DIY-Donnerstag, Playful Writing

Playful Writing #3 Mindset

28. März 2019
Mindset  und mentale Vorbereitung

Vielleicht hätte ich diese Blogserie, also das spielreische Schreiben eines Buches, doch besser an Schach erklärt? Gerade bei diesem Beitrag über die mentale Einstellung scheint Fußball so überhaupt nicht zu passen. Oder???? Nein! Wenn ich mich einmal entschieden habe, dann bleibe ich dabei. Ich ziehe das durch. Fußball passt. Jeder Blogartikel eine Spielposition. Heute geht es um Mindset, ich finde eine Position. Oder mehrere. Ich lasse mich nicht abhalten.

Okay, das war die erste Lektion. Denn wenn ich an mentale Vorbereitung denke, an ein gutes Mindset zum Schreiben, dann ist etwas wirklich ganz schlecht: Zweifel. Dazu komme ich dann am Ende des Blogartikels. Jetzt geht es erst einmal um ein gutes Mindset und wie ich es aufbaue. Zuerst vielleicht die Frage:

Mindset – was ist das?

Mindset wird in Deutschen mit Mentalität übersetzt, aber ich finde, der englische Begriffe hat sich – besonders im Business-Zusammenhängen – schon sehr stark durchgesetzt und passt auch besser. Man könnte auch Einstellung sagen. Die Art, wie man Dinge angeht, was man für Glaubenssätze hat (ich schaffe alles, was ich mir vornehme// bei mir klappt nie was), an was man glaubt, was man für richtig hält, was man sich zutraut.

Mindset ist nicht EINE Mentalität oder Haltung, sondern meist ein ganzes SET von Einstellungen und Vorstellungen. Lauter kleine Sätze und Überzeugungen, die wir immer dann hören, wenn wir etwas Neues beginnen wollen. Wenn du ein erstes Buch schreibst, dann ist es etwas Neues. Und du brauchst dafür ein neues Mindset.

Irgendwo habe ich gelesen: Wenn mein Verhalten ein Pfeil ist, dann ist mein Mindset der Bogen. Anders gesagt, wenn ich ein Ziel habe und den Bogen nicht darauf richte, dann werde ich das Ziel nicht erreichen. Mein Verhalten, meine Arbeit, mein Einsatz, kann noch so emsig und engagiert sein, wenn ich mich nicht gedanklich und mental darauf einstelle, dann werde ich das Ziel nicht erreichen. Da wären wir zum Beispiel bei den Menschen, die schon mehrere Manuskripte in der Schublade haben und sich wünschen, in einem Verlag veröffentlicht zu werden. Doch statt ihr Mindset zu ändern, schreiben sie das nächste Buch, als ob sie nicht schon genug Material in der Schublade hätten.

Ich bin kein Materialist. Ich glaube nicht so sehr daran, dass man etwas tun/machen/schaffen muss, ich denke mir lieber Dinge aus und warte dann auf Lösungen. Manche nennen das Law of attraction, andere Faulheit, wieder andere Procrastinieren. Ja, es kann auch alles das sein, wenn man es nicht richtig macht. Ich glitche auch mal ab. Deshalb finde ich es wichtig, sich vor dem Schreiben in die richtige mentale Position zu bringen. Nicht nur den Schreibort oder das Schreibgerät richtig zu wählen, sondern auch die Einstellung.

Trainer

Wenn ich mir eine Postion beim Fußball aussuchen sollte, die vor allem für das Mindset der Manschaft zuständig ist, dann wäre das wohl die Trainer*in. Es gibt verschiedene Trainerpersönlichkeiten und verschiedene Methoden. Das Anbrüllen der Spieler in der Kabine ist wohl auch als Aufmunterung und Motivation gedacht, aber ich empfehle nicht, das nachzuahmen.

Als Autor*in kannst du dich zu deiner eigenen Trainer*in machen. Trainer*innen sehen nicht nur auf ein Spiel, oder eine Saison, sie haben größere Zeiträume im Blick. Sie sagen ihren Spieler*innen nicht nur: Gewinnt das nächste Spiel! Sondern: Gewinnt den Cup! Den Weltmeistertitel! Olympia! Und sie sagen (hoffentlich) auch: Ihr schafft das! Ihr seid großartig! Ihr könnt das schaffen!

Beim Schreiben eines Buches ist es genauso. Am Anfang muss du wirklich glauben, dass du ein Buch zu Ende schreiben kannst. Dass du die Kraft, die Energie, die Fähigkeit hast. Es gibt unendlich viele mittelmäßige, schlechte Autor*innen, deren herausragende Fähigkeit darin besteht, an sich selbst zu glauben. Und sehr gute Autor*innen, die daran scheitern, ein Buch zu schreiben, weil ihre Ansprüche an sich selbst einfach zu hoch sind. Leg los, hab Spaß. Nimm, was du hast und glaub an dich.

Mentale Voraussetzungen

Ich gehe mal ein paar Eigenschaften durch, die ich für wichtig beim Schreiben halte und die sehr viel mit mentaler Kraft und deinem Mindset zu tun haben:

Ausdauer: Oder auch Durchhaltevermögen. Selbst wenn du nur ein kleines Buch mit unter hundert Seiten schreibst, musst du dafür eine Weile am Schreibtisch sitzen. Wenn du schnell aufgibst, frustriert bist, wenn du keine Erfolge siehst, dann hast du dir beim Schreiben eines Buches eine Menge vorgenommen.  Für ein Buch braucht man Ausdauer. Nicht nur für die 300 Seiten oder 60 000 Worte, sondern auch für mindestens 30 Überarbeitungsdurchgänge. Den Anfang eines Buches gehe ich sicher über hundertmal durch, bis er gut ist. Für das Schreiben eines Buches brauchst du Ausdauer. Wenn du damit Schwierigkeiten hast, beginne parallel oder vorher mit etwas, für das du auch Ausdauer brauchst. Tägliches Joggen. Eine Sprache lernen.

Fokus: Den Fokus zu halten, sich also eine Zeitlang nur auf eine Sache zu konzentrieren, ist vermutlich eine der schwierigsten Sachen in der Jetztzeit geworden. Social Media, das Internet, eigentlich wird man ja ständig aufgefordert, sich ablenken zu lassen. Fokus ist wichtig beim Schreiben. Konzentriert auf eine Sache zu bleiben, sich nicht ablenken lassen, die Tagesaufgabe bewältigen. Das erscheint erst unangenehm, ist dann aber so, wie wenn du dich zum Joggen oder der Yogastunde aufgerafft hast: Einfach großartig.

Geduld: Was ist der Unterschied zwischen Ausdauer und Geduld? Ausdauer ist die große Strecke, das Ganze. Geduld ist mehr für das Detail wichtig. Kannst du lange nach der besten Formulierung suchen? Den Höhepunkt deiner Story so lange herauszögern, dass die Leser*in später auch mitfiebern kann? Einen Text wieder und wieder ansehen/lesen/überprüfen, ohne genervt deine Teetasse vom Schreibtisch zu fegen? Ja, dann bist du hier richtig. Wenn nicht – übe Gedult: Koch dir einen Matchatee, setz einen Hefeteig an, repariere deinen Computer.

Kreativität: Well, well … Ich rede nicht davon, ein Künstler zu sein. Schreiben kann Kunst sein, muss es aber nicht. Zuallererst ist es ein Handwerk. Aber ganz ohne Kreativität wird es dann doch schwierig. Sich eine Handlung für ein Buch auszudenken, ist zum Beispiel eine kreative Handlung. Es gibt ja immer mehr Copycats, also Bücher die genauso sind wie und sich auch genauso lesen, eben, als hätte die Autor*in ein bekanntes Buch genommen und die Handlung nur an einen anderen Ort oder eine andere Zeit versetzt. Twilight-„Kopien“ gibt es haufenweise, meist alle sehr erfolgreich. Doch selbst, wenn du nicht mehr als das tun willst (bitte eher nicht!), also etwas wie das und das schreiben willst, musst du ein gewisses Maß an Kreativität haben, um etwas Neues hinzuzufügen. Das Alte umzubauen.

Einflüsse auf das Mindsest.

Zu all den Punkten, die ich oben aufgeführt habe, wirst du schon eineMeinung haben. Vielleicht sagst du: Ich habe viel Ausdauer, aber kreativ bin ich nicht. Oder: Ich bin so ungeduldig, mir geht nichts schnell genug. Wir glauben gerne, dass diese Dinge Fakten sind. So ist es eben, es lässt sich nicht ändern. Falsch.

Das ist dein Mindset. Das, was sich durch Erziehung oder wiederholte eigene Aussagen gebildet hat. Vielleicht hast du sogar zum Schreiben eines Buches ein Mindset. Etwas wie: Dafür braucht man mindestens zwei Jahre. Oder: Nur, wenn ich früher gut in Deutsch war, sollte ich ein Buch schreiben. Wenn du dich bei solchen Gedanken ertappst, dann wird es schwierig, ein Buch zu schreiben. Wir alle wollen nämlich lieber an unser Mindset glauben, als an eine wunderbare, erfolgreiche Zukunft.

Deine Trainer waren früher deine Eltern, auch sie werden eine Meinung zum Schreiben eiens Buches haben. Und ziemlich sicher hast du diese Meinung übernommen. Lehrer spielen eine Rolle, die dir vielleicht immer gesagt habe, dass du zu dumm bist, dir etwas auszudenken oder umgekehrt, superschlau in Mathe und jetzt denkst du nur das wäre etwas, was du kannst. Ich will sagen: Ein Mindset hat man nicht, es bildet sich mit der Zeit und ist dann irgendwann ein sehr festes Netz an Überzeugungen.

Mittelfeld

Ein Trainer ist jemand, der dir helfen kann, dein Mindset zu verändern. Vielleicht ist dein Trainer deine Partner*in, eine Menotor*in, ein Lehrer, eine Agent*in, eine Lektor*in, eine Verleger*in, die ermuntern, dir helfen. Aber alle diese Menschen können das Buch nicht für dich schreiben, und sie können dich auch nur bis an den Rand des Spielfedles begleiten.

Wenn das Spiel beginnt, wenn du an deinem Schreibtisch sitzt und schreibst, dann sind sie weit weg. Dann passiert etwas auf dem Feld, dann wird gespielt und dafür sind die Spieler*innen zuständig. Und wenn ich nach einer Postion im Spiel suchen sollte, die dafür zuständig ist, die Moral der Manschaft, den Flow und Flair aufrecht zu halten, dann würde ich wohl im Mittelfeld nachschauen. Die Stürmer*innen treiben das Spiel nach vorne, die Verteidiger*innen machen hinten dicht, und im Mittelfeld stehen die Spieler*innen, die vorne und hinten im Blick behalten. Die den Glauben an das Spiel nicht verlieren dürfen, weil sie alles zusammenhalten.

Ein gutes Mindset ist sowohl die Voraussetzung, als auch das Herz deines Schreibens.

Zweifel

Klar, kenne wir alle. Die Zweifel sind ja immer da. Meist verteidigen sie ein altes Mindset. Ach, das klappt doch nie!, sagt dein altes Mindset, weil es sich so mühsam eingeredet hat, dass du ganz gerne acht Stunden in deinem Job am Schreibtisch sitzt. Ich kann überhaupt nicht gut schreiben!, sagt es, weil du dann eine perfekte Ausrede hast, deinem Traum nicht nachzugehen. Warum soll ich überhaupt ein Buch schreiben?, sagt es ganz tückisch, weil man die Frage nicht richtig beantworten kann.

Ich sage: Stell dir vor, wie grandios es sich anfühlt, wenn du eine Buch geschrieben hast. Es dir in einem braunen Karton in zwanzigfacher Ausführung ins Haus geliefert wird. Es im Buchladen auf einem Regal steht oder auf einem Büchertisch liegt. (Mehr über Fanasiereisen und Visualisierung). Ab sofort wird das dein neues Mindset!

Nächstes Mal geht es um das Spiel. Wie ist das, wenn du anfängst zu schreiben? Wie fühlt sich das an, was musst du beachten, wie gelingt das locker, eleglant, und erfolgreich?

Bis ganz bald –

xoxo

Katrin

#redbugwriting #rbpub #amwriting #mindset #playfulwriting

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1 Comment

  • Reply Playful Writing #5 Verteidigung - Red Bug CultureRed Bug Culture 23. Mai 2019 at 15:56

    […] Fußball sagt, jemand ist sein eigener schlimmster Gegner, dann spricht man vom Mindset (darüber habe ich hier gebloggt). Du willst den Elfmeter im Netz versenken, aber im entscheidenen Augenblick flattern die Nerven, […]

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