Charakter-Special: Wünsche, DIY-Donnerstag

Charakter-Special: Wünsche #10

21. November 2019
Charakter-Special: Wünsche #10

Charakter Special: Wünsche #10
Wünsche machen abhängig, unsinnig, widerspenstig und manchmal schlichtweg verrückt. Sie machen, dass man in den Himmel starrt und Sterne zählt, an Gänseblümchenorakel glaubt und Kerben ins Holz schnitzt. Im Regen singend an einer Laterne schwingt.

Manchmal taucht man auf, und hat vergessen, wo man ist. Oder fährt rotwangig aus dem Schlaf hoch. Wer da! Dann lässt man Steine springen und wünscht, das verdammte Leben könnte ohne Wünsche laufen. Bis einem einfällt, das Leben und Wünschen fast das gleiche ist.

 

Wünschen heißt, vertrauensvoll aufs Leben zuzugehen. Sich zu öffnen, für neue Perspektiven und den Mut zu sammeln, sie entdecken zu können. Vielleicht entsteht die Welt um uns herum, nur aus dem kontinuierlichen Wünschen, das jeder Einzelne von uns sich verschmitzt zutraut.

Hast du Zeit zum Wünschen?

Wind, der die Haare zerwirbelt, Wellen die an den Strand schlagen, ein Moment in der S-Bahn, in dem du schwerelos der Zukunft entgegensiehst? Brauchen deine Wünsche Wasser, Licht oder Liebe? Können sie wachsen und gedeihen? Was verbietest du dir? Worauf kannst du nicht verzichten? Wünsche sind zartes Geblüm aber auch ewig währendes Gestrüpp. Sich durch die eigene Wunschwildnis zu bewegen, sie zu erforschen, zu studieren und zum Weiterleben anzuregen, ist eine lebenslange Aufgabe.

Ist es Glück, wenn sich ein Wunsch erfüllt? Harte Arbeit? Irgendwas dazwischen, drüber oder drunter? Ganz sicher kann man sich da nie sein. Und das macht Wünschen so aufregend und lebensecht.

Happy beginning

In manchen Geschichten wirkt das Leben einfach. Verdaulich und erbaulich. Girl meets boy, dog loves owner, gift gets given. Aber was man oft vergisst, ist, das das Leben eine Ellipse ist. Erfüllt sich ein Wunsch, ist das in den meisten Fällen kein happy ending, sondern ein happy beginning. Der Beginn einer neuen Beziehung nur der Start in eine turbulente Reise. Eine Berufung, der erste Schritt in ein neues Lebensgefühl.

Im Leben klappt man nicht den Buchdeckel zu und seufzt seelig. Da kommt eine nächste Seite und eine nächste Seite und eine nächste Seite. Bis die Welt wieder untergeht. Eine gute Geschichte endet nicht mit dem letzten Satz. Charaktere fallen nicht vom Rand der Erde, nur weil wir aufhören sie zu lesen. Sie leben in uns weiter, informieren und bewegen uns. Genau wie gute Wünsche.

Ein Korridor mit goldenen Türen. Jede öffnet sich willig. Und hinter jeder liegen neue, interessante Erfahrungen. Wege, die sich durch die Wüste winden. Wälder, so weit das Auge reicht. Ein Ozean, eine Wiese, ein Lächeln. All das und noch viel mehr, wenn man sich traut, die Klinke zu drücken.

Und falls einer mit den Augen rollt und die Finger knetet, im ewigen Versuch, das Leben auszurechnen, dann kannst du still in deine Wunschwelt blicken. Noch da? Ja. Und dich daran erinnern. Das jeder wünscht. Ob er oder sie es will oder nicht.

Wünschen ist menschlich

Weiter zu wünschen nach einem Schicksalsschlag. Hoffnungsvoll her zu sehnen, selbst wenn alle Zeichen dagegen sprechen. Leidenschaftlich und fäusteballend seinem Wunsch entgegen zu stapfen oder zart eine Hoffnung ins Kerzenlicht zu hauchen. Wünschen ist menschlich. Sieht man jemand wünschen, öffnet sich das Herz. Dann kann man in sich hinein schmunzeln und sich der Welt verbunden fühlen. Du und ich wünschen beide.

Auf dem Schloss Charlottenburg steht eine Figur, die sich mit dem Wind dreht. Fortuna, nackt bis auf ein wehendes Tuch, schaut immer in die Richtung, aus der der Wind weht. Manchmal sitzt ein Vogel auf ihrem Kopf oder einer ihrer Hände. Man kann hoch blinzeln, den Finger anlecken, prüfen, ob sie richtig steht. Oder sich an ihrem Anblick erfreuen, ganz wie es sich gut anfühlt. 

Ich wünsche dir, dass du, wie sie, dem Wind entgegensehen kannst. Die Arme ausgestreckt, keck auf einer Kugel balancierend. Einen Wunsch auf den Lippen.

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