DIY-Donnerstag, Genre/Themen/Storys

GENRE/THEMEN/STORIES #3 STORIES

21. März 2019

Liebe Autor*innen,

heute soll es um Storys gehen.

Um einen mitreißenden Roman oder gar eine langläufige Serie zu schreiben, braucht ihr natürlich eine gute Story-Idee. Manchmal ist das eine Figur, die euch als erstes einfällt, oder ein Ort, an dem ihr gern eine Geschichte spielen lassen wollt, oder es ist ein Konflikt, ein dramatischer Showdown, was auch immer. Ich mache mir beim Lesen – oder auch im Kino – oft den Spaß, zu überlegen, was wohl die allererste Idee war, die dann zu dem Buch oder dem Film geführt hat. (Nicht, dass man das im Nachhinein immer rausbekommen könnte, aber die Überlegung macht trotzdem Spaß.)
Es gibt ja auch immer wieder Glückliche, die behaupten, ihnen sei eine Idee gekommen und der ganze Roman hätte instantly vor ihren Augen gestanden. Das ist schön, aber sicher immer nur zu einem Teil richtig. Denn für einen Roman genügt es ja nicht eine Story-Idee zu haben, sondern man braucht gleich mehrere.

Da gibt es die Hauptcharaktere und die Hauptstorys, die sich durch den gesamten Roman ziehen und die Handlung dominieren. Dann gibt es Nebenstorys, die unter Umständen auch durch die gesamte Geschichte verlaufen. Allerdings nehmen sie weniger Raum ein und bedienen die Hauptstory. Kleinere Nebencharaktere tauchen nur in einigen Kapiteln auf, ohne sich über den gesamten Roman oder die gesamte Serie zu entwickeln. Und es gibt kleine Nebenfiguren, die die Haupt- und Nebenstorys ausschmücken, Informationen bereitstellen oder die Hauptfiguren charakterisieren. Aber auch sie können nicht einfach unmotiviert in der Geschichte auftauchen, sondern brauchen auch eigene Ministorys.

Natürlich sollten sich alle Storys auf das Thema des Romans, der Serie beziehen. Es kann aber durchaus sein, dass einem erst im Schreibprozess  – aus den Storys – klar wird, worum es in dem Roman überhaupt geht.

Wie viele Stories braucht man also?

Nun ganz einfach, ihr braucht so viele Storys, wie Figuren in eurem Roman, in eurer Serie auftauchen. In einer Kurzgeschichte vielleicht nur ein oder zwei. J.R.R Martin hat in The Song of Ice and Fire angeblich über 2300 namentlich bezeichnete Figuren, von denen über 250 ausführlichere Storys haben. Okay. So viele müssen es vielleicht nicht unbedingt sein, aber ein guter Roman braucht eben nicht nur eine gute Hauptstory, die stark genug ist, das Thema zu entwickeln und den Leser mit überraschenden Wendungen zu fesseln, sondern auch sehr gute Nebenstorys, die das Thema und den dramatischen Konflikt der Hauptstory beleuchten.

Immer wieder wird gefragt, wie viele Storys es denn gibt. Natürlich gibt es unendlich viele Geschichten zu erzählen. Aber dabei ist es so ähnlich wie beim Schachspiel, es gibt zwar nahezu unendlich viele Möglichkeiten, wie ein Schachspiel verlaufen kann, aber es gibt nur eine begrenzte Anzahl von Figuren, mit begrenzten Handlungsmöglichkeiten auf einem sehr begrenzten Spielfeld. Genauso ist es mit den unendlich vielen Geschichten, die zu erzählen sind. Sie werden mit einer begrenzten Anzahl von Storys erzählt. Im Folgenden werde ich, angelehnt an Philipp Parkers Aufzählung in seiner Creative Matrix die Struktur der gebräuchlichsten Storylines erläutern.

Die zehn Story-Arten
Die Liebesgeschichte.

Was macht eine Liebesgeschichte aus, und wie ist sie strukturiert? Ganz einfach: Einer Figur mangelt es an etwas oder jemanden. Ob sie es selbst merkt oder nur der Leser, spielt dabei keine Rolle. Dann sieht die Figur ein – nennen wir es mal –  Objekt der Begierde, die den Mangel beseitigen könnte. Es bestehen natürlich Hindernisse, die verhindern, dass die Figur gleich mit dem Objekt der Begierde glücklich wird. Die Figur bemüht sich, kämpft darum, diese Hindernisse zu überwinden. Das gelingt ihr auch und sie ist endlich mit dem Objekt der Begierde zusammen.

Damit ist die Liebesgeschichte der Figur beendet, aber nicht unbedingt der gesamte Roman, oder das Theaterstück. Romeo aus Shakespeares Romeo und Julia wäre ein Beispiel für eine Figur auf einer Liebesgeschichte. Aber auch der Prinz in Cinderella ist in einer solchen Liebesgeschichte, während Cinderella selbst sich in einer anderen Story bewegt:

Die unerkannte Tugend

Hier sehen wir eine Figur mit einer besonderen Tugend, die eine fremde Welt betritt. Sie verliebt sich in einen mächtigen Charakter in dieser Welt. Die tugendhafte Figur versucht, den mächtigen Charakter für sich zu gewinnen. Doch die Machtverhältnisse lassen das nicht zu. Sie versucht ein Problem oder eine Aufgabe für den mächtigen Charakter zu lösen. Dabei erkennt der mächtige Charakter die Tugend der Figur.

Auch hier spielt es für die Struktur der Story keine Rolle, ob das Problem, oder die Aufgabe gelöst wird oder nicht.

Wichtig ist, im Kopf zu behalten, dass jede Figur in eurer Geschichte einen eigenen Weg hat, eigene Interessen verfolgt, auf einer eigenen Reise ist, eben einer eigenen Story folgt. Natürlich sollten alle Storys die Hauptstory und vor allem das Thema und das Genre bedienen und unterstützen. Aber nicht alle Figuren in einem Liebesroman, einer  Romance folgen unbedingt der oben beschriebenen Liebesgeschichte.

Sie können ganz andere Storys haben, z.B.:

Der verhängnisvolle Fehler

Eine Figur wird mit Fähigkeiten gezeigt, die ihr Erfolg bescheren. Damit bekommt sie Möglichkeiten, die anderen verwehrt sind. Sie nutzt diese Möglichkeiten egoistisch auf Kosten anderer. Sie erkennt den Schaden, den sie dabei anrichtet und versucht sich neue Ziele zu setzen. Dabei wird sie durch ihre ursprünglichen Fähigkeiten zu Fall gebracht.

Die Schuld, die zurückgezahlt werden muss

Wir sehen jemand, der etwas sehr dringend möchte. Er sieht die Möglichkeit, es zu bekommen – zu einem Preis – und stimmt zu, den Preis später zu zahlen. Er bekommt das Objekt der Begierde und versucht, den Preis nicht zu bezahlen. Der Gläubiger stellt ihn. Die Schuld wird beglichen.

Die Spinne im Netz

Zuerst sehen wir, wie eine Figur, die eine oder mehrere andere dazu bringen will, nach ihrer Pfeife zu tanzen, schafft es aber nicht. Sie entwickelt eine Strategie und führt diesen Plan aus, um die anderen zu manipulieren. Es gelingt und die Figur erreicht ihr ursprüngliches Ziel und blickt in eine neue Zukunft.

Auch hier spielt es für die Struktur der Story keine Rolle, ob der Charakter als gut oder böse empfunden wird.

Das geraubte Geschenk, die geraubte Gabe

Die Figur hat eine besondere Gabe, eine besondere Fähigkeit, oder einen besonderen Schatz, Besitz etc. und verliert es, ihn, sie. Sie versucht es, ihn, sie zurückzugewinnen. Sie versöhnt sich mit einer neuen Situation, die sie auf der Suche nach dem ursprünglichen Besitz entdeckt.

Übergänge, coming of age, Eintritt in einen neuen Lebensabschnitt

Die Figur bemerkt einen neuen Entwicklungsschritt, der ansteht. Sie versucht, das dafür Nötige zu lernen. Die Figur tut so, als hätte sie schon alles für den neuen Entwicklungsschritt gelernt – und scheitert. Sie steht vor einer Aufgabe, die über alles hinausgeht, was sie bisher wusste und erreicht hatte. Sie bewältigt die Herausforderung. Die Figur schafft den Entwicklungsschritt und tritt in eine neue Lebensphase ein.

Die Suche

Die Figur will oder muss, jemanden oder etwas finden. Sie nimmt die Herausforderung an. Sie macht sich auf die Suche und wird fündig. Ob sie dafür belohnt wird oder nicht, spielt dabei keine Rolle.

Der Getriebene

Der Getriebene kommt an einen neuen Ort. Er oder sie sieht sich einem Problem gegenüber, das mit dem Ort zusammenhängt. Dabei erkennt sie, oder es wird dem Leser deutlich, warum sie ursprünglich auf die Reise gegangen, weggelaufen ist und jetzt an dem neuen Ort ist. Die Figur versucht, den Ort wieder zu verlassen und weiterzuziehen.

Der Unverwüstliche

Der Unverwüstliche zeigt in einer Situation seine Fähigkeiten. Dann trifft er auf noch größere Herausforderungen und nimmt sie an. Dabei sieht er sich einer großen Zahl gegnerischer Kräfte gegenüber, die er überwindet. Er bewältigt die Herausforderung erfolgreich.

Fazit

Die aufgeführten Storylines erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit, aber aus meiner Sicht können fast alle Storys mehr oder weniger auf diese wenigen Storylines zurückgeführt werden. Und es ist sehr hilfreich, sich spätestens in Überarbeitungsprozess klarzumachen, welcher Story lasse ich welche Figur folgen und wie  unterstützte ich damit die Hauptstory, das Thema und das Genre meines Romans.

Falls euch noch andere Storylines einfallen, oder Charaktere aus bekannten Büchern, die den oben aufgeführten Storys folgen. lasst es mich gerne wissen und kommentiert.

Bis dahin

Uwe

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1 Comment

  • Reply Genre/Themen/Stories #1 Einleitung - Red Bug CultureRed Bug Culture 21. März 2019 at 19:42

    […] es mit den Genres, Stories, Themen und Sequenzen eines Buches auf sich hat, werde in dieser Blogreihe zu erläutern […]

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