruppe von Spielern trainiert einen Ablauf, der dann so reibungslos funktioniert, dass die Gegenmanschaft davon überrascht wird. Oder ausgetrickst. Wortlose Kommunikation.

Beim Schreiben ist es natürlich anders. Aber nicht deshalb, weil du allein bist. Ganz im Gegenteil. Schreiben heißt, seine Worte an jemanden zu richten. Die Leser*in. Die Leserschaft. Und die muss dich verstehen. Verstehen, was du sagen willst.

Zwar siehst du diejenigen, mit denen du kommunizierst nicht, aber sie sind da. Wenn du deine Worte schlecht wählst, werden sie dich nicht verstehen. Wenn du dich ungeschickt ausdrückst, werden sie dich falsch verstehen. Also lerne, gut zu kommunizieren. Auch das kann man trainieren, also so zu schreiben, dass andere sehr genau erstehen, was man aussagen will. (Hier mehr dazu)

Exkurs: Sprachebenen

Nicht alle Menschen haben die gleiche Sprachfertigkeit. Zum Beispiel würden wir einen fünfjährigen Kind wohl kaum einen wissenschaftlichen Text zumuten. Und auch einem nicht so intelligenten Menschen mit einem hochintelligenten Text quälen. Ebenso kann es  beleidigend sein,  jemanden mit einem zu einfachen simplen Text zu unterfordern. Wir alle sind verschieden.

Die große Popularität von vergleichsweise einfachen Texten lässt sich wunderbar erklären: Nur wenige Menschen beherrschen die hohe Sprachkunst. Die meisten haben ein durchschnittliches Sprachverständnis.

Für uns Schriftsteller entsteht hier eine Spannung: Einerseits wollen wir uns brillant ausdrücken, andererseits wissen wir, dass uns immer weniger Menschen folgen können, wenn wir uns in die Höhen der Sprachkunst erheben. Lohnt es sich dann überhaupt, seine Sprachfertigkeiten zu trainieren? Hm. Sagen wir es mal so: Wer sich auf dem Bolzpaltz oder der Regionalliga wohl fühlt, kann dort bis an sein Lebensende sehr glücklich weiterspielen. Wer in die Bundesliga will, wer bei Olympia über den Platz stürmen will, der muss seine Fähigkeiten bis zur Meisterschaft trainieren.

Und noch eine Bemerkung: Es gibt gerade viele Menschen, die der Meinung sind, dass Handke den Literaturnobelpreis nicht verdient hat. Weil er sich politisch unkorrekt verhalten hat. Okay. Aber ihm seine Sprachkunst absprechen? Da sollte man doch etwas genauer hinsehen.

Emotionale Kondition

Wie trainiert man Gefühle? Das ist eine gute Frage und ich kann sie nicht unbedingt beantworten. Ich weiß allerdings, dass es wichtig ist, beim Schreiben mit einer Vielzahl von Gefühlen umzugehen. Sie in passende Worte zu fassen, oder sie durch eine gute Wortwahl beim Leser zu erzeugen. Das gilt sogar, wenn man nicht fiktionale Texte schreibt. Gefühle helfen beim Lernen, helfen bei der Aufnahme von Informationen. Und sie sind ja auch immer da. Selbst wenn wir sie zu unterdrücken versuchen. En Grund, warum Schriftsteller eher spät zur Meisterschaft gelangen, hängt mit der größeren Erfahrung zusammen, die man im Alter hat. Doch die Erfahrungen zu erleben ist eine Sache, sie in die besten  Worte zu fassen eine ganz andere.

Viele Gefühle sind wenig hilfreich, wenn man schreibt. Ungeduld oder Jähzorn. Aggression oder Trauer. Diese Gefühle müssen sich erst etwas legen, abkühlen, bevor wir sie für das Schreiben nutzen können. Diese Verarbeitung von Gefühlen, die Umarbeitung von Gefühlen in Sprache, kann man ebenfalls trainieren.

Nun sind Gefühle meist subjektiv. Was den einen bewegt, hält der andere für sentimentalen Kitsch. Und ebenso hat jeder ein anderes Bedürfnis, wenn es um emotionale Sprache geht. Jemand, der viel erlebt hat, reicht vielleicht eine zarte Erinnerung, um ein Gefühl in ihm hervorzurufen, jemand, der wenig Erfahrung hat will mehr Erklärung, Beschreibung, mehr Worte, um etwas nachvollziehen zu können. Ganz allgemein sollte man als gute Autor*in in der Lage sein, Gefühle so auszudrücken, dass sie von jedem verstanden werden und trotzdem nicht kitschig sind. Diese Gradwanderung macht die Meisterschaft aus und auch das kann man lernen, und muss man trainieren. Und wie?

Sprachgefühl trainieren

Eines der besten Mittel sein Sprachgefühl zu trainieren, ist das Lesen. Aber bitte nicht die immergleichen Wohlfühl- Liebesromane oder Thriller, sondern am besten eine gute Mischung aus Klassikern, aus belletristischer Literatur und Genrebüchern. Ich glaube, dass man aus jedem Buch etwas lernen kann. Aus einem schlecht geschriebenen Buch lernt man, wie man es nicht machen sollte. Hier kann man also wenig falsch machen, wenn man so viel wie mögich und so weit gestreut wie möglich liest. Dabei ist es allerdings wichtig, diese Bücher nicht nur eines hinter dem annderen zu inhallieren, sondern sie beim Lesen zu analysieren. Also sich zu fragen, was die Autorin gemacht hat, um einen in Spannung zu versetzen oder zu rühren.

Das andere Mittel um das Sprachgefühl zu verbessern – und hier schließt sich der Kreis – ist das Schreiben. Ja, doch. So viel wie möglich. Wobei auch hier gilt, nicht einfach etwas herunterzuschreiben, sondern sich die geschriebenen Worte danach auch einmal kritisch anzusehen. Das Hin- und Her ist das Training. Lesen – Analysieren. Schreiben – Anaylisieren.

Okay, hola, das ist jetzt eine Menge geworden. Ich habe das Gefühl, hier könnte ich noch viel mehr schreiben, aber das wird dann wohl eine eigene Blogreihe. Mal sehen. Und dies ist dann auch (schon) mein letzter Beitrag zum Playful Writing. Ich beende diese Blogreihe mit dem Thema Training, ich kann dir aber versichern – das Training hört nie auf. Also viel Spaß dabei!

Bis bald

xoxo

Katrin

#redbugwriting #schreibtipps  #rbpub #amwriting

 

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