DIY-Donnerstag, Playful Writing

Playful Writing #5 Verteidigung

23. Mai 2019
Verteidigung

Heute geht es heute um die Verteidigung beim Playful Writing. Ich habe mir ja Fußball als Vergleichsspiel genommen und gerade bei der Verteidigung könntest du vielleicht sagen: Schreiben ist eine einsame Angelegenheit – wo und wie muss ich mich da verteidigen. Naaaa – warte ab.

Doch zuvor ein Bild. Stell dir vor, du greifst am Morgen in den Kleiderschrank und entscheidest dich für das gelbe Kleid/den gelben Anzug. Wirklich knallgelb. Und wenn du auf die Straße trittst, dann ist dir vermutlich klar, dass du diesen Look verteidigen musst. Klar, er weicht von „normal“ ab. Freunde kommen auf dich zu und vermutlich und mindestens gibt es zwei verschiedene Reaktionen. Die einen werden sagen:

  • Oh, ups, was für eine Farbe … // Oh mein Gott was für eine Farbe// Wie siehts du denn aus? (Und das sind dann vermutlich diejenigen, die es nicht so gut finden). Die anderen:
  • Hey, super. Steht dir klasse!//Cooler Look// Wow, krasses Statement. (Und das ist dann eine positive Reaktion – denn ich gehe mal davon aus, dass deine Freunde ehrlich sind.)

Doch egal, was deine Freunde dir sagen, es wird ganz wesentlich davon abhängen wie du dein Kleid oder den Anzug trägst. Also mit einem selbstbewussten Lächeln, das alle einlädt, dir ein Kompliment zu machen oder mit einem entschuldigenden Lächeln, als wäre heute morgen beim Anziehen etwas schief gelaufen. Klar ist die erste Haltung besser, denn sie erzeugt fast schon ein Kompliment. Verteidigung ist also nicht nur etwas, für das du gewappnet sein musst, sondern etwas, für das du selbst eine Menge tun kannst.

Und darum wird es heute gehen: Wie verteidigst du deine Ideen, Pläne, dein Verhalten, deine Meinung, deine Arbeitszeit, dein fertiges Buch. Ich fange mal vorne an.

Schreibenvorbereitung

Wer seine Zeit nicht gegen Angriff von anderen verteidigt, wird keine Zeit haben. Jeder will deine Zeit. Es fängt bei Schule, deinem Arbeitgeber an, deiner Familie, Kinder, die Nachbarn, die Verwandten, die Werbung, Sociale Media. Aufmerksamkeit ist nämlich auch Zeit. Zeit, die du brauchst, wenn du eine Buch schreiben willst. Also ist der erste wichtigste Schritt beim Schreiben, deine Schreibzeit gegen Angriffe von außen zu verteidigen. Mach sie zu einer wichtigen Zeit. Mindestens so wichtig wie das Workout. Klar ist das schwierig, wenn du Menschen, die gerne deine Zeit für sich hätten, erklären musst, warum du ein Buch schreiben willst. Und ich kann dir auch schon sagen, was du unter Umständen hören wirst:

  • Was bringt das überhaupt, ein Buch zu schreiben?
  • Gibt es nicht schon genug Bücher?
  • Was hast du Neues zu erzählen?
  • Wie willst du davon leben?
  • Hast du nichts besseres zu tun?
  • Musst du nicht (wirklich) arbeiten?

Und die beste Verteidigung ist in diesem Fall, schon einige knackige Antworten parat zu haben, die du selbstbewusst präsentieren kannst.  Egal welche, Hauptsache du kannst sie mit Überzeugung und erhobenem Kopf sagen.

Doch nehmen wir an, du hast die Zeit oder sie dir erkämpft, dann kommt sofort der zweite Kampf – nämlich mit dir selbst.

Schreibprozess

Wenn man beim Fußball sagt, jemand ist sein eigener schlimmster Gegner, dann spricht man vom Mindset (darüber habe ich hier gebloggt). Du willst den Elfmeter im Netz versenken, aber im entscheidenen Augenblick flattern die Nerven, der Ball fliegt irgendwo ins Nirwana. Du hast dir also deine Schreibzeit erkämpft und dann hast du plötzlich selber ganz viel vor, musst dir die Zähne mit Zahnseide reinigen oder deine Porzellanigelsammlung abstauben.

Und nun ist es sehr wichtig, dein Buchprojekt vor dir selbst zu verteidigen. Etwas, was dir noch öfter im Schreibprozess begegnen wird. Denn nicht die anderen sind deine größten Gegner – meist bist du es selbst. Sag dir, dass es wichtig ist, täglich und zwar jetzt, genau jetzt zu schreiben, statt Ausreden zu finden, warum alles auch später gemacht werden kann. Verteidige dein Schreiben!

Dramaturgie und Aufbau

Auch die Verteidigung hat Strategien, nicht nur der Angriff. Ein Buch braucht einen guten Aufbau, eine gute Dramaturgie, sonst wird es leicht angreifbar, langweilig (hier Tricks wie du das verhinderst) oder fällt auseinander.

Die Innenverteidiger im Fußball sind meistens körperlich relativ robust und groß gewachsen, um sowohl Zweikämpfe am Boden als auch Kopfballduelle gewinnen zu können. (Wikipedia)

Nun sind Schriftsteller meist Künstler und alles mögliche aber selten robust. Okay, nicht so schlimm. Ein dickes Fell ist etwas, dass man sich antrainieren kann. Also seinen Text zu verteidigen.

Um dein Buch so gut zu schreiben, dass es einem Angriff standhält, sollte es zuerst einmal einen guten Aufbau haben. Daher musst du dich eingehend mit deiner Handlung und dem dramaturgischen Aufbau deines Buches beschäftigen. Wer viel Erfahrung hat, kann drauflosschreiben, die Dramaturgie ist schon verinnerlicht. Doch als Schreibanfänger nützt es, wenn du dir ein Blatt Papier nimmst und dir die Geschichte selbst verdeutlichst: Was kommt am Anfang, was passiert in der Mitte, wie ist das Ende der Geschichte – ungefähr.

Stil und Ausdruck

Nicht jeder schreibt sofort sehr gut. Manche können es, die meisten nicht. Daher brauchst du gerade am Anfang gute Nerven und eine sehr gute Verteidigung. Der Sturm der Gedanken geht ungefähr so:

  • Was habe ich denn da für einen Mist geschrieben?
  • Wieso hört sich das nicht besser an?
  • Wer wird das je verlegen?
  • Niemand wird mein Buch mögen!

Und wieder musst du dich verteidigen. Angriff ist die beste Verteidigung? Ja, in diesem Fall, beim konkreten Schreiben, absolut. Ignoriere die Stimmen, leg los. (Dazu hier mehr).

Die erste Fassung

Und dann ist das Buch fertig. Oder? Denn wenn du es nicht während des Schreibens getan hast, dann musst du es nun tun: Die Überarbeitung. Ich würde sie jetzt mal mit der Spielanalyse vergleichen. Der Moment nach dem Spiel, wenn der Trainer die Videos abspielt und noch mal erläutert, was denn alles gut und was nicht so gut gelaufen ist. Wenn du ein Profispieler/Schreiber bist oder werden willst, dann gehört das dazu.

Nun gibt es im Verlag dafür Lektoren. Und wenn du einen Verlagsvertrag hast, dann ist ein Lektorat in Deutschland üblich. Das wäre dann der Trainer, der dir sagt, was er besser gefunden hätte. Und weil es ein Text und kein Video ist, was analysiert wird, gibt es Anmerkungen und Kommentare am Rand.

Wenn du keine Lektorin hast (egal ob aus dem Verlag oder eine freie Lektor*in), dann musst du selbst ran und deinen Text kritisch ansehen. Erneut lesen.

Funktioniert das so? Und wieder wirst du sehen, dass du manche Passagen durchaus vor dir selbst (oder der Lektor*in gegenüber) verteidigen musst und andere ändern.

Eine spielerische Verteidung heißt in der Überarbeitung, einen guten Abstand zu sich und seinem Text zu bekommen und ein unabhängiges Auge darauf zu werfen. Je größer der Abstand, desto leichter. Denn der größte Verteidungsmoment steht dir ja noch bevor.

Veröffentlichung

Ich weiß noch, wie mich die ersten Rezensionen zu meinen Büchern in eine Wechselbad der Gefühle (und hier benutze ich einfach mal eine abgelutschte Formulierung) gestoßen hat. Mal war ich begeistert, mal geschockt, wenn es harte Kritik gab oder die „freundlichen drei Sternchen, die ich gerne vergebe„. Was ja nichts anderes hieß als: Ganz schön grelle Farbe für ein Kleid, oder?

Ich musste lernen, die Kritik in Gruppen einzuteilen. Relevant, wichtig, unrelevant, unwichtig. Oder auch: freundlich, höflich, gemein, hart, neidisch, frustriert. Da man den Kritiker*innen nicht persönlich begegnet, war das besonders hart. Kein echter Zweikampf. Einfach nur: Nimm hin!

Und hier sind wir wohl bei Fouls. Eine gute spielerische Verteidung verläuft selbstverständlich ohne Fouls und Beinchen stellen und auch nicht auf der Reservebank herumschmollen. Aber wie wir alle wissen – Fouls existieren. Also werfe ich im nächsten Beitrag mal einen Blick auf die Fallen und ausgestreckten Beinchen beim Schreiben.

Bis dahin eine gute sonnige Zeit und viel Energie zum Schreiben!

xoxo

Katrin

#schreibtipps #amwriting #rbpub #redbugwriting

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1 Comment

  • Reply Playful Writing #9 Mittelfeld - Red Bug CultureRed Bug Culture 24. Oktober 2019 at 18:10

    […] lässt: Was mache ich hier überhaupt? Sturm (mehr darüber) – alles klar, Verteidigung (mehr darüber)- auch, aber WTF ist meine Aufgabe im […]

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