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STORY WORLD #13 History: The New World

1. Mai 2019
STORY WORLD #13 History: The New World

STORY WORLD #13 History: The New World

Es gibt einen unsichtbaren, aber fühlbaren Faden, der sich durch jede Geschichte zieht. Wie eine Welle, die über dem tiefsten Punkt des Ozeans Schwung aufnimmt und aufs Ufer zurollt, bewegt sich auch eine Geschichte unaufhaltsam auf ihr Ende zu. In der Art und Weise wie wir lesen, leben und uns entwicklen, ist es der Drang nach vorn, der Zukunft entgegen, der uns durch die Welten zieht, schiebt und drängt. Und wenn wir vom Buch aufblicken, ist da ein neuer silbernen Horizont, der uns verdächtig zublinzelt. Komm rüber, hier wartet eine neue Welt.

Gerade bei historischen Geschichten, deren Ende ja meist immer noch in der Vergangenheit liegt, fällt einem auf, das die Neue Welt in den seltensten Fällen einfach nur „Zukunft“ bedeutet. Zukunft passiert jeden Tag. The New World, das ist ein neuer Zustand, eine neue Spielfläche, das nächste Level. Dazu muss der Held manchmal die Schwelle seiner Haustür nicht übertreten. Auch in der Bescheidenheit seines eigenen Wohnzimmers kann man die Ebenen der Upside Down und die Täler der Höhle des Löwen durchqueren. Es kommt dabei immer auf die Perspektive an, die Held oder Heldin auf ihre Umgebung, und somit ihre Story World hat.

Das nächste Kapitel

Sugar sieht ihr pittoreskes Leben zwischen ihren Fingern bröseln. Abgestellt und hintergangen muss sie zusehen, wie William sich eine neue Ehefrau sucht, nachdem die Alte kaum verschwunden ist. Als sie noch eine eifrige Hure und träumende Opportunistin war, wie lange ist das her? Wo hat sie ihren Mut gelassen? Ihre stählerne Rüstung? Warum ist die so weich geworden? Eine Antwort auf die Frage ist Sophie, ihr Schützling im Hause der Rackhams. Das Kind hat sich einen Weg in ihr Herz gebohrt. Und Sugar weiß, wenn es Hoffnung auf ein neues Leben gibt, dann nur mit Sophie. Die Welt da draußen, das ist das nächste Kapitel. Zwei hastig gepackte Koffer und eine überstürzte Flucht. Ein letztes Mal durch ein Gartentor gehetzt. Vielleicht, in größeres Unglück. Oder in ein neues Leben.

Sugar, die geackert hat, bis ihr die Knie brennen, um in ein Haus mit Vorhängen und Gartenzaun zu kommen, ein Anwesen mit schmiedeeisernem Tor und einem eigenen Badezimmer, wirbelt aus dem Hintereingang wie ein Tornado, Sophie an der Hand. Ihre neue Welt ist die Erkenntnis, das kein Ding einen Mensch ersetzen kann, den man liebt. Und das ist doch schon mal was.

New Status Quo

Eine schöne Perspektive auf historische Geschichten ist wohl, dass sie einem zeigen, dass der Rhythmus des Lebens immer wieder neue Welten schafft.

Hockt man im Dunkeln, denkt man, es wird nie wieder hell. Beginnt es zu schneien, hat man die Blüten vergessen. Und knospen die Bäume, kann man sich an den Winter nicht erinnern. Wir Menschen scheinen unablässig auf der Suche nach dem neuen Status Quo. Das kann ein gutes Unterfangen sein, denn alles was zum Status Quo gehört, ist bekannt, geprüft und für gut befunden. Lebensabläufe automatisieren sich, es wird Arbeitsspeicher frei. Was wir in der Ordinary World tun, tun wir automatisch, ohne Nachzudenken, im Schlaf. Der Weg in die Upside Down ist ein jähes Erwachen. Sich umsehen, taumelnd, bin ich gerade erst geboren worden?

Dann ist alles unbekannt, seltsam, erfordert Kraft und Aufmerksamkeit. Neue Möglichkeiten auszuloten kann anstrengend sein. Doch immer noch ruft das Versprechen von einem neuen, besseren Status Quo. Vor allem, wenn die neugefundenen Möglichkeiten bedroht sind. Dann wird einem klar, hier kann ich nicht bleiben. Wenn der Feind an den Toren steht, gibt es kein zurück mehr. Wenn die Sonne aufgeht, dann scheint sie auch. Nichts kann den nächsten Tag aufhalten.

Und nichts stoppt einen Helden, in die Höhle des Löwen zu treten. Um seine Vision einer neuen Welt zu verteidigen. Hier muss jeder Held sich selbst ins Auge blicken und sich fragen, glaube ich wirklich, dass es wahr werden kann? Erst wenn diese Frage mit einem entschiedenen und lebenskrachenden Ja beantwortet wird, rumpelt die Mauer und alle Festungen reißen ein. Dann sieht der Held hinter den Trümmern seiner Ordinary World einen Weg, der nach draußen führt. Und in die neue Welt hinein. Erst wenn die Heldin angekommen ist, weiß sie, hier wollte ich die ganze Zeit hin.

Surprise

Hugh hat alles aufs Spiel gesetzt, um das Bankhaus Pilaster zu retten. Seine neue Ehe ist gescheitert aber der Weg frei für seine Beziehung zu Maise, mit der er ein illegitimes Kind hat. In diesem Sinne ist Hugh ein konventioneller Held; er hat erreicht, was er sich immer vorgenommen hat. Seine materiellen Wünsche sind erfüllt und der Schatten seines Vaters hat sich von ihm  gehoben. Aber Hughs neue Welt ist dennoch eine Überraschung für ihn. Denn, mit der Frau die er liebt, an einer langen Tafel zu sitzen und im Kreise von Menschen, denen er vertraut, zu feiern, ist etwas, dass er sich nicht vorzustellen gewagt hat. Das ist das schöne an der New World. Manchmal ist sie noch besser, als man erwartet.

Egal ob die Heldin auf einem neuen Planeten landet, oder zum ersten Mal seit Tagen das Bett verlässt, die neue Welt ist entschieden anders als die Ordinary World. Augenscheinlich mögen die selben Autos in der Parklücke stehen, oder der Briefkasten noch immer ungeleert im Hausflur hängen. Aber vielleicht hat es zu regnen aufgehört und die Heldin sieht, was sie die ganze Zeit zu Erkennen versucht hat. Dass sie fähig ist, ihre Welt zu verändern.

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