Charakter-Special: Wünsche, DIY-Donnerstag

Charakter-Special: Wünsche #8

3. Oktober 2019
Charakter Special: Wünsche #8

Charakter Special: Wünsche #8

Hin und hergerissen zwischen den Wünschen zu taumeln, kann ein Zeichen dafür sein, dass ein Charakter sich nicht eingestehen will, was er oder sie wirklich will.

Und das ist in manchen Fällen, etwas, das man augenscheinlich überhaupt nicht wollen kann, darf, sollte, müsste. Wenn ein Wunsch sich in die tiefsten Gefilde unseres Bewusstseins zurückzieht, dann ist es meist, weil wir ihn, selig lächelnd, mit zähneknirschender Kraft, Unterwasser drücken. Was, Sängerin, ich? Niemals! Peter? Peter wer? Wie kommst du denn darauf! Pah, ich und eine Weltreise, siehst du nicht, dass ich gerade dabei bin, ein Therapiezentrum für Schafe aufzubauen? 

Wünsche sind nicht immer klug. Nicht immer logisch. Nicht immer einleuchtend. Aber sie besitzen eine Strahlkraft, ohne die das Leben düster wird.

 

Ein Charakter trottet, die Aktentasche lasch schlenkernd, durch den ersten Akt der Story, immer mit einem klugen Wunsch auf den Lippen. Das ist, was ich will. Komm schon, streng dich an. Es auch wirklich zu wollen. Und innen, irgendwo tief tief unten, kämpft ein Wunsch ums Überleben. Eingezwängt zwischen verbotenen Fantasien und Tagträumen. Aussortierten Ambitionen und verdrängten Bedürfnissen.

Wünsche sind Katalysatoren für Veränderung. 

Warum haben wir Angst vor unseren Wünschen? Warum träumen wir davon, Suse aus der Sechsten anzulächeln, aber wenn wir neben ihr stehen, starren wir mit tränenden Augen auf die gegenüberliegende Bushaltestelle, als würde unser Leben davon abhängen. Warum gehen wir endlose Umwege über Wunschweiten, nur um den einen, dringenden Wunsch zu umgehen, der in unserem Hinterkopf brennt.

Ein Wunsch ist einfach. Selbst wenn er nicht logisch ist. Tu dies. Nicht das. Und trotzdem schaffen wir es, bemerkenswert ausdauernd um diese Anweisungen herumzuschleichen. Kopfschüttelnd, stirnrunzelnd, scheitelkratzend. Nein, da muss etwas dran sein, das nicht stimmt. Eine Falle, ein Hintertürchen, eine versteckte Bedingung. Während unser Wunschzentrum verzweifelte Signale aussendet, gehen wir lieber noch eine Runde um den Block.

Weil ein Wunsch uns verändert. Und das ist es, was ein guter Protagonist fürchtet. Sicher, jeder den du fragst, versichert dir scheinheilig, ja doch na klar, Veränderung, Entwicklung, das muss sein. Aber die lebensumkrempelnden Erkenntnisse, die ein echter Wunsch auslösen kann, die will man eher nicht. Oder doch?

Natürlich. Deswegen bleibt der aktenschlendernde Charakter dann doch vor einem Schaufenster mit Federhaltern stehen. Dreht sich noch ein paar Mal um, wenn er weitergeht. Deswegen wälzt er sich nachts in den Laken, schweißgebadet. Weil ein Wunsch an die Oberfläche steigen will. Tagsüber haben wir unsere Wünsche im Griff. Aber nachts, nachts gewinnen sie die Oberhand.

Ein Wunsch ist ein Traum

Nicht, weil er unerfüllbar ist, sondern weil wir uns nur trauen, im Schutz der Dunkelheit an ihn zu denken. Unheimlich, sonderbar, unbekannt. Wer bin ich, wenn ich mir so etwas wünsche? Wer werde ich, wenn ich diesem Wunsch nachgehe? Und was, in Gottes Namen, passiert mit mir, wenn er sich erfüllt!

Zu Beginn der Geschichte mag ein Protagonist sich sicher sein. „Das ist, was ich will.“ Harry hockt unter der Treppe, Bilbo im Bau, Sally bestellt unbehelligt ihren Apfelkuchen, Dornröschen winkt ihren Eltern vom Burgturm hinterher. 

Helden sind im ersten Akt ist von ihren eigenen Wünschen unberührt. Unschuldig. Werden sie gefragt, tragen vielleicht sie brav ihre vorformulierten Wünsche vor. Fotografin werden. Das Studium beenden. Einen Halbmarathon laufen. Oder sie halten einen langen hitzigen Vortrag über das, was sie unbedingt erreichen müssen und warum. Wieder andere zucken nonchalant mit den Schultern. Ich wünsch mir nichts. Oder ziehen einen frustrierten Flunsch. Wünschen hat eh keinen Sinn.

Unabhägig davon, wie ein Protagonist zu Beginn der Geschichte mit seinen oder ihren Wünschen umgeht, etwas passiert, das ihren Status Quo jäh unterbricht. Der Moment, in dem ein Wunsch durch die Oberfläche bricht und in einem Funkenschauer zum Himmel steigt. Ab jetzt hängt da ein Stern. Ein Wunschwegweiser. Und egal, wie oft unser Protagonist noch vor dem Schaufenster auf und ab geht, irgendwann öffnet er die Tür und geht hindurch. 

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