Charakter-Special: Wünsche

Charakter-Special: Wünsche #5

11. Juli 2019

Charakter-Special: Wünsche #5

Ein Wunsch braucht einen Impuls. Ein kleines Fünkchen Inspiration, dass irgendwo in den Teich unseres Unterbewusstseins fällt und da munter vor sich hin scheint. Ein Goldfisch, der noch nie das Licht gesehen hat. Ohne diesen ersten Samen, kann sich kein Wunsch in uns verwurzeln.

Vielleicht ist es der Anblick eines Pärchens, das, sich gegenseitig anlächelnd, in der U-Bahn sitzt. Etwas, an den vertrauten Gesten und selbstvergessenen Blicken rührt etwas in dir. Das sieht schön aus. Das könnte ich mir wünschen.
Oder an der Ampel neben dir hält einer in einem erdbeerroten Cabrio. Die Haare zerwirbelt, ein breites Grinsen auf dem Gesicht. Hm. Sieht interessant aus!

Eine Mutter, die ihr Kind aufhebt, ein Goldschmied bei er konzentrierten Arbeit, eine Schauspielerin in Bühnenduft gehüllt. Manchmal braucht es ein starkes Bild, etwas, das den Stein des Wünschens in uns ins Rollen bringt. Erst dann beginnt Sehnsucht an uns zu ziehen. Mit unseren Füßen zu spielen, die auf einmal hier hin oder dort hin wollen.

Schicksal

Das war Schicksal. Sagen manche. Als ich am Donnerstag nach der Schule aus dem Bus gestiegen bin und in der Straße mit den Kirschbäumen ein Haus gebrannt hat. Und als ich noch da stand, meine Rucksackriemen fest umklammert, fingen die Sirenen an und aus dem feuerroten Auto stiegen Leute aus, die Helme trugen. Einer davon hat mit gesagt, ich soll einen Schritt zurücktreten. Aber als ich sie gesehen habe, wie sie auf das Haus zu gerannt sind, mit schnellen, konzentrierten Schritten, hab ich gewusst, das ich wie sie bin. Und seit dem war mir klar, was ich später mal werden will.

In vielen Märchen taucht ein Wunsch ganz unverhofft aus dem Gebüsch auf. Hey du da, teil mit mir deinen Pfannkuchen und du hast zweiunddreißig Wünsche frei! Ohne dieses Ereignis wäre die ganze Geschichte bloß ein Spaziergang im Wald geworden. Mit einem Mal, ist da ein Drama, ein Erzählstrang, eine Moral von der Geschicht. Da muss man sich doch fragen, ob es im echten Leben nicht genauso ist.

Warten unsere Wünsche hinter der nächsten Ecke, geduldig an einem Schokoriegel kauend, bis wir herumbiegen und ihnen ins Gesicht sehen? Woher kommt dieses Gefühl von plötzlichem Erkennen, das in uns alle unbewussten Signalglocken läutet. He! Ho! Wow! Du!

Oh ja, als ihn das erste Mal durchs Fenster unserer Wohnanlage gesehen hab, wusste ich gleich das ich ihn heiraten werde. Das hat mir ganz einfach mein Herz gesagt. Naja, nicht das ein Herz direkt sprechen kann, aber in diesem Fall hat es eine Ausnahme gemacht. Da hab ich es nämlich ganz laut und deutlich in meinem Kopf hallen gehört: Der und kein anderer. Und als er hochgeguckt und mich am Fenster gesehen hat, wusste ich, das da ein langer Weg vor mir liegt.

Wünsche erkennen

Ein Wunsch kann das ganze Leben verändern. Den Verlauf einer Geschichte, den verlauf der Geschichte. Geht einer beherzt auf seinen Wunsch zu, verzahnen sich die Räder seines Lebens neu. Möglichkeiten entstehen, wo vorher keine waren. Türen öffnen sich. Zu neuen, unbekannten Welten.

Wie empfänglich ein Charakter für die eigenen Wünsche ist, kann ein entscheidendes Persönlichkeitsmerkmal sein. Taumelt er selbstvergessen durch den Wald oder ist sie ständig auf der Lauer, nach der neuesten Wunscherkenntnis. Auf welche Art und Weise entdeckt ein Charakter seinen oder ihren Wunsch? Wird er von ihm wachgerüttelt, überrumpelt, angefahren? Oder baut er sich ganz langsam auf, wächst unbemerkt im Schatten, bis er plötzlich eine Blüte trägt.

Als Autor einer Geschichte, ist einem natürlich völlig klar, das die Wünsche ihren Charakteren begegnen müssen und umgekehrt. Man zieht an den schicksalhaften Fäden des Story World Gefüges. Lässt hier jemanden auftauchen, da etwas geschehen. Aber vielleicht haben selbst da Wünsche ihre eigenen Regeln. Heften sich an eine Figur, mit der man etwas ganz anderes vorhatte, bringen alle sorgfältig aufgezeichneten Plot-Points durcheinander.

Kann man Wünsche wählen, wie ein neues Kleidungsstück? Oder wählen sie dich, sorgsam schmunzelnd, während sie das Lächeln auf deinem Gesicht erkennen. Und deinen aufmerksamen Blick, während du etwas studierst, das langsam aber sicher, zu einem echten Wunschvorbild werden kann.

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