Playful Writing

Playful Writing #8 Sturm

12. September 2019
Sturm

Um es gleich vorwg zu sagen: Ich liebe Sturm. Und Stürmer. Und das Losstürmen. Denn vorne, da wo die Stürmer hinlaufen, da werden die Tore gemacht und – ja, das liebe ich auch. Nailed it! Tor geschossen, Torschütze. Ich lass das jetzt hier einfach mal so raus. Vorne stehen, den Applaus bekommen, die Punkte machen – das ist meine Postion: Sturm.

Habe ich schon einmal erzählt, dass ich als Kind viel Fußball gespielt habe? Mit zwei Brüder, die nur anderthalb bzw. drei Jahre von mir entfernt waren, ist das nicht erstaunlich, war das eigentlich sogar Pflicht. Und beim Spiel war ich immer vorne, vor dem gegnerischen Tor (denkt buckelige Rasenfläche oder Sand und zwei Tore oder Jacken, Stöcke etc). Ich fand den Zweikampf mit dem Torhüter spannend, ihn (meist ihn) auszutricksen. Mein Ding.

Ich wollte ja sogar in den Fußballverein, Hertha, aber die waren nicht auf Mädchen eingestellt. Ich könnte Schiedsrichterin werden. Bääähhh. Weiß hier niemand wie weit Sturm von Schiedsrichter entfernt ist? Auf der einen Seite diejenige, die den Funpart hat, das Tor schießen kann und auf der anderen Seite der Spielverderber mit der doofen Trillerpfeife. Das habe ich dann gleich mal abgelehnt.

Aber hier geht es ja ums Schreiben und wie versprochen erkläre ich dir, wann du ein Stürmerverhalten brauchst. Wie immer vorab eine Begriffsklärung der Position und dann eine Klärung der Frage: Was macht eine gute Stürmer*in aus?

Stürmer*in

Stürmer ist eine Spielerposition im Fußball und in anderen Mannschaftssportarten. Die Position ist spieltaktisch bedingt. (Wikipedia)

Spieltaktisch bedingt heißt, innerhalb des Spiels übernehmen einige Spieler diese Position. Aber Fußball könnte theoretisch auch ohne Stürmer funktionieren. Denn jeder der elf Spieler auf dem Feld darf ein Tor schießen. Nun ist es aber auch klar, dass man nicht Spieler auf diese Position setzt, die eher zurückhaltend oder defensiv sind. Sich eher im Mittelfeld wohlfühlen oder in der Verteidigung.

Mun sagt man ja von Schriftsteller*innen gerne, sie seien eher schüchtern, zurückgezogen, von der Welt abgewandt. Passt da Stürmer überhaupt? Nun, mag sein, dass einige Autor*innen mit guten Agent*innen auch ohne Stürmerqualitäten zurechtkommen, aber ganz kann ich das nicht glauben. Denn was ist mit den stürmischen Charakteren, die man erfindetn muss? Wie kann man eine Held*in erfinden, wenn man nicht bereit ist, sie stürmisch in den Kampf zu schicken? Zumindest solltest du also in  der Lage sein, wie eine Stürmerin zu denken.

Wie denkt eine Stürmerin?

Im Mittelalter stürmten die Kriegsparteien aufeinander los, um den Kampf zu beginnen. Dieser Gedanke führte zum Begriff des Stürmers. Er oder sie ist eine sehr offensive Spieler*in einer Mannschaft. Offensiv heißt angriffslustig und bereit, die Dinge anzupacken. Erstmal losrennen. Und vermutlich kannst du dir jetzt schon denken, wann das im Schreibprozess wichtig ist.

Aber ich bleibe noch einmal etwas bei den Eigenschaften, die eine Stürmer*in haben sollte.

  • Mut – Mutig loslegen, egal, ob man sicher ist, dass es auch klappt, man gewinnt, es hinbekommt.
  • Entschlossenheit – keine Zweifel, einfach nur drauflos. Ich will, ich mache.
  • Fokus – keine schönen Spielzüge, keine (unnützen) taktischen Überlegungen. Das Ziel ist – das Tor.
Wann musst du stürmen?

Ganz klar ist die Stürmereigenschaft immer dann gefragt, wenn du ein Buchprojekt beginnst. Anfangen, losrennen, auf die Angst zu und gegen den Zweifel an. Ich bin überzeugt, es gäbe viel mehr gute Bücher, wenn mehr Autor*innen Stürmerqualitäten hätten. Denn wenn du nicht anfängst – dann gibt es kein Buch.

Erstaunerlicherweise braucht man diese Fähigkeit dann wieder sehr stark, wenn man ein Buch abschließt. Zu sagen: Das war’s, Tor – Nailed it! – ist nur mir diesem leicht brutalen, mutigen und entschlossenen Mindset möglich, das eine gute Stürmerin haben sollte.

Also Anfang und Ende. Und dazwischen? Wenn du so willst, hat ein Buch sehr viele Anfänge. Jedes Kapitel. Jeder Tag, an dem man neu zu schreiben beginnt, ist ein Anfang. Ich kenne Tage, da fehlt mir diese explosive Anfangsenergie, das Losstürmen und dann weiß ich schon, ich werde vermutlich eher prokrastinieren (hier mehr dazu) und mich nicht so richtig reinkommen ins Schreiben. Wo sind dann meine Stürmereigenschaften? Nun, das Leben hat mir am Tag davor oder in der Nacht vielleicht ein Beinchen gestellt, viellicht ist es auch eine gemeine oder schlechte Kritik auf Amazon oder mein Agent, der mir sagt: Nö, die wollen dein Manuskript nicht. Ich bin antriebsschwach, mies drauf.

Energie tanken

Schlechte Nachrichten, zu wenig Schlaf und schon ist die Energie im Keller. Aber Stürmer*innen brauchen viel Energie. Gutes Essen, frische Luft, Bewegung. Und wenn das nicht reicht, dann ein starker Kaffee oder ganz laut Musik aufdrehen und erstmal zwei Runden durchs Zimmer tanzen. Das Energielevel erhöhen.

John Hill (übrigens der Sohn von Stephen King) sagt, er spiele einfach ein wenig Klavier (und er spiele nicht gut), das wäre sein Trick, ins Schreiben zu kommen. Das Energielevel durch eine angenehme Tätigkeit erhöhen, ist ein guter Trick. Bei mir ist es manchmal Putzen, weil das meine Gedanken sortiert und klärt und ich dann wieder optimistisch werde. Mach dir klar, dass du mit viel Energie starten musst. Und wenn sie dir zwischendurch mal ausgeht, dann tanz ne Runde durchs Zimmer.

Vorlagen

Stürmer*innen gelten manchmal als die Diven auf dem Spielfeld, weil sie empfindlich sind. Techniker, die gute Tricks draufhaben, aber nicht unbedingt den ausdauernden Kampfgeist. Sie brauchen Vorlagen. Also Spieler die ihnen den Ball am besten so gut plazieren, dass sie dann nur noch ihre meisterlichen Torschüsse machen müssen und  – Bingo. Nein, sie wollen sich nicht (und ich nehme Messi hier eindeutig aus) lange Dribbeln und sich durch die Gegener pflügen, sie wollen eine gute Vorlage und das Tor machen. Das ist ihr Job.

Bist du eine Diva? Dann brauchst du eine Vorlage. Eine Hilfe beim Loslegen. Und das kann – neben jemanden, der dir Kaffee kocht – auch ein gutes Exposé oder eine Gliederung sein. Also eine Planung, die du an einem – vielleicht weniger stürmischen – Tag gemacht hast und die dir ermöglicht, besser und schneller loszustürmen.

Wenn ich absolut nicht im Stümermodus bin und ein neues Kapitel vor mir habe oder so gar nicht ins Schreiben komme, dann baue ich mir selbst Vorlagen. Plane das Kapitel mit einigen Stichworten vor. Oder überlege mir, wie das ganze Buch weitergehen soll. Ich lege mir also immer wieder selbst einen Ball auf den Fuß und sage.: Hey, wie wär’s damit? Und meist ist die Diva in mir dann sehr geschmeichelt und froh, dass sie Unterstützung bei ihrem Job hat und stürmt los.

Sturm und Mittelfeld

Wo wir gerade bei den Vorlagen sind – wo kommen die beim Spiel noch mal her? Ja, genau, meist aus dem Mittelfeld. Überhaupt, das Mittelfeld. Die Position, aus der man genauso viel nach hinten wie nach vorne sehen kann. Und – genau – da befindest du dich immer, wenn du die Hälfte deines Buchprojektes erreicht hast. Damit beschäftige ich mich dann das nächste Mal.

Bis dahin – sei stürmisch!

xoxo

Katrin

#redbugwriting #schreibtipps #rbpub #amwriting

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