Charakter-Special: Wünsche, DIY-Donnerstag

Charakter-Special: Wünsche #6

8. August 2019
Charakter-Special: Wünsche #6 Wunsch

Charakter Special: Wünsche #6 Wunsch

 

 

Wann hast du dir das letzte Mal etwas gewünscht? Hast die Augen zugekniffen und es vor dir gesehen, in schillernden Farben, hautnah, lebensecht. Wann bist du abends mit deinem Wunsch ist Bett gegangen und morgens damit aufgewacht. Hat sich dieser Wunsch erfüllt? Wenn nicht, wo ist er hin? Kann ein Wunsch weiterziehen, wie ein Schiff, das aus dem Hafen ausläuft? Und wir am Ufer stehen und den weißen Segeln hinterher blicken, bis sie am Horizont verschwinden.

Die Welt der Wünsche

Wann hast du das letzte Mal mit einem Wunsch gerungen und ihm wutentbrannt entgegengerufen. Lass mich endlich los! Geh weg! Ich kann nicht mehr. Die Finger in den Wunsch-Stoff vergraben, in angespannter Haltung erfroren. Hast du losgelassen? Ihn davon gleiten sehen?

Manchmal fühlt sich einen Wunsch zu haben, so an, als würde man ein schweres Bündel aus der Tiefe zu sich hinaufziehen wollen. Es über dem Abgrund halten, wenn es zu fallen droht, die Füße in den Sand gestemmt. Jederzeit bereit, über die Kante in den Abgrund gezogen zu werden. Und was will man da? Wünsche existieren in einer anderen Welt, in einer anderen Zeit. Wir können ihnen dort begegnen, aber leben können wir dort nicht. Es ist eine körperlose, lichte Ebene, in der Gefühle der maßgebliche Handlungsträger sind. Alles was dort entsteht, kann von uns erlebt werden. Wir können es sehen, fühlen. Aber nicht begreifen.

Wenn wir die Augen öffnen, ist das Gefühl noch da. Und die Schwerkraft kehrt zurück. Vor dem Fenster strömt der Regen, wäscht die Straßen sauber. Und wir stehen auf und gehen einen Schritt. Hier gilt, was wir tun. Hier setzten wir den Stift an, wickeln die Pinsel aus, schlagen ein Buch auf oder besuchen jemanden. Hier wird Stück für Stück herangetragen, was zum Gefühl des Wunsches passt. Wege eröffnen sich, Begegnungen entstehen. Die unmöglichsten Dinge werden mit einem Mal möglich. Wer mit einem Wunsch umhergeht, wird vom Leben in den Arm genommen.

Wünsche loslassen

Manchmal tauchen wir ein in die Wunschwelt und alles kommt uns unbekannt vor. Eine trockene Wüste und flimmernder Sand. Eine Wunsch Fata Morgana. Scheinbar echt. Wir können ihre Hitze spüren, wenn wir durch sie hindurch waten. Unser Herzschlag beschleunigt sich. Ist das mein neuer Wunsch?

Zurück in unserer Welt versuchen wir die Teile zu finden, setzen Stein auf Stein, reißen ein. Bauen neu. In uns brennt das Feuer der Wunschvorstellung. Im Hinterkopf lockt das Versprechen, jagt uns Schauer über den Rücken. Und wenn dann nichts geschieht, wenn das Gefühl versiegt und die Ausdauer schwindet. Wenn wir den Mut verlieren oder den Glauben an uns selbst. Wenn die Werkzeuge kaputt gehen, der Weg steinig wird. Muss man sich auf halber Strecke fragen: Gebe ich auf? Kann ich jetzt loslassen?

Ist das überhaupt möglich?

Unerfüllte Wünsche

Fast jeder, der einen Wunsch hatte, der sich nicht erfüllt hat, ist sich später sicher, dass es gut so war. Hätte sich dieser Wunsch erfüllt, wäre mir ein anderer versagt geblieben. Und doch hat der erste Wunsch meine Aufmerksamkeit geschärft. Hat mich empfindsamer für meine Fantasien gemacht, mir gezeigt, das ich für etwas brennen kann. Hat mich mit den Werkzeugen der Wunscherfüllung vertraut gemacht und mir das Träumen beigebracht. Hat mit konkrete Fähigkeiten beschert oder Gefühle, die ich zuvor nicht kannte.

Vielleicht ist das Leben eine Straße mit vielen Ausfahrten. Vielleicht ist es aber auch ein Raum mit verschiedenen Gegenständen. Es gibt eine Ecke, in der man sitzen und lesen kann. Und eine, in der Farben zum Malen stehen. Es gibt eine Küche zum Kochen, einen Garten zum Pflanzen, eine Tür zum Hindurchspazieren. Man kann Menschen einladen, mit ihnen den Raum erweitern. Einen Tennisplatz anbauen oder eine Schaukel aufhängen. Kinderzimmer und Ateliers, Empfangsräume und Bibliotheken. Ein Haus, in einer Stadt. Eine Stadt auf einem Planeten.

Wunsch und Wirklichkeit

Einen Charakter wissen zu lassen, was er oder sie sich wünscht, ist ein wichtiger Bestandteil einer guten Story. Ein Protagonist ohne Wünsche, verliert diese magische Dimension, in der wir uns mit ihm verbunden fühlen. Das heißt aber nicht, dass jeder Wunsch erfüllt werden muss. Und schon gar nicht so, wie geplant.

Denn Wünsche haben es so an sich, in der Wirklichkeit noch viel spektakulärer zu sein, als wir es uns in unserer Wunschwelt vorstellen können.

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