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STORY WORLD #12 History: Die Höhle des Löwen

24. April 2019
STORY WORLD #12 History: Die Höhle des Löwen

STORY WORLD #12 History: Die Höhle des Löwen

 

Wenn wir einem Abenteuer in die Augen blicken, gibt es immer diese kleine Stimme in uns, die sagt, aber was ist, wenn ich in der Klemme lande? Die Höhle des Löwen ist die Klemme. Das macht sie so unangenehm. Man hat sie geahnt, gefürchtet und versucht, sie zu umgehen.

Bevor man aufbricht, malt man den Teufel an alle Wände. Sobald der erste Schritt gegangen ist, verfliegen viele Zweifel. Hey, die Straße ist gar nicht so schlecht! Die Sonne scheint, die Vögel zwitschern, man hat genug Proviant im Rucksack und einen freshen Wandersong auf den Lippen. Doch dann beginnt der Himmel sich zu zuziehen.

 

Wetter

Wetter ist ein starkes Tool um Stimmungen fühlbar zu machen. Ob Nebel, Hagel oder Sandsturm, die Dynamik der Umgebung beeinflusst den Held und wird, in manchen Fällen vom Held beeinflusst. Unkontrollierbare Faktoren wie Schnee, Regen oder Blitze wirbeln die Story auf und geben der Leserin ein besseres Gefühl für die Dramatik der Situation. Wetter verdichtet die Atmosphäre der Story Welt. Es eignet sich, um das Vergehen von Zeit zu illustrieren, Spannung zu erzeugen und Landschaften zu Erlebnissen werden zu lassen. Wetter schafft Hindernisse, besänftigt oder wühlt auf. Es unterstreich den Flow und die Dynamik des Plots und fordert den Held heraus.

Das kann ein episches Gewitter auf dem Höhepunkt der Story sein, oder eine einzelne Schneeflocke. Sanfter Sonnenschein auf den Locken der Geliebten oder helle Blitze, die den Heimathimmel fremd aussehen lassen. Wetter zwingt den Held, sich mit seiner Umgebung auseinanderzusetzen und erzählt ihm auch etwas über sich selbst. An manchen Tagen sehen wir bei strahlendem Sonnenschein aus dem Fenster und können diesen nervösen Knoten in uns spüren. Druck der von Sonne ausgeht. Sei happy, geh raus, hab Spaß und Erfolg. Wir spielen eine Weile mit den Vorhängen und dem Gedanken, zurück ins Bett zu kriechen. An anderen Tagen reißen wir die Balkontür auf, schwingen uns übers Geländer und können das saftige Gras zwischen unseren Zehen spüren. Leben, here I come! Wie Held oder Heldin mit den Witterungen umgehen, die ihnen entgegenschlagen, sagt viel über ihre innere Einstellung aus.

Wo Licht ist, ist auch Schatten

„All through the night, a thousand gallons of rain distilled indiscriminately from the effluvia of London’s streets and the sweet exhalations of faraway lakes are tossed down upon the house in Chepstow Villas.“ – Michel Faber, The Crimson Petal and The White

Sugar hat es geschafft, sie ist in das Innerste der Story Welt vorgedrungen. Das Anwesen ihres Liebhabers. Wenn da nur nicht ein paar ganz kleine Unannehmlichkeiten wären. Anstatt in einem weißen Kleid über die Schwelle getragen zu werden, wird Sugar durch den Hintereingang eingeschleust und ist, als Gouvernante getarnt, für die Erziehung von Williams Tochter zuständig. Ihre Anweisungen sind klar. Lass dich so wenig wie möglich blicken, fang keinen Streit an, halte das Kind in Ordnung. Doch irgendwie kann Sugar sich nicht so ganz daran halten.

Denn sie lebt Wand an Wand mit der Hausherrin und Ehefrau Williams. Wer ist diese zerbrechliche Gestalt, von der im Haus alle flüstern? Liegt in ihrem zimmergroßen Himmelbett und schmiedet Fantasien. So eine Ehefrau dürfte doch keine Konkurrenz für eine Frau von Welt sein. Aber William hängt an seiner Frau und wird Sugar gegenüber unaufmerksam. Was ist schlimmer, als eine Mätresse? Eine in Ungnade gefallene Mätresse. Und Sugar spürt, wie sich der Schleier der Gleichgültigkeit um ihre Schultern legt. Ihr Einfluss auf William schwindet und damit ihre Chance, sich einen Platz Herrenhaus zu sichern.

Innenwelt

In der Upside Down ändert sich die Story Welt rapide und drastisch. Die Heldin befindet sich in einer völlig neuen (äußeren) Umgebung und findet heraus, was für Einschränkungen und Möglichkeiten es gibt. In der Höhle des Löwen ändert sich die äußere Umgebung ein weiteres Mal, hier ist es jedoch die innere Welt der Heldin, die den größten Einfluss auf ihre Wahrnehmung der Story Welt hat. Sugars Glück, so glaubt sie, ist fest mit dieser Story World verwachsen. Wird sie aus dem Haus geworfen, verliert sie alles.

Hugh sitzt in der Falle. Sein ganzes Leben lang hat er versucht, die Schuld seines Vater am Bankcrash wieder gut zu machen, jetzt steht ein neuer Zusammenbruch ins Haus. Das Bankhaus droht zu stürzen. Hugh größten Ängste beginnen, wahr zu werden. Seine neue Frau beginnt die Stirn zu runzeln und mit den Augen zu rollen. Wenn ihm das Geld ausgeht, das vermutet er schon jetzt, kann er sie durch das Gartentor spazieren sehen. Klapp, sein neues Leben mit einem Mal zerschlagen. Jedes Haus, jeder Wall, jede vermeintliche Sicherheit kann an diesem Punkt erschüttert werden. In der Höhle des Löwen geht es ans Eingemachte. Nämlich an die innere Substanz des Helden.

Sugar fällt aus dem Augenlicht, hinein in die Dunkelheit, aus der sie gekommen ist. Bevor sie William um den Finger wickelte, tappt sie in einer inneren Einöde umher, nur angetrieben von der Hitze ihres eigenen Willens. Jetzt weiß sie nicht, ob sie noch die Kraft haft, sich aus der Versenkung zu hieven.

Hoffnung 

Am Rande des Abgrunds ist der Held schwach. Angegriffen. Die Story World ist eine Herausforderung geworden. Jeder Stein, der auf dem Weg liegt, lädt zum Stolpern, fallen, liegenbleiben ein. Jedes Lüftchen drängt vom Weg ab, jeder Tropfen verzischt. Die Höhle des Löwen ist eine Welt des „Was wäre wenn“. Die letzte Schlacht wird geschlagen, um einen schlimmen Zustand zu verhindern oder einen guten Zustand zurückzugewinnen. In der Höhle des Löwen muss sich der Held oder die Heldin mit einer Welt konfrontieren, die aus ihrem Scheitern erwachsen würde. Und auf eine Welt hoffen, die entsteht, wenn diese letzte Schwelle erfolgreich gemeistert wird.

Die Höhle des Löwen ist der Grund, aus dem der Held gezögert hat, loszugehen. Die Neue Welt ist die Motivation des Helden, sich aus ihr heraus zu bewegen.

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