Cover Secrets, DIY-Donnerstag

Cover Secrets #11 Bilderbücher

15. November 2018

Als regelmäßige LeserInnen unseres Blogs werdet ihr es bemerkt haben, gerade kommen die Beiträge leicht verspätet. Das hängt damit zusamen, dass Zweidrittel unseres Teams in L.A. waren und das alles ein wenig durcheinander gewirbelt hat. Aber nun: Bilderbücher in den Cover Secrets.

Bilderbücher und Cover

Das Wichtigste, was man bei Covern für Bilderbücher vielleicht beachten muss, ist, dass sie nicht nur den Lesern=Kindern gefallen müssen, sondern vor allem den Eltern/Großeltern/anderen Eltern = Käufern der Bücher. Wer Kinder hat, weiß es: Sie haben einen anderen Geschmack als ihre Eltern. Doch in der Regel werden Bilderbücher für noch nicht lesende Kinder und auch noch nicht kaufende Kinder gemacht, deshalb gerät man als Coverdesigner nicht – wie vielleicht bei Büchern für Jugendliche – in einen großen Konflikt.

BilderbücherIn meiner Wunschwelt wählen Kinder ihre Bücher selbst aus. Die Realität ist und war auch für mich aber oft anders. Da werden Bücher gekauft, um sie zu verschenken, weil man sie empfohlen bekommt, weil man dem Kind etwas (pädagogisch) Gutes tun will und so weiter.

In der Stadtbibliothek habe ich meine Kinder allerdings immer ihre Bücher selbst aussuchen lassen und war dann erstaunt, wie sie entschieden haben. Mir wurde schnell klar, dass nicht nur meine, sondern alle Kinder Cover schön finden, die klar und deutlich in ihrer Bildsprache sind. Und ihnen eine schicke Gestaltung meist ziemlich egal ist.

Als junge Mutter fand ich nichts schrecklicher als Kitsch, Disneylook und Heinzelmännchenästhetik. Kinder lieben so etwas. Und es heißt ja auch nicht, dass es schlechte Qualität sein muss. Hier also mein erstes Aha-Erlebnis: Was dir gefällt, gefällt nicht unbedingt deinen Kindern. Mit diesem Konflikt: Ich weiß, was gut aussieht und ich sehe, was dir gefällt, müssen wohl die meisten Eltern (und somit auch Designer) leben. Nicht nur bei Büchern.

Cover und Inhalt

Im Grunde fällt die Entscheidung für ein Cover schon sehr früher, nämlich wenn der Inhalt des Buches entschieden wird. Zeichenstil, Farbigkeit und ja, auch die Geschichte geben sehr viel vor. Meist wird eine der stärksten Zeichungen im Buch für das Cover ausgewählt und somit der Look der Zeichnungen im Buch „verraten“. Es wäre ja auch seltsam, wenn auf dem Cover eines Bilderbuchs eine liebliche Zeichnung wäre und innen dann nur abstrakte Bilder. Bei Bilderbüchern heißt es also: You get what you see.

„Das kleine Blau…“ ist ein Kinderbuchklassiker aus den 60er Jahren. Als Kind konnte ich wenig mit dem Buch anfangen. Es war mir einfach zu abstrakt. Erst als ich älter wurde, habe ich es besser verstanden, es fing an, mich zu faszinieren. Farbenlehre in eine Beziehungs-Familiengeschichte gepackt.

Auch wenn das Cover heute altmodisch wirkt, ist es ein gutes Beispiel für ein perfektes Cover, weil es sowohl die Geschichte, als auch den Look des Buches sehr eindeutig repräsentiert.

Bilderbücher und Moden

„Das kleine Blau und das kleine Gelb“ reflektiert den Geschmack und die Denkweise der 60er Jahre – modern, abstrakt, monochrom, minimalistisch. Jedenfalls der fortschrittlichen 60er Jahre. Mode ist ja immer so eine Sache. Manches der 60er Jahre wurde zum Klassiker („Das kleine Schwarze“), anderes haben wir komplett aus unserer Modeästhetik verbannt (die Kittelschürze). „Modern“ zu sein birgt immer ein gewisses Risiko, aber wenn euer Bilderbuch eine moderne Ästhetik hat, dann sollte man das auch gleich auf dem Cover erkennen.

Okay, die „Wildern Kerle“ (1963, 1967 in Deutsch) kennt wohl fast jeder. (Und wenn nicht, dann zumindest den Grüffelo, der für mich immer eine Kopie bleiben wird).

Das Cover ist ein Klassiker und nie geändert worden, was – so erzählte es mir Barbara Gelberg vom Beltz und Gelberg Verlag – daran liegt, dass der Autor und Zeichner Maurice Sendak sich in seinem Buchvertrag hat zusichern lassen, dass das Cover nicht verändert werden darf. Sehr smart. Denn die Gestaltung ist sehr gut, Text und Bild harmonieren perfekt und Autor und Titel sind in gleicher Schriftart eng verbunden.

70er Jahre

Die kleine Raupe Nimmersatt ist ein Kinderbuchklassiker der 70er Jahre. Ich bin damit aufgewachsen, ich habe sie meinen Kindern vorgelesen und wir alle haben sie geliebt.

Wer das Buch kennt, weiß, dass die Seiten durchlöchert sind, weil die Raupe sich nicht nur durch Obst, sondern auch die Seiten frisst. Obwohl die Raupe eher abstrakt gestaltet ist, erinnert sie an eine schöne Kinderzeichnung und ist uns gleich vertraut. Die Raupe ist die Hauptdarstellerin des Buches, sie ist dick auf dem Cover und trotzdem wird es am Ende des Buches eine Überraschung geben, es wird nicht alles verraten – perfekt.

Die 90er Jahre

Der kleine Maulwurf mit dem Haufen auf dem Kopf (von 1989) ist mittlerweile ein Markenzeichen geworden und Wolf Erlbruch sowieso eine Kinderbuch-zeichnerlegende.

Die Schrift auf dem Cover wiederholt sich im Innern, die Zeichnungen auch. Der Titel gibt schon mal eine Vorstellung von der Humorebene des Buches (eher lustig) und die Zeichnug des genervten Maulwurfs mit Kackhaufen auf dem Kopf ist definitiv etwas, was Kindern gefällt (Kinder lieben Kackhaufen). Aber auch Eltern werden hier zugreifen, denn schon das Wort gemacht und nicht gekackt lässt uns aufatmen (es wird nicht ordinär werden). Das wäre dann – für meinen Geschmack –  ein ideales Cover für ein Bilderbuch.

2000er Jahre

„Eins zwei drei Tier“ hat 2000 den Juendliteraturpreis gewonnen und ist in Form und Inhalt ein guter Repräsentant des neuen Jahrtausends. Zeichnungen als hätte sie ein Sechsjähriger gemacht, gereimt, gerappt, mit einem schrägen Humor.

Mögen das Kinder? Nun, sie verstehen eigentlich nicht, was an diesen Zeichnungen so toll sein soll, aber sie mögen es dann doch irgendwann. Jedenfalls aus meiner Erfahrung. Was das Buch zu einem Bilderbuchklassiker macht, ist nicht nur die moderne, freche Gestaltung, sondern auch die Message: Es gibt viele Beziehungskonzepte, aber im Grunde sind wir alle – eins!

Bilderbücher heute

Was die Auswahl aus den Jahrzehnten zeigt: Mittlerweile ist eigentlich alles möglich. Sowohl was die Zeichnungen, als auch den Text angeht und damit auch auf dem Cover auftaucht. Oder wieder kurz gesagt: Was gut im Innern ist, macht sich auch gut auf dem Außencover.

Und wo sind wir heute? Was wäre ein gutes, neuzeitiges Bilderbuchcover? Hm. Wahrscheinlich kann man das erst sagen, wenn weitere 30-50 Jahre vergangen sind, und ein Buch sich durchgesetzt hat und zum Klassiker geworden ist.

Hier meine Ratschläge für ein gutes Bilderbuch-Cover:

  • Eine schöne repräsentative Zeichnung aus dem Innern des Buches für das Cover auswählen.
  • Die Schriftart des Textes auf dem Cover übernehmen oder zumindest der Schriftart im Innern annähern.
  • Einen eindeutigen Titel wählen, der einen Hinweise auf den Inhalt gibt.
  • Im Zweifelsfall lieber groß, klar, deutlich (Ausnahme: Wimmelbücher)
  • Daran denken, dass nicht Kinder über den Kauf entscheiden, sondern Eltern /Großeltern etc.

Aber ihr solltet vor allem daran denken, dass man jede Regeln brechen kann, denn nur so entsteht wirklich etwas Neues.

Den letzten Beitrag habe ich mir für die Cover von Jugendbüchern aufgehoben. Willkommen in der Vielfalt! Bis in vier Wochen

Seid kreativ und glücklich!

Katrin

#bilderbücher #coverdesign #buchgestaltung #coversecrets

You Might Also Like

No Comments

Leave a Reply