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STORY WORLD #9 Contemporary: The New World

3. April 2019
STORY WORLD #9 Contemporary: The New World

STORY WORLD #9 Contemporary: The New World

 

Wenn wir von einer Reise zurückkehren, platzieren wir stolz Muscheln und Steine auf dem Fensterbrett. Lassen mitgebrachten Hand durch die Hände rieseln, pflanzen einen stibitzten Baum im Vorgarten. Welten hinterlassen Spuren.

Ma wird aus dem Krankenhaus entlassen und sie und Jack können in eine eigene Wohnung einziehen. Die Welt steht ihnen offen. Jack will Room besuchen. 

Zurückzukehren und sich von Room zu verabschieden ist wichtig für Jack und für die Story. Sich in die alten Schuhe zu zwängen und verwundert im Spiegel zu betrachten. Kannst du glauben, dass ich das mal war? Zu spüren, dass ein Zeitabschnitt vorbeigegangen ist. Hinter einem in der Ferne verschwindet.

“Goodbye, Room.“ I wave up at Skylight.
„Say goodbye,“ I tell Ma. „Goodbye, Room.“
Ma says it but on mute. I look back one more time.
It’s like a crater, a hole where something happened. Then we go out the door.” ― Emma Donoghue, Room

Abschiede sind genau so wichtig wie Anfänge.

Jack hat nie darüber entscheiden können, ob er in Room geboren wird oder nicht. Hatte nie Einfluss darauf, wie lange und zu welchen Bedingungen sie den kleinen Raum bewohnen. Aber jetzt, am Ende der Geschichte, kann er entscheiden, Room zu betreten und sich umzusehen. Die Hände an die Wand zu legen, mit dem Wissen, was dahinter ist. Festzustellen, dass es keine Alternative zum neuen Leben gibt. Room ist nicht mehr das, was es mal war. Und Jack ist nicht mehr, der der er mal war. Und dann kann er über die Schwelle treten und aus dem Garten heraus. Hinaus in seine neue Welt.

Innere Welten

Story Welten sind Spiegel der inneren Wirklichkeit. Welches Bild verdeutlicht einen bestimmten Konflikt besonders gut? Welcher Raum schildert eine Chance oder Problem? Welche Möglichkeiten des Ausdrucks geben wir einem Helden zur Hand?

Genau wie jeder Mensch, lebt auch ein Held im Rhythmus des Lebens, der von ständiger Veränderung geprägt ist. Mit einem Mal ist die alte Haut zu eng, das Leben zu stumpf und alles Schulterklopfen zu einem faden Ritual geworden. Man kann noch so lang die Wange an die Fensterscheibe drücken und dem Regen beim Nieseln zusehen, ein innerer Sturm zieht heran. Helden entdecken Welten, die ihrem inneren Auge entsprechen. Ringen mit ihrer Außenwelt genauso wie mit ihrem Innenleben.

Contemporary: The New World

Der Fall ist gelöst, das Liebespaar zusammen, die Freunde versöhnt. Über der Stadt geht eine neue Sonne geht auf. Hinter den matt glänzenden Fenstern Träumende. Nur unser Held ist wach und sieht, wie die Strahlen langsam über die Häuserwände kriechen. In der Flußbiegung blitzen. Hört die Vögel zwitschern. Alle Anspannung ist von ihm abgefallen. Zum ersten Mal kann er schlafen. Und wenn er wieder erwacht und sich einen Bagel am Backstand gegenüber holt, lächelt er zurück, als die Bedienung ihm einen aufmerksamen Blick schenkt.

Eine neue Welt ist vor allem, eine Welt voller neuer Möglichkeiten. Wo vorher nur Sackgassen waren, sind jetzt Wege. Anders als beim Eintritt in die Upside Down, ist diese neue Welt dem Held nicht fremd. Er kennt sie, so wie er sich kennt. Denn er hat sie mitgestaltet. Wo er in der Upside Down ein neugieriger Entdecker ist, ein Fremder, ein Tourist, ist er hier ein Weltbewohner. Ein wichtiger Teil seiner neuen Umgebung.

Vergleich

In vielen Geschichten, bietet es sich an, die neue Welt in einem entscheidenden Bild der alten Welt gegenüber zu stellen. In der einen ist der Staub noch nicht aufgewirbelt worden, in der anderen ist bereits dabei sich zu legen. Die Ruhe vor und nach dem Sturm. In der der das Bevorstehende geahnt und das Erlebte verarbeitet werden kann.

Und eine neue Welt ist immer nur der Anfang.

Nächste Woche geht es weiter mit History: The Ordinary World.

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