DIY-Donnerstag, Playful Writing

Playful Writing #7 Zuschauer

29. August 2019
Zuschauer

Noch nicht alle Spielerpositionen erklärt und schon geht es um die Zuschauer? Ja, denn dafür habe ich einen aktuellen Anlass. Letzte Woche mussten wir einen Beitrag von diesem Blog auf privat stellen, weil das Ausmaß der Reaktion auf ein Interview mit einer sehr aktiven Buchbloggerin und einem sehr aktiven aber umstrittenen Buchblogger sehr unschöne Formen annahm. Am Ende wurde so viel Druck auf beide ausgeübt, dass wir es gesunder fanden, den Beitrag (und vor allem die unschönen und intoleranten Kommentare) aus der Öffentlichkeit zu nehmen. Holy shit!

Mein Gott, was hat das mit (meinem) Schreiben zu tun, wirst du vielleicht fragen. Ich will einfach nur wissen, wie ich ein erfolgreiches oder/und gutes Buch schreiben kann. Nun – Vertrau mir ;)

Denn wenn das ginge, dass man die  Zuschauer, in diesem Vergleich also die Leser, einfach aus der Rechnung herausnehmen könnte, wäre vieles einfacher. Aber natürlich geht das nicht, denn ein Buch ist nicht nur ein Text, eine Geschichte, das kreative Werk einer Autor*in, sondern sobald es gedruckt und veröffentlicht ist, sofort auch ein Produkt. Und Buch-Produkte werden nun mal nicht nur nach ihrem Inhalt, sondern auch nach ihren Verkaufszahlen bewertet.

Und wenn die Verkaufszahlen klein bleiben, dann wird es nicht nur schwierig für den Verlag die Autor*in weiter zu fördern, sondern auch für die Autor*in schwierig, weiter zu schreiben. Irgendwie muss die Miete ja reinkommen.

Das ist ein großes Thema, ich werde mich aber in diesem Beitrag auf einen Aspekt konzentrieren, nämlich die Frage, wie du dich einerseits beim Schreiben unabhängig von den Lesern/Zuschauern machst, sie aber gleichzeitig wertschätzt und dein (Lese-)publikum findest. Denn ein Spiel ohne Zuschauer – ist ziemlich traurig. Viele randalierende Zuschauer, die Büchsen auf die gegnerische Manschaft werfen, sind es aber auch.

Zwischenspiel – sozusagen in Klammern

Fußballvereine beschäftigt das Verhalten der Zuschauer/Fans sehr. Besonders die Vereine, die mit Hooligens, also randalierenden Fans, zu kämpfen haben. Wie stark muss man diese Fans in ihre Schranken verweisen? Sehr. Der Fußballbund bestraft Vereine, die ihre Fans nicht unter Kontrolle bekommen.

Und weil es passt, gehe ich hier noch einmal auf unseren (jetzt nicht mehr öffentlichen) Beitrag und das Interview über Toleranz in der Buchbloggerwelt von letzter Woche ein: Ich bin sehr wohl der Meinung, dass eine Autor*in für ihre Fans verantwortlich ist. Und wenn diese Fans ausfallend auf Kritik an den Büchern dieser Autor*in reagieren, dann kann man nicht sagen: Oh, das sind gar nicht meine Fans, da bin ich nicht verantwortlich. Es ist genau wie im Fußball: Fans und Spieler//Autor*innen bilden eine – wenn auch manchmal unangenehme – Einheit.

 Das Spiel mit dem Publikum

Aber nun zurück zu den Zuschauern//Leser*innen, die wir uns alle wünschen: Unterstützend, jubelnd, freundlich, kritisch, engagiert, intelligent. Das wäre der Traum. In der Realität verirren sich leider nur zu oft Leser*innen zu Büchern, die weder für sie geschrieben wurden, noch von ihnen verstanden werden. Wenn die Kritik dann schlecht ausfällt – liegt das manchmal am schlecht geschriebenen Buch, häufiger aber noch daran, dass hier der falsche Leser* zu einem guten Buch gegriffen hat. Doch – wie bekommt man die richtigen Leser*innen?

Vielleicht ist es leichter, dies erstmal am Fußball zu klären. Stell dir eine Manschaft vor oder einen Verein. Da gibt es verschiedene Trickots, man ist weiter oben in der Bundesliga oder ganz unten. Aber – jede Fußballmannschaft hat auch ein bestimmtes Image. Also ein Bild, das nach außen vermittelt wird. Das gilt genauso für Autor*innen oder Verlage. (Mehr darüber, wie ihr eure Imgae verändern könnt oder das beste findet hier).

Image (von engl. image für Bild, Abbild, Darstellung, deutsch entsprechend Ruf) bezeichnet das innere Gesamt- und Stimmungsbild bzw. den Gesamteindruck, den eine Mehrzahl von Menschen von einem Meinungsgegenstand hat (z. B. von einer Person oder Personengruppe, von einer Organisation, von einer Stadt oder Ortschaft, von einem Unternehmen, einem Produkt … Dieser Gesamteindruck ist eine subjektive Kategorie, er muss nicht objektiv richtig sein. Gleichwohl beeinflusst oder steuert er das Verhalten der Menschen, etwa das Kauf- und Wahlverhalten. (Wikipedia)

Der FC St-Pauli, das sind doch die Freaks mit der Piratenfahne. Und Bayern München, die halten sich für was Besseres … oder so. Und die Fans werden sich der dieser oder jener Manschaft hinzugesellen, weil sie a) in der gleichen Gegend wohnen oder b) sich mit dem Image des Vereins/der Mannschaft besonders gut verbinden können.

Leser*innen und Autor*innen

Ganz ähnlich ist es bei Leser*innen/Fans von Autor*innen. Man wird Fan einer Autor*in, weil sie etwas schreibt, das einem gefällt, weil man den Stil mag, die Art, die Welt zu sehen. Weil sie aus der gleichen Gegend kommt wie man selbst, das gleiche Alter hat oder die gleiche Weltanschauung.

Und was heißt das für dein Schreiben? Nun, erst einmal ist es schön, wenn die Leser*innen dein Buch mögen, es lesen. Wirtschaftlich wichtig, aber auch eine schöne Art der Selbstbestätigung. Aber – und das ist genauso wie in Beziehungen – wie weit sollst du dich den Leser*innen anpassen, um ihnen zu gefallen? Wie viel sollst du von dir aufgeben, um in eine Autor-Leserbeziehung einzutreten? Muss du überhaupt etwas aufgeben? Kannst du nicht einfach so sein, wie du bist? Aber was, wenn das nicht passt? Keine Beziehung entsteht? Niemand deine Bücher kauft?

Vertrauen und Vertrauheit

Du kennst das sicher: Man trifft jemanden, findet ihn oder sie entsetzlich und je besser man die oder denjenigen kennenlernt, desto mehr ändert sich die Meinung. Je ungewöhnlicher ein Mensch, desto schwieriger ist es, am Anfang eine Ebene mit ihm oder ihr zu finden. Leichter ist es mit denen, die immer zuvorkommend, freundlich oder zustimmend sind. Solltest du dann nicht einfach so sein und schreiben? Leicht und locker und immer freundlich und zuvorkommend?

Ein Buch, das eine weitverbreitete Lebenseinstellung beschreibt, und uns dazu noch mit angenehmem Inhalt (Happy End!) versorgt, ist uns doch gleich sympathischer, oder? Und ja, es stimmt, Bücher, die uns ein wenig höher auf die rosa Wolke entführen, verkaufen sich gut. Doch …

  1. Wollen nicht alle Autor*innnen nur nette, freundliche und immer gut ausgehende Geschichten schreiben.
  2. Wollen auch nicht alle Leser*innen diese Art von Büchern lesen.
Strategie?

Strategie? Brauch ich die? Im besten Fall schreibst du, was dir gefällt und baust dir so eine treue Follwerschaft/Leserschaft auf. Aber was machst du, wenn es nicht gleich und so (einfach) klappt?

Ich habe letztens in einem Podcast, in dem es ums Schreiben ging, gehört, dass ein Autorin sich deutlich von ihren früheren Büchern distanziert hat. Das war nur ein Test/Witz/Versuch, alle Klischees mal in ein Buch zu packen. Die Leser*innen sahen das wohl anders, denn sie haben das Buch ernst genommen, gerne gelesen, gerne gekauft. Eine Leserschaft mit einem Buch aufzubauen, das vielen Lesern gefällt und dann das Buch zu schreiben, das man eigentlich schreiben wollte – mag klappen, ich halte es aber für keine gute Strategie.

Ebensowenig würde ich über Themen schreiben, zu denen man nur unter Pseudonym stehen kann. Zumindest dann nicht, wenn man im Schreiben mehr als eine Einnahmequelle sieht.

Die Leser zu täuschen oder nicht ernst zu nehmen, all das ist schlecht für eine Beziehung und die sollte ja irgendwann zwischen dir und den Leser*innen entstehen.

Wer bin ich? Was schreibe ich?

Da ist man dann wieder bei dem Problem, was sich einem auch in einer Beziehung stellt. Einerseits will man in Kontakt treten, anderseits sich nicht selbst verbiegen. Und – das wäre dann auch schon der wichtige Rat:

Suche immer wieder die Nähe zu den Lesern, aber – verbiege dich nie.

Ein Hin-neigen ist durchaus okay, schließlich will man gehört werden, ein Hinterherhecheln … keine gute Idee.

Die Zuschauer sind der Spiegel

Am besten – und viele erfolgreiche Autor*innen haben das ganz wunderbar erreicht – stehst du dort, wo du dich optimal wohl fühlst. Schreibst, was dir gefällt und deine Leser*innen lieben dich genau dafür- Lieben deinen Stil, deine Inhalte, deine Welten.

Woran merkst du, dass du an der richtigen Stelle stehst? Nun, in diesem Fall bekommst du nur gute Kritiken. Nicht, weil du so wunderbar schreibst (obwohl das auch der Fall sein kann), sondern weil alle, die deine Bücher nicht mögen, sie auch nicht in  die Hand nehmen und lesen. Wunderbar!

(Ich leide immer ein wenig, wenn ich sehe, wie schlecht großartige Bücher der Weltliteratur auf Amazon bewertet werden, weil da offenbar Leser*innen bewertet haben, die wenig von Literatur/Kunst verstehen und trotzdem ihre Meinung abgeben.)

Bekommst du viele schlechte Kritiken, dann musst du entweder besser schreiben oder die richtigen Leser finden. Deine Zuschauer. Deine Leserinnen. Somit ist auch jede schlechte oder mittelmäßige Kritik ein wichtiger Hinweis: Oh, ich erreiche offenbar hier (denn auf jeder Plattform oder in jedem Forum wird anders bewertet) nicht meine Leserinnen. 

Deine Leser sind wie die Zuschauer/Fans eines Fußballspieles. Du willst ihren Applaus – aber sind es wirklich die richtigen Zuschauer?

Wie findest du deine Leser*innen

Bekommst du viele schlechte Kritiken? Hast du die falschen Leser? Der nächste Schritt ist, darüber nachzudenken, woran das liegen könnte. Hier mal ein paar Vorschläge:

  • Handwerk: Bist du wirklich schon so weit, ein Buch zu veröffentlichen?
  • Form: Achtest du auf ein gutes Lektorat und Korrektorat? Das ist besonders wichtig, sofern du anspruchsvolle Leser erreichen willst.
  • Stil: Passen Schreibstil und dein Genre zusammen?
  • Cover: Entspricht das Cover dem Genre, in dem du schreibst? Drückt es den Inhalt optimal aus?
  • Klappentext: Macht der Klappentext klar, worum es in dem Buch geht? Ist der Klappentext schlechter geschrieben als das Buch (oder umgekehrt?)
  • Ort: Veröffentlichst du im falschen Verlag oder auf der falschen Plattform?

Alle diese Dinge solltest du genauer unter die Lupe legen. Jedes Detail kann wichtig sein. Vor allem – gibt nicht zu schnell auf. Denn je anspruchsvoller, ausgefallener und unüblicher deine Schreib(Themen) und dein Schreibstil sind, desto länger kann es dauern, bis du zu deinem Publikum gefunden hast. In der Regel sind diese Leser*innen dann aber am Ende die loyalsten und besten, weil sie bei dir genau das fnden, was sie suchen.

Okay, ja, beim nächsten Mal steht wieder eine Spielerposition im Fokus. Sturm! Ich gehe der Frage nach: Wann solltest du dich beim Schreiben wie ein Stürmer verhalten?

Bis dahin

xoxo

Katrin

#rbpub #redbugwriting #schreibtipps #leser

 

 

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2 Comments

  • Reply Martha 2. September 2019 at 18:01

    Hi Katrin!
    Meine Zwillingsschwester und ich überlegen uns oft zusammen Fanfictions, die schreiben wir nie auf, sie sind einfach als Geschichten in unseren Köpfen. Dann vor ungefähr einem halben Jahr hatte ich plötzlich meine eigene Idee. Kein Fanfiction, sondern eine Buchidee. Also erzählte ich sie Frieda(meine Zwillingsschwester). Sie fand die Idee grauenvoll und deshalb haben wir sie dann zusammen überarbeitet und aufgeschrieben. Es sollte nur eine Geschichte für uns werden. Doch vor einem Monat sind wir auf euren Blog gestoßen und wir haben überlegt, ob wir aus der Idee nicht unser erstes Buch schreiben sollten. Also haben wir den ganzen Tag deine Artikel gelesen und unsere Idee noch einmal überarbeitet und weiter ausgearbeitet. Dann endlich ging es ans schreiben und wir waren total euphorisch. Ganz schnell waren die ersten fünf Seiten geschrieben. Beim ersten Lesen wirkten sie wirklich ganz gut. Bloß beim genaueren betrachten zeigten sich einige Schwächen: wir haben viel zu wenig erklärt(ok am Anfang wird eh nicht alles sofort erklärt)trotzdem war das, was wir geschrieben hatten, zu ungenau und unverständlich. Also alles nochmal weg und von vorne. Diesmal klappte das ganze viel besser. Wir wussten 1. wo drauf wir achten mussten und 2. wie wir das mit dem schreiben managen(wir schreiben ja zusammen an einem Buch). Also schrieb ich den Prolog und Frieda die (jetzt schon) 13 Seiten des ersten Kapitels. Beides ist viel besser als unser erster Versuch. Wenn ich jetzt aber andere wirklich gute Bücher lese, denke ich das dort alles viel besser geplant ist, die Kapitel sind viel raffinierter strukturiert und selbst komplizierte Passagen sind verständlich. Wenn das Manuskript erstmal fertig ist, wird sich bei der Korrektur sicher noch vieles verändern. Dennoch muss man so vieles beachten: der Schreibstil muss zum Genre passen, die richtige Struktur von dem Buch oder dem Kapitel, Show don´t tell, und, und, und. Ich könnte das noch stundenlang weiter führen. Ich weiß schon das das erste Buch wahrscheinlich nicht gleich ein Bestseller sein wird. Doch ich möchte auch keinen totalen Mist produzieren, gerade weil ich die Idee so toll finde.
    Puh, dass war jetzt echt viel. Ich wollte einfach mal meine Erfahrungen und Schwierigkeiten teilen. Vielleicht hast du ja ein paar Tipps für
    uns.
    Liebe Grüße
    Martha und Frieda

    P.S. Deine Beiträge sind wirklich toll und informativ, außerdem hast du einen schönen Schreibstil!

    • Reply Katrin 2. September 2019 at 19:26

      Hi Martha und Frieda (schöne Namen, die ich mir mal gleich merken werde ;),

      danke, für euren Kommentar. Ja, hurra!, das ist schön, dass meine Blogbeiträge motivieren und weiter helfen.
      Euer Problem? Ja, das kenne ich von meinen eigenen Schreibanfängen: Man beginnt so fröhlich und schreibt und jedes Mal, wenn man seinen eigenen Text liest, fragt man sich, WER das wohl geschrieben hat, denn sooo schlecht kann man doch gar nicht schreiben.
      Also ganz normal am Anfang.
      Und das wichtigste Werkzeug habt ihr schon: Selbstkritik. Denn nur wenn ihr euren Text sehr streng betrachtet, merkt ihr, was sich falsch anhört und dann lernt ihr. Beim nächsten Mal wird es besser. Garantiert.

      Tipps, hm … Es gibt verschiedene Möglichkeiten, sich den Schreibanfang zu erleichtern. Zum Beispiel sehr gut zu planen. Aber, hey, das kann schnell langweilig werden. Dann einfach drauflosschreiben und dann erst sortieren. Alles ausdrucken, in Stücke schneiden und umstellen, bis es passt. (Am Anfang ist es schwer, das am Laptop oder PC zu machen)
      Sich Post Its mit Ideen aufhängen. So, dass ihr sie seht, und dann warten, bis ihr wisst, wo die Idee hinpasst. Sehr viel nachdenken und darüber reden. Ihr seid ja zu zweit. Euer Vorteil!
      Und vieeeel schreiben, auch wenn ihr nachher alles wegwerfen müsst. Das Schreiben ist wie Muskeltraining. Nur wenn ihr schreibt, werdet ihr besser. Das andere ist mehr Gedankenarbeit, also das Planen und Umstellen und Sortieren.

      Ich denke, so wie ihr eure Anfänge beschrieben habt, bekommt ihr das gut hin.
      Nicht aufgeben! Auch sehr wichtig :))

      Viel Glück dabei, liebe Grüße

      Katrin

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