DIY-Donnerstag, Genre/Themen/Storys

GENRE/THEMEN/STORIES #2 THEMEN

21. Februar 2019
Schreibthemen

Liebe AutorInnen, liebe LeserInnen, wer gespannt auf Isabels Charakterspecial Wünsche wartet, den muss ich auf übernächste Woche vertrösten. Sie ist für ein paar Tage verreist. Dafür bekommt ihr heute ein paar Überlegungen zu Themen von mir.

Worüber möchte ich schreiben, welche Geschichte möchte ich erzählen? Das sind Fragen, die ihr euch als AutorInnen vielleicht gar nicht stellt, weil sie zu selbstverständlich sind. Ihr habt die Idee für ein bestimmtes Setting, oder einen großartigen spannenden Charakter, wollt endlich mal über einen bestimmten Konflikt schreiben, was auch immer.

Ihr legt los, schreibt das Manuskript in einem Rutsch durch. Es ist perfekt. Jedes Wort an der richtigen Stelle. Ein Pageturner, den niemand vor der letzten Seite aus der Hand legt. Wunderbar.

Falls allerdings der unwahrscheinliche Fall eintreten sollte, dass ihr irgendwie ins Stocken geratet, oder am Ende nicht ganz zufrieden seid, ist der Moment gekommen, an dem ihr euch fragen solltet, fragen müsst: Worum geht es in meinem Buch?

Ist es die Befreiung von Awalon, die Liebe in Zeiten von LGBT, die Eroberung des Weltraums, oder … oder …

Natürlich wisst ihr das. Natürlich wisst ihr worüber ihr schreibt. Dennoch ist es oft hilfreich, sich immer mal wieder klar zu machen. Worum geht es wirklich? Was ist das Thema?

Nehmen wir einen LGBT Roman (weil sie gerade so im Schwange sind). Nun könnte man sagen, okay unterschiedliche sexuelle Ausrichtungen, Vorlieben oder Konflikte sind das Thema. Das ist allerdings nur bedingt richtig. Für das Schreiben, für die Prägnanz und Stringenz der Geschichte kann es nämlich sehr hilfreich sein, zu erkennen, dass LGTB nur der Hintergrund, die Folie, das Setting ist, das zur Entfaltung eines der wenigen großen Themen dient, die uns bewegen. Manchmal werdet ihr erst merken, welches wirklich euer Thema ist, worum es euch wirklich geht, wenn die erste Fassung des Manuskripts fertig ist. Manchmal werdet ihr euch darüber Gedanken machen, wenn der eine oder andere Erzählstrang nicht passt, oder ins Leere läuft. Ein Charakter vielleicht rausfliegt oder viel mehr Raum einnimmt, als ihr eigentlich wolltet. Wie gesagt, ist das der Punkt an dem die Frage ansteht. Worum geht es? Was ist das Thema?

Es gibt zwar unendlich viele Geschichten zu erzählen, aber es gibt nur eine gute Handvoll Themen.

Die Themen

Die meisten von uns kennen das Gefühl, allein zu sein und haben den Wunsch geliebt zu werden, haben eine Sehnsucht nach Liebe. Ist das das Thema für meine LGBT Geschichte? Ist es also eine Liebesgeschichte? Und wenn ja, ist es eine romantische Liebesgeschichte, eine dramatische? Oder eine tragische. Geht es darum, dass zwei Menschen sich und ihre Liebe finden, oder geht es darum, dass sie ihre Liebe verteidigen müssen, oder ist es vielleicht sogar so, dass einer gar nicht an die Liebe glaubt.

Oder wird da vielleicht jemand ungerecht behandelt, ausgeschlossen, diskriminiert und es geht um das Verlangen nach Gerechtigkeit. Das Setting LGTB liefert sicher viele Vorgaben, um eine Geschichte über Ungerechtigkeit zu schreiben. Ein Thema, von dem fast jeder angesprochen sein dürfte, denn die allermeisten von uns werden schon einmal das Gefühl gehabt haben, ungerecht behandelt worden zu sein.

Dann gibt es in jeder Gesellschaft, in jeder Gruppierung, in jeder Familie festgeschriebene oder stillschweigende Vereinbarungen darüber, was für gut und was für schlecht befunden wird. Und manchmal stellen diese Vereinbarungen den Einzelnen vor schwere Entscheidungen. Entwicklung wäre nur schwer möglich, wenn sich nicht manchmal Einzelne gegen die überkommenen Ansichten einer Gesellschaft stellen würden. Ist das Thema also vielleicht die Frage nach der Moral des Einzelnen in der Gesellschaft. Sicher ein Thema für das LGBT Setting.

Umgekehrt kann es natürlich auch sein, dass Chaos herrscht, oder chaotische Verhältnisse das täglich Überleben bedrohen. Der Wunsch nach Ordnung ist, wenn auch unter uns kreativen Chaoten vielleicht ein wenig unterschätzt, auch ein großes Thema der Menschheit.

Aber auch der Wunsch nach Vergnügen kann ein Thema sein. Wir alle haben den Wunsch nach einem glücklichen, angenehmen Leben. Die Jagd nach Vergnügen, (und die damit verbundenen Kosten) eignet sich besonders für Komödien.

Wir sind alle sterblich. Und die Frage wie man mit der Angst vor dem Tod umgeht, umgehen kann, umgehen soll, ist auch eines der wesentlichen Themen, die uns beschäftigen. Das Gleiche gilt für die Angst vor dem Unbekannten. Beide Themen werden natürlich oft in Thrillern oder Horrorgeschichten bedient, in denen es schlicht darum geht, ob der Held überlebt. Aber es eignet sich auch für persönliche Entwicklungsgeschichten, in denen z.B. jemand an dieser Angst wächst.

Persönliche Entwicklungsgeschichten zeichnen sich dadurch aus, dass der Hauptcharakter einen riesigen Entwicklungsbogen macht. Vom schüchternen Mauerblümchen zum Superhero, vom gebeutelten Außenseiter zum glücklichen Menschen. Vom Waisenkind im Wandschrank unter der Treppe – zum berühmtesten Zauberer der Welt. Das Thema dieser Geschichten ist unser aller Bedürfnis nach Anerkennung. Nach Anerkennung unser Einzigartigkeit, unserer Fähigkeiten, unserer Vorlieben und Vorstellungen.

Das Problem mit Themen

Ich behaupte nicht, dass dies alle Themen sind, die in einem Buch behandelt werden können. Aber ich denke, dass man hiermit einen guten Anhaltspunkt hat, wenn man sich in seiner eigenen Geschichte verlaufen hat, und dass fast alle Konflikte auf diese Themen heruntergebrochen werden können. Vermutlich werden mehrere Themen in eurer Geschichte nebeneinander stehen oder miteinander konkurrieren. Das ist zunächst kein Problem. Wenn ihr aber vermeiden wollt, dass ihr und vor allem eure LeserInnen irgendwann nicht mehr wissen, worum es überhaupt geht, solltet ihr in der Überarbeitung des Manuskripts genau überlegen, worum es geht. Was ist das Thema?

Dabei ist es manchmal nicht ganz einfach und geradezu verwirrend, den Plot, die active questions und die Erzählstränge der Charaktere vom Thema zu unterschieden. Es kann z.B. sein, dass ihr jemanden zeigt, der auf der Suche nach der Liebe seines Lebens ist. Eine Liebesgeschichte also? Nicht unbedingt. Auf seiner Suche könnte der Hauptcharakter eine große Entwicklung durchmachen, das Thema wäre dann vielleicht nicht die Sehnsucht nach Liebe, sondern das Bedürfnis nach Anerkennung. Die Suche nach der Liebe seines Lebens wäre dann eher ein Mittel um den Plot voranzutreiben. Die Entscheidungen und Handlungen des Charakters und die Ausrichtung eurer Erzählung sollten aber auf den Entwicklungsbogen des Hauptcharakters und euer Thema das Bedürfnis nach Anerkennung fokussiert bleiben.

Wenn ihr das für euch geklärt habt, wird es euch leicht fallen, alle Erzählstränge eurer Charaktere auf das Thema auszurichten und das Thema dadurch zu untermauern. Und nicht nur ihr, sondern auch eure LeserInnen wissen dann genau what’s it all about.

Mehr dazu im nächsten Beitrag.

Bis dahin

Uwe

 

 

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3 Comments

  • Reply GENRE/THEMEN/STORIES #3 STORIES - Red Bug CultureRed Bug Culture 21. März 2019 at 19:10

    […] eben einer eigenen Story folgt. Natürlich sollten alle Stories die Hauptstory und vor allem das Thema und das Genre bedienen und unterstützen. Aber nicht alle Figuren in einem Liebesroman, einer  […]

  • Reply Genre/Themen/Stories #1 Einleitung - Red Bug CultureRed Bug Culture 21. März 2019 at 19:44

    […] es mit den Genres, Stories, Themen und Sequenzen eines Buches auf sich hat, werde in dieser Blogreihe zu erläutern […]

  • Reply Autobiographisches Schreiben – #1 Übertreiben und Erfinden - Red Bug CultureRed Bug Culture 22. Mai 2019 at 23:13

    […] als das, was hervorgehoben, vielleicht übertrieben, verdichtet und dazuerfunden wird. Was ist das Thema, what’s it all about ist auch hier die entscheidende Frage, welche Entwicklung macht der Held, der in diesem speziellen […]

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