DIY-Donnerstag, Playful Writing

Playful Writing #6 Fouls

1. August 2019
Fouls und miese Tricks

Kein (Fußball)spiel ohne Fouls und – da wirst du dich vielleicht wundern – auch keine Schreibcommunity ohne Fouls. Vermutlich auch keine Autor*in, die nicht schon mal ein wenig unfair/fein gespielt – äh – geschrieben hat.

Doch bevor ich mich dem Foulspiel widme, erstmal eine Definition.

Der Ausdruck Foul (englisch foul „schlecht“, „schmutzig“ → protogermanisch von fūlaz = faul, verrottet) bezeichnet im Sport – außer im Baseball – ein regelwidriges Verhalten: Ein Spieler missachtet während des laufenden Spieles eigene Pflichten oder gegnerische Rechte, wirkt auf einen Gegenspieler unsportlich ein und/oder er verhindert auf inkorrekte Weise einen unmittelbar bevorstehenden Erfolg des Gegners. Ein Spieler kann ein Foul absichtlich oder unabsichtlich als Folge einer missglückten regelgerechten Aktion begehen. Auch Fahrlässigkeit ist möglich. (Wikipedia)

Was ich bei dieser Definition so unglaublich interessant finde, ist die Formulierung: „missachtet ein Spieler eigene Pflichten“. Es gibt also Pflichten im Spiel! Rumstehen und Zusehen ist nur von der Reservebank aus erlaubt. Das ist also schon einmal eine wichtige Sache. Auch beim Schreiben gibt es Pflichten. Klar, man kann alle Regeln brechen, aber dann verlässt man „das Spiel“.

Während wir alle bei einem Foul als erstes an ein „jemand behindert oder verletzt jemanden anderes“ denken, ist es sehr wichtig zu verstehen, dass der Foulspieler zugleich sein eigenens Spiel im Stich lässt. Und hier sind wir gleich beim ersten großen Foul(spiel) in der Schreibgemeinschaft.

Das Stehlen von Ideen

Das Stehlen von Ideen ist das weiterverbreiteste Foul beim Schreiben und vermutlich auch das, was am schwersten zu verhindern ist. Ja, manche sagen sogar, es gehört dazu. Klau dir Ideen, wo immer du sie findest. Wenn man sich einen Großteil von Büchern ansieht, dann hat man tatsächlich das Gefühl, dass es nur noch sehr wenige neue Ideen gibt und das meiste irgendwie aufgekochte alte Ideen sind. Feen- oder Zauberer- oder Vampirgeschichten, die sich alle irgendwie gleich anhören. Liebegeschichten, die einem bekannt vorkommen, weil sie nichts Neues, sondern nur das Alte etwas anders erzählen. Ich nenne so etwas Copycat-Schreiben und finde es gähnend langweilig.

Ich finde außerdem, es verletzt die Spielregel der Schriftstellerei, dass ein Buch immer auf einer eigenen guten Idee aufbauen sollte. Einer Idee, die noch nicht da gewesen ist, auch wenn nicht alles neu erfunden werden kann und muss. Doch der Kern deines Buches sollte eine neue Botschaft, eine neue Wendung, eine neue Geschichte enthalten.

Etwas Neues finden

Klar, es ist schwierig im Dschungel der schon vorhandenen Literatur etwas Neues zu erfinden. (Wie du eigenen Ideen findest) Finden und erfinden liegen im Deutschen sehr nah beieinander. Und sofern man das Urhebergesetz nicht verletzt, ist Ideenraub erlaubt, also – why not? Why not?, sagen sich auch die Fußballspieler, die einem anderen ein Beinchen stellen.

Hier ist es wichtig, dir klarzumachen, wieso jemand foult. Anders gesagt: Ein grandioser Ausnahmespieler wie Messi muss nicht foulen. Er spielt und zwar herausragend. Er umdribbelt seine Gegner, er hält sich nicht mit miesen Tricks auf. Kurz: Wenn du eine gutes Buch schreiben willst mit einer tollen Idee, dann halte dich nicht mit Fouspiel auf. Denn – siehe oben – immer wenn du einen miesen Trick benutzt und jemanden eine Idee klaust, vernachlässigst du dein eigenes Schreiben.

Statt Ideen bei anderen zu klauen, solltest du besser lernen, eigene Ideen zu entwickeln.

Copy – Past oder wenn der Schiedsrichter ins Spiel kommt

Wir wissen es alle, die kleinen Fouls werden meist gar nicht gepfiffen. Und gute Spieler lassen sich davon nicht von ihrem Spiel abhalten. Aber große Fouls, nun, die werden schon verfolgt und die Strafe kann bitter sein. Bis zur roten Karte und dann ist man (erstmal) raus aus dem Spiel.

Genau wie beim Fußballspiel gibt es in der Schreibgemeinschaft Schiedrichter, die man anrufen kann, wenn man den Eindruck hat, jemand hat gefoult. Heutzutage fällt es vor allem Buchbloggerinnen auf, wenn jemand nicht nur Ideen klaut, sondern ganze Testpassagen abschreibt. Hier sei es noch einmal gesagt: Dies nennt sich nur in einer wissenschaftlichen Arbeit „zitieren“ und muss dort auch gekennzeichnet werden. Ansonsten ist es klauen und nicht anders, als wenn du eine Tüte Chips im Supermarkt mitgehen lässt. Wir leben in einer Zeit, in der es immer leichter wird, Texte zu kopieren, Textstellen oder ganze Abschnitte. Auch Blogartikel darf man übrigens nicht einfach so kopieren und auf den eigenen Blog stellen ;)

Eine gute Schriftstellerin arbeitet lange an einem guten Text, einem eigenen Stil. Und so manch eine Autor*in kopiert dann eben mal lieber, als sich selbst die Mühe zu machen, einen guten Text zu erstellen. Dies ist übrigens nicht nur ein no go, sondern kann angezeigt werden. Die Autor*in, die geklaut hat, muss die beklaute Autor*in unter Umständen entschädigen, also Geld zahlen und sie wird auch nicht so schnell wieder einen Verlag finden.

Absicht?

Auch interessant finde ich, dass in der obigen Definition gesagt wird, dass ein Foul durchaus unabsichtlich geschehen kann: Ups, ich wusste nicht, dass Twilight schon geschrieben wurde! Das ändert allerdings nichts daran, dass es ein Foul ist. Meist schleichen sich Ideen aus dem Unterbewusstsein in unser Oberbewusstsein, das dann ganz stark davon überzeugt ist, dass es eine eigene Idee war, dabei …

Fanfiktion

Wie du bemerkt haben wirst, beziehen sich die meisten Fouls nur auf Texte, die man veröffentlichen und als eigene Werke bezeichnen möchte. Fanfiktion ist kein Foul, sondern eine Art Zitat. Wenn du also Fanfiktion schreibst, dann mache deutlich, dass es das ist: Die Erweiterung oder das Weiterspinnen einer Idee einer anderen Autor*in.

Wie schützt man sich vor Fouls? Ideenklau, Abschreiben, Kopieren?

Der beste Schutz ist, so gut zu schreiben, dass es einem egal sein kann, ob man gefoult/kopiert wird. Denn – das ist auch eine Regel: je besser und erfolgreicher man ist, desto sicherer wird man beklaut. Logisch – denn alle Augen sind auf die guten, erfolgreichen Autor*innen gerichtet. Jeder will so sein. Aber wer sich zu sehr an genau diesen Autor*innen orientiert, läuft in die eigene Falle. Denn nach einem ersten schnellen Erfolg, werden diese erfolgreichen Autoren meist Opfer von anderen Foulspieler*innen und da sie keine eigenen Ideen und keinen eigenen Schreibstil haben, können sie sich nicht von ihrer Konkurrenz absetzen.

Eine guter Spieler*in läuft schneller als diejenige, die sie foulen will.

Eine gute Autor*in schreibt besser, als diejenige, die sie kopieren will.

Dramaturgische Fouls

Das Schreiben ist ein einsamer Prozess, doch auch hier kann dir das ein oder andere Foul passieren. Denn die zukünftige Leser*in ist – wenn auch nicht wirklich – dann doch in der Vorstellung anwesend. Für gute Autor*innen ist die Leser*in nur ein sanftes Hintergrundrauschen. Die gute Autorin will ein gutes Buch für sich schreiben und weiß, dass dieses Buch dann auch den Lesern da draußen gefallen wird. Mehr ist nicht nötig.

Doch die unsichere und noch nicht so gute Autor*in lässt sich dann schon mal zu einem Foul verleiten. Okay, ich sehe deine aufgerissenen Augen: Was soll das denn bedeuten? Nun, es gibt natürlich Tricks, mit denen du die Aufmerksamkeit der Leserinnen bekommst. Behaupte einfach, es würde etwas Großartiges in deiner Geschichte passieren und – wenn du dann am Ende nur eine lahme Erklärung hast, dann … sorry. Ich bin ausgerutscht. Ich wollte dir gar kein Bein stellen.

Miese Tricks bei der Charakterentwicklung

Oder behaupte, dass es ein großes Geheimnis gibt, das dein Hauptcharakter zu enthüllen hat. Und egal, wie unglaubwürdig das am Ende ist, schmeiß einfach alles Drama auf deinen Hauptcharakter, jede Krankheit, jeden Unfall. Narben, Blut. Die Leser*innen werden es schon schlucken. Im blutigen Getümmel. Im herzzerreißenden Drama nicht beachten. Die Schiedsrichter werden es schon übersehen. In der Fachsprache heißt das dann: schlechte Dramaturgie. Oder: schlechte Charakterentwicklung.

Nun hängt es von der Erfahrung und der Bildung der Leserin ab, ob sie Fouls überhaupt erkennt, also Ideenklau oder abgelutschte Geschichten. Oder eine schlechte Charakterentwicklung. Genau aus diesem Grund gehen die Buchbewertungen oftmals weit auseinander. Wer das Foul nicht bemerkt hat, hält es für ein großartiges Spiel. Durchschaust du aber das Foulspiel, bist du genervt und verärgert.

Also: Schreib viel und gut und werde besser und benutze immer deine eigenen Ideen.

Nächstes Mal geht es um … mal sehen. Vielleicht um das unscheinbare und doch so wichtige Mittelfeld. Oder zur Abwechlsung mal um die Zuschauer! Sounds like a plan.

Bis dahin

xoxo

Katrin

#schreibtipps #playfulwriting #rbpub #redbugwriting

 

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