Charakter-Special: Wünsche, DIY-Donnerstag

Charakter-Special: Wünsche #9

31. Oktober 2019
Charakter-Special: Wünsche #9

Charakter Special: Wünsche #9

 

Du hauchst einen in die Winterluft und der andere saugt ihn ein. Manchmal rauscht ein Wunsch an einem vorbei, der hat nichts mit mir zu tun. Dann wieder trifft er dich direkt ins Gesicht, und eh du dich versiehst, atmest du seinen Duft und schmeckst neue Möglichkeiten. Sich gemeinsam etwas zu wünschen, kann alles potenzieren. Moleküle zu rasen bringen und Wege bahnen, wo man allein noch tief im Dickicht stände.

Traust du dich laut auszusprechen, was du willst? Deinen geheimen Wünschen Worte zu geben um sie mit jemandem zu teilen? Die Tür zu deiner verborgenen Ebene eine Spalt zu öffnen. Kann der andere sehen, was du siehst?

Jemandem einen Wunsch zu erzählen ist ein heißes Gebet. Eine Kanonenkugel blind ins All geschossen. Tausend Schmetterlinge, die sich mit einem Mal vom Baum erheben. Du teilst deine Magie mit einem anderen, weihst ihn in das stille Geheimnis ein, das in deinen Augen glüht.

Geteilte Wünsche sind doppelte Freude

Reicht man einem die Hand um mit ihm in die Wunschebene zu treten, wird die Luft dünn. Für einen kurzen Moment schleudern Teilchen schneller, rasen die Planeten und bleiben stehen, nur um dich sagen zu hören, ich wünsche mir…

Wenn man gemeinsam über die Schwelle tritt, ist die Landschaft anders und du entdeckst Dinge, die du zuvor nicht sehen konntest. Vielleicht hat das Licht seine Farbe verändert und auf dem Hügel blühen Blumen. Vielleicht bist du eines nachts allein in der Wunschebende unterwegs und hörst den Hufschlag eines fremden Pferds. Weiches Geschirr, das dir im Nacken klirrt und knirschende Hufen auf dunklem Sand. Atem vor den Nüstern streift heiß deine Wange. Dann zieht es stumm an dir vorbei und auf seinem Rücken sitzt, eingeweiht, dein Wunschvertrauter. Blickt sich verschattet zu dir um. Und drückt dem Pferd die Fersen in die Flanken.

Mit wem teilt ein Charakter seine Wünsche?

Gute Charaktere sind keine Maschinen. Man weiß nicht, wie sie reagieren, auf eine neue Möglichkeit, eine andere Umgebung oder gar einen geteilten Wunsch. Sie können die besten Verbündeten oder direkte Konkurrenten werden. Menschen wünschen nicht immer das gleiche. Und selbst wenn, kann es sein, dass auf dem Weg der Wunscherfüllung überraschende Wenden, Biegungen und Knicke in der Landschaft auftauchen. Dann muss man entscheiden, ob man gemeinsam weitergeht oder jeder seinen eigenen Wünschen entgegen zieht.

Sich hinter einem her zu schleppen, der die glühenden Augen zu seinem Stern aufgerichtet hat, während man selbst im Windschatten friert, macht keinen Sinn. Wenn man zum Wunschkumpan geworden ist, der von jedem Teller nur die Krumen leckt, muss man sich fragen, ob es nicht Zeit ist, das eigene Feuer neu anzuschüren.

Wunschbeziehungen

Gerade in vertrauten Wunschbeziehungen tun sich Abzweigungen auf, die schwer umgangen werden können. Siehst du mich noch, wenn ich auf diesem Weg weitergehe? Kannst du mich fühlen, wenn im Wald verschwinde? Bleibt unsere Verbindung stark genug, auch wenn wir eigene Sonnen haben, die unsere Wege bescheinen? Treffen wir uns wieder? Liebst du mich mit neuen Wünschen?

Wann auch immer Charaktere aufeinandertreffen, entsteht ein wirres Gewusel aus Wünschen. Arbeiten sie für oder gegen einander? Weihen sie sich gegenseitig ein, oder bleiben sie im Verborgenen.

Wünsche zu teilen, braucht Vertrauen. Egal ob es berufliche Vorstellungen, politische Ambitionen, künstlerische Ziele oder romantische Aussichten sind. Wer in deinem Wunschkreis ist, egal wie kurz, hat Zugriff auf deine persönlichen Wunschdaten und eine Menge Verantwortung.

Deswegen haben diese Beziehung eine besondere Dynamik, in der häufig ausgelotet werden muss, wie viel und zu welcher Zeit, jeder zu tun hat. Wer wurde nicht schon einmal in ein Wunschgeheimnis eingeweiht, aus dem man eigentlich lieber ausgeschlossen worden wäre. Hat sich nachts in den Laken gewälzt und den Kopf darüber zerbrochen, wie man den geflickten Kelch wieder abgeben kann, ohne den Wein zu verschütten. Reicht dir jemand die Hand und du nimmst sie, musst du sie loslassen um gehen zu können. Und das bleibt nicht unbemerkt.

Wünsche schaffen Beziehungen und brechen sie wieder. Sie sind unsichtbare Fäden, zu schimmernden Netzen versponnen. Ziehst du an einem, sieht der andere auf. Meinst du mich? Und du grinst. Komm mit, ich will dir etwas zeigen.

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