7 Tipps - Wie schreibe ich ein spannendes Buch?

7 Tipps – Wie schreibe ich ein spannendes Buch #3 Suspense

27. November 2019
Suspense oder wie erzeuge ich Spannung?

Es gibt verschiedene Arten bei der Leser*in Spannung auszulösen, aber nicht alle sind gleich effektiv und sagen wir einmal – elegant. Suspense ist die hohe Schule, das, was ihr auf jeden Fall lernen solltet. Als einer ihrer Meister gilt Alfred Hitchcock. Okay, der war eine Filmemacher, aber Filme basieren auf Drehbüchern und Drehbücher sind – genau. Auch Bücher.

Suspense (engl. für „Gespanntheit“; die oder der Suspense) ist ein Begriff aus der Theater-, Film- und Literaturwissenschaft. Er leitet sich von lat. suspendere („aufhängen“) ab und bedeutet so viel wie „in Unsicherheit schweben“ hinsichtlich eines befürchteten oder erhofften Ereignisses. (Wikipedia)

Dieses „in Unsicherheit schweben“ ist wohl der unangenehmste Zustand im Leben überhaupt. Und was man dann will, ist diese Unsicherheit so schnell wie möglich zu beenden. Ich denke, selbst wer in der Todeszelle sitzt und auf einen eventuellen Freispruch wartet, leidet mehr unter Ungewissheit als unter dem Todesurteil.

In Ungewissheit schweben

Nun denkt ihr vielleicht: Super, Suspense ist wichtig für Krimis oder Thriller, aber was kann ich damit anfangen, wenn ich eine Liebesgeschichte schreibe oder einen historischen Roman oder … Und daher gleich vorab: Suspense ist für alle Arten von Geschichten wichtig. Auch für die hohe, hohe Literatur, die sich so gerne vom Genre abhebt. Und wenn ihr aufmerksam lest, werdet ihr sie in allen guten Büchern mehr oder weniger stark bemerken.

Neben anderen Typen der dramatischen Spannung ist dem Suspense die meiste Aufmerksamkeit zuteilgeworden, weil er die Spannungserzeugung „mit den geringsten“ Mitteln ist und weil Suspense als intensivstes Mittel der Spannungserzeugung gilt. (Wikipedia)

Denn das ist es, was eure Leser*innen durch euer Buch zieht. In einem Krimi ist es die ungewisse Frage: Wer hat es getan/gemordet? Bei einer Horrorgeschichte fragt ihr euch: Was ist das/es/sie? In einem Liebesroman wollt ihr wissen: Kommen sie zusammen?

Wer muss was wissen?

Wir Menschen sind komisch. Obwohl wir wissen, dass der Täter am Ende des Krimis zu 90 % gefasst wird oder zumindest bekannt ist, dass das unbekannte ES in der Horrorgeschichte sich irgendwann zeigen wird und ein Liebesroman zu 99 % zu einem Happy End führt, fragen wir uns trotzdem: Wird es gut ausgehen? Oder vielleicht nur: Wie wird es ausgehen? Ihr solltet das natürlich wissen, aber eure Leser*innen sollten sich das fragen.

Und zwar immer wieder. Ständig. Lasst nicht zu, dass sie sich zurücklehnen und mit der Gewissheit leicht einnicken, dass schon alles gut wird. Ja, man sieht es doch, es plätschert so dahin, wird schon werden. Kommt gar nicht in Frage. Ihr reißt ihnen immer wieder den Teppich der satten Gewissheit weg. Gerade dachten sie noch, den König, den wird man nicht umbringen, vollkommen unmöglich, und dann fällt sein Kopf schon in den Korb. Ab. Ende. Und jetzt? (für mehr lest J.R.R. Martin) Das ist euer Job.

Fragen über Fragen

Okay, jetzt habe ich euch gesagt, warum ihr Suspense braucht, die Zutat, damit die Speise gelingt, aber wie ist nun das Rezept? Wie macht man es? Wenn es so superklar ist, dass eine Liebesgeschichte meist ein Happy End hat, wie kann ich dann Zweifel daran säen? Wie und wann und überhaupt wo Unsicherheit schaffen?

Nun – nach und nach. Fangen wir beim WIE an. Also bei der Frage, warum das überhaupt funktioniert? Wieso kann man die Leser*innen täuschen, wenn es doch klar ist, dass alles gut ausgeht. (Und die Autorin hat die Happy End Garantie sogar ausdrücklich in ihre Bio geschrieben :).

Fata Morgana

Nun. Kennt ihr das, wenn man sich bei großer Hitze manchmal einbildet, Wasser auf dem Straßenbelag zu sehen? Auch Fata Morgana oder Luftspiegelung genannt. Dies ist ein physikalisches Phänomen und egal ob wir es kennen oder nicht, wir sehen Wasser. Da! Ist es doch. Gleich vor uns. Nope.

Ein anderes Beispiel: Eure Partner*in sagt euch im Streit: Ich hasse dich! Okay, klar, ihr wisst schon, dass kann nicht sein, ihr habt doch aus Liebe geheiratet oder euch vieleicht noch den Abend davor die Liebe gestanden. Euer Bauchgehirn findet das nicht lustig, zieht sich zusammen und fühlt sich – verletzt. Ihr bekommt vielleicht sogar Kopf- oder Bauchmerzen. Und jetzt versucht eurem Körper mal ganz rational zu sagen: Ach, stimmt nicht, er oder sie ist doch bloß wütend. Worte sind mächtig (sagte ich das schon?).

Manipulierte Gefühle?

Willkommen in der Hexenküche der Autor*in. Ja, ihr könnt euren Lesern Angst und Schrecken einjagen. Denn ihr könnt eure Protagonisten alles sagen lassen, ihr könnt ALLES geschehen lassen. Aber bitte sinnvoll und verständig. Ist das nicht ein Widerspruch? Nein. Nehmen wir den Liebesroman. Wir lernen die supersüße oder extrem coole Heldin kennen, wir lernen den tollen oder tollpatischen Helden kennen. Helden stehen im Rampenlicht. Um sie dreht sich die Geschichte. Okay, das macht ihr klar und dann führt ihr die beiden zusammen. An einer einsamen Straßenecke oder in einer Hotellobby oder … Und hier taucht sie auf, die erste Frage: Werden sie sich mögen?

Das ist die Frage, die sich die Leser*innen stellen sollten. Natürlich habt ihr sie schon beantwortet. Es sind doch die Held*innen. Aber warum die Sache nicht ein wenig fraglicher machen. Dies und keinen anderen Grund hat es, wenn sich das Liebespaar am Anfang scheinbar hasst. Wenn SIE ständig betont, was für ein Idiot ER ist. Denn sogleich ist die Frage sehr viel größer geworden: Werden sie sich mögen? Werden sie zusammenkommen?

Offene Fragen

Okay, ich weiß, ich höre mich jetzt wie ein Koch an, der sagt: Einfach alles in die Pfanne werfen, während er eigentlich jede Zutat sorgfältig nacheinander anbrät und abschmeckt. Das lernt man beim Schreiben, also machen und dabei helfe ich euch heute mal wieder mit einem Worksheet. YAY! Doch vorher zu den Tricks, mit denen man Suspense entstehen lässt.

Die wichtigste Regel: Es sollte immer mindestens eine offene Frage in eurem Text geben. Lasst nicht zu, dass die Leser*innen euch vorauseilen, schon ahnen oder wissen was passiert und dann nämlich ganz gewiss Seiten überblättern oder noch schlimmer – euer Buch abbrechen.

Denn – denkt an das, was ich oben gesagt habe: Wir alle hassen Ungewissheit und offene Fragen und wollen sie so schnell wie möglich aufgelöst haben. Das Gute an einem Buch ist: Lies weiter – und deine Fragen werden beantwortet. Bestimmt im nächsten Kapitel, denkt die Leser*in, aber dann, taucht eine neue Frage auf und – so – weiter. Und wenn eure Leser das Buch dann atemlos und glücklich erschöpft zur Seite legen, dann sind manchmal alle Fragen beantwortet, aber manchmal bleibe auch noch die ein oder andere Frage, (in Krimireihen oder Serien) und – das liebe ich jedenfalls ganz außerordenlich, dass die Fragen nie aufhören und ich immer in dem leichten Zustand der Unsicherheit bin. Das ist – Suspense.

Warum und wann wir Ungewissheit genießen

Obgleich wir Menschen Ungewissheit hassen, gibt es auch den ein oder anderen Fall, in dem wir es genießen. Denkt an das Öffnen der Päckchen vor Weihnachten. Der Kribbel, wenn wir über das glatte Einpackpapier streichen, es schütteln. Was mag wohl drin sein? Ja, so sind wir. Wir lieben Ungewissheit, wenn sie ganz harmlos und gewöhnlich daherkommt. Wir verwarten auch keinen Kopf im Paket zu finden (für mehr: seht den granidosen Film SEVEN). Was ich sagen will: Wir lieben einen gewissen Grad der Ungewissheit, der uns ein wenig aus unserer Komfortzone führt. Denn das Leben kann schnell sehr langweilig werden.

Und da unser Gefühl nicht richtig zwischen echt und vorgegaukelt unterscheiden kann, lieben wir Filme und Bücher und Geisterbahnen und Zirkus und Theater, weil all das uns ganz ungefährlich und sicher auf unseren bezahlten Sitzen im Parkett oder sicher in unserem Lesesessel am Kamin ein GEFÜHL der Unsicherheit und Ungewissheit vermittelt. (Hierzu auch die grandiose Blogreihe über Gefühle von Isabel)

Stück für Stück

Wenn ihr meisterlich mit Supsense umgeht, dann werft nicht nur eine große Frage auf: Liebt sie ihn? Sondern würzt die Sache mit vielen, vielen kleinen Fragen. Und gebt sie den Leser*innen am besten Stück für Stück, in winzigen Bits. Sie hasst ihn – angeblich, aber dann lächelt er so süß und … liebt sie ihn nicht vielleicht doch? Er könnte der Mörder sein, immerhin hat er das blutige Messer – aber dann – ist er wirklich stark genug dafür? Er kann ja noch nicht einmal eine tote Maus aus dem Hausflur tragen. Klar, all das ist eine Frage der Übung und daher …

Gibt es nach langer Zeit mal wieder ein Worksheet. Es nimmt zum einen das Thema des letzten Blogartikels auf, also wie man einen spannenden Anfang schreibt. Dazu findet ihr Übungen. Und dann ein paar Übungen, die euch besser helfen zu verstehen, worüber ich nächste Woche sprechen werde. Nämlich: Woraus setzt sich ein Spannungsmoment zusammen? Wie finde ich Fragen?

Bevor ihr auf den Button klickt, noch etwas. Die Worksheets sind für unsere Fans und Red Bug Writer gedacht und die werdet ihr, in dem ihr den Newsletter abonniert. Wenn ihr schon Abonnenten seid, geht ihr einfach noch einmal durch den Anmeldeprozeß, werdet aber nicht neu gezählt. Dann erhaltet ihr nach ein wenig Datenschutz Hin und Her einen Downloadlink unter dem ihr das Worksheet findet. Seid ihr neu, abonniert ihr ab dann den Newsletter und erhaltet samit aller unserer News mit dem nächsten Newlsetter direkten Zugang zu allen anderen Worksheets unserer mittlerweile großen Bibliothek.

Suspense - Katrin Bongard Red Bug Culture

Das Thema Suspense ist groß und daher werde ich es in der nächsten Woche noch ein wenig mehr bearbeiten. Neben Suspense gibt es noch Mystery und Surprise (Überraschung) und alles fällt unter den Oberbegriff TENSION. Tension übersetzen wir im Deutschen auch mit Spannung, doch nun, es gibt verschiedene Arten von Spannung. Wie genau sich Suspense von Myserty und Surprise absetzt und wie man alle drei Gewürze am besten aufeinander abstimmt, erzähle ich dann nach der Winterpause ab Mitte Januar.

Ende der Woche beginnt übrigens der Adventskalender hier auf dem Blog. Es gibt Bücher zu gewinnen und Sweets. Wir freuen uns, wenn ihr das Jahr mit uns ausklingen lasst.

Bis 2020

xoxo

Katrin

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