DIY-Donnerstag, Genre/Themen/Storys

GENRE/THEMEN/STORIES #8 DAS EPISCHE DRAMA

19. September 2019
Das Epische Drama

Heute geht es noch einmal um mein Lieblingsgenre. Das Personal Drama. Und zwar um die verschiedenen Typen. Vor allem um das Epische Drama. Wir hatten schon gesehen, dass es einige charakteristische Kennzeichen für ein Personal Drama gibt.

Typische Kennzeichen
  • Da ist zunächst einmal ein einzelner Hauptprotagonist.
  • Fast immer wird aus seiner Perspektive erzählt. (im Film oft mit einem Voice over aus der Ich -Perspektive) In Büchern kann es die Ich-Perspektive sein. Also in der ersten Person. Oder auch die Personal-Perspekitve in der dritten Person.
  • Der Protagonist ist in seiner ursprünglichen Situation fehl am Platz. Er wird nicht gewertschätzt. Er wird unterdrückt, gequält, gemobbed, gedissed. Etwas, das ihm zusteht wird im vorenthalten. Er wird an der Entwicklung seiner Fähigkeiten gehindert. Ist ein Aussenseiter. Das führt natürlich zu Unzufriedenheit. Der Leser wird oft schon auf die Seite des Protagonisten gezogen, weil er die Ungerechtigkeit erkennt. Jeder hat selbst schon einmal Ungerechtigkeit erfahren und kann sich also leicht mit dem Protagonisten identifizieren.
  • Dennoch ist das Thema meist nicht der Wunsch nach Gerechtigkeit, obwohl das oft mitschwingt. Das eigentliche Thema ist der Wunsch nach Anerkennung, Bestätigung und Selbstwertgefühl.
  • Der Protagonist macht im Laufe der Geschichte eine große Entwicklung durch. Am Ende nimmt er eine ganz andere Stellung in der Welt ein als noch zu Beginn.
  • Man darf sich nicht dadurch verwirren lassen, wenn auch in Personal Dramas oft Thrillerelemente eine Rolle spielen. Oft muss der Protagonist eine Aufgabe lösen, einen Gegner besiegen oder mal eben die Welt retten. Im typischen Thriller macht der Held allerdings meist keine große Entwicklung durch. Er kann nach dem Sieg über das oder den Bösen, wieder in seine normale Welt zurückkehren. Der Held im Personal Drama dagegen ist am Ende jemand ganz anderer als zu Beginn.

Es lassen sich mehrer Arten von Personal Dramas unterscheiden.

Das innerliche Drama:

Hier hat der Held einen inneren Konflikt. Dieser Konflikt dominiert die Geschichte, die ganz aus der Perspektive des Helden geschrieben ist. Der Leser ist ganz nah an den Gefühlen, Gedanken, Überlegungen des Helden dran. Oft wird innerer Monolog eingesetzt. Dieses innere Problem treibt die Geschichte voran und ist die Motivation für jegliche Handlung. Auch die Nebenstorys handeln oft vom Hauptcharakter, so dass er wirklich fast alle Szenen im Buch beherrscht. Nebenfiguren reflektieren die Möglichkeiten des Helden. Wie kann er seinen inneren Konflikt zu lösen und ein ganz anderer zu werden.

Das Familiendrama:

Dis Hauptstory dreht sich um einen Familienkonflikt. Für den Hauptcharakter repräsentieren die anderen Familien oder Gruppenmitglieder eine Bedrohung. Sie schränken ihn ein, hindern ihn an einer gesunden Entwicklung. Die Nebenfiguren verstärken diese Bedrohung, den Konflikt. Oft spielen diese Dramen an wenigen Orten, oft in Innenräumen, Ferienhäusern, Internaten etc.

Das Thema ist hier natürlich auch wieder Selbstverwirklichung.

Das Jugenddrama/Coming of Age:

Das Jugendrama ist ähnlich gelagert wie das Familiendrama. Lediglich die Protagonisten sind jünger, im Teenageralter und es geht um das Erwachsenwerden.

Das Gesellschaftsdrama:

Hier liegt der Protagonist quer mit den Normen und Werten der Gesellschaft, in der er lebt. Diese verhindern oder sollen verhindern, dass er so leben kann, wie er möchte, sich so entwickeln, wie es möglich wäre. Die Nebenstorys reflektieren diesen Konflikt und die Nebenfiguren verstärken ihn. Die Handlung wird vorangetrieben von dem Wunsch des Helden den Konflikt entweder zu vermeiden oder zu lösen. Meist spielen diese Geschichten in bestimmten Communities, Firmen, Staaten, Vorstädten. Oft auch Diktaturen, Sekten, Subkulturen.

Das Epische Drama:

Das Epische Drama nimmt meines Erachtens eine besondere Rolle ein.

Und wir kennen alle das erfolgreichste epische Drama der letzten Jahre: Harry Potter.

Keine Frage Harry macht schon im ersten Band eine ungeheure Entwicklung durch. Vom unterdrückten Waisenkind, das im Schrank unter der Treppe wohnt, zum berühmtesten Zauberlehrlinge der Welt.

Die normale Welt

Die Hauptstory kreist um den Wunsch des Protagonisten, eine größere, weitere Welt zu erleben. Sie spannt den riesigen Bogen zwischen der Enge bei den Dursleys und der Weite und den Möglichkeiten von Hogwarths. Oft wird diese Diskrepanz zwischen den Welten, wie hier,  überhöht, ins Satirische, Absurde, Lächerliche überzogen.

Der Protagonist fühlt sie fremd in der Welt, ausgegrenzt, ungerecht behandelt, unverstanden, in seinen Möglichkeiten gehindert. Ein Heranwachsender sehr vertrautes Gefühl und ein Motiv, das in allen Personal Dramas und insbesondere in der Jugendliteratur zum Einsatz kommt.

Der epische Konflikt

Die Nebenstory in epischen Dramen behandelt oft eine großen Konflikt zwischen verschiedenen Kulturen, Weltanschauungen und Wertesystemen. In Harry Potter ist es der große Konflikt zwischen Muggeln und Zauberern. Der sich im Laufe der Geschichte immer mehr zu einem Konflikt zwischen zwischen den »guten« und den »bösen« Zauberern verlagert. Der am Ende  dann auf einen Zweikampf zwischen Harry und Voldemort hinausläuft.

Wie hier treibt dieser Konflikt der Nebenstory die Geschichte in epischen Dramen voran.

Die Erzählperspektive

Die Erzählperspektive ist oft auktorial. In Harry Potter und der Stein der Weisen wechselt die Perspektive von der auktorialen Erzählweise zur personalen. Zunächst wir alles aus einer Art allwissenden Draufsicht. Erst später und später erfahren wir fast alles aus Harrys Perspektive. Allerdings nicht als Ich-Erzähler, sondern in der dritten Person. So lernt der Leser die neue Welt durch die Augen des Protagonisten langsam kennen. Hin und wieder wechselt die Erzählperspektive in den auktorialen Modus, wenn Backstory erläutert wird.

Das Thema

Thematisch behandelt auch das Epische Dramas vorzugsweise den Wunsch nach Anerkennung, nach Selbstwertgefühl und Selbstverwirklichung.

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