Charakter-Special: Wünsche, DIY-Donnerstag

Charakter-Special: Wünsche #7

5. September 2019
Charakter Special: Wünsche #7

Charakter Special: Wünsche #7 Ich wünschte...
Jemanden fest zu umarmen und „Alles, alles, alles Gute“ zu sagen. 
Die Augen zu schließen, und sich auf dem Wunschboot vom Ufer abzustoßen. Eine gleißende Sonne am Himmel. In die Ferne zu spähen und dort etwas zu sehen, was einem gefällt. All das sind angenehme Aspekte des Wünschens.

Aber, was wenn der Anker ausgeworfen wurde und das Stück Land kein bisschen näher rückt? Es gibt eine Art von Wünschen, die mehr wehtun, als sie Freude machen.
Ich wünschte, es wäre nicht so.

 

 

Wünschen macht Sehnsucht

Ein glühendes Band, das dich mit deinem Wunsch verbindet. Lehnst du dich zurück, spürst du, wie es in den Eingeweiden zerrt. Machst du einen Schritt nach vorn, lockert sich die Spannung um nach einigen Schritten, wieder anzuziehen. Jemand auf der anderen Seite rollt die Spule auf. Das kannst du fühlen. Und zu lange stehen zu bleiben, heißt, das ferne Echo einer Stimme übers Meer zu hören. „Komm!“ und den Strick an dir reißen zu fühlen. Es ist ein ewiges nach vorne gezogen werden. Ein glücklich schmerzhaftes Stolpern in die richtige Richtung. Unser innerer Kompass gibt ganz genau an, wie weit wir von unserem Wunsch entfernt sind und wie viele Meilen es noch zu gehen gilt.

Aber was ist, wenn ein Wunsch dich nach hinten zieht? Anstelle einer neuaufgehenden Sonne entgegen, dich zurück in die Nacht holen will. Hätte ich nicht x getan. Ich wünschte y wäre nie geschehen. Warum ist z so wie es ist.

Ich wünschte, ich wäre nicht hier.

Mit einem Mal ist der Tanz vorbei. Die Stimme bricht. Hier gibt es nicht zu sagen, was dich nach vorne bringen will. Sieh dich um. Ein wüster Ozean und du im Auge des Sturms. Stille Leere. Dein Boot eine leblose Nussschale, während über dir ein schwarzer Himmel alles Licht verschluckt. Ich wünschte ich wäre nicht hier. Hörst du dich flüstern. Deine eigene Stimme, dicht an den Lippen. Wird zu dir zurückgeworfen, als wäre die Luft dick wie Teer. Ich wünschte ich wäre nicht hier. Deine Wangen heiß, die Nasenspitze kalt. Um dich herum keine Bewegung. Keine Spiegelung auf dem Wasser, kein Rauschen im Wind. Ich wünschte ich wäre nicht hier. Verstummst und ziehst dich in in deine Öljacke zurück. 

Gerade konntest du schon die Zypressen riechen. Jetzt nur noch deinen eigenen Atem, der gegen die Innenseite deines Mantels schlägt. Ich hasse alles an diesem Ort. Du spähst hinauf in den sternenlosen Himmel. Ich hasse dich, Himmel. Und dich, Meer hasse ich auch. Das Wasser gluckst gegen deinen Kahn. Ich hasse dich Boot. Mantel. Erloschene Laterne. Und ich hasse mich. Brauchst du nicht zu sagen. Weil es bereits überall geschrieben steht.

Das Fernglas verdunkelt sich, als hätte jemand eine Hand davor gelegt. Der Kompass dreht schnell und bleibt stehen. Der Wind stirbt. Die Segel fallen in sich zusammen und hängen schlaff am feuchten Mast. Was kannst du tun. Wenn das, was du hast, nicht gut genug ist. Oder das, was du hattest, für immer vorbei ist.

Neu wünschen

Hast du es noch verdient zu wünschen? Aus dieser Ödnis heraus, die Frechheit, einen Wunsch zu murmeln? Erst leise, kaum hörbar. Dann Lauter, ein Wispern. Bis ein Schrei in dir brodelt und gegen deine Kehlkopf drückt. Ich will…Und eh du dich versiehst stehst du. Reißt an den Stricken und brüllst. Bis deine Lungen brennen und dein Brustkorb sich anfühlt wie ein gespaltener Schädel. Brüllst und kannst fühlen, wie die Wärme in deine Beine zurückkehrt und der Schweiß an deinen Seiten hinabläuft. Die erste Träne klatscht auf das schmierige Dreck. Ein erster Tropfen. Dann prasselt und stürmt es. Die Wellen tragen weiße Schaumkronen und bäumen sich unter deinem Gebrüll auf. Du hast mit dem Atem das Meer angeschoben.

Wie eine Wilde gehst du in die Knie und stehst wieder auf, bis dein Boot schwankt und schaukelt. Und deine Arme taub sind vom Schlagen. Deine Fäuste um den Strick geballt. Sag mir, was ich tun kann! Und dann, durch das Tosen des Sturms, das Krachen der Wellen, und das Donnergrollen, hörst du die Stimme. Komm! Komm her. Und ohne vom Wind zurückgedrückt zu werden, spähst du zum Steuerrad, Regen der die Wangen rot schlägt. Und knirschst du auf die Treppe zu. Wind reißt an deine Harren, zerrt an deinem Ölzeug. Du kannst dich hochziehen und mit einem Mal hast du den Wind im Rücken und deine Hände fassen das Steuerrad, das unter deinem Griff erzittert. Komm. Kannst du jetzt deutlich hören. Und mit einem Ruck wird das Seil um dein Herz gespannt und zieht dich, unaufhaltsam deinem neuen Wunsch entgegen.

Das dunkle Tal

Das dunkle Tal ist ein Ort, vor dem man zurecht Angst haben kann. Aber wenige Helden kommen ohne ihn aus und Geschichten, in denen er fehlt, wirken, als wäre man um den heißen Brei herum geschlichen. Weil man nicht weiß, ob ein Charakter davon zurückkommen kann.

Es ist stark, seinen Helden zu vertrauen und sie auf ihrem Weg zum Ziel in die Wunschflaute segeln zu lassen. Von hier aus, eröffnen sich völlig neue Möglichkeiten. Und manchmal ändert sich der Wunschkurs radikal. Denn das Ufer auf das wir vorher zu gesegelt sind, war eine Insel. Und hinter der nächsten Bucht wartet neues Festland auf uns. Eine wilde, unbekannte Welt, voll neuem Leben.

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