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STORY WORLD #6 Contemporary: The Upside Down

20. März 2019
STORY WORLD #6 Contemporary: The Upside Down

STORY WORLD #6 Contemporary: The Upside Down

 

Irgendwann kommt in jeder Story der Punkt, an dem das Konzept des Status Quo ins Wanken gerät. Ein Riss in der Realität, durch den fremde Düfte, ferne Farben und unbekannte Möglichkeiten strömen.

Ein Raum im Kopf, der sich öffnet, sobald der Heldin klar wird, dass sie nicht bleiben kann, wo sie ist. Dass die Ordinary World bei Weitem nicht alles ist. Diese Erkenntnis ist immer eine Erschütterung. Egal, wie sehr sich die Heldin aus ihrer Gefangenschaft heraus wünscht, das Wissen, gehen zu können, ja, gehen zu müssen, ist dennoch erschreckend. Wann auch immer ein Held die Welt wechselt, ist das ein bedeutender Schritt in eine neue Zukunft.

 

Aufbruch

Jacks Leben ist auf Room beschränkt. So, wie das Leben jedes Helden, zu Beginn der Geschichte, auf das begrenzt ist, was er kennt. Outside, das ist etwas, das Jack sich nur schwer vorstellen kann. Nick kommt von Outside. Jack weiß nicht, wo er hingeht, wenn er Room verlässt oder wo er herkommt, wenn er Room besucht. Jacks einzige Subworld ist Cupboard, der Schrank, in dem er sitzen muss, wenn Nick Ma besuchen kommt. So, wie sich die Welt für den Helden anfühlt, ist sie auch beschaffen. Was für den einen ein Paradies ist, kann für den anderen die Hölle sein. Und was sich für uns wie eine absolute Qual anhört, ist immer noch Jacks Zuhause. Doch Ma plant Jacks Flucht aus Room.

Outside and Upside Down

Auch Jack muss  mehrere Portale durchqueren, um die Upside Down World zu betreten. Der Teppich. Door. Die einzige Tür im kleinen Raum. Das Auto. Rennen. Das Polizeiauto. Ein Junge, der die Welt nicht kennt, auf freiem Fuß. Und ohne Ma. Weil er erklären kann, wo sie sich befindet, kann Ma aus Room gerettet werden. Für beide beginnt ein neues Leben, außerhalb von Room.

Die Welt des Feinds

So paradox das klingen mag, in einer Liebesgeschichte ist der Feind die Partnerin/der Partner. Wo man gerade noch allein in der Ordinary World herum gedümpelt ist, gehört man auf einmal zu Jemandem. Und ist seinen Gefühlen völlig ausgeliefert. Der Kampf um die eigene Identität, ist vielleicht weniger actionreich als die Vernichtung des Rings in den Feuern Mordors, aber genauso bedeutend.  

Die neuen Möglichkeiten der Upside Down sind immer mit einem gewissen Risiko verbunden. Zurückgehen kann man nicht mehr.
Vorne tut sich der Nebel des Unbekannten auf. Neue Gefühle. Die Chance sich bei einzuordnen.
Und die Frage: Wer ist man noch, wenn man nicht ist, wo man immer war?

Die smarte Anwältin, die ihren Rollkoffer über eine zugeschlammte Auffahrt zieht, fragt sich, was sie hinter der rustikalen Eingangstür erwartet. Ich will, dass du meine Eltern kennenlernstWas ist das überhaupt für eine Formulierung? Und warum konnte er sie nicht vom Flughafen abholen? Auf einmal ist das Schultheaterstück seiner Halbschwester wichtiger als das Elterntreffen, das sich wie eine Regenwolke über ihr zusammenbraut. Ach nein, es ist echter Regen, der anfängt, in den offenen Mantelkragen zu nieseln. Ihre Handflächen beginnen trotz Kälte zu schwitzen. Warum hat sie mehr Angst vor einem in die Jahre gekommenen Elternpaar als vor den besten Anwälten des Kontinents?

Die Upside Down fordert jeden Helden heraus, und offenbart zielsicher jede Schwäche, um die es sich bis jetzt herumzudrücken galt.

In Krimis ist die Welt des Feinds, die Welt des Täters, der gesucht wird. Der erste Tatort, die Denkweise, das psychologische Panorama des Täters wird kennengelernt und auskundschaftet. Bei Profiler Geschichten muss die Kommissarin herausfinden, wie die innere Welt der Täterin aussieht, um zu erkennen, wo und in welcher äußeren Welt sie zu finden und zu überführen ist.

Fun & Games

Im ersten Abschnitt der Upside Down kann die neue Welt (spielerisch) entdeckt werden. Es steht schon etwas auf dem Spiel, aber noch nicht so viel, wie in der Höhle des Löwen. Bei einer Heldin, die in Gefangenschaft startet, kann die neugewonnene Freiheit hier genossen, aufgesogen und kennengelernt werden. Eine neue Welt bedeutet auch immer ein neues System. Ein Regelwerk, dass es zu durchschauen gilt. Einem Städter, der im Dschungel steht, wird auf einmal schmerzlich bewusst, wie wenig er weiß, wir viel es zu entdecken gibt. Und während er noch über die schweren saftgrünen Blätter streicht und sich fragt, ob sie essbar sind, bricht eine Wolke am Himmel und ein Gewitter stürzt auf ihn herab. Willkommen.

Fühl dich (nicht) wie zuhause.

Hier offenbart sich auch die Geschichte, die erzählt wird. Room handelt nicht von einem Jungen, der sein ganzes Leben in einem einzigen Raum verbringt. Sie handelt von einem Jungen, der Freiheit gewinnt. Und was das bedeutet.

Freiheit und Verantwortung

Die Außenwelt ist zwar sicher, bedroht Jack aber enorm. In der Upside Down werden die Glaubenssätze des Heldin hinterfragt und beansprucht. Outside ist er Niemand, nie dagewesen. Wie jeder Held, muss er sich in der Upside Down völlig neu definieren.

Er lernt einen neuen Jack kennen. Jack Enkel, Patient, Opfer, Wie andere ihn wahrnehmen, hat zum ersten Mal eine Wirkung auf ihn. Wo vorher nur Ma und ihre Sicht auf die Dinge war, gibt es auf einmal viele verschiedene Perspektiven, die Jack definieren.Wer du in der Welt bist, formt die Story Welt entscheidend. Auf einmal gibt es eine Menge Leute die Anspruch auf Jack und sein Wohlbefinden haben und er spürt zum ersten Mal, was es heißt, Teil einer Gruppe, Familie zu sein. Ma ist zerstreut und beansprucht. Jack wird klar, Freiheit ist Verantwortung. Und um mit dieser Verantwortung umgehen zu können, muss sich jeder Held sich in die nächste Welt wagen. Die Höhle des Löwen.

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