Cover Secrets, DIY-Donnerstag

Cover Secrets #12 Jugendbücher

19. Dezember 2018

Sorry, auch dieser Beitrag kommt leicht verspätet, die Weihnachtszeit ist – crazy!

JugendbücherDer letzter Beitrag der Cover Secrets-Reihe ist den Jugendbüchern gewidmet. Als Extrem-Leserin von Kinderjahren an und Jugendbuchautorin verfolge ich Jugendbuchcover schon sehr lange. Was mich fasziniert: Es gibt – genau wie im Erwachsenenbereich – eigentlich alles. Vom verrückten Punkcover bis zum extrem konservativen, braven werdet ihr die unterschiedlichsten Cover unter Jugendbüchern finden. Klar, genauso breit und gemischt ist die Gruppe der Jugendlichen.

Wie es begann

Das Jugendbuch ist relativ jung. Dafür musste man dem Zeitpunkt der Jugend erstmal Beachtung schenken. Ich finde interessant, wie sich der Begriff historisch geformt hat.

Der Begriff Jugend ist historisch gesehen relativ jung und wurde erst um 1800 häufiger verwandt und war dabei ursprünglich ambivalent besetzt (Jugend ist Trunkenheit ohne Wein). Er diente auch zur Distanzierung von einer Personengruppe, die als gefährdet definiert wurde. Der Begriff bezeichnete dann beispielsweise in der Jugendhilfe der 1880er Jahre eine männliche Person aus der Arbeiterklasse zwischen 13 und 18 Jahren, der Tendenzen zur Verwahrlosung, Kriminalität und eine Empfänglichkeit für sozialistische Ideen unterstellt wurden. Erst nach 1900, im Zuge der Jugendbewegung, wurde die eher negative Konnotation des Begriffs (Jugend als Gefährdung und Unreife) durch ein positives Bild ersetzt. (Wikipedia)

JugendbücherDer Begriff Jugendbuch musste demnach auch erst eingeführt werden:

Die britische Autorin Sarah Trimmer, hat die Jugendliche erstmals als eigenständige Gruppe von Lesern anerkannte. Bereits im Jahre 1802 definierte sie Jugend (young adulthood) als das Alter von 14 bis 21 Jahren. In der Kinderliteraturzeitschrift The Guardian of Education, deren Gründerin sie war, unterschied Trimmer „Kinderbücher“ (Books for Children, für die unter 14-jährigen) und „Jugendbücher“ (Books for Young Persons, für die 14- bis 21-jährigen) und führte damit eine Begrifflichkeit ein, die bis heute üblich ist. (Matthew Grenby: The Guardian of Education. Thoemmes Press, Bristol 2002, S. 155)

Cover für Jugendbücher

JugendbücherIch habe im Beitrag  verschiedene Cover von aktuellen Neuerscheinungen amerikanischer AutorInnen im Bereich Young Adult = Jugendbuch verteilt. Ja, auch weil die Amerikaner in der Covergestaltung einfach sehr weit vorne liegen – was eindeutig nicht an den genialen CoverdesignerInnen liegt, die wir hier haben. (Siehe Interview mit Buchgestalterin Suse Kopp). Eine große Vielfalt.

Ganz bewusst habe ich Genre und Blurbs bei den Büchern mal verschwiegen, denn – ihr könnt schon am Cover sehr gut erraten, worum es in dem Buch ungefähr geht und ob es Science Fiction, Fantasy oder eher eine Gegenwartsgeschichte ist. Bei einigen Covern vermutet man AllAge-Bücher,  gerade Fantasy wird ja in allen Altersklassen gelesen, andere haben typische Jugendbuchcover, entweder mit Jugendlichen auf dem Cover oder eine sehr poppige, jugendliche Gestaltung.

Tipps für Jugendbuchcover

Gestaltet ihr als Autor-In von Jugendbüchern eure Cover, werdet euch vor allem klar darüber, in welchem Genre eure Geschichte spielt. Wer hier nicht sicher ist, kann den Beitrag über Genre noch einmal lesen. Ich könnte auch sagen: Seid euch sicher darüber, was eure Geschichte inhaltlich erzählt. Also was für eine Story es ist. Das Genre ist so etwas wie die Gruppe von Bücher, der man euer Buch zuordnen kann. Je nachdem ob es ein Detektivroman oder ein Thriller ist, sollte das Cover am besten anderen Covern aus demselben Genre gerade genug ähneln, um einen Hinweis zu geben, aber trotzdem noch einzigartig sein. Hier mal ein paar Beispiele:

Science Fiktion

Jugendbücher

Galaxy und Stars – hier deutet schon der Titel an, wo die Geschichte spielt. Es ist immer gut, wenn dies schon auf dem Cover klar wird, der Leser will hier keine Überraschungen erleben. Die Oberfläche eines (fremden?) Planeten, andere Planeten (Saturn?) auf dem Cover, eine einsame Gestalt – ziemlich sicher die Heldin oder der Held.

Klar ist hier auch der Titel schon sehr aufklärend, aber es kann überhaupt nicht schaden, dies mit einer eindeutigen Getaltung noch zu unterstreichen. Das Cover hat Tiefe und Raum, eine Perspektive, die einen in das Geschehen hineinzieht.

Die Farbeskala ist beschränkt, es geht vermutlich um einen Aspekt (Seuche, Not, Flucht).

Gegenwartsliteratur/ Contemporary

Über den Kleiderstil der Jugendlichen auf dem linken Cover kann man streiten … aber er soll wohl modern sein. Dies ist ein typisches Cover für eine Geschichte, die im Hier und Jetzt von Jugendlichen spielt, die Halbwertzeit ist entsprechend kurz. Solche Cover muss man und sollte man 0ft überarbeiten, damit sie nicht schnell zu altmodisch wirken.

Während man das linke Cover nicht für ein. Erwachsenenbuch halten würde, sieht es beim rechten Cover schon anders aus. Ja, hm, irgendwie könnte man das auch auf dem Belletristiktisch treffen, oder? Tatsächlich gibt es immer mehr Bücher in Jugendbuchbereich, die von Erwachsenen gelesen werden und tatsächlich ist die Grenze sehr schnell zu überschreiten und zwar in beide Richtungen.

Einige Jugendbücher haben zum Beispiel eine deutlich höhere Sprachebene als einfache Errwachsenenliteratur. Nun ja, viele Jugendliche sind deutlich intelligenter als Erwachsene und wollen daher auch anspruchsvolle Bücher lesen.

In den Verlagen ist das immer wieder ein Problem, da Buchhändler doch bitte eindeutig wissen wollen, wo sie ein Buch hinzulegen haben. Amazon und Co ist das alles egal. Nehmt, wonach euch zumute ist! Davon abgesehen solltet vor allem ihr wissen, ob euer Buch eine eher hohe Sprachebene hat (dann das Cover besser etwas sachlicher/erwachsener) halten oder einfacher ist, dann kann es kindlich, verspielter sein.

Fantasy

Fantasy wird vermutlich ebenso viel wenn nicht öfter von Erwachsenen als von Jugendlichen gelesen. Gerade deshalb ist es wichtig, dass ihr schon die Covergestaltung nicht zu naiv und einfach haltet, sondern hier ruhig zu einer dramatischen und aufregende Szene greift und auch die Schriftzüge auf dem Buch gewaltig und monumental aussehen lasst.

Tolles Cover für den Auftakt einer neuen Serie von Marissa Meyer und – ja, auch so ein Thema. Wenn euer Buch Teil einer Serie ist – was im Fantasybereich fast immer der Fall ist – denkt schon beim ersten Cover daran, dass die fortlaufenden Cover ähnlich sein sollten. Hier sollte also entweder die Farbe verändert werden oder eine neues Motiv dazukommen.  Oder – siehe Umbertouched – sich auch noch der Titel verändern.

Obwohl Verlage es gerne vermeiden, Folgenummern auf Bücher zu drucken, da sie immer Angst haben, sonst greift niemand zu (Ich habe Band eins nicht gelesen, was soll ich mit Band zwei?) finde ich es ziemlich nervig, wenn ich überall auf und in einem Buch suchen muss, ob das nun der 1. Band einer Serie ist oder vielleicht der 5. Teil. Klar, ich will vorne anfangen!

Hier also der Tipp, es bei Print zumindest in den Klappentext zu packen oder ganz dezent auf das Cover, einfach als Hilfe für die Leser.

Zum Abschluss …

… noch zwei schöne Cover, die ihr jetzt mühelos einordnen könnt, oder? Man hat eine ziemlich genaue Vorstellung davon, worum es geht, wie der Erzählstil ist, sogar, wie dick das Buch sein wird. In den nächten Jahren werden euch diese Bücher vermutlich (so sie sich gut in den USA verkaufen) bei uns auf dem Büchertischen begegnen und dann könnt ihr ja mal die deutschen Cover vergleichen. Vielleicht hat der deutsche Verlag die Gestaltung ja sogar übernommen.

Zusammenfasend lässt sich sagen, dass die Vielfalt im Jugendbuchbereich unendlich groß ist, also eine Spielweise für Covergestaltung. Gerade weil es aber so viele unterschiedliche Jugendbücher gibt, solltet ihr besonders gut darauf achten, dem Leser schon früh Anhaltspunkte für den Inhalt zu geben. Das Cover ist eine der ersten Informationen. Seid hier klar und deutlich!

Eine ruhige Weihnachtszeit, viele (Buch)Geschenke, wir „sehen“ uns im neuen Jahr!

Bis bald

Katrin

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