DIY-Donnerstag, Playful Writing

Playful Writing #9 Mittelfeld

24. Oktober 2019
Mittelfeld

Erst einmal – willkommen auf diesem preisgekrönten Blog. ;)  Letzte Woche haben wir auf der FBM einen Preis als bester Verlagsblog bekommen und das hat sehr gut getan. Danke, ihre regelmäßigen Leser*innen, ihr habt dabei geholfen! Eine Auszeichnung ist sehr erhebend und reißt einen aus dem Mittelfeld heraus und damit wären wir gleich beim Thema. Denn heute geht es beim Playful Writing genau um diese Mittelfeld-Qualität, die du als Autorin brauchst, die dich aber vermutlich manchmal fragen lässt: Was mache ich hier überhaupt? Sturm (mehr darüber) – alles klar, Verteidigung (mehr darüber)- auch, aber WTF ist meine Aufgabe im Mittelfeld?

Und um das gleich auch aufs Schreiben und Veröffentlichen zu übertragen: Wie fühlt es sich dort an? Wieso muss da jeder mal durch? Zuerst aber der Blick auf die Spielerposition.

Mittelfeldspieler

Zuvor: Es gibt verschiedene Arten von Mittelfeldspielern, je nachdem, welche Funktion sie im Spiel übernehmen. Also eher defensiv (zurückhaltend) oder offensiv (angreifend). Hier einmal die Definition des zentralen Mittelfeldspielers.

Der zentrale Mittelfeldspieler ist in vielen Systemen Schaltstelle zwischen Abwehr und Angriff. Genauso wie der defensive Mittelfeldspieler muss auch er den Ball erobern, er muss aber wie ein Spielmacher auch das Angriffsspiel initiieren können. Neben den für einen defensiven Mittelfeldspieler benötigten Fähigkeiten muss er extrem laufstark sein, da sowohl die Abwehr als auch der Sturm sein Arbeitsbereich sind. Er pendelt oft zwischen den beiden Strafräumen und muss weite Strecken zurücklegen. Er wird auch als „Achter“, zwischen Sechser und Zehner, bezeichnet. (Wikipedia)

Okay, hört sich an, als wäre die Mittelfeldposition auf dem Spielfeld die aufwendigste und gleichzeitig die am wenigsten beachtete Position. Im Mittelfeld wird der Job gemacht, die harte (Lauf)arbeit. Am besten bist du das legendäre eierlegende Wollmilchschaf. Du kannst alles und lieferst alles. Und dann – muss du noch mit allem, was vor und hinter dir passiert gut klarkommen. Gibt es einen echten Vorteil in dieser Position? Vielleicht die, dass du nicht besonders auffällst.

Mittelfeld beim Schreiben

Wenn ich sagen müsste, was für mich beim Schreiben das Mittelfeld ist, dann ist es der Ort oder Zeitpunkt nach dem grandiosen Auftakt und Anfangen eines Buches (Anfänge sind so leicht …), wenn die erste Euphorie (ich habe angefangen!) verflogen ist und die Arbeit gemacht werden muss. Es gibt so viel an einem Buch zu schreiben, was nicht extrem aufregend, spannend oder sogar fordernd ist. (Achtung: Damit will ich nicht sagen, dass es langweilige Stellen in deinem Buch geben sollte. Ganz im Gegenteil. Es geht darum, die Geschichte in Ruhe und Ausführlichkeit so zu schreiben, dass die Leser* äußerst gespannt sind. Mehr dazu)

Was sich nachher für die Leser spannend anfühlt, kann beim Schreiben aber sehr oft harte Arbeit sein. Gerade im Mittelteil eines Buchs dauert es, strengt es an. Da sind die Meter zu laufen, um mal im Bild zu bleiben.

Mittelfeldqualitäten beim Schreiben

Ich habe ja das letzte Mal gesagt, dass viele es nicht schaffen, ein Buch anzufangen, da ihnen die Stürmer-Eigenschaften fehlen. Sie schaffen es nicht, mit einer gewissen Aggressivität loszulegen. Nun, ich würde dann hier gerne sagen, dass ich ziemlich sicher bin, dass es noch mehr Autor*innen gibt, die viele Buchanfänge in der Schublade haben, aber es nicht schaffen, genug Mittelfeldqualitäten aufzurufen, um ihr Buch zuende zu schreiben.

Was brauchst du für den Mittelteil eines Buches?

  • Ausdauer – Die oben beschriebene Laufstärke. Das Hin und Her zwischen Sturm und Verteidigung hört sich dann so an: Ich schreibe das jetzt! Es ist brillant! (Sturm) und Ich muss das alles überarbeiten! Man wird mich sonst in der Luft zerreißen (Verteidigung).
  • Gleichmut – Stimmungsschwankungen sind nicht gut, wenn man ein Buch zuende schreiben möchte. Der Choleriker wirft sein Laptop in die Ecke, der Melancholiker starrt auf das leere Blatt. Am besten schreibst du den Mittelteil deines Buches mit stoischer Gelassenheit und …
  • Entschlossenheit – Da darf es dich nicht stören, dass es sich manchmal wie eine tägliche Routine anfühlt oder sogar ein Job. Kreativität ist hier weniger gefragt, eher …
  • Durchhaltevermögen – was ja ein wenig der Ausdauer ähnelt, nur, dass es hier nicht nur um die Finger auf dem Laptop geht und den Wordcount, sondern auch darum, sich immer wieder anzufeuern, weiter zu machen bis man am Ende angelangt ist.
  •  Disziplin – Jede Autor*in hat eine eigene Art, sich zu disziplinieren. Feste Schreibzeiten, ein fester Wordcount, der immergleiche Ort, der gleiche Bleistift. Abstellen von Social Media, Schließen des Mailprogramms.

Finde den besten Weg, im Mittelfeld die Stellung zu halten.

Dramaturgische Probleme im Mittelfeld

Der zweite Akt – egal ob Theater, Film oder Buch – ist der Schwierigste. Noch genauer gesagt: Der zweite Teil des 2. Aktes ist der absolut kritische Teil eines jeden Buchs/Film etc, bei dem sich zeigen muss, ob du die Leser*innen in ein tiefes Tal führen kannst, mit der Aussicht, sie daraus auch wieder herauszuholen. Also ein Mix aus Spannung und langsamer Story-Entwicklung. Schneller wird es erst dann erst in Akt drei.

Theoretisch kann man da viel reden, wenn man den 2. Akt schreibt, ist man tief im Mittelteil, noch nicht im Endteil des Buches und wenn es ganz hart kommt, hat man auch noch Zeitdruck (mehr zu Dramaturgie des 2. Aktes). Hier ist nach meiner Erfahrung die meiste Umarbeit nötig. Dahinplätschern ist nämlich keine Qualität eines Buchs. Klar, oft hört man in Kritiken: Es war langweilig, aber am Ende wurde es wieder spannend. Dann sind die Leser*innen dann doch ganz zufrieden, das täuscht aber nicht über Schwächen im Mittelteil hin.

Wundere dich also nicht, wenn es zäh beim Schreiben wird, das gehört zur Arbeit am Mittlteil eines Buchs dazu.

Was heißt es, im Mittelfeld zu veröffentlichen?

Noch ein kleiner Exkurs zum Mittelfeld des Buchmarktes. Denn genauso wenig, wie du dem Mittelteil eines Buches beim Schreiben entgehen kannst, kannst du es als Autor*in vermeiden, dich irgenwann einmal im Mittelfeld des Buchmarktes zu befinden. Selbst, wenn du sofort mit dem ersten Buch einen Bestseller landest, wird du feststellen, dass ein zweites und drittes Buch weniger Aufmerksamkeit bekommt und dem kannst du auch nicht mit mehr oder schnelleren Veröffentlichungen beikommen.

Klar, eine Karriere kann sich steigern, aber irgendwann ist ein Höhepunkt erreicht und von dem geht es ganz organisch wieder nach unten. Das Leben verlangt es, die Gesetzmäßigkeiten des Marktes. Aber nun: Das Mittelfeld ist ein warmer Ort. Weniger Neid und Stress, trotzdem ein gutes Auskommen. Unterschätzt nie das Mittelfeld, denn von hier kannst du schnell nach oben aufsteigen – allerdings auch schnell wieder verschwinden.

Eine Ode auf das Mittelfeld – eine Kampfansage an die Mittelmäßigkeit

Was das Mittelfeld überhaupt nicht ist – ebenso wenig wie der Mittelteil eines Buches – ist ein Ort, an dem sich die Spieler /Autor*innen ausruhen können. Läuft doch, oder? Hier versteck ich mich, bis das Spiel vorbei ist. Nein, denn die Arbeit muss getan werden, auch hier mit vollem Einsatz. Wer bei Mittelteil oder Mittelfeld an Mittelmäßigkeit denkt, der hat etwas falsch verstanden. Es ist nicht der Wischi-Waschi-Teil eines Buches, nicht der Ort, an dem du weder stürmen noch verteidigen brauchst, sondern der Ort, die Stelle, an der du alle Fähigkeit beherrschen musst.

Mittelsmänner (und Frauen) können genau das: Sie vermitteln zwischen zwei Positionen, weil sie beide verstehen, kennen. Das ist eine starke Qualität und darf nicht mit Mittelmäßigkeit verwechselt werden, die es im Buchbereich natürlich auch gibt.

Wie schützt du dich am besten vor Mittelmäßigkeit? Nun, da gibt es vermutlich viele Antworten, meine ist: Training. Darüber dann mehr beim nächsten Mal.

Juhu! (Ich feiere immer noch ;))

Bis dahin eine gute Zeit!

xoxo

Katrin

#redbugwriting #schreibtipps #rbpub #amwriting

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