DIY-Donnerstag, Playful Writing

Playful Writing #4 Das Spiel

9. Mai 2019
Das Spiel

Ich mag es, das Schreiben eines Buches ein Spiel zu nennen. Spielen ist einer der kreativsten Zustände, in denen du dich befinden kannst.

Der Mensch spielt nur, wo er in voller Bedeutung des Wortes Mensch ist, und er ist nur da ganz Mensch, wo er spielt. (Schiller)

Spielen heißt, die Sache locker und entspannt anzugehen. Keine Planung, kein Stress. Und genauso sollte Schreiben sein. Klar, weiß ich, dass es Phasen gibt, da fühlt sich alles nach harter Arbeit an. Das nennen wir jetzt mal Training. Heute geht es aber nur um das Spiel, also den Moment, wo man alles, was man gelernt hat, anwendet und – schreibt!

Mein partner in crime ist zur Zeit besessen von Messi-Videos.

Er scheint damit nicht allein zu sein, denn der bekannteste Videozusammenschnitt von Messi-Spielen hat 34 Millionen Klicks. Messi spielt eine Mischung aus einem „Zehner“ und „Neuner“-Position.  (Die 10er Position habe ich ja schon mal vorgestellt.) Das bedeutet eine Art Kreuzung zwischen einem Spielmacher und einem klassischen Stoßstürmer. Messi wartet zum Beispiel nicht an der Strafraumgrenze auf eine Torschussvorlage, sondern lässt sich gerne mal zurückfallen, um von einer tieferen Position aus Tempodribblings zu starten. Okay, für Einige von euch ist das vielleicht schon zu viel Fußballlatein. Was ich sagen will: Messi ist genial. Als Stürmer und als Spielemacher. Und ganz besonders, weil er beide Postitionen kombinieren kann. Und daher kann man von ihm sehr viel lernen.

Ganz im Spiel

Du sollst jetzt nicht Fußball spielen – worauf ich hinaus will – beim Schreiben ist es ähnlich. Und, nur um das ganz klar zu machen, wenn ich beim Schreiben sage, also IM Spiel, dann meine ich, die Zeit, die du damit verbringst, am Computer zu sitzen oder über dein Notizbuch gebeugt um – Sätze aufzuschreiben.

Vieles gehört zum Schreiben eines Buches dazu, aber irgendwann ist es einfach nur das: Schreiben. Worte aneinanderreihen, Sätze bilden. Wenn ich in diesem Zustand bin, dann vergesse ich die Zeit, den Raum, meinen Körper – alles. Ich bin weder ganz in meinem Kopf, noch ganz in meinem Körper, fast habe ich das Gefühl etwas außerhalb von mir zu schweben. Schwerelos. Und diese Gefühl kenne ich tatsächlich von früher, wenn ich mit meinen Brüdern zusammen gespielt habe. Selbstvergessen. Oder auch vom Malen oder Zeichnen. Und es ist seltsam – genau dieses Gefühl beschreiben Menschen auch, wenn sie ein Spiel sehen oder ein Bild angucken oder ein Buch lesen. Etwas überträgt sich. Und zwar je intensiver und gleichzeitig schwereloser desto leichter dieses Spiel ist. Meisterschaft. Wie bei Messi. Da muss man einfach hingucken.

Spiel-regeln

Jedes Spiel hat andere Spielregeln. Die eines Fußballspiels sind vermutlich den meisten vertraut und die „Spielregeln“, die beim Schreiben gelten, kannst du hier auch fast alle auf dem Blog nachlesen. Aber es gibt eine Regel, die ist ungeschrieben und gilt gleichzeitig für alle Spiele: Ein Spiel darf nicht langweilig sein. Langeweile bedeutet, dass die Zuschauer das Stadium verlassen und die Leser das Buch weglegen. Langweilig sein – hat sehr oft damit zu tun, dass jemand sein Handwerk nicht versteht. Deshalb sind Regionalspiele uninteressanter als Weltmeisterschaftsspiele und mit Büchern ist es ähnlich. Ein guter Schriftsteller fesselt seine Leser, ein schlechter – nun ja … Darum ist es so wichtig, gut zu schreiben. Klar, gibt es viele, sie sich auch bei Regionalspielen wunderbar amüsieren, aber 34 Millionen Klicks – just saying.

„In many cases when a reader puts a story aside because it ‚got boring,‘ the boredom arose because the writer grew enchanted with his powers of description and lost sight of his priority, which is to keep the ball rolling.“  — Stephen King (On Writing: A Memoir of the Craft)

Stürmer

Die Lektion für das spielerische Schreiben heißt also diesmal: Sei spannend. Mach es aufregend! Mach es intensiv. Egal ob leise oder laut, mache es geschickt und wendig und abwechslungsreich. Und um das am besten zu erklären, habe ich mir für heute die Position des Stürmers ausgesucht.

Wenn man ein Fußballspiel ansieht, dann ist die Position des Stürmers eindeutig die spannendste. Er macht (meist) die Tore. Er fegt nach vorne, lässt sich nicht aufhalten, besteht den Zweikampf gegen den Torhüter, setzt den Ball ins Netz, genießt den Jubel der Massen. Stürmer sind sehr oft die Stars ihrer Mannschaft, besonders, wenn sie viele Tore schießen. (Und Messi – ist eine Klasse für sich.)

Hey, das kommt mir vertraut vor. Wenn ich in meinem Schreibflow bin, dann spüre ich diesen Drang nach vorne, dieses Gefühl, der Geschwindigkeit, es fließt einfach aus mir heraus, meist kann ich gar nicht so schnell schreiben, wie mir Gedanken kommen. Dieses Gefühl, nach vorne zu preschen, ist sehr gut und hilfreich, wenn du schreibst. Stürmer sind mutig. Stürmer sind draufgängerisch. Ein Stürmer will gewinnen. Das Tor machen. Diese – vielleicht sogar aggressive – Haltung ist auch für das Schreiben wichtig. Das Gegenteil wäre jemand, der zögert, ständig alles zurücknimmt, was er oder sie geschrieben hat, herumtüftelt. Okay, stimmt, es gibt auch eine Zeit für diese Dinge. Aber im Spiel, beim Spiel ist eindeutig nicht die Zeit dafür.

Zusammenspiel

Klar, kann ein Stürmer das Spiel nicht allein machen. Er wartet auf Vorlagen, er wartet auf Pässe. Das heißt, wenn du dich ohne Vorbereitung an den Schreibtisch setzt und einfach loschreiben willst, wird das vermutlich nicht lange gut gehen. Das ist so, als ob ein Spieler ohne Training und Ahnung von Strategie auf den Fußballplatz rennt.

Was sind also Tipps, damit es ein gutes Spiel wird?

  • Ich notiere mir häufig für jedes Kapitel ein paar Stichpunkte, damit ich weiß, was ich ungefähr ansprechen oder erzählen will. Nicht zu viel, nicht zu wenig. Eine gute Vorlage. Auch, damit ich den Schreibflow nicht unterbrechen muss.
  • Und ich suche mir einen ungestörten Platz, damit niemand mich unterbricht. Einen sicheren Platz.
  • Ich verliere mich nicht in Beschreibungen, sondern stelle mir vor, jemand säße mir gegenüber, dem ich die Geschichte erzähle. So knapp und komprimiert, aber auch so spannend und unterhaltsam wie möglich.

Und ein Tor kann man dann mit einem guten Abschnitt vergleichen, einem brillanten Dialog, einer fesselnden Beschreibung. Das Gute beim Schreiben ist ja: Gelingt etwas nicht, kann man einfach zurückspulen und es ändern. Da sind wir Fußballspielern gegenüber auf jeden Fall im Vorteil.

Das nächste Mal geht es um Verteidigung. Was soll das überhaupt beim Schreiben sein? Wozu brauchst du sie? Und so weiter.

Bis dahin

xoxo

Katrin

#redbugwriting #redbugpub #schreibtipps #amwriting

 

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1 Comment

  • Reply Playful Writing #5 Verteidigung - Red Bug CultureRed Bug Culture 1. August 2019 at 13:15

    […] braucht einen guten Aufbau, eine gute Dramaturgie, sonst wird es leicht angreifbar, langweilig (hier Tricks wie du das verhinderst) oder fällt […]

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